Journalist, was soll das werden?

Der Tagesspiegel hatte gestern ein besonderes Schmankerl auf seiner Online-Präsenz zu bieten. Unter dem schönen Titel „Kutscher, was soll das werden?“ (Nebentitel „Desorientierte Taxifahrer in Berlin“) echauffiert sich eine offensichtlich gerne anonym bleiben wollende Journalistin* über eine Taxifahrerin, der das Fahrtziel nichts sagte und die daraufhin ein Navigationssystem zu Hilfe nahm. Die Route des Navis war dank Stau und Baustellen wohl alles andere als optimal. So weit, so ärgerlich natürlich.

Ein bisschen kurios würde ich das nennen, was dann folgt. Um es zusammenzufassen: Die Journalistin ärgert sich darüber, dass wir Taxifahrer immer weniger wüssten und dass wir das doch eigentlich gerade jetzt anders halten müssten, wo doch unser Beruf dank Car-Sharing usw. ohnehin immer mehr in die Ecke gedrängt würde.

Die Grundthese finde ich eigentlich ganz ok. Natürlich – das hab ich zum Anlass diverser „Taxitests“ ja auch immer wieder gesagt – steigt und fällt die Qualität einer Taxifahrt mit dem Fahrer. Ortskenntnis, Professionalität, Freundlichkeit, Hilfsbereitschaft – all das macht den Unterschied zwischen einer fantastischen und einer grottigen Taxifahrt aus. Weit mehr als das die Automarke z.B. vermag. Wieso man aber am Punkt der Nutzung eines Navigationssystems ansetzen muss, verschließt sich mir.

Ich bin auch froh um jede Tour, bei der ich das Navi nicht brauche, hier und da schalte ich es aber sogar dann mal ein. Das Drama fängt schon damit an, dass auch die werte Journalistin als Kundin im Taxi das Recht hat, den Weg zu bestimmen. Von diesem Recht Gebrauch gemacht hat sie offensichtlich nicht. Und tut sie das nicht, ist ihre Fahrerin schon gesetzlich an den kürzesten Weg gebunden. Gerade für solche Fälle sind Navis super! Man kennt die Adresse nicht wirklich, weiß nicht, ob man da von hinten oder vorne besser rankommt. Dafür gibt es die Teile. Pi mal Daumen nach Weißensee wäre die Fahrerin ziemlich sicher auch so gekommen. Natürlich wäre der Optimalfall gewesen, dass sie sich besser ausgekannt hätte und schnell noch eingeworfen hätte:

„Die Hauptstraße wäre zwar kürzer, aber wegen der Baustellen ist es hinten rum schneller. Kostet halt 80 Cent mehr.“

Ist toll, sowas – so wünsche ich mir meine Fahrten auch immer.

Aber genauso würde ich mir von Journalisten auch immer die Recherche wünschen, die ganz offensichtlich wie bei uns die Ortskenntnis eines der Hauptqualitätsmerkmale ist. Dadurch, dass ich im Taxigewerbe inzwischen einiges an Wissen gesammelt hab, schüttele ich immer wieder den Kopf und frage mich, wieso die Journalisten so ein einfaches Thema so grottenfalsch wiedergeben. Dabei sind die Fehler oft verzeihlich. Haben sie doch enormen Zeitdruck, werden schlecht bezahlt und haben einfach nicht die Möglichkeit, sich wegen eines Artikels übers Taxifahren in die Materie richtig tief einzuarbeiten.

Nun, das ist mit der Ortskenntnis aber nicht anders. Berlin hat eine Fläche von 891 km². Auf dieser Fläche liegen unzählige vermeintlich wichtige Punkte. Weit mehr, als sie ein Mensch erfassen, geschweige denn abspeichern könnte. Zumal sich vieles permanent ändert. Straßennamen vielleicht nicht so oft, bei Club- und Hotelnamen ist die Fluktuation aber beispielsweise legendär. Ich neige jetzt auch dazu, zu sagen:

„Naja, aber hallo: Weißensee, die Hauptstraßen … von Friedrichshain aus? Das sollte man aber doch wissen …“

Während das aber für die werte Journalistin vielleicht der Nabel der Welt ist, so könnte die besagte Taxifahrerin ihr hauptsächliches Arbeitsgebiet in Zehlendorf haben. Das wäre dann zwanzig Kilometer entfernt.

Ich war vor ein paar Stunden mal wieder in Spandau. Das ist – manche Berliner wird’s überraschen – noch Berlin. Den gesamten Bezirk sehe ich inzwischen allerhöchstens zweimal jährlich. Als Taxifahrer, bei dem das zum Pflichtfahrgebiet gehört …
Wenn wir jetzt noch vom „normalen“ Fahrer ausgehen, der diesen Job Vollzeit macht, sagen wir 55 Stunden die Woche – dann kommt der vielleicht in derselben Zeit viermal nach Spandau. (Oder, wenn er eher im Westen unterwegs ist nach Treptow-Köpenick)
Spandau hat aber 100 km², sicher 1000 Straßen und wahrscheinlich 300 bis 500 für eventuelle Kundschaft interessante Adressen.

Wann, so meine Frage an die Journalistin, sollen wir uns die Ortskunde dafür aneignen?

Ich denke, ich spreche für alle halbwegs an ihrem Job interessierte Kollegen, dass wir uns bemühen, unsere Arbeit gut zu machen. Aber ebenso wie man als Journalist heute wohl kaum noch umhinkommt, wenigstens ein Handy zu benutzen, eine eMail-Adresse zu haben oder mal in der Wikipedia was nachzusehen, haben auch wir nicht immer alles ohne Hilfsmittel im Blick. Und Taxifahren besteht ebensowenig daraus, einfach alle Straßen in Weißensee zu kennen, wie Journalismus nur daraus besteht, 26 Buchstaben halbwegs sinnvoll aneinanderzureihen.

Das Bundeskanzleramt – eines der Beispiele im Text – hab ich ehrlich gesagt noch nie anfahren müssen. Da weiß ich, wo es liegt. Immerhin. Bei der ein oder anderen Botschaft muss ich schon passen. Und sonderlich unwichtig würde ich diese Adressen nicht nennen. Aber hey, ich kenn die Preise von einigen Bordellen, ich kenne vielleicht einen guten Club für elektronische Musik in ihrer Nähe, weiß, dass in Marzahn diese oder jene Straße gesperrt ist, kann von mir zu Hause bis zum Sitz ihrer Zeitung alle Straßennamen und Richtungswechsel runterbeten, kann betrunkene Kerle zum Benehmen ermahnen, trauernde Frauen trösten. Ich kann den Fahrpreis im Vorfeld auf vielleicht einen Euro genau im Kopf ausrechnen, kenne alle 95 Stadtteile und tausende von Straßen. Das alles gerade mal fünf Jahre, nachdem ich nach Berlin gezogen bin und zum Vorzugspreis von lumpigen acht Euro pro Stunde, wenn’s mal ein halbwegs guter Tag ist.

Zu ihrer Adresse, sehr geehrte namenlose Journalistin, würde ich aber vermutlich das Navi anschalten. Denn wer weiß, was morgen in der Zeitung steht, wenn ich mich ausgerechnet in Weißensee vertun sollte und der Fahrpreis etwas zu hoch ausfällt …

*Ist nicht böse gemeint, aber ich hab den Namen zwischen all der Werbung und dem sonstigen Gedöns auf der Seite nicht gefunden.

Nachtrag: Inzwischen hat die Autorin einen Namen. Das war zum Zeitpunkt des Entstehens meines Artikels definitiv nicht der Fall.

Nachtrag 2: Bernd ist in seinem Taxiblog auch noch eine bissige Bemerkung zum Thema losgeworden.

 

PS: Danke an die vielen Hinweisgeber!

31 Kommentare bis “Journalist, was soll das werden?”

  1. Aro sagt:

    Sehr schön sind auch die Fahrgäste, die meinen, ausgerechnte IHRE Suffkneipe müsste man als Taxifahrer ja auf jeden Fall kennen.

    Das mit den Journalisten kann ich mittlerweile gar nicht mehr ernst nehmen. Entweder nutzen sie ihre priviligierte Stellung als Multiplikator aus, um persönliche Ärgernisse in die Welt hinauszuposaunen (das machen wir als Blogger ja auch), ohne dass dies irgendeinen journalistischen Wert hätte. Oder aber, die Erlebnisse sind komplett ausgedacht, was ich schon bei einigen dieser Texte vermutet habe.

  2. Sash sagt:

    @Aro:
    Das Problem ist nur hier wie dort: Man kann natürlich nicht allen entsprechendes unterstellen. Wir wissen, dass es komplett ahnungs- und merkbefreite Kollegen gibt, ebenso halt auch Journalisten …
    Und ja: Diese Sorte Fahrgäste ist grandios. Besonders in den Außenbezirken. 🙂

  3. Paterfelis sagt:

    Ich weiß, es ist kein Trost, aber wenn ich von meinem Fachgebiet was in den Medien hören, lesen oder sehen muß, verzweifle ich auch regelmäßig an der Darstellung. Sorgfältige Recherche ist anders, selbst wenn ich einräume, daß ein in meinem Fall eher komplexer Stoff für Otto Normalbürger verständlich aufbereitet werden soll.

    Sehr lustig finde ich auch immer die Beiträge, in denen kurz beschrieben wird, daß irgendein Gericht in einer Sache dies und das entschieden hat. Ich lese mir das besagte Urteil dann immer ganz gerne mal durch und stelle fest, daß die große Erkenntnis des Gerichtes eigentlich nur eine für alle Beteiligten klare Selbstverständlichkeit ist, welche im Rahmen der Aufzählung relevanter Fakten mit aufgeführt wurde. Das hat dann für Insider das Niveau von „Bei rot musst du stehen, bei grün darfst du gehen.“ Eigentlich ging es in dem bahnbrechenden Urteil um ganz etwas anderes.

    Und wieder donnert meine Stirn gegen die Marmorplatte der Fensterbank, weil die Holzplatte des Tisches nicht mehr ausreicht, die Wucht auszuhalten.

  4. Christian sagt:

    Die lieben Journalisten mal wieder.
    Eine Berufsgruppe in der jede schluderigkeit durch ein „schwarzes Schaf“ auf den gesammten Berufsstand zurückfällt. Dabei ist gerade das eine Berufsgruppe die bei jedem noch so kleinen Artikel auf ordentliche Recherche achten sollte. Niemand kann sich zu allen Themen auskennen, aber wenn man dann zu einem Thema, bei dem man selbst über Fachwissen verfügt, zahlreiche Fehler liest oder sieht, dann muss man sich fragen ob Journalisten immer so einen Unsinn produzieren.

    Und im Gegensatz zum Taxifaher, der eine Prüfung ablegen muss, darf sich jeder einfach Journalist nennen.

  5. Michael sagt:

    Hast Du gut geschrieben!
    Journalisten müssen die Zeitungen täglich irgendwie volltexten und das tun sie. Man müßte mal zurücjkfragen, ob in der Redaktion auch Computer, Taschenrechner, Rechtschreibprüfprogramme und andere Hilfsmittel verwendet werden….

  6. sb sagt:

    Ich habe den Artikel nicht gelesen, daher werde ich mich zu ihm nicht äußern.

    Wenn ich unterwegs bin und vom Bahnhof/Flughafen oder Kunden zum Hotel will, habe ich immer zusätzlich zum Hotelnamen auch die Adresse bei. Nicht jeder Taxifahrer kann jedes Hotel per Namen kennen, der sich vielleicht gerade geändert hat. Auch finde ich es gut, und habe es dem Fahrer auch gesagt, wenn das Navi benutzt wird, wenn er sich nicht ganz sicher sind. Gerade in Berlin mit dem großen Pflichtfahrgebiet, aber auch in anderen Städten kann man nicht alles kennen und lieber einmal zu viel nachschlagen/ im Navi nachgucken als zu wenig.

    Nur eins geht von der Ortskunde her nicht: sich auf dem Weg vom Hauptbahnhof Saarbrücken zum Flughafen Saarbrücken zweimal verfahren – leider erlebt. Solche Strecken sollte ein Taxifahrer kennen.

  7. george sagt:

    Taxifahren in Berlin ist und bleibt eine schöne Sache. Soviel vorab. Ich nutze gerne Texis.

    Die Debatten um positive und negative Erlebnisse enthalten mir immer viel zu viele Binsenweisheiten.
    Ist doch klar, dass man als Taxifahrer/in Kund/inn/en bevorzugt, die freundlich, kooperativ und am Ende auch ein bisschen großzügig sind.
    Ist doch klar, dass man als Kundin/Kunde vom Taxi dasselbe Optimum erhofft wie von jedem Dienstleister, also Fachwissen, Freundlichkeit, Ehrlichkeit und evtl. sogar den einen oder anderen Tipp.
    Ist doch klar, dass meist weder das eine noch das andere in Reinkultur vorkommt. Denke, darüber braucht man doch gar nicht reden.

    Zwei Dinge scheinen aber in den letzten Monaten/Jahren wirklich immer mehr einzureißen:
    1. Was mir meine Taxifahrer/innen erzählen, ist, dass Kund/inn/en immer ruppiger und unverschämter, sogar gewalttätig werden. Das war, ich erinnere mich gut, vor 10-12Jahren eigentlich noch der relativ kleinen Gruppe der Betrunkenen oder Zwangsneurotiker vorbehalten. Irgendwie scheint sich bei manchen Leuten der Eindruck festgesetzt zu haben, Taxifahrer in Deutschland ticken grundsätzlich wie in manchen Schwellenländern und seien potentiell alle kriminell oder zumindest Menschen zweiter Klasse. Absolut schlimm.
    2. Was ich durchschnittlich leider öfter mal erlebe: Taxifahrer/innen, die irgendwie komisch drauf sind: Kein Wort reden, keine Hilfestellung anbieten, trotz mehrfacher Bitte patzig reagieren(Starthilfe z.B.), die bei Bestellung am frühesten Morgen eine Minute vor dem Haus warten und dann direkt vor einem wieder abzischen, so dass man neu bestellen muss und deswegen fast den Flieger verpasst. Oder solche, die einem auf altbekannten Strecken die Kurzstrecke verweigern und die ganze Fahrt über mit steigerndem Creescendo auf einen einreden, wie man nur behaupten könne, das es eine Kurzstrecke sei. Irgend so etwas erlebe ich mittlerweile bei einer von zehn Fahrten – vor Jahren, ich erinnere mich gut, war das die absolute Ausnahme.

    Es scheint mir also sowohl auf Kunden-, als auch auf Anbieterseite einen gewissen negativen Trend zu geben. Nicht dramatisch, so wie in dem Tsp-Artikel behauptet, aber irgendwie spürbar. Ich frage mich: Warum eigentlich? Habt Ihr das nötig? Und dann auch noch hinterher groß lamentieren? Vorschlag an alle: Macht halblang und nehmt mal wieder die berühmte eigene Nase in den Blick…

  8. Johann Lüne sagt:

    Der Artikel im Tagesspiegel ist eindeutig autorisiert und damit ist er nicht anonym; soviel dazu. Ansonsten hat mir der Tagesspiegelartikel aus dem Herzen gesprochen, ich erlebe es in den letzten Jahren immer öfter, genau so, wie in dem Artikel beschrieben!
    Gruß
    Johann

  9. Karl-Egon von Glottenhuber sagt:

    Mittlerweile hat die Journaillistin einen Namen, der Artikel ist auf tagesspiegel.de mit

    Desorientierte Taxifahrer in Berlin
    Kutscher, was soll das werden?
    von Nana Heymann

    überschrieben.

  10. Maik aus Wilhelmshaven sagt:

    @Michael
    Bei unser hiesigen Tageszeitung kann ich das Rechtschreibprogramm schon mal ganz sicher ausschließen 😉

    @George
    Vielleicht unter anderem, weil die Bezahlung immer schlechter wird, und damit auch das Personal, genauso,
    wie eine Verkäuferin bei einem Billig-Discounter sicher nicht die Qualifikation hat, wie vor zwanzig Jahren eine
    Verkäuferin im kleinen Lebensmitteleinzelhandesgeschäft?
    Denke, das ist eines der Probleme, das eben diejenigen, die ausreichend qualifiziert werden, mittlerweile in anderen
    Branchen landen…

  11. Taxi 123 sagt:

    Jetzt verstehe ich endlich die ganzen Rechtschreib- und Ausdrucksfehler in deutschen Tageszeitungen. Unter konsequenter Mißachtung von Nachschlagewerken und ähnlichem ist es nun mal etwas schwerer korekte Texte zu verfassen. 🙂

    Mein Lieblingsfehler war vor einigen Jahren in der Zeitung mit den 4 großen Buchstaben in einer Teilüberschrift (sehr große Buchstaben):
    „Feuerwehr kämpfte in Neustadt gegen die Flamen!“

  12. elder taxidriver sagt:

    Je schlichter das Gemüt des Fahrgastes ist, je phantasieloser und je schlechter das räumliche Orientierungsvermögen,
    desto höher sind die Ansprüche an die Ortskenntnis der Taxifahrer. Ich habe schon einen Maurer gefahren, der meinte,
    er würde ja auch alles kennen, was in seinem Beruf nötig wäre, wieso ich nicht ?
    Und ich habe einen Verkehrssenator gefahren, der im Gespräch ganz freundlich nebenher meinte, nicht auf mich gemünzt, bei ihm könne man den Taxischein auch verlieren. Der wohnte , lange her, in Grunewald, Kronbergerstraße. Die kannte ich ’natürlich‘ ‚ nicht. Und er hat es mir ’natürlich‘ gezeigt.

  13. elder taxidriver sagt:

    Das war aber nicht der Maurer der zu mir gesagt hatte ‚Jetzt bitte das Fahrzeug zum Stillstand bringen‘.
    (Woraufhin ich , was ich sonst kaum je gemacht habe, ihn nach seinem Beruf gefragt hatte )

  14. Sash sagt:

    @Paterfelis:
    Ich denke, das ergibt sich aber zwangsläufig überall dort, wo man selbst über Fachwissen verfügt. Und das in meinem Eintrag war ernst gemeint: Natürlich kann nicht jeder Journalist auf jedem Gebiet Profi sein.

    @Christian:
    Auf der anderen Seite muss man aber zugeben, dass Journalisten durchaus auch oft wegen des ein oder anderen Einzelfalls ins falsche Licht gerückt werden. Pauschalschelten sind hier wie da natürlich nicht sinnvoll.

    @Michael:
    Ich denke mal, die Antwort auf diese Frage kennen wir alle. 🙂

    @sb:
    Dass es tatsächlich Strecken gibt, die ausnahmslos jeder Fahrer kennen sollte, würde ich auch nicht abstreiten. Vom Flughafen zum Hauptbahnhof ist natürlich Pflicht. Genauso kann es natürlich nicht sein, dass ein Taxifahrer in Berlin fragt, wo Unter den Linden jetzt bitte nochmal genau ist …
    Aber bei einer Straße in Weißensee … kann das auch mal anders laufen. Leider, natürlich.

    @george:
    Inwieweit das tatsächlich ein Trend ist, kann ich schwer beurteilen. Dazu bin ich definitiv erst zu kurz dabei. Dass ein bisschen gegenseitiger Respekt allen gut tun würde, ist aber zweifelsohne richtig.

    @Johann Lüne:
    War er heute morgen noch nicht.
    Und was genau erlebst Du in den letzten Jahren immer wieder? Dass Taxifahrer ein Navi verwenden?

    @Karl-Egon von Glottenhuber:
    Ja, ich hab’s gesehen. Danke für den Hinweis!

    @Taxi 123:
    Das ist aber auch ein Paradefehler! 🙂

    @elder taxidriver:
    Oh, dieses „Das kennen Sie natürlich nicht“ hab ich schon eine Weile nicht mehr gehört. Ist aber bislang immer wirklich nett gemeint gewesen. 🙂

  15. Fahrgast sagt:

    ich hab auch schon taxifahrer erlebt, die sich dafür entschuldigten, dass sie mal eben mit dem navi nachschauen müssen, wo diese straße nun exakt liegt. kein problem.
    man kann den vergleich mit wohl jeder berufsgruppe machen: programmierer kennen nicht alle befehle, bibliotheken und parameter der programmiersprache mit der sie täglich arbeiten, ein setzer kennt nicht alle schriftarten der welt und bäckermeister, konditoren und barkeeper haben nicht alle rezepte im kopf. Punkt.

    wie in allen anderen berufen, ist es wichtig das problem zu lösen und da kann ich sagen: ich habe noch nie einen taxifahrer erlebt, mich mit großen augen anschaute und sagte „kann ick nicht“, allerdings programmierer und barkeeper 😉

  16. obscurum sagt:

    @Taxi 123, haha, in unserer regionalen Zeitung gewann mal das Fußballteam meiner Schule mit „zwei Toten“ anstelle mit „zwei Toren“.

  17. Wahlberliner sagt:

    @Sash: Ich hoffe, diesen Text hast Du auch als Antwort in Form eines „offenen Briefes“ dem Tagesspiegel bzw. der Autorin des betreffenden Textes zukommen lassen, bzw. diese darauf aufmerksam gemacht.

  18. Sash sagt:

    @obscurum:
    Der ist wirklich gut. 😀

    @Wahlberliner:
    Nee, nicht direkt. Wenn sie ihre Twitter-Mentions checken, dann ja. Ansonsten ist mir das relativ egal. Mich nervt diese Art Artikel zwar, aber ich hab kein Interesse daran, bei denen direkt rumzutrollen. Mal abgesehen davon, dass die tatsächlich eine relativ kontroverse Diskussion in den Kommentaren haben.
    (und scheinbar wurde ich auch verlinkt, hab zumindest ein paar Leser via Tagesspiegel.de bekommen)

  19. Vor vielen Hundert Jahren, kurz nach der Wende, war ich mal in Hamburg unterwegs, in eine kleine unbekannte Straße. Der Taxifahrer damals, an netter älterer Herr mit „Migrationshintergrund“ verfranste sich, stellte das Taxameter auf „Pause“ (oder sowas), und schlug in der Straßenkarte nach. Ein „Navi“ gabs damals maximal für Kampfflugzeuge. Er entschuldigte sich tausendmal und war kaum davon zu überzeugen, für die Reststrecke das Taxameter wieder anzuschalten. Er war mir unheimlich sympathisch, und hatte sein Trinkgeld wirklich verdient… 😀

  20. Sash sagt:

    @gedankenknick:
    Das kenne ich aus den Anfangstagen auch noch zur Genüge 🙂

  21. Lydia sagt:

    Ich fahre in regelmäßigen Abständen mit dem Taxi nach Hause und bisher kannte kein einziger Fahrer die Straße, obwohl ich aus den Unterrichtsmaterialien meines Mannes weiß, dass unsere Siedlung ziemlich ausführlich behandelt wird. Bin ich deswegen eingeschnappt? Nö. Man kann ja nicht alles wissen. Von der Journalistin verlangt ja auch keiner, dass sie exakt jeden kleinen Artikel runterrattern kann (wann und in wo erschienen, auf welcher Seite), den sie jemals geschrieben hat. Ist wohl ein Fall von: Ich bin bekannt und wichtig und daher muss das meine Straße auch sein.

  22. Kieler Taxe 107 sagt:

    Ich mag sowas schon gar nicht mehr lesen! Vor wenigen Jahren rief unsere Lokalzeitung die Leser sogar dazu auf, die schlimmsten Erlebnisse mit Taxifahrern zu berichten! Nur schlechte Nachrichten verkaufen sich.
    Selbst nach fast zwanzig Jahren Berufserfahrung mag ich immer noch nicht behaupten, ich kenne jede Straße in meiner Stadt – wie ich mich in Berlin schlagen würde, möchte ich mir nicht mal ansatzweise vorstellen.
    Wenn ich eine Straße mal nicht kenne, frage ich den Gast freundlich, ob er mir einen Tip geben mag, aber so, wie die Journalistin auf die ahnungslose Fahrerin reagiert hat – mit sofortiger schlechter Laune – hätte ich wahrscheinlich auch lieber das Navi angeschmissen.

  23. Sash sagt:

    @Lydia:
    Wer weiß, vorstellbar isses. 🙁

    @Kieler Taxe 107:
    Eigentlich lese ich immer noch ganz gerne über Taxithemen. Es ist schön, mal Informationen im Gegenlicht zu sehen. Und ich bin da auch eigentlich nicht sonderlich überkritisch. Mir ist das aufgefallen, als ich interviewt worden bin: Da haben sich wirklich gute und engagierte Journalisten die Mühe gegeben, sich stundenlang mit mir zu unterhalten, haben intelligente Fragen gestellt – und dennoch haben sich Fehler eingeschlichen. Welche, die ich verstehen konnte. Aus meinem alten Job im Behindertenfahrdienst ist z.B. einmal „Essen auf Rädern“ geworden. Für mich war das erstmal ein großes „Aua, sowas hab ich nie gesagt!!!“, aber ja, hab ich nur in einem Satz erwähnt, wahrscheinlich wirklich ungenau „Fahrdienst“ gesagt und am Ende ist hängengeblieben, dass ich halt irgendwas ein bisschen sozialeres mit einem Auto gemacht hab. War vom Eindruck her das Gleiche, hat aber keinen allzu falschen Eindruck hinterlassen und ich verstehe, dass niemand wegen solch eines Nebensatzes nochmal zurückruft und nachfragt. Ich bin also trotz wiederholter Medienkritik immer auch nachsichtig. Aber wenn sich jemand wie hier einfach auf ein nicht sonderlich durchdachtes Gedankenkonstrukt beruft, um rumzuranten, dann kreide ich das an. Und das, obwohl ich sowas auch schon gemacht habe. Die Prügel muss man als veröffentlichender Autor halt einstecken können.
    Und ja, bei solchen wie ihr hätte ich wahrscheinlich auch lieber das Navi angemacht. 🙂

  24. Andrea0966 sagt:

    Grundsätzlich ist es doch viel besser, wenn jemand auch um die Grenzen seiner Fähigkeiten und Kenntnisse weiß. Und warum soll er dann nicht ein Hilfsmittel nutzen, das mittlerweile Standard ist? Soll ein Taxifahrer dann auch andere im Auto eingebaute technische Hilfsmittel (Servolenkung, ABS, ASR etc.) abschalten? Darauf müsste er ja – als Berufsfahrer – auch prima verzichten können?

    Am Rande zum Thema Journalisten: Klar, auch hier nehmen Termindruck und personelle Einsparungen zu. Trotzdem erwarte ich von Druckerzeugnissen wie Tages- und Wochenzeitungen und -zeitschriften, dass sie sich um korrektes Deutsch bemühen. Ich war schon oft versucht, zu fragen, warum man denn ausgerechnet Texte schreiben muss, wenn einem Sprache – und dazu gehört auch korrekte Rechtschreibung – nicht am Herzen liegt.

  25. Dicker Mann sagt:

    Also vorneweg erst mal glaube ich, dass ein Großteil der Journalisten einigermaßen Ahnung von dem hat, was sie so tun. Es ist ja auch oftmals ein bisschen schwierig, nach einer kurzen Recherche einen spritzigen, guten und fundierten Bericht, Artikel oder was auch immer zu schreiben (das Ding muss ja möglichst schnell gedruckt werden.
    In meinem Beruf (Apothekerlein) glauben aber auch alle Journalisten nach einem kurzem Gespräch mit wem auch immer (Recherche), sie haben in Pharmazie promoviert und auch gerade eben das Rad neu erfunden (dummer weise mit drei Ecken), obgleich sie noch nicht einmal elementare Regeln der Sprache kennen. Im Gegensatz zu Kommentaren im Netz oder privaten Briefen, in denen nicht immer alles ganz perfekt ausformuliert sein muss, sollte in Zeitungen die Sprache doch recht genau genommen werden.
    Was die Kenntnis aller in Berlin möglichen Adressen angeht: Bei mir gehen die Menschen auch davon aus ich würde alle Arzneimittel kennen, da es nur zwei gibt: Aspirin und „das was ich immer bekomme“.

  26. Sash sagt:

    @Andrea 0966:
    Zustimmung.

    @Dicker Mann:
    Der Vergleich mit den Medikamenten ist super! 😀

  27. highwayfloh sagt:

    Nicht ärgern nur wundern! Schau dir mal die ganzen „Reportagen“ über LKW-Fahrer an, insbesondere wenn dann immer die „Supertrucker“ mit ihren „Showtrucks“ gezeigt werden, die voll das Klischee bedienen. Wie hart das eigentliche „Brot- und Butter-Geschäft“ ist, wird nie gezeigt.

    Inwischen schaffe ich es sogar mich über solche Pseudo-Reportagen zu amüsieren, anstannt mich aufzuregen.

    Was ebenfalls interessant ist:

    Bei einer Zeitung die früher meine Tageszeitung war, kommentiere ich schon sehr oft mit – inbesondere wenn es um LKWs geht und auf diese wieder mal völlig hirnlos eingedroschen wird. Wenn ich dann anbiete, dass diejenigen die so „schlau“ das Maul aufreissen, jederzeit mal 4 Wochen mitfahren können (inkl. NICHT garantierter pünktlicher Heimkehr etc.) hört man von diesen „Besserwissern“ absolut nix mehr… .

  28. Sash sagt:

    @highwayfloh:
    Ich rege mich auch nicht unnötig auf. Aber ich find’s gut, hier und da mal was zu sagen und eine andere Sicht aufzuzeigen.

  29. Wahlberliner sagt:

    Oh, wow, jetzt ist nicht nur der Sash dauer-abwesend, sondern auch noch der Spamfilter löchrig.

    „Tangjiaokuangan sagt:
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    Hangzhou Oriental Charme Rekrutierung Modell
    Der Charme von Hangzhou Golden Tower Rekrutierung Modell Website
    Hangzhou East Website“
    Die Spam-URLs hab ich mal weggelassen…

    — Ihr freundlicher Google-Übersetzer

  30. Sash sagt:

    @Wahlberliner:
    Manchmal bin ich halt auch weg. 🙂
    Das mit dem Spam passiert gelegentlich mal, meist bin ich halt schnell mit dem Löschen.

  31. […] Mein Fahrgast wollte sich denn auch nicht lange an der Herkunft der Taxifahrer aufhalten und warf schnell ein, dass es bedauerlich sei, wie manche einfach nur noch mit Navi zum Ziel finden. Hmm … vielleicht war er doch Journalist. […]

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