Richtung Berlin

Mir stieg ein Mann am Bahnhof Marzahn ins Auto ein. Sein Ziel war die Möllendorffstraße, das war soweit kein Problem. Die Nummer sollte die 71 sein, was mir natürlich nix sagte. Da die Möllendorffstraße in jede Richtung zwei bis drei Spuren besitzt, in der Mitte eine Straßenbahn verkehrt und stellenweise sogar noch zusätzliche Nebenfahrbahnen existieren, hielt ich es für eine gute Idee, rauszufinden, auf welcher Seite die Nummer liegt.

„Das ist, wenn wir in Richtung Berlin fahren, auf der rechten Seite.“

Aha.

Mir ist schon klar, wie das gemeint war. Richtung Zentrum halt. OK. Aber hier mal eine (nicht einmal vollständige) Karte von Berlin, auf der ich den Verlauf der Möllendorffstraße in rot markiert habe:

Möllendorff Richtung Berlin, Quelle: Google Maps

Alles klar?

Was „kurzes“ zwischenrein

Ich hab gerade stressige zwei Wochen ohne freien Tag – auch wenn ich den Knirps nicht mitzähle und nur am Wochenende Taxi fahre. Das früher übliche After-Work-Blogging muss gerade früheren Bettzeiten weichen und ich weiß auch noch nicht so recht, wann ich das nachholen kann. Kommt aber. Hier nun aber noch schnell die Impression einer Kundenroute, ein Träumchen. Insbesondere, weil’s Arschlöcher waren:

„Fährste uns Harmonie? Kennste kürzesten Weg?“

„Ich bin noch am Überlegen, aber ich glaube ja.“

„Egal, zeig ick Dir!“

„We took the scenic route.“ Quelle: maps.google.com

Meine Strecke wäre 8,5 km lang gewesen.

Unschlagbare Argumente

„Lea-Grundig 42? Da muss ich, wenn ich in der Lea …“

„Sie können auch hier erst einmal auf die Landsberger fahren.“

„Ähm … das ist aber ein ziemlicher Umweg.“

Solche Dialoge passieren oft. Zumindest mir, weil ich ja gerne um den kürzesten Weg bemüht bin. Aber die beiden Damen überraschten mich mit einer fast schon entrüsteten (allerdings wirklich nicht böse gemeinten) Reaktion:

„Ja und? WIR bezahlen das ja auch!“

Na dann … 🙂

Wenn man die Kumpels einlädt, sie heimzubringen …

Kürzester Weg! Quelle: google maps

Mit Trinkgeld eine 50€-Tour. Im Übrigen mit sehr nettem Nicht-nur-Smalltalk eine angenehme Fahrt. Und jetzt stellt Euch vor: Beinahe wäre da entweder noch eine zwanzigminütige Wartezeit zwischendrin angefallen oder ein „kleiner Umweg“ in Richtung Friedrichshain. Nur eines davon und es wäre die vermutlich lukrativste Tour innerhalb der Stadtgrenzen in bald neuneinhalb Jahren geworden. Am Ende war dem Kunden aber bewusst, dass das dann „doch ein bisschen unsinnig“ gewesen wäre.

„Einfach geradeaus …“

Ich dachte, ich kenne so langsam alle Strecken in Berlin, bei denen „Einfach geradeaus“ eine eher ungute Idee ist. Aber dieser Kunde hatte mich erwischt. OK, es lag auch daran, dass er den Zielort nur ungenau benannt hat, aber immerhin. Von Friedrichsfelde nach Weißensee, Pistoriusstraße. Als ich auf die Hauptstraße links abbog, fragte er kritisch:

„Ach, Du willst nich‘ hier über die Umgehungsstraße?“

Ich hatte das nicht einmal in Erwägung gezogen. Aber gut, ein Blick auf den Stadtplan:

Meine kürzeste Strecke. Quelle: Google Maps

Was der Kunde im Kopf hatte. Quelle: Google Maps

Aber auch ihm fiel vor dem Ziel bereits auf:

„Ach, wir sind schon hier? Du, dit haste aber … nee ehrlich, haste jut jemacht!“

PS: Ja, ich hab die Bilddateien beim Erstellen falsch beschriftet, es ist trotzdem so herum wahr. 🙂