Mal wieder eine Kundenroute

Auf dem Bild sieht das ja erst einmal ganz nett aus:

„So fahr‘ ich immer!“ Quelle: openrouteservice.org

Dass die kürzeste Route ein Spezialfetisch von uns Taxifahrern ist: Schon klar. Dass ein Kunde also nicht an die Marzahner Chaussee (erkennbar hilfreich schräg im Bild) denkt, ist in Ordnung. Aber ausgerechnet die Schleife auf die Märkische Allee fahren zu wollen (anstatt direkt auf den Blumberger Damm) oder gefühlte dreihundert Kilometer die Oberfeldstraße (die lange senkrechte Strecke) anstelle des – nun ja, Blumberger Damms – wo weitgehend rechts vor links herrscht …

Ich weiß, für Nicht-Marzahner wirkt das geradezu kleinlich, trotz Blick auf die Karte. Aber sowas  absurdes habe ich selten erlebt. Dass Kunden mal auch nachts die „tagsüber schnellere“ Strecke wählen: OK. Aber ein verlängerter Weg bei gleichzeitig massiv erhöhter Nervigkeit ist echt beeindruckend!

Hausnummernsalat

Taxicontent ist die Woche wenig angefallen. Und nachdem am Montag Weihnachtsfeier war, hab ich mich an den Rest auch nicht mehr erinnert. 😉

Beim Überlegen, wie ich mich hier zurückmelde, sind mir die Zigaretten ausgegangen, ich bin kurz raus und als ich wieder reinkam, hatte ich das Bedürfnis, mich über Adressenplanung zu beschweren. Denn vor meiner Haustüre stand ein verstörter Lieferant, der den Eingang, bzw. die Klingel zu unserem neuen Café im Haus nicht gefunden hat. Was kein Wunder ist, denn es residiert zwar unter unserer Hausnummer und liegt schräg unterhalb meines Zimmerfensters allerdings sind mein Zugang und der zum Café 150 Meter voneinander entfernt, weil selbiges auf der Rückseite des Wohnblocks liegt, es keine Lieferanfahrt hat und man deswegen einmal ums Haus in die Fußgängerzone muss. Und Ansagen wie „Die Nummer kenn ich nicht, aber is’n Café …“ hab ich auch schon gehört. Da stehste morgens um 5 Uhr ziemlich blöd da, wenn nicht gerade der ortsansässige hauptberufliche Auskenner Kippen holen ist.

Und ich hatte neulich auch so eine (wenn auch kurze) Suche: Die Lea-Grundig-Straße hier direkt ums Eck. Wenn man sich das gemütlich auf einer Karte anschaut, dann erkennt man schnell, dass sie dem Teil der Straße, der nur einseitig bebaut wurde, aufsteigende gerade Hausnummern gegeben haben und zusätzlich dem nördlichen Block, der von drei Seiten Lea-Grundig heißt, zur Abgrenzung ungerade Zahlen. Wenn man aber, und das war bei mir die Woche der Fall, auf der Suche nach Nummer 49 frohgemut von Anfang an die Straße geradeaus entlang fährt, ergibt sich folgende „fortlaufende“ Nummerierung:

2, 4, 6, 8 […] 44, 46, 48, 50, 52, 53, 51, 49, 47, 45.

(Hier eine Karte mit Haus-Nummern, bei der allerdings der betreffende Straßenteil fälschlich schon zur Mehrower Allee gezählt wird)

Was bitte muss man rauchen, um auf die Idee zu kommen, dass nach der 52 noch ein Block mit den Nummern 53 bis 45 kommt? Und das wäre noch bei weitem nicht alles, was mir zu den Nummern dort einfallen würde. Ich bin nur weitergefahren, weil ich’s im Grunde aufgegeben hatte und Zeit brauchte, um das Navi zu programmieren. Bei sowas ist man um die Dinger froh, aber wie man am Lieferanten heute gesehen hat: Vor allen perfiden Ideen schützt einen das auch nicht.


PS:
In solchen Fällen ist man auch als Taxifahrer froh, wenn die Leute sich vor Ort auskennen oder entsprechende Hinweise bei der Bestellung geben. Bei der Fahrt in die Lea-Grundig hatte ich das Navi zu Beginn nur deshalb nicht an, weil ich eine Kundin heimgebracht habe. Dass sie dort erst drei Tage wohnt und noch nie von Süden aus in ihre Straße gefahren war, hab ich dann erst bei Nummer 38 oder so erfahren. 🙂

So schonmal nicht!

„Ähm, aber hier jetzt rechts, oder?“

„Ja.“

Endlich. Ich war mir ja von Beginn an sicher, dass sein Weg nicht der kürzeste ist, aber nachdem wir die zwei besten Möglichkeiten schon lange hinter uns hatten, war’s nun echt an der Zeit. Und da raunt einer seiner Kumpels hinten:

„Wie die alle den P-Schein kriegen … ich versteh’s nicht.“

Aber ja, ich hatte zuvor den Fehler gemacht, zuzugeben, dass mir ihre Straße nix sagt.

Deswegen, Jungs, falls Ihr mitlest: Man kriegt den P-Schein nicht, wenn man die Straße vor der eigenen Wohnungstür kennt, sondern wenn man gelernt hat, dass der kürzeste Weg von Marzahn nach Friedrichsfelde nie auch nur einen Meter die B1 entlang führt, auch wenn’s Montag Mittag um 13 Uhr die schnellere Strecke sein mag!

Gegen vier Leute anreden war mir aber zu doof. Und die etwa 10% mehr Umsatz weiß ich ja durchaus zu schätzen. 😉

„Zu viele Umwege“

Eine Kategorie von Fahrten, die ich mir recht selten erarbeite, ist die, bei der die Kunden die Fahrt abbrechen, weil sie nicht zufrieden sind. Und obwohl ich daran nichts zu ändern gedachte, hat heute Nacht eine Fahrt vom Spindler & Klatt nicht wie geplant bis Wilmersdorf gereicht, sondern wurde noch in Kreuzberg beendet.

„Jetzt fahren Sie mal hier ran und lassen uns aussteigen. Sie fahren mir zu viele Umwege.“

Ich meine, unter uns hier: Zu diesem Punkt war das halt so, ich bremse gegebenenfalls ja auch, wenn Fahrgäste ein paar rosa Mäuse fangen wollen. Und lieber eine Fahrt so beenden als die ganze Zeit nur Stress. Hat die Zentrale jetzt halt vermutlich mal wieder einen aufgebrachten Anruf, von dem ich am Ende nicht einmal irgendwas erfahren werde.

Das Dumme an der Sache ist, dass ich nicht komplett unschuldig war, denn ich hatte tatsächlich ganz ganz zu Beginn der Fahrt während des schnellen Überlegens und gleichzeitigen Redens mit den Kundinnen eine bessere Abzweigemöglichkeit verpasst und habe einen Umweg von sagenhaften 100 Metern, vielleicht 150 gemacht. (Für Ortskundige: Bin nicht die Manteuffel links ab, sondern erst Engeldamm/Adalbert) Bei einer Strecke von über 9 Kilometern. Bedeutender war aber, dass die Wortführerin im Fond und ich uns kurz danach bereits auf dem völlig falschen Fuß erwischt haben, als sie mir sagte, ich müsse „jetzt rechts abbiegen“. Das verneinte ich deutlich und mit gutem Gewissen, denn die nächsten drei Kreuzungen hätten uns definitiv vom kürzesten Weg abgebracht. Dass sie ihrerseits eigentlich auch die vierte Kreuzung gemeint hat, hat sich dann erst geklärt, als sie schon etwas eingeschnappt war. Ist jetzt echt nicht so, dass ich da streitlustig war, die Kombination von einer blödsinnigen Idee und dem Verb „müssen“ ist aber halt auch ein schlechter Start ihrerseits gewesen.

In Anbetracht des weiteren Verlaufs  bin ich jedoch ohnehin froh, dass ich nicht schnell rechts ab bin, denn dann wär’s mangelnde Ahnung gewesen. Manche Schlachten kann man einfach nicht gewinnen.

Am Ende waren wir auf der Gitschiner Richtung Westen unterwegs und ich gebe es zu: Ich hatte die Zieladresse nur so ungefähr im Kopf. Emser Ecke Pariser, nicht meine Ecke. Entsprechend war das Navi längst an und schlug mir die auch von mir präferierte Süd-Umfahrung des Gleisdreiecks an. Ja, ich hatte die Zielkreuzung in Gedanken vier  Blocks weiter südlich eingeordnet, aber da der Weg lang war und die Alternativrouten auch mitnichten der Luftlinie entsprechen, bestätigt sich beim Blick auf die  Karte, dass der Weg trotzdem ok war. „Ok“ im Sinne von „300 Meter kürzer als das, was die Kundin wohl eigentlich geplant hatte“.

Genau weiß ich’s nicht, ich hätte aber anstatt in die Zossener links abzubiegen am Ufer entlang weiterfahren sollen. Das ist ein prima Weg und es ist auch nicht komisch, wenn die Kollegen bisher, wie sie schnippisch anmerken musste, selbigen immer gefahren sind. Ich hätt’s ja auch gemacht, wenn es mir jemand gesagt hätte. 300 Meter hin oder her bei einer solchen Strecke, meine Güte!

Allerdings sind 300 Meter Wegersparnis natürlich der dümmstmögliche Grund, eine Taxifahrt abzubrechen und sich ein neues zu suchen. Insbesondere wenn man bedenkt, dass das in diesem Fall Mehrkosten von satten fünf Euro bedeutet hat.

Hier zum Vergleich mal die Strecken (schon inklusive meines Anfangsfehlers):

Die von mir und dem Navi angedachte Route mit "zu vielen Umwegen". Quelle: osrm.at

Die von mir und dem Navi angedachte Route mit „zu vielen Umwegen“.
Quelle: osrm.at

Die wohl von der Kundin präferierte Route "einfach geradeaus". Quelle: osrm.at

Die wohl von der Kundin präferierte Route “ immer geradeaus“.
Quelle: osrm.at

Dass sie nicht wusste, dass der andere Weg nicht länger ist: Geschenkt. Dafür bin ich ja der Taxifahrer. Und obwohl ich verstehe, dass sie mir als bösem Betrüger nicht noch mehr Geld schenken wollte: Trotz der vorbildlichen Bitte um eine Quittung macht die Sache mit der Fahrtunterbrechung an der Stelle wenig Sinn. Denn (mal abgesehen von besagten 100 Metern zu Beginn): Den Weg zur Zossener bin ich völlig korrekt gefahren und mehr hab ich da nicht draufgeschrieben. Also selbst wenn ich betrogen hätte, könnte ich nun behaupten, sie hätten ein anderes Ziel angegeben. So gesehen wäre eine Fahrt bis zum Ende sinnvoller gewesen, denn wenn dann drei Euro zu viel als Preis angefallen wären, hätte man wirklich was in der Hand.

Außerdem, aber das war jetzt sicher erwartbar, gäbe es einem auch die Chance, eventuell doch eine Überraschung zu erleben wie dass der neue Weg kürzer ist als der, den man „jeden Tag“ fährt. Also rein hypothetisch. 😉

Die Energiiiiieee!

Eine Dreiviertelstunde Warterei am Ostbahnhof. Und dann vier Gesellen, von denen sich der mit dem Muscle-Shirt bei zackigen -3°C neben mich setzt. Handshake.

„Hi, Was‘ dein Name?“

„Sascha.“

„Titus.“

„Freut mich. Wo soll’s hingehen?“

„Du fährst uns jetzt einfach mal fett zum Kater!“

500 Meter Luftline. -.-

„Aber fett mit Bogen und so, dass es aussieht, als hätten wir’n fucking Escort-Service bis vor die Tür, Digger!“

Somit etwa 800 Meter.

Wer jetzt denkt, dass das ein Rant über kurze Fahrten wird, der hat noch keine Ahnung von Titus‘ Rap-Skills …

„So Jungs, hört mal:
Ich bin heut bei Ines – INES!
weil da das Kokain is‘ – IN IS!
und um drei mein Schwanz immer inner Muschi drin is‘ – DRIN IS!
Na, Jungs? Derbe, oder?“

Ich war nun nicht der einzige, der das, sagen wir mal „nur so mittel“ fand, was Titus aber nicht störte. Im Gegenteil: Er erklärte, warum das so genial sei:

„Digger, das is‘ so eine Sache mit der Energiiiieeee. Ich hab das hundertfach versucht. Mit allen Vokalen. Aber nur bei dem Iiiiii ist die Energiiiieeeee. Wie im Kokaiiiiiiin! Klar?“

Nein. Aber chemikalisch erklärbar.

Also kurze Runde zum Kater. Titus musste dort für zwei der drei im Fond klären, ob sie rein dürften. Zuvor waren sie wohl abgelehnt worden. Das klappte auch und so blieb am Ende einer übrig, der tatsächlich noch weiter fahren wollte. Also „weiter“:

„So, wo soll’s dann hingehen?“

„Naja, zurück zum Ostbahnhof halt.“

Kannste Dir nicht ausdenken!

„Eigentlich muss ich nach Lichtenberg, aber das wär mit’m Taxi dann doch etwas zu teuer.“

Äh ja. Und zudem wäre die Fahrt im Vergleich zu den letzten drei Minuten auch unverschämt sinnvoll und logisch erklärbar gewesen, das riskiert man nicht einfach mal so für acht zusätzliche Euro, schon klar. 😉

Acht Euro hat mir die Fahrt am Ende mit Trinkgeld aber nur insgesamt gebracht. Sei es drum. Immerhin auch einen Blogeintrag und viel Insiderwissen über die Energiiiiieeee. Oder so.

Lob und Tadel

„Na, Du bist auf jeden Fall mal der Retter in der Not heute Nacht!“,

begrüßte mich einer meiner drei neuen Fahrgäste lautstark. Der Grund war schnell gefunden: Sie hatten bei beiden Zentralen bereits angerufen, die aber hatten ihnen kein Taxi vermitteln können. Bittere Ausbeute für Friedrichsfelde um 2 Uhr, aber was will man machen?
Der Kunde hatte da eine ganz eigene Idee: Sich beschweren. Wenn man ihm glauben darf, hat er nach der verpatzten Vermittlung nochmal bei einer der Zentralen angerufen, nach einer Beschwerdehotline gefragt und wurde daraufhin aus der Leitung geschmissen. Wenn’s so war, war das freilich unschön, andererseits ist es bei näherer Betrachtung des Geschäftsfelds unserer Taxizentralen auch etwas irrsinnig, sich wegen sowas beschweren zu wollen. Dass es ärgerlich ist, kein Taxi zu kriegen, ist klar – aber wie ich dem Kunden auch nochmal erklärt habe, ist die Sache halt die: Die Zentrale fragt erst einige, dann mehr und letztlich fast alle Taxifahrer an, ob sie die Tour machen wollen. Kommt da keine positive Antwort, dann ist es halt dumm gelaufen. Und mal nebenbei: Die Taxifahrer, bzw. die Taxiunternehmer bezahlen die Zentralen für die Vermittlung, nicht umgekehrt. Arg viel Druck ausüben kann so eine Zentrale entsprechend auch nicht.

Wie dem auch sei: Die angetrunkene Partykundschaft, die ich immerhin bis Prenzl’berg im Auto haben sollte, fand das alles total schlimm. Obwohl sie nun bereits im Taxi saßen. Mein Beifahrer während der Tour kündigte dann auch nochmal groß an, „denen“ jetzt nochmal die Leviten zu lesen. Er schlug sogar vor, einfach aus Rache einen Kollegen in die Walachei zu bestellen, um’s denen mal richtig zu zeigen.

Da bin ich dann auch sauer geworden und hab ihm lautstark erklärt, dass wegen so einer kindischen Geschichte jetzt irgendein Kollege, der sich extra die Mühe macht, trotz 10 km Anfahrt den Auftrag anzunehmen und das der Zentrale hingegen völlig egal sein kann. Der Kunde tat das mit einem „Jajaja“ ab und erklärte mir, er würde „das dann anders machen“. Und so rief er bei einer Zentrale an, wollte sich darüber beschweren, dass er weggedrückt worden wäre, bemerkte dann, dass es die falsche Nummer war und gab kleinlaut auf.

Soweit war das schon der latenten Aggressivität wegen stressig, aber dann kam der nicht minder bekloppte, aber versöhnliche Teil:

Da ich ja nun entgegen der Kollegen von den fünf anderen Nummern (Ja, unsere nur noch zwei Zentralen haben noch mehr, wer weiß, ob sie zigfach die selbe angefragt haben) total super und vor Ort war, wollten sie „meine Nummer“ anrufen. Dass ich quasi Nichtfunker bin, ging völlig unter, den der Kumpel auf der Rückbank hatte eine Nummer der Zentrale schon ausgespäht. Werbung im Innenraum – SOOO hilfreich! 😉
Ich hab eingeworfen, dass die Nummer auf der Frontscheibe, wie noch ein paar weitere, ebenfalls dorthin führen würden, allerdings nix mit mir zu tun hätten, und dass sie unweigerlich bei einer Adresse landen würden, die sie vorher schon angerufen hatten.

Aber Alkohol, Mitteilungsbedürfnis etc. pp. …

Mein hackestrammer Kunde rief nun also bei „meiner“ Zentrale an, einfach um lobend loszuwerden, dass „ihr“ Fahrer immerhin mal was tut, anders als in den anderen sieben Unternehmen. Aber echt jetzt! Der sei super und das müsse nun auch mal gesagt sein!

Ich hab keine Ahnung, wie oft bei unseren Funkvermittlungen derartige Anrufe eingehen. Ich kann den Mitarbeitern dort aber versichern: Ihr habt noch den einfacheren Job, ehrlich! 😀

WTF did I do?

An sich war es eine stinknormale Fahrt. Zwei nette Jungs, nicht aus Berlin, und sie wollten nach Lichtenberg zu einer neuen Cluberöffnung. Das war vom Ostbahnhof aus nicht die kürzeste Tour und mit der Adresse „Rhinstraße 137“ konnte ich zumindest insofern was anfangen, als dass mir die Straße bekannt ist. Die Hausnummer war ein Fall fürs Navi, aber das passiert halt.

Und als ich die wirklich nur zu gut bekannte „Rhinstraße“ ins Navi eingebe, bemerkt der eine Kunde, dass das so nicht stimmen würde:

„Riehnstraße! R-I-E-H-N!“

Uff. Aber egal, hab ich das halt kurz mal eingegeb … ja, Pfeifendeckel! Gibt es nicht. Also zumindest nicht in meinem Navi.

Da der Fahrgast schon zuvor eine Karte im Handy offen hatte, bat ich ihn, sie mir nochmal zu zeigen. Was die Adresse anging, ergab das wenig Neuigkeiten, aber der von einem Kumpel gesendete GPS-Standpunkt war mir bekannt. Das Gewerbegebiet an der Landsberger und dort genau zwischen Globus-Baumarkt und Ikea. Mein Tracker verriet mir, dass Google Maps für die Straße bisher gar keinen Namen hatte. Komisch, aber warum sollte der nicht „Riehnstraße“ sein? Andererseits: Ich bin nun nicht in allen Belangen ein Ortskunde-Ass, aber obwohl ich die Autorität eines GPS-Signals als Navi-Nutzer schwer ignorieren konnte, sträubten sich mir ein wenig die Haare, denn wenn ich mir bei einem ziemlich sicher war, dann, dass zwischen Globus und Ikea genau eines ist: Nix. Bzw. Parkplätze.

Dass Clubs gerne mal in eher seltsamen Gebäuden aufgemacht werden: Sicher. Aber in Einkaufswagenunterständen von Ikea?

Aber abgesehen vom GPS wussten die beiden Kunden nix. Nicht einmal den Namen des Clubs, alles super konspirativ oder so. Aber der Kumpel mit dem Signal sei „vertrauenswürdig“.

Ich hab sie also hingebracht. An die kleine Straße zwischen Ikea und Globus, an der (außer eben Ikea und Globus) nur Parkplatz und Brache zu finden waren. Zu Beginn war ich noch erfreut zu sehen, dass dort ein Auto mit angeschaltetem Licht in der Prärie stand, weil ich dachte, es wäre besagter Kumpel. War aber wohl nicht so, denn meine Kunden ignorierten es völlig und sind nach mehrmaligem Nachfragen trotzdem ausgestiegen. Sie haben sogar noch einmal telefoniert und dass sie nachts vor einem Baumarkt stehen, sollte wohl korrekt sein.

Dank GPS und Telefonat mit dem Freund kann ich mir wohl zu 100% sicher sein, dass ich die Kundschaft an den richtigen Ort gebracht habe. Ohne jeden Zweifel. Andererseits war da nicht nur kein Club erkennbar (was passieren kann), sondern schlicht keine Möglichkeit, dass dort einer existiert. Noch weniger richtig konnte also auch nicht gehen. Und um meine Zweifel nach der Tour noch zu maximieren: Die „Rhinstraße“ 137 liegt nur rund 500 Meter Luftlinie entfernt. Definitiv zu weit für einen GPS-Fehler und auch unplausibel, weil der „Freund“ die Adresse angeblich auch nur kopiert und nicht aus dem Gedächtnis abgetippt haben wollte. Aber immerhin in einer Gegend mit Gebäuden.

Für mich war die Tour ok, ich hab meine 18 € nebst Trinkgeld bekommen. Aber ich werde heute mal etwas detaillierter als sonst die Polizei-Pressemeldungen durchlesen …