Nicht alltäglich …

Natürlich hat man nach 5 Jahren im Taxi bezüglich des Trinkgeldes zum Beispiel schon einiges gesehen. Die Rekorde zu toppen, wird im Laufe der Zeit immer schwerer. Aber man darf mal nicht vergessen, dass man als Taxifahrer immer im Niedriglohnsektor unterwegs ist und einen ein paar Euro mehr an Ort und Stelle schon mal außer Fassung bringen können. Dementsprechend hab ich auch etwas sparsam geguckt, als ich die sechs Norweger und Norwegerinnen aus dem Auto gelassen hab und der Koordinator des Bezahlvorgangs für die 17,40 € einfach mal spontan 5 € von jedem verlangte.

Mehr aber noch, als er sie bekam, sie mir gab und anschließend meinte, dass das so stimmen würde.

O.0

Aber gut, gefällt mir. :)

Na dann ist ja alles gut … #Uber

Ich muss an dieser Stelle einen Artikel der Süddeutschen “empfehlen”, der in Sachen Uber wirklich alle Register des Journalismus zieht. Man kann über manche Dinge eine andere Meinung haben, sicher. Aber die rührende Geschichte von Werner, neu in der Stadt und deswegen leider chancenlos bei der Ortskundeprüfung, der täglich zwei Fahrten für Uber macht, um sich einen Wagen zu finanzieren, der ihm zu teuer ist und – holla die Waldfee, was das für eine Logik ist! – deswegen ja “nichts dazuverdient”, ist einfach herzallerliebst. Besser könnte man sie nicht einmal schreiben, wenn man diskret ein paar Scheinchen von Uber bekommen würde.

Empfehlenswert dazu ist unbedingt auch der begleitende Kommentar von Ex-Taxlerin dazu hier bei GNIT.

 

Ein Jahrzehnt zu spät …

Der Ostbahnhof ist ja auch eine recht beliebte Ecke für Obdachlose. Aus dem Bahnhofsgebäude selbst werden sie zwar leider immer ziemlich schnell rausgeschmissen, auf dem Vor- und Parkplatz bilden sich aber immer mal wieder Grüppchen von ihnen. So kommt es dann auch vor, dass man als Taxifahrer, der man da ziemlich mitten auf dem Feld steht, angeschnorrt wird. Nicht überragend oft, viele haben sicher auch schon mal gehört, dass wir nicht gerade die Spitzenverdiener sind. Aber hier mal eine Kippe …

Auch wenn es nicht so häufig vorkommt: wenn man immer mal wieder dort steht, ergibt sich eine ganz lustige Liste seltsamer Erlebnisse. Bei mir nachzulesen z.B. hier, hier und hier.

Der am vergangenen Wochenende war auch wieder sensationell. Ob er wirklich zu einer der Gruppen gehörte, oder nur durch Zufall reichlich angeschlagen dort gelandet war, weiß ich nicht. Seine Bettelmethode hat auf jeden Fall noch … hmm, nun ja, Verbesserungspotenzial:

“Sach ma’, hasse mir v’leich ‘ne Maak?”

“Nee, ‘ne Mark nicht. Einen Euro vielleicht …”

“Pah, Euro! Mit dem Dreck fang ich nich’ an!”

Und dann isser gegangen. 0.o

Na gut, neuer Eintrag in die Liste …

Überraschende Ansprache

Manchmal kommt man irgendwie auf ein uraltes Thema ohne das gewollt zu haben. So bei der jungen Dame, die mich in Friedrichshain herangewunken hatte und zunächst ein unklares Fahrtziel angab. Am Alex irgendwo. Daraus wurde dann nach einem Telefonat ein typisch kauderwel’sches

“Da direkt am Alex wo die Moll- zur Torstraße wird, Ecke Keibelstraße an der Bushaltestelle!”

Herrlich. Das ist so ziemlich genau das, was einem beim Lernen auf die Taxiprüfung aberzogen wird. Natürlich ist halbwegs klar, was sie meinte. Aber Keibel- Ecke Mollstraße ist 100 Meter weg von der Kreuzung, an der die Moll- zur Torstraße wird. Die Bushaltestelle liegt dazwischen und der Alex liegt mindestens zwei Häuserblocks weg.
Kleinigkeiten. Aber da ich unsicher war, an welcher Kreuzung ich sie rauslassen sollte, hab ich ein wenig vor mich hingemurmelt, dass ich jetzt mal gleich auf die Mollstraße fahre und sie ggf. auf der anderen Straßenseite rauslasse – um nicht unnötigerweise einmal um den Block zu fahren:

“Ich fahr’ dann gleich hier lang. Ecke Keibel sollte zwar eher auf der Südseite sein, aber eine Bushaltestelle gibt es auf der anderen Seite ja auch. Und wenn se sagen, dass se an der Bushaltestelle sind …”

“UI! ICH WERDE GESIEZT!?”

Wie man auf Themen kommt, wirklich. :)

Nun musste ich aber leider zurückrudern. Also zumindest, wenn ich ehrlich bleiben wollte. Denn eigentlich hatte ich es bis dato ganz gut vermieden, mich zu entscheiden. Kein Du, kein Sie. Sie war Kundin, aber jünger, vielleicht jedoch auch in einer höheren Position – kannste ja nicht wissen, wer sich durch was auf die Füße getreten fühlt … ein nettes “Und? Party fängt erst an?” reicht doch. :)
Und so gesehen war das – nach 5 Jahren Training – natürlich auch kein Ausrutscher:

“Nix gegen’s Duzen. Aber ausgerechnet jetzt hab ich eigentlich mit “Sie” die nicht näher bekannten Leute am Telefon gemeint …”

Aber: 300 Meter vor dem Ziel, alle Ampeln waren grün und am Ende waren wir bei Du. Denke, das passt. :D

Geschrieben hab ich über das Thema lange nix mehr, das letzte Mal war – Trommelwirbel! – im Jahre 2009. Manche Sachen verdrängt man halt im Alltag. Aber wer sich jetzt fragt:

“Und, wie isses jetzt mit dem Duzen und Siezen im Taxi?”

Hier ist der Eintrag: SuDie die Zweite. Und ich kann den noch heute weitgehend unterschreiben. Nur bei den Kollegen bin ich inzwischen völlig normal bei “ey Kollege”, wie es das geheime Protokoll des Taxikartells so vorschreibt. ;)

Street Smart

Ich glaube wirklich daran, dass autonome Autos uns dereinst das Fahren ersparen werden. Es wäre fast schon zu absurd, wenn ausgerechnet das nicht passieren sollte. Und bis es so weit ist?

Eine in meinen Augen vorstellbare vorübergehende Zukunftsvision hat einer meiner Lieblingsblogs, “Tree Lobsters”, gestern gebracht:

Street Smart (englisch)

Und wer auch immer gut genug in Englisch ist, sollte “Tree Lobsters” abonnieren. Ein klasse Blog. Grafisch zwar überwiegend, ähm, nun ja, simpel – aber das gehört zum Konzept und die Themen sind erstklassig!

Viel Glück, liebe Uber-Fahrer!

Ich werde hier nicht nur noch mit Uber-Content um mich werfen, versprochen! Aber derzeit ist das ein heißes Thema im Taxigewerbe, also trage ich dem auch Rechnung.

Deswegen hier ein interessanter Link zu hr-online, deren Artikel vielleicht den ein oder anderen Interessierten davon abhalten könnte, sich als Uber-Fahrer sein Leben zu ruinieren. Und nein, es geht nicht darum, dass Angehörige eines ominösen aber angeblich existenten Taxi-Kartells einen zusammenschlagen:

hr-online.de – Uber-Fahrern droht der Ruin

Ich will nicht behaupten, dass ich alle Einzelheiten juristisch nachvollziehen kann. Aber ich weiß nun immerhin, weswegen ich meinen P-Schein gemacht habe: um nicht um mein Leben bangen zu müssen, falls bei mir im Taxi auch mal was schief läuft …

Kauft das Buch!

Wie kam Sash eigentlich zum Taxifahren? Das beschreibt er in seinem ersten eBook "Papa, ich geh zum Zirkus!".

Immer dranbleiben!

Abonniert doch den RSS-Feed von GNIT. Mehr von Sash gibt es außerdem bei Facebook und bei Twitter.

Noch ein Blog?

Kleiner Tipp: Sash hat noch einen zweiten Blog, auf dem es auch gelegentlich was zu lesen gibt.

Besetzt

Gestern ist mir im Laufe der Debatte über Uber ein Kommentar von katapult aufgefallen. Ohne jetzt die ganze UberPop-Debatte nochmal zu wiederholen (Torsten kam mir zuvor. ;) ) hat mich die Vorstellung davon, dass Uber sicher weniger Leerkilometer hätte als MsTaxi zuvor von ihrer letzten Nachtschicht berichtet hatte, fasziniert. Bei ihr waren das 49 Besetztkilometer von 121 insgesamt. War keine tolle Schicht, hat sie selbst auch geschrieben.
katapult setzte dann für Uber – sicher etwas vorschnell – 90% Besetztkilometer an, weil die ja effektiv ans nächste Auto vermitteln würden.

Nun ist das für Leute mit Ahnung vom Gewerbe natürlich als utopisch zu erkennen. Aber das ist ja genau so ein typischer Fall, wo sich andere Menschen – also auch Kunden – regelmäßig vertun: Sie haben eine unklare Datenlage, z.B. ihre letzte Fahrt oder auch mehrere; und rechnen das dann hoch. So landen manche auch bei der Einschätzung, wir verdienen 50 € in der Stunde: weil sie ja eben gerade in 20 Minuten für 20 € gefahren sind und der Sprit bei den paar Kilometern ja höchstens einen Zehner kostet … sehr grob vereinfacht. Aber manche rechnen wirklich so.

90% Besetztkilometer sind weder für Taxen, noch für Limousinen oder dergleichen auch nur annähernd erreichbar. Selbst wenn Uber statt einem illegalen MyTaxi-Klon etwas wirklich innovatives programmiert hätte, wäre an sowas im Traum nicht zu denken. Und die Begründung ist so simpel im großen Ganzen, wie sie im Detail kompliziert sein kann. Im großen Ganzen:

Wir sind Individualverkehr und die Kunden leben alle anders und nur bedingt berechenbar.

Ein klassisches, sehr modellhaftes Bild: Wenn ich Leute zu einem beginnenden Konzert fahre, werde ich dort vermutlich erst nach dessen Ende anderthalb bis vier Stunden später wieder Kundschaft haben, die heim will.

Ebenso ist z.B. zu meiner Arbeitszeit, am Wochenende nachts, in der Stadt viel Kundschaft unterwegs, aber ein nicht geringer Teil davon will in irgendwelche Außenbezirke nach Hause. Dann stehe ich da draußen in einem Wohngebiet, in dem ein Fenster erleuchtet ist: das meines Kunden eben, der bestimmt in den nächsten 48 Stunden kein Taxi mehr braucht. Natürlich gibt es dort immer wieder einzelne Fahrten – aber in der großen Masse müssen Taxen wieder in die City zurückfahren, um dort für die Kundschaft dazusein.

(Kleiner Tipp am Rande: wenn ihr nachts etwas weiter draußen ein Taxi nach noch weiter draußen braucht und schon mal loslauft – achtet auf den Gegenverkehr! Dort werden mit größerer Wahrscheinlichkeit freie Taxen fahren.)

Und derartiges gibt es am laufenden Band. Taxen müssen z.B. gelegentlich Tanken oder repariert werden. Alles Fahrten, die man ohne Kundschaft machen muss. Meist wohnen Taxifahrer auch nicht über einer Kneipe, sondern müssen erst einmal irgendwohin fahren. Überhaupt: selbst wenn es zahllose Taxen gibt: bei 90% Auslastung bedeutet das bei einer normalen Tour um die 5 km, dass man sowohl für die Anfahrt als auch die Abfahrt allerhöchstens 500 Meter fahren “dürfte”. Es gibt Gegenden, da findet man in dem Umkreis nicht einmal ein eingeschränktes Halteverbot. Geschweige denn einen Taxistand oder einen anderen Ort, wo man mit Kundschaft rechnen kann.

Ich hatte heute nacht zum Ende hin einen prima Lauf. Der Ostbahnhof war mir zu unsicher, die Schlange war mir zu lang, also bin ich mal losgefahren. 2 Kilometer leer. Dann Winker. 2 Kilometer etwa. Direkt am Ziel stiegen gleich wieder welche ein. Für nochmal 2 Kilometer. Dort das selbe: sofort eingestiegene Kundschaft. Mit einem Ziel in 5 Kilometern Entfernung. Perfekt! Aber das sind unter 90% Auslastung – noch gar nicht eingerechnet, dass ich zuvor bei der Tanke war und nach der letzten Tour 6 Kilometer bis zum Abstellplatz des Autos fahren musste.

Das mit eingerechnet war ich wieder bei unter 50% Auslastung. Und das ohne einen Umweg gefahren zu sein, der mich vielleicht näher an andere Kundschaft gebracht hätte.

Die Besetztkilometer notiere ich mir nicht gesondert. Auf den Abschreibern schon, aber für meine Statistik sind sie irrelevant. Am Ende kommt es darauf an, wie viel ich pro Kilometer verdient hab – und die Zahl hat nur indirekt damit zu tun. (kurze Fahrten sind z.B. pro km teurer)
Wenn ich schätzen müsste, liege ich auch bei 40 bis 50% mit Kundschaft an Bord. Das ist natürlich nur ein beispielhafter Wert. Schließlich arbeiten die Kollegen alle unterschiedlich. Da ich den Funk aushab, bekomme ich unterwegs sicher weniger Fahrten – andererseits fallen dafür Anfahrtswege und Fehlfahrten weg. Ich fahre gerne zu meinen Lieblingshalten in der Innenstadt zurück und dabei gerne Umwege, die erfahrungsgemäß bezüglich Winkern vielversprechend sind, andere Kollegen haben viel mehr und besser verteilte Halten oder Sektoren. Ich kann keine fürs Gewerbe gültige Durchschnittszahl nennen, aber ich bin mir 100%ig sicher, dass sie näher an 40% als an 90% liegt.
Um das zu erreichen, müssten die Kunden zu uns kommen und nicht umgekehrt. Und da sind wir dann bei dem, was man gemeinhin Linienverkehr nennt und mit Individualverkehr nicht viel gemein hat.

Und um nochmal auf Uber zurückzukommen: genau das Glück, das ich heute Nacht hatte, kann ein Uber-Fahrer nicht haben. Er mag unterwegs einen neuen Auftrag bekommen – aber dass Aus- und Einstiegsort derselbe sind, klappt vor allem, weil wir als Taxen erkennbar sind.
Außerdem: auch wenn Uber mit vermeintlicher Innovation rumprahlt: was die Fahrtvermittlung angeht, sind Taxen seit jeher sehr effizient gewesen. Wenn ich mich richtig erinnere, liegt die durchschnittliche Wartezeit in Berlin immer noch bei rund 4 Minuten oder so. Natürlich kann deswegen ein Großraumtaxi mit Kindersitz nach Marzahn-Nord trotzdem mal eine halbe Stunde brauchen oder sogar nicht verfügbar sein. Aber die vielen Leute, deren Taxi nach 2 Minuten da ist, gleichen das statistisch wieder aus. Und das ist eine logische Konsequenz aus der schieren Masse an Taxen, die rumfährt. Die – das sei hier ganz explizit erwähnt – einer der Gründe ist, weswegen es für den einzelnen Fahrer verhältnismäßig wenig zu holen gibt, bzw. die Taxipreise so hoch sind. Auch Effizienz hat zwei Seiten.

Uber versucht also nicht weniger als genügend Fahrer auf die Straße zu kriegen, um mit unseren Anfahrten gleichzuziehen. Dabei versprechen sie den Fahrern mehr Geld als ein Taxifahrer verdient, den Kunden mehr Qualität und niedrigere Preise – und sie selbst versuchen mehr Gewinn aus der Sache zu ziehen als z.B. meine Chefs, die das Gewerbe vor Ort seit 30 Jahren kennen. Man muss nicht mal an 90% Besetztkilometer glauben, um das für ein völlig bescheuertes Unterfangen zu halten. Was gibt’s nächste Woche? Wolpertinger-Steak mit Einhornsauce? Die eierlegende Wollmilchsau ist ja anscheinend schon überholt worden …