Krieg!

Kaum dass er schmal genug ist, um sich hinter einem durchschnittlichen Baum verstecken zu können, meint Herr Torsten B. aus P., einen Taxibloggerkrieg ausrufen und mit der unfairsten aller denkbaren Waffen den Erstschlag ausführen zu können: Mit Lesern.

Von der Angst beseelt, bei mir auf ein Opfer zu treffen, das der Gegenwehr kaum mächtig ist, schickt er euch also zu mir hin, damit mein Blog ein besseres Bild abgibt, sodass ein Triumph besser wirkt (und eine Niederlage auch, nur mal so nebenbei 😉 )

Wer sich nun als Spielball missbraucht sieht, dem kann ich schlecht helfen. Ich möchte nur mit meiner urschwäbischen Gemütlichkeit und der Gelassenheit eines Marzahners antworten, dass ihr – so ihr schon einmal da seid – gerne einen Blick auf meine in aller Eile zusammengewürfelte Liste der 10 besten GNIT-Artikel werfen könnt, um zu erkennen, wo der Frosch die Locken hat.

Allen interessierten Neuankömmlingen seien also die folgenden Artikel ans Herz gelegt. Die sind laut dem auf dieser Seite kriegführenden Autor die wahrscheinlich besten Artikel unter rund 1100 Stück. Wer andere Favoriten hat, kann sie gerne in den Kommentaren posten!

Definitiv ein Klassiker

Die beste Tour des Abends

Gefragt

Heiratsgründe

Immer diese Witze…

Schlagfertig

Taxi-Dialoge (8)

Und deswegen wird der Fahrpreis auch Rot angezeigt…

Was denkt ihr eigentlich alle?

Was war das denn eben?

Dass Torsten nicht mit dem Schwert nach Polen zieht (da liegt Berlin doch für dich fast, oder?) wie René, dürfte wahrscheinlich daran liegen, dass sein hellelfenbeinfarbener Panzer zwar zweifelsohne schnittiger ist als meiner, er aber wesentlich weniger Leute darin unterbringen kann und außerdem noch Sorgen haben muss, weil an seinem Einsatzfahrzeug die Beseitigung etwaiger Kratzer zweifelsohne das Doppelte kosten würde als an meinem Bock. An dieser Stelle fehlt im Smiley-Repertoire eindeutig ein mildtätig grinsendes Exemplar 😀

Um mit den Worten des Provinzkutschers zu enden:

Danke!

🙂

Tariferhöhung

(Don’t panic in Paderborn!)

Torsten hat es sich nicht nehmen lassen, und noch vor den Gewerbevertretungen auf meinen offenen Brief geantwortet. Dort hat er seinen anderen Standpunkt dargelegt, und als Freund gepflegter Diskussionen beteilige ich mich an dem Spielchen. Ich muss da auch nicht immer so einen rauen Ton an den Tag legen wie in dem Brief 🙂

Allerdings hat Torsten auch wahre Worte geschrieben, als er meinte, er könne und wolle sich meiner Argumentation nicht anschließen. Das gilt im Umkehrschluss auch und ich lege gerne dar, weswegen.

Torsten hat Recht: Wenn das Taxameter die Umschaltung der Tarife automatisch erledigt, dann ist die Möglichkeit zu Betrügereien im Falle des Nachttarifes nicht gegeben. Eine automatische Umschaltung am Flughafen stelle ich mir technisch schwieriger vor, ich vermute, das ließe sich nur durch neue Taxameter machen. DAS wird dann in der Tat eine teure Maßnahme, die die Unternehmen recht unsinnig Geld kostet. Und für den Nachttarif gibt es keine Grundlage, es sollen einfach alle Preise erhöht werden, und Nachts hat man halt auch noch die Option gesehen, was zu holen, weil es das anderswo auch gibt.

Der Streit in Schönefeld ist wirklich kein Aushängeschild fürs Gewerbe hier und in Brandenburg und ich habe nichts gegen einen gemeinsamen Flughafentarif. Warum man aber dann auch noch einen Nachttarif draufhaut, die Kurzstrecke abschafft… hier wird überall einfach nach den Rosinen gepickt.

Sicher, die Kunden rennen nicht weg, wenn sie ein paar Cent mehr bezahlen. Das viel davon der gepushte Sturm im Wasserglas ist, ist mir auch klar und ich will die Medien nicht in ihrer Panikmache unterstützen. Keiner, der davor mit dem Taxi vom Club heim ist, kann es sich nach einer Tariferhöhung nicht mehr leisten. Aber zum einen gibt es durchaus eine Signalwirkung. Die könnte man auch mal positiv erreichen, indem man lautstark auf eine Erhöhung verzichtet. Die letzte Erhöhung um ein paar Prozent fand 2009 statt. Jetzt dann 2012 wieder eine? Im zweistelligen (!) Prozentbereich?

Ein Tarifmodell ohne Zuschläge fände ich persönlich auch interessant. Aber die fallen ja nicht weg. Wir machen aus 2 Tarifen einfach 3. Davon komischerweise gleich 2 neue und alle sind sie teurer als das Davor. Zuschläge gibt es auch noch und sonst passiert nix!

Es geht darum, dass Tariferhöhungen hier immer noch das Mittel zur Wahl sind, wenn die Geschäfte schlecht laufen. Seit der letzten Tariferhöhung sind mehr als 200 neue Taxen in Berlin angemeldet worden, die geplanten Kontrolleurstellen gibt es immer noch nicht und bis auf eine „Schulung zu VIP-Taxis“ und einer kostenpflichtigen Kontrolle am Flughafen Tegel ist in Punkto Qualität nichts passiert. Ich fahre seit 3 Jahren Taxi und kein Schwein außer meinen Chefs weiss, dass ich einen P-Schein habe!

Eine Anpassung der Tarife ist notwendig von Zeit zu Zeit. Wir stehen hier in Berlin aber wesentlich mehr als in Paderborn in direkter Konkurrenz zum Rest des ÖPNV. Wer sich in Berlin auskennt, kommt eben wenn er will, fast immer überall hin. Ich bin nicht für Dumping-Preise und brauche auch gelegentlich einen Inflationsausgleich oder besser noch eine Gehaltserhöhung. Dummerweise nur haben wir hier in Berlin pro Taxi angeblich 1,1 Fahrten pro Stunde. Ich liege da selbst wesentlich drüber, aber selbst ich habe Stand-, bzw. unbesetzte Zeiten von 50% und mehr. Und die besetzte Zeit, die kriege ich fürstlich entlohnt. 5 Minuten Fahrt bringen mir Nachts schnell mal 5 €. Wenn man das auf einen Stundenlohn hochrechnet, komme ich mit 2 Arbeitstagen locker über die Runden. Tatsächlich verdient man nicht arg viel mehr auf die ganze Stunde, weil wir uns gegenseitig wie die Aasgeier die Kunden abjagen, die Reifen plattstehen, für unser Umsatzziel schnell mal noch eine Stunde dranhängen, damit nicht ein Kollege die Fahrt kriegt.

Torsten hat Recht: Es darf nicht sein, dass Unternehmen pleite gehen, weil sie an den Fahrerlöhnen ersticken. Aber um das zu erreichen, müssen in Berlin andere Stellschrauben bedient werden, nicht einfach nur die des Tarifs. Die meisten angestellten Fahrer arbeiten hier Vollzeit für 400 €. Der Rest schwarz oder vielleicht noch ein bisschen Hartz4.

Wenn ich überlege, dass ich in einer durchschnittlichen Schicht 50% stehe und maximal 1 bis 2 Kunden die Stunde habe, dann kann die Lösung doch nicht ernsthaft sein, diesen 2 Kunden noch je einen Euro mehr aus der Tasche zu ziehen! Dafür muss man sich um die Qualität ernsthaft sorgen. Und hier profitiert ein guter Unternehmer nicht zwingend von seinen Ambitionen, weil wir Großvermittlungen unabhängig vom Unternehmen haben, hier streiten sich die Kunden nicht um Taxen – außer mal für 5 Stunden an Silvester!

Ja, Berlin ist kaputter als Paderborn, hier gibt es einfach mehr zu tun. Wenn man in der Prärie alle paar Jahre die Preise erhöht, weil der Rest schon halbwegs läuft, dann ist es schön. Nehmt ihr unsere Gewerbevertreter bei euch auf, Torsten?

(So, das war jetzt ziemlich in Eile geschrieben, seht mir kleinere Fehler bitte nach…)

Offener Brief

Es wird doch mal Zeit, nachzufragen. Diese Mail habe ich gerade rausgeschickt:

Guten Tag, sehr geehrte Damen und Herren der Innung des Berliner Taxigewerbes,

guten Tag, sehr geehrte Damen und Herren des Berliner Landesverbands von TaxiDeutschland.

Als Berliner Taxifahrer habe ich über einen Online-Bericht der Berliner Zeitung

(http://www.berliner-zeitung.de/berlin/berliner-taxi-fahrpreise-mit-der-nacht-kommt-der-zuschlag,10809148,11084778,item,0.html)

erfahren, welche Tariferhöhungsvorschläge sie dem Senat zu unterbreiten gedenken. Im Wissen, dass diese Informationsquelle mehr als nur düftig ist, wende ich mich direkt an sie.

Leider ist ihnen, liebe Innung, diese beinahe revolutionäre Änderung des Tarifs auf ihrer eigenen Website keinerlei Erwähnung wert, was wirklich schade ist, da inzwischen Zeiten angebrochen sind, in denen sich selbst dürftig bezahlte Taxifahrer ihre Informationen gerne online besorgen, ohne dabei die anderen Jubelartikel über die Verbandsarbeit in Vereinszeitungen überblättern zu müssen.

Sie TaxiDeutschland, verzichten wenigstens seit 2009 komplett auf eine Aktualisierung ihrer Websites – das kann man wenigstens als konsequent bezeichnen.

Offenbar wäre ihnen beiden eine komplette Umstrukturierung des Berliner Taxitarifs willkommen, so ist es dem o.g. Artikel jedenfalls zu entnehmen. Wie sie dem Tonfall meines Schreibens sicher schon entnommen haben, hält sich meine Begeisterung darüber in Grenzen und deswegen habe ich ein paar Fragen an sie:

Erstens:

Stimmt der Pressebericht oder enthält er unwahre Passagen?

Insbesondere bin ich interessiert am Wahrheitsgehalt des Zitates von Herrn Berndt.

Wenn all das korrekt ist, würde mich interessieren, ob der Vorschlag schon eingereicht wurde und an Herrn Berndt geht direkt die Frage:

Wenn diese Tariferhöhung wie deklariert nur ein Inflationsausgleich ist, halten sie es dann nicht für ihre Pflicht, ein exklusives Wissen, wie das um eine 15%ige Inflation seit 2009 mit anderen bedürftigen Menschen als nur Taxifahrern zu teilen?

Zweitens:

Sie gedenken, einen teureren Nachttarif einzuführen mit der Begründung, inzwischen könne man nachts nur noch langsamer fahren. Ist ihnen vielleicht entgangen, dass in großen Teilen Berlins tagsüber so etwas wie Berufsverkehr stattfindet?

Ich möchte an dieser Stelle klarmachen, dass ich Nachtfahrer bin und keineswegs uninteressiert an einer besseren Bezahlung. Diese Begründung allerdings entbehrt jeglicher Realität und ich möchte von ihnen wissen, wie sie das den Kollegen verkaufen wollen, die tagein tagaus im Stau stehen und durchschnittlich weniger verdienen als Nachtfahrer.

Drittens:

Die offenbar nur bei der unwichtigen Personengruppe der Fahrgäste beliebte Kurzstrecke soll wegen mangelnder Speicherkapazität der Taxameter abgeschafft werden, während parallel ein neuer Flughafentarif und ein neuer Nachttarif dort Platz findet? Was gab den Ausschlag dafür, ausgerechnet den kundenfreundlichen und niederpreisigen Einstiegstarif zu opfern? Wenn wir unsere Tarife und deren Struktur an der vorhandenen Hardware ausrichten, ist dann nicht der zahlende Kunde aus dem Mittelpunkt der Überlegungen etwas arg weit an den Rand gedrängt worden?

Viertens:

Wieso muss eigentlich eine inflationsausgleichende Tariferhöhung das Tarifsystem derart verkomplizieren? Der wirklich große Pluspunkt des Berliner Taxitarifs ist die Transparenz und Verlässlichkeit. Mit dem Wegfall der freien Wartezeit und der Einführung gleich zweier gesonderter Tarife fällt der Betrug am Kunden um ein Vielfaches leichter und die Verfolgung der schwarzen Schafe unserer Branche wird unnötig noch weiter verkompliziert. Haben sie Lösungsstrategien für diese neue Problematik?

Ich möchte diese Diskussion offen führen und habe dieses Schreiben auf meinem Taxi-Blog unter http://gestern-nacht-im-taxi.de veröffentlicht. Ich räume ihnen diese Möglichkeit für ihre Antworten ebenso ein und bitte sie, mich zur Veröffentlichung selbiger zu berechtigen.

Ich freue mich auf eine Antwort

Sascha Bors

Ich selbst halte es in der Tarifdebatte eher mit Richard Leipold von der BTV. Sein Text ist hier zu finden und dürfte auch die Leute interessieren, die die Zahlen wissen wollen.

Taxiblogs

Liebe schreibenden Kollegen da draußen, ich mache es mal offiziell:

Ich habe langsam keinen Überblick mehr über die Taxiblogs in diesem Land! Ich vermute zwar, dass ich den meisten inzwischen folge, aber es gibt sicher den ein oder anderen, den ich bisher übersehen habe. Heute hat mich Tom gefragt, ob ich sein Taxi-Tagebuch nicht verlinken könnte, was ich gerne mache. Seht es als Lesebefehl 😉
Damit hat München jetzt immerhin schon 2 Taxiblogs zu bieten. Der andere ist natürlich der immer wieder interessante und ausführliche „Taxi München“ von Reinhold.

Die kleine Blogroll hier an der Seite bei GNIT ist aber sicher noch nicht vollständig. Ich vergesse auch die ein oder andere Aktualisierung – und haue auf der anderen Seite durchaus auch mal Leute raus, wenn dort monatelang nichts passiert. Die aktiven Kollegen, die über ihren Alltag bloggen, können sich gerne melden, wenn sie hier verlinkt werden wollen. Nur, weil ich es gelegentlich vergesse, heißt das ja nicht, dass ich es nicht gerne mache.

Und wenn wir schon bei der Vernetzung sind: Aro hat ja auch eine extra Link-Seite für Taxiblogs zusammengestellt. Die braucht auch mal Nachwuchs 😉

Der RTL-Taxitest

Taxitest? War da nicht eben erst was? Ach ja, tatsächlich!

Sowas ähnliches muss sich auch ein Praktikant bei RTL gedacht und das derletzt beim Mittagessen versehentlich ausgeplaudert haben. Was sie beim Sender jetzt genau dazu veranlasst hat, den mehr oder minder fragwürdigen Test des ADAC nachzuerzählen und durch Beimischung hirnlosen Humbugs das journalistische Handwerk zuzüglich der Taxifahrer in den Dreck zu ziehen, entzieht sich meiner Kenntnis.

Sollte nämlich der auf RTL gestern im Rahmen von „Extra“ ausgestrahlte „Test“ tatsächlich so geworden sein, wie sich das das sicher sehr sehr kompetente Team gedacht hat, dann müsste die Grundidee folgendermaßen ausgesehen haben:

„Wir tun so, als würden wir den Test vom ADAC machen. Dann filmen wir ein paar schlimme Taxifahrer und noch schlimmere. Einer vom ADAC darf sagen, wie schlimm die Schlimmen schlimme Ding tun. Hauptsache ist, dass am Ende Deutschland gut dasteht und wir brauchen Bilder von Taxischildern. Um Himmels Willen, vergesst die Scheiß-Taxischilder nicht!“

Und so saß ich also mit meiner besseren Hälfte Abends vor dem eiligst hervorgeholten Fernseher und sah mir das Unheil an…

Wir zeigen mal, wie schlimm das ist!

Die langen Schlangen von Taxischildern gab es gleich am Anfang, und nachdem uns eine bedeutungsschwangere Stimme bereits verkündet hat, dass viele Taxifahrer einen im Kreis fahren würden, „wie im Karussell“, konnten wir gleich am Flughafen Düsseldorf das Elend in Form eines nur mangelhaft verpixelten Taxifahrers sehen. Der fuhr dann die zweieinhalb Kilometer lange Strecke angeblich auf einem Umweg, der gleich 15 Kilometer lang war. Das Team hat ihn noch ein bisschen in die Enge getrieben und am Ende bot er einen schon mal grundsätzlich illegalen Pauschalpreis von 15 € an – was immer noch dem doppelten Normalreis entspricht. Dafür stellten sie ihn dann später am Stand zur Rede und kassierten das zu viel bezahlte Geld zurück. Soweit, so gut – selbst für die lustige Grafik mit dem Weg hat RTL offenbar die korrekten Entfernungen gegoogelt. Ein positives Beispiel für einen Fahrer sollten/wollten sie bis zum Ende nicht finden.

Anstatt dem eiskalten Betrüger, der die Sache offenbar sogar noch halbwegs lustig fand, eine Anzeige reinzudrücken, wurde irgendein Zuständiger kurz vor die Kamera gezerrt, der erklärte, dass man sich bei sowas am besten an die Zentrale oder die Ordnungsbehörde wendet. Der Fahrer, so er nicht auch nur ein gecasteter Praktikant von RTL war, hat sicher seine Lehre aus der Tatsache gezogen, dass er bei der betrügerischsten Fahrt aller Zeiten, bei der er auch noch von einem Fernsehteam erwischt wurde, am Ende tatsächlich das zu viel erhaltene Geld zurückzahlen musste. So zerknirscht, wie er am Ende des Beitrages lacht, tritt der Morgen aus Reue dem Kirchenchor bei. Oder den Hells Angels, je nachdem, wo besser gekocht wird.

Schnitt, Taxischilder, bedeutungsschwangere Stimme.

213% in Hamburg, schlimme Unlust in Düsseldorf

Von einem sonst eher Allgemeinplätze feilhaltenden Herrn Sauter vom ADAC-Verbraucherschutz wurde dann kurz erklärt, dass es in Hamburg am schlimmsten war, weil da ein Fahrer sogar mal 213% Umweg zusammengefahren hat – was irgendwie keine Wirkung entfalten will, wo gerade in Düsseldorf einer die 500% geknackt hat. Aber richtig: Das war ja ein eigentlich ganz anderer Test!

Nun wurde aber noch ein zweiter Flughafenfahrer gefilmt, der die Strecke zwar zu größter Zufriedenheit auf dem kürzesten Weg fährt, aber „ein Problem“ hat. Ich glaube, es fiel sogar das Wort „genervt“. Dummerweise haben sie nicht einmal einen O-Ton für diese Behauptung gefunden, denn der Kollege nahm es mit Humor und lachte sogar (verpixelt) in die Kamera, als er wortwörtlich sagte:

„Ich hab zwar nix dagegen, aber nach 3 Stunden tut das weh.“

Kunststück bei einer Tour unter 7 €. Unangemessen beschwert hat er sich zumindest in dem Ausschnitt nicht. Solche Sätze sage ich auch mal, wenn mich die Kundschaft auf die kurzen Strecken anspricht. Und dass die Knallchargen von RTL offenbar auf Skandale aus waren, kann man wohl als Fakt bezeichnen.

Die Problematik mit den kurzen Strecken wurde dann noch kurz erklärt, es kommen noch zwei drei zottelige unverpixelte Fahrer zu Wort und schon wird mit einem Teaser angekündigt, dass man erstmal abwarten soll, was sich die Taxifahrer im Ausland alles erlauben würden. Das Ganze ist nur echt mit Bildern von dicken streitenden Männern und schon hatten wir die Werbepause erreicht!

Ich hab jetzt erst einmal durchgeatmet und versucht zu eruieren, wer da jetzt eigentlich wo was getestet hat. RTL? Der ADAC? 2 Fahrten in einer Stadt, die der ADAC nicht auf dem Monitor hatte, wurden mit den Ergebnissen des ADAC verglichen und untermauert… ich hab mir erstmal ganz groß das Wort „WIRR“ direkt unter dem Titel auf meinem Notizblock vorgemerkt. Aber ich hatte ja keine Ahnung, was noch kommen sollte…

Die spinnen, die Römer!

Die bedeutungsschwangere Stimme klang bereits nach den ersten Wehen als sie verkündet, dass man in Rom „einige dabei erwischt“ habe, dass sie… ich hab keine Ahnung mehr, bei was! Ist auch egal, denn das Hirn der für Content zuständigen Personen hat offenbar die Sonne in Italien schlecht vertragen und der „Test“ schlingert nun in einer einzigen Absurditätskurve durch das Flughafengelände der Millionenstadt. Etliche Minuten vergehen damit, dass Fahrer gezeigt werden, die aggressiv um Kundschaft buhlen und dabei „ganz andere Preise im Sinn“ haben als die eigentlich angesagten 40 € Festpreis in die City. Das wird ausgelatscht bis auf dorthinaus, und eher nebenbei kommt dann raus, dass diese Typen gar keine Taxifahrer sind, sondern Limousinen-Chauffeure, die sich als „Taxi“ bezeichnen und mit den „echten“ Taxifahrern wohl um die Kundschaft ringen.

Ich für meinen Teil vermute, dass man in Rom wie hier auch als Taxifahrer keine Werbung für sich machen darf, und die Taxifahrer ja eigentlich die seriöse Alternative zu diesen Typen sind, die aber irgendwie auch gar nicht so zu Unrecht aufgebracht sind. Schließlich  dürfen sie (weil sie keine Taxifahrer sind) ja legal höhere Preise anbieten und nun rennt da ein deutscher Underground-Reporter durch die Gegend und weist die anderen Touristen darauf hin, dass die richtigen Taxis eigentlich billiger wären und versaut ihnen somit ihr Geschäft. Ich würde ja gerne mal in einer Live-Sendung von RTL fürs ZDF werben und dann eine Doku über unverschämtes Schrott-Fernsehen machen, weil sie mich wegschicken.

Richtig falsch richtige Taxen mit dem falschen richtigen Tarif

Dann wird es richtig lustig. Nachdem sich das Kamerateam fast von diesen Limousinenfahrern verprügeln lassen hat, nahmen sie ein Original-Taxi und hier will der Fahrer nun auf einmal 60 € statt der zuvor erwähnten 40. Um nun noch weiter zu verwirren, weisen sie darauf hin, dass es durchaus auch bei den Taxis einen 60€-Tarif gibt – nämlich, wenn das Taxi aus einer anderen Gemeinde kommt. Muss eine ähnliche Geschichte sein, wie bei uns hier in Schönefeld. Da haben die LDS-Taxen auch einen anderen Tarif als wir und kein Kunde blickt das ernstlich.

Der Fahrer war aber doch direkt aus Rom und versuchte also zu Unrecht einen höheren Tarif zu nehmen. Immerhin ist er niedriger als all die von den Limousinenfahrern – und am Ende verzichtet der junge Wilde sogar auf den Zwanni. Fazit ist, klar: Auch die richtigen Taxifahrer bescheissen!

An dieser Stelle wird darauf verwiesen, dass Rom ja auch beim ADAC-Taxitest schlecht weggekommen ist und nur Ljubiljana noch schlimmer war. Dorthin war wahrscheinlich der Flug zu teuer für das Budget der knallharten Recherche-Sendung „Extra“… Wer weiss?

Fazit

Der „Test“ von RTL bestand also aus 3 gefilmten Taxifahrten. In deren Augen waren alle schlecht.

1. Fahrt in Düsseldorf: Der Fahrer fährt 500% Umweg, verlangt aber letztlich einen Festpreis von 200% des Maximalpreises, findet das lustig und wird aber ganz dolle bestraft, indem er 8 € zurückzahlen muss.

2. Fahrt in Düsseldorf: Der Fahrer fährt vorbildlich, macht allerdings den Fehler, dass er darauf hinweist, dass die kurze Tour sich bei der langen Wartezeit eigentlich nicht wirklich lohnt.

3. Fahrt in Rom: Der Fahrer fährt ohne Uhr und verlangt 150% des erlaubten Preises und ist ziemlich genervt. Am Ende bezahlen sie den vorgeschriebenen Preis und sind damit weit billiger als mit den ganzen anderen Chauffeuren, mit denen sie sich fast prügeln mussten (weil sie die Taxis verteidigt haben!).

Das Fazit aus diesem umfangreichen Taxitest über das Fahren in europäischen Großstädten ist damit nach RTL völlig logischerweise:

In Deutschland hat man es eigentlich recht gut mit den Taxifahrern, nur die Umwege sind nicht so toll. Im Ausland muss man bedeutend vorsichtiger sein!

Und nein, das habe ich mir nicht ausgedacht! Diese gequirlte Kacke auf dem Niveau von 5-jährigen Gehirnamputierten wird erwachsenen Menschen als informative Dokumentation aufgetischt. Ich bin heilfroh um jeden Beitrag, der sich kritisch mit unserem Gewerbe auseinandersetzt, ganz bestimmt. Aber so eine Bedienung blödester Kneipenklischees ist schlichtweg Volksverblödung. Eine vermeintliche Aufklärungssendung, die Betrüger davonkommen lässt, nicht einmal das Subjekt ihrer Nachforschung genau umreissen kann, reisserisch Bericht erstattet, das genaue Gegenteil von analytischer oder auch nur halbwegs durchdachter Arbeit ist und all das noch gelegentlich durch das mildtätige Lächeln von Birgit Schrowange so einlullend macht, dass auch die letzte Gehirnzelle einschläft, die kann ich nur als intellektuelles Abführmittel bezeichnen. Zeigt wieder Softcore-Pornos wie in den Neunzigern, dann komme ich vielleicht auch mal wieder in die Versuchung, den Fernseher anzuschalten!

Farbiges Geschwätz

Es ist schon praktisch, dass man mit dem Internet heutzutage ein Medium hat, mit dem sich auch ohne große Recherche ein paar Zuhörer sichern kann. Was ich als Blogger größtenteils rechercheunabhängiger Geschichten gut finde, wird an dem Punkt absurd, an dem Journalisten oder Branchen-Profis es erkennbar an Faktenkenntnis mangeln lassen. Insbesondere wo diese heute so  leicht verfügbar sind.

Da wäre zum Beispiel Norbert Kettner, Tourismusdirektor in Wien. Der reagiert auf gleich zwei verheerende Taxi-Test-Ergebnisse unter anderem mit einer Forderung nach einem einheitlichen Auftreten der Wiener Taxen. Zumindest lässt er sich so zitieren:

„Man kann niemanden vorschreiben, wie sein Taxi ausschaut. Ich glaube nur, was in Städten wie Berlin oder Hamburg funktioniert, muss in Wien auch funktionieren“

Ferner verkündete er, dass es in „den beiden deutschen Städten“ eine „freiwillige Selbstverpflichtung, wie ein Auto auszusehen habe“, gebe.

In dem Blödsinn stecken gleich zwei Fehler:

Erstens kann man Taxlern das natürlich vorschreiben. Und zweitens passiert genau das in Deutschland. Die BOKraft regelt das in §26 in einer an Eindeutigkeit nicht zu überbietenden Klarheit:

(1) Taxen müssen kenntlich gemacht sein
1. durch einen hell-elfenbein-farbigen Anstrich; als Farbton ist zu wählen RAL 1015 des Farbtonregisters RAL 840 HR des Ausschusses für Lieferbedingungen und Gütesicherung (RAL) beim Deutschen Normenausschuß,
[…]

Ich habe nichts gegen die einheitliche Farbgebung der deutschen Taxen. Ich finde die bunt zusammengewürfelten Flotten in den Bundesländern, die über die Ausnahmenregelung eine Quasi-Freigabe erreicht haben, nach wie vor nicht schön und auch wenn die Farbe bei Tageslicht vielleicht nicht sonderlich hübsch ist, bin ich froh, eine hellelfenbeinfarbige Kiste zu lenken.

Aber freiwillig ausgesucht habe weder ich mir das, noch mein Chef.

Und von einem Menschen in halbwegs fachkundiger Position wie Kettner mit einer lautstarken Meinung zum Thema kann man die 3 Minuten Recherche schon verlangen, würde ich mal sagen.

PS: Ich hab beim Lesen der Geschichte übrigens gedacht, dass Hamburg sogar eines der Bundesländer mit einer Freigabe wäre. Das hätte die Äußerung Kettners natürlich nochmal um Klassen lustiger gemacht. Dafür habe ich allerdings auf die Schnelle keine Hinweise gefunden. Falls dem aber doch so sein sollte, dann lacht für mich einmal mit 😉