Es wird doch mal Zeit, nachzufragen. Diese Mail habe ich gerade rausgeschickt:
Guten Tag, sehr geehrte Damen und Herren der Innung des Berliner Taxigewerbes,
guten Tag, sehr geehrte Damen und Herren des Berliner Landesverbands von TaxiDeutschland.
Als Berliner Taxifahrer habe ich über einen Online-Bericht der Berliner Zeitung
erfahren, welche Tariferhöhungsvorschläge sie dem Senat zu unterbreiten gedenken. Im Wissen, dass diese Informationsquelle mehr als nur düftig ist, wende ich mich direkt an sie.
Leider ist ihnen, liebe Innung, diese beinahe revolutionäre Änderung des Tarifs auf ihrer eigenen Website keinerlei Erwähnung wert, was wirklich schade ist, da inzwischen Zeiten angebrochen sind, in denen sich selbst dürftig bezahlte Taxifahrer ihre Informationen gerne online besorgen, ohne dabei die anderen Jubelartikel über die Verbandsarbeit in Vereinszeitungen überblättern zu müssen.
Sie TaxiDeutschland, verzichten wenigstens seit 2009 komplett auf eine Aktualisierung ihrer Websites – das kann man wenigstens als konsequent bezeichnen.
Offenbar wäre ihnen beiden eine komplette Umstrukturierung des Berliner Taxitarifs willkommen, so ist es dem o.g. Artikel jedenfalls zu entnehmen. Wie sie dem Tonfall meines Schreibens sicher schon entnommen haben, hält sich meine Begeisterung darüber in Grenzen und deswegen habe ich ein paar Fragen an sie:
Erstens:
Stimmt der Pressebericht oder enthält er unwahre Passagen?
Insbesondere bin ich interessiert am Wahrheitsgehalt des Zitates von Herrn Berndt.
Wenn all das korrekt ist, würde mich interessieren, ob der Vorschlag schon eingereicht wurde und an Herrn Berndt geht direkt die Frage:
Wenn diese Tariferhöhung wie deklariert nur ein Inflationsausgleich ist, halten sie es dann nicht für ihre Pflicht, ein exklusives Wissen, wie das um eine 15%ige Inflation seit 2009 mit anderen bedürftigen Menschen als nur Taxifahrern zu teilen?
Zweitens:
Sie gedenken, einen teureren Nachttarif einzuführen mit der Begründung, inzwischen könne man nachts nur noch langsamer fahren. Ist ihnen vielleicht entgangen, dass in großen Teilen Berlins tagsüber so etwas wie Berufsverkehr stattfindet?
Ich möchte an dieser Stelle klarmachen, dass ich Nachtfahrer bin und keineswegs uninteressiert an einer besseren Bezahlung. Diese Begründung allerdings entbehrt jeglicher Realität und ich möchte von ihnen wissen, wie sie das den Kollegen verkaufen wollen, die tagein tagaus im Stau stehen und durchschnittlich weniger verdienen als Nachtfahrer.
Drittens:
Die offenbar nur bei der unwichtigen Personengruppe der Fahrgäste beliebte Kurzstrecke soll wegen mangelnder Speicherkapazität der Taxameter abgeschafft werden, während parallel ein neuer Flughafentarif und ein neuer Nachttarif dort Platz findet? Was gab den Ausschlag dafür, ausgerechnet den kundenfreundlichen und niederpreisigen Einstiegstarif zu opfern? Wenn wir unsere Tarife und deren Struktur an der vorhandenen Hardware ausrichten, ist dann nicht der zahlende Kunde aus dem Mittelpunkt der Überlegungen etwas arg weit an den Rand gedrängt worden?
Viertens:
Wieso muss eigentlich eine inflationsausgleichende Tariferhöhung das Tarifsystem derart verkomplizieren? Der wirklich große Pluspunkt des Berliner Taxitarifs ist die Transparenz und Verlässlichkeit. Mit dem Wegfall der freien Wartezeit und der Einführung gleich zweier gesonderter Tarife fällt der Betrug am Kunden um ein Vielfaches leichter und die Verfolgung der schwarzen Schafe unserer Branche wird unnötig noch weiter verkompliziert. Haben sie Lösungsstrategien für diese neue Problematik?
Ich möchte diese Diskussion offen führen und habe dieses Schreiben auf meinem Taxi-Blog unter http://gestern-nacht-im-taxi.de veröffentlicht. Ich räume ihnen diese Möglichkeit für ihre Antworten ebenso ein und bitte sie, mich zur Veröffentlichung selbiger zu berechtigen.
Ich freue mich auf eine Antwort
Sascha Bors
Ich selbst halte es in der Tarifdebatte eher mit Richard Leipold von der BTV. Sein Text ist hier zu finden und dürfte auch die Leute interessieren, die die Zahlen wissen wollen.


