Ajehoa!

Ich bin mir sicher, dass ich mich nicht grundlos damit rühme, die meisten Sprachbarrieren im Taxi auch ohne die moderne Technik aus dem Weg räumen zu können. Die hilft manchmal, natürlich – aber im Eifer des Gefechts verlässt man sich dann doch schnell mal aufs Gefühl und es ist schön zu sehen, wenn das immer wieder gut geht.

Isses in diesem Fall nicht. Oder nicht wirklich zumindest.

Ich hatte einen Auftrag in Lichtenberg, aber ein Ziel war nicht angegeben. Wie in 75% aller Fälle, das war also nix besonderes. Die Kunden rannten mir auf der Straße schon entgegen, junge Vietnamesen, ausgelassene Stimmung, alles super. Und nun? Wohin?

„Ajehoa-ahe!“

Na klar. 🙁

„Ajehoa-ahe Osöaus.“

Na bitte, geht doch. 🙂

Eine Nummer hatten sie auch noch parat und weit war es auch nicht, also hab ich sie in die Altenhofer Straße in Hohenschönhausen gebracht. Kinderspiel!

Denkste. In Hohenschönhausen gibt’s leider auch noch die Ahrenshooper Straße. Und in die wollten sie eigentlich.

Kleiner Vorteil: Dank der Sprachbarriere hab ich auch nicht mitkriegen müssen, für wie doof sie mich hielten. Am Ende lag der Umweg im 2€-Bereich und die Kunden kannten trotz alledem auch diese nette (und für mich eigentlich unnötige) Tradition mit dem Trinkgeld, das man gibt, obwohl man unzufrieden ist. So will ich mich am Ende mal nicht beschweren, ich hatte schon schlimmere Fahrten. 😉

 

Handy zurückgegeben. Und wie!

Als ich gestern schrieb, dass ich mir bezüglich des gefundenen Handys auch weiterhin einen interessanten Verlauf vorstellen könnte, hatte ich mit viel gerechnet, aber nicht mit Oleg. Oleg war der Besitzer des Handys, der mich im Laufe des Morgens noch vor dem Weckerklingeln ungefähr 30-mal angerufen hat. Was ich 29-mal ignorieren konnte, aber irgendwann ist halt Schluss. Aber ich will nicht lügen: So nervig ich es in dem Moment fand, war ich froh drum. Denn übers Fundamt hätte das alles viel länger gedauert. Außerdem hatte ich bei unserer Fahrt herausgehört, dass Oleg wohl nur zu Besuch in Deutschland war und das alles sonst vielleicht nur über viele weitere Umwege geklappt hätte, ihm das Telefon zukommen zu lassen. Und wenn ich mir den ganzen Mist aufbürde, den ja selbst die Zentrale als „immerhin sehr nett“ bezeichnet, dann ja wohl, um jemandem eine Freude zu machen.

Mein Gehirn ist da altmodisch: Es schüttet Endorphine aus, wenn ich Leuten helfe.

Am Telefon stellte sich schnell raus, das Oleg noch weniger deutsch oder englisch konnte, als ich es im Gedächtnis hatte. Mit Mühe und Not schafften wir es, uns auf die Straße, in der ich ihn und seinen Kumpel (allerdings an einem Imbiss mit anderer Nummer) eingeladen hatte, eine Hausnummer und eine Zeit – 11 Uhr – zu einigen.

Und dann bin ich hingefahren.

Seinen Namen hab ich an der Klingel nicht gefunden, also hab ich erst einmal abgecheckt, ob es nicht ein Zahlendreher gewesen sein könnte. Aber die Nummer gab es gar nicht erst. Dann hab ich in der Not tatsächlich geschafft, auf einem auf moldawisch gestellten Telefon mittels der Kontaktliste eine Nummer zu finden, unter der ich Oleg erreichte.

Juhu?

Nein.

Den meisten unter uns passiert das selten, selbst mir, aber nun hatte ich diesen ganz seltenen Fall, dass unsere Sprachkenntnisse sich so wenig deckten, dass wir es einfach nicht geschafft haben, miteinander zu kommunizieren. Oleg konnte seine Adresse fehlerfrei auf deutsch sagen, verstand im Gegenzug aber nicht, dass ich bereits vor Ort war und nur wissen musste, wo ich klingeln soll. Und natürlich handelte es sich um ein Hochhaus mit drölfzig Namen, die ich wirklich nicht verdachtsweise durchprobieren wollte.

Natürlich sanken mit der Zeit zwischen unseren fruchtlosen Telefonaten meine Hemmungen, aber am Ende hatte ich nur ein paar der offensichtlich osteuropäisch klingenden Namen auf dem Klingelbrett gedrückt. Mit Rumsuchen nach der eventuell anderen Hausnummer und all den Verzögerungen zwischen unseren Telefonaten und SMS summierte sich das auf atemberaubende anderthalb Stunden auf, während er in der Wohnung seines Cousins saß und ich im Grunde meist vor seiner Haustüre.

Natürlich hab ich zigmal überlegt, wieder heimzufahren und das Handy einfach ans Fundamt zu schicken. Aber Oleg war halt nur ein fucking Berlin-Besucher, der kein Deutsch konnte (abgesehen von beinahe ausnahmslos Stücken wie „Vielen Dank“, „sehr nett“, „freue mich“, „gut“ und „schön“), der sein Handy mit Bildern seiner Tochter verloren und mir 15 Stunden zuvor das beste Trinkgeld der Woche gegeben hatte.

Ich weiß nicht einmal mehr, welche Kombination aus meinen Worten (jetzt, hier, waiting, öffnen, Tür, door, open, now, please) am Ende den Ausschlag gegeben hat, dass er mit Schamesröte im Gesicht runterkam. Aber ich weiß noch, was seine ersten Worte waren:

„Tschuljung, tschuljung, Sascha! Wieviel? Wieviel Geld?“

Er reichte mir direkt einen Zehner und ich gebe zu, dass ich in dem Moment noch etwas angepisst war, weil ich über eine Stunde telefonierend in der Hellersdorfer Prärie rumgesessen war. Aber ich habe gesagt:

„Komm, passt schon. Ist ok!“

Und er hat sichtlich zerknirscht einen weiteren Zehner gezückt und „Bijette, bijette, ok!?“ gesagt.

Auch wenn ich für die Chose am Ende alleine 5,60 € Fahrtkosten hatte … ich hab’s dankend angenommen und ihm auf die Schulter geklopft. Manche Dinge passieren eben, wenn auch glücklicherweise nicht jede Woche. 😉

Passt doch …

„Hey! Du free?“

Ich war etwas überrascht, als Zweiter am Stand angequatscht zu werden, aber man ist ja Dienstleister.

„Sure. Where to go?“

„Bringe uns Station Pankof, wieviel?“

„Bahnhof Pankow? Maybe … like 25€.“

„OK, we do.“

Etwas hakelige Verständigung, aber recht gut in Anbetracht der Umstände: Es waren zwei angetrunkene rumänische Bauarbeiter. Also ich wäre wesentlich aufgeschmissener, wenn ich nüchtern in Rumänien ein Taxi besteigen würde. Und der ungefähr wie Mitte 70 wirkende Typ neben mir versuchte sich auch noch zu rechtfertigen:

„Entschuuldigen!“

„Was denn entschuldigen?“

„Daas nicht sprechen. Ich speak Sprache, verstehen?“

„Ach, das geht doch! It’s ok, as long as we can communicate …“

„Schwer for mick! Hier work, Romania CA-TA-STRO-FAL!“

Während er sich Gedanken über sein schlechtes Deutsch machte, fürchtete ich, dass ich das mit den 25€ Fahrtpreis schwer würde einhalten können. Ich war da reichlich optimistisch gewesen und hätte vielleicht sogar eine etwas bessere Route wählen können. Ich hatte zwar schnell beschlossen, dass ich ggf. die Uhr früher ausmachen würde, wenn es nur um einen Kilometer ginge, aber selbst da war ich kurzzeitig nicht mehr sicher. Und die beiden sind auch immer nervöser geworden, weil die Fahrt halt ein wenig gedauert hat. Und soo dicke schien es mit der Kohle dann bei ihnen auch nicht zu sein.

Und am Ende? Hab ich die beiden am Bahnhof bei exakt 24,90€ abgesetzt und sogar ein mittelgutes Trinkgeld bekommen. Es sieht ja oft schwieriger aus als es ist … 🙂

Nasser Sitz

Die Kundin zahlte, gab Trinkgeld, verabschiedete sich nett und stieg aus. Eine weitere Fahrt absolviert, dazu eine unerwartete Winkertour, die prima lief, obwohl es Sprachprobleme gab und die Kundin die Adresse ganz woanders vermutet hatte. Ich war ob all dieser Dinge froh, doch dann sah ich, dass mir ein nasser Beifahrersitz hinterlassen wurde.

Bitte nicht!

Weder Kundin noch Auto haben unangenehm gerochen, aber wir hatten den schönsten Herbsttag, den man sich denken konnte, all das Laub auf der Straße knisterte vor Trockenheit … und so nett die Kundin auch war: Aus nachvollziehbaren Gründen meldet niemand seine Inkontinenz während des Einstiegs an, was sollte sonst passiert sein?

Und während ich kurz davor war, mich wirklich zu ärgern, hab ich – schon alleine aus Psychohygienegründen – nach Ideen gesucht, was denn sonst noch ein Grund sein könnte.

Glücklicherweise wurde ich sehr schnell fündig: Die gute Frau war während der Fahrt die meiste Zeit damit beschäftigt gewesen, einen frischen Blumenstrauß zu bändigen!

Und ja: Ich wäre auch gerne schneller drauf gekommen! 😉

Etwas arg unvorsichtig

Ich hab ein recht gewagtes Manöver vollführt, um noch anhalten zu können, aber genau deswegen hab ich den rückwärtigen Verkehr ja meist im Blick. Ging also ohne Probleme, sonst wären die Winker halt nicht meine Kunden, sondern noch ein paar Minuten länger Winker gewesen.

Ein junges Pärchen, vermutlich Vietnamesen. Ich hoffte schon ein wenig auf eine Fahrt Richtung Heimat. Aber nein: Während sie ins Auto kletterte, nannte er mir in gebrochenem Deutsch eine Adresse im Süden, eine nette 13€-Tour für zwischendurch, noch dazu in eine Party-Area. Bestens. Und dann will er die Tür schließen, offenbar, damit ich seine Freundin heimbringe. Alleine heim war ihr Wunsch aber offenbar nicht, denn sie fuhr hoch, stieg sofort wieder aus und fauchte ihn an, bis er reumütig hinter mich ins Auto kletterte.

Nach dreihundert Metern Fauchen bat er mich, hier doch bitte langsam zu fahren. Offenbar hielten sie nach jemandem Ausschau. Oder auch nicht, denn dann sollte ich weiter und an der nächsten Straße – ab von der Route – links fahren. OK.

Als ich an der Abbiegerampel wartete, kam ein „Dokadeaus.“ von hinten.

„Doch geradeaus? Nicht mehr links?“

Keine Antwort. Also bin ich bei grün nach links.

„Nein! Gadeaus!“

Er nannte die Ursprungsadresse nochmal. Also hab ich kurz eingeworfen:

„Kein Problem, ich fahr über die X und die Y, dann ist das kein Umweg.“

Also 20 Cent vielleicht, aber egal.

Ein Kilometer weiter sollte ich dann nochmal langsam fahren. Während er mich dirigierte, hatte sie jemanden am Telefon, das wirkte wie eine klassische schlecht geplante Verabredung irgendwo unterwegs. Ich tat also wie geheißen. Dann doch ein ok, dann der Hinweis, ich solle am Ziel langsam fahren, dann noch 100 Meter weiter, dann zum Bahnhof, aber nicht zum richtigen Bahnhof, nein, noch weiter, jetzt doch bis zum Club am Ende der Straße. Aber rechtzeitig, bevor wir dort ankamen, musste ich doch noch wenden, und einen Eiertanz sondergleichen hinlegen, um die richtige Hausnummer auch ja metergenau zu treffen. Stopp, nein weiter, langsamer, langsamer, nein weiter, hier, nein noch ein Stück.

Am Ziel beglich sie die Rechnung mit einem kleinen Trinkgeld und stieg aus, ohne ihn eines Blickes zu würdigen. Er kraxelte hastig hervor, stolperte aus dem Auto und rief dann besorgt:

„Noma Lit!“

Ich hab unser Aushilfs-Flutlicht nochmal kurz angeschmissen und was lag da auf der Rückbank? Ein kleines Röhrchen und großflächig verteilt eine, sagen wir mal „kleine Menge“ von vermutlich „Mehl“, die der unbeholfene Fahrgast nun hastig aber fast schon sorgfältig auf seine Hand kehrte.

Ich lobe ja immer die Pingeligkeit von Druffis, aber dem hab ich hinterhergerufen, dass er in Zukunft doch bitte noch ein ganzes Bisschen vorsichtiger sein sollte.

Nach der Tour hab ich erst einmal die Fackel ausgemacht und den Sitz nochmal nass abgewischt. Muss ja nicht sein, dass die künftige Kundschaft die örtliche Hundestaffel in den Wahnsinn treibt … 😉

Nerd-Alert in Marzahn!

Da bin ich extra einen Umweg durch eine unbedeutende Nebenstraße gefahren, um mal kurz am Bahnhof zu gucken. Nicht dass ich da wirklich jemanden erwartet hätte um die Zeit, aber ob der Weg in die City nun 10 oder 11 Kilometer lang ist …

Dann allerdings winkte es nicht etwa am Bahnhof, sondern noch vorher in der kleinen Nebenstraße. Zwei Typen, die sich verabschiedeten, einer stieg dann ein. Vielleicht etwas älter als ich, ein beachtlicher Vollbart und eher so mittelmäßig gepflegt. Wäre es etwas später gewesen, hätte er aufgrund schlechterer Lichtverhältnisse auch als Obdachloser durchgehen können. Er wollte zum NH-Hotel in der Landsberger. Gute Tour, insbesondere für den Kilometerschnitt.

Er sprach offenbar kein Deutsch und begann das Gespräch wie folgt:

„I want to show you what I am into!“

Und dann stellte er sein Handy auf laut und es erklang Klaviermusik.

„That is my music!“

„Oh, so you’re a musician?“

„No, no, no, not really! I am a programmer!“

Ich bin immer noch nicht so ganz sicher, ob er nicht vielleicht nur ein Spinner war, aber wenn ich unser halbenglisches Kauderwelsch richtig interpretiert habe, soll die Musik eine Vertonung von Quadratwurzeln von Primzahlen gewesen sein. Meine Skepsis rührt daher, dass ich die Methodik nicht wirklich verstanden hab und mir das Ganze dann doch ein wenig zu harmonisch für eine rein mathematisch basierte Tonfolge erschien. Aber hey, ich bin nicht vom Fach und manchmal ist Mathematik dann ja doch erstaunlich musikalisch. Falls das alles gestimmt hat, war es auf jeden Fall geil! 🙂

Er war laut eigener Aussage eigentlich weniger Künstler oder Mathematiker, sondern wirklich mehr Programmierer. Aus Argentinien. Eigentlich spezialisiert auf die Visualisierung von Musik. Das mit den Primzahlen wäre nur ein Nebenprojekt gewesen.

Wie dem auch sei: Es war mal eine herzerfrischend andere Unterhaltung. Über sowas ist man ja insbesondere an Wahlabenden recht froh.

„Hodaintel Bens“

Das war gestern gleich ein Wachmacher-Rätsel zu Schichtbeginn. Asiatische Touristen, keinerlei Sprachübereinstimmung, das Telefon ohne Batterie und das Ziel war „Hodaintel Bens“. Ich will ehrlich sein: Ich hab’s nicht einfach so erraten, sie haben noch mehrmals langsamer erklären müssen, was sie wollen. Dass es zu einem Holiday-Inn gehen soll, war schnell klar. Da bieten sich vom Frankfurter Tor aus allerdings so ziemlich alle Fahrtrichtungen an, je nachdem, welches gemeint ist.

Aber ja, mit „Bens“ war der gute alte „Mezdes Bens“ gemeint, also das Hotel direkt neben der Arena, das „Holiday-Inn Berlin City East Side“.

Darf man übrigens ja nicht verwechseln mit dem „Holiday-Inn Berlin City East“ oder dem „Holiday-Inn Berlin City Centre East“. Letztere geben online inzwischen wenigstens die Straßennamen mit an, ansonsten bin ich trotzdem dafür, dass die für die Benennung zuständigen Leute auf Lebenszeit für unnötige Taxikosten haften sollten …