Halloween anyone?

Ich muss mal sagen: Das mit der Nacht heute lief wie erwartet gut. Die ersten zweieinhalb Stunden hätte ich mir zwar sparen können – dafür waren die sechs danach einfach nur gut. Wenn man die Nacht so einteilen würde, hätte ich im ersten Zeitraum etwa 8 € Umsatz pro Stunde gemacht, um zweiten dann 30 €. Warum ich letzteren irgendwie besser fand, liegt auf der Hand, oder? ;)

Wie erwartet war Berlin voller Parties zu Halloween – aber den eigentlichen Umsatz hab ich wohl dank des S-Bahn-Ersatzverkehrs zwischen Ostbahnhof und Lichtenberg gemacht. Geschminkte Fahrgäste sind mir erst ins Auto gefallen, als ich die Heimfahrt schon mehr als nur geplant hatte. Und das hat mich dann doch etwas gewundert. Reihenweise verkleidete Menschen überall in der Stadt und ich krieg keine davon ab, um ein bisschen was zu bloggen – das ist schon fies.

Und wie die letzte Tour bewies: Es lohnt sich. Immerhin hab ich mein Auto auf den letzten paar Kilometern mit einer angehenden Bierbrauerin verbracht – das sind doch die Geschichten, die man hören will, wenn man nachts in Berlin Taxi fährt!

Lohngedanken

Über den Mindestlohn hatten wir es nun schon oft hier im Blog, und darum wird’s jetzt mal nicht gehen. Aber um Gedanken zum Lohn geht es eben doch, in erster Linie ist dieser Artikel aber ein Link.

Viele kennen die einfach gezeichneten und doch inhaltlich großartigen Comics von Randall Munroe auf xkcd.com. Leider viel weniger bekannt ist das Nebenprojekt “What if?” – an dieser Stelle beantwortet der Autor Leserfragen, die sich mit “Was wäre wenn?”-Szenarien beschäftigen. Sind die Fragen oftmals noch ziemlich nachvollziehbar, sind die Antworten meist geniale, teilweise auch abstruse Berechnungen, die die Fragen manchmal nur noch so halb beantworten, aber großen Unterhaltungswert bieten. Ein schönes Beispiel ist zum Beispiel der Eintrag zur Frage, wie schnell man alle 50 Staaten der USA besuchen könnte.

Beim aktuellsten Eintrag musste ich tatsächlich ans Taxifahren denken, denn die Frage war, was passieren würde, würde das von den Menschen verdiente Geld in Echtzeit bei ihnen erscheinen. Wie viele Dienstleister – und im Gegensatz zur Mehrheit der Menschen, die einfach am Monatsende eine Überweisung bekommen – tröpfelt bei uns das Geld ja tatsächlich direkt während der Arbeit herein. Weitgehend zumindest. Wie meistens kam mir also die Frage an sich nicht weiter spektakulär vor.

Die Antwort allerdings – die sich zuletzt damit befasst, was passieren würde, würde Mark Zuckerbergs Verdienst in Form von Pennies in seinem Büro niederregnen – hebt das Ganze dann wieder auf diese genial-absurde Ebene und versöhnt einen am Ende fast schon wieder ein wenig mit der Tatsache, nicht so viel Geld zu verdienen …

Also hier:

What if people’s incomes appeared around them as cash in real time?

PS: Alle Links sind in englischer Sprache

Was machen?

Mein erster Impuls war natürlich: “Anzeigen! Was für eine Frage!”

Aber natürlich ist das nicht so einfach, wenn man mal drinsteckt. Worum es eigentlich geht?
Nun, ein Leser hat mir eine Mail geschrieben, in der es um miese Arbeitsbedingungen im Taxigewerbe geht:

ein Freund von mir ist Taxifahrer und ich mache mir im Moment Gedanken um seine Situation, weiß aber nicht, ob ich da etwas tun sollte (oder auch was).
 
Die Eckdaten: Es geht um eine Großstadt im unteren Drittel der Liste der Großstädte, also sicher kein leichtes Pflaster für Taxifahrer. Einen nicht vernachlässigbaren Teil der Fahrten machen soweit ich weiß Krankenkassenfahrten aus.
 
Mein Freund ist in den 50ern und durchaus froh, den Job zu haben (macht ihn sicher auch gut). Das Problem sind seine Arbeitsbedingungen, die ziemlich sicher illegal sind. Er hat eine 6-Tagewoche (Mo-Sa), und im Prinzip jeden Tag eine 12-Stundenschicht. Gleichzeitig wechseln sich jede Woche Tag- und Nachtschicht ab.
 
Auf den kommenden Mindestlohn angesprochen meinte er, dass sein Chef dann sicher jeden auf dem Papier 7 Stunden arbeiten lässt, er aber trotzdem 12 im Auto sitzt.
 
Frage an dich und deine Leser: Was würdet ihr tun?
 
Ich freue mich auf Antwort, bleibe aber lieber anonym ;)
Zunächst ist es natürlich mal so, dass 6-Tage-Wochen im Gewerbe normal sind. Traurig, aber wahr. Steht in meinem Arbeitsvertrag auch so drin. 12-Stunden-Schichten dauerhaft vorzuschreiben, geht meines Wissens nach nicht, man kann aber als williger Fahrer zumindest mal dafür sorgen, dass das dank “Pausen” im eher uneigentlichen Sinne schon klargeht. Ich hab mich ehrlich gesagt nie sonderlich viel ums Arbeitnehmerrecht gekümmert, weil ich meine Arbeitszeit selbst bestimmen kann und die Grenzen nach oben nicht einfach versehentlich einreisse, da kenne ich mich zu gut.
Was aber natürlich gar nicht geht, ist das Unterschlagen von Stunden wegen des kommenden Mindestlohns. Scheißegal, ob der Unternehmer keine andere Möglichkeit sieht, es geht einfach nicht. Aber ja: Was tun? Vor allem, wenn man mit ein bisschen weniger Kohle doch bisher auch gut gefahren ist und den Job eigentlich nicht verlieren will?
An alle, die das jetzt kommentieren:
Wie gesagt: Ich hab mir auch gedacht, dass das doch kein Thema sein sollte. Einfach, weil es das für mich nicht ist. Aber ja, es ist schwierig für andere – und es ist ganz offensichtlich deswegen schwierig, weil sie unter nicht so guten Bedingungen arbeiten und vielleicht weniger Alternativen haben. Nutzt das also bitte nicht für neunmalkluges Rumprahlen damit, wie gut es euch selbst geht, sondern helft mir und dem verzweifelten Leser mit ein paar guten Ideen!

Nicht-so-wirklich-Gangs

OK, zugegeben: Prenzlauer Berg ist jetzt nicht so das Gebiet, wo man gemeinhin irgendwelche Straßengangs erwarten würde. Aber wenn man Samstags um ein Uhr morgens durch eine dunkle Straße fährt, plötzlich stehen da drei finstere Gesellen mit Kapuzenpullis und der eine zusätzlich mit einem Rottweiler an der Leine, dann guckt selbst jemand mit so viel Glück wie ich zweimal hin.

Die Jungs waren bei näherer Betrachtung alle so um die zwanzig und wirkten schon ein wenig verzweifelt – also hab ich mal angehalten. Der mit dem Hund fiel mir verbal fast um den Hals:

“Alter, danke, dass Du anhälst! Endlisch mal einer! Trotz Hund, Hund is’ ok, oder? Korrekt, Alter!”

Gerade mit Rottweilern im Beifahrerfußraum hab ich ja nun nur gute Erfahrungen. Wunderbare und hübsche Hunde, da sollte auch dieser keine Ausnahme machen. Hing lässig und halb schlafend an der Mittelkonsole rum und war offenbar sehr zufrieden mit seinem Sitzplatz. Blieben die Jungs. Die haben sich schnell ihre Kapuzen abgestreift und sich über die Wärme im Auto gefreut. Nix mit Gang, kein Bisschen. :)

Ich sag’s ja immer wieder, ich hab auch meine Vorurteile, die mal begradigt werden müssen.

“Und? Party vorbei bei Euch?”

“Ach was Party! Endlisch mal heim, Alter!”

Und siehe da – gibste den Menschen einmal eine Chance, sich vorzustellen …
Mit Party hatte ihr Abend wirklich nicht viel zu tun. Der junge Mann mit Hund hatte gerade erst seinen Malereibetrieb geschlossen. Hatte noch ein paar Sachen zu regeln, weil er den Laden erst vor zwei Wochen übernommen hatte. Hat mir erklärt, dass das mit der vielen Arbeit so nicht weitergehen dürfe, dass er jetzt in den ersten paar Monaten aber keinen Auftrag ablehnen will, weil er sich einen neuen Kundenstamm aufzubauen gedenkt. Einer seiner Kumpels hat ihm dann angeboten, am nächsten Morgen doch länger im Bett zu bleiben, das mit der Öffnung um 7 Uhr könne er ja übernehmen, er hätte die letzte Nacht ausreichend geschlafen.

Jaja, die ganzen schlimmen Jugendlichen, die sich nachts auf der Straße rumtreiben …

Der ganz normale Wahnsinn …

Und noch mehr Kollegengeschichten:

In Berlin gibt es viele interessante Taxifahrer, da steche ich eigentlich nicht sonderlich heraus. Und während mein eigenes Buch noch bis nächstes Jahr auf sich warten lässt, hat Kollege Aro seines einfach mal zwischendurch rausgehauen. 100 Taxigeschichten für lasche 9,00 €.

Wenngleich ich manchmal überlege, meinem liebenswerten Kollegen ein bisschen mehr Contenance zu empfehlen, treffe ich ihn nicht nur gerne, sondern lese auch sein Blog berlinstreet.de komplett. Sein Wissen über Berlin scheint für mich unüberschaubar zu sein, sein Blick auf die Stadt ist immer wieder ein anderer als meiner, und dennoch erkenne ich immer wieder vertrautes.

Aros Geschichten gehen unter die Haut, oftmals mehr als meine. Und er hat sich in all den Jahren auch eine gute Menge an Stories zugelegt, die er jetzt nicht zu Unrecht auch drucken lassen hat. An mindestens einer Stelle des Buches musste ich Tränen lachen, andererseits stockte mir auch ein- oder zweimal der Atem – was erwartet man mehr von einem Buch mit Taxigeschichten, wenn man das Ganze doch eigentlich selber kennt?

Als Berliner oder Berlin-Interessierter sollte man Aros Blog abonnieren. Wer darüber hinaus ein Best-of von Taxierlebnissen (z.B. als Geschenk) sucht, ist mit diesem kleinen und doch großen Buch (nur 111 Seiten, dafür eng bedruckt!) bestens bedient. Ich hab einige Taxibücher gelesen, selbst eines geschrieben – und muss zugeben: Dieses ist eines der besten!

Disclaimer:

Wie gesagt: Ich kenne Aro persönlich. Außerdem hat er mir das Buch kostenlos zur Verfügung gestellt. Vielleicht bin ich also befangen. Aber jeder, der mir nicht glaubt, kann im Blog probelesen. Ich mag seine Texte wirklich sehr! :)

Kauft das Buch!

Wie kam Sash eigentlich zum Taxifahren? Das beschreibt er in seinem ersten eBook "Papa, ich geh zum Zirkus!".

Immer dranbleiben!

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Noch ein Blog?

Kleiner Tipp: Sash hat noch einen zweiten Blog, auf dem es auch gelegentlich was zu lesen gibt.

Start-Stopp-Talk

Durch einige Jura-Blogs ging heute die Nachricht über ein Gerichtsurteil (Link zum lawblog), das die Straffreiheit vom Telefonieren am Steuer bestätigt, wenn das Auto an der Ampel dank Start-Stopp-Automatik den Motor selbst abgestellt hat. Ist vielleicht hilfreich für einige Schnelltelefonierer. Tatsächlich hält sich das Gericht damit einfach an den Wortlaut des entsprechenden Paragraphen, der das Benutzen eines Telefons bei laufendem Motor untersagt.

Auf der anderen Seite sagt auch Udo Vetter in seinem Eintrag nochmal, dass umgekehrt eben auch auf öffentlichen Parkplätzen das Telefonieren bei laufendem Motor trotzdem verboten bleibt. Etwas, das bei strenger Kontrolle gerade uns Taxifahrern das Leben nicht unbedingt leicht machen würde. Schließlich verbringen wir meist viel Zeit stehend. Ob auf Kunden wartend in zweiter Reihe, oder am Taxistand. Oft – gerade im Winter oder wenn das Vorrücken recht schnell geht – durchaus mit laufendem Motor. Und unsere Telefone bedienen wir auch regelmäßig – zum Beispiel zur Fahrtannahme via App.

Da würde ich sagen, wäre eine Änderung schön. Schließlich soll das “Handyverbot” Unfälle verhindern – die meines Wissens nach nur selten durch unbewegte Fahrzeuge verschuldet werden. Aber was weiß ich schon …