Aus der Reihe „Auch noch nicht gemacht“: Wegen Plakaten anhalten

Manchmal hat man ja kaum eine Wahl, wenn Zeug auf der Straße liegt. Natürlich fährt man im Normalfall einfach drumrum, aber auf dicht befahrenen Straßen (in diesem Fall die Skalitzer in Kreuzberg) ist das nicht immer eine Option. Meist ist es ja harmloses Zeug, in Berlin meist Tüten, die herumgeweht werden. Trotz gelegentlichem Bedenken, ob da nicht doch noch irgendwas drin ist, was dem Auto weh tun könnte, entschließt man sich selten für eine Gefahrenbremsung.

Das Knäuel aus abgerissenen Plakaten sah zwar durchaus ein wenig groß aus, aber in mein Sichtfeld geriet es erst, als das Taxi eines Kollegen es zwischen den Hinterrädern ausspuckte. Wenn er es geschafft hat, dann werde ich es doch auch …

Nein. Nicht.

Also ja, es waren wirklich nur Plakate und dem Auto ist nix passiert, aber der Mist blieb unter meinem Auto klemmen und somit hatte ich das kleine Problem, dass ich im Versuch, drei Quadratmeter Pappe über den Asphalt zu schleifen, ziemlich großzügig Krach machte. Also hab ich ernsthaft während einer Tour angehalten, um Plakate unterm Auto vorzuziehen.

Besonders toll war, dass das nicht einmal geklappt hat und ich den letzten Rest erst nach dem dritten (!) Stopp befreit hatte. Da allerdings war die Kundin immerhin schon am Ziel und ich konnte mir Zeit lassen.

Und ja: Es kommt immer nochmal was, was man noch nie hatte! Auch im nunmehr zehnten Jahr. 🙂

Handy gefunden. Und wie!

Obwohl ich lange verschont wurde: Fundsachen gehören zum Taxifahren dazu. In diesem Fall ist es ein Handy, und zwar vermutlich eines, das man nicht so gerne verliert. Zwar „nur“ ein Huawei, aber immerhin ein aktuelles Smartphone, die Dinger sind heute ja die Auslagerungsdatei für die halbe Persönlichkeit.

Handy, nicht Sashs. Quelle: Sash

Dieser Fall ist aber ein wenig besonders, denn eigentlich müsste dieses Handy seinen Besitzer nicht wirklich suchen. Denn zum einen weiß ich, welchem Kunden es gehört, zum anderen war es auch noch eine Funkbestellung. Darüber hinaus hat das Ding noch Strom und ist nicht einmal gesperrt. Bisher scheint es bloß niemand haben zu wollen.

Aber gut, das mit der Tour war schnell eingegrenzt, denn ich hab es nur zwei Minuten nach dem Ausstieg der Kunden gesehen. Zwei Minuten zu spät, aber ich bin trotzdem nochmal umgekehrt und hab am Aussteigeort geschaut. Leider war es halt keine Kneipe, sondern eine Bushaltestelle, sie waren längst weitergezogen. Als ich mich mit der Zentrale in Verbindung gesetzt habe, um den Fund zu melden, wurde es fast noch absurder, denn glücklicherweise hatten die eine Nummer vom Besteller, das war offensichtlich nicht die dieses Handys, aber der andere ging einfach nicht mehr ran und hat die Anrufe der Zentrale abgeblockt. WTF?

Ich hab dann ehrlich überrascht festgestellt, dass sich das Gerät doch anschalten ließ (war ein anderer Knopf als an meinem, hab’s zuvor verpeilt) und sich sogar entsperren ließ. Nun war das Problem, dass das Betriebssystem eine der 12.000 Sprachen verwendet, die ich nicht spreche. Aber als ich mich zu den Kontakten durchgehangelt hatte, blieb am Ende nur der Hinweis, dass kein Guthaben mehr drauf ist.

Ich werde das jetzt durchaus morgen mal mit einem Abtippen der Nummern über ein anderes Telefon probieren, aber vorher hatte ich Kundschaft und zudem bin ich davon ausgegangen, dass das Ding schon irgendwann klingeln würde. Bisher aber: NIX!

Ich bin vielleicht etwas pingelig, aber wer bitte bemerkt über vier Stunden lang nicht, dass das eingesteckte Telefon nicht da ist oder versucht nicht, es zu erreichen?

Ich hoffe mal, das kommt nicht alles heute nacht um drei Uhr.

Morgen versuche ich dann, einen der Kontakte zu erreichen, auch wenn ich gerade nicht mal weiß, ob die meine Sprache sprechen (der Kunde konnte kein Deutsch) oder ob ich jemanden erreiche. Ansonsten dann halt eine Online-Meldung ans Fundamt.

So wie das angefangen hat, könnte ich mir auch weiterhin einen interessanten Verlauf vorstellen.

Notruf oder so?

Halo, i bims, 5110 vong Notruf her!

Ich hatte einen meiner Stammkunden/Leser gerade in Neuenhagen abgesetzt. Ja, genau das Neuenhagen, das einige von Euch vielleicht aus „Am Arsch der Welt II – jetzt wird’s dörflich!“ kennen. Wie immer eine tolle Tour mit netten Gesprächen, kurz zuvor per SMS ausgemacht.

Und dann klingelt noch in der Prärie das Handy. Private Nummer.

Hey, vielleicht noch eine Lesertour!

„Hallo, Sash hier.“

„Ja, äh, die Zentrale. Haben Sie gerade Kundschaft?“

„Ähm … nein? Jetzt nicht mehr.“

„Jetzt nicht mehr? OK. Weil: Sie senden einen Notruf.“

Irgendwie hatte ich an dem PDA also den Notruf aktiviert. Sowas passiert insgesamt sehr oft, aber zum einen ist es trotz der für gestern und heute „neuen“ Taxe das selbe Gerät, dass ich jeden Tag nutze – zum anderen hab ich seit meinem Funkkurs vor Jahren längst vergessen, wo der Button dafür ist, hatte mich damals schon lautstark bei GNIT darüber beschwert, dass der nur über ein Untermenü erreichbar ist und außerdem in der letzten fucking Stunde das Gerät nicht einmal berührt.

Ich weiß, dass das alle Leute sagen, deren „Computer“ im weitesten Sinne Probleme machen, aber ich hab eine Stunde zuvor wegen der Vorbestellung meinen Status auf „Pause“ gesetzt, um nicht ständig mit Aufträgen genervt zu werden und das war es bis dahin. Ehrlich!

Aber gut, besser ein Fehlalarm, als ein im Ernstfall nicht funktionierender Alarm. In diesem Sinne möchte ich mich jetzt auch halbwegs zeitnah bei all den Kollegen entschuldigen, die vielleicht versucht haben, zu mir zu fahren, obwohl ich so am Arsch der Welt war: Sorry! Ich weiß zwar nicht, was ich falsch gemacht habe, aber vermutlich war es meine Schuld!

Und das ist keine leere Entschuldigung, denn ich hab erst letzte Woche wieder gesehen, wie gut die Kollegenhilfe klappt. Ein (weit von mir entfernter) Notruf ging ein und die Zentrale meldete bereits nach dreieinhalb Minuten, dass man nicht mehr hinfahren solle, weil inzwischen genügend Kollegen vor Ort seien. Von solchen Zugriffszeiten träumt die Polizei nur!

Quietsch-Krrrrrk-Schepper!

Mann, da stand ich „kürzlich“ erst so weit oben in der firmeninternen Unfallstatistik und dann das!

Freitag Abend, 21.10 Uhr etwa war es, da treffe ich den B-Klasse-Fahrer vor mir in Mahlsdorf sauber ganzseitig am Heck. Ein Auffahrunfall, über die Schuldfrage brauchen wir im Grunde also nicht einmal reden … fuck!

Wie zur Hölle ist das jetzt passiert?

Nun, rein rechtlich isses einfach: Ich hab zu spät reagiert, fertig. Ich war für die Verhältnisse zu dicht aufgefahren, so ist es nunmal.

Aber auch wenn ich sowas alle paar Jahre durchaus mal akzeptieren kann und gar kein Mitleid brauche, ist es ein viel zu schöner Unfall gewesen, um nicht mal eben ausführlich drüber zu bloggen. Denn obwohl sich an oben gesagtem nichts ändert: Es ist schon sehr viel zeitgleich schiefgegangen, damit es soweit kam.

Da wäre zum einen die Baustellenampel, an der wir kurz zuvor hintereinander ein Weilchen gewartet haben. Die mag zum einen mein eher dichtes Auffahren nach dem Start erklären, vor allem aber hat sie dann von zweiterem abgelenkt.

Denn zum anderen wäre da die Straßenbahn, die genau dort ohne Ampel die Straße kreuzt und Vorrang hat. Das ist so schon eine eher seltene Verkehrssituation, aber mir wurde eigentlich genau das zum Verhängnis. Denn eben weil ich „endlich“ grün hatte, war in meinem sicher ziemlich auf Verkehrssituationen geschulten Gehirn einfach kein Platz für plötzlichen Querverkehr. Natürlich muss man eigentlich auch bei grünen Ampeln achtsam sein, aber mal ganz ehrlich: Man ist es in der Realität eher weniger. Und deswegen hab ich die uns entgegenkommende Tram eben die halbe Sekunde zuviel später reagiert als mein Vordermann.

Nun waren wir beide nicht sehr schnell, wir waren ja noch am Anfahren, und ein paar Meter trennten uns durchaus. Erinnerungen sind eine schlechte Datenbasis, aber ich würde schätzen, wir hatten bei noch nicht ganz 30 km/h etwa acht bis zehn Meter zwischen uns. Das hätte in 99% aller Fälle locker für eine Gefahrenbremsung gereicht und vermutlich wäre ich da selbst mit meiner Verzögerung gut weggekommen, wenn nicht …

Wenn nicht ausgerechnet an dem Abend und an der Stelle hinter meinem Vordermann, aber vor mir ein akuter Fall von „überfrierender Nässe“ aufgetreten wäre. Ich hatte die Bremse noch nicht einmal ganz durchgedrückt, da blockierten die Räder schon und ich schlitterte einfach in das andere Auto rein. Konnte nix mehr machen, der Fisch war geputzt.

Noch vor dem (den Umständen entsprechend nicht sehr harten) Aufprall lief in meinem Kopf das ganze Programm von aggressiven Unfallgegnern, nervigen Cops, ewiger Wartezeit, nervigem Rumtelefonieren, Abschleppwagen, verkacktem Wochenende und so weiter ab. und dann: KRACH!

Glücklicherweise gestaltete sich das alles ab da beinahe angenehm. Ich hab mich mit dem Fahrer des anderen Autos verständigt, auf den Gehweg zu fahren und er und seine Begleiterin waren ab da die nettesten Menschen an diesem Abend. Sie klagten scherzhaft, dass der Abend bis jetzt so schön gewesen sei, sahen es aber umgehend fast pragmatischer als ich. Wir fanden uns fünf Minuten später schon darüber scherzend wieder, dass wir das eigentlich lieber privat und in nett klären würden, wenn nicht mit meinen Chefs noch eine dritte Partei mit im Boot gewesen wäre. Sie hatten zudem von der Versicherung bereits einen vorgefertigten Unfallberichtbogen dabei, den wir schon mal ausgefüllt haben, bevor die Cops kamen. Nebenbei haben wir lustige Unfall-Anekdoten ausgetauscht. Und der Bogen hat sogar meinen Chefs heute als Bericht gereicht, ich musste das nicht noch einmal neu ausführen.

Die nach etwa 30 Minuten anrückende Staatsgewalt zeigte sich überrascht ob so eines gut organisierten Unfalls und verblieb damit, dem Ganzen eine Nummer zu geben und die Personalien zu notieren.

Wären Autos nicht so scheißteure Geräte, wäre das am Ende eher ein netter Witz gewesen, wie ich mal andere Verkehrsteilnehmer kennengelernt habe.

An der 72 ist nahezu alles heil geblieben. Ich musste später eine Blinkerleuchte austauschen, aber nur weil die Birne einen Schlag weg hatte oder so. Ansonsten Kratzer an der Stoßstange, sonst tut alles noch. Sogar die Abstandssensoren, das Thermometer und all der Scheiß, der sonst bei unspektakulären Andockmanövern die Flinte ins Korn wirft.

Die 72. Sah schon mal besser aus. Quelle: Sash

Wie es bei den Unfallgegnern aussieht, weiß ich nicht, aber auch sie sind erst einmal weitergefahren und haben sich vom nun etwas weiteren Spaltmaß an der Stoßstange nicht groß irritieren lassen.

Fährt man rückwärts an den Baum, verkleinert sich der Kofferraum. Quelle: Sash

Der Rest ist Sache der Versicherungen.

Was am Ende zu sagen bleibt:

  1. Unfälle passieren. Sie sind nie schön und natürlich kann man viele vermeiden, aber man sollte sich bewusst sein, dass man da nicht immun gegen werden kann.
  2. Unfälle sind dementsprechend nicht per se ein Grund, noch mehr Hass und Gewalt in den Straßenverkehr zu bringen, man kann da auch einfach mal relaxt bleiben. Und ich sage das hier als Unfallverursacher in Übereinstimmung mit den Unfallgegnern.
  3. Taxifahrer in Berlin werden offensichtlich nicht einmal dann nach ihrem P-Schein gefragt, wenn sie gerade ganz offensichtlich Bockmist gebaut haben. Vielleicht sollte man sich die aufwändige Verlängerung echt sparen.

Und nicht zuletzt: Es ist nur Blech/Plastik gewesen. Alles ok, also keine Panik! 🙂

Das dumme Navi

Ich hab ja gestern erst mein Navi als das dümmste dieses Planeten beschimpft und ich denke, ich sollte mal erklären, wie ich zu so einer Einschätzung komme. Ich habe ja schon öfter gejammert und mir auch immer wieder das von vor 9 Jahren in der 1925 zurückgewünscht. Aber wirklich nie war das berechtigter als jetzt.

Ich gebe zu, dass ich in den paar Monaten, die ich es jetzt nutze, noch nix an der Routenführung zu meckern hatte und vielleicht liegt das sogar wirklich daran, dass es da ganz gut ist. Es ist mir immer noch etwas zu langsam, aber das geht mir eigentlich auch sonstwo vorbei. Meine Kritik bezieht sich auf einen einzigen, aber unfassbar elementaren Programmierfehler: Es kennt keine doppelten Straßen!

Ihr kennt meine Rants über die dumme Angewohnheit Berlins, etliche Straßen doppelt zu haben. Das mag ein Nischenproblem von Taxifahrern sein, aber wenn man’s mal genau nimmt, ist es damit auch eines von Taxikunden und damit potenziell von allen Menschen.

Was mein derzeitiges Navi (ich kenne die Typbezeichnung nicht, es ist ein eingebautes von Opel) macht, ist so schlecht, dass ich schon mehrfach selbst drüber lachen musste, obwohl es mich irgendwann mal richtig Nerven kosten wird: Wenn man eine Straße eingibt, die es in Berlin mehr als einmal gibt, dann stellt es keine Fragen oder bietet Optionen an, sondern navigiert zu einer offensichtlich vorher festgelegten Straße dieses Namens und ignoriert die anderen einfach.

Herausgefunden habe ich das glücklicherweise ohne Kundschaft, als ich einen Kollegen in der Kastanienallee treffen sollte. Diese Straße in Hellersdorf kenne ich, aber ich hab’s der Hausnummer wegen eingegeben. Plattenbauviertel sind gerne mal ziemlich verschachtelt, es schien mir sinnvoll. Und das Navi wollte mich einfach nach Prenzlauer Berg lotsen. Ich will ehrlich sein: 95% aller Fahrten in eine Kastanienallee gehen zu genau dieser, aber neben ihr und der in Hellersdorf gibt es auch noch ein paar weitere.

Das gestern mit der Uhlandstraße war dann der Beweis, dass die Wahl nicht einmal nach Beliebtheit oder Zentrumsnähe oder so getroffen wird, denn statt zu der großen, langen, zentralen und einzigen mir bekannten Uhlandstraße in Charlottenburg wollte mich das Navi zu einer Nebenstraße am Stadtrand in Lichtenrade lotsen. WTF?

Richtig absurd wird es aber da, wo ich dachte, dass ich das System zwar unbequem, aber immerhin irgendwie austricksen könnte: Das Navi erlaubt nämlich neben der Eingabe der Stadt alternativ auch die Postleitzahl. Das schien mir ein gangbarer Weg. Natürlich nur für Notfälle, denn viele Kunden kennen die Postleitzahl ihres Ziels nicht, aber immerhin irgendwas!

Nope.

Irgendein Programmierer hat das Navi so „intelligent“ gemacht, dass es nach der Eingabe von nur zwei Ziffern erkennt:

„12? Aha! Du willst nach Berlin!“

Und dann Berlin als Zielstadt auswählt.

Den ersten Teil der Problematik kann ich trotz Ärger verstehen. Da wusste wohl jemand nicht, dass es in Berlin zig Straßen doppelt, drei- oder elffach gibt. Aber dass dann eine andere Funktion AKTIV dafür sorgt, dass das Gerät NOCH unbrauchbarer wird … da jubiliert der Anarchist in mir, das ist so grotesk scheiße, dass ich eigentlich nur noch drüber lachen kann.

Ich weiß, ich wollte mir ewig schon ein eigenes Navi anschaffen. Ich werde es tun, aber derzeit überwiegt die Faulheit.

Ende gut, alles gut.

Offenbar ist gerade sowas wie Idioten-Hochsaison. Zumindest hatte ich heute wieder so eine Fahrt, bei der ich rückblickend vielleicht lieber einen Horrorclown gehabt hätte, der mir nach 20 Minuten erklärt, dass das, was er trage, eigentlich gar kein Kostüm sei.

Es hat schon etwas gruselig angefangen, denn in Friedrichsfelde-Ost standen plötzlich drei Männer mittleren Alters in Anzügen um mein Auto und stritten sich. Allerdings auf Vietnamesisch, so dass ich nicht wusste, worum es ging. Einer wollte dann einsteigen und er wollte offenbar nicht, dass einer der anderen mitfährt. Aber sie haben das dann außerhalb des Autos geklärt. Mit ein bisschen mehr Rumschubsen als ich es von Anzugträgern erwartet hätte, aber wirklich was passiert ist auch nicht. Die zwei anderen sind dann gegangen und der kleine Mann im khakifarbenen Anzug entschuldigte sich mit einem tiefen „Sorry“ und bat mich, ihn nach Schönefeld zu fahren.

Gruselig wurde es, als er nach der Hälfte der Strecke schwitzend vornüber kippte. Als ich ihm dabei behilflich war, wieder in den Sitz zu sinken, sah ich, dass sein Hemd rot verschmiert war.

Mein erster Gedanke war natürlich naheliegenderweise, dass der Typ offenbar schwer verletzt war und offensichtlich kurz davor, hier mal eben vom Bewusstsein Abschied zu nehmen. Also hab ich gefragt, ob er verletzt sei, ob ich ihn in ein Krankenhaus bringen sollte. Er verstand mich nicht sehr gut, aber er bestand darauf, zum Bahnhof gebracht zu werden. Obwohl er sichtbar Schmerzen hatte. Hmm …

Eine ganze Weile lang hätte ich schnell in Richtung Köpenicker Krankenhaus abbiegen können, also hab ich mal abgewartet und beobachtet. Gut ging es ihm zwar weiterhin nicht, aber ich hab z.B. schnell gesehen, dass die Flecken auf seinem Hemd zum einen eher doch kein Blut waren, zum anderen aber selbst dann wenigstens nicht größer wurden.

Ich lag damit vermutlich sehr richtig, was aber nur so halb gut war, denn irgendwann fing er dann doch an zu würgen. Hat der sich jetzt echt nur mit seinem Drink besudelt und dann das Erbrechen zurückgehalten, bis es wehgetan hat? So absurd es klingt: Im Nachhinein scheint mir das das Wahrscheinlichste zu sein, denn nach einem wenig würdevollen Stopp in der südöstlichen Berliner Prärie hatte er seine Magensäfte bis hin zu den ersten drei Portionen Galle auf der Straße verloren und die paar Spuren auf dem Seitenschweller hab ich sogar noch neben der Patientenbetreuung sauber machen können. Und danach ging’s ihm vergleichsweise gut. Also 3,5-Promille-gut.

Er entschuldigte sich hundertfach und änderte das Fahrtziel auf einen Bahnhof weiter. Meinetwegen. Dort angekommen war ich erfreut, dass er deutlich ausgenüchtert schien und sofort fragte, was ich bekommen würde. Mit Stopp und Umweg wegen der Zieländerung waren das 33,10€ und wir sind erst einmal beide ausgestiegen, weil er nicht mehr in der Lage war, im Sitzen sein Portemonnaie aus der Hose zu ziehen. Leider erwies es sich auch nach dem Rausziehen als eher leer, woraufhin er gut gelaunt „Fun Minut!“ rief und Richtung Bahnsteig spazieren wollte. Ja nee, schon klar!

Mit einem Klick hab ich das Auto hinter uns verriegelt und ihm scheißfreundlich gesagt, dass ich ihn gerne kurz begleite, wenn er Geld holen geht. Er war auch nicht der geborene Abzocker oder so, er hätte nur binnen 12 Sekunden vergessen, dass er mit dem Taxi hergekommen ist, entsprechend hatte er nun auch gar nix dagegen, dass ich mitkomme. Aber er hatte halt keinen Plan, wohin. Ein Geldautomat jedenfalls war nicht in Sicht. Also hat er notgedrungen nochmal das Portemonnaie begutachtet und dabei mindestens 15 bereits benutzte BVG-Karten wild um sich geschmissen, um einen besseren Überblick zu bekommen. Dann kramte er in einem der Seitenfächer und förderte Geld zutage: Vier Dollar und ein Euro. Kannste Dir nicht ausdenken!

Ich hab also weiter drauf bestanden, mein Geld zu bekommen und das Ganze entwickelte sich dann noch zu einer Art Slapstick-Posse, bei der er jedes Mal nach erfolglosem Suchen noch einmal die vier Dollar in meiner Hand sehen wollte, dabei die Zweier für Zwanziger hielt und frohen Mutes wegspazieren wollte. Aber ich blieb auch ohne böse Worte sehr überzeugend und er versuchte es folglich immer wieder.

Ich hatte die Hoffnung lange aufgegeben und war eigentlich nur noch am Überlegen, ob ich den Hirbel an die Cops weiterreichen soll, da fischt der doch tatsächlich aus der drölften Jackettasche noch einen Fuffi. So schnell hab ich noch nie einem Kunden das Geld abgenommen …

Auch wenn er keine Ansage gemacht hat, hab ich dann doch recht selbstverständlich einen Zehner Rückgeld gegeben und meinerseits meinen Geldbeutel weggepackt. Er hat kurz etwas sparsam geguckt, dann aber doch recht schnell verstanden, dass eine Diskussion darüber, ob er jetzt noch 6,90€ bekommt, vielleicht ein kleines bisschen unangemessen wäre. Ich meine: Mal abgesehen davon, dass er mir technisch gesehen aufs Auto gekotzt hat, hätten wir das Geld locker schon als Wartezeit auf der Uhr gehabt, bis er sein Geld gefunden hatte. Ich bin ja für jeden Spaß zu haben, aber in dem Fall hatte selbst meine Hutschnur schon dezente Risse.

Am Ende war’s mit Abstand die lohnendste Fahrt des Abends. Wobei ich fürchte, dass der Typ jetzt noch irgendwo in einer S-Bahn seinen Rausch ausschläft.

Kauft das Buch!

Wie kam Sash eigentlich zum Taxifahren? Das beschreibt er in seinem ersten eBook "Papa, ich geh zum Zirkus!".

Immer dranbleiben!

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Noch ein Blog?

Kleiner Tipp: Sash hat noch einen zweiten Blog, auf dem es auch gelegentlich was zu lesen gibt.

„Was erlaube Zentraaal?“

Ein guter Start ins Arbeitswochenende sieht anders aus. Dass das Auto seit meiner letzten Schicht unbenutzt rumstand und ich somit auch beim guten Sturm-Donnerstag hätte mitmischen können, war das eine. Das wirkliche Problem war, dass die Batterie leer war. Einfach so. Und die ist sogar noch relativ neu.

Aber gut, sowas passiert. Was die Sache wirklich ärgerlich gemacht hat, war, dass mich die Aktion am Ende anderthalb Stunden gekostet hat. Mein erster Gedanke war natürlich auch, einen Kollegen zu rufen, das Ganze schnell für einen Zwanni gefixt kriegen und dann nix wie los. Aus irgendeinem Grund hat mein Handy sich aber lange geweigert, die Zentrale anzurufen. Warum auch immer, schließlich sollte es später noch klappen.

Aber gut, da hab ich als zunächstmal in der Firma angerufen. Ob vielleicht einer von uns ein Starterkabel dabei hat. Nein, aber das war wenig überraschend. Also hat Cheffe die Zentrale angerufen und ein Taxi mit Kabeln bestellt. Ich konnte das live mithören.

Und dann verging eine halbe Stunde.

Das hat mich auch nicht überrascht, denn obwohl irgendein Taxi in Berlin meist in wenigen Minuten vor Ort ist: Dass an einem Tag mit recht hoher Auslastung ein Kollege, der Starthilfe geben kann, gerade in Marzahn nicht verfügbar ist, verstehe ich. Dann aber hab ich mal nachgefragt. Erst bei Cheffe und als der nix gehört hatte, hab ich (dieses Mal erfolgreich) selbst beim Taxi-Funk angerufen. Und dann kam was, was ich schon von einigen Kunden gehört hatte, aber immer ein bisschen skeptisch war:

Sie haben mir gesagt, dass kein Taxi verfügbar ist.

Das an sich: Traurig, aber es passiert mal. Nur wieso zur Hölle melden die einem das nicht noch einmal? Ich meine, auch wenn so etwas natürlich eine unschöne Kontaktaufnahme ist – der Frust der Kunden wird nicht gerade kleiner dadurch, dass sie die ganze Zeit glauben, ihre Bestellung hätte geklappt!

Ich weiß, dass das gar nicht so leicht ist. Denn die eigentliche Vermittlung findet erst nach dem Telefonat statt. Und wenn sich kein Kollege findet, kann die Zentrale daran nichts ändern. Und vielfach haben sie vielleicht gar keine Telefonnummer vorliegen, könnte ich mir vorstellen. Aber dann muss man doch die Abläufe ändern! Das ist ja kein Randproblem wie vielleicht eine ungenaue Angabe, wann das Taxi genau kommt. Gerade wenn man ein Taxi ruft, sind die paar Minuten, die man gewinnt, wenn man schnell weiß, dass es nicht klappt, doch wertvoll, weil man dann schneller umplanen kann. Und Hell yeah, auch wenn das heißt, dass der Auftrag an die Konkurrenz verloren geht, ist das doch wohl essentieller Bestandteil so einer Dienstleistung, ein Nichtzustandekommen auch zu kommunizieren!

Ich stell mir gerade vor, irgendwo Schuhe zu bestellen, nach zwei Wochen mal nachzufragen und die sagen mir unironisch und ohne Entschuldigung: „Ja nee, hatten wir nicht da.“ Das geht doch nicht!

Für mich war’s nur ein bisschen Zeitverlust. Am Ende hat sich doch unser Hausschrauber Jürgen auf den Weg gemacht und mir mit seinem Privatwagen Starthilfe gegeben. Hat halt nochmal eine Dreiviertelstunde gedauert.