Elchtest light

Erinnert sich hier noch jemand an den „Elchtest“?

Hach, wieder was, was inzwischen bei Twitter mit dem Hashtag #wannafeelold gepostet wird. Der Elchtest war mal ein Ding vor 20 Jahren und die, die dabei waren, wissen das halt noch. Neben all den Witzen damals hat kaum jemand das sonderlich ernst genommen. Außer den A-Klasse-Fahrern, die dann in der Kneipe einen kippen gegangen sind. 😉

Und dann fahre ich gestern in Rudow eine Straße entlang, vor mir biegt ein entgegenkommendes Auto links ab und bleibt dann unerwartet auf meiner Spur stehen.

„Jesses!“,

entfuhr es meiner Kundin, als ich dann doch eher überraschend auswich.

Wir waren eher bei 40 km/h, die 2140 steckte das locker weg, alles ok. Aber sowas passiert eher selten. Vielleicht, weil die Anzahl der Elche in Rudow begrenzt ist.

„Der hat Auspuff!“

An der Tour konnte mir nachdem ich es hingekriegt hatte, die Seniorin samt Rollator an der einzigen einspurigen Stelle in Friedrichsfelde einzuladen, eigentlich alles nur gefallen:

Sie war mittellang, ich kannte die Straße, sogar ihre Seniorenresidenz, einen guten Weg dorthin und der Verkehr war abgesehen von den hupenden Leuten hinter mir kaum noch vorhanden. Und so startete ich gelöst und wir hatten schnell ein Gespräch am Laufen.

Thema: Früher war alles besser!

Hat man in Berlin in unterschiedlichster Ausprägung öfter. Von „Als sie im Sisyphos noch nicht so viele Touris reingelassen haben, das war noch Berlin!“ bis hin zu „Vor’m Krieg war das mal’n ganz ruhiges Viertel hier!“.

Meine Kundin mäkelte an Jugendstilfassaden rum, dass sie jetzt überall diese hässlichen Häuser hinbauen. Es war wirklich schwer einzuordnen, wie fern jenes „Alt-Berlin“ war, das sie sich gerade zurückwünschte.

Aber sie wandte sich auch aktuellen Problemen zu und bemerkte:

„Was se da mit die Autos machen, ganz schlimm! Geht immer um Geld! Darfste ja nüscht mehr fahrn! Kiek ma, er hier!“

Sie deutete auf einen BMW vor uns. Ein Dreier.

„Der dürfte hier gar nicht fahrn! Is illegal, weil der hat Auspuff!“

Immerhin: Offenbar konnte sie auch in die Zukunft sehen. Wobei das außerhalb der Umweltzone noch eine reichlich ferne Zukunft sein dürfte. Ich hab artig verschwiegen, dass mein Auto auch Auspuff hat, aber ich bin ja auch bald weg. 😉

Auf geht’s noch einmal!

Nun ist es also da: Das letzte Wochenende im Taxi.

Uff.

Es fühlt sich immer noch komischer an als es sollte. Aber obwohl ich letzte Woche noch einmal nette Leser im Auto/am Stand hatte, ist es nicht so, dass ich nicht überzeugt wäre, das richtige zu tun. Es ist für mich gerade nicht drin, erst um 5 Uhr von der Arbeit zu kommen und dann noch mal anderthalb Stündchen vor mich hinzubloggen. Es ist übergangsweise ok, dass ich morgens noch schlafe, aber ich hab mich jetzt auch schon daran gewöhnt, dass mir unser kleines Spätzle schon eine halbe Stunde vor dem mittäglichen Wecker ins Bett gelegt wird und ich nehme das nunmal ernst, dass man für den Job ausgeschlafen sein sollte. Zumindest weitestgehend.

Schlimmer wiegt aber, dass ich gerade nicht einmal Lust auf die Zufallsbegegnungen mit der Kundschaft habe. Hey, ich kann immer noch über den Frosch lachen, aber Kneipenkundschaft? Noch ein paar amerikanische Touris? Für 8 Euro netto? Ich hab erst eine Auszeit dazu gebraucht, aber ich hab das Spiel durchgespielt und auch GNIT darf eigentlich gerne mal ein paar begabteren Nachwuchsschreibern hinterm Lenker weichen.

Und trotzdem fühlt es sich an, als wäre das Leben zu Ende. Einfach so eine tiefe unterbewusste Angst.

Dabei hab ich abgesehen vom Vatersein schon noch ein paar Dinge vor. Vielleicht ein Umzug. Und ich hab die Idee, vielleicht irgendwann mal einen Kiosk oder Späti aufzumachen – falls mir da jemand mit Ahnung Tipps geben kann, gerne per Mail. Und im Elternblog lege ich dann auch nächste Woche so richtig los. Und weil ich überall gefragt wurde: Es gibt da inzwischen sogar eine Feed-Adresse:

Und wer weiß, was noch passiert. Manchmal rechnet man ja auch gar nicht mit dem, was dann wirklich kommt. So bin ich schließlich auch im Taxi gelandet. 😉

Wie das Wochenende genau laufen wird, weiß ich noch gar nicht. Der Kollege, mit dem ich mir die letzten Wochen das Auto geteilt habe, ist im Urlaub, das Auto an der Firma. Vielleicht kriege ich ein anderes, das ist alles noch nicht ganz klar. Wäre ja auch eine Überraschung gewesen, wenn am letzten Wochenende alles normal laufen würde. Aber derzeit ist alles, worauf ich hoffe, dass nochmal zwei bis vier nette Einträge zusammenkommen während der Zeit. Verzeiht mir, wenn die etwas melancholisch werden sollen, man gibt nicht jeden Tag einen Beruf auf, den man 10 Jahre lang gemacht hat.

Was man nie zu schätzen lernt

„Wow, your English is impressive.“

„Ah, that’s just training with all my customers, I always got bad grades in English.“

„But you learned it in school?“

„Yes. Most of us germans do so.“

„…“

„Many of us also learn a second foreign language.“

„Then I guess we in Australia are just lazy as fuck. We don’t learn anything else than English.“

Ich glaube, wir wissen gar nicht genug zu schätzen, was uns Fremdsprachen bringen. Und mal ganz ehrlich: Sich im Taxi mit australischen Kunden unterhalten zu können steht wirklich ganz weit unten auf der Liste der Möglichkeiten, die einem das eröffnet.

Die guten Touren

Es gibt sie noch, die guten Touren. Von Außenbezirk zu Außenbezirk, nur Hauptstraßen, so dass eine 30€-Tour keine 30 Minuten dauert. Als unverbindlicher Spontanauftrag kurz vorm An-die-Halte-Rollen. Und dann:

„Wo kommst Du her?“

„Also hier wohne ich direkt ums Eck, aber eigentlich komme ich aus Stuttgart.“

„Einer aus’m Ländle!?“

„Und Du?“

„Fellbach.“

„Wo da genau?“

„…“

Seine  Freundin war längst abgeschrieben. Wir sprachen über die wenigen coolen und die vielen uncoolen Ecken der „Stadt“, wann wir wo unterwegs waren. Da er zehn Jahre jünger war als ich, hatten wir ganz unterschiedliche Koordinaten, aber das hat’s um so witziger gemacht. Vorerst zieht’s mich nicht in den Süden zurück, aber mit Leuten mit dem selben Background zu quatschen, hat immer noch was. 🙂

Der erste Fahrgast

*Trommelwirbel*

SCHBIN WIEDER DA!

So. Zurück aus der Elternzeit. Oder besser gesagt so halb, denn seit drei Tagen bin ich offiziell nur in Teilzeit beschäftigt wegen Elterngeld+. Aber das ist hier jetzt ja auch egal. Da die Fragen kommen werden: Es geht der ganzen Familie gut und dem kleinen Spatz fehlen keine 130 cm mehr, bis er größer ist als ich. Guter Start.

Gut war der Start auch gestern Abend, zumindest wenn man etwas Vorgeplänkel mit vergessenem Portemonnaie und so abzieht. Ja, ich weiß – aber man kommt halt echt nicht oft erst nach vier Monaten wieder zurück zur Arbeit und ich bin ehrlich gesagt schon ein bisschen stolz, dass ich keine Anleitung fürs Taxameter gebraucht habe.

Ja, gleich der erste Fahrgast vom Bahnhof Friedrichsfelde Ost zur Metro war in gewisser Weise etwas speziell:

Ein „Fahrgast“. Quelle: Sash

Jepp. Ein Schlüsselbund.

Und der Typ, der mich gebeten hat, den Schlüssel zu transportieren, war sich seiner Sache deutlich unsicherer als ich. Für mich war klar, dass ich selten so eine stressfreie Fahrt haben werde. Aber ich wurde später nochmal angerufen, mein Nummernschild wurde fotografiert, das ganze Programm. Und am Ende wurde mir versprochen, dass das nächste Mal gleich ich angerufen werde. 🙂

Da der Schlüssel zu einem Lieferwagen gehörte, war das halt wohl schon alles recht wichtig, aber mal im Ernst: Das sind Menschen ja auch immer. Für mich war’s wirklich nur ein „OK, dem kann ich wohl nix von meiner Elternzeit erzählen“. Das Geld gab’s im Voraus und das mit dem Trinkgeld hat dann der glückliche Schlüsselempfänger übernommen. Und natürlich war’s schneller und günstiger als wenn der Typ mitgefahren wäre und dann wieder zurück.

Und ich finde es auch ok, wenn Leute bei so Randbereichen der Taxidienstleistung etwas unsicher sind. Ich glaube, ich bin gar nicht so schlecht darin, Dinge zu erklären. Manchmal mache ich das ja sogar schriftlich. 😉

Serienkillerin. Das Übliche.

Kneipenauftrag in Marzahn, aber man tut als Taxifahrer ja, was man kann. Das stark alkoholisierte Pärchen kommt mir schon entgegengetorkelt, es läuft eigentlich gut. Die Zieladresse kenne ich so auf etwa 500 Meter genau, passt also auch.

„OK, die X-Straße. Also ich würde sagen, der kürzeste Weg müsste …“

„IS EJAAAL! FAHR EINFACH!“

Es ist nicht so, dass ich solche Freibriefe nicht zu schätzen wüsste, aber es gab durchaus zwei potenzielle Routen. Immerhin war seine Freundin eine helfende Stimme:

„Hier rechts, dann links. Hören Sie auf die Frau auf der Rückbank, besser nicht auf ihn.“

„Jetzt wo Sie es sagen: Scheint mir eine vernünftige Wahl zu sein!“

🙂

Ich hüte mich sonst ja sehr davor, bei Pärchenansagen parteiisch zu sein, aber hier gab es halt ein Promillegefälle von mindestens 1,5. Der Freund wollte dann unterwegs noch zu einer (bereits geschlossenen) anderen Kneipe, wusste am Ziel nicht einmal, dass er nicht in jener Kneipe angekommen ist und musste aus dem Auto gezogen werden. Mit seiner Freundin indes hab ich mich recht nett über die Schwierigkeiten mit besoffener Kundschaft unterhalten können, denn sie war Barkeeperin und dass sie mit ihm unterwegs war, kann ich bloß so interpretieren, dass es keine Fiktion ist, dass in seltenen Ausnahmefällen wirklich mal vorkommt, dass Generalverschmandete die hübsche Bedienung abschleppen.

„Keine Sorge, er ist sonst schon eher hilfreich …“

„BINSCHIER IM OCHSEN?“

„Nein, Schatz.“

„BINSCHIER SUHAUSE?“

„Das ist doch jetzt egal.“

Ich hab eingeworfen:

„Ich hoffe doch, dass das Ihr Zuhause ist, sonst hab ich Sorgen, wobei ich hier gerade helfe.“

Und sie, eiskalt:

„Ich bringe ihn jetzt in meinen Keller und morgen entsorge ich ihn dann stückchenweise.“

„SCHMUSSIN KELLER?“

„Nein Schatz, alles ok … machen Sie sich keine Sorgen, Herr Taxifahrer!“

Ich bemühe mich. 😀