Zu klein

Er kam am Ostbahnhof mit einem Snowboard an:

„Sagen Sie, passt das bei ihnen vielleicht …?“

„Kein Problem, da lege ich einen Sitz um, und schon …“

„Hmm, aber wir sind zu viert.“

Ich hab’s kurz abgeschätzt, aber da die mitreisende Familie zusätzlich zum Snowboard auch noch die restlichen Urlaubskoffer dabei hatte, wäre das wirklich nicht gegangen. Abgesehen von Gruppen jenseits von sechs Personen war das dann wohl die eine Fahrt im Jahr, für die mein Opel zu wenig Kofferraum hatte. Und da kein Bus an der Halte stand, sind die potenziellen Kunden am Ende mit der BVG gefahren. Schade. Aber alles kann so ein PKW dann halt auch nicht.

Und, hey: Ich hatte schon ein Boot, ein Surfbrett, einen halben Ikea und sogar Holzplatten im Auto, die in einem E-Klasse-Kombi nicht transportabel waren. Ich übertreibe echt nicht, wenn ich sage, dass ich wegen Gepäck selten eine Tour absagen muss.

Rückbankmissverständnisse

„What time is it?“

„5:30.“

„How did you know?“

„There’s a clock!“

„Oh! But it’s 5:50 already.“

Da bin ich dann eingesprungen:

„Guys, that’s the meter. And since we would reach noon during the ride I want to tell you it’s just 3:30. OK?“

Auch wenn ich grinsen musste. Ich hätte nicht erst nach 7 Jahren mit so einer Verwechslung gerechnet. 😀

„Mach ma billig!“

Ich will mich für meine Menschenkenntnis nicht selbst beweihräuchern … aber meist merke ich schon, wann irgendwelche Ansagen schwierig für mich oder nur notwendiges Gebrabbel der Vortragenden sind.

Deswegen hab ich mir bei der Fünfertruppe Mädels, die ich nach einer halben Stunde am Ostbahnhof eingeladen hab, auch keine Sorgen gemacht. Sie hatten eine dabei, die klein genug für die letzte Reihe war, haben aus lauter Freude darüber, ein Großraumtaxi gefunden zu haben, aber gar nicht mehr zugehört. Pech, schließlich hatte ich gerade den Zuschlag und das mit der Tarifbindung erklärt. Und sie mir, dass es nur eben über die Spree, einmal zum Spindler und Klatt gehen würde.

Kaum, dass ich im Auto saß, begrüßte mich meine Beifahrerin für zwei Minuten sehr nett und bat mich:

„Mach ma billig. Also guter Preis, nicht zu teuer!“

Ich hab mehr in mich herein als zu ihr hinausgegrinst, als ich gesagt habe, dass ich die Preise nicht mache und einfach nach Tarif fahre. Als ich den Startknopf gedrückt hatte, kam gleich von der Rückbank:

„WAS, 3,90 EURO!?“

Ich bin da ja verständig und freue mich über den netten Austausch mit Kunden über die Tarifstruktur des Berliner Taxigewerbes. Also hab ich gleich mal angefangen, die Zuschläge einzugeben: 0,50 €, 1,00 €, 1,50 €, 2,00 € …

„Was, was, was machst Du denn? Zwei, äh drei, vier Euro?“

„Nein. Fünf Euro. Großraumzuschlag. Hatte ich gerade schon gesagt.“

„Alter, machst Du hier einen Euro pro Sekunde oder was?“

Ich verstehe es ja, wenn Kollegen das nervig finden. Ich fand es in diesem Fall einfach nur lustig. Ich mag zwar dieses „Mach ma billig!“ auch nicht und ich hab sogar Verständnis für die knappe Kasse von Kunden. Aber wenn ich für 6,70 € zum Spindler und Klatt fahre und dann den Fünfer Zuschlag reindrücke, ist das immer noch günstiger als zwei Taxis zu je 6,70 €.  Überhaupt landen wir am Ende bei Zweiirgendwas pro Person, trotz inzwischen teurem Großraumzuschlag nicht weit weg vom BVG-Preis. Und wenn wir schon dabei sind: 11,70 € verteilt auf 5 Mädels, die eine Nacht lang Party machen wollen … nee, da muss ich dann doch grinsen, wenn ich sie mit dem Preis negativ überrasche.

Und während ich ihnen die Freude machte, ihren Lieblingssender für eine Minute zu suchen und lautzustellen, hab ich ihnen auch alles oben genannte erklärt.

Natürlich wurden am Ziel erst einmal nur die 6,70 € bezahlt, ich war beim Verweis auf den Zuschlag „voll gemein“ und so weiter und so fort. Nicht einmal sonderlich ernst, eher ein wenig neckend sogar. Ich hab’s aber auch einfach nicht an mich rangelassen. Am Ende kam es wie immer: Ich hielt die 11,70 € passend in der Hand und eine der jungen Damen flötete von der Rückbank:

„Na, da haben Sie ja jetzt ein Schnäppchen gemacht mit uns, was?“

„Ach, ich hab ja immerhin auch eine halbe Stunde darauf gewartet.“

Ich hab dem Satz keine sonderliche Brisanz zugeordnet, es war mehr eine ebenso schnäppische Retourkutsche für das gespielte Gejammer in den zwei Minuten zuvor. Aber bei aller gesunden Verachtung der hedonistischen Jugend gegenüber: Auch da gibt es nachdenkliche Menschen! Der hinten rechts sitzenden Dame entgleisten für einen Moment beinahe die wohlgeschminkten Gesichtszüge und sie antwortete:

„Oh. Das tut mir leid.“

Und so bekam ich, obwohl ich „so gemein“ war und es nicht „billig“ gemacht hatte einen glatten Zweier Trinkgeld. Und aus Erfahrung kann ich inzwischen wohl sagen: Mehr ist bei solchen Touren wirklich so gut wie nie rauszuholen. Ich hab also am Ende doch ziemlich viel richtig gemacht. :)

Notfall-Umwege

Es gibt so Momente, da überlegt man nicht lange. Ich hatte dieses Wochenende zum Beispiel eine Fahrt mit Jo, aber als ich auf halbem Wege zu ihm war, meldete die Zentrale plötzlich, dass in etwa einem Kilometer Entfernung ein Kollege von einem Fahrgast angegriffen wird. Da wird auch eine Zusage unter Freunden erstmal zweitrangig.

Und es ist schön zu sehen, dass ich da nicht alleine bin. Obwohl ich keine zwei Minuten nach der Meldung vor Ort war, war die Straße bereits restlos mit Taxen zugestellt. Sicher zehn Autos, vielleicht auch mehr.

Ein paar Leute haben aufgebracht diskutiert, es ging scheinbar darum, dass Kotzer keine Notwendigkeit zum Bezahlen des Schadens gesehen haben – weil’s ja „nicht so schlimm“ war. Wie schlimm genau es aussah, hab ich dann aber gar nicht erst in Augenschein genommen. Alle Beteiligten waren vor Ort und mit der Polizei war in Kürze dann ohnehin zu rechnen. Und es sah auch nicht so aus, als ob es entgegen der eigentlichen Erwartung Kunden gegen Taxifahrer zu verteidigen galt – obwohl die sichtbar aufgebracht waren, dass der Fahrer plötzlich nicht mehr in der Außenseiterposition war. Was mich im Übrigen durchaus zu einem solidarischen Schmunzeln ermuntert hat, denn selbst wenn sich mein bisheriger Stress mit Kunden in engen Grenzen hält:

Es gab da auch schon Kandidaten, bei denen ich mir gewünscht hätte, dass die Drei-gegen-einen-Situation sich spontan in eine Neun-gegen-drei verwandelt … denn natürlich gibt es Leute, die das – mal so und mal so – versuchen auszunutzen, dass man als Taxifahrer alleine ist.

Da ich schnell weiter zu Jo bin, weiß ich nicht, wie das am Ende ausgegangen ist. Meine Theorie: Für den Kollegen ziemlich gut. 😉

Im Ernst: Es gibt immer noch eine Menge Überfälle auf Taxifahrer – und da das nun ein Thema ist, das im Gewerbe seit Jahrzehnten aktuell ist, gibt es entsprechend auch schon lange eine Menge Gegenstrategien. Und im Gegensatz zu manch anderen Punkten klappt dort auch die Solidarität unter den Kollegen noch (weitgehend) sehr gut. Falls Ihr böses im Schilde führt: Ich hab Euch gewarnt!

Hektische Zustiege

tl;dr: Manchmal verhalten wir Taxifahrer uns auch nur komisch, weil Menschen – und damit unsere Kunden komisch sind. Deal with it!

Ich weiß ja, dass wir Taxifahrer manchmal nerven. Stehen dumm auf der Straße rum, heizen und wechseln aprupt die Richtung. Dass es auch bei uns Idioten gibt: Klar. Ich bin durch meinen Alltag inzwischen aber immer versöhnlicher mit dem Verhalten von Kollegen geworden. Nicht einmal wegen übertriebener Solidarität, sondern weil ich tagein tagaus merke, wie schnell man in so Situationen kommen kann, ohne dass man der letzte Arsch auf der Straße sein will. Da rennt einem hier ein Kunde fast vor’s Auto und dort wird aus einem angesagten Rechts plötzlich ein Links. Und der Milisekunden-Überlegungsvorgang, ob man der Verkehrssicherheit oder den Kunden den größeren Dienst in einer kompliziert abzuschätzenden Situation erweisen will, liefert gelegentlich einfach mal ziemlich willkürliche Zufallsentscheidungen. Im Grunde bin ich sogar jedes Mal froh, dass ich nicht stattdessen einer völlig abwegige Übersprungshandlung verfalle.

So ein plötzlich auftretender Kunde kann im Einzelfall für uns der sprichwörtliche Ball aus der Fahrschule sein, der zwischen zwei Autos hervorrollt. Während man aber bei der Fahrschule irgendwann gelernt hat: Vollbremsung ist immer gut – im Notfall ohne Rücksicht auf Verluste; kann es in diesem Fall aber auch der Lotteriegewinn sein, den man einsackt, wenn man drüberfährt. (Natürlich im umgekehrten Sinne: An Kunden vorbeifahren zugunsten eines vermiedenen Unfalls)

Es ist vielleicht schwer, das Nicht-Taxifahrern begreiflich zu machen, aber es ist wirklich ein völlig anderes Verkehrsverständnis nötig, wenn man sein Geld mit dem Transport von Leuten verdient, die allenthalben unmittelbar am Straßenrand spawnen können. Ich bin überzeugt: ein guter Fahrer denkt zuerst an den fließenden Verkehr. Aber das klingt wirklich verdammt locker, wenn man normalerweise nur 0/1 zwischen Vor-sich-hinömmeln und Todesgefahr unterscheidet. Wir können es nicht vermeiden, mal stehenzubleiben, wo wir stören. Oder mal langsamer zu fahren, weil wir was suchen. Und ebenso wie es selbstverständlich zur Professionalität gehört, niemanden zu gefährden, gehört es auch dazu, mal eben noch schnell das Linksabbiegen zu managen, obwohl wir schon rechts geblinkt haben, weil ein Kunde keine Ahnung hat, der sonst erforderliche Umweg aber sein Budget überfordern (oder unser Trinkgeld schmälern 😉 ) würde.

Das ist kein Entweder-oder mehr. Natürlich halte ich auf der rechten Spur – ich muss aber abwägen, ob der hinter mir (ohne Vollbremsung natürlich!) die Möglichkeit hat, abzubremsen, anzuhalten, vorbeizuziehen, etc..
Und das Schwierigste an der ganzen Chose ist: Es hängt immer auch von den Kunden ab. Und die fahren oft nicht einmal Auto oder haben ein herzerweichendes Unwissen über den Verkehr im Großen und Ganzen und ihre Situation gerade im Speziellen. Sie winken einen in einer Kurve ran, im einzigen einspurigen Bereich der Straße. Sie wollen an Bushaltestellen aussteigen, würden gerne in 25 Minuten von Berlin nach München und bemerken auf der rechten von vier Spuren, dass sie jetzt lieber links abbiegen würden. Und das immer spontan, immer an einer anderen Ecke. Mir geht’s nicht um das Rechtfertigen von Idiotie, ich möchte nur um etwas Toleranz für Fehler bitten.

Ich hatte kürzlich einen (glücklicherweise weitgehend harmlosen) Fall, in dem mich sicher einige für einen Idioten gehalten haben, der für Geld alles macht. Ich stand auf der mittleren von drei Spuren an einer Ampelkreuzung und es war rot. Als ich angehalten hatte, war keine Kundschaft in Sicht. Meine Spur führte geradeaus, ebenso wie die rechts neben mir. Da man von jener jedoch auch rechts abbiegen konnte und sich schon zwei Abbieger dort versammelt hatten, wählte ich die Mittelspur. Ich war auf einer meiner Routinerouten auf Kundensuche, ich hatte den Blick meist auf den rechten Fahrbahnrand gerichtet und die nächsten 5 Kilometer Wegstrecke inklusive aller Spurwechsel komplett abgespeichert. Nach der Kreuzung wäre ich nach rechts gewechselt, dort aber nur bis zur nächsten Kreuzung verblieben. Fortan wäre wegen viel Fahrradverkehr die mittlere der (dann drei Geradeaus-) Spuren meine gewesen. Der Blick immer im Dreitakt: Vorne-Mittelspiegel-rechter Seitenspiegel. Bei einem Kunden wäre ich zu jeder Sekunde immer im Bilde, wer gerade wo und wie schnell hinter mir fährt. Fänden die meisten Autofahrer wohl superstressig, ist aber mein Alltag, wenn ich „total gechillt“ und „mit Musik auf Anschlag“ „ohne Arbeit“ durch Berlin cruise.

Noch stand ich aber ja an der Ampel. Die Hand war schon fast soweit, rechts zu blinken, da die neben mir abbiegen wollten und ich dann die rechte Spur zu nehmen gedachte. Im Rückspiegel hatte ich den BMW hinter mir fixiert, in dem mindestens zwei Typen um die 20 saßen, die vorher schon leicht verhaltensauffällig waren und bei denen ich befürchtete, sie würden ebenfalls schnell die Lücke nutzen wollen, um rechts an mir vorbeizuziehen, sobald die Ampel grün werden würde und ich 5 Meter Weg zurückgelegt hätte. Es würde gleich grün werden, mein Fuß zuckte schon am Kupplungspedal.

Dann klopfte es 10 Zentimeter links von meinem Ohr an die Scheibe.

Ich müsste lügen, wenn ich sagen würde, dass mich das jetzt, nach sieben Jahren im Taxi, selbstverständlich kein bisschen mehr erschreckt. Eine junge Frau begann mit Handzeichen den Wunsch zu signalisieren, dass sie gerne einsteigen würde. In dem Moment schaltete die Ampel auf grün und der im BMW hinter mir lies die Hand leicht über der Hupe kreisen. Für den Fall, ich sollte auch nur einen Fehler machen. Ich gab ihr ein in meiner Vorstellung super eilig wirkendes Zeichen, dass sie sich beeilen solle, wahrscheinlich hab ich aber geistig umnachtet irgendeinen Werwolf-Balztanz aufgeführt. Jedenfalls hab ich anschließend festgestellt, dass ich zeitgleich das Taxameter angeschaltet hatte.
Sie stieg trotzdem ein und fragte zögerlich:

„Können Sie hier wenden?“

Blick nach links, nebenher den Blinker gesetzt, Blick in den linken Außenspiegel. Ein Auto. Noch ca. 30 Meter, fährt aber höchstens 30. Könnte hochbeschleunigen wegen der Ampel, aber ich blinke schon. Ätsch. und rüber. Es sind zwei bis drei Sekunden vergangen und meine Kundin hat mir die Adresse genannt. Ich schaffe es bei gelb über die Ampel und der hinter mir versucht es auch noch. Ich bin kurz davor, Straßenbahnschienen zu überqueren, ohne nachgesehen zu haben, ob eine Bahn kommt. M-Linie, fährt auch nachts. Alle 30 Minuten nur, aber der Statistik nach an allen Unfällen mit Straßenbahnen um die Zeit beteiligt, kreuzgefährlich also. In meinem Kopf ist aber nur Matsch, weil ich weiß, dass die Straße der Kundin in der Nähe liegt und ich schon mal überlege, ob ich bereits die nächste wieder abbiegen müsste, ob sie vielleicht gar eine Kurzstrecke haben will und – das mit der Straßenbahn ist eh zu spätz jetzt, Glück auf! – wenigstens den Fußgängerüberweg auf der anderen Seite abchecke. In dem Moment wirft die Kundin ein:

„Halt!“

Doch eine Bahn? Während ich nach links blicke, trifft mein Fuß die Bremse und sorgt für ziemliches Unbehagen des Fahrers hinter mir, der ohnehin schneller als ich noch die Kurve kriegen wollte, die ich mit meinem Heck noch zum Teil blockiere.

Er weicht aus, während ich erkenne, dass da gar keine Bahn kommt. Meine Kundin hat die Hektik der Situation noch nicht einmal wahrgenommen und führt das Gespräch unbeirrt fort:

„Bevor wir losfahren, wollte ich noch schnell fragen: Nehmen Sie auch Kreditkarte?“

Sicher: Eine lebenswichtige Sofort-Frage. Man stelle sich vor, wir hätten uns anschließend um 4,10 € statt um 3,90 € kabbeln müssen!

Ich hoffe, es kam beim Lesen wenigstens ein bisschen so actiongeladen rüber, wie ich’s beim Schreiben empfunden hab. Im Auto selbst waren dass allenfalls eine verschwindend geringe Menge Adrenalin, gerade genug, um vielleicht zwei Schweißtropfen zu bilden. Es ist halt doch vor allem Alltag. Wie der restliche Verkehr auch – der sich natürlich ähnlich blumig umschreiben lassen würde, wenn ich euch nicht einseitig manipulierend davon überzeugen wollte, dass ich hier mal voll den abgefahrenen Superscheiß abziehe. 😉

Langer Rede kurzer Sinn: Ich weiß, wie tief der Impuls zu hupen sitzen kann, wenn einem mal wieder jemand den Tag versaut, weil er fährt, als hätte er im Schädelinneren eine halbe Dose Chappi. Aber die anderen Verkehrsteilnehmer haben’s auch nicht immer leicht, haben ihre eigenen Sorgen und Nöte – selbst wir Taxifahrer. Manche brauchen den Stinkefinger und die Hupe vielleicht, aber ich glaube, dass es im Grunde auch eine Prise Metal auf Anschlag tut. Ohne die anderen, die gerade WIRKLICH im Stress sind, mit Maßregelungen zu nerven.

§1 StVO und Fehlertoleranz: 23 Zeichen für eine bessere Welt!

PS: Laut WordPress hat der Text 1337 Worte. Was ja wohl zeigt, dass ich weiß, wovon ich rede. 😉

Zu viel Ortskunde?

Es ist immer ärgerlich, wenn der Taxifahrer einen zum falschen Ort bringt. In dem Fall letzte Nacht konnte ich es aber ausnahmsweise fast nachvollziehen.

Der Fahrgast wollte zum Hasir-Restaurant in der Oranienburger Straße. Nun ist das Hasir dort vergleichsweise unauffällig. Und es existieren weit sichtbarere und zahlreichere Schilder in der Oranienstraße. Und Kunden, die mit Oranienburger und Oranienstraße durcheinanderkommen … sagen wir’s mal so: das ist der dreiblättrige Klee unter den Ansagen zu einer der beiden Straßen.

Vermutlich war der Kollege also einfach nur sehr sicher, es besser zu wissen. Hat in dem Fall nicht gestimmt. Immerhin hat’s dadurch auch für mich nochmal zu einer Fahrt gereicht … 😉

Kauft das Buch!

Wie kam Sash eigentlich zum Taxifahren? Das beschreibt er in seinem ersten eBook "Papa, ich geh zum Zirkus!".

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Noch ein Blog?

Kleiner Tipp: Sash hat noch einen zweiten Blog, auf dem es auch gelegentlich was zu lesen gibt.

Horrorfahrt!

… oder vielleicht doch nicht?

Wie oft ich von Kollegen Beschwerden höre, wie laut und unangenehm Kunden sein können …

Ich muss ja zugeben: Ich bin auch ein wenig spießig geworden im Laufe der Jahre und finde es nicht einfach grundlos toll, wenn die Leute bei mir im Auto rumbrüllen. Andererseits überwiegt dann doch noch immer die Frage: Wayne?

Ich bin (die letzte Fahrt hatte ich in Mariendorf beendet) frohen Mutes den Tempelhofer Damm hochgeschossen, um in Richtung Kreuzberg/Mitte zu gelangen, wo vielleicht noch Kundschaft warten könnte. Dann aber Winker am Platz der Luftbrücke. Drei Oberprolls im Hiphopper-Outfit, die sofort nach dem Einstieg einerseits um „coole Mucke“ bettelten, andererseits selbst anfingen, wie die Bekloppten völlig sinnlosen Scheiß zu rappen. Der Tenor war ungefähr „Wir sind die Geilsten, so viel Party war noch nie!“.

Nun ja, ich mag Rap ja, aber die dargebotene „Kunst“ war ein extra Grund, sie doof zu finden. Für Hiphop-Hasser wären sie nur ungefähr gleich scheiße wie andere Hopper gewesen, mir hat das entsprechend mehr wehgetan. Wobei sie in ihrer „Wir dissen den Rest der Welt“-Blase durchaus auch lustig waren.

Der auf dem Beifahrersitz (wie eigentlich immer der Vernünftigste) hat gleich gesagt, ich solle doch besser das Radio einschalten, dann wären die Spinner ruhig. Das hat anfangs nur so semi geklappt, aber inmitte der eher kurzen Fahrt (zur Boddinstraße) hab ich im Radio Hiphop gefunden, den sie cool fanden, dann aber irgendwie leise wurden, weil plötzlich Lyrics dazu kamen, die französisch waren – und damit konnte nun keiner der Obergangster was anfangen. Aber klar: Es wäre auch zu peinlich gewesen, den Taxifahrer bei den (auch ordentlich auf laut gedrehten) fetten Beats zu bitten, den Sender zu wechseln …

Ich fand’s lustig, die „Open-Mindness“ der Oberchecker ungeplant auf die Probe zu stellen. 😀

Zwischendrin wurde mir noch erklärt, dass ich eigentlich Kurzstrecke hätte eingeben sollen, was aber schon reichlich an Aktualität verloren hatte, weil ich die 2km-Marke bereits überschritten hatte und sie das auch verstanden.

Ich will nicht lügen: Die Jungs waren superstressig! Alle zwei Sekunden ein neuer Lautstärkerekord oder eine neue Bitte, was ich denn jetzt zu tun oder zu lassen hätte. Sicher nichts, was man um Mitternacht unbedingt haben muss. Aber es waren höchstens fünf fucking Minuten! Ein bisschen mittelprächtige Musik, ein bisschen zu viel Lautstärke. Ich will das nicht für total cool erklären oder mir herbeiwünschen. Aber es hat meinen Arbeitstag 5 Minuten von insgesamt 10 Stunden beeinflusst und mir im Gegenzug rund 4% der Einnahmen beschert. Darüber hinaus gab es für 9 € Fahrpreis recht saftige 3 € Trinkgeld. Weil ich „so cool“ war.

Ich will echt nicht behaupten, dass man sich als Taxifahrer alles gefallen lassen muss. Wirklich nicht, liebe Kollegen! Aber so kleinlicher Bullshit wie ein paar rappende Prolls sollten einen echt nicht an die Grenze der Belastbarkeit bringen.

PS: Einen ähnlichen Tenor habe ich in meiner (bald erscheinenden) Kolumne bei der Taxi Times angeschlagen, da ging es allerdings um eine Tour, die gleich um die 50 € gebracht hat. Ich füge dieses Beispiel gerne an, weil es eben nicht darum geht, dass eine solche Fahrt auch Geld bringt. Das tut jede Tour – und trotzdem kann sie unangemessen verlaufen.