„Kriegen wir alles hin …“

Ich war fünfter am Stand, aber nur zweiter auf der ersten Nachrücke. Aber siehe da, kaum dass zwei laute junge Kerle dem Kollegen vor mir drohten, einzusteigen, zog der plötzlich vor, um zu den ersten aufzuschließen. Ich zog nach und beobachtete die potenzielle noch rauchende Kundschaft etwas argwöhnisch, aber im Grund sahen sie nett aus.

Wie sich herausstellte, waren sie das auch. Einer von ihnen sprach brauchbares Englisch, der Andere – und das war eher das Problem – ein sehr sehr mangelhaftes Deutsch. Ihm nach sollte es zur „Ossda-Straß“ gehen, nur kurz ums Eck. Da mich das ans Ende meines Lateins brachte, hatte ich umgehend einen netten Typen am Telefon, der sagte, es ginge zum Hotel am „Fronsnommplatz“.

WTF?

„Kennst Du Fronsnommplatz wacht?“

„Nein?“

Es hat mich nur wenige Minuten bei noch nicht laufender Uhr gekostet, herauszufinden, dass es um den Franz-Neumann-Platz geht, der nun wirklich genau NICHT ums Eck liegt. Das ist jetzt kein Problem an sich gewesen, zumal es sich bei den beiden um zwei Palästinenser handelte; da ist das mit der Aussprache schon verständlich. So weit, so gut.

Nun war es aber so, dass der Typ neben mir mich ständig mit dem zutextete, was er für Deutsch hielt. Klingt böser als es gemeint ist, aber ich musste eben sehr sehr genau hinhören, um auch nur ansatzweise zu verstehen, was genau er meinen könnte. Und er redete eben nicht übers Wetter, sondern versuchte mir munter drauflosplaudernd mal eben eine Lösung für den Nahostkonflikt abzuringen oder ihm zu erklären, wie es sich in Deutschland mit der Namensgebung von Kindern verhält, wenn er und seine deutsche Frau nicht einen gemeinsamen Namen annehmen würden. Da würde ich auch einem Hannoveraner nicht helfen können, während ich mir gleichzeitig den Kopf darüber zerbreche, wo an besagtem Platz ein bestimmtes Hotel ist und ich mich nebenher auf die Straße konzentrieren muss! Zumal ich zeitgleich auch zur „Ossda-Straß“ fahren sollte.

Und dann dauerte die Fahrt ja auch noch zu lange und deswegen musste wieder der Kumpel angerufen werden, weswegen ich dann während der Fahrt das Telefon in die Hand gedrückt bekam und der Kumpel hinten wie ein unzufriedener Kiffer hier und da Unmutsbekundungen ausstieß. Und ja: Zusätzlich zu der Nahostkonfliktlösung und ohne auch nur eine stille Sekunde!

WAH!

Abgesehen von der unklaren Identität des besagten Hotels hab ich die beiden wohl weitestgehend zielsicher abliefern können. Zwischen „Deutsche Bank“ und „Sparkasse“ sind 10 Meter inklusive einer verkehrsberuhigten Straße, so falsch sollte ich mit dem mittigen Stopp auf selbiger nicht gelegen haben. Das mit der „Ossda-Straß“ und dem ungeduldigen Kerl am Telefon ließ sich auch klären: Meine beiden Helden hätten offenbar bis zur Osloer Straße mit der U-Bahn U8 („wacht“) fahren sollen, von wo aus es nur ums Eck sein sollte und auch gewesen wäre. Dass ich sie stattdessen am Ostbahnhof (klingt ja quasi gleich) eingeladen hatte, war am Ende das eigentliche Problem, nur wusste einfach keiner der vier Beteiligten zu Beginn der Fahrt darüber Bescheid. Alles gut also.

Aber ja: Zwischendrin musste ich auch mal lauter werden, weil alle drei meinten, mir gleichzeitig irgendwas wichtiges erzählen zu müssen. Der am Telefon quakte „Fronsnommplatz“, der hinter mir „Ossda-Straß“ und der neben mir wollte wissen, was ich von der Zwei-Staaten-Lösung halten würde.

Ich glaube an dieser Stelle sagen zu können, dass es nicht unbedingt pathologischer Defizite bedarf, um als Berliner Taxifahrer an dem Punkt auch mal lautstark um Ruhe zu bitten. Selbstverständlich ergänzt um den Überschrift gewordenen Hinweis „Kriegen wir alles hin …“.

😀

Man sieht sich immer zweimal …

Trotz aller guten Vorsätze: Was für ein Jahresbeginn!

Der Januar hat härter zugeschlagen als jemals zuvor, ich kann mich zumindest nicht erinnern, wann ich das letzte Mal nach drei Stunden erst eine 8€-Tour zu verzeichnen hatte. Aber egal, nach der zweiten Tour konnte ich ohne Umwege unsere Packstation ansteuern und vielleicht gleich mal kurz ein Paket nach Hau … oh, Winker!

300 Meter vor der Haustüre, am Bahnhof Marzahn. Ein Pärchen. Weit sollte die Tour nicht gehen, es wäre eventuell für eine Kurzstrecke gegangen (wobei ich diesmal mehr denn je froh war, dass sie nicht danach gefragt haben), ein Stück weiter südlich. Auf halbem Weg dann kamen sie ins Diskutieren auf Russisch und ohne dass ich verstand, was genau Sache war, wurde ich gebeten, umzudrehen und das inzwischen eher streitende Paar wieder zum Ausgangspunkt zu bringen. Da mir der Endpunkt ohnehin egal war und er jetzt zudem noch näher an meinem Zwischenstopp Zuhause lag, gab es daran nix auszusetzen. An 2,70€ Trinkgeld ebenfalls, mal abgesehen davon, dass ich nun bei 30€ Umsatz schon den zweiten Fuffi bekommen habe.

Wie meistens unwissend, was ich gerade gemacht habe, bin ich heimgefahren. Paket abliefern, etwas reden, zwei Zigaretten, Ozie ins Bett bringen. Wenn man so will: Pause.

Eine halbe Stunde später habe ich eine sehr große Runde um den Block gedreht und bereits an der zweiten von acht potenziell aussichtsreichen Stellen Winker bekommen. Und wie sie da auf die Straße rennen, erkenne ich: Es ist das Pärchen von eben.

Ich würde jetzt gerne erklären können, was da passiert ist, aber ich hab keine Ahnung. Die beiden waren erfreut mich wiederzusehen, gaben die selbe Adresse an wie zuvor und wir fuhren dieses Mal auch bis dorthin. Die quasi eben gegebenen 40 € Rückgeld waren inzwischen wohl vernichtet (wo auch immer man das in Marzahn in 30 Minuten schafft!), also hielt ich vor der Tür und die Dame ging hoch, um Geld zu holen. Und ich Idiot habe die Uhr gestoppt.

Der als Pfand dagelassene Typ konnte wirklich kaum Deutsch. Er bestätigte mir nur hier und da, dass „alles ok“ sei und hat dabei sein etwa 20 Jahre altes Handy als eine Art Handschmeichler durchgenudelt. Dann ein Anruf von irgendeinem Typen, dann kam die Frau wieder runter. Mein Pfand ging zu ihr, sprach mit ihr, kam wieder zurück und verkündete ungefähr folgendes:

„Alles ok, sofort. Diese Frau etwas krank.“

Als ob das irgendwas erklärt hätte. So langsam nervte es mich, da mehrere Minuten unbezahlt rumzustehen. Neben dem Handybegrapschen hat er aber auch mal einen Blick auf die Uhr geworfen und hat just während uns langsam das erste Auto in der engen Einbahnstraße auf die Pelle gerückt ist, gefragt:

„Alt-Marzahn. Wenn kommen, Du bringen eine Frau für zwanzig?“

Um es verständlich (?) zu machen: Ich musste erst umparken und dann eine völlig andere Frau ohne Begleitung auch nur einer der beiden bisherigen Protagonisten zu einer anderen Adresse bringen. Und nein, natürlich nicht Alt-Marzahn, das wäre zu einfach gewesen. Das diente als Ansage nur, um wenigstens eine der vier Himmelsrichtungen auszuschließen.

Da die Uhr zwischendrin viel zu lange stillgestanden war, ist auch aus dem Zwanni nix geworden, da am Ende nach fast einer halben Stunde trotzdem nur 14,30€ angezeigt wurden und ich sie großzügig mit 15 beglichen bekam.

Was meine Fahrgäste im Laufe der Stunde alles erlebt haben: Keine Ahnung, aber es schien irgendwie spannend gewesen zu sein. Was ich erlebt habe? Vermutlich sowas wie den Prototypen einer Januarschicht.

Das Ende vom Anfang

Ich hatte schon geschrieben, dass das Besondere an der Silvesterschicht dieses Jahr war, dass ich das Auto pünktlich um 7 Uhr abstellen musste. Bisher waren die Taxis, die ich da gefahren hab, am ersten Januar tagsüber unbelegt. Ist ja auch nicht der typische Arbeitstag – was auch logisch ist, weil man davon ausgehen kann, dass ein Tagfahrer, der an Silvester nicht in den Abend reinfährt, wohl eher reinfeiert und … nun ja, die Sache mit dem Restalkohol und so.

Aber mein Eintags-Tagfahrer hatte schon zuvor verkündet, dass er weder fährt noch feiert:

„Oropax, fertig. Bin ja nich‘ bescheuert.“

Also pünktlich um sieben Feierabend, ich bin ja nicht alleine auf der Welt.

Die Schicht lief besser als alle Silvester davor. Nicht, dass je eines schlecht war, aber in den ersten Stunden nach 1 Uhr habe ich meinen letztjährigen Rekordschnitt nochmal um 10 – 20% übertroffen. Damit wären die drei Scheine dringewesen. Um 6.02 Uhr hatte ich 254€ beisammen und stand in Friedrichsfelde keine 300 Meter vom Abstellort entfernt, weil ich rangewunken wurde, und die beiden Fahrgäste sich erst einmal sammeln mussten. Ein völlig betrunkenes Pärchen, aber vom ersten Einschätzen her ganz nett. Vielleicht ein Jahrzehnt älter als ich und locker drauf. Nur Geld müssten sie vielleicht erst am Ziel aus der Wohnung holen.

Kein Problem, blieb ja eine Person als „Pfand“. 😉

„Wo soll’s denn hingehen?“

„Scharnweberstraße.“

„Welche denn?“

„Na, zeigen wir Dir. Alles kein Problem wegen der Nummer und so. Und ich bleib im Auto, wir haben ja Geld, mehr als genug …“

„Ich meinte …“

„Ja, fahr erst mal Richtung Reinickendorf!“

Och nö!

Also nicht falsch verstehen: Eine super 30€-Tour durch die halbe Stadt. Aber abgesehen von unerfüllbaren Umlandfahrten der Worst Case. Ich hatte keine Zeit und es war immer noch die Silvesterschicht. Mit etwas Glück hätte ich schneller dreimal eine 10€-Tour machen können, noch dazu nicht bis an den Arsch der Welt von hier aus gesehen. Es war klar, dass ich da mit ausgeschalteter Fackel schnell den Rückweg würde antreten müssen. In dieser einen Schicht schlicht verschenkte Zeit.

Aber es kam noch schlimmer. Erst verschworen sich alle Ampeln des noch jungen Jahres 2017 gegen mich, dann fing die Kundschaft plötzlich an zu planen, dass es danach noch weitergehen solle. Und nein, leider nicht einfach zurück, sondern zum Ku’damm. Völlig unmöglich. Ja, nochmal ein paar Euro mehr, aber einfach nicht zu schaffen, wollte ich wenigstens halbwegs pünktlich sein.

Ich halte nichts davon, an Silvester wegen der plötzlich überlegenen Position als Taxifahrer das Arschloch raushängen zu lassen oder die Beförderungspflicht zu ignorieren, aber ich hab ihnen deutlich machen müssen, dass das nun wirklich nicht passt und ich die Tour auch gar nicht noch angenommen hätte, wenn ich gewusst hätte, dass sie noch länger wird. Das mag eine sehr dunkelgraue Zone in Sachen Gesetzesauslegung sein, aber was soll man machen, wenn sich quasi Beförderungspflicht und betriebliche Arbeitsanweisung (im weitesten Sinne) widersprechen?

Und meine Begeisterung für die Kundschaft hatte zu dem Zeitpunkt auch schon schwer gelitten, nachdem sie mir inzwischen haarklein erzählen mussten, dass sie gerade locker ein Monatsgehalt von mir bei der Party verprasst, leider auch nur das dreifache meines Einkommens hätten und dass dieser unglaubliche gesellschaftliche Missstand natürlich an den Ausländern läge. Gut, sie waren auch Polen, „aber die richtigen Ausländer, Sie wissen schon!“.

Am Ende bin ich sie halbwegs freundlich am ursprünglichen Ziel losgeworden und hab bei meiner leeren Rückfahrt (die kaum zwei Drittel der Hinfahrtzeit kostete) bewusst ausgenutzt, dass ich in einem Auto sitze, das mit meiner Anwesenheit bis dato ohnehin nur eine unbedeutende fünfeinhalbstündige Nichtraucherpause eingelegt hatte, vermutlich die längste in 2017.

Am Ende war das alles noch sehr hektisch und trotz aufgesetzter Kollegialität hab ich meinem Tagfahrer auch nicht abgenommen, dass er mir die drei Minuten Verspätung nicht übel genommen hat. Zu der Chose sei echt nur ein „Fuck it!“ in den Raum geworfen, die Kiste unter den Umständen werde ich mir nicht noch einmal antun, auch nicht für diese besondere Schicht.

Ansonsten war Silvester toll, ganz ehrlich. Und ich bereue im Nachhinein auch nicht die Putzaktion oder sonstwas. Das haben der gute Umsatz in den paar Stunden und die sonst überwiegend sehr tollen Fahrgäste alles mehr als wettgemacht. Es war ein prima Start ins neue Jahr, nur am Ende etwas hektisch und nervig. Sollte das auch das Fazit fürs Jahr selbst werden: Meinetwegen gerne!

Was man halt auch so macht

Humpelnder Typ am Ostbahnhof. Fragt mich nett, ob ich schon lange gewartet hätte, weil er nur zur Mercedes-Benz-Arena will. Ich, zu dem Zeitpunkt Dritter, bin wie immer nett und sage zu, dass das kein Problem sei. Isses natürlich von der Sache her auch nicht. Kurze Touren, passiert halt.

Dann aber sieht er, dass ich noch etwa 1,3 Züge an meiner Kippe übrig habe und beschließt:

„Na komm, wir rauchen noch auf!“

… und zündet sich eine an.

Kurze Fahrten sind das eine, darauf warten ist aber eine Spur härter. 🙁

Leider kam es noch besser: Er war angepisst. Und zwar richtig. Schon während ich wartete, bis er aufgeraucht hatte, hat er mir erzählt, dass ihn ein Kumpel im Unklaren hat sitzen lassen. Er käme „gleich“, allerdings ohne nähere Angabe, wie z.B. ob er nun trotz verpasstem Zug bereits Hannover hinter sich gelassen hat.

Den Ärger meines Fahrgastes konnte ich verstehen, wartete er doch nun bereits seit Stunden, obwohl er die beiden Karten für die Onkelz mit dem Gegenwert zweier ganz guter Taxifahrerschichten bei sich trug und das Konzert seit einer Stunde lief, während sein Kumpel sich nach einem ominösen „gleich“ melden wollte.
Auf der anderen Seite war’s eine 5,50€-Tour mit einem Onkelz-Fan, der nix außer rumnölen konnte und mich auch noch warten ließ.

Es ist echt nicht so, dass ich inzwischen auch zynisch und verbittert bin, um Gottes Willen! Aber am Ende hab ich mich hauptsächlich darüber freuen können, dass mein Abend wenigstens besser war als der meines Fahrgastes.

Hausnummernsalat

Taxicontent ist die Woche wenig angefallen. Und nachdem am Montag Weihnachtsfeier war, hab ich mich an den Rest auch nicht mehr erinnert. 😉

Beim Überlegen, wie ich mich hier zurückmelde, sind mir die Zigaretten ausgegangen, ich bin kurz raus und als ich wieder reinkam, hatte ich das Bedürfnis, mich über Adressenplanung zu beschweren. Denn vor meiner Haustüre stand ein verstörter Lieferant, der den Eingang, bzw. die Klingel zu unserem neuen Café im Haus nicht gefunden hat. Was kein Wunder ist, denn es residiert zwar unter unserer Hausnummer und liegt schräg unterhalb meines Zimmerfensters allerdings sind mein Zugang und der zum Café 150 Meter voneinander entfernt, weil selbiges auf der Rückseite des Wohnblocks liegt, es keine Lieferanfahrt hat und man deswegen einmal ums Haus in die Fußgängerzone muss. Und Ansagen wie „Die Nummer kenn ich nicht, aber is’n Café …“ hab ich auch schon gehört. Da stehste morgens um 5 Uhr ziemlich blöd da, wenn nicht gerade der ortsansässige hauptberufliche Auskenner Kippen holen ist.

Und ich hatte neulich auch so eine (wenn auch kurze) Suche: Die Lea-Grundig-Straße hier direkt ums Eck. Wenn man sich das gemütlich auf einer Karte anschaut, dann erkennt man schnell, dass sie dem Teil der Straße, der nur einseitig bebaut wurde, aufsteigende gerade Hausnummern gegeben haben und zusätzlich dem nördlichen Block, der von drei Seiten Lea-Grundig heißt, zur Abgrenzung ungerade Zahlen. Wenn man aber, und das war bei mir die Woche der Fall, auf der Suche nach Nummer 49 frohgemut von Anfang an die Straße geradeaus entlang fährt, ergibt sich folgende „fortlaufende“ Nummerierung:

2, 4, 6, 8 […] 44, 46, 48, 50, 52, 53, 51, 49, 47, 45.

(Hier eine Karte mit Haus-Nummern, bei der allerdings der betreffende Straßenteil fälschlich schon zur Mehrower Allee gezählt wird)

Was bitte muss man rauchen, um auf die Idee zu kommen, dass nach der 52 noch ein Block mit den Nummern 53 bis 45 kommt? Und das wäre noch bei weitem nicht alles, was mir zu den Nummern dort einfallen würde. Ich bin nur weitergefahren, weil ich’s im Grunde aufgegeben hatte und Zeit brauchte, um das Navi zu programmieren. Bei sowas ist man um die Dinger froh, aber wie man am Lieferanten heute gesehen hat: Vor allen perfiden Ideen schützt einen das auch nicht.


PS:
In solchen Fällen ist man auch als Taxifahrer froh, wenn die Leute sich vor Ort auskennen oder entsprechende Hinweise bei der Bestellung geben. Bei der Fahrt in die Lea-Grundig hatte ich das Navi zu Beginn nur deshalb nicht an, weil ich eine Kundin heimgebracht habe. Dass sie dort erst drei Tage wohnt und noch nie von Süden aus in ihre Straße gefahren war, hab ich dann erst bei Nummer 38 oder so erfahren. 🙂

Tierpark Marzahn

Eigentlich waren sie schon vorbeigelaufen, dann aber kamen sie zurück: Drei lustig angeheiterte Russen am Bahnhof Friedrichsfelde-Ost.

„Moin, wo darf’s hingehen?“

„Tierpark Marzahn.“

WTF?

OK, wir haben hier in Marzahn nächstes Jahr die IGA, da hätte es mich nur wenig verwundert, wenn dafür auch ein Zoo gebaut würde. Ich meine: Wer bei maximal 100 Meter hohen Bergen eine Seilbahn installiert, dem ist alles zuzutrauen!

Der gemeinhin bekannte Tierpark einerseits und Marzahn andererseits sind von Friedrichsfelde-Ost aus eben zwei entgegengesetzte Richtungen. Aber so sollte es wohl sein. Zwei Leute am Tierpark absetzen und dann nach Marzahn. Und hey, ich hatte eh genug an diesem Tag, da kam eine Tour nach Hause gerade recht. Am Tierpark kam dann die allerbeste Wende: Der offenbar zahlungswillige Typ (es waren drei Kollegen von einer Weihnachtsfeier) bot dem zweiten Kumpel an, dass er nicht hier aussteigen und die Bahn nehmen müsse, sondern wir das gerne noch mit dem Taxi erledigen könnten.

Also stand als nächstes zwischenzeitliches Fahrtziel Oberschöneweide an.

Da hier auch Nicht-Berliner mitlesen: Die Fahrt war auf ganz Deutschland umgerechnet etwa eine von Berlin über Erfurt nach Rostock. Und in Erfurt bekam ich dann gesagt, dass vor Rostock noch ein Zwischenstopp in Stuttgart fällig wäre. Bei mitlaufendem Taxameter.

So denn!

Ich brachte beide heim, aber am Ende kramte der Typ auf dem Beifahrersitz bei mehr als 35€ einen einsamen Zwanni raus und war offensichtlich selbst überrascht, dass das wohl nicht so ganz aufgehen würde. Also zur Sparkasse.

(Kartenzahlung wäre auch gegangen, aber der Kerl wollte wohl mehr als nur die Taxikohle abheben)

Die Sparkasse ums Eck hatte wie so viele nachts geschlossen. Also bat er mich, mal eben kurz nach Ahrensfelde zu fahren. Genau genommen war das noch Marzahn-Nord, aber auf unserer imaginären Deutschland-Tourkarte war es eben Malmö.

Wie eben schon bei ihm vor der Tür lotste er mich an eine Sparkasse, bei der ich mehr als 30 Meter entfernt halten musste. Ich bin ein zweites Mal auch ausgestiegen und hab ihn beobachtet. Dass er einfach abhaut, wäre so absurd ja nicht gewesen. Und tatsächlich verschwand er nach dem Geldholen weit weg hinter einem Busch und ich war kurz davor, mich zu ärgern. Ich Idiot lasse es ja auch mit mir machen!
Kurz ums Eck geschielt war allerdings klar, dass er nur mal kurz pinkeln musste. Danach kam er brav und artig zum Taxi zurückgetorkelt.

Für das, was ich dann getan hab, hatte ich weder einen handfesten Grund, noch eine rechtliche Grundlage. Aber in Anbetracht der ganzen Tour hab ich’s trotzdem getan: Ich hab folgendes gesagt:

„Hey, ist jetzt alles unnötig stressig gewesen und ich will ehrlich sein: Ich find’s cool, dass Du deine Freunde noch heimgebracht hast! Sowas sehe ich definitiv zu selten. Der Rest der Strecke liegt eh auf meinem Heimweg, also mache ich jetzt mal die Uhr aus und wir sind mit den knapp 40€ hier einfach quit, ok?“

Natürlich war das ok. Zumal der Kerl nie versucht hatte, den Preis zu drücken. Der war dankbar, happy und hat noch ein gutes Trinkgeld gegeben. Und für mich wäre die Tour auch mit 3€ mehr irgendwie keinen Fatz besser gewesen. OK, das Karma war dieses Wochenende ein Arschloch und es ging vergleichsweise beschissen weiter. Aber was will ich mich beschweren? Es war immer noch die ungefähr beste Tour, die ich an diesem Abend um diese Zeit hätte kriegen können. Und zudem: DER steigt auch nächstes Jahr wieder ins Taxi. Und ich werde für ihn da sein! 😉

Kauft das Buch!

Wie kam Sash eigentlich zum Taxifahren? Das beschreibt er in seinem ersten eBook "Papa, ich geh zum Zirkus!".

Immer dranbleiben!

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Noch ein Blog?

Kleiner Tipp: Sash hat noch einen zweiten Blog, auf dem es auch gelegentlich was zu lesen gibt.

„Si … Schwes … Ost … of … ole …?“

So in etwa kann man sich das Telefonat vorstellen. Mal ganz abgesehen von der Tatsache, dass zu diesem Zeitpunkt der Fahrer der ortsansäßigen Kehrmaschine gefühlt eine Pause eingelegt hatte, während er mich gemütlich umkreiste.

Die eigentliche Kundin hatte mich mit fragenden Augen, großer Geste und dem Wort „Taxi“ als einzige Information auf die andere Straßenseite  gewunken, als ich gerade eine Kippe geraucht habe. Sie war bereits älter, kaum halb so groß wie ich, mit Rollator und Gepäck unterwegs und konnte kein Wort deutsch. Einen halben Satz Englisch, aber auch eher zum Angeben, weniger weil sie wirklich verstand, was sie sagte. Deswegen das Telefon, das sie mir in die Hand drückte.

Am anderen Ende dann eine vergleichsweise gut deutsch sprechende Frau, die aufgrund der Verbindungsqualität und des Lärms aber einfach nicht zu verstehen war. Durch mehrmaliges Wiederholen habe ich einen Großteil zusammenpuzzeln können, aber um ehrlich zu sein, hat mich das Ergebnis eher verärgert. Denn anstatt mit den spärlich übermittelbaren Worten eine Zieladresse zu formulieren, fragte sie mich, ob ich die gute Frau vom Ostbahnhof abholen könnte. -.-

Aber vielleicht bin ich da auch zu pragmatisch, wer weiß.

Nachdem mich ungefähr 12 Kollegen an der Halte überholt hatten, war dann klar, dass die Frau zum Haupteingang des Hauptbahnhofes musste. Na also, ist doch kein Problem! Ich hab mich bei ihr dann entschuldigt, dass das alles so lange gedauert hat, der Rest war eine normale Fahrt, sie wurde wie versprochen abgeholt und da sie mich von weit hinten rausgewunken hat, bin ich bei der Sache auch mehr als gut weggekommen.

Manchmal hilft es, sich daran zu erinnern, dass am Ende meistens alles gut ist, auch wenn man gerade gegen eine Kehrmaschine in ein fremdes Handy brüllt:

„ABER WIR SIND DOCH AM OSTBAHNHOF!!!“

😀