Liebe. So schön!

„Ich liebe Dich!“

„Uff, das ist jetzt nicht wirklich problemfrei …“

„Haben Sie was gesagt? Sorry, ich telefoniere gerade.“

Achievement unlocked: Weird communication.

Ein Fail mehr …

Angefangen hat’s wie so viele Fahrten. Betrunken, kein Geld mehr, nur halt zu Hause. Ob wir nicht einfach …

„Klar, kein Problem …“

Und obwohl es diesmal schief ging: Ich bleibe dabei, dass das kein Problem ist. Ich lasse mir außer in begründeten Ausnahmen (sehr sehr teure Fahrten) auch nicht von Fahrgästen ihr Geld zeigen, obwohl ich es sogar als Vorschuss bereits an mich nehmen dürfte. Und trotzdem geht das in ca. 99,9% aller Fälle mehr oder weniger gut.

Weswegen hätte der Typ um die 50 jetzt meinen Verdacht erregen sollen? Ja, er war betrunken und ja, er hat viel gequatscht. Insbesondere darüber, dass er jetzt ja eigentlich nicht schon den zweiten Tag in Folge trinken gehen wollte. Ganz klar Business as usual.

Dass er dann nach etlichen Minuten wieder aus seinem Haus kam und mir erzählte, dass er sich sicher war, noch 100€ auf dem Tisch liegen gehabt zu haben, er die aber wohl doch gestern schon ausgegeben hätte … nun, das kam entsprechend überraschend. Seine Verwunderung zu diesem Zeitpunkt nahm ich ihm sogar ab, den Zenit des besten Erinnerungsvermögens hatte er sichtlich überschritten.

Zu seinen Gunsten sei erwähnt, dass er von den anfallenden 25€ immerhin auch rund 15 noch hatte und mir hoch und heilig versprach, sich zu melden. Ich könnte jetzt anfügen, dass das 2017 die erste Fehlfahrt gewesen sein müsste und mir der Zehner eigentlich ziemlich am Arsch vorbeigeht. Ehrlich.

Aber nur für den Fall, dass mein werter Fahrgast mich bereits gegoogelt hat:

  1. Namen vergessen, die zufällig komplette Ex-Bundeskanzler beinhalten, fällt selbst mir schwer.
  2. Falls Du* noch nicht tief genug gegoogelt hast: Ich wohne im Haus gegenüber. Wir sehen uns also sicher mal beim Einkaufen …

[Hier bösartiges Grinsen einfügen]

Und nun warten wir mal auf die Fortsetzung. 😉


*Du hast mir erlaubt, dich zu duzen.

Taktvolles Zurückschlagen

Das mit den Taxiüberfällen ist ein Ding. Immer noch. Ich erwähne  hier zwar nicht mehr jede Polizeimeldung (zumal die eh lückenhaft sind) und außerdem sind viele Überfälle heute im Vergleich zu den Jahrzehnten vor meinem Arbeitsantritt selten gewalttätig und damit für die Presse eher unspektakulär. Aber sie passieren halt. Und kein Taxifahrer weiß das nicht. Trotzdem probieren Kunden gerne mal, wie folgt uncool zu sein:

„Was würdst’n jetz‘ machen, wenn Ich dich ausrauben wollte?“

„Dich wie die anderen in den Wald fahren und dann wie üblich mein Messer benutzen.“

Furztrocken wie er, ohne eine Miene zu verziehen.

Ich bin da nicht wirklich dünnhäutig, ich kenne die Gefahren meines Jobs und ebenso die eher absurden Varianten meiner Kunden, mit ihrer eigenen Angst umzugehen. Mir war klar, dass dieser eine Knilch nur lustig sein wollte. Und dann plötzlich einen Kloß im Hals hatte. Ich hab seinen dummen Spruch nur dumm gekontert. Um ihm klarzumachen, wie unlustig das eigentlich ist. Und es hat gewirkt. Um ehrlich zu sein: Mehr als ich eigentlich erhofft hatte.

Hätte er sich nicht entschuldigt, hätte ich beim Ziehen meines Portemonnaies nochmal mit dem Zaunpfahl gewunken, aber das hat sich erübrigt. Schön, ganz ehrlich.

Und nun an alle: Mal abgesehen davon, dass wir Taxifahrer im Grunde wirklich fast bessere Möglichkeiten hätten, Kunden auszurauben als umgekehrt: Lasst diese Scheiß-Andeutungen, bitte! Obwohl uns klar ist, dass nur die Dümmsten der Dummen sowas ankündigen: Es ist halt auch nicht gerade die geistige Elite, die ausgerechnet bei uns große Gewinne erwartet …

PS: Und weil’s gerade auch Artikel des Tages ist: Hier etwas zum „räuberischen Angriff auf Kraftfahrer„.

Sven, sein Handy und die Polizei

Obwohl ich eigentlich schon wieder grünes Licht seitens der Ampel hatte, hielt ich an. Ein Winker. Quasi. Denn es war ein Polizist in voller Ausrüstung und als er mir erklärte, was sein Anliegen war, war klar, dass es nur so mittel normal war:

„Hey, wir haben hier auf der Mittelinsel einen Typen, der ziemlich betrunken ist. Der ist sauber, hat Geld dabei, die Sanitäter wollten ihn nicht mitnehmen. Der muss nach Reinickendorf. Würdest Du den mitnehmen?“

Nach den üblichen 0,25 Sekunden Bedenkzeit hab ich zugestimmt. Zweifelsohne war das jetzt nicht das, was mir gerade gut gepasst hätte, denn die Stadt war voll mit Kundschaft. Aber ich stehe nunmal dazu, auch gerade die schwierigen Touren wegzurocken.

„Na gut, krieg ich hin.“

„Dann fahr‘ mal hinter unseren Wagen.“

Ich wurde trotz nun roter Ampel eingewiesen, Spezialauftrag für Geheimagenten quasi. Ich hab mich gefühlt wichtig auf der Kreuzung positioniert, weit ordnungswidriger als Tempo 80 in einer 30er-Zone. Aber ich war halt wichtig. Der Kunde, auch von den Beamten nur beim Vornamen genannt, erwies sich als eigentlich harmlos. Völlig besoffen, natürlich, aber in sich selbst ruhend. Zunächst.

Einer der Beamten hatte seinen Geldbeutel in der Hand, reichte mir einen Fuffi daraus und fügte hinzu, dass ich ihm den Rest zurückgeben sollte.

„Keine Sorge, ich wollte hier kein krummes Ding abziehen!“

„Ach ja, hier …“

Der Polizist zeigte mir den Personalausweis:

„Der muss in die XYZ-Straße, quasi beim Rathaus.“

„Danke, aber das kläre ich gleich mit ihm!“

„Ach, der wird Dir nicht mehr viel sagen …“

Ich verstehe den Einwand, aber Polizei hin oder her: Wenn da wer in meinem Taxi sitzt, dann gilt für mich das Wort des Kunden. Für Entführungen sind andere Leute zuständig. Ich will nicht anzweifeln, dass es gut wäre, einen volltrunkenen Sven heimzubringen, aber mir fehlt jegliche Handhabe, ihn dazu zu zwingen.

Nichtsdestotrotz hatte ich den Fuffi von Sven nun und der hatte halt ganz andere Pläne, als ins Taxi zu steigen. Er wollte sein Handy.

Ich glaubte den Cops, dass sie es nicht hatten, nicht finden konnten und dass es vermutlich zuhause war, aber ich war weiter denn je entfernt davon, hier die Ansagen zu machen. Sven wehrte sich dagegen, in mein Auto eingeladen zu werden, schrie nach seinem Handy und am Ende kam halt heraus, dass das doch keine Tour für mich werden würde. Einfach weil er nicht wahrhaben wollte, dass die Beamten im sagten, dass sie sein Telefon nicht genommen hätten oder auch nur hätten finden können.

„Na gut, wenn er nicht einsteigen will …“,

meinte eine Polizistin.

„Also nehmt Ihr ihn mit?“,

fragte ich ebenso duzend in die Runde.

„Ja, geht wohl nicht anders …“

wurde mir mitgeteilt.

So gerne ich die Fahrt gemacht hätte und so sehr ich glaube, dass Sven sich damit einen Gefallen getan hätte: Ich war froh bis geradezu überrascht, wie nett die Beamten waren, obwohl er sich wie das letzte Arschloch aufgeführt hat und oft bedenklich nahe an der Grenze zum gewalttätigen Widerstand gekratzt hat. Hätte ich als Demonstrant einmal soviel Nettigkeit von der Staatsgewalt erfahren, würde ich sie wohl emotional mehr würdigen können.

Nachdem klar war, dass die Tour ausfällt, hab ich den Beamten, der gerade am wenigsten mit der Inschachhaltung von Sven beschäftigt war, noch kurz darauf hingewiesen, dass da noch eine Kleinigkeit offen wäre:

„DER ist dann wohl auch nicht meiner …“

Und hab den Fuffi weitergereicht.

„Oh ja, stimmt ja!“

Ich hoffe jetzt einfach mal, dass Sven gut heimgekommen ist, dort sein Handy wiedergefunden hat und zudem noch im Besitz seines Fünfzigers ist. Falls nicht, kann ich nur anmerken, dass ich als Taxifahrer wirklich alles dafür getan habe, dass dem so ist.

Guter Auftakt

Es gibt so Tage, da trudelt man durch die Zeit nach dem Aufstehen, erledigt noch dies und das, macht und tut und am Ende stellt man fest, dass man eigentlich weit früher bei der Arbeit sein wollte. Zumindest passiert mir sowas manchmal und gestern Abend war es auch so.

Letztendlich war es schon fast 22 Uhr, als ich ins Auto gestiegen bin und ich habe es nicht bereut. Denn zumindest das späte Loskommen war nach der ersten Kundin gerettet. Dass ich schon in Marzahn rangewunken werde, ist selten genug. Weitaus seltener (um nicht zu sagen einmal pro Jahrzehnt) ist es eine gut gelaunte Kundin, die als bescheidenes Ziel eine Straße in Tempelhof angibt.

Das wäre ein sehr guter Start gewesen. Hervorragend wurde es dann, als wir just von den letzten Ausläufern des Zuges der Liebe überrascht wurden, den ich schon für beendet hielt, woraufhin wir gleich zweier Sperrungen wegen einen grotesken 5€-Umweg fahren mussten. Geradezu abenteuerlich wurde es bei einem Zwischenstopp bereits in Tempelhof, bei der uns der „etwas“ betrunkene Freund einen weiteren Fünfer auf dem Taxameter bescherte, weil er uns vor seiner Haustüre nicht gefunden hat. So stand ich nach der ersten Fahrt mit 48€ auf der Uhr mitten in der Stadt.

Perfekt wurde es dann, als ich von der Kneipe, wo ich die beiden abgeladen hatte, eine Runde drehte, um Richtung Mitte wegzukommen. Denn kaum hatte ich meinen einminütigen Schlenker durch zwei Kopfsteinpflastergassen beendet, winkten mich vor der Kneipe die beiden von eben wieder ran und ließen sich dann doch nach Hause kutschieren. Nach Lankwitz, nochmal ein Zehner. So dürfte das ruhig immer anfangen, wenn ich mal spät dran bin. 🙂

Tipps fürs Leben

„Do you do drugs?“

„To be honest: No. Interferes with my work.“

„But you should. It’s a good way to learn about your brain. Take LSD!“

„I guess you wouldn’t like being my passenger while I’m under the influence …“

„Well … ok.“

„You see, it wouldn’t work.“

„OK, but promise me: Whenever there’s a chance to have sex with two women on extasy …“

„I think I have to discuss that with my wife.“

„Your wife’s got a sister?“

„Oh look, time’s up, we’re here. 8,70€ please.“

Wenn man mit dem Typen eine 40€-Tour hat, gibt man vermutlich am Ende eine Bestellung auf, alleine um aus dem Gespräch rauszukommen. 😉

 

Kauft das Buch!

Wie kam Sash eigentlich zum Taxifahren? Das beschreibt er in seinem ersten eBook "Papa, ich geh zum Zirkus!".

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Noch ein Blog?

Kleiner Tipp: Sash hat noch einen zweiten Blog, auf dem es auch gelegentlich was zu lesen gibt.

Wenn man Kunden doch hauen sollte

Ein Winker, na super! Kurz hinterm Ostkreuz, vermutlich zum Sisyphos. Und da wollte ich eh hin.

„Moin.“

„Hi. Samma, hauste mich nich, wenn ick frag, ob wir bis da vorne ’ne Kurzstrecke machen?“

„Wieso sollte ich? Gerne doch.“

„Ick muss aba mit Karte zahlen.“

„Auch kein Problem, aber die 1,50€ Zuschlag für unbares Zahlen kommen dann halt noch drauf.“

„Ach, das‘ ejal!“

Finanziell war das sowieso eine der absurdesten Touren aller Zeiten. Er wäre ohne Kurzstrecke günstiger weggekommen, denn es waren wirklich nur 500 Meter. Als Kurzstrecke mit Karte 6,50€. Aber er war voll wie Eimer, vielleicht hätte er es wirklich nicht mehr zu Fuß geschafft.

Dann kam, was wirklich nicht hätte kommen müssen: Der Kartenleser hat sich verabschiedet, ich musste also nach zwei Versuchen das Funkgerät neu starten. Und das dauert. Das Problem war auch nicht, dass der Kunde ungeduldig war, im Gegenteil: Das mit der Bezahlung war ihm völlig egal. Nur war er eben voll wie Eimer und hat die Zeit genutzt, besonders unterhaltsam zu sein.

Zum Beispiel, indem er meinen Bart bewunderte, mir gleichzeitig aber erklärte, wie viel Sport ich noch machen müsse, um „die heißen Miezen aus dem Sisyphos klarzumachen“. Dann versuchte er mehrfach, am Scheibenwischerhebel den Warnblinker zu deaktivieren, weil ihn das Geräusch nervte, um andererseits aber bei einem kurzen Hinweis meines Autos, dass der Ölstand niedrig sei, eine Art Notruf-Arie aufzuführen, während der er mehrfach eine Feuerwehrsirene imitierte und mich anbrüllte, dass das Auto gleich explodieren würde. Und als ob das noch nicht genug sei:

„Ups, Digger, jetzt hab ick mir so uffjerecht, dass ick jefurzt hab.“

Und als ob auch das noch nicht genug sei:

Ups, nochmal, Digger. Jajaja, mach ma besser die Fenster runter, die sind scheiße fies heute …“

Nicht, dass ich Eure Bestätigung bräuchte, aber mal im Ernst: So ein kleines Bisschen Körperverletzung müsste doch hier und da auch mal erlaubt sein, oder?