Winter vs. Januar

„Alles hat Vor- und Nachteile!“, sagt man so schön und es trifft auf kaum was besser zu als auf die Schicht gestern. Es war immer noch eine sehr überschaubar erfolgreiche Schicht aus finanzieller Sicht; andererseits hatten wir schönstes Schneetreiben und ohne allzu viel Kundschaft hat man ja Zeit zum gepflegten Cruisen, während die Anlage der Hauptstadt den Beat vorgibt.

Sicher, ich muss das Auto nach der heutigen Schicht ziemlich ordentlich putzen, das ist echt unwitzig mit all dem Schneematsch. Andererseits passiert sowas halt, wenn man acht Stunden lang mit dem Taxi Luftkissenboot spielt. Im Gegensatz zu vorgestern war’s mit -4°C fast schon angenehm warm, aber ich hab trotzdem mehrfach das Auto quer zur Fahrtrichtung bewegt – was im Übrigen keineswegs ausschließlich zum Lustgewinn geschieht. Es ist einfach saupraktisch, dank Handbremse in engen Straßen quasi auf der Stelle wenden zu können. 😉

Es gibt tagein, tagaus so viel zu meckern. Könnte ich wie gesagt auch. Umsatz, Trinkgeld … aber hey, ich hatte heute Nacht einfach mal wieder richtig Spaß. Das ist nicht alles, aber es tut auch mal gut. 😀

Ausgerechnet die Kiste!

Zwischen den Jahren ist alleine der erhöhten Urlaubsdichte so ziemlich überall wegen ein eher schlechter Zeitraum, um Probleme zu haben. Und ja, deswegen wird meine 2223 ihre neue Kupplung erst 2017 bekommen. Ist jetzt natürlich eher so mittel, immerhin haben wir heute Silvester. Und auch wenn ich immer nur die zweite Nachthälfte nutze: Dabeisein wäre schon schön.

Da das Glück selten überprüft, wer es verdient hat, hab ich gestern am Telefon von Cheffe erfahren, dass es noch ein Auto für die Nachtschicht an Silvester geben würde. Eines. Noch dazu näher an mir als an der Firma, auf dem Papier der Glücksgriff schlechthin. Es ist aber leider kein unbekanntes Gefährt. Genau genommen wurde es mir sogar vor Ewigkeiten bereits mal als potenzielles Dauerfahrzeug angeboten, was ich abgelehnt habe. Aus Gründen.

Aber was macht man nicht für eine Silvesterschicht …

Spulen wir vor: Ich hab das Auto beim Kollegen abgeholt, bin wie geplant nochmal heimgefahren und meine bessere Hälfte erwartete mich mit den einzigen passenden Worten:

„Soll ich gleich Putzzeug mit runter bringen?“

Eine halbe Küchenrolle, eine viertelvolle Flasche Spiritus, zwei Handtücher und einen Lappen später war es wieder möglich, sich mit dem Auto unter Leute zu trauen. Gut, ein bisschen nach Rauch riecht es immer noch, das wird am Dachhimmel liegen. Aber alles andere ist jetzt geputzt.

Ich gehöre tendenziell eher zu den Wenigputzern und bin so ziemlich das Gegenteil von pedantisch. Bei meiner Tastatur muss ich auch all Vierteljahr mal stutzen, was da so rauswächst. Aber bei dieser Scheißkiste ist, darauf wette ich, in den letzten 6 Monaten wortwörtlich nicht mal eine einzige Fußmatte ausgeschüttelt worden. Wenn da an Dreck irgendwas das Auto verlassen hat, dann weil es an den Klamotten kleben geblieben ist. Fußmatten sollten beim Ausschütteln nicht spürbar leichter werden und nach dem dritten Mal Wischen der Frontscheibe von innen sollte der Lappen keine Verfärbungen mehr haben! War aber so. Unübertrieben. Ebenso wie die Schweller schwarz  statt hellelfenbeinfarben waren und die Mittelkonsole eine Art angeklebte Aschesammlung beherrbergte. Schlicht und ergreifend ekelhaft. Ich würde das nicht schreiben, wenn wir hier über „mangelhaft gepflegt“ oder „etwas schmutzig“ reden würden. Ich kann mich nicht daran erinnern, wann ich in der 2223 das letzte Mal über die Ledersitze gewischt habe, die in dem Auto jetzt sind geputzt, so richtig. Anderthalb Stunden Saubermachen. Zu zweit. Für anderthalb Schichten. Einfach weil’s nicht anders ging. Wäre nicht Silvester, ich hätte gar nix gemacht und Urlaub genommen. Und bis heute Abend sollte das Gröbste halten.

Als ich noch mit Harald im festen Team gefahren bin, hab ich mich gefreut, dass wir das Auto nicht ständig in die Firma fahren und vorführen mussten. Wir konnten uns selbst absprechen und  rückblickend betrachtet waren die Kleinigkeiten, die wegen sowas mal liegengeblieben sind, vergleichsweise harmlos. Wohin das führt, wenn zwei Leute sich ein Auto teilen, denen wirklich alles scheißegal ist, sieht man jetzt halt leider hier. Da sollten sich meine Chefs echt mal was überlegen.

Im Grunde ist es mir ja egal, wie die Kollegen das Auto nutzen. Zumal die Kiste alt ist und eh bald ausgemustert werden wird. Aber in dem Fall werde ich abermals was sagen müssen. Denn erstens ist das für Notfälle anderer Fahrer echt nicht tragbar – und in diesem Fall sorge ich mich wirklich schon fast um den Ruf unserer Zunft, wenn ich bedenke, dass das Auto in dem Zustand ernsthaft Kundenkontakt hatte.

Was ich aber darüber hinaus vermelden kann: Ich habe ein Auto für Silvester!

Gut, es waren drei Mannstunden Putzen notwendig und es hat kein Navi, vermisst ein Nummernschild und der rechte Sitz hinten ist aufgeschlitzt; ich hab keine Ablagefläche für mein Zeug, der Kindersitz ist defekt und ich muss es zudem bereits um 7 Uhr wieder abstellen. Aber ich habe ein Auto. Mit Automatik. Wobei das in der Kombination irgendwie nur so mittel interessant ist.

Müll und so

Dass im Taxi auch mal Müll liegen bleibt, ist an sich ja normal. Um ehrlich zu sein, verstehe ich es nicht, da ich eher so der Typ bin, der zwar Montag früh ein Wochenendbier in der Straßenbahn öffnet, aber regelmäßig die dabei anfallenden Kronkorken zu Hause aus der Tasche entsorgen muss. Aber andere sind da anders und empfinden z.B. das Neben-den-Mülleimer-Stellen einer Bierflasche als so anstrengend, dass sie das lieber den Taxifahrer erledigen lassen.

Und auch wenn ich das Auto regelmäßig durchsehe: Direkt bei Fahrtende steige ich schon verkehrsbedingt nicht immer aus und wenn dann was in den Seitentaschen der Türen z.B. landet, sehe ich es schlicht nicht.

Dass ich selten darüber schreibe, liegt aber durchaus daran, dass auch die Fahrgäste da in den letzten Jahren besser geworden zu sein scheinen. Zeitung, Konfetti, Gurke, eigentlich alles Schnee von gestern. Hier mal eine abgelaufene Fahrkarte, dort mal ein Stadtführer.

Und dann stelle ich nach einer fast absolvierten Schicht beim Rauchen vor dem Auto fest, dass jemand von hinten an meiner Kopfstütze ein Armband befestigt hat. Offenbar von der AOK, wenn man dem Branding glauben schenken will. WTF?

Beim Abnehmen des Teils hab ich dann festgestellt, dass es sogar Special-Effekt-tauglich ist:

PS: Entschuldigt die Video-„Qualität“. Das ist das erste Youtube-Video seit 5 Jahren und ich hab’s spontan und ohne weitere Einstellungen mal kurz mit dem Handy gemacht.

Der Erdgas-Tankstress gerade

Die meisten Autofahrer werden es schon lange wieder vergessen haben: Es gab da vor einer Weile mal ein paar Probleme mit Erdgas-Tanks bei VW, die wegen ein bisschen Korrosion zu unschönen Dingen wie z.B. einer Explosion neigten:

Nun muss ich ja sagen, dass ich schon aufgrund meines eigenen Feuerwehreinsatzes wegen inzwischen noch weit gechillter in Sachen Erdgas bin als ich es schon die Jahre zuvor war. Natürlich ist die Tatsache, dass der Kraftstoff meines Taxis mit 200 Bar in den Tank gepresst wird, ein weiteres Risiko, aber wenn man bedenkt, dass Benzin seit jeher als Freund notorischer Brandstifter dient und uns inzwischen auch die Handys meines derzeitigen Herstellers um die Ohren fliegen, bleibe ich gelassen, so lange die Spontantod-Statistiken dazu immer noch besser aussehen als bezüglich der Zigarette, die ich gerade beim Schreiben zwischen Mittel- und Zeigefinger der rechten Hand klemmen hab.

Tatsächlich aber ist das je nach Tankstelle jeden Arbeitstag erneut ein Thema, denn auch wenn das oben eingebundene Video bereits ein paar Tage alt ist: An den meisten Erdgas-Tankstellen Berlins ist immer noch das Betanken besagter VW-Modelle untersagt und im Hinblick auf die durchschnittliche Vernunft von Autofahrern – die allumfassend mit dem Satz „MIR passiert schon nix!“ umschrieben ist – bedeutet das, dass die Zapfsäulen meist gesperrt sind und man erst bei einem Angestellten, der dann einen Blick aufs Automodell werfen kann, eine Freigabe erbeten muss.

Ich will ehrlich sein: Ich hab keine Zahlen dazu, wie wahrscheinlich einem derzeit ein fünf bis elf (?) Jahre alter VW um die Ohren fliegt beim Kraftstoff-Nachrüsseln. Entsprechend auch nicht, ob das jetzt eher Panikmache oder sinnvoll ist. Da die meisten Fahrer auf deutschen Straßen aber weiterhin mit Benzin oder Diesel unterwegs sind, wollte ich das mal als Ausnahmeerscheinung erwähnt wissen. Denn mal abgesehen von den sicher gar nicht so selten betroffenen VW-Taxi-Fahrern, die jetzt wirklich ein Heidengeld für Sprit anstatt für Gas raushauen müssen, sind vor allem viele andere Taxifahrer wenigstens Fahrer anderer Erdgasmodelle, bei denen jetzt das Tanken noch absurdere Zeiten einnimmt als ohnehin schon*.

Lustigerweise hab ich noch keinen Tankwart gefunden, der sich – trotz potenzieller Explosionsgefahr seines Arbeitsplatzes – wirklich für die Maßnahme begeistern konnte. Einige setzen sie sogar teilweise aus, ohne dass das irgendwo verzeichnet wird. Aber wer wo und wann … ich, *hüstel*, weiß das natürlich auch nicht. 😉

*Erdgas zu tanken ist eine sehr sehr sehr lahme Angelegenheit, wenn man Benzin und co. gewohnt ist. In der Zeit, in der ich 12 kg Erdgas tanke, füllt ein Trucker locker 300 Liter Diesel nach. Grob geschätzt.

Wahnsinnige Kühlerfiguren

Kurze Fahrt, Winkerinnen, immerhin zwei Euro Trinkgeld. Und dann der Dialog, als vor uns ein Fußgänger auf die Straße lief:

„Boah, da würde ich mich ja wieder aufregen!“

„Ach, ignorieren ist weit stressfreier …“

„Mag sein. Aber ich will die immer gerne gleich umnieten. Wer meinen Fahrstil behindert, muss leiden! Dann hängen die da vorne als Kühlerfigur rum, das wäre schön.“

Ich hab fortan die Klappe gehalten und den Kelch an die zweite Kundin weitergereicht:

„Sieht dann ja aber auch nicht immer toll aus …“

„Der Trick ist: So schnell fahren, dass sie wegen des Fahrtwindes immer aussehen, als würden sie grinsen!“

Ich muss zugeben: Psychopathen hab ich öfter im Fond, aber die beiden Ladies haben das Spektrum spürbar erweitert. 0.0

Antennenverlust. Oder auch nicht.

Da stehe ich am Stand, ärgere mich über den schlechten Radioempfang und kurz danach dann über mich selbst:

„Du Idiot hast vergessen, nach der Waschanlage die Antenne wieder anzuschrauben!“

Aber gut, ab zum Kofferraum, und … Pech gehabt: Keine Antenne. Neuer Lösungsansatz:

„Ich hab vorher vor der Haustür noch kurz durch den Kofferraum gefegt. Dabei ist sie vermutlich rausgefallen.“

Nun stand ich aber gute 10 Kilometer entfernt und war bereits ein paar Plätze vorgerückt. Leerkilometer waren es schon genug. Also war ich pragmatisch und hab beschlossen, dass wenn in Marzahn eine Autoantenne auf einem Parkplatz rumliegen sollte, sie dies sicher auch noch acht Stunden später tun würde. Ein Risiko, klar, und ich hatte auch keine große Lust, meinen Chefs den Verlust zu melden, aber dass mir bisher in acht Jahren die Antenne noch nicht einmal geklaut worden ist, ist ja dann auch fast schon etwas unrealistisch.

Taxiantennen: Benötigt zum korrekten Empfan von Insekten. Quelle: Sash

Taxiantennen: Benötigt zum korrekten Empfang von Insekten. Quelle: Sash

Also hab ich meine Schicht durchgezogen und am Ende hat mich die Antenne so präsent in der Marzahner Prärie empfangen, dass ich sie trotz Dunkelheit und abgesetzter Brille aus 10 Metern Distanz schon erkannt habe. Dem Zustand nach sind auch wenige bis keine Autos drüber gefahren, es ist also alles gut. Dann gibt’s ab heute Abend also auch wieder Radio in der 2223. 😉

Kauft das Buch!

Wie kam Sash eigentlich zum Taxifahren? Das beschreibt er in seinem ersten eBook "Papa, ich geh zum Zirkus!".

Immer dranbleiben!

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Noch ein Blog?

Kleiner Tipp: Sash hat noch einen zweiten Blog, auf dem es auch gelegentlich was zu lesen gibt.

Speichermedien und Speichergrößen

Da meine Anreise zur Firma stets lang und beschwerlich ist und ich zudem nur in Zeiten arbeite, zu denen keiner das Büro hütet, rechne ich nur einmal im Monat mit meinen Chefs ab. Andere Kollegen tun das wesentlich öfter. Das aber bringt auch (kleinere) Probleme mit sich. So haben wir ja z.B. das Key-System, das meinen Chefs das Abtippen der Abschreiber erspart. Auf dem Key, den ich vor und nach jeder Schicht kurz an einen Kontakt im Auto drücken muss, speichert die Taxameterdaten und im Büro werden die dann direkt in den Computer eingelesen. Noch nicht ganz die schöne neue WiFi-Welt, aber eigentlich ziemlich simpel und idiotensicher. Das Problem ist: So teuer das System an sich sein mag: Der Speicherplatz auf den Keys ist begrenzt. SEHR begrenzt. „Ein paar Kilobyte“ hat mal irgendwer gesagt, genau weiß ich es immer noch nicht.

Jedenfalls reicht der Speicherplatz nicht für einen Monat aus, weswegen ich all die Jahre mit zwei Keys durch die Gegend gegondelt bin. Das ist eigentlich auch völlig belanglos, denn das System scheint wirklich auf alles vorbereitet zu sein. Ich kann die Keys jeden Tag wechseln und am Monatsende wird das trotzdem korrekt übertragen. Auch die Übernahme einer Kollegenschicht, wenn der vergessen hat, sich zum Feierabend auszuloggen, scheint problemlos zu klappen und richtig zugeordnet zu werden.

Bei der letzten Abrechnung fiel Cheffe dann erstmals seit Ewigkeiten auf, dass ich zwei Keys habe und bot eine Lösung an:

„Sollen wir Dir da mal ’nen blauen Key machen, der reicht dann. Also einen richtigen?“

(Man muss dazu sagen, dass die Firma Anfang des Jahres die Taxameter umgerüstet hat und meine Keys nur umprogrammiert, nicht aber ausgetauscht worden sind.)

„Meinetwegen. Ist mir eigentlich egal. Passt da dann wirklich mehr drauf?“

„Ja ja.“

„Und wie viel?“

„So 7.000 etwa.“

„7.000 was?“

„Na 7.000 Umsatz.“

Gut, dass das geklärt wäre. 😉

Im Ernst: Eine Angabe in Kilobyte hätte mir in dem Fall auch nicht weitergeholfen, aber ich hatte gedacht, dass es eine Angabe in Schichten oder Touren gäbe. Aber gut. Das sollte gerade noch so reichen. Auf die alten Keys haben meines Wissens nach etwa 1.500 gepasst. Also 1.500 Umsatz, ist klar.