Frohe Festtage allerseits!

Gestriges Weihnachtssingen in der alten Försterei, Quelle: Sash

Nachdem die letzte Zeit bei GNIT etwas ereignisarm verlaufen ist und ich auch meinen Privatblog noch nicht gefixt habe, wollte ich zu Beginn des allseits einsetzenden Plätzchenkomas kurz mal schreiben, dass hier alles gut ist und die kleine Pause hier vor allem der kleinen Pause im Taxi, bzw. teilweise auch der wenig spektakulären Ereignisse während der letzten Schichten zu verdanken ist.

Mir geht’s gut, GNIT ist auch nicht tot oder so, es ist einfach Weihnachten. Das wird auch nicht der letzte Eintrag 2016 sein, ab 29.12. mache ich wieder die Straßen unsicher, inklusive Silvester. Es ist also noch ein paar Tage zu früh, mich aus dem Reader zu schmeißen. 😉

Ich hoffe, Ihr habt bis dahin alle ein paar schöne Tage, möglichst wenig Stress und viel gutes Essen!

Einen großen Dank Euch allen für die vielen Kommentare, Hinweise, Anregungen, netten Unterhaltungen, Taxifahrten und was sonst so alles die letzten Monate ausgemacht hat!

Nun feiert schön, ich werde es auch machen. Und dann geht’s weiter! 😀

Lob und Tadel

„Na, Du bist auf jeden Fall mal der Retter in der Not heute Nacht!“,

begrüßte mich einer meiner drei neuen Fahrgäste lautstark. Der Grund war schnell gefunden: Sie hatten bei beiden Zentralen bereits angerufen, die aber hatten ihnen kein Taxi vermitteln können. Bittere Ausbeute für Friedrichsfelde um 2 Uhr, aber was will man machen?
Der Kunde hatte da eine ganz eigene Idee: Sich beschweren. Wenn man ihm glauben darf, hat er nach der verpatzten Vermittlung nochmal bei einer der Zentralen angerufen, nach einer Beschwerdehotline gefragt und wurde daraufhin aus der Leitung geschmissen. Wenn’s so war, war das freilich unschön, andererseits ist es bei näherer Betrachtung des Geschäftsfelds unserer Taxizentralen auch etwas irrsinnig, sich wegen sowas beschweren zu wollen. Dass es ärgerlich ist, kein Taxi zu kriegen, ist klar – aber wie ich dem Kunden auch nochmal erklärt habe, ist die Sache halt die: Die Zentrale fragt erst einige, dann mehr und letztlich fast alle Taxifahrer an, ob sie die Tour machen wollen. Kommt da keine positive Antwort, dann ist es halt dumm gelaufen. Und mal nebenbei: Die Taxifahrer, bzw. die Taxiunternehmer bezahlen die Zentralen für die Vermittlung, nicht umgekehrt. Arg viel Druck ausüben kann so eine Zentrale entsprechend auch nicht.

Wie dem auch sei: Die angetrunkene Partykundschaft, die ich immerhin bis Prenzl’berg im Auto haben sollte, fand das alles total schlimm. Obwohl sie nun bereits im Taxi saßen. Mein Beifahrer während der Tour kündigte dann auch nochmal groß an, „denen“ jetzt nochmal die Leviten zu lesen. Er schlug sogar vor, einfach aus Rache einen Kollegen in die Walachei zu bestellen, um’s denen mal richtig zu zeigen.

Da bin ich dann auch sauer geworden und hab ihm lautstark erklärt, dass wegen so einer kindischen Geschichte jetzt irgendein Kollege, der sich extra die Mühe macht, trotz 10 km Anfahrt den Auftrag anzunehmen und das der Zentrale hingegen völlig egal sein kann. Der Kunde tat das mit einem „Jajaja“ ab und erklärte mir, er würde „das dann anders machen“. Und so rief er bei einer Zentrale an, wollte sich darüber beschweren, dass er weggedrückt worden wäre, bemerkte dann, dass es die falsche Nummer war und gab kleinlaut auf.

Soweit war das schon der latenten Aggressivität wegen stressig, aber dann kam der nicht minder bekloppte, aber versöhnliche Teil:

Da ich ja nun entgegen der Kollegen von den fünf anderen Nummern (Ja, unsere nur noch zwei Zentralen haben noch mehr, wer weiß, ob sie zigfach die selbe angefragt haben) total super und vor Ort war, wollten sie „meine Nummer“ anrufen. Dass ich quasi Nichtfunker bin, ging völlig unter, den der Kumpel auf der Rückbank hatte eine Nummer der Zentrale schon ausgespäht. Werbung im Innenraum – SOOO hilfreich! 😉
Ich hab eingeworfen, dass die Nummer auf der Frontscheibe, wie noch ein paar weitere, ebenfalls dorthin führen würden, allerdings nix mit mir zu tun hätten, und dass sie unweigerlich bei einer Adresse landen würden, die sie vorher schon angerufen hatten.

Aber Alkohol, Mitteilungsbedürfnis etc. pp. …

Mein hackestrammer Kunde rief nun also bei „meiner“ Zentrale an, einfach um lobend loszuwerden, dass „ihr“ Fahrer immerhin mal was tut, anders als in den anderen sieben Unternehmen. Aber echt jetzt! Der sei super und das müsse nun auch mal gesagt sein!

Ich hab keine Ahnung, wie oft bei unseren Funkvermittlungen derartige Anrufe eingehen. Ich kann den Mitarbeitern dort aber versichern: Ihr habt noch den einfacheren Job, ehrlich! 😀

Kleiner Test 2

Blablabla. Oh wow, das klingt ja jetzt schon wie ein normaler GNIT-Eintrag. Ich bin begeistert. Hui.

Aber gut, eigentlich wollte ich nur testen, ob er automatisch bei Facebook und Twitter ankommt, eigentlich braucht es dafür gar keinen besonderen Inha

Jaja, das ist schon der zweite Versuch. Ich hab’s heute nicht raus. 🙁

PS: Scheint zu tun. Zumindest vorerst.

Kleiner Buchtipp: Taxifalle

Es ist schon eine ganze Weile her, da erreichte mich ein Brief von Olaf. Nun, Olaf war offensichtlich nicht der Nachtschichtkollege, der mir gleich in den Sinn kam, sondern ein Ex-Kollege, noch dazu aus Bremen. Er outete sich als GNIT-Leser und dem Brief lag als Geschenk ein Buch bei. Seines. Ui, über sowas freue ich mich immer!

Allerdings muss ich gestehen, dass ich damals mit Taxiliteratur überversorgt war und auch sonst gerade keine große Lust auf einen Taxi-Roman hatte. Dementsprechend war „Taxifalle“ fortan eines von ungefähr hundert Büchern auf meinem Nachttisch, aber immerhin keines der seit Ewigkeiten ungefähr acht angefangenen.

Als ich gestern ungewohnterweise zur Mittagszeit aufgewacht bin, hat es dann irgendwie mein Interesse geweckt und ich hab zu lesen angefangen. Das Ganze endete mit einem durchwachten Nachmittag und meinem speziellen Finishing-Move für Bücher, die ich „nachts“ „mal kurz“ aufschlage: Ich habe am frühen Abend das Licht angeschaltet, um es fertig lesen zu können.

Ich vergebe bei Büchern ungerne Bestnoten, weil ich mich selbst oft genug an Toprezensionen gerieben habe, aber ich muss doch gestehen, dass mich „Taxifalle“ wachgehalten hat. Ich wollte dem abgedrehten und im Übrigen ziemlich fiesen Hauptprotagonisten Marcus Meyer weiter folgen, ich wollte wissen, wie der Scheiß ausgeht. Das Taxigewerbe in Olaf Kretschmers Roman ist ein ganz anderes als das, was ich hier bei GNIT schildere: Ein versiffter Moloch, in dem man es dem Helden nicht einmal richtig übel nehmen kann, dass er sich der dunklen Seite zuwendet und mehr oder weniger ein abgebrühter Abzocker seiner Kundschaft wird.

Trotz vieler (dem Vorwort nach nicht unbedingt unauthentischer) Taxianekdoten handelt das Buch überwiegend von der schmutzigen Schattenwelt im Bremen der 1980er- und 1990er-Jahre: Sex, Drugs and Cabdriving. Ich möchte anmerken, dass ich bei dieser Milieustudie manches Mal etwas abgeschreckt vom rauen Ton und der offensiven Sprache war, andererseits ist mir die Ironie dabei nicht entgangen und man hätte dieses Buch einfach auch nicht netter schreiben können. Die Welt des Protagonisten ist krass, teils ekelhaft und trotzdem einfach faszinierend und – ich weiß, wie sehr das manchen als Götterlästerung erscheint – einfach um Klassen authentischer als der in meinen Augen langweilige Karen-Duve-Roman „Taxi“.

Vielleicht nicht wirklich ein Buch für jeden einzelnen GNIT-Leser, aber vermutlich nicht der schlechteste Tipp für Bremer knapp über meinem Alter, für Taxifahrer und Ex-Taxifahrer, sowie für Freunde von Milieustudien und regional verankerter Literatur. Ich hab’s jedenfalls sehr gern gelesen und möchte an der Stelle auch dem Autor nochmal fürs Zusenden danken: Danke für die vergnüglichen Stunden, Olaf! Ich hoffe, Du hattest entsprechend auch ein paar solche  hier bei  GNIT! 🙂

Olaf Kretschmer:
Taxifalle
KellnerVerlag, 2016
ISBN: 978-3-95651-111-0
Amazon-Link: Taxifalle

Verlängerung 2

Ich habe Post bekommen. Vom LABO. Der Inhalt überrascht wenig, die Tatsache, dass das Ding schon vor drei Tagen in meinem Briefkasten lag, schon eher:

Auf die nächsten 5 Jahre! \o/ Quelle: Sash

Auf die nächsten 5 Jahre! \o/ Quelle: Sash

Und das meine ich ernst: Mein augenärztliches Gutachten hab ich erst am 12. oder 13. September abgeschickt und dieser Brief trägt als Ausgangsdatum den 19. September. Natürlich hab ich in Anbetracht meines durch die Sehtestwiederholung durcheinandergewürfelten Zeitplans höflich angefragt, ob eine schnelle Bearbeitung möglich wäre. Aber eine Woche? Wow! Ich meine, mein bisheriger P-Schein gilt noch bis zum 17. Oktober, so viel Eile wollte ich dem LABO gar nicht abverlangen, ich hatte nur Sorge, weil die offizielle Bearbeitungszeit gerade bei fünf Wochen liegen soll.

Insofern und gerade in Anbetracht aller Skandale, die die Wartezeit in Berliner Ämtern betreffen: Vielen vielen Dank, LABO!

Wo darf’s hingehen? #agh16 Sonstige Ideen

Zu guter Letzt hatte ich die Parteien noch um eigene Vorschläge gebeten und als Beispiele Tempo 30 und Busspuren fallen lassen, was immerhin von ein paar Kandidaten dankbar aufgenommen wurde.

Wenn Sie Ideen haben, überraschen Sie mich! Ich würde mich freuen!

taxi-linkeinklusion

Die LINKE:
DIE LINKE: Berlin spricht sich für ein Stadttempo 30 aus, das mit wenigen Ausnahmen auf Tangentialen und Radialen versehen wird. Wir unterstützen die Bemühungen mehr Inklusionstaxis bereitzustellen. Taxis sollten auch weiterhin Busspuren benutzen dürfen.

AfD:
Die ganzen Geschwindigkeitsdrosselungen inder Stadt sind der Wahnsinn. Wir werden das beenden. Wir sind gegen weitere Busspuren. Wo es Busspuren gibt, sollten Taxifahrer auf ihnen fahren dürfen.

Die PARTEI:
Taxis sollten immer einen 2 Kubikmeter großen Anhänger mitführen, damit auch kleinere Umzüge und Transporte von Waren aller Art gleich miterledigt werden können. Das bietet auch mehr Werbefläche für den Taxiunternehmer der dann auch den Mindestlohn zahlen kann. Busspuren sollten komplett in Taxi- und Betonmischerspuren umgewandelt werden. Taxifahrern muß mal gezeigt werden dass der Wagen nicht über Kreuzungen und Fußgängerüberwege rollt, wenn die Bremse fest getreten und gehalten wird. Gegebenenfalls muß der Einsatz von Automatikgetrieben für Taxis untersagt werden. Natürlich mit einer Übergangszeit. Tempo 30 ist mit uns nicht zu machen. 50 ist schon zu lahm. Nachts sollte innerorts 70 gefahren werden dürfen, wenn die Strasse das zulässt.

Ob gegen unsere Haltelinienblindheit ein Automatikverbot helfen würde, wage ich zu bezweifeln; gegen zwei Kubikmeter Stauraum indes kann ja niemand ernsthaft was sagen. Außer vielleicht die Konkurrenz von den Möbeltaxis.
Ansonsten Tempo 30 bis 70. Naja, da sind die bisherigen 50 vielleicht fast schon so eine Art Kompromiss, was? 😉

Kauft das Buch!

Wie kam Sash eigentlich zum Taxifahren? Das beschreibt er in seinem ersten eBook "Papa, ich geh zum Zirkus!".

Immer dranbleiben!

Abonniert doch den RSS-Feed von GNIT. Mehr von Sash gibt es außerdem bei Facebook und bei Twitter.

Noch ein Blog?

Kleiner Tipp: Sash hat noch einen zweiten Blog, auf dem es auch gelegentlich was zu lesen gibt.

Wo darf’s hingehen? #agh16 Taxifahrer-Ausbildung

Wenn mal wieder irgendein Kollege in einem „Taxi-Test“ einen Bock schießt, wird gerne gewettert, was wir als Taxifahrer nicht eigentlich alles können sollten oder gar müssten. Das Sollen ist das eine, müssen tun wir ziemlich wenig, genau genommen besteht unsere Qualifikation aus einem amtlichen Führerschein. Auch wenn dieser über den „normalen“ hinausgeht, so Dinge wie Freundlichkeit, halbwegs passende Kleiderwahl oder Sprachkenntnisse, die über die Zielfindung rausgehen, sind im Grunde freiwilliger Bonus. Sicher, bei groben Verfehlungen reagieren Zentrale und Arbeitgeber und bei extrem ausgeprägtem Nudismus vielleicht sogar das LABO, aber die quasi nicht vorhandene Ausbildung über die Bedienung von Auto und Funkgerät hinaus ist sicher Grund für so ziemlich die häufigsten Kundenbeschwerden. Also, was denken die zur Wahl stehenden Parteien dazu?

Die Ausbildung von Taxifahrern besteht heute im Wesentlichen aus der Ortskunde. Hat Ihre Partei Interesse an einer vielschichtigeren Qualifikation der Fahrer (z.B. Fremdsprachen), oder halten Sie das reine Ortskundewissen weiterhin für ausreichend?

CDU:
Die Ortskunde ist und bleibt für uns als unverzichtbarer Bestandteil der Ausbildung.
Selbstverständlich begrüßen wir die Bemühungen innerhalb des Berliner Taxigewerbes, die bereits stattfindenden Schulungen im Hinblick auf mehr Service und Kundenfreundlichkeit.

FDP:
Gerade der Ortskundenachweis könnte aus unserer Sicht inzwischen entfallen. Viele Taxifahrerinnen und Taxifahrer nutzen derzeit bereits Navigations- und andere Informationssysteme. Im Zusammenhang mit der Festlegung von standardisierten Qualitätskategorien (s.a. unsere Antwort zu Frage 9.) halten wir es für sinnvoll, auch zusätzliche Qualifikationen für Taxifahrerinnen und Taxifahrer festzulegen. Diese könnten z.B. Fremdsprachenkenntnisse, kulturelle Sensibilisierung, für Touristen wichtiges Hintergrundwissen u.ä. beinhalten.

SPD:
[Keine Antwort]

taxi-linkeausbildung

Die LINKE:
Ortskunde ist im Allgemeinen ausreichend im Sinn der unteren Mindestanforderung, die allerdings den Praxistest häufig nicht besteht. Die aktuellen Entwicklungen im Beförderungsgewerbe wie unter drei skizziert, lassen es uns aber sinnvoll erscheinen, die Qualifikationen des Taxipersonals breiter auszubilden, auch um die Konkurrenzfähigkeit des Taxigewerbes zu erhalten. Dies betrifft sowohl die Servicequalität als auch die Erweiterung der Services über die reine Fahrleistung hinaus.

AfD:
Ortskunde reicht.

Die PARTEI:
Taxifahrer müssen interessante Geschichten erzählen können. Alles andere ist zweitrangig.

Auch wenn ich wie so oft die Prioritätensetzung der PARTEI sehr gelungen finde (völlig uneigennützig natürlich als Taxiblogger!), so fand ich die Antworten der anderen interessant. Die CDU hat Recht, es gibt gewerbeinterne Initiativen, aber die sind halt freiwillig und nur leidlich erfolgreich. Die in meinen Augen nicht unsinnige Feststellung von (ausgerechnet, Himmel hilf!) FDP und LINKEN, dass etwas mehr nicht schlecht wäre, wird dann aber leider abgemildert durch die Verwendung des Begriffs „wäre/erscheine sinnvoll“, denn ein wirklicher Handlungswille lässt sich daraus natürlich nicht ableiten. Witzige Nebenerkenntnis: Wer die AfD wählen wollte, weil manche Taxifahrer in seinen Augen zu schlecht deutsch sprechen, der muss nun wohl auch umschwenken, weil: „Ortskunde reicht“.
Insgesamt sieht’s diesbezüglich also wohl eher düster aus, auch wenn FDP und LINKE es zumindest mal moralisch voll dufte fänden, die Qualität im Gewerbe zu erhöhen.