Jaja, ich Idiot…

Zugegeben: Die Astro-Bar kannte ich auch nicht.

In dem Wust an Kneipen und Bars rund um den Boxhagener Platz und die Simon-Dach-Straße finde ich das allerdings nicht schlimm. Im Gegensatz zum Kollegen vor mir hab ich mir jedoch auch für die kurze Tour die Zeit genommen, kurz Onkel Google zu befragen. Die Tour hat mit 6,40 € und 60 Cent Trinkgeld tatsächlich nicht gerade den Abend gerettet.

Dann wurde ich 200 Meter weiter herangewunken zu einer kurzen Fahrt (allerdings ohne Bitte um Kurzstrecke) zum Watergate. Diese mit 5,60 € noch kürzere Tour wurde immerhin gleich mit 2,40 € Trinkgeld belohnt.

Bevor ich weiter konnte, sind mir gleich noch ein paar Hansel ins Auto gehüpft und haben mich als Chauffeur für 9,00 € zum Weekend gewählt. Begeistert von Berlin und meinen Englischkenntnissen gab es satte 6,00 € Trinkgeld!

Dass ich auf dem weiten Bogen über die Schönhauser und die Danziger zurück zu meiner Lieblingshalte noch schnell eine Tour für 13 € machen konnte, komplettiert das Bild einer verdammt guten Stunde – selbst für einen Freitagabend.

Aber ich weiß, was bin ich doch für ein Idiot, dass ich diese “Kunden” überhaupt fahre, die diese unsagbar kurzen Strecken fahren wollen, obwohl sie doch eigentlich die zwei Kilometer auch laufen könnten…

Kleinigkeiten nebenbei:

Morgen Abend entscheide ich drüben bei Facebook, wer mal mein Buch probelesen darf – und wer sonst noch was zu lesen sucht: Im Taxihaus-Blog gibt es auch einen neuen Eintrag.

Kassensturz

Im Grunde sind die meisten Taxifahrer durchaus professionell. Manchmal wirken wir wie ein ungestümer Haufen und ein paar laute Typen werden dem Image sicher auch gerecht. Vielfach jedoch üben wir unseren Job auch aus wie manch Büroangestellter. Da hat man dann sein Freßpaket, das im klischeehaftesten aller Fälle von der Frau geschnürt wurde, man hat Arbeits-Koffer / -taschen /-Rucksäcke. Im Auto hat alles seinen angestammten Platz. Vom Ersatzquittungsblock bis zur Trinkflasche sind die Dinge organisiert und geplant.

Manchmal trifft das sogar noch auf die Fahrten zu. Manch einer hat seine Lieblingshalte, trifft jeden Tag dieselben Kollegen, beginnt seine Schicht mit demselben Ritual. Ein bisschen in diese Kategorie fällt Matthias. Ein Kollege, der nicht nur genauso lange im Betrieb ist wie ich, sondern mit dem ich sogar schon die Qualen der Ortskundelernerei hinter mich gebracht habe. Einmal haben wir uns sogar im Vorzimmer der Innung getroffen.

Der startet seine Schicht jeden Abend im tiefsten Südwesten mit einem gepackten Köfferchen voller Leckereien. Als erstes stellt er sich an den Flughafen in Schönefeld – nach seiner ersten Tour trifft man ihn gerne mal am Ostbahnhof. Ich hab noch nie gehört, dass bei ihm mal was außerplanmäßig gelaufen wäre. Manchmal bezweifel ich, dass er Touren Richtung Westen überhaupt annimmt :)

Aber ich bin ja selbst so ein Gewohnheitstier…

Heute hat er sich am Bahnhof in mein Auto geschwungen und gemeint:

“Na Sash, haste heut schon dick Geld verdient?”

“Äh, nö. Hab gerade 3 Touren…”

“Dann kannste mir auch nichts wechseln?”

“Sieht eng aus. Also ganz großes sicher nicht.”

Heute hat Matthias es genauso gemacht wie immer. Er ist losgefahren, zum Flughafen, hat sein Essen ausgepackt und anderthalb Stunden gewartet. Als er kurz vor seinem ersten Kunden war, rief seine Frau an:

“Matthias, was ist mit dir los? Du hast die ganzen Scheine aus der Kasse hier liegen lassen…”

Mit der ersten Tour hatte er doppelt Glück: Der Fahrgast hatte ihm nicht nur eine Tour für über 50 € zu bieten, sondern konnte ihm das Geld sogar passend geben. Und nun stand er da. Zum Zurückfahren war es ihm eigentlich zu weit – obwohl er sich ohnehin schon aus dem Nordwesten zum Ostbahnhof aufgemacht hatte. Also hab ich ihm meine bisher verdienten 30 € in kleinen Scheinen als Wechselgeld überlassen. Geliehen, bis morgen.

Also wenn einer wieder auftaucht, dann definitiv Matthias :D

PS: Ich bin übrigens wegen des Wechselgeldes am Ende noch ganz schön ins Schwitzen gekommen, weil die nächsten 4 Kunden alle mit Zwanzigern gezahlt haben und zwischen 5 und 11 Euro zurückhaben wollten. Aber – spitz auf knapp – es hat gereicht. Ende gut, alles gut :)

PPS: Sorry, dass ich gerade nicht zum Kommentare-Beantworten komme. Ich lese fleissig mit und hole das Kommentieren nach, versprochen!

Noch lange?

“Und? Müssen sie noch lange?”

“Wie man es nimmt. Aber ich bin schon noch bis um 7 Uhr unterwegs.”

” Och! Das ist aber schon ganz schön lange, da müssen sie doch auch mal müde sein.”

“Wann sind sie denn aufgestanden?”

“Na um 5 Uhr wie immer!”

“Sehen sie, da bin ich erst ins Bett. Ich bin um 16 Uhr aufgestanden.”

“Dann, dann arbeiten sie nur nachts?”

“Ja.”

“Also ich, ich würde ja, also nicht, oder doch. Das ist hart!”

“Hat alles Vor- und Nachteile.”

“Ja. Nein, aber sie tun mir echt leid!”

Wenn er das wenigstens mit einem angemessenen Trinkgeld ausgeglichen hätte…

OK, so schlimm finde ich es nicht, nachts zu arbeiten, aber wenn jemand schon so besorgt ist…

Die Frage, ob ich noch lange müsste, ist übrigens inzwischen die wohl verbreitetste Frage der Fahrgäste überhaupt. Weder der klischeehafte Einstieg mit der Frage danach, ob es gut läuft, noch das sinnlose “Sind sie frei?” am Taxistand können da mithalten.

Chefsache

Ich hab ja hier und bei Facebook in letzter Zeit öfter mal rumgejammert, dass ich nicht viel Zeit hab. Und die meisten wissen ja auch, weswegen: Nach langem Hin und Her haben meine Chefs sich entschlossen, ihren Internetauftritt der Neuzeit anzupassen und aus Ermangelung noch unqualifizierterer Arbeitskräfte war ich am Ende derjenige, der die Seite erstellt hat.

Abgesehen von der Seite – und für mich selbst wichtiger – ist allerdings die Tatsache, dass ich bei ihnen auf der Seite jetzt auch ein wenig blogge, um die Firma nach außen hin ein bisschen nett zu präsentieren. Es mag vielleicht auf Anhieb etwas komisch wirken, wenn ein einzelner Fahrer gleich zwei Blogs übers Taxigewerbe führt, aber mir war es wichtig, die Dinge getrennt zu halten und GNIT nicht zu einem Firmenblog zu machen, für den ich im übrigen auch bezahlt werde.

Wenn ich euch jetzt also auf die Seite meiner Chefs einlade, damit ihr euch auch mal anschauen könnt, für wen ich arbeite – dann seid euch bewusst, dass da nicht viel Böses steht. Wobei sich das ändern könnte, die einzige Rüge aus der oberen Etage zum neuen Blog lautete, dass ich zu wenig frech bin ;)

Also mal sehen.

Wie dem auch sei, machen wir es kurz und schmerzlos:

Meine Chefs residieren online unter folgender Adresse: taxihaus-berlin.de

Den Blog der Seite findet man unter taxihaus-berlin.de/category/blog

Zu sagen bleibt noch: Ich mach den Quatsch nicht für ein paar Euro im Monat! Ich arbeite seit über drei Jahren in der Bude und ich finde es selbstverständlich, meinen Chefs behilflich zu sein. Ich reisse mich gerade wirklich nicht um noch mehr Arbeit, aber sie haben es verdient. Eine neue Seite zu starten, ist immer schwierig. Also geizt nicht mit Kommentaren oder Likes, wenn ihr drüben vorbeischaut. Wenn ihr den neuen Blog noch abonnieren würdet, wäre ich euch natürlich auch dankbar. Noch wichtiger aber ist: Wenn ihr irgendwen kennt, der vielleicht auf der Suche nach einem Job im Gewerbe ist, dann schickt ihn dorthin!

Also seid nett zu meinen Chefs, sie sind es auch zu mir.

Schriftliche Ansagen

Als er mir ins Auto sprang, war uns beiden schnell klar, dass das keine Fahrt mit viel Dialog werden würde. Er sprach so gut Deutsch wie ich Italienisch. Immerhin konnte er Englisch so gut, wie ich Spanisch. Mein Spanisch beschränkt sich darauf, mir 2 Bier bestellen zu können, in Italien würde ich sogar verdursten. Viel Übereinstimmung herrschte also nicht…

Doch: Gefahr erkannt – Gefahr gebannt! Dachte er sich zumindest und verlangte mit Händen und Füßen ein Blatt Papier. Ich hab ihm mein kleines Büchlein gereicht. Daraufhin stand dort folgendes:

Aha. Sie sind Ägypter! Quelle: Sash

 Sicher könnte ich jetzt bemängeln, dass Chalotenborg höchstens eine außerirdische Lebensform, aber kein Stadtteil sein kann – mache ich aber nicht. Ich hab schon schlimmere Ansagen gehört und krudere Texte gelesen.

Die Hausnummer konnte er übrigens ebenso wenig entziffern wie ich, denn er wusste sie schlicht nicht. Als Hinweis sollte mir “Supermarkt” dienen. Ein paar Straßen kenne ich gut genug, um mit sowas etwas anfangen zu können. Die Schillerstraße gehört nicht dazu. Ich weiß, wo sie liegt, ich kann mir etwa vorstellen, nach wem sie benannt ist und ich habe mich über die lange Tour von Ostberlin aus gefreut. Damit hatte es sich allerdings auch schon.

Gut, das mit der Hausnummer ist kein riesiges Problem, da man sie in Ost-West-Richtung ohnehin einmal durchfährt. Nun hatte er allerdings kurz vor dem Ziel ganz andere Ideen als ich und lotste mich auf einem unsagbar kruden Weg in die Schillerstraße. Ich hätte ihn dabei gerne unterbrochen, allein mir war es der Sprache wegen nicht wirklich möglich. Andererseits fand ich es auch schön, mich nicht zwischen der Hardenberg- und der Kantstraße entscheiden zu müssen. Wir sind einfach beiden gefolgt… ;)

Am Ende noch eine Prise Verzweiflung und Verstrahlung auf seiner Seite, weil er sich plötzlich total unsicher fühlte – und fertig war die anstrengende Tour.  Trinkgeld gab es natürlich nicht einmal die 20 Cent zum nächsten ganzen Euro, dafür aber locker 2 € mehr Umsatz als nötig. Belassen wir es dabei!

Face vs. Book

OK, abenteuerliche Überschrift. Ich bin gerade etwas unkreativ. Halbwegs kreativ war ich dafür ja letztes Jahr und hab ein Buch geschrieben. Demnächst will ich es dann sogar mal an ein paar Verlage schicken. Bei Facebook drüben verlose ich zwei Exemplare des Manuskriptes zum Vorab-Lesen (mit der Berechtigung mich hinterher niederzumachen!).

Nur so, damit ihr es alle wisst.

So, jetzt wollte ich euch gerade ein schönes Wochenende wünschen, dabei haben wir ja…

Ach egal: Schönes Wochenende euch allen! :D

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Sozial vernetzt

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Noch ein Blog

Kleiner Tipp: Sash hat noch einen zweiten Blog, auf dem es auch gelegentlich was zu lesen gibt.

Hasinizer

Man stelle sich folgendes Gespräch im Fond meines Taxis bitte mit breitem amerikanischem Akzent vor:

“Und dann ist there eine Concert.”

“Wow. Und ihr geht dahin?”

“Oh yeah, weil Susi is eine kultureller Hasi! Das besten kultureller Hasi!”

“Woher weißt du das?”

“Ich habe viel mit kultureller Hasis zu tun.”

“Ha, du bist einfach ein Womanizer!”

In diesem Moment meldete Susi, selbst anwesend, auch einmal zu Wort:

“Nee, der is nich ein Womanizer. Der is eine kultureller Hasinizer!”

Nach sowas braucht man eine Pause. Zur Zwerchfellentspannung.