Flottenstützpunkte bei Nacht

In den nächsten paar Monaten werde ich (mit Ausnahme von Silvester vielleicht) wieder im Dunkeln Feierabend machen. Und zumindest vorübergehend einmal die Woche dabei das Auto an der Firma abstellen. Und wie siehts da so aus?

Dunkel und opelig:

Na, welcher ist die 72? ;) Quelle: Sash

Na, welches ist die 72? ;) Quelle: Sash

Das Abstellen an der Firma ist ein wenig blöd wegen der langen Anfahrt, dafür muss ich’s derzeit nur einmal in der Woche machen und hab das Auto sonst vor der Türe. Ich hab also achtmal 15 Minuten Arbeitsweg durch zweimal 60 Minuten ersetzt. Das bleibt in der Summe gleich und ist eigentlich gar kein so schlechter Deal. Andererseits ist es komisch, dass das Auto jetzt auch für Springer genutzt wird – ich muss mir jedes Mal den Sitz aus vollkommen anderen Positionen zurechtnudeln. Obwohl’s mir gerade wirklich gefällt (auch ein längerer Arbeitsweg hat ja manchmal was entspannendes), wäre es doch eigentlich schön gewesen, die 72 noch mit Harald zusammen runterzurocken. :(

Der Moritz

“Sorry, weißt Du, wo die nächste Sparkasse ist? Dein Kollege wusste es nicht.”

Mag sein. Könnte aber auch die Kurzstreckenamnesie mancher Taxifahrer gewesen sein, ein offenbar böswilliges Virus, das alle Ziele in  weniger als zwei Kilometern Entfernung aus dem Gehirn frisst.

Die nächste Sparkasse vom Ostbahnhof aus ist die an der Karl-Marx-Allee  – aber ob die zu der soäten Stunde offen hat?

Nein. Natürlich nicht.

Mein wirklich ausgesprochen netter Kunde wollte danach zum Kater, mir ist allerdings nur die Sparkasse an der Grünberger eingefallen. Am Alex hätte es noch eine gegeben, die wäre wohl sinnvoller gewesen. Vor allem, da wir nun erst ewig in die falsche Richtung gurken mussten. Ich hab dem jungen Mann schon angeboten, doch ggf. eher einen Fünfer bei einer fremden Bank zu lassen, aber er wollte unbeirrbar eine Sparkasse. So denn.

An der Warschauer ist ja nun gerade Baustelle mit Abbiegeverbot, also musste ich mich auf dem größtmöglichen Umweg an die Bank rantasten.

An der Bank ließ ich ihn ohne Pfand raus.

“Hey, ich bin der Moritz und ich halte mein Wort!”,

hatte er gesagt. Mir war wichtiger, dass er schon beim vorherigen Stopp den Ausweis dagelassen hatte. Ich hab selbigen zwar nicht einmal angesehen, aber das musste Moritz ja nicht wissen. Und er holte erfolgreich das Geld für ein “kleines Bisschen weiterfeiern”.

Am Ende hatten wir für die eigentlich maximal 4,40 € kostende Tour zum Kater fast 15 auf der Uhr. Da mein Kunde sowieso wegen jedem Cent nachfragte, stoppte ich das Taxameter, als wir wieder am Ostbahnhof vorbeikamen. Ja, ist nicht erlaubt – aber halt trotzdem nur ein Euro Unterschied. Dass jemand dieses verquere Gegurke überhaupt mit guter Laune und Komplimenten zu bedenken wusste, hat mich erfreut. Die berühmte Ausnahme …

Endlich angekommen sagte  Moritz dann, dass ich aus den 15 € doch mal bitte 18 machen solle. Weil ich trotz des Stresses “so cool geblieben” wäre.

Nun ja, das hätte etwas besser laufen können – und damit etwas günstiger.  Das nehme ich mit, man lernt schließlich nie aus.

Und trotzdem hatte ich einen zufriedenen Kunden, mir hat die “schlimme” Tour auch gepasst, also was soll’s? Win-Win.

Taxischerze

Für alle, die wiedermal gelangweilt vom Polizeiruf sind:

Bei Facebook hat ein Kollege heute in eine Taxigruppe das folgende Video gepostet. Eine Zusammenstellung von “just for laughs”, alle mit Bezug zum Taxifahren. Unterhaltsame, aber trotzdem harmlose und familientaugliche Scherze. Ich gebe zu, ich kann über sowas lachen. :)

Liebe GDL,

als Mensch und Bahnfahrer ohne eigenes Auto habt ihr es schwer, meine Zuneigung zu bekommen. Die vielen ausgefallenen Züge, das Gedränge in den noch fahrenden, ach!

Als Linker und Arbeitnehmer habe ich großes Verständnis für einen aggressiv geführten Arbeitskampf und ihr somit meine Unterstützung, auch wenn mir die Tatsache, dass es nicht nur um die Verbesserung für die Angestellten, sondern auch um euren Machtbereich geht, Magengrummeln bereitet.

Als Taxifahrer aber muss ich euch einfach loben. Arg viel direkter als mit massenhaften Zug- und S-Bahn-Ausfällen kann man das Taxigewerbe kaum noch unterstützen. Ich hatte dank Euch ein Wochenende, das stellenweise an Silvester erinnert hat und deswegen wollte ich einfach mal danke sagen! :)

Aber da sich der Mensch in mir gerade vordrängeln will und ich heute das Auto nicht mit heimnehmen kann: Ich hoffe, dass es bald mal eine Eingung bei euch gibt.

Küsschen,

Sash

(Nicht) erkannt

Manchmal werde ich ja hellhörig. Zum Beispiel, wenn mir wie heute morgen gesagt wird:

“Ich les’ da ja auch so ‘nen Taxiblog. Keine Ahnung, wie der Typ heißt, ist aber ganz lustig …”

Nun hab ich ja den kleinen Vorteil, dass GNIT immer noch der wohl größte Taxiblog hierzulande ist, sodass ich etwas nachgehakt habe. Hatte ja nicht viel zu verlieren, die Bewertung “ganz lustig” stand ja schon im Raum. ;)

“Und ich hab mir beim Einsteigen noch gedacht: Isserdas oder nicht?”

War nett, mit einer Leserin und einer Eventuell-bald-Leserin zu reden und zudem Grüße an eine weitere offenbar sehr begeisterte Leserin (*wink*) auszurichten. Und immerhin war das Gespräch offenbar so gut, dass die beiden Damen es nicht einmal gemerkt haben, wie ich in der Zwischenzeit das Navi für die korrekte Hausnummer angeschmissen hab. Obwohl es zentral in der Mittelkonsole sitzt. Aber man ist ja geübt als Taxiblogger. :)

Geschätzt

Natürlich ist alles eine Frage des Einzelfalls. Gewisse Verhaltensweisen können entweder liebevoll wertschätzend oder arrogant hochnäsig wirken. Ein gutes Beispiel ist immer wieder das Duzen. Ich finde das auf gleichberechtigter Ebene gut, mag also das grundsätzliche Duzen im Gewerbe sehr gerne. Schön, dass ich sowohl meine Chefs als auch Fahrer aus fremden Firmen duzen kann, ohne darüber nachdenken zu müssen. Mit der Kundschaft ist das – wie schon mehrfach besprochen – unterschiedlich. Manche Menschen hält man geradezu gerne mit einem professionellen Sie auf Abstand, bei anderen erfreut einen das Du.

(Und in manchen Spezialfällen kriegt man fürs Siezen weniger Trinkgeld, aber das vernachlässigen wir mal.)

Da plötzlich sprang er von hinten an mich und einen Kollegen heran, eine Art Barney-Stinson-Imitator: Im Anzug unterwegs, aber mit jugendlichem Elan daherfedernd und die wirklich selten gehörten Worte rufend:

“Hey Jungs, hat einer von Euch ein Taxi für mich?”

Und es war glücklicherweise genauso locker gemeint wie es klang. Kein Stress, ein ehrliches Gespräch, eine kurzweilige und gar nicht so kurz wie vermutet ausfallende Fahrt mit anschließenden 20% Trinkgeld – weil:

“Ach komm, war angenehm!”

Von solchen Fahrten gerne mehr. :)

Kauft das Buch!

Wie kam Sash eigentlich zum Taxifahren? Das beschreibt er in seinem ersten eBook "Papa, ich geh zum Zirkus!".

Immer dranbleiben!

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Noch ein Blog?

Kleiner Tipp: Sash hat noch einen zweiten Blog, auf dem es auch gelegentlich was zu lesen gibt.

Schlechter Fang?

Gut, ich stand schon etwas. Da wären lange Touren natürlich herzallerliebst. Wo es hingehen sollten, sagten die 6 Leute dann allerdings erst einmal nicht, sondern fragten, ob sie überhaupt reinpassen würden ins Auto. Das hatten wir dann recht schnell geregelt, also schwang ich mich unter den leuchtend blauen Lettern, die da “BERLIN OSTBAHNHOF” in die Nacht brüllten, in den Wagen und drehte den Zündschlüssel um.

“Wo darf’s denn hingehen?”

“Das A&O-Hostel in der Köpenicker.”

Uff. Irgendwas zwischen 900 Metern und einem Kilometer. Entsprechend hab ich nach grob geschätzt 50 Sekunden den Zündschlüssel wieder umgedreht und den Preis angesagt. Der war dank Einstiegspreis, Zuschlägen und den ja durchaus teuren ersten Kilometern bei 8,20 €. Ich weise da auch immer drauf hin, dass es wegen dem Zuschlag so teuer sei, weil …

“Ja ja, blabla, passt so.”

Zehn Euro. Für eine Minute Fahrt. Andererseits hab ich dafür aber auch 6 Leuten mal eben schnell die Heimfahrt in vielleicht einem Zehntel der sonst benötigten Zeit ermöglicht. Oder das Laufen erspart. Wirklich nach Feiern zumute war ich aber erst, als ich von der Köpi (200 Meter entfernt) mal noch schnell eine 15€-Winkertour bekommen habe. :)

Am Ende ist es dann ja egal, wie man auf seinen Schnitt kommt …