Beweismodus an …

Manchmal kommt man als Dienstleister mit der Kundschaft ja nicht so ganz auf die selbe Wellenlänge. In dem Fall war die Kundin etwas irritiert, dass mir ihre Straße nix sagte und ich wusste nicht, ob diese Irritierung nun aussagte, dass sie das schlimm fand oder nicht. Sie war nett, aber obwohl ich nach drei Nachfragen wusste, wo es hingehen sollte, hat sie immer weiter Straßennamen eingeworfen, um mir zu helfen.

Da ich ohnehin noch nachfragen wollte, welchen Weg sie bevorzugt, hätte das hilfreich sein können, war es aber nicht. Straßennamen kannte sie in Wirklichkeit nämlich auch nur drei im ganzen Stadtteil und andere Wege als der ihrige waren ihr nicht bekannt. Dumm an der Sache war: Ich war mir sehr schnell sicher, dass dieser Weg nicht ging. Also „ging“. Einmal Durchfahrt verboten und einmal ein Abbiegeverbot.

„Nein nein, da meinen Sie was anderes! Ich kenne den Weg doch!“

Schnell war klar, dass ich in dem Punkt recht hatte. Aber der kürzeste legale Weg war nun hinter uns und … mein Gott, es war kaum noch Verkehr … also hab ich das Ganze als Lehrstunde betrachtet und meinen Ruf als Ortskundiger wiederhergestellt. Ich bin ihren Weg gefahren, hab ihr aber die Schilder gezeigt und auch, dass es aufgrund der Straßenbahn z.B. durchaus gar keine so dumme Idee ist, so zu fahren. Das hat immerhin geklappt.

„Ach Mensch, DAS ist ja interessant! Das erzähle ich morgen meinem Mann! Wissense, der fährt ja jeden Tag so. JEDEN TAG!“

Dann glaube ich kaum, dass es an mangelndem Wissen liegt …

Sportliche Nachfragen

Ein Winker, yeah! Ich hatte meinen Umweg dieses Mal nicht umsonst eingelegt!

„Entschuldigung.“

Klasse Gesprächseinstieg!

„Können Sie mich schnell zur Seestraße bringen?“

„Sicher. Meinen Sie die Seestraße in Wedding?“

„Ja, also da beim U-Bahnhof Seestraße. Schaffen wir das in 15 Minuten?“

Holy Fuck! Natürlich nicht!

Ich muss hier mal anmerken, dass ich im tiefsten Marzahn rangewunken wurde und meine nicht kürzeste, aber schnellste Route satte 18 Kilometer betragen hat. Und mehr als ein Kilometer pro Minute bedeutet eben mehr als 60km/h. Im Durchschnitt. Dabei sind 60km/h auch in Berlin innerstädtisch und nur auf manchen Straßen das Maximum. Durch Ampeln und geringere Begrenzungen kommt man legal oft auf weit unter 20km/h im Schnitt. Die Anfrage war also weit jenseits von Gut und Böse.

Aber da ich beim schwierigen Interessenausgleich zwischen Kundenwünschen und StVO ja durchaus auch mal nett bin, hat die Fahrt am Ende nur 22 Minuten gedauert. Vermutlich ein Drittel von dem, was tagsüber auch nur im Entferntesten möglich gewesen wäre.

Ich will da kein Lob für, ich weiß, wann ich Punkte verdient hätte … aber in Sachen Kundenzufriedenheit hab ich damit einmal mehr irgendein imaginäres Verdienstkreuz erhalten.

Und alles gleichzeitig klappt eh nie.

Das dumme Navi

Ich hab ja gestern erst mein Navi als das dümmste dieses Planeten beschimpft und ich denke, ich sollte mal erklären, wie ich zu so einer Einschätzung komme. Ich habe ja schon öfter gejammert und mir auch immer wieder das von vor 9 Jahren in der 1925 zurückgewünscht. Aber wirklich nie war das berechtigter als jetzt.

Ich gebe zu, dass ich in den paar Monaten, die ich es jetzt nutze, noch nix an der Routenführung zu meckern hatte und vielleicht liegt das sogar wirklich daran, dass es da ganz gut ist. Es ist mir immer noch etwas zu langsam, aber das geht mir eigentlich auch sonstwo vorbei. Meine Kritik bezieht sich auf einen einzigen, aber unfassbar elementaren Programmierfehler: Es kennt keine doppelten Straßen!

Ihr kennt meine Rants über die dumme Angewohnheit Berlins, etliche Straßen doppelt zu haben. Das mag ein Nischenproblem von Taxifahrern sein, aber wenn man’s mal genau nimmt, ist es damit auch eines von Taxikunden und damit potenziell von allen Menschen.

Was mein derzeitiges Navi (ich kenne die Typbezeichnung nicht, es ist ein eingebautes von Opel) macht, ist so schlecht, dass ich schon mehrfach selbst drüber lachen musste, obwohl es mich irgendwann mal richtig Nerven kosten wird: Wenn man eine Straße eingibt, die es in Berlin mehr als einmal gibt, dann stellt es keine Fragen oder bietet Optionen an, sondern navigiert zu einer offensichtlich vorher festgelegten Straße dieses Namens und ignoriert die anderen einfach.

Herausgefunden habe ich das glücklicherweise ohne Kundschaft, als ich einen Kollegen in der Kastanienallee treffen sollte. Diese Straße in Hellersdorf kenne ich, aber ich hab’s der Hausnummer wegen eingegeben. Plattenbauviertel sind gerne mal ziemlich verschachtelt, es schien mir sinnvoll. Und das Navi wollte mich einfach nach Prenzlauer Berg lotsen. Ich will ehrlich sein: 95% aller Fahrten in eine Kastanienallee gehen zu genau dieser, aber neben ihr und der in Hellersdorf gibt es auch noch ein paar weitere.

Das gestern mit der Uhlandstraße war dann der Beweis, dass die Wahl nicht einmal nach Beliebtheit oder Zentrumsnähe oder so getroffen wird, denn statt zu der großen, langen, zentralen und einzigen mir bekannten Uhlandstraße in Charlottenburg wollte mich das Navi zu einer Nebenstraße am Stadtrand in Lichtenrade lotsen. WTF?

Richtig absurd wird es aber da, wo ich dachte, dass ich das System zwar unbequem, aber immerhin irgendwie austricksen könnte: Das Navi erlaubt nämlich neben der Eingabe der Stadt alternativ auch die Postleitzahl. Das schien mir ein gangbarer Weg. Natürlich nur für Notfälle, denn viele Kunden kennen die Postleitzahl ihres Ziels nicht, aber immerhin irgendwas!

Nope.

Irgendein Programmierer hat das Navi so „intelligent“ gemacht, dass es nach der Eingabe von nur zwei Ziffern erkennt:

„12? Aha! Du willst nach Berlin!“

Und dann Berlin als Zielstadt auswählt.

Den ersten Teil der Problematik kann ich trotz Ärger verstehen. Da wusste wohl jemand nicht, dass es in Berlin zig Straßen doppelt, drei- oder elffach gibt. Aber dass dann eine andere Funktion AKTIV dafür sorgt, dass das Gerät NOCH unbrauchbarer wird … da jubiliert der Anarchist in mir, das ist so grotesk scheiße, dass ich eigentlich nur noch drüber lachen kann.

Ich weiß, ich wollte mir ewig schon ein eigenes Navi anschaffen. Ich werde es tun, aber derzeit überwiegt die Faulheit.

Der klitzekleine Mehrwert

Ich hacke ja gerne mal auf autonomen Autos rum oder behaupte, dass mir bei aller gegenteiligen Behauptung seitens Uber die Ortskundeprüfung wirklich was gebracht hat. Dabei spitze ich natürlich oft zu und Ihr wisst ja eigentlich alle, dass ich mit meinen Fails bezüglich Ortskunde auch nicht hinterm Berg halte und all das stets mit einem Augenzwinkern tue. Aber selbst der absurd-konstruierte Randfall kommt mal vor, in diesem Fall gestern.

Ein Winker nahe des Ostbahnhofs:

„Sag mal Alter, Du hast Navi, oder?“

„Äh ja, sicher …“

„Dann mach mal U bei Charlottenburg!“

Ich weiß, dass ich derzeit das wirklich mit Abstand dümmste Navi auf diesem Planeten habe, aber es ist nun wirklich nicht das einzige, bei dem man Straßennamen nicht auf einen Stadtteil beschränken kann.

„Ähm, das wird schwierig. Worum geht’s denn?“

„Mann, ich kenn die Straße nicht. Fängt mit U an und ist Richtung Charlottenburg.“

„Also als erstes würde mir die Uhlandstraße einfallen.“

„Uhland? Ja, ja, das ist sie!“

Und nein: Da standen noch eine Menge Möglichkeiten im Raum, aber ich hab ihm vorgeführt, dass eine berlinweite Suche nach „U“ halt zu gar nix führt. Mein Navi fängt erst bei „UHL“ an, die Optionen aufzulisten. Er hatte die Adresse natürlich im Handy, aber das war halt kein normales, sondern so ein teures, dessen fruchtiger Hersteller es für Mehrwert hält, keinen USB-Anschluss zu haben. Natürlich ist es extrem unwahrscheinlich, dass das zusammentrifft: Ein völlig verstrahlter Typ mit leerem Handy und ein Taxifahrer ohne Adapter mit einem Navi, das so bescheuert ist, dass es selbst bei der Uhlandstraße in Berlin zuerst und alleinig (!) an die in Lichtenrade denkt.

Aber hey, ich hatte mit meiner Vermutung recht, wir kamen schnell und sicher an. Und während ich das schreibe, hab ich eben mal versucht, Google zu überreden, mir alle Charlottenburger Straßen mit U zu zeigen. Tja … nee, nicht so wirklich.

Wenigstens der Punkt geht dieses eine Mal also an mich. 🙂

Ende gut, alles gut.

Offenbar ist gerade sowas wie Idioten-Hochsaison. Zumindest hatte ich heute wieder so eine Fahrt, bei der ich rückblickend vielleicht lieber einen Horrorclown gehabt hätte, der mir nach 20 Minuten erklärt, dass das, was er trage, eigentlich gar kein Kostüm sei.

Es hat schon etwas gruselig angefangen, denn in Friedrichsfelde-Ost standen plötzlich drei Männer mittleren Alters in Anzügen um mein Auto und stritten sich. Allerdings auf Vietnamesisch, so dass ich nicht wusste, worum es ging. Einer wollte dann einsteigen und er wollte offenbar nicht, dass einer der anderen mitfährt. Aber sie haben das dann außerhalb des Autos geklärt. Mit ein bisschen mehr Rumschubsen als ich es von Anzugträgern erwartet hätte, aber wirklich was passiert ist auch nicht. Die zwei anderen sind dann gegangen und der kleine Mann im khakifarbenen Anzug entschuldigte sich mit einem tiefen „Sorry“ und bat mich, ihn nach Schönefeld zu fahren.

Gruselig wurde es, als er nach der Hälfte der Strecke schwitzend vornüber kippte. Als ich ihm dabei behilflich war, wieder in den Sitz zu sinken, sah ich, dass sein Hemd rot verschmiert war.

Mein erster Gedanke war natürlich naheliegenderweise, dass der Typ offenbar schwer verletzt war und offensichtlich kurz davor, hier mal eben vom Bewusstsein Abschied zu nehmen. Also hab ich gefragt, ob er verletzt sei, ob ich ihn in ein Krankenhaus bringen sollte. Er verstand mich nicht sehr gut, aber er bestand darauf, zum Bahnhof gebracht zu werden. Obwohl er sichtbar Schmerzen hatte. Hmm …

Eine ganze Weile lang hätte ich schnell in Richtung Köpenicker Krankenhaus abbiegen können, also hab ich mal abgewartet und beobachtet. Gut ging es ihm zwar weiterhin nicht, aber ich hab z.B. schnell gesehen, dass die Flecken auf seinem Hemd zum einen eher doch kein Blut waren, zum anderen aber selbst dann wenigstens nicht größer wurden.

Ich lag damit vermutlich sehr richtig, was aber nur so halb gut war, denn irgendwann fing er dann doch an zu würgen. Hat der sich jetzt echt nur mit seinem Drink besudelt und dann das Erbrechen zurückgehalten, bis es wehgetan hat? So absurd es klingt: Im Nachhinein scheint mir das das Wahrscheinlichste zu sein, denn nach einem wenig würdevollen Stopp in der südöstlichen Berliner Prärie hatte er seine Magensäfte bis hin zu den ersten drei Portionen Galle auf der Straße verloren und die paar Spuren auf dem Seitenschweller hab ich sogar noch neben der Patientenbetreuung sauber machen können. Und danach ging’s ihm vergleichsweise gut. Also 3,5-Promille-gut.

Er entschuldigte sich hundertfach und änderte das Fahrtziel auf einen Bahnhof weiter. Meinetwegen. Dort angekommen war ich erfreut, dass er deutlich ausgenüchtert schien und sofort fragte, was ich bekommen würde. Mit Stopp und Umweg wegen der Zieländerung waren das 33,10€ und wir sind erst einmal beide ausgestiegen, weil er nicht mehr in der Lage war, im Sitzen sein Portemonnaie aus der Hose zu ziehen. Leider erwies es sich auch nach dem Rausziehen als eher leer, woraufhin er gut gelaunt „Fun Minut!“ rief und Richtung Bahnsteig spazieren wollte. Ja nee, schon klar!

Mit einem Klick hab ich das Auto hinter uns verriegelt und ihm scheißfreundlich gesagt, dass ich ihn gerne kurz begleite, wenn er Geld holen geht. Er war auch nicht der geborene Abzocker oder so, er hätte nur binnen 12 Sekunden vergessen, dass er mit dem Taxi hergekommen ist, entsprechend hatte er nun auch gar nix dagegen, dass ich mitkomme. Aber er hatte halt keinen Plan, wohin. Ein Geldautomat jedenfalls war nicht in Sicht. Also hat er notgedrungen nochmal das Portemonnaie begutachtet und dabei mindestens 15 bereits benutzte BVG-Karten wild um sich geschmissen, um einen besseren Überblick zu bekommen. Dann kramte er in einem der Seitenfächer und förderte Geld zutage: Vier Dollar und ein Euro. Kannste Dir nicht ausdenken!

Ich hab also weiter drauf bestanden, mein Geld zu bekommen und das Ganze entwickelte sich dann noch zu einer Art Slapstick-Posse, bei der er jedes Mal nach erfolglosem Suchen noch einmal die vier Dollar in meiner Hand sehen wollte, dabei die Zweier für Zwanziger hielt und frohen Mutes wegspazieren wollte. Aber ich blieb auch ohne böse Worte sehr überzeugend und er versuchte es folglich immer wieder.

Ich hatte die Hoffnung lange aufgegeben und war eigentlich nur noch am Überlegen, ob ich den Hirbel an die Cops weiterreichen soll, da fischt der doch tatsächlich aus der drölften Jackettasche noch einen Fuffi. So schnell hab ich noch nie einem Kunden das Geld abgenommen …

Auch wenn er keine Ansage gemacht hat, hab ich dann doch recht selbstverständlich einen Zehner Rückgeld gegeben und meinerseits meinen Geldbeutel weggepackt. Er hat kurz etwas sparsam geguckt, dann aber doch recht schnell verstanden, dass eine Diskussion darüber, ob er jetzt noch 6,90€ bekommt, vielleicht ein kleines bisschen unangemessen wäre. Ich meine: Mal abgesehen davon, dass er mir technisch gesehen aufs Auto gekotzt hat, hätten wir das Geld locker schon als Wartezeit auf der Uhr gehabt, bis er sein Geld gefunden hatte. Ich bin ja für jeden Spaß zu haben, aber in dem Fall hatte selbst meine Hutschnur schon dezente Risse.

Am Ende war’s mit Abstand die lohnendste Fahrt des Abends. Wobei ich fürchte, dass der Typ jetzt noch irgendwo in einer S-Bahn seinen Rausch ausschläft.

Wer gibt früher auf?

Ich hab’s so oft geschrieben: In Berlin alles zu kennen, ist nicht möglich! Auch für uns Taxifahrer. Es wird immer irgendeine Eckkneipe, irgendeine Straße, ja selbst irgendeinen Club geben, der jetzt gerade in diesem Augenblick diesem einen Taxifahrer  nix sagt. Und das nicht wegen seiner Inkompetenz, sondern weil Berlin fast 900km² umfasst, in denen sich ständig alles ändert.

Aber nun das: Am Bahnhof Friedrichsfelde-Ost. Eine Station der U6, die mit N anfängt und irgendwo in der Nähe von Stadtmitte liegt.

Nope. Sorry.

Aber ich hab ihr zuliebe mein Handy gezückt und nach der U6 gesehen. Nix. Also zumindest nix, was nahe genug war und ihr vertraut vorkam.

Sie wollte weiter suchen, also war ich dabei. Der komplette Linienverlauf? Hier, bitte!

Nope.

Aber sie hatte sich das Hotel abgespeichert. Ob ich Strom für ihr Handy hätte?

Ich dachte, ich hätte, da wir beide ein Samsung unser eigen nannten, aber:

Nope.

Ob sie mal mein Handy haben könnte, um sich bei Hotmail anzumelden? Da hätte sie die Adresse.

Was macht man nicht als kundenorientierter Taxifahrer?

Natürlich hab ich abgecheckt, wohin sie mit meinem altersschwachen S5 hätte rennen können und ob sie mir vielleicht absichtlich einen Zweitaccount bei meiner Lieblingspornoseite erstellt, aber:

Nope. Sie hat die Mail nicht gefunden.

Aber „Hallesches Tor“ sei ihr vertraut. Da seien sie heute schon umgestiegen. Ob ich sie und ihren Freund da hinbringen könnte?

Natürlich!

Nun aber wollte der Freund nicht, der bereits „seriously mad“ ihretwegen sei.

Ob ich ihr noch einmal bei Google-Maps den Stadtplan zeigen könnte. Klar, aber:

Nope. Sie hatte keine Ahnung, wohin sie genau müsste.

„Well, then  sorry! We’ll wait here …“

Worauf oder auf wen sie warten wollte, weiß ich nicht. In dem Fall bin ich mir aber zumindest sicher, dass ich WIRKLICH alles versucht habe und es nicht meine Schuld war, dass das keine Tour wurde.

Kauft das Buch!

Wie kam Sash eigentlich zum Taxifahren? Das beschreibt er in seinem ersten eBook "Papa, ich geh zum Zirkus!".

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Noch ein Blog?

Kleiner Tipp: Sash hat noch einen zweiten Blog, auf dem es auch gelegentlich was zu lesen gibt.

„Was erlaube Zentraaal?“

Ein guter Start ins Arbeitswochenende sieht anders aus. Dass das Auto seit meiner letzten Schicht unbenutzt rumstand und ich somit auch beim guten Sturm-Donnerstag hätte mitmischen können, war das eine. Das wirkliche Problem war, dass die Batterie leer war. Einfach so. Und die ist sogar noch relativ neu.

Aber gut, sowas passiert. Was die Sache wirklich ärgerlich gemacht hat, war, dass mich die Aktion am Ende anderthalb Stunden gekostet hat. Mein erster Gedanke war natürlich auch, einen Kollegen zu rufen, das Ganze schnell für einen Zwanni gefixt kriegen und dann nix wie los. Aus irgendeinem Grund hat mein Handy sich aber lange geweigert, die Zentrale anzurufen. Warum auch immer, schließlich sollte es später noch klappen.

Aber gut, da hab ich als zunächstmal in der Firma angerufen. Ob vielleicht einer von uns ein Starterkabel dabei hat. Nein, aber das war wenig überraschend. Also hat Cheffe die Zentrale angerufen und ein Taxi mit Kabeln bestellt. Ich konnte das live mithören.

Und dann verging eine halbe Stunde.

Das hat mich auch nicht überrascht, denn obwohl irgendein Taxi in Berlin meist in wenigen Minuten vor Ort ist: Dass an einem Tag mit recht hoher Auslastung ein Kollege, der Starthilfe geben kann, gerade in Marzahn nicht verfügbar ist, verstehe ich. Dann aber hab ich mal nachgefragt. Erst bei Cheffe und als der nix gehört hatte, hab ich (dieses Mal erfolgreich) selbst beim Taxi-Funk angerufen. Und dann kam was, was ich schon von einigen Kunden gehört hatte, aber immer ein bisschen skeptisch war:

Sie haben mir gesagt, dass kein Taxi verfügbar ist.

Das an sich: Traurig, aber es passiert mal. Nur wieso zur Hölle melden die einem das nicht noch einmal? Ich meine, auch wenn so etwas natürlich eine unschöne Kontaktaufnahme ist – der Frust der Kunden wird nicht gerade kleiner dadurch, dass sie die ganze Zeit glauben, ihre Bestellung hätte geklappt!

Ich weiß, dass das gar nicht so leicht ist. Denn die eigentliche Vermittlung findet erst nach dem Telefonat statt. Und wenn sich kein Kollege findet, kann die Zentrale daran nichts ändern. Und vielfach haben sie vielleicht gar keine Telefonnummer vorliegen, könnte ich mir vorstellen. Aber dann muss man doch die Abläufe ändern! Das ist ja kein Randproblem wie vielleicht eine ungenaue Angabe, wann das Taxi genau kommt. Gerade wenn man ein Taxi ruft, sind die paar Minuten, die man gewinnt, wenn man schnell weiß, dass es nicht klappt, doch wertvoll, weil man dann schneller umplanen kann. Und Hell yeah, auch wenn das heißt, dass der Auftrag an die Konkurrenz verloren geht, ist das doch wohl essentieller Bestandteil so einer Dienstleistung, ein Nichtzustandekommen auch zu kommunizieren!

Ich stell mir gerade vor, irgendwo Schuhe zu bestellen, nach zwei Wochen mal nachzufragen und die sagen mir unironisch und ohne Entschuldigung: „Ja nee, hatten wir nicht da.“ Das geht doch nicht!

Für mich war’s nur ein bisschen Zeitverlust. Am Ende hat sich doch unser Hausschrauber Jürgen auf den Weg gemacht und mir mit seinem Privatwagen Starthilfe gegeben. Hat halt nochmal eine Dreiviertelstunde gedauert.