Guter Anfang. Oder so.

Ob ich seinen Kumpel mitnehmen könne, der sitze da hinten …

Wenn man wie ich schon ein paar Jährchen im Taxi runter hat, ist es nicht schwer zu erraten, was man dann unter Sitzen zu verstehen hat. Allerdings war ich hier ein bisschen überrascht, denn völlig komatös hing der Patient dann nicht im Gurt, sondern während sein Freund noch irgendwas im Club holen musste, sagte er ziemlich eloquent an, dass er nicht das Gefühl hätte, einfach viel zu viel getrunken zu haben, sondern einfach das falsche.

„So’n komisches Gefühl, kann ich gerade nicht besser beschreiben, sorry.“

Zwei Sekunden später kotzt er aus der hastig aufgerissenen Tür. Soweit war mir das erst einmal egal, denn immerhin hatte es soweit funktioniert. Als sein Kumpel wiederkam, haben wir den Rest auch ganz locker erledigt. Was vor allem geklappt hat, weil der Typ als einer der wenigen Betrunkenen mit seiner Einstellung recht hatte: Er war wirklich nicht völlig hinüber. Er gab auch einem bestimmten Drink die Schuld, aber das tun ja viele. Das berühmte eine schlechte Bier unter zwölfen … Der hier war aber nach dem Kotzen nahezu nüchtern, hat auch bestätigt, dass er jetzt nur „zur Sicherheit“ heimgehen würde, eigentlich sei jetzt alles in Ordnung. Und so war die Fahrt am Ende eine angenehme, mit durchgehender Unterhaltung – und nicht wie sonst dann halt doch fast immer eine, bei der ich vorsichtig fahre, immer den Rückspiegel im Blick habe, eine Hand quasi über dem Warnblinker kreisend. Hier war’s nur ein:

„Nee, keine Sorge, is alles raus, fahr ruhig!“

Und ich bin ruhig gefahren. Wenn schon Kotzer in schlechten Januarschichten, dann doch bitte solche!


PS: Wobei man natürlich zugeben muss, dass der finanzielle Aspekt von Innenraumsprudlern natürlich durchaus in der Lage wäre, aus schlechten Januarschichten noch ziemlich gute zu machen. Aber da kommt man dann schnell an den Punkt, wo man zugeben muss, dass auch im finstersten Januar Geld nicht alles ist. 😉

Auch besoffen

Ich hab vorgestern schon wegen der persönlichen Aufarbeitung erst einmal die Kundin mit dem Totalausfall verbloggt. War halt eine Fahrt, die mich nachhaltig beschäftigt hat. Um aber zu verstehen, warum ich sowas überhaupt mache, möchte ich auch die Fahrt davor erwähnen. Und „davor“ bedeutet, dass sie noch keine 10 Minuten Vergangenheit war, als ich die Dame aufgepickt habe, die wider Erwarten inzwischen ja auch gezahlt hat.

Die Schicht war mies und ich bin unbesetzt von der Halte los, weil ich befürchtete, das Autofahren zu verlernen, bevor Kundschaft kommt.

Und dann stand er da. Und mit Stehen meine ich eine stete Folge von Ausfallschritten in alle Richtungen. Rotzebesoffen, ein guter Kandidat, um auch von 90% der Taxifahrer nicht mehr mitgenommen zu werden. Junger Typ, groß, muskulös, Kurzhaarfrisur. Könnte Soldat gewesen sein.

„Schuljng, bin bsoffn.“

„Sehe ich. Wo soll’s hingehen?“

Eine Hauptstraße, keine zwei Kilometer entfernt. Wird schon pass …

„Schmuss kotzn!“

„Rechts ran?“

„Nee, ’s ok, schsag bscheid!“

„Aber bitte rechtzeitig!“

Und er sagte Bescheid. 150 Meter weiter. Er stieg etwas hakelig aus und begann dann eine fast schon erotisch anmutende Symbiose mit einem Baum einzugehen. Die Uhr lief.

Und dann fiel er um.

Ich also raus aus dem Auto. Ich gebe zu, ich hatte bei nur 4,50€ auf der Uhr überlegt, abzuhauen, aber fuck it! Es war arschkalt, ich kann den da nicht liegen lassen!

Ich hab ihm hochgeholfen, ihm Küchenrolle zum Abwischen gegeben und ein Bonbon gegen den Geschmack verpasst. Cent-Artikel, Sekunden-Aktionen, definitiv nix, was mein Leben schlechter gemacht hat.

„Dange Mann, bis korreggder Typ, schmagdir!“

Zugegeben: Mit normaler Kundschaft hätte das vier Minuten weniger gedauert. Aber genau dafür lief ja die Uhr weiter. Am Ende war es ein Zehner mit gutem Trinkgeld und zudem das Gefühl, jemandem geholfen zu haben.

Ich weiß, es ist furchtbar in, sich den Kopf darüber zu zerbrechen, wie man jemandem nachweisen kann, dass er sich selber in die Situation gebracht hat und ihn deswegen scheiße zu finden, bzw. ihm die Hilfe zu verweigern. Ist mir ehrlich gesagt zu stressig und so war die Tour am Ende wirklich mehr als ok für mich.

Und was es für ihn bedeutet hat, dass er nicht neben seiner eigenen Kotze unter einem Baum aufgewacht ist … ich maße mir nicht einmal an, den Unterschied zu ermessen.

Schon wieder Kotzer!

Ja, gut, im Gegensatz zu den beiden gutgelaunten Russen letzte Woche hätte ich es dieses Mal wissen können. Oktoberfestbesucher, eine Frau und offensichtlich drei dazugehörige Kinder. Alle volljährig und vollintoxiniert. Das Mädel hinten rechts bekam aber gleich eine Tüte gereicht und ich hab nochmal klargestellt, dass Aus-dem-Fenster-kotzen die teuerste Idee seit ihrer Designerjacke werden könnte.

Der Typ hinten in der Mitte dankte mir da schon, wie nett ich sei.

Der hinter mir stammelte eloquent:

„K … keine Ans, wennsch kotzn muss, schhaltditt bissuhause aus!“

500 Meter später:

Der Typ hinter mir bittet mich, rechts ranzufahren. Aber ja: Trotz Kindersicherung alles problemfrei. Ich lasse ihn raus, er geht noch ums Auto rum, alles perfekt. Ich hab im Gegenzug auch das volle Programm abgefahren: Küchenrolle zum Abwischen, Bonbon gegen den Geschmack, kriegen wir alles hin

Ich hab dem verständigen Teil der Truppe nochmal klargemacht, in welchen Stress wir uns reinmanövrieren würden, wenn die Scheiße im Auto landet und ich bekam erfreulicherweise einen Haufen Zustimmung und Dank dafür, dass ich das überhaupt mache. Auf dem Niveau, liebe Fahrgäste, können wir das hinkriegen:

„Ich hab schon schlimmeres erlebt. Aber ich will ehrlich sein: Ich vermute, dass das eine extrem lange Heimfahrt wird, wenn wir das jetzt alle 500 Meter haben.“

Und die Mutter:

„Uff. Ich fürchte auch.“

Natürlich bin ich umsichtig gefahren, natürlich meistens rechts. Und ja, natürlich war das stressig!

Kaum drei Minuten nach dem Zwischenstopp kam aber nur noch Schnarchen aus dem Fond und die neben mir sitzende Mutter frohlockte gar:

„Kiek Dir dit an: Alle zur gleichen Seite umjekippt! Brauchste nachher nur eine Tür uffmachen, dann purzeln die alle raus.“

Das hat am Ende nicht gestimmt. Den hinter mir musste ich langatmig überreden, doch bitte endlich das Auto zu verlassen. Obwohl er mit den Begriffen Auto, Taxi und Verlassen erkennbar nichts mehr anfangen konnte. Muttern indes hielt die junge Dame fest, die inzwischen über ein Gartentor gefallen war und sich dort auskotzte.

Aber ja: Trotz zwei kotzenden Leuten blieb bei mir alles sauber und ich bin so gesehen mit der Tour  völlig zufrieden gewesen. Ein bisschen Stress ist ja immer bei Lohnarbeit.

Gedankt wurde es mir im Übrigen auch finanziell, denn ich sollte die 28,90€ am Ende aufrunden. Auf 35.

Wenn man nur immer wüsste, wie es am Ende läuft …

Guter Deal

Gleich zwei Freunde geleiteten meinen Fahrgast vor einem Club zum Taxi. Ich solle ihn in eine Straße nach Britz bringen. Nun gut. Sonderlich fit wirkte er zwar nicht mehr, aber sowas kommt vor. Hätte ohnehin die letzte Tour an dem Abend werden können.

Während mein Fahrgast sich mäßig motiviert angurten ließ, fragte mich Kumpel 1 aus, wie viel das kosten würde. Genauer als „20 bis 25 €) konnte ich die Frage allerdings nicht beantworten, was ihn mit seinen gesammelten 23 € etwas unsicher werden ließ. Der zweite von hinten warf aber ein, dass er ihm ja einen Fuffi mitgegeben habe, etc. pp.
Sie stritten sich also quasi, wer bezahlen dürfte, mein Fahrgast wollte nur pennen und ich endlich rausfinden, wo diese Straße liegt, von der ich nie gehört hatte. Als ob das nicht gereicht hätte, fiel Kumpel 2 dann noch ein äußerst kluger Spruch ein:

„Aber Digger: Wenn – also WENN – es knapp wird hier mit ihm, dann halt bitte an!“

Großartiger Tipp! Und ich hatte das mit dem Kotzen gerade zu verdrängen versucht.

Aber irgendwann waren wir sie los, mein Kunde hatte den Fuffi dabei und guckte leicht grünlich um sich, fiel dabei aber auch schon fast dem Schlafe anheim. Also hab ich ihm kurz vor dem Wegtritt auch nochmal die Regeln erläutert:

„Bierchen zu viel? Kein Ding. Ich halte bei Bedarf sofort an, ist versprochen. Im Gegenzug folgendes von meiner Seite aus: Du versuchst keine Stunts wie unterwegs das Fenster zu öffnen, ok?“

„O … K?“

„Also, schlaf ruhig. Ich bemüh mich, vorsichtig zu fahren. Für den Straßenbelag kann ich nicht garantieren, ansonsten geb ich mein bestes. Und Du kotzt‘ einfach nicht! Deal?“

„Deal!“

Und so haben wir’s durchgezogen. Ich bin etwas langsamer, sanft bremsender und weniger zackig lenkend als sonst gefahren und er hat gepennt. Am Ende waren das 21 €, ich hab 25 bekommen und der Fahrgast … wird in den kommenden Tagen die 0,0 Promille auch wieder erreichen. Alle zufrieden. So muss das. 🙂

Die gute Tat …

Ich hatte mich noch kurz an den Bahnhof gestellt. Nicht den Ostbahnhof, sondern Friedrichsfelde-Ost. Nicht mit der Option, länger zu warten, sondern eher eine Kippenpause mit potenzieller Kundschaft. Und dann stand er da, etwas unsicher, ob er mich wirklich ansprechen könnte. Aber nun ja, sie hätten da diese eine, „wirklich ein bisschen arg betrunkene“ Freundin …

Was das bedeutet, war mir schon klar.

Ich hab nachgefragt, wie’s aussehen würde, ob jemand mitfahren würde, etc. pp.

„Ja, wir fahren zu dritt mit, wir passen auf, dass nix passiert!“

„Na dann …“

Ich war etwas vorschnell mit meiner Einschätzung, ich würde schon wissen, was das bedeutet. Denn die junge Dame, die die insgesamt drei Leute dann zwei Minuten später angeschleppt haben, hatte wirklich sämtliche Party-Zustände übersprungen und war bereits vollkommen im Bereich für medizinisches Personal. Sie hat das Kunststück fertig gebracht, keinerlei hilfreiche Regung beim Getragenwerden zu vollbringen, sondern allenfalls gegen die Hilfe anzukämpfen, die ihr da zuteil wurde. Und die Geräuschkulisse hat an ein Best-of einer Tierdoku erinnert, nicht aber an menschliche Kommunikation.

Das war so heftig, dass selbst ich trotz aller Druffis der letzten Jahre soooo kurz davor war, das aus Sicherheitsgründen sofort  abzubrechen und die medizinische Kavallerie anzufordern. Gelassen hab ich’s, weil sich herausstellte, dass die mitfahrende beste Freundin ausgebildete Krankenschwester war, die auch versicherte, dass sie sie zu Hause weiter betreuen und allenfalls in der stabilen Seitenlage würden schlafen lassen.

Die Fahrt an sich war stressfrei. Die anscheinend von nur drei sehr schnellen Cocktails nach langer Arbeit an einem heißen Tag und auf nüchternen Magen (wer macht sowas bitte?) Ausgeknipste fand sich angeschnallt und von zwei Freunden umklammert  mit einem von mir gereichten Tütchen vor dem Mund nur etwas sabbernd im Fond wieder, unter den Umständen hätte sich manch Profi-Kämpfer nicht mehr rühren können. Und die Fahrt war alles andere als atemberaubend weit, einmal nach Marzahn, eine Sache von ein paar Minuten.

Für mich war’s weniger Geschäft als die eine gute Tat nach ein paar wirklich tollen Touren, die Truppe selbst hatte da wohl noch einige Stunden mehr Programm. Die haben ja schon 30 Sekunden für je 10 Meter Fußweg gebraucht.

Leute, seid bitte ein bisschen vorsichtiger mit Drogen!

In dem Fall wird’s hoffentlich bei einem fiesen Kater geblieben sein, aber wer will denn bitte im Krankenhaus aufwachen nach dem Feiern?

Notfall-Umwege

Es gibt so Momente, da überlegt man nicht lange. Ich hatte dieses Wochenende zum Beispiel eine Fahrt mit Jo, aber als ich auf halbem Wege zu ihm war, meldete die Zentrale plötzlich, dass in etwa einem Kilometer Entfernung ein Kollege von einem Fahrgast angegriffen wird. Da wird auch eine Zusage unter Freunden erstmal zweitrangig.

Und es ist schön zu sehen, dass ich da nicht alleine bin. Obwohl ich keine zwei Minuten nach der Meldung vor Ort war, war die Straße bereits restlos mit Taxen zugestellt. Sicher zehn Autos, vielleicht auch mehr.

Ein paar Leute haben aufgebracht diskutiert, es ging scheinbar darum, dass Kotzer keine Notwendigkeit zum Bezahlen des Schadens gesehen haben – weil’s ja „nicht so schlimm“ war. Wie schlimm genau es aussah, hab ich dann aber gar nicht erst in Augenschein genommen. Alle Beteiligten waren vor Ort und mit der Polizei war in Kürze dann ohnehin zu rechnen. Und es sah auch nicht so aus, als ob es entgegen der eigentlichen Erwartung Kunden gegen Taxifahrer zu verteidigen galt – obwohl die sichtbar aufgebracht waren, dass der Fahrer plötzlich nicht mehr in der Außenseiterposition war. Was mich im Übrigen durchaus zu einem solidarischen Schmunzeln ermuntert hat, denn selbst wenn sich mein bisheriger Stress mit Kunden in engen Grenzen hält:

Es gab da auch schon Kandidaten, bei denen ich mir gewünscht hätte, dass die Drei-gegen-einen-Situation sich spontan in eine Neun-gegen-drei verwandelt … denn natürlich gibt es Leute, die das – mal so und mal so – versuchen auszunutzen, dass man als Taxifahrer alleine ist.

Da ich schnell weiter zu Jo bin, weiß ich nicht, wie das am Ende ausgegangen ist. Meine Theorie: Für den Kollegen ziemlich gut. 😉

Im Ernst: Es gibt immer noch eine Menge Überfälle auf Taxifahrer – und da das nun ein Thema ist, das im Gewerbe seit Jahrzehnten aktuell ist, gibt es entsprechend auch schon lange eine Menge Gegenstrategien. Und im Gegensatz zu manch anderen Punkten klappt dort auch die Solidarität unter den Kollegen noch (weitgehend) sehr gut. Falls Ihr böses im Schilde führt: Ich hab Euch gewarnt!

Immer höflich bleiben!

Da lief die Schicht (wie vom Januar erwartet) völlig unterirdisch – und was mache ich? Ich hab mir in Lichtenberg gesagt, dass ich jetzt lieber in Karlshorst nach Kundschaft gucken will als in Mitte. OK, Nichtberliner wundert das jetzt vielleicht nur minimal, aber in Karlshorst um 3 Uhr Winker zu bekommen, ist utopisch. Nun gut, ich bin also in den Süden gegurkt und hab … in Karlshorst eine Winkerin bekommen.

Tja, aber hallo! Einmal mit Profis arbeiten …

13 € nannte sie ihr eigen und wollte „so nahe wie möglich an Prenzlauer Berg ran“.

„Aber ich guck mal, ob ich noch mehr finde …“

Nun hat meine Ortskenntnis sich eingemischt und das ziemlich schnell verworfen. Also bis Prenzl’berg selber wird das nix. Nicht mal die südlichsten Ausläufer am alten Schlachthof hätte ich erreicht. Also ging es mehr so in Richtung Warschauer, damit sie mit der Bahn weiter könnte. Die inzwischen zusammengesammelten 16,80 € hätten da wohl gereicht – allerdings bei weitem nicht bis in die Paul-Robeson, wo sie eigentlich hinmusste. Zu allem Überfluss sah es mit der Reisetauglichkeit bezüglich Bahn eher mau aus. Zunächst hat sie noch ein paar nette Worte über ihr Studium und anschließend über mich verloren, dann gestand sie aber:

„Tut mir leid, ich bin viel zu besoffen, um mich zu unterhalten.“

Nun denn, so weit es geht. Das wäre in solchen Fällen bei 16,80 € also so ungefähr bis an die 20€-Grenze – vorausgesetzt, es ergibt sich dadurch ein Vorteil – wie z.B., dass man unterwegs die Bahn noch überholt und Wartezeit erspart. Aber noch bevor es soweit war, standen wir in Friedrichshain an einer Ampel und sie meinte:

„Oh, das ist praktisch. Ich mach kurz die Tür auf, ok?“

„Äh, weswegen das?“

„Ich würde mich gerne übergeben.“

Im Ernst jetzt? „Ich würde mich gerne übergeben“? So ganz sachlich, als kleiner Wunsch vorgetragen. Wie „Ich fahre da vorne immer gerne links, da sind weniger Ampeln.“ Ich hab noch nie so gefeiert, während ein Fahrgast gekotzt hat! 😀

Ich muss dazu sagen, dass ich bei der netten Anfrage ja auch gleich automatisch in den Dann-isses-nicht-so-wild-Modus verfallen war und gemeint hab:

„Dann einen Moment noch, ich fahr eben ein Stück weiter nach rechts …“

Wenn das mit dem Kotzen schon Zeit hat, dann sichere ich die Situation doch auch gegen potenzielle in diesem Moment rechts überholende Radfahrer ab. Wobei das sicher als ekligster Unfall in die Annalen Berlins eingegangen wäre. 😉

Die Kundin war nun während der ganzen Aktion natürlich nicht würdevoller als alle Menschen es sind, die sich würgenderweise ihr Essen nochmal durch den Kopf gehen lassen. Aber sie hat sich Zeit gelassen, keine Hektik, weil man ja schnell weiter muss oder so. Nachdem sie dann ein Tuch zum Abwischen angenommen und ein Bonbon abgelehnt hatte, war sogar ich sehr überzeugt davon, dass es das jetzt wirklich gewesen sei. Wobei der verbleibende Weg ja nun auch nicht mehr sehr weit war. Obwohl …

„Äh, sag mal? Kann ich auch mit Karte zahlen?“

„Sicher.“

„Ach, dann hab ich ja quasi so viel Geld wie ich will … dann bring mich mal heim. Paul-Robeson XY – und danke!“

In aller Regel bin ich ja nur mäßig begeistert, wenn bei Kotzern mal eben ein paar Kilometer obenauf kommen. Aber heute hab ich mich nur gefreut. Auf dem weiteren Weg ist dann das buchstäbliche Nichts passiert. Meine Kundin hat nur selten mal die Augen aufgemacht, von Reden und Kotzen wollen wir gar nicht erst anfangen …

Für so komplexe Aktionen, wie während der Kartenzahlung ein Trinkgeld anzusagen, war sie am Ende leider schon zu hinüber. Ich tröste meine sehr im Rahmen befindliche Stimmung jetzt halt damit, dass ich anscheinend „der netteste Taxifahrer aller Zeiten“ bin. Ich meine, bei anderen Kunden bleibt nicht mal das Auto sauber. Und, nicht vergessen: „Ich würde mich gerne übergeben.“ 😉