Baecker, Hans (8)

So lange es nicht auf seine Person gemünzt war, konnte Hans Baecker sogar ausschweifend über das Heim erzählen. Er wäre da übergangsweise gewesen, weil seine Frau im Krankenhaus sei. Nun wäre sie aber wieder raus und ohnehin: warum wir sie nicht einfach rausklingeln würden!?

Die Polizistin forderte die Personendaten der Frau an, wandte sich kurz darauf aber ab. Nicht ohne Grund, wie alle außer Hans Baecker wussten:

„Gar nichts? Hatte ich befürchtet. Prüf bitte auch mal die Sterbedaten.“

Die Stimmung auf dem Gehweg war angespannt. Außer bei dem alten Herrn. Der versuchte inzwischen abermals, sein blaues Schlüsselband mit dem Schlüssel zur Wohnung zu finden. Wenngleich eigentlich recht leise und gefasst ausgesprochen, zerschnitt die Stimme der jungen Beamtin am Funkgerät die Nacht:

„Aha, 27.6.2008. Verstehe. Danke.“

Alle Blicke richteten sich auf Herr Baecker, der immer noch verzweifelt mit seiner Umhängetasche kämpfte. Dass die Beamten und die Sanis ihm klarzumachen versuchten, dass seine Frau seit 4 Jahren tot ist, hat Hans nicht mitbekommen, bzw. nicht wahrhaben wollen. Er dementierte lautstark und fragte aggressiv in die Runde, ob man ihn für blöd verkaufen wolle.

Während der Sympathiebolzen von Sani stöhnte, dass es damit „wohl doch eine Fahrt für uns“ sei, blickte mich die überschminkte Beamtin an und fragte, was der gute Mann mir denn schulden würde. Ich antwortete wahrheitsgemäß mit „rund 35 €“, was bei ihr eine gewisse Bestürzung hervorrief. Sie schien zu verstehen, dass das in meinem Universum eine Menge Geld ist.
Am Ende legte sie mir das eigentlich undenkbare nahe: dass ich gegen Hans Baecker Strafanzeige erstatte.

Und ich habe es getan.

Allerdings nach reiflicher Überlegung.

Natürlich will ich diesem armen alten Mann nichts böses – ich bin überzeugt davon, dass er mir ebensolches gleichfalls ersparen wollte. Er bat z.B. immer wieder zwischendrin, ich möge ihm doch meine Adresse geben, damit er das Geld bezahlen könne. Nein, miese Absichten hatte der Kerl nach wie vor nicht! Und er hat schon mehr gelitten als ich es hoffentlich je muss!
Auf der anderen Seite wird ihn diese Anzeige persönlich kaum treffen (es geht ja auch um nichts, wofür er ewig in den Knast müsste), ich hoffe nur darauf, dass er einen Betreuer oder dergleichen hat, der mir mein Geld erstattet, sobald der Brief eingeht.

Sollte dem nicht so sein, dann werde ich selbstverständlich wahrheitsgemäß bestätigen, dass der alte Mann – der in meinen Augen während der Fahrt kein bisschen verwirrt wirkte – im Grunde unzurechnungsfähig war.

Ich hätte ihn sogar – wenn mir eine Aufnahme dort garantiert worden wäre – selbst zum Heim gebracht. Unentgeltlich. Denn – so bitter für mich die nunmehr verkackte Samstagsschicht war – mehr als meine finanziellen Probleme gerade hat mich fertig gemacht, was die Beamtin zu mir sagte, als sie mir meinen Ausweis wieder aushändigte:

„Es war ja schon mal sehr nett, dass sie überhaupt angerufen haben …“

Ach ja? War es das? War es nicht einfach nur selbstverständlich?

Bevor ich heimgefahren bin, habe ich zwei Sekunden Zeit aufgewendet, um das wirklich allerallernötigste zu tun: Herrn Hans Baecker alles Gute zu wünschen. Und ich habe die Befürchtung, damit an diesem Abend alleine gewesen zu sein. Leider. 🙁

30 Kommentare bis “Baecker, Hans (8)”

  1. Sam sagt:

    … *schnüff* 🙁

  2. Clemens sagt:

    Poff… dafür hat sich das Warten gelohnt! Danke für diese sehr nachdenklich stimmende Geschichte!

    Und an alle, die das hier lesen: Es gibt ganz viele Herr Baekers in Deutschland. Und viel zu wenige Sashs, die Hilfe holen, wenn sie nötig ist, und dabei das Menschliche nicht vergessen. Und bevor jetzt jemand wegen der Anzeige mosert: Überlegt euch, wie ihr euch in einer vergleichbaren Situation entschieden hättet.

  3. elder taxidriver sagt:

    Sash, die soziale Cleverness des Alten wird nur noch von Deiner Aufschreibekunst und Deiner Fortsetzungsdramaturgie
    übertroffen..

    (Gibts hier eigentlich Treuepunkte ? Nein? Na macht nichts)

  4. Nessa LG sagt:

    Welch Drama, welch Odyssee… ;____;
    *sniff*
    Ich glaube, ich zeichne das mal…

  5. Bernd K. sagt:

    Eine traurige Geschichte, schön erzählt.
    Und die Frau war tatsächlich schon vor rund 4 Jahren verstorben?
    Auch Selbstverständlichkeiten können „nett“ sein.

    @Nessa LG: auf deine Zeichnung wäre ich neugierig.

  6. morgendliche Leserin sagt:

    bitter…

    Das mit der Anzeige – vielleicht hilft es _ihm_ auch, falls er noch keine rechtliche Betreuung hat…

  7. morgendliche Leserin sagt:

    Haben eigentlich die Nachbarn nicht reagiert? Keiner, der ihn von früher kannte oder ähnliches? Ich meine – wenn das ein eher ruhiges Wohngebiet ist – kriegt man das doch mit. Und spätestens, wenn jemand nachts sturmklingelt, würde ich ausm Fenster schauen, was los ist.

  8. S-Man sagt:

    Ich glaube, ich hätte auf die Anzeige verzichtet, aber ich kanns nachvollziehen.

    Und nein: Ist leider nicht selbstverständlich. Schau dich mal in der SBahn um, wenn ein Motz-Verkäufer durch die Reihen geht: Naserümpfen, verächtliche Blicke wo man hinschaut. Kaum Verständnis. Und im Freien ist es vermutlich noch schlimmer, da kann man nämlich wegschauen. Ist leider so. Oft genug erlebt.

    Danke für die Geschichte.

  9. Julius sagt:

    Eine wahrhaft sehr schöne Geschichte, weiter so, Herr Bors 🙂

  10. Blogolade sagt:

    Ich hab geahnt, dass das eine traurige Geschichte wird. Trotzdem Danke dafür!

  11. fastdäne sagt:

    Moin, moin,
    für den letzten Satz könnte ich dich knuddeln. Und ja, die Anzeige könnte helfen, ggfs. die gesetzliche Betreuung anzuschieben. Wiederholden kann sich das ganze dennoch immer weider, denn einsperren darf, will und muss man den armen Senior bestimmt nicht. Bei jedem normalen Heim kann er aber fast jederzeit durch die Tür gehen und sich nochmals verlaufen. Schön wenn er dann auf jemanden wie dich trifft. Das Gefühl geholfen zu haben kann vielleicht über den finanziellen Verlust trösten.
    Gruß Frank

  12. Michi sagt:

    Oh Mann. Für alle Beteiligten eine Scheißsache.

    Herr Baecker kann einem nur leid tun 🙁 Hoffentlich findet er wieder in einigermaßen geregelte Bahnen zurück.

  13. sternburg sagt:

    Hm. Ich wäre bei der Strafanzeige vorsichtig, nicht den Eindruck zu erwecken, Dir wäre die Schuldlosigkeit des Mannes nicht – zumindest im Nachhinein – bewusst. Damit sich das nicht plötzlich gegen Dich wendet.

    Und auf der anderen Seite wird sich die Amtsanwaltschaft ärgern, für die offensichtliche Einstellung erst eine Akte aufmachen zu müssen. Man kann sich übrigens auch von der Polizei die Vorgangsnummer und idealerweise die Namen der anwesenden Beamten gegen lassen, und für die – schließlich einzig angestrebte – zivilrechtliche Durchsetzung die Akte als Beleg und die Polizisten als Zeugen nutzen. Sollten auf jeden Fall völlig reichen, um einen Betreuer zur Begleichung der Rechnung zu motivieren. Falls das überhaupt nötig ist.

    Wobei Ihr natürlich viel mehr praktische Erfahrungen habt. Und wenn Du bzw. Deine Chefs die Erfahrung gemacht haben, dass eine Anzeige hilfreich ist, dann lasst Euch bloß von keinem Theoretiker reinreden.

    Was ich eigentlich sagen wollte: Ich möchte mich nicht nur den Vorrednern anschließen. Ich finde es auch völlig richtig, wenn Du auf Deine Bezahlung bestehst. Wer hilfsbereit ist, der sollte nicht auch noch die finanziellen Folgen allein tragen. Jedenfalls nicht, wenn es vermeidbar ist. Das nützt (so allgemein) weder dem Hilfsbereiten, noch den Hilfsbedürftigen.

    Ich glaube, ich hätte die Uhr sogar angelassen.

  14. ednong sagt:

    Hm,
    was ich bisher so an Betreuern erlebt habe läßt mich eher zur Aussage verleiten: wenn er einen Betreuer bekommt, dann hoffentlich einen, der sich auch um ihn kümmert. Und nicht nur kassiert.

    Manchmal denke ich, man sollte gar nicht unbedingt so alt werden …

  15. Sash sagt:

    @Clemens:
    Danke! Und Du hast natürlich Recht damit, dass es einige Baeckers da draußen gibt. Leider. 🙁

    @elder taxidriver:
    Treuepunkte? Geile Idee für Blogs! 🙂
    Und für 10000 gelesene Artikel gibt es dann ein Buch gratis oder so …

    @Nessa LG:
    Das wäre ja eine geile Sache! Würde mich auf jeden Fall interessieren!

    @Bernd K.:
    Ja, sogar noch ein wenig länger. Ich hab das Jahr natürlich auch ausgetauscht, um nicht versehentlich das richtige Datum dastehen zu haben. Aber die Größenordnung stimmt ungefähr.

    @morgendliche leserin:
    Das ist der andere wichtige Punkt: Vielleicht hilft es sogar. Das ist mir aber auch erst im Nachhinein eingefallen – gebe ich zu. Von den Nachbarn hat keiner irgendwie reagiert. Die, bei denen geklingelt wurde, waren wahrscheinlich nicht da. Ob er da ganz sicher gewohnt hat, ist übrigens nicht raus. Bei den Nummern kam er am Ende doch ein wenig durcheinander und die nächsten zwei drei Häuser sahen sehr ähnlich aus.

    @S-Man:
    Hast natürlich Recht, aber ich wollte einfach mal provozierend nachfragen.

    @Julius:
    Danke! 🙂

    @fastdäne:
    Ja, tut es. Und egal, wie ich es drehe oder wende – mehr als 30 € oder so beträgt mein Verlust am Ende auch nicht. Wäre schön, wenn ich wenigstens den Fahrpreis wiederkriege, wenn nicht, dann ist es halt so.

    @sternburg:
    Das ist kein Verfahren, bei dem es mir auf Teufel komm raus darauf ankommt, zu gewinnen. Im Gegenteil: Ich will da kein Verfahren! Vielleicht hab ich Glück und da zahlt jemand, um den weiteren Ärger abzuwenden. Wenn nicht, dann war es das eben. Ich meine, Herr Baecker ist jetzt nicht der Kandidat, dem man da aus Prinzip auf die Finger klopfen müsste und wenn ich mir jetzt mal überlege, dass ich maximal 35,60 € bei der Sache gewinnen könnte (bzw. ich und meine Chefs zusammen), dann stellt sich doch die Frage, ob das für irgendwen überhaupt einen größeren Aufwand wert ist. Überleg mal, was es an Zeit und Geld kostet, ein – wenn auch nur schriftliches – Verfahren zu führen. Das treibt am Ende bloß die Rechnung auf beiden Seiten hoch und bringt am Ende niemandem was.

    @ednong:
    Ja, da muss man schon an die richtigen geraten. Mal sehen, was hier passiert.

  16. MsTaxi sagt:

    Vllt koennen deine Scheffes ueber die Rennleitung ja auch rausfinden, ob es die Tochter wirklich gibt bzw. Wer der Betreuer ist, so schon einer vorhanden ist. Familie koennte sich ja evtl positiv beeindruckt sehen, dass du den alten Herrn nicht wie einen Hund ausgesetzt hast.

  17. Cloggerin sagt:

    Puh. Was für eine Gechichte. Mir geht das ganz schön unter die Haut. Muss nochmal ein paarmal tief ausschnaufen, bevor ich wieder in meinen Alltag eintauchen kann.

  18. Matze sagt:

    Moin Sash,

    würde ich deine Reaktion persönlich nicht für selbstverständlich halten, wäre ich gerührt. Da ich jedoch immer wieder mitbekomme, wie unsozial Menschen tatsächlich und Reaktionen wie deine eben nicht selbstverständlich, sondern Mangelware sind, bin ich wiederum tief beeindruckt! Wie man im Netz manchmal so schön sagt: „faith in mankind restored“.

    Du hast deine Beweggründe für die pro-forma-Anzeige bereits beschrieben, aus eigener Erfahrung (scheisse klingt das scheisse ;)) hätte ich bei diesem und habe ich schon bei höheren Beträgen darauf verzichtet, den Rechtsweg zu beschreiten. Um mich selbst und mein Bestreben nach Gerechtigkeit zu beruhigen, habe ich versucht, den Aufwand mit dem erforderlichen Schreibkram, den geschundenen Nerven, Ärger und schlaflosen Nächten in bezahlte Arbeitszeit umzurechnen, ratzfatz rechnet sich das nicht mehr 😉

    Danke fürs schreiben und lesen lassen!

  19. Cliff McLane sagt:

    Hallo Sash!

    Ich arbeite derzeit selber im sozialen Bereich, und kann nur sagen: Du hast absolut richtig gehandelt. Auch die „pro forma“-Anzeige war richtig. Du bist eben durch und durch menschlich, auch wenn du am Anfang der Fahrt vermutlich schon geahnt hast, worauf das hinauslaufen könnte.

    Sozialpädagogik zu studieren, darüber hast du nicht zufällig schon mal nachgedacht? Das ließe sich auch mit dem Taxifahren vereinbaren; ich kann dir auf Anfrage gerne eine FH in Berlin empfehlen. Aber, andererseits: Wahrscheinlich würdest du dich unter frisch von der Schule kommenden Mädels, die eigentlich Kindergärtnerin hätten werden wollen, aber zufällig Abitur haben, nur langweilen. Du machst sowieso gute „Streetwork“, wie so viele „da draußen“. Bitte bleib dabei.

    Ach ja, und noch eine Bitte: Keine so langen Mehrteiler mehr. Vier Teile reichen! Von mir aus auch auf vier Tage verteilt. Bloglesen ist nämlich anstrengend; wir müssen das ja immer von unten nach oben lesen, aber die einzelnen Texte laufen von oben nach unten, also rauf- und runterscrollen. Das ist, vor allem nach einem langen Arbeitstag, lästig.

    Und noch eine Kritik (konstruktiv gemeint): Das waren nicht, wie angekündigt, „Cliffhanger“, wo es am Ende jedes Teils spannend wird, wie es wohl weitergehen mag. Spätestens nach dem dritten Teil war zumindest mir relativ klar, was es mit dem Kunden auf sich hatte. Deswegen nenne ich das auch einen „Mehrteiler“, den du genausogut auf einmal veröffentlichen hättest können, vielleicht mit der Vorwarnung „langer Text ahead“.

    Keep on driving! (Und dabei das Schreiben natürlich nicht vergessen.)

  20. Sash sagt:

    @MsTaxi:
    Vielleicht. Mal sehen, was sich da noch ergibt. Aber im Grunde ist das jetzt eine abgehakte Geschichte und ich werd einfach die anfallenden Formulare ausfüllen und das war es dann. Ich reiße mir jetzt definitiv kein Bein mehr aus, um an die paar Euro zu kommen. War eine anstrengende Fahrt, ein interessanter Tag im Blog, alles weitere ist nicht nötig.

    @Cloggerin:
    Ging mir nach der Tour auch so. Aber das wird. 🙂

    @Matze:
    Wie gesagt: Ich werde da kein großes Drama draus machen. Wenn es nicht zufällig recht einfach geht, dann ist das Kapitel Hans Baecker und die Samstagsschicht für mich hiermit abgehakt. Natürlich ist das alles keinen großen Aufwand wert.

    @Cliff McLane:
    Ach, ich hab so viel Sozialpädagogik mitgekriegt. Nicht nur arbeiten einige gute Freunde in dem Bereich – ich hab selbst durch meinen Zivildienst auf einem Abenteuerspielplatz und durch mehrere Jahre Kinderbetreuung auf Freizeiten dank der dafür notwendigen Schulungen (waren sicher 15 Wochenenden von Rechtliche Grundlagen bis Theaterpädagogik) einiges mitbekommen. Ist kein Feld, in dem ich gerne dauerhaft arbeiten würde, aber es ist Wissen, das mir im Leben definitiv hilft. Das passt schon so – lieber Hobby-Streetworking mit Fahrgästen 🙂
    Das mit den Mehrteilern ist weder geplant noch ausgeschlossen. Ich schreibe meine Artikel nach dem ich irgendwas erlebt habe – da ist es jedes Mal die Frage, wie man das am Besten aufbereitet, inklusive der Form und Veröffentlichungszeit der Artikel. Ich hab für diese Geschichte dieses Format gewählt und bin außerdem insgesamt sehr zufrieden. Und ja, da gehört natürlich auch ein bisschen dazu, dass der ein oder andere Leser bettelt, doch endlich rauszurücken mit dem Rest 😉
    Für den Großteil der anderen Artikel wäre das allerdings auch völlig undenkbar. So gesehen war das trotz der Einmaligkeit kein Experiment für zukünftiges, sondern einfach etwas der Situation angepasstes. Dass unsere Meinungen da vielleicht auseinander gehen, kann sein.
    Ob das jetzt wirklich Cliffhanger waren – ist glaube ich gar nicht so leicht zu sagen. Was genau passiert, wusste keiner und irgendwie hab ich ja doch das Interesse geweckt, weiterzulesen … aber im Grunde ist es auch egal, wie man das jetzt nennen will: Es war mal was anderes und die Meinungen darüber, ob es gut oder schlecht war, sind geteilt. Und damit kann ich leben.

  21. leserin sagt:

    es sollte mehr sashs im dienstleistungsbereich geben, denn in vielen fällen sind menschen wie besagter sympathiebolzen eben nicht beherrscht genug ihre (wenn auch verständlichen) gedanken vor patienten zurückzuhalten, oder es sind eisklötze die arbeiten ohne kleinste emotionale regung, und auch das ist sehr kontraproduktiv.
    ich glaube auch manche berufe machen einen erst zu dem was man ist… leider! irgendwo braucht jeder seinen weg nervlich mit extremsituationen und dauerbelastung umzugehen, oftmals ist es ein weg der genau das verkehrte ist für die berufsrichtung.

    ich hoffe sehr dass das mit dem geld so bald wie möglich hinhaut und auch wenn die geschichte interessant und mitreißend war, hätte ich mir eher für alle beteiligten gewünscht sie wäre erst gar nicht geschehen…

    das mit dem mehrteiler… verständlich dass das einigen nicht so gut gefällt weil einiges vorraussehbar war oder man vor neugier einfach zu platzen droht 😉 , ich bin mir dennoch irgendwie sicher dass ein sehr langer text von sash wiederum zu kritik geführt hätte, ob er sich nicht kürzer fassen kann oder warum er einen derartigen roman nicht stückelt. 🙂 sorry, aber so schätze ich das nach einiger „blogleseerfahrung“ ein…

  22. Sash sagt:

    @leserin:
    Bitte nicht zuviel der Lorbeeren!
    Zum einen bin ich wirklich viele Kompromisse während der Sache einzig mit dem Gedanken eingegangen, dass ich so vielleicht wenigstens mein Geld sehe. Zum anderen ist es irgendwie unfreiwillig komisch, dass ihr mich jetzt alle lobt, obwohl ich das schon von der Polizistin irgendwie nicht so recht angemessen fand. Die Intention dieser Einträge war jedenfalls nie, mich irgendwie als Held zu feiern. Ich hab geschrieben, dass ich das für selbstverständlich gehalten hab (hey, es war nur ein Anruf!) und dabei bleibt es auch.
    Dass der jeweilige Job Leute oft mehr beeinflusst, als sie denken, stimmt allerdings. Ich bin da auch keine Ausnahme und gerate hier und da an Grenzen. Wobei ich offenbar psychisch mit erstaunlich vielen Dingen klarkomme und sicher irgendwas wesentlich sozialeres als Taxifahren machen könnte.

  23. leserin sagt:

    ich finde es geht einfach darum wie du dich insgesamt verhalten hast, wie du selbst erlebt hast gibt es da auch ganz ganz andere reaktionen, mir geht es da nicht ausschließlich um den anruf. ich denke nicht dass ich alle nerven beisammen gehalten hätte, wenn auch nicht in die aggressive oder genervte richtung, aber ich wäre definitiv absolut überfordert gewesen. ich will einfach nur sagen, dass ein kühler kopf in solchen fällen gold wert ist und meiner ansicht nach keine selbstverständlichkeit.
    genau das ist es ja: menschen die angemessen reagieren wenn sowas passiert sind nicht mehr der regelfall.
    vor allem, find dann mal ausgerechnet nen taxifahrer der das so meistert. ist jetzt nicht nett gesagt gegenüber deinen kollegen ;), aber ehrlich, denk mal daran wie oft kunden überrascht sind dass sie mal an einen freundlichen taxler geraten!… das SOLLTE ja auch „normal“ sein, ist es aber anscheinend nicht mehr…

  24. Dennis sagt:

    Bam, krasse Geschichte und um Herrn „Baecker“ tuts einem leid. Und der unfreundliche Rettungsassistent/sanitäter gehört gehörig mal der Marsch geblasen.

    Sash, du bist wirklich ein super „Schreiberling“ Ganz toll. Und respekt davor das du es Herrn B: nicht übel genommen hast.

    🙂

  25. Sash sagt:

    @leserin:
    Ich weiß, dass es nicht allzu verbreitet ist. Für mich wäre es aber wesentlich mehr (emotionaler) Aufwand gewesen, den Kerl stehen zu lassen …

    @Dennis:
    Das ist es ja: Was hätte ich ihm übelnehmen können? Der wusste ja gar nicht, was das Problem ist!
    Zum Sani: Naja, ich verstehe das ja durchaus ganz gut.
    Und danke für die netten Worte 🙂

  26. DerKeks sagt:

    harter Tobak…
    Ich kenne einige Rettunssanitäter und kenne auch die Storys die die immer wieder erleben, von Familiendramen und menschlichen Abgründen, von rasenden gewaltbereiten Menschen die sogar die Santitäter noch angreifen weil das Adrenalin jede Vernunft ausschaltet. Das nicht jeder auf Dauer mit solchen Situationen klar kommt ist verständlich. Und dass viele von denen eine ganz andere Sicht auf solche Situationen entwickeln ist wahrscheinlich ganz normal und vermutlich sogar wichtig um nicht selber daran kaputt zu gehen…
    Allerdings, bitte, das Minimum an Professionalität sollte auch ein Rettungssani aufbringen können nicht vor allen Leuten und schon garnicht vor dem Betroffenen so unfassbar assi und überheblich daherzuquatschen dass man dem am liebsten seinen Rettungskoffer um die Ohren hauen will.
    Wie gesagt, ich habe echt jedes Verständnis dafür, dass die eine deutlich abgeklärte Art haben mit solchen Situationen umzugehen aber jemand anderen ‚einfach‘ derart herabzuwürdigen geht mal garnicht.

  27. nickel sagt:

    Oh man, das macht mich jetzt traurig 🙁

    So jemand läuft hier auch rum. Er heißt „halb 8“, denn er sagt immer, der Zug führe nach Amerika – und zwar halb 8! Man vermutet, dass seine Frau halb 8 starb und er das nicht verkraftete. Sehr traurig sowas.

  28. Sash sagt:

    @nickel:
    Ja, sowas ist traurig. Passiert aber eben immer wieder.

  29. Benny sagt:

    Und das verlinkst du erst JETZT? verdammt, dass muss in so eine Rubrik Top Storys oder so, das war so fesselnd wie ein Buch.
    Ich finde Demenz echt interessant, manchmal auch lustig, aber auch traurig 🙁
    Ich leide selber manchmal an Gedächtnisverlust, aber eher im Sinne von „was wollte ich jetzt eigentlich hier?“.

  30. Sash sagt:

    @Benny:
    Ach, ich verlinke den Herrn Baecker öfter mal, und bis ins Buch hat es die Geschichte auch geschafft. Arg viel mehr direkte Prominenz bekommen einzelne Texte hier einfach nur selten.

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