Eine der seltsamsten Dinge am Taxigewerbe ist wahrscheinlich die Romantisierung des Ganzen. Wir haben es mit öffentlichem Nahverkehr zu tun. Mies bezahlte Fahrerjobs mit PKW’s. Keine Trucks, keine Sportwagen, kaum Freeway-Feeling, fast nur Stadtverkehr. Es ist ja kein Wunder, dass viele Außenstehende den Job als den letzten Rotz ansehen. Als ob oben genanntes nicht reicht, dürfen wir uns noch mit Tarifbindung, Beförderungpflichten, Pflichtfahrgebieten und allerlei ziemlich pingeligen Regelwerken wie der BOKraft und der StVO außeinandersetzen. Die große Freiheit sieht eigentlich anders aus.
Trotzdem: Ich sitze jetzt seit nahezu einem Monat zu Hause, bzw. bin andersweitig unterwegs. Krank und verheiratet, dennoch eigentlich ganz glücklich. Abgesehen von hässlichen Hustenanfällen und übelschmeckenden Antibiotika besteht mein Tag gerade auch aus viel leckerem Tee, Internetsurfen und gemütlichem Wii-Zocken mit meiner besseren Hälfte. Als Couch-Potatoe kann ich nicht unbedingt sagen, dass mir das missfällt. Bei meinen täglichen kurzen Einkäufen, beim Blick aus dem Fenster, überall springt mich dennoch meine eigentliche Arbeit an.
Aus den Augenwinkeln noch nehme ich jede hellelfenbeinfarbene Lackierung war, registriere Frei- oder Besetztstatus der an mir vorbeifahrenden Kollegen und gebe mich in kurzen Fantasien Gedanken über die Länge der entsprechenden Tour hin. Kurz: Ich hab sowas ähnliches wie Heimweh nach der Arbeit. Ich freue mich aufs Umherkurven in der City und ein Bisschen sogar aufs Kämpfen um die letzten paar Cent zu Feierabend. Wenngleich ich mich bei Krankheit gerne einigle und keine Menschen sehen will, fehlt mir der Kundenkontakt, fehlen mir Kollegen, Winker und sogar der ein oder andere besoffene Jugendliche mit abenteuerlichen Preisvorstellungen.
Dass die andere Wiese bekanntermaßen immer grüner ist, ist mir bekannt. Wirklich enttäuscht sein werde ich allerdings auch nicht, wenn es wieder losgeht, das ist das Absurde. Im Grunde sitze ich wirklich gerne zu Hause rum – aber ganz ohne Taxifahren ist es dann doch irgendwie sch…
Übrigens:
Schön, dass die Resonanz auf das Gewinnspiel so groß ist. Auch wenn das natürlich zu erwarten war, freue ich mich auch tatsächlich über die vielen stillen Leser, die jetzt für die Schokolade ihren Kopf aus dem Versteck raushalten. Ich möchte allerdings gerne zu noch weniger Zurückhaltung aufrufen, da ich mit meiner besseren Hälfte eine Wette über die Kommentaranzahl am Laufen habe. Ich habe auf deutlich mehr Kommentare getippt und der Wetteinsatz ist das Schreiben der Kärtchen für die Verlosung. Wer mir also (wie üblich) nur Gutes will, der überwindet sich und schreibt einen Kommentar. Das Schlimmste, was passieren kann, ist dass es kostenlose Süßigkeiten gibt, ehrlich 🙂
Ansonsten gebt doch einfach den Link weiter. Bitte!
