Nicht durchdacht

oder warum ich nun mein Auto irgendwo anders wasche

Ich verliere gerne ein paar nette Worte über meine Stammtanke am Ostbahnhof. Das tue ich insbesondere des Personals wegen, zumindest in der Nachtschicht hab ich das Gefühl, dort als Taxifahrer ein gern gesehener Gast zu sein. Eine Wahl hatte ich lange Zeit kaum, denn die 24h-Erdgastanken sind in Berlin nicht an jeder Straßenecke zu finden. Im innerstädtischen Bereich gab es lange Zeit gar keine und ich hab immer dort getankt, wenn ich nicht zufällig mal in Schönefeld oder am Blockdammweg vorbeigekommen bin. Zugegeben: Ein paar Cent mehr kostet das Kilo Gas dort, aber da ich nach einer Schicht selten auch nur auf 10 Kilo komme, sind auch recht kurze Umwege schnell unrentabel. Wenn Erdgas dort 5 Cent mehr kostet, gebe ich insgesamt 0,50 € aus – ein Betrag, der etwa deckungsgleich ist mit den Gaskosten für 10 km zum Blockdammweg (hin und zurück). Vom Verschleiß und vom Zeitaufwand mal ganz zu schweigen. Ich kann also auch meinen Chefs gegenüber sehr gut begründen, warum dort recht oft tanke.

Aber ich wollte eigentlich übers Waschen schreiben.

Es ist angenehm, das Tanken und Waschen miteinander zu kombinieren. Kurz vor Feierabend noch kurz einmal 20 Minuten Zeit am Stück investieren, um das Auto in ordentlichem Zustand zurückzubringen, ist wesentlich angenehmer als dafür zwei Adressen anfahren zu müssen. Die Waschanlage an “meiner” Tanke wurde allerdings vor etlichen Monaten abgerissen um Platz für eine neue zu machen. So weit, so gut. Und seit kurzem: Tada!

Blick von der Zapfsäule zum Reinheitspark, Quelle: Sash

Sieht ja alles recht nett aus. Im Gegensatz zu früher ergibt sich allerdings ein kleines Problem: Die Waschanlage ist (zumindest war sie das kürzlich) nachts geschlossen. Viel nerviger aber ist: Die Kärcher zum selbst reinigen sind nur noch mit Münzen zu bezahlen. Das konnte man früher auch schon, aber alternativ dazu wurden auch an der Kasse erhältliche Jetons angeboten. Diese entfallen jetzt. Das Problem sollte offensichtlich sein: Ohne irgendeine Form von Beleg kann ich die Kosten nicht an  meine Chefs weitergeben.

Die ermahnen uns zwar ständig, kein privates Geld ins Auto zu investieren, da das ihre Aufgabe sei, aber natürlich wollen sie die Ausgaben auch absetzen können und bei aller vertrauensvollen Atmosphäre bei uns im Büro erwarte ich trotzdem, einen Vogel gezeigt zu bekommen, wenn ich einfach reinspaziere und frag, ob sie mir mal eben einen Zehner geben könnten, weil ich öfter mal das Waschen privat gezahlt habe. Im Winter mal kurz für 50 Cent den groben Dreck wegspritzen mache ich natürlich auch mal so, wenn mir das Geld kein Schlangestehen an der Kasse wert ist, aber eine gründlichere Reinigung muss ja nun wirklich nicht zu meinen Lasten gehen.

Aber aus o.g. Gründen werde ich dafür jetzt wohl woanders aufschlagen müssen. Schade eigentlich.

Und sonderlich clever von der Tankstelle vielleicht auch nicht. Schließlich gibt es ein paar Taxifahrer, die prinzipiell die gleichen Probleme haben …

Was ist eigentlich Fußball?

Also gleich vorweg: Was ich hier schreibe, bezieht sich keineswegs nur auf Fußball, sondern eher auf Sport im Allgemeinen. Und ich will auch niemandem sein Hobby madig machen, es hinterlässt mich jenseits aller bissigen Ironie tatsächlich ratlos.

Es war das Wochenende des Pokalfinales und ich verrate jetzt am Morgen sicher niemandem zu früh, dass Bayern verloren hat. Im Taxi ergab sich dieses Wochenende schnell die Frage:

“Und, für wen sind sie?”

“Eigentlich interessiert mich Fußball gar nicht so sonderlich …”

“WAAAS? Ja also nee, ohne Fußball könnt’ ick nich leben!”

Und hey, ich hatte es mit BVB- und Bayern-Fans zu tun und entgegen der landläufigen Meinung von Fußball-Fans auch gar keine blöden, aggressiven oder sonstwie schlimmen Zeitgenossen. Antipathie kann ich mir nur sehr begrenzt unterstellen lassen, dennoch frage ich mich, ob die Welt eigentlich noch alle Latten am Zaun hat, wenn ich mich hier rechtfertigen muss, weil ich keinen Lieblingsverein habe.

Fußball ist zweifelsohne ein geiler Mannschaftssport, aber ebenso wie bei vielen anderen Sportarten komme ich nicht umhin, mich zu langweilen, wenn ich anderen Menschen dabei zusehen muss. Ich stelle es mir zwar toll vor, als Stürmer der Nationalelf ein Tor zu schießen oder als Rennfahrer ein Rennen zu gewinnen – aber was bitte hab ich davon, dass andere das tun?

Ich meine, ich kann mich gut in andere Leute reinversetzen. Das können sogar virtuelle Personen aus Romanen oder Filmen – ja sogar Computerspielen – sein. Aber Profisport mit ständig wechselnden Leuten? Wie kann man es fertig bringen, Menschen zu hassen, weil sie für eine gegnerische Mannschaft spielen, um sie anschließend zu bejubeln, wenn sie in “den eigenen” Verein wechseln?
Was sollte mich dazu bringen, “für meine Heimat” zu jubeln, wo doch alle Protagonisten heute hier und morgen dort spielen, und die meisten mit der Stadt, deren Trikot sie tragen, gerade mal eine Summe auf dem Gehaltsscheck und vielleicht drei einstudierte Antworten für die Pressekonferenz verbindet?

Ich hab noch nicht einmal was dagegen, all diese lästigen Fragen zu umgehen und zu sagen, dass Fußball ja letzten Endes auch eine Art Kunst ist, ein virtuoser Umgang trainierter Menschen mit einem Sportgerät. Aber mich ereilt da immer das Problem, dass ich im Grunde dann doch den Besseren den Sieg gönne – und das vermiest einem den Spaß am Spiel auch gewaltig, weil echte Euphorie nunmal nur aufkommt, wenn man einer bestimmten Truppe den Sieg von ganzem Herzen gönnt.

Ich versuche das manchmal bei Weltmeisterschaften, aber selbst wenn die recht zufällig ausgewählte Mannschaft (bei der letzten WM hab ich Uruguay genommen, unter anderem, weil ich es eindrucksvoll fand, dass das Land durchschnittlich mehr Internetbandbreite hat als wir hier in Berlin) am Ende gewinnt, ist das irgendwie nur dünn. Da kribbelt es mehr bei mir, wenn ich erfahre, dass dank Bildblog mal eben 8.000 Menschen einen Text von mir gelesen haben.

Wie gesagt: Ich gönne ja allen ihre Freizeitgestaltung und meine Interessen decken sich natürlich (und ganz offensichtlich) auch nicht mit einer Mehrheit. Aber wieso bewegt so ein Sportereignis so ungemein? Wenn ich beispielsweise sage, dass dieses oder jenes Kunstwerk mich irgendwie zutiefst berührt, dann weiß ich, dass damit irgendetwas aus meinem Leben angesprochen wird: Da hat jemand Worte, Bilder oder sonstwas gefunden, um einem Gefühl, das mir schon innewohnte, besser Ausdruck zu verleihen, als ich es könnte. Das kann es beim Sport aber doch kaum sein, oder? Geil – der hat den Ball genau so getreten, wie ich es mir vorgestellt hab!? Oder ist das so?

Ich meine: Feiern, saufen und mit guten Freunden ein paar Lieder gröhlen kann ich bei jeder WG-Party oder einem Konzert! Das macht zweifelsohne als wenig geistreiche Unterhaltung einen enormen Spaß, aber dazu braucht es keine überbezahlten Typen, die im Fernsehen auf und ab wuseln. Und im Gegensatz zu Lieblingsclubs kann ich einen Haufen Lieblingsbands haben. Im selben Genre, in derselben “Liga”, ja ich freue mich sogar, wenn sie was zusammen machen! Was bringt einen zu diesem Konkurrenz-Denken?

Mir ist klar, dass nicht immer “Hochkultur” (was immer dieses blöde Wort aussagen will) sein muss. Mal feiern ohne nebenbei über wichtige Fragen aus Politik und Philosophie zu diskutieren, ist zweifellos nötig. Man muss auch mal den Kopf frei kriegen! Aber kann es sein, dass Sportler, Trainer, Vereine und all die anderen angeblich wichtigen Beteiligten dabei eigentlich nur ziemlich sinnloses Schmuckwerk sind, die im Grunde keine Sau interessieren müssten?

Oder mal noch tiefer gehend:

Muss man sich nicht eigentlich um Leute Sorgen machen, die behaupten, sie würden ihr Leben für einen Verein leben?

Natürlich hat jeder Interessen und Vorlieben, Idole und Vorbilder. Und alle haben eine Meinung zu diesem und eine Eistellung zu jenem. Aber was bewirkt, dass man sich verhältnismäßig “fanatisch” mit Dingen beschäftigt, die sowohl für einen selbst, als auch kulturell keine wichtige Wirkung haben, die über die Angeber-Vitrine im Vereinshaus hinausgeht?

Wie gesagt: Da muss ich ernstlich passen.

Wäre schön, wenn die Antworten über “xy ist goilste, weil isso!” rausgehen würden …

Wochenende!!!

OK, nicht so wirklich. Also für euch vielleicht. Für mich eher nicht …

Aber ich hab heute Nacht wenigstens lange genug durchgehalten, um recht sicher sagen zu können, dass ich am Sonntag zu Hause bleiben kann. Aber die letzte Stunde war dennoch eine Qual. Leider war sie nicht so unwichtig, wie man meinen mag: Ich hab über 20% des Umsatzes in dieser Zeit gemacht!

Abgesehen vom Umsatz belohnte mein Schichtende mich allerdings zusätzlich mit einer Fahrt, die mich ungelogen von etwa 11 Kilometer Entfernung bis auf 500 Meter an den Abstellplatz brachte. Natürlich nachdem ich davor vollgetankt und das Auto gereinigt hatte. Damit war sogar mein Kilometerschnitt wieder in Ordnung. :D

Dabei war es eine turbulente Schicht. Die ersten Stunden bin ich zwar nicht aus dem Auto gekommen, hab aber immer nur eine Tour mit ewigen Leerfahrten gehabt. Die Kunden habn mich dann jedes Mal kurz vorm Aufgeben erwischt. Nach Mitternacht folgte dann plötzlich das, was ich tote Stunden nenne: Bis um 1 Uhr hatte ich einen Hunni gemacht, zwischen 1 und 5 Uhr sind gerade mal 40 € zusammengekommen …

Aber gut, so lange das Ergebnis passt, will ich nicht meckern. Einen kleinen Grund gab es dennoch. Etwas, das ich schon mal hatte:

Mist, schon wieder!

Vergurkt

Was vielleicht selbst bei mir im Blog manchmal ein bisschen zu sehr auf der Strecke bleibt, ist die Tatsache, dass ich als Taxifahrer auch ein Mensch bin. Wir reden hier ständig über Tarife, über Betrug, professionelle Ortskunde – neulich hab ich aber erst wieder bewiesen, dass ich mich auch ganz klassisch verfahren kann. Wobei verfahren in dem Fall nur bedingt stimmt. Denn ich kannte die Strecke. Ich bin bloß aus lauter Gewohnheit, zuzüglich etwas Müdigkeit gleich zwei Mal falsch abgebogen. Einfach so.

Das war kein Betrugsversuch, kein peinliches Nicht-Kennen der Straße, es war einfach nur ein bisschen Träumerei und ein bisschen zu viel Gequatsche mit dem Kunden. Und zack! standen wir eine U-Bahn-Station weiter westlich als geplant.

Da hilft nur locker bleiben. Der Fahrgast wusste, wie viel er normal bezahlt, also hab ich die Uhr früher ausgemacht. Und er hat meine Erklärung mit einem Grinsen akzeptiert anstatt mir böse Absichten zu unterstellen.

Peinlich war es mir trotzdem irgendwie.

Google und die Currywurst

Nachdem ich schon für den Artikel heute morgen ein bisschen mit Google Maps gespielt habe, dachte ich, ich könnte doch auch mal eine lange Strecke zeigen – eine möglichst unsinnige. Und, naja … wenn ich an unsinnige Routen denke, dann fällt mit immer die mit der teuren Currywurst ein. Und weil es wirklich eine besonders schöne Strecke  war, könnt ihr sie hier nochmal bewundern:

 

Größere Kartenansicht

Die ganz kurzen Fahrten

Als ich um kurz nach 23 Uhr am Schulze-Delitzsch-Platz vorbeikam, winkte mir ein Mann zu. Zwischen den geparkten Autos erkannte ich nicht, dass er neben zwei kleinen Kindern auch noch Gepäck dabei hatte. Trotz des Gepäcks hatte ich nun nicht mit einer Flughafen-Fahrt gerechnet – aber zum A&O-Hostel in der Köpenicker Straße war dann wirklich weit unter den Erwartungen.

Das soll jetzt aber nicht heißen, dass mir das deswegen unangenehm war – es war eine Winker-Tour, quasi auf dem Weg liegendes geschenktes Geld! Um das kleine bisschen Aufwand zu entschädigen, haben wir ja unsere 3,20 € Startpreis. Mehr als 4,20 € kamen am Ende allerdings auch nicht raus dabei ;)

Die Fahrtstrecke kann ich euch natürlich nicht vorenthalten:

 

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App-strakte Gedanken

Warum Sash keine Taxi-App nutzt

Ich nutze ja noch immer keine Taxi-App. Das hat verschiedenste Gründe. Ausprobieren wollte ich es durchaus mal, aber z.B. ist das mit meinem derzeitigen Handy nicht so optimal. Wenn ich da GPS aktiviere, ist das Ding in anderthalb Stunden leer, ich kriege es mit mäßiger Benutzung ohne den Spaß gerade mal so über die Schicht gerettet. All der Sermon mit Ladekabel und Befestigung im Auto ist auch nicht so leicht, da ich mir das Auto ja mit einem Kollegen teile und folglich alles wieder abmontieren muss. Ich hab mal eine Halterung probiert, aber die hält nicht vernünftig, das Kabel rutscht ständig aus dem Zigarettenanzünder. Eine ziemliche Fummelei, die ich erstmal vernünftig organisieren und dafür auch Anschaffungen tätigen müsste. MyTaxi möchte außerdem Fahrer und Auto mal kennenlernen. Und die schließen um 18 Uhr… ist also auch keine Sache, die ich mal eben schnell morgen Abend erledigen kann, da ich das Auto im Normalfall erst ab 19 Uhr habe.

Aber ich will ehrlich sein, es gibt auch noch andere Punkte: Zum Beispiel, dass ich als stummer Fahrer eigentlich recht glücklich bin. Wenn ich Taxi fahre, dann bin ich eigentlich genug beschäftigt. Bei Leerfahrten hab ich meine Musik auf Anschlag und das ist nicht einmal so eine Kleinigkeit. Denn zu Hause bin ich inzwischen ununterbrochen am Lesen und schreiben und komme kaum noch zum Musikhören! Wenn ich am Stand stehe, dann habe ich meist ein Buch dabei. Nebenher wollen Twitter und Facebook meine Aufmerksamkeit und obendrein treffe ich jede Menge Kollegen, mit denen ich gerne hier und da mal ein Wörtchen rede, mich austausche, etc.
Natürlich gibt es vereinzelte Tage, an denen ich froh um einen zusätzlichen Auftrag wäre. Aber ständiges Geplapper aus dem Funk und dauerndes Piepsen und Klingeln irgendwelcher Apps würden mir meinen Alltag mehr versauen, als es meine finanzielle Situation verbessern würde.

Ausnahmen bestätigen die Regel

Jetzt am Wochenende hat es allerdings zufällig geklappt, dass einer meiner Twitter-Follower zur richtigen Zeit vom richtigen Ort aus angefragt hat, ob ich nicht mit ihm ein paar Kilometer in den Südosten fahren würde. Das war auf meiner Seite hektisch genug, denn endgültig klargemacht hatten wir die Fahrt, als ich in erster Position am Bahnhof stand und mir beinahe schon ein anderer Kunde ins Auto gekraxelt wäre. Aber es hat geklappt und es hat mich gefreut. Ey, erste Taxifahrt über Twitter bekommen! Könnte das in Deutschland bisher einmalig sein? Oder hat einer von den anderen Taxibloggern das auch schon gehabt?

Warum es trotzdem nur Ausnahmen sind

Nun ist es aber gar nicht so leicht, mich zu erreichen. Nicht nur wegen der eingeschränkten Arbeitszeiten, sondern auch wegen des Jobs an sich. Ich kann gerade am anderen Ende der Stadt sein oder sogar Kunden an Bord haben. Vielleicht kann ich nicht antworten, weil ich gerade fahre und/oder Tweetdeck mal wieder meint, neue Nachrichten nur nach dem Zufallsprinzip anzuzeigen. Man ist als Taxifahrer eben ständig auf Achse und nicht immer verfügbar. Deswegen gibt es ja auch die Apps und die Zentralen, die die Anfragen auf eine große Menge Taxen verteilen, wobei dann klar ist, dass irgendein Fahrer schon Zeit und Lust hat und auch sonst alles passt.

Einen einzelnen Fahrer immer überall und sofort zu bekommen, ist halt was anderes. Das ist aber auch genau das, was mir an dem Job so viel Spaß macht: Der Zufall, die Unsicherheit und zu guter Letzt die positiven Überraschungen.

Wir werden uns schon mal über den Weg laufen, wenn es passt. Versprochen!

Und hey: Folgt mir doch bei Facebook, Twitter oder auch Google+!
Ich schreib da zwar nicht so viel wie hier, aber ich mache es trotzdem fürs Publikum :)