Wochenende!!!

OK, nicht so wirklich. Also für euch vielleicht. Für mich eher nicht …

Aber ich hab heute Nacht wenigstens lange genug durchgehalten, um recht sicher sagen zu können, dass ich am Sonntag zu Hause bleiben kann. Aber die letzte Stunde war dennoch eine Qual. Leider war sie nicht so unwichtig, wie man meinen mag: Ich hab über 20% des Umsatzes in dieser Zeit gemacht!

Abgesehen vom Umsatz belohnte mein Schichtende mich allerdings zusätzlich mit einer Fahrt, die mich ungelogen von etwa 11 Kilometer Entfernung bis auf 500 Meter an den Abstellplatz brachte. Natürlich nachdem ich davor vollgetankt und das Auto gereinigt hatte. Damit war sogar mein Kilometerschnitt wieder in Ordnung. :D

Dabei war es eine turbulente Schicht. Die ersten Stunden bin ich zwar nicht aus dem Auto gekommen, hab aber immer nur eine Tour mit ewigen Leerfahrten gehabt. Die Kunden habn mich dann jedes Mal kurz vorm Aufgeben erwischt. Nach Mitternacht folgte dann plötzlich das, was ich tote Stunden nenne: Bis um 1 Uhr hatte ich einen Hunni gemacht, zwischen 1 und 5 Uhr sind gerade mal 40 € zusammengekommen …

Aber gut, so lange das Ergebnis passt, will ich nicht meckern. Einen kleinen Grund gab es dennoch. Etwas, das ich schon mal hatte:

Mist, schon wieder!

Vergurkt

Was vielleicht selbst bei mir im Blog manchmal ein bisschen zu sehr auf der Strecke bleibt, ist die Tatsache, dass ich als Taxifahrer auch ein Mensch bin. Wir reden hier ständig über Tarife, über Betrug, professionelle Ortskunde – neulich hab ich aber erst wieder bewiesen, dass ich mich auch ganz klassisch verfahren kann. Wobei verfahren in dem Fall nur bedingt stimmt. Denn ich kannte die Strecke. Ich bin bloß aus lauter Gewohnheit, zuzüglich etwas Müdigkeit gleich zwei Mal falsch abgebogen. Einfach so.

Das war kein Betrugsversuch, kein peinliches Nicht-Kennen der Straße, es war einfach nur ein bisschen Träumerei und ein bisschen zu viel Gequatsche mit dem Kunden. Und zack! standen wir eine U-Bahn-Station weiter westlich als geplant.

Da hilft nur locker bleiben. Der Fahrgast wusste, wie viel er normal bezahlt, also hab ich die Uhr früher ausgemacht. Und er hat meine Erklärung mit einem Grinsen akzeptiert anstatt mir böse Absichten zu unterstellen.

Peinlich war es mir trotzdem irgendwie.

App-strakte Gedanken

Warum Sash keine Taxi-App nutzt

Ich nutze ja noch immer keine Taxi-App. Das hat verschiedenste Gründe. Ausprobieren wollte ich es durchaus mal, aber z.B. ist das mit meinem derzeitigen Handy nicht so optimal. Wenn ich da GPS aktiviere, ist das Ding in anderthalb Stunden leer, ich kriege es mit mäßiger Benutzung ohne den Spaß gerade mal so über die Schicht gerettet. All der Sermon mit Ladekabel und Befestigung im Auto ist auch nicht so leicht, da ich mir das Auto ja mit einem Kollegen teile und folglich alles wieder abmontieren muss. Ich hab mal eine Halterung probiert, aber die hält nicht vernünftig, das Kabel rutscht ständig aus dem Zigarettenanzünder. Eine ziemliche Fummelei, die ich erstmal vernünftig organisieren und dafür auch Anschaffungen tätigen müsste. MyTaxi möchte außerdem Fahrer und Auto mal kennenlernen. Und die schließen um 18 Uhr… ist also auch keine Sache, die ich mal eben schnell morgen Abend erledigen kann, da ich das Auto im Normalfall erst ab 19 Uhr habe.

Aber ich will ehrlich sein, es gibt auch noch andere Punkte: Zum Beispiel, dass ich als stummer Fahrer eigentlich recht glücklich bin. Wenn ich Taxi fahre, dann bin ich eigentlich genug beschäftigt. Bei Leerfahrten hab ich meine Musik auf Anschlag und das ist nicht einmal so eine Kleinigkeit. Denn zu Hause bin ich inzwischen ununterbrochen am Lesen und schreiben und komme kaum noch zum Musikhören! Wenn ich am Stand stehe, dann habe ich meist ein Buch dabei. Nebenher wollen Twitter und Facebook meine Aufmerksamkeit und obendrein treffe ich jede Menge Kollegen, mit denen ich gerne hier und da mal ein Wörtchen rede, mich austausche, etc.
Natürlich gibt es vereinzelte Tage, an denen ich froh um einen zusätzlichen Auftrag wäre. Aber ständiges Geplapper aus dem Funk und dauerndes Piepsen und Klingeln irgendwelcher Apps würden mir meinen Alltag mehr versauen, als es meine finanzielle Situation verbessern würde.

Ausnahmen bestätigen die Regel

Jetzt am Wochenende hat es allerdings zufällig geklappt, dass einer meiner Twitter-Follower zur richtigen Zeit vom richtigen Ort aus angefragt hat, ob ich nicht mit ihm ein paar Kilometer in den Südosten fahren würde. Das war auf meiner Seite hektisch genug, denn endgültig klargemacht hatten wir die Fahrt, als ich in erster Position am Bahnhof stand und mir beinahe schon ein anderer Kunde ins Auto gekraxelt wäre. Aber es hat geklappt und es hat mich gefreut. Ey, erste Taxifahrt über Twitter bekommen! Könnte das in Deutschland bisher einmalig sein? Oder hat einer von den anderen Taxibloggern das auch schon gehabt?

Warum es trotzdem nur Ausnahmen sind

Nun ist es aber gar nicht so leicht, mich zu erreichen. Nicht nur wegen der eingeschränkten Arbeitszeiten, sondern auch wegen des Jobs an sich. Ich kann gerade am anderen Ende der Stadt sein oder sogar Kunden an Bord haben. Vielleicht kann ich nicht antworten, weil ich gerade fahre und/oder Tweetdeck mal wieder meint, neue Nachrichten nur nach dem Zufallsprinzip anzuzeigen. Man ist als Taxifahrer eben ständig auf Achse und nicht immer verfügbar. Deswegen gibt es ja auch die Apps und die Zentralen, die die Anfragen auf eine große Menge Taxen verteilen, wobei dann klar ist, dass irgendein Fahrer schon Zeit und Lust hat und auch sonst alles passt.

Einen einzelnen Fahrer immer überall und sofort zu bekommen, ist halt was anderes. Das ist aber auch genau das, was mir an dem Job so viel Spaß macht: Der Zufall, die Unsicherheit und zu guter Letzt die positiven Überraschungen.

Wir werden uns schon mal über den Weg laufen, wenn es passt. Versprochen!

Und hey: Folgt mir doch bei Facebook, Twitter oder auch Google+!
Ich schreib da zwar nicht so viel wie hier, aber ich mache es trotzdem fürs Publikum :)

Wenn es mal gar nicht passt

Ach, das liebe Wechselgeld!

Ich schreibe gar nicht mehr so oft darüber und das hat einen Grund: Ich bin besser geworden! Meine Grundausstattung an Wechselgeld ist zwar nach wie vor die selbe, aber inzwischen kann ich besser einschätzen, wann mal ein Tag ist, an dem ein Fuffi mehr vielleicht nicht schlecht wäre. So Klassiker wie Wochenendschichten nach dem Monatswechsel oder dem 15. z.B.

Mich nervt es zwar immer noch, mit mehr Geld hantieren zu müssen – zumal man nach wie vor gut daran tut, nicht alles im Geldbeutel zu haben für den Fall aller Fälle – aber es geht und man kommt über die Runden. Dazu kommt, dass ich anscheinend ein ganz gutes Händchen für die Kunden habe. Meine Nachfragen, ob sie es vielleicht nicht doch noch kleiner hätten, scheinen nett genug formuliert zu sein und so ist aus mancher kurzen Tour dann noch eine geworden, die statt mit einem Fuffi mit ein paar Münzen bezahlt wurde.

Aber natürlich klappt all das nicht immer.

Mein Fahrgast kam frisch von der Bank, Kleingeld gab es nicht, so musste ich ihm die 41 € eben rausgeben. Kein Problem, ich hatte an diesem Tag ein bisschen Extra-Kohle einstecken und somit immer noch genug Kleines für 50, bzw. auch 100 € dabei. Und irgendwann würde ich mir an der Tanke vielleicht eine Schachtel Kippen und zwei Brötchen gönnen.

Hier auch nochmal für die Kunden, die bei uns “immer zu wenig Wechselgeld” sehen: Es ist in aller Regel ja nicht so, dass wir mal kurz 10 Fahrten hintereinander machen und jede davon mit Großgeld bezahlt wird. Vielfach fährt man nach einer Fahrt zu einem Taxistand und kann entweder dort bei den Kollegen, die schon länger unterwegs sind, einen Schein kleinmachen. Oder man kommt an einer Tanke, einem Späti oder sonstwas vorbei. Zudem zahlen wirklich viele Leute halbwegs passend, in den meisten Schichten habe ich meine 55 € in Scheinen dabei und die reichen bis zuletzt (mit dem restlichen Geld, dass ich unterwegs einfahre). Ich bin kein Panikmacher bezüglich Überfällen, aber Diebstahl gibt es ohne Ende und für mich sind 50 € der Gegenwert eines Arbeitstages unter der Woche. Diesen Betrag mehr zu verlieren im Fall des Falles ist einfach ärgerlich.

Nach meiner Tour mit dem Fuffi hatte ich jedoch umgehend wieder Kundschaft. Wie sich herausstellte, war es natürlich eine weitere Belastung für den Geldbeutel: 11,20 € standen auf der Uhr und die Kundin wollte – warum auch immer – nicht einmal Trinkgeld geben. So hab ich ihr also tatsächlich nochmal 38,80 € auf die Hand geblättert und das war genau der Punkt, an dem ich alle meine Scheine los war. Alle.
Also wechseln. Na gut. Immerhin bedeuten zwei schnelle Touren hintereinander ja auch schnellen Umsatz hintereinander. Da kann man auch mal was dafür tun. Und was passiert? An der nächsten Ecke winkt es. Ich hab kurz angehalten, gesagt, dass es mit dem Wechseln eng werden könnte und deswegen erstmal…

“Das ist ja wohl eine Unverschämtheit! Sowas hab ich ja noch nie erlebt! Eine Frechheit…”

keifte die in ihrem hellbraunen Mantel steckende Frau.

Ich hatte mir in den letzten Minuten wirklich andauernd überlegt, wie ich jetzt zum Wohle der Kundschaft möglichst schnell den Geldbestand aufstocke. Die nervige Regelung der Banken, dass zerrissene Scheine über 50% der Ursprungsgröße haben müssen, um ersetzt zu werden, hat meine kreativen Ideen leider ins Leere laufen lassen. Auch die potenzielle Kundin hat ihr Leid reichlich überdramatisiert, da sie Friedrich- Ecke Leipziger Straße stand und sie runde 10 Taxen pro Minute zur Auswahl hatte. Ich hab sie also wortlos stehengelassen um ihr nicht versehentlich die ans Schicksal gerichteten Worte “Verarschen kann ich mich alleine!” an den Kopf zu werfen.

An meiner Stammtanke hatte ich das Wechselgeld-Problem schnell gelöst. Dass ich statt einer schnellen Anschlusstour nun aber am Ostbahnhof eine knappe Stunde habe warten müssen, war irgendwie klar. Manchmal passt es eben wirklich gar nicht. Nicht nur beim Wechselgeld…

Müde…

Als Nachtfahrer hat man natürlich immer ein bisschen mit seinem Biorhythmus zu kämpfen. Ich bin ja inzwischen seit 3 Jahren nachts unterwegs und bis auf wenige Ausnahmen auch sonst nachtaktiv. Aber selbst wenn ich um 18 Uhr erst aufstehe, werde ich zwischen 1 und 4 Uhr morgens müde. Im Normalfall ist das die Art Müdigkeit, die mit einem Kaffee wieder zu beheben ist – deswegen führe ich auch immer Koffein-Tabletten bei mir – aber in manchen (inzwischen sehr seltenen) Fällen geht einfach nix mehr.

Im Normalfall achte ich da sehr gut drauf, aber derletzt ist es sogar mir passiert, dass ich während einer Tour plötzlich am großen Stern Richtung Wedding gefahren bin anstelle Richtung Charlottenburg. Mal abgesehen davon, dass das hochnotpeinlich ist, sollte man wissen, wann Schluss ist. Scheiß auf Wochenendumsätze und alles!

Viele Kollegen halten sich irgendwie für besonders hart und schlafen dann am Stand so lange, bis auch der letzte Kollege aus der Reihe statt zu hupen vorbeifährt. Das kann es echt nicht sein!

Ich jedenfalls hab nach der Tour (die auch wirklich nur noch ein paar Minuten gedauert hat) Feierabend gemacht. Zufrieden war ich da zwar nicht wirklich, aber besser so als im Krankenhaus aufzuwachen. Schlimm genug, dass ich noch ein ganzes Stück zurückfahren musste. Ich hoffe, dass ihr das auch so haltet. Ich bin zwar noch recht jung und die Million hab ich wohl noch nicht voll. Aber ich hab einige hunderttausend Kilometer im Auto hinter mich gebracht. Viele davon nachts oder nach unzureichendem Schlaf und ich muss echt sagen, dass ich hier und da enormes Glück hatte, dass nichts passiert ist. Mich nerven die Verkehrspsychologen auch, wenn sie anfangen, die Auswirkungen von Müdigkeit mit Alkohol zu vergleichen, aber sie haben einfach verdammt recht!

Ich hab mich auch mehr als einmal hinreissen lassen zum üblichen “geht jetzt aber nicht anders”, aber ich hoffe, dass ich das in Zukunft nicht mehr tue. Im Taxi jedenfalls hab ich damit eigentlich lange abgeschlossen, besagte Müdigkeit oben hat mich echt binnen Minuten übermannt und überrascht. Aber mal ehrlich: 2 Stunden länger, 50 € Umsatz… das sind bescheuerte 25 €. Für die riskiere ich sicher nicht mehr mein Leben…

Straßenkampf

Viele Leute sind ja sobald sie ins Auto steigen der Überzeugung, alle um sie herum haben nichts anderes vor, als sie zu nerven. Der blöde langsame Radfahrer? Blockiert ausgerechnet meine Spur! Der Typ, der auch nach dem Umschalten der Ampel noch stehen bleibt? Will offensichtlich, dass ich nicht mehr bei der Grünphase durchkomme. Die blutende Frau auf dem Gehweg? Liegt da natürlich nur, damit die Penner vom Rettungsdienst einen Stau verursachen!

Ich halte mich da eigentlich immer an Hanlon’s Razor:

“Schreibe nichts der Böswilligkeit zu, was durch Dummheit hinreichend erklärbar ist.”

Aber in manchen – seltenen – Momenten kenne ich das: dass die Ganze Welt sich gegen einen verschworen hat. So gab es vor ein paar Tagen so ein typisches Drama in der Grünberger Straße, bei der alle drei außer mir beteiligten ganz offensichtlich nichts anderes im Sinn hatten, als mich um Glück, Geld und Geduld zu bringen.

In erster Linie war da ein potenzieller Fahrgast. Er hat recht spät gewinkt, noch dazu auf der anderen Straßenseite, aber etwa 15 Meter hinter ihm konnte ich vorsichtig anhalten. Mit Blinken, Rücksicht und allem.

Dann war da dieses Arschloch von LKW-Fahrer. Anders kann ich es in dem Fall wirklich nicht sagen. Er war sichtbar unerfreut über mein Anhalten auf offener Straße, was ich eigentlich albern finde, denn er hätte bequem überholen können. Breit genug für unsere Fahrzeuge war die Straße locker. Aber nein, er machte einen auf Aufstand und hupte sich da einen zusammen, dass wahrscheinlich noch am Ostkreuz ein paar Schwerhörige aus ihren Betten gefallen sind.

Da sich meine Lust auf Diskussionen mit Leuten, die eher hupen als blinken, in Grenzen hält, hab ich kurz Gas gegeben und 20 Meter weiter an der nächsten Kreuzung gewendet. Dadurch konnte der Spinner kurz vorbei und ich konnte direkt zum K…

Und dann war da der Kollege, der in diesem Augenblick die Straße entlanggefahren kam und den Kunden eingeladen hat.

Und so stand ich dann dumm in der Gegend rum, hab mich über einen LKW-Fahrer geärgert und das alles für nichts und wieder nichts. Unglaublich aufbauend, sowas! Aber wenigstens Weiß ich jetzt, wie sich manch andere scheinbar den ganzen Tag im Verkehr fühlen…

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Noch ein Blog

Kleiner Tipp: Sash hat noch einen zweiten Blog, auf dem es auch gelegentlich was zu lesen gibt.

…und das gibt es wirklich!

Es gibt Geschichten, die zu schön sind für das wahre Leben. Insbesondere für das Leben von Taxifahrern. Manchmal allerdings scheinen sie dann doch zu stimmen…

Bei solchen Meldungen bin ich immer sehr skeptisch, aber es ist wohl wahr: Es gibt Menschen, die freiwillig Taxi fahren. Also RICHTIG freiwillig! Die Geschichte spielt in meiner Firma und ist deswegen auch drüben im Firmenblog vom Taxihaus-Berlin erschienen. Trotz des leichten auflodernden Neidgefühls möchte ich klarstellen, dass ich es irgendwie doch auch wie der Kollege halten würde – schon wegen GNIT ;)

Aber lest selbst: Freiwillig Taxifahren?