Sitzhaut. Oder so.

„Come on, party with us!“

„Sorry guys, I’m more the boring work-at-the-weekend-type of man. But of course I have no problem with you partying, I’m cool with that.“

„Haha! When we finish party our skin will look like … like the leather on your seats!“

„OK …“

„In fact they don’t use camels or cows anymore for making seats. They use guys like us.“

WTF?

Aber ich muss mal ein gutes Wort einlegen für die Jungs. Geschmacklosigkeit hin oder her, es war eine ultra-entspannte Fahrt mit denen!

Der Taxitourgenerator

Der Umsatz war wieder einmal supermittelprächtig, ich hab bei so ziemlich jeder Halte die kürzeste Tour der Stunde abgekriegt. Aber darüber ärgere ich mich gerade gar nicht, ich hab viel zu viel Spaß gerade an meinen kurzen Taxiwochenenden mit dem schönen Auto bei gutem Wetter. Das Glück mit dem Umsatz kommt schon auch mal wieder.

Genau genommen war die letzte Tour ja schon eine sehr gute. Von der Frankfurter Allee zum Artemis, Winker für 30 €. Nix besonderes an sich, aber irgendwie dann halt doch so ein typisches Zufallsprodukt, dass vornehmlich beim Taxitourengenerator anfällt. Oder wer unter den Nicht-Taxifahrern in meiner Leserschaft hat sich schon mal mit chinesischen Architekten auf dem Weg zum Puff über die Schönheit des Schwarzwaldes und über Globalisierung unterhalten. Hände hoch! 😉

Und da ich jetzt das schöne Wort Taxitour(en)generator erfunden habe: Hab ich vielleicht Mitleser, die sowas programmieren (und vor allem designen, in HTML würd ich’s ganz simpel auch hinkriegen) könnten. Genauere Ideen könnte ich bei Interesse anfügen. Und auch wenn meine Ressourcen begrenzt sind: Es soll nicht umsonst sein.

Dinge überhören (wollen)

Nach wie vor ist beim Taxifahren die Kommunikation mit den Kunden oder die der Kunden untereinander eine der angenehmeren Seiten. Ich mag die Personenbeförderung immer noch genau wegen dem Personen-Teil. Jaja, manchmal isses zu laut und manchmal kommen zu viele Ausdrücke drin vor, aber Pakete würden mich im Gegenzug echt langweilen. Heute allerdings war einer der wenigen Momente, von denen ich im Nachhinein dachte, dass ich vielleicht besser nicht hingehört hätte.

Sicher, falls mich zufällig interessieren würde, inwiefern die Schwere der erektilen Dysfunktion von Marlon aus Charlottenburg (unter Einbeziehung verschiedener Partnerinnen!) mit dem Tod seines Vaters korrespondiert, wäre es eine lehrreiche Fahrt gewesen. Aber ich muss hier doch (schon alleine, weil ich Marlon nicht kenne und meine Wahrscheinlichkeit, seine Partnerin zu werden eher im unteren Promillebereich rangiert) sagen:

Nö. Wollte ich nicht wissen.

Irgendwas mit Kirschen …

Winkerin in Friedrichshain. Super!

„In die Egon-Erwin-Kirsch-Zeile.“

„Zeile?“

„Ja, das ist in Schöneweide.“

„Oh, ok. Ich gebe zu, die kenne ich nicht. Egon-Erwin-Kisch-Straße ja, aber die wäre in Hohenschönhausen.“

„Nee nee, aber ich kann ihnen den Weg zeigen …“

Prima!

Aber ich habe trotzdem das Navi angeschaltet. E-G-O-N …  nix passendes! Aber die Kundin wusste ja den Weg.

Nicht nur das: Sie wusste ihn sogar so genau, dass ich noch eine Abkürzung im 2€-Bereich kannte. Aber der Egon-Erwin da unten? Und mein Navi wusste auch nix, sehr seltsam. Und darüber unterhielten wir uns dann.

„Oder nur Erwin-Kirsch? Beim Egon bin ich mir nicht sicher …“

Hab ich also ‚Erwin‘ eingegeben. Wieder nix hilfreiches. War ja nicht schlimm, die Kundin kannte ja den Weg und all das mit dem kürzesten Weg lasse ich jetzt sowieso mal weg. Ich zoomte mir also einen Wolf im angesagten Viertel und kam etwa 500 Meter vor dem Ziel auch auf die richtige Straße: Die Fritz-Kirsch-Zeile …

Mal abgesehen davon, dass die Kundin das Ziel kannte und es somit egal war: Der Worst-Case! 90% der Leute hängen dem alten Egon-Erwin statt „Kisch“ den Nachnamen „Kirsch“ an. Das kenne ich inzwischen. Dass aber ausgerechnet das „Kirsch“ richtig ist und stattdessen beide (!) Vornamen falsch … mal ganz ehrlich: Hätte die Kundin keinen Stadtteil genannt und wir wären in Hohenschönhausen gelandet, hätte ich auf den vollen Preis bestanden!

Und einfach nur mal so als Gedanke: Wie wäre diese Fahrt wohl ausgegangen, wäre das ein selbstfahrendes Taxi gewesen. Und mir geht’s nicht darum, die Technik schlechtzureden, die mich dereinst in diesem Job ersetzen wird, die Frage ist ernst gemeint: Was hätte die Kundin wohl als Ziel angegeben, wenn z.B. nur die Postleitzahl als Orientierungshilfe angegeben worden wäre? Die Egon-Erwin-Kisch-Straße oder die Fritz-Kirsch-Zeile?

Gewürzlandwirte. Oder so …

Ein augenscheinlich ungleiches Paar. Also ja, „METAL FTW!!!“ brüllten die beiden schon ihrer Klamotten wegen gleichermaßen, aber während er noch lustig und eloquent untwegs war, hat sie sich mehr oder weniger einfach auf die Rückbank fallen lassen. In Anbetracht der offensichtlichen Umstände erfreute es mich geradezu, dass er die Zielplanung übernommen hatte:

„Die Dillbauer-Straße!“

Was?

Aber da flötete die während der Fahrt dann völlig weggetretene Begleiterin dann doch dazwischen:

„DIRSCHAUER STRASSE!“

Höflich ginge anders, aber mit der Dirschauer konnte ich wenigstens was anfangen. 🙂

Lönnen

„Jetzt nur geradeaus und dann rechts. Lönnener Straße.“

WTF? Aber egal, die Richtungsangabe war ja schon mal klar.

Ich bin gefahren und Sie hat mir gesagt, wann ich wo abzubiegen habe. Business as usual. Oder vielleicht Besünis äs äsül? Ich hab sie am Ende jedenfalls zufrieden in der Londoner Straße abgesetzt …

Kauft das Buch!

Wie kam Sash eigentlich zum Taxifahren? Das beschreibt er in seinem ersten eBook "Papa, ich geh zum Zirkus!".

Immer dranbleiben!

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Noch ein Blog?

Kleiner Tipp: Sash hat noch einen zweiten Blog, auf dem es auch gelegentlich was zu lesen gibt.

„Nur“ der Fahrer

Jetzt eine Location zu nennen geht leider nicht. Aber es war ein Club, einer von den besseren in Berlin, einer von denen, bei denen man eine Weile anstehen muss. Nicht einer meiner üblichen Verdächtigen, aber man hält als Taxifahrer eben mal hier und mal dort, halt da, wo was los ist. Es dauerte etwas, bis ich erster war, aber dann stand neben mir ein Pärchen, das sich innigst verabschiedete. Am Ende stieg von den beiden die junge Frau ins Auto und nannte mir einen wirklich nie gehörten Straßennamen.

„Oh, da haben Sie mich erwischt, ich gebe das mal besser ins Navi ein. Haben Sie vielleicht vorerst wenigstens den Stadtteil?“

„Klar: Grünau!“

Wow!

Nicht nur wegen der knapp 40€-Strecke blieb es nicht beim Smalltalk. Ich fragte wie immer nach, ob nach der Feier wenigstens Ausschlafen drin wäre, als Antwort bekam ich die Info, dass das nicht so sei, wegen einer Beerdigung. Uff. Scheiß-Thema. Andererseits ist ein „Uff“ bei Smalltalk doch immer auch ein Zeichen, dass man dazu WIRKLICH was zu sagen hat. Ob ihr das passte, wusste ich freilich nicht, aber ich hab mein Glück versucht. Nachgefragt, wer gestorben ist, persönliche Parallelen angebracht und selbstverständlich auch ehrliches Mitleid angefügt.

Nicht zuletzt mit der wichtigsten persönlichen Erkenntnis, die ich jetzt auch hier mal wirklich teilen muss:

Wenn man in diese verfickte Scheiß-Situation gerät, dass ein enger Freund oder Angehöriger stirbt: Man kann und darf sich dabei um vieles Gedanken machen, aber man sollte sich gefälligst von niemandem reinreden lassen, inwieweit man gerade „richtig“ trauert und ob das eigene Verhalten angemessen ist. Das rechtfertigt natürlich nicht, andere Menschen zu verletzen, aber ob man selbst gerne 4 Jahre schwarz trägt, zur Ablenkung feiern geht, sich einigelt oder sich privat einen Altar für den oder die Verstorbene einrichtet: Das ist ok! Sicher, alles davon kann ins Pathologische kippen, aber erst einmal ist das alles in Ordnung, jeder hat da seinen eigenen Weg.

Und ohne einen der Wege irgendwie zu glorifizieren, hab ich der Kundin eben gesagt, dass es schon ok wäre, jetzt am Abend vorher auf Ablenkung zu setzen. Wenn’s ihr gut tut …

Die Fahrt war trotz des traurigen Grundtenors grandios. Ihr ging es im Verlauf derselben besser, mir infolgedessen auch. Wäre die Gesellschaft ein bisschen menschlicher, könnte man selbst das vermutlich als Smalltalk abspeichern. Natürlich war ich nur der Fahrer und sie war nur eine Kundin und wir haben uns halt ein wenig ausgetauscht über unsere Erfahrungen.

Sie hat mir am Ende ihre Nummer gegeben. Nicht, was Ihr jetzt denkt! Nein, sie arbeitet an der Bar in dem Club und kann hier und da Gästelisteplätze vergeben. Reinkommen ohne anzustehen, und ich solle einfach mal anrufen, wenn auch ich Nicht-Clubber vielleicht mal will. Einfach weil’s geht, weil eine Hand die andere wäscht und weil das jetzt einfach mal verdammt gut getan hat, dass jemand sie versteht.

Wäre ich „nur der Fahrer“, würde ich bereits googeln, wie ich das zu Geld machen könnte. Hey, manch Touri reist für den Club ein paar tausend Kilometer an! Stattdessen werd‘ ich’s vermutlich nicht einmal selbst nutzen. Aber das Wissen, es zu können, adelt. So belanglos es in einer Party-Metropole erscheinen mag.