Düstere Nachtritte

Zwei kurze Sachen noch:

Zum einen möchte ich mich gerne bei Stefan bedanken. Er, seine Frau und ein Teil seiner Verwandtschaft haben mich nicht nur vergangenes Wochenende als Taxifahrer bestellt und die 1925 entsprechend besetzt, nein: Sie haben es auch noch geschafft, mein Taxi so mit (ehemaligen) Taxifahrern und -fahrerinnen zu füllen, dass dabei zweifelsohne ein nie dokumentierter Rekord gefallen ist.
Stefan gestand zwar ein, kaum noch zu bloggen – aber ich hoffe, dass sich das mal wieder ändert. Ich hab nun den Feed abonniert und ich hoffe auf Nachmacher, um ihn anzuheizen. Denn zumindest als Taxifahrgast sind Stefan und seine Familie absolut nette Zeitgenossen.

Zum anderen möchte ich auf den Kollegen Mattias hinweisen, der inzwischen einen eigenen Taxiblog gestartet hat. Wer also nicht weiß, wie er die Tage füllen soll, an denen ich nichts schreibe: Bitte!

Ich wünsche Euch allen ein frohes Wochenende … oh, sorry! Also, ähm, ich, äh, wünsche Euch allen mein frohes Wochenende … oder so. Egal. 😉

Medienpräsenz

Die ist im Taxi gar nicht mal so gering. Und damit meine ich weder mein Handy, das für mich die Medien ins Auto bringt – sondern die Leute aus dem Genre. Während ich mit Promis insgesamt nur recht wenig bis gar nichts zu tun hab, weil ich die Leute überwiegend einfach auf der Straße einsammele, sind es oft die, die im Hintergrund bis spät in die Nacht arbeiten, die mir ins Auto purzeln. Wobei das mit dem „Arbeiten“ ja gerade in dem Umfeld, in dem auch Sehen und Gesehenwerden eine Rolle spielen, oft mal für Außenstehende nicht so leicht als Arbeit erkennbar ist. 😉

Sehr gefreut hat mich vor ein paar Wochen schon eine Fahrt gleich zu Schichtbeginn: Ein im besten Sinne jung gebliebener Typ schmiss sich an der O2-World in mein Auto und orderte eine Fahrt zur Masurenallee, zum RBB. Er kam von einem Konzert und hatte nun noch die Aufgabe, bis zu den frühen Morgenstunden eine Kritik auszuarbeiten und in sendefähiges Format zu bringen. Dass ein Wort das andere ergab, wo ich ja erst vor kurzem in seiner Sendeanstalt zu Gast war, versteht sich von selbst.
Was mir aber – wie immer – besonders das Herz erwärmte, war, einmal mehr einen Typen zu treffen, der einer recht seltsamen Beschäftigung zu unmöglichen Uhrzeiten nachging und sich einfach darüber gefreut hat. Ich hab ihn an der Tanke rausgelassen, wo er sich noch zwei Bier für die folgenden Stunden gekauft hat …

Nicht mehr nötig hatte ein Typ um die 30 zwei Bier, er hatte ganz offensichtlich schon einige mehr getrunken. Die Fahrtzielansage kam schon in recht eintönigem Singsang, gefolgt von der Feststellung, dass er der Feierkultur in Berlin nicht mehr so recht folgen könne. Es war bereits kurz vor fünf und er war anscheinend einer der ersten, der sich aus einer geselligen Runde gelöst hatte, der Rest wollte wohl noch weitermachen. Anderthalb Minuten Smalltalk später wusste er dann dank gezielten Nachfragen auch, dass ich blogge und versprach mir, ich würde dann sicher die Sendung kennen, die er machen würde. Tat ich.
Eine sehr schöne Ausnahme unter den Fernsehsendungen, ich lasse sie trotzdem unerwähnt, denn ich möchte dem armen Kerl auch nicht auf die Füße treten, der mir überschwänglich versprach, mich ins Fernsehen zu bringen, bevor er sich torkelnd im Schein seines Smartphones nach der Gabe von gerade einmal 40 Cent Trinkgeld vom Taxi entfernte. Hätten wir uns schon eine Stunde früher getroffen, wäre da vielleicht was draus geworden, wer weiß … 😉

Aber ich weiß ja, wie das läuft. Ich mach ja selbst irgendwie „was mit Medien“, nicht wahr?

Autobahn-Tempolimit

Da isses wieder. Ausgerechnet Sigmar Gabriel hat derletzt das Tempolimit auf deutschen Autobahnen mehr oder weniger versehentlich mal wieder ins Gespräch gebracht – obwohl für rufschädigende Auftritte in der SPD doch eigentlich Kanzlerkandidat Steinbrück zuständig ist. Sachen gibt’s.

Ich finde, ich sollte zum Tempolimit auf der Autobahn als Berufskraftfahrer auch mal was sagen. Und das ist ganz klar:

Mir als Autofahrer gefällt das nicht!

Darüber hinaus bin ich aber auch Gehirnträger und Mensch. Und da sieht es anders aus: Ich halte es für eine gute Idee!

Dass ich den Shitstorm jetzt ertragen muss, ist klar. Aber ich möchte das doch für einen Moment näher beleuchten. Als Autofahrer hab ich – wie oben geschrieben – echt was übrig für’s gepflegte Heizen. Das ist aber auch das Einzige, was für eine Freigabe spricht: Ein bisschen Spaß am Fahren. Den will ich nicht kleinreden, auch mir ist in meinem Job der Spaß am Fahren wichtig. Aber vom offensichtlichen Symbolcharakter der Thematik abgesehen: Ist das alles andere wert?

Die Vorteile einer Geschwindigkeitsbegrenzung sind sicher erst einmal begrenzt. Es würde natürlich nicht die Verkehrstoten auf Null reduzieren und nicht das Klima retten. Es würde allenfalls hier und da ein bisschen positiv wirken. Je nach Ausgestaltung im Übrigen, die Festlegung auf eine Zahl will ich mir da echt nicht auch noch ans Bein nageln. Aber hey: Immerhin weniger Tote und weniger CO2. Und als Gegenargument steht immer noch:

Nur der Spaß am Fahren.

Wichtiger sind in meinen Augen aber ohnehin die indirekten Auswirkungen: Wie stehen die Chancen, dass in Zukunft Autos besser an den alltäglichen Anforderungen gemessen konstruiert werden – wenn Deutschland als letzter ernstzunehmender Industriestaat auch keine Geschwindigkeiten jenseits von 200 km/h mehr zulässt? Wieviel landschafts- und umweltschonender lassen sich künftige Autobahnen trassieren, wenn sie geringere Kurvenradien z.B. vertragen würden? Welche positiven Auswirkungen auf die Statussymbolträchtigkeit von unwirtschaftlichen und umweltschädlichen Autos hätte es wohl, wenn diese im Alltag einfach nicht sinnvoll nutzbar wären? Wie sähe es mit der Attraktivität der Bahn aus, wenn man sich nicht einreden könne, theoretisch doch in dreieinhalb Stunden von Berlin nach Stuttgart zu kommen?

Sicher, das stößt uns erst einmal bitter auf, jetzt wo endlich auch fast alle unsere Kleinwagen die 200 km/h schaffen. Aber warum? Ist das nicht eigentlich nur eine Gewohnheit, die abzulegen gar nicht so doof wäre? Und wie viel unserer Zeit verbringen wir denn eigentlich wirklich auf freigegebenen Strecken ohne Stau und schlechte Witterungsbedingungen – also wirklich jenseits von 130 – 150 km/h?

Und wir haben auf Autobahnen Geschwindigkeitsvorschriften. Nicht nur auf einem Drittel, wie oft einseitig berichtet, sondern auf 100% ihrer Länge: Fahrzeuge mit einer bauartbedingten Höchstgeschwindigkeit unter 60 km/h dürfen dort nicht fahren. Das wird auch von niemandem scharf angegriffen, obwohl auch das nur der Sicherheit dient: Damit die Geschwindigkeitsunterschiede nicht zu Unfällen führen. Seit der Erbauung der Autobahnen haben sich die Geschwindigkeiten jedoch deutlich nach oben entwickelt. Während LKW zwar immer noch mit 80 über die Straße „kriechen“, schafft jeder Mittelklasse-Wagen die 200 km/h in überschaubar kurzer Zeit. Inwiefern 200 km/h vs. 80 km/h ungefährlicher sein sollen als 50 km/h vs. 80 km/h, ist rational nicht begründbar. Von Extremen über diese Werte hinaus brauchen wir da gar nicht reden.

Unsere Autos sind vergleichsweise sicher, sie liegen gut auf der Straße und wir haben eine Menge gute Autofahrer da draußen. Das will ich alles nicht anzweifeln. Ich sehe mich selbst nach 10 Jahren Arbeit im Fahrdienst als geübten Fahrer und ich wünsche mir manchmal, es wären alle so vernünftig und versiert. Aber im Gegensatz zu Rennstrecken mit halbwegs fairen Bedingungen unter den Teilnehmern (betreffend sowohl Übung als auch Fahrzeugstärke) ist der öffentliche Verkehr ein Raum mit unterschiedlichen Mitspielern. Auf Autobahnen fahren sowohl extrem geübte – aber langsame – LKW- und Busfahrer, ängstliche Kleinwagenfahrer, versierte Limousinenchauffeure, tollkühne Motorradfahrer und übermotivierte Supersportwagen-Besitzer. Hierbei sind die Adjektive willkürlich austauschbar, wer kennt nicht die tollkühnen Kleinwagenreiter?

Und (glücklicherweise!) hat keiner von denen mehr Rechte oder Pflichten als jeder andere. Sie alle dürfen unter der Berücksichtigung der anderen eine Autobahn nutzen, um ihr Ziel zu erreichen.

Anstatt zu akzeptieren, dass eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf der Autobahn ähnlich sinnvoll sein könnte wie die auf allen (!) anderen Straßen, erklären die Deutschen hier lieber die Technik (und damit, wenn wir ehrlich sind, die finanziellen Möglichkeiten) des Einzelnen zur Grenze des Erlaubten? Wieso eigentlich?

Ich bin – die meisten Leser sollten das inzwischen wissen – wahrhaftig kein Befürworter eines „starken Staates“. Ich tendiere immer und immer wieder zur Maxime „Freiheit statt Angst!“. Freiheit ist wichtig! Gesellschaftlich, politisch, psychisch, in allen Lebensbereichen!

Aber bei der Geschwindigkeitsfreigabe geht es nur um den Spaß am Fahren! Einen Spaß, für den man meinetwegen dutzende Rennstrecken alleine rund um Berlin bauen kann. Und wo sind eigentlich die 50 bis 80% Freiheitsbefürworter bei Themen, bei denen es nicht nur um ihren eigenen Spaß geht? Bei Themen wie der Drangsalierung von Arbeitslosen, beim Leistungsschutzrecht, bei der Reisefreiheit von Asylbewerbern etc. pp.?

Wir – und an der Stelle schließe ich mich gerne mit ein – wollen gerne schnell fahren. Das ist ok, uns als Autofahrern macht das eben Spaß. Aber verdammt nochmal: Selbst ich als Taxifahrer bin nur Teilzeit-Autofahrer – aber Vollzeit-Gehirnbesitzer.

Journalist, was soll das werden?

Der Tagesspiegel hatte gestern ein besonderes Schmankerl auf seiner Online-Präsenz zu bieten. Unter dem schönen Titel „Kutscher, was soll das werden?“ (Nebentitel „Desorientierte Taxifahrer in Berlin“) echauffiert sich eine offensichtlich gerne anonym bleiben wollende Journalistin* über eine Taxifahrerin, der das Fahrtziel nichts sagte und die daraufhin ein Navigationssystem zu Hilfe nahm. Die Route des Navis war dank Stau und Baustellen wohl alles andere als optimal. So weit, so ärgerlich natürlich.

Ein bisschen kurios würde ich das nennen, was dann folgt. Um es zusammenzufassen: Die Journalistin ärgert sich darüber, dass wir Taxifahrer immer weniger wüssten und dass wir das doch eigentlich gerade jetzt anders halten müssten, wo doch unser Beruf dank Car-Sharing usw. ohnehin immer mehr in die Ecke gedrängt würde.

Die Grundthese finde ich eigentlich ganz ok. Natürlich – das hab ich zum Anlass diverser „Taxitests“ ja auch immer wieder gesagt – steigt und fällt die Qualität einer Taxifahrt mit dem Fahrer. Ortskenntnis, Professionalität, Freundlichkeit, Hilfsbereitschaft – all das macht den Unterschied zwischen einer fantastischen und einer grottigen Taxifahrt aus. Weit mehr als das die Automarke z.B. vermag. Wieso man aber am Punkt der Nutzung eines Navigationssystems ansetzen muss, verschließt sich mir.

Ich bin auch froh um jede Tour, bei der ich das Navi nicht brauche, hier und da schalte ich es aber sogar dann mal ein. Das Drama fängt schon damit an, dass auch die werte Journalistin als Kundin im Taxi das Recht hat, den Weg zu bestimmen. Von diesem Recht Gebrauch gemacht hat sie offensichtlich nicht. Und tut sie das nicht, ist ihre Fahrerin schon gesetzlich an den kürzesten Weg gebunden. Gerade für solche Fälle sind Navis super! Man kennt die Adresse nicht wirklich, weiß nicht, ob man da von hinten oder vorne besser rankommt. Dafür gibt es die Teile. Pi mal Daumen nach Weißensee wäre die Fahrerin ziemlich sicher auch so gekommen. Natürlich wäre der Optimalfall gewesen, dass sie sich besser ausgekannt hätte und schnell noch eingeworfen hätte:

„Die Hauptstraße wäre zwar kürzer, aber wegen der Baustellen ist es hinten rum schneller. Kostet halt 80 Cent mehr.“

Ist toll, sowas – so wünsche ich mir meine Fahrten auch immer.

Aber genauso würde ich mir von Journalisten auch immer die Recherche wünschen, die ganz offensichtlich wie bei uns die Ortskenntnis eines der Hauptqualitätsmerkmale ist. Dadurch, dass ich im Taxigewerbe inzwischen einiges an Wissen gesammelt hab, schüttele ich immer wieder den Kopf und frage mich, wieso die Journalisten so ein einfaches Thema so grottenfalsch wiedergeben. Dabei sind die Fehler oft verzeihlich. Haben sie doch enormen Zeitdruck, werden schlecht bezahlt und haben einfach nicht die Möglichkeit, sich wegen eines Artikels übers Taxifahren in die Materie richtig tief einzuarbeiten.

Nun, das ist mit der Ortskenntnis aber nicht anders. Berlin hat eine Fläche von 891 km². Auf dieser Fläche liegen unzählige vermeintlich wichtige Punkte. Weit mehr, als sie ein Mensch erfassen, geschweige denn abspeichern könnte. Zumal sich vieles permanent ändert. Straßennamen vielleicht nicht so oft, bei Club- und Hotelnamen ist die Fluktuation aber beispielsweise legendär. Ich neige jetzt auch dazu, zu sagen:

„Naja, aber hallo: Weißensee, die Hauptstraßen … von Friedrichshain aus? Das sollte man aber doch wissen …“

Während das aber für die werte Journalistin vielleicht der Nabel der Welt ist, so könnte die besagte Taxifahrerin ihr hauptsächliches Arbeitsgebiet in Zehlendorf haben. Das wäre dann zwanzig Kilometer entfernt.

Ich war vor ein paar Stunden mal wieder in Spandau. Das ist – manche Berliner wird’s überraschen – noch Berlin. Den gesamten Bezirk sehe ich inzwischen allerhöchstens zweimal jährlich. Als Taxifahrer, bei dem das zum Pflichtfahrgebiet gehört …
Wenn wir jetzt noch vom „normalen“ Fahrer ausgehen, der diesen Job Vollzeit macht, sagen wir 55 Stunden die Woche – dann kommt der vielleicht in derselben Zeit viermal nach Spandau. (Oder, wenn er eher im Westen unterwegs ist nach Treptow-Köpenick)
Spandau hat aber 100 km², sicher 1000 Straßen und wahrscheinlich 300 bis 500 für eventuelle Kundschaft interessante Adressen.

Wann, so meine Frage an die Journalistin, sollen wir uns die Ortskunde dafür aneignen?

Ich denke, ich spreche für alle halbwegs an ihrem Job interessierte Kollegen, dass wir uns bemühen, unsere Arbeit gut zu machen. Aber ebenso wie man als Journalist heute wohl kaum noch umhinkommt, wenigstens ein Handy zu benutzen, eine eMail-Adresse zu haben oder mal in der Wikipedia was nachzusehen, haben auch wir nicht immer alles ohne Hilfsmittel im Blick. Und Taxifahren besteht ebensowenig daraus, einfach alle Straßen in Weißensee zu kennen, wie Journalismus nur daraus besteht, 26 Buchstaben halbwegs sinnvoll aneinanderzureihen.

Das Bundeskanzleramt – eines der Beispiele im Text – hab ich ehrlich gesagt noch nie anfahren müssen. Da weiß ich, wo es liegt. Immerhin. Bei der ein oder anderen Botschaft muss ich schon passen. Und sonderlich unwichtig würde ich diese Adressen nicht nennen. Aber hey, ich kenn die Preise von einigen Bordellen, ich kenne vielleicht einen guten Club für elektronische Musik in ihrer Nähe, weiß, dass in Marzahn diese oder jene Straße gesperrt ist, kann von mir zu Hause bis zum Sitz ihrer Zeitung alle Straßennamen und Richtungswechsel runterbeten, kann betrunkene Kerle zum Benehmen ermahnen, trauernde Frauen trösten. Ich kann den Fahrpreis im Vorfeld auf vielleicht einen Euro genau im Kopf ausrechnen, kenne alle 95 Stadtteile und tausende von Straßen. Das alles gerade mal fünf Jahre, nachdem ich nach Berlin gezogen bin und zum Vorzugspreis von lumpigen acht Euro pro Stunde, wenn’s mal ein halbwegs guter Tag ist.

Zu ihrer Adresse, sehr geehrte namenlose Journalistin, würde ich aber vermutlich das Navi anschalten. Denn wer weiß, was morgen in der Zeitung steht, wenn ich mich ausgerechnet in Weißensee vertun sollte und der Fahrpreis etwas zu hoch ausfällt …

*Ist nicht böse gemeint, aber ich hab den Namen zwischen all der Werbung und dem sonstigen Gedöns auf der Seite nicht gefunden.

Nachtrag: Inzwischen hat die Autorin einen Namen. Das war zum Zeitpunkt des Entstehens meines Artikels definitiv nicht der Fall.

Nachtrag 2: Bernd ist in seinem Taxiblog auch noch eine bissige Bemerkung zum Thema losgeworden.

 

PS: Danke an die vielen Hinweisgeber!

Wochenendauftakt

So, dem ein oder anderen hab ich es schon mitgeteilt: Arbeitsreiches Wochenende ist angesagt!

Ich hab sturmfrei, was immer noch irgendwie kindischen Übermut bei mir hervorruft, sich aber nach spätestens zwei Tagen in besonders eindrucksvolle Langeweile umwandeln wird. Ich kenn das ja. Deswegen hab ich mir auch kein Party- und Flauschweekend verordnet, sondern Arbeit. Nicht nur im Taxi, eher mehr sogar beim Schreiben. Nicht nur hier, vor allem auch am Buch – ihr kennt das ja, ich tanze ja auf vielen Parties gleichzeitig.
Motiviert bin ich bis in die Haarspitzen, dummerweise liegt hier für GNIT kaum noch verwertbares Zeug rum. Ich hab um Ostern viel freigemacht, weil die Umsätze maximal bis zum Kellerfenster gereicht haben. Also muss ich erst einmal wieder auf die Straße, damit ich irgendwas zu berichten hab – logisch, ne?

Aber ganz ohne Unterhaltung will ich Euch heute auch nicht sitzen lassen. Bei Facebook (Hey, GNIT hat bald 500 Likes! 🙂 ) hab ich heute morgen schon die aktuelle Taxigeschichte von Aro verlinkt. Also wenn es nur ums Bloggen gehen würde, wäre das ja dieses Wochenende meine Traumkundschaft. Ansonsten darf es ruhig etwas weniger anstrengend werden …

Auch nur für die nicht bei FB am Ball bleibenden neu sein wird dieses Video, ein in meinen Augen echt schon ein bisschen zu weit gehender Scherz. Aber auf der anderen Seite hab ich auch gelacht, muss ich ja zugeben:

(gefunden via cartoonland.de)

Dann noch was in eigener Sache: Ich hab Stress mit meinen Zusatzakkus. Ziemlich. Ich hab keine Ahnung, weswegen, ich hab ein wenig die Befürchtung, echte Montagsmodelle erwischt zu haben. 🙁
Jedenfalls ist ohne die Zusatzakkus für mich derzeit GPS, bzw. MyTaxi, in unerreichbare Ferne gerückt. Mein Handy – welches ich wirklich baldestmöglich mal durch ein neues ersetzen will – hält mit GPS wirklich gerade einmal zwei Stunden durch. Muss die Woche wohl erstmal ausbleiben, ich bin noch am Überlegen, wie ich das alles auf den Plan kriege. Ob jetzt mit neuen Akkus, neuer Verkabelung, neuem Handy.

Ihr wisst ja, wie das ist: am Ende mangelt es vor allem am nötigen Kleingeld. Muss wohl doch mehr Bücher verkaufen … 😉

Wie dem auch sei, ich wünsche schon mal all jenen einen guten Start ins Wochenende, bei denen es bevorsteht. Ich arrangiere mich irgendwie mit meinem.

Erste Hilfe

ist grundsätzlich erstmal kein schönes Thema. Schließlich bedarf irgendwer dieser Hilfe und ist in dem Moment dann zweifelsohne in einer nicht so sonderlich schönen Situation.

Ich hab den Aufruf von Paul im Blog „Alltag im Rettungsdienst“ schon vor ein paar Tagen wahrgenommen, mich aber auch zunächst gedrückt. Paul hat mich nochmal persönlich angefragt und irgendwie ist mir dann klargeworden, dass mein Wegschauen ja auch irgendwie wieder symptomatisch für die ganze Problematik mit der ersten Hilfe ist. Ich zähle auch zu den vielen Leuten, die sich immer Sorgen machen, wenn es um erste Hilfe geht.

Und wenn ich ehrlich sein soll: nicht einmal vernünftige Sorgen. Ich weiß, dass im Notfall jede Hilfe besser als keine ist, aber ich mache mich auch ungern zum Löffel und hasse es, im Mittelpunkt zu stehen. Das ist im Reallife definitiv anders als beim Bloggen.

Und bislang hatte ich Glück. Noch kein Mensch in meiner Umgebung war jemals so hinüber, dass ein aktives Eingreifen vonnöten gewesen wäre, und der eine wirklich bedenkliche Fall inklusive Ohnmacht ist eine Geschichte, deren Schilderung eine Erlaubnis des Schwobs voraussetzt – wäre dann aber auch eher was für Sashs Blog … obwohl, gar nicht wahr. Ein Taxi kam da auch vor. 🙂

Naja, ich bin jedenfalls schon beruflich als Taxifahrer – noch dazu nachts – trotzdem in einer Situation, in der jederzeit hilflose Personen auftauchen können. Und ich kenne mich gut genug um zu wissen, dass ich im Ernstfall meine Zweifel, Skrupel und Ängste ablegen kann. Immerhin gab es schon einige Situationen, in denen ich zumindest mal die Kollegen von Paul um Hilfe ersuchen musste. In drei Fällen hatte das mit der üblichen Alkoholopfer-Problematik zu tun, bei der es ja durchaus mal zwischen Taxifahrern und Sanitätern Streit drum gibt, wer nun zuständig ist.

Der erste Fall, noch ganz aus der Frühzeit des Blogs, war Mark X., den ich auf der Warschauer Brücke in ziemlich leblosem Zustand gefunden habe, der sich am Ende sogar von den Cops hat heimfahren lassen.

Auf Wunsch der Fahrgäste (und in dem Fall wahrscheinlich wirklich unnötig) hab ich bei dieser Tour zum Telefon gegriffen.

Etwas unergiebig war mein Anruf beim Rettungsdienst, als der Typ mit der Jacke am Ostbahnhof rumlag. Aber gut, er hat es ja wohl wirklich auch so geschafft …

Wirklich hilfsbedürftig war natürlich ganz klar Hans Baecker, dieser Fahrt habe ich ja insgesamt ganze 8 Teileinträge gewidmet. Hier die Links zu den Texten (man kann natürlich auch alleine vom ersten durchblättern): 1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8.
Die Fahrt hat mich damals echt mitgenommen und ich hoffe wirklich, dass es Hans Baecker inzwischen zumindest den Umständen entsprechend gut geht.

Privat war meine letzte Konfrontation mit hilfsbedürftigen Personen der saftenden Rentner vor meinem Hauseingang.

Was die bescheidene Sammlung auf jeden Fall zeigt, ist, dass es immer mal wieder vonnöten sein kann zu helfen. Paul hat bei seinem Aufruf ganz explizit gesagt, es geht nicht nur um spannende Reanimationsgeschichten, sondern darum zu zeigen, dass jeder hier und da mal Hilfe leisten kann / muss / sollte. Dass man keine Angst davor haben muss und dass jeder das irgendwie kann.

Ich würde mich freuen, wenn ihr die Geschichten bei „Alltag im Rettungsdienst“ mitverfolgt, ggf. selbst welche einsendet. Letzteres hab ich nicht getan, aber da ich vermute, Paul liest hier noch mit, erlaube ich hiermit die Übernahme dieses und jedes erwähnten Textes, falls einer davon besonders gut passen sollte. Weil es so viele Links waren, hier nochmal deutlich:

Alltag im Rettungsdienst – Aufruf…

„How I’m fuckin‘ you …“

Ich hab’s ja erst vorgestern Abend bei Twitter thematisiert:

„Wir Taxifahrer haben ja alle unsere Macken. Ich lenke halt gerne mit den Knien und spiele nebenbei Luftgitarre zu Master of Puppets.“

Gute Musik ist ein Muss unterwegs. Wenn Fahrgäste im Auto sind, ist mir das scheißegal. Die können – ganz im Ernst! – Volksmusik auf Anschlag hören. Für zehn Minuten bin ich (nicht nur als Taxifahrer) auch gerne mal der gute Freund, der einem fast alles durchgehen lässt. Und wenn sich’s positiv auf’s Trinkgeld auswirkt: umso besser!
Aber wenn ich alleine im Auto sitze, kann es schon passieren, dass man mich auch mal schon hört, bevor ich um die Ecke gefahren komme. Auch wenn man im Straßenverkehr sicher immer Vorsicht walten lassen sollte – mir hilft es gerade in Puncto Konzentration ungemein, hier und da mal wieder mittels Musik die geistige Reset-Taste zu drücken und mich auch mal vom Beat durch die Stadt treiben zu lassen, während ich die Gehsteige nach Kunden absuche.

Und der „Beat“ kann durchaus verschiedenstes sein. Musikalisch bin ich zwar recht eindeutig Kind des letzten Jahrhunderts, aber ob ich mich nun durch die amüsante Wortakrobatik von Fettes Brot wachhalte, durch die wohldurchdachten Gitarrenarrangements von Pink Floyd ein bisschen durch die dunklen Straßen cheate oder mit dem zauberhaften Gedresche von Dritte Wahl mal wieder den Kopf von all den Bitte-Danke-Alles-gut-Plattitüden freispüle – das ist Frage der aktuellen Stimmung und ändert sich gerne mal binnen Minuten.

Da mein Auto nur CD’s schluckt und mein PC gleichsam ausgerechnet alle CD-Brenner schrottet, bin ich auch mal auf meine Plattensammlung angewiesen und nehme in letzter Zeit vermehrt Original-Alben mit auf Tour. Deswegen auch der obige Tweet. Obgleich ich sie jahrelang nicht gehört habe, habe ich mich zum Wochenende entschlossen, mal wieder die S&M von Metallica in den Player zu packen.

Natürlich fahre ich meistens nicht ohne die Hände am Steuer – aber so ganz aus der Luft gegriffen war der Tweet dann auch nicht … 🙂

Die S&M ist zweifelsohne nicht die beste Platte von Metallica, aber die ersten 20 Minuten der ersten CD ziehen meine Laune dermaßen nach oben, das wird nur noch überboten von ein paar Liedern von The reel big Fish – vorausgesetzt, die Sonne scheint mal wieder.

Aber was laber ich hier eigentlich rum? Hier der erste Teil von S&M, „Master of Puppets“ beginnt ungefähr bei 12:40 min.

Ich weiß, Metal ist nicht jedermanns Geschmack. Da brauchen wir nicht drüber diskutieren, schließlich lebe ich ja auch als unbelehrbarer Kostverächter in DER Electronic-Music-City schlichthin. Erstaunlich Mainstream-konform finde ich o.g. Titel aber definitiv eines der besten (Thrash-)Metal-Stücke überhaupt und denke, man kann gerade aufgrund Desinteresse am Genre deswegen mal reinhören.

Gleichermaßen freue ich mich natürlich über Lieblingsstücke von Euch. Vielleicht hat ja irgendwer endlich mal ein geiles Äquivalent zu dem Typen, der anno 1999 in Stuttgart mal live Saxophon zu einem von mir eigentlich nur wenig geschätzten Elektro-Beat aus der Dose gespielt hat. War dennoch einer meiner geilsten Abende meines Lebens und mangels Infos weiß ich nicht einmal, ob es zu dem Sound eine Musikrichtung gibt. 🙂