Kleines Uber-Update

Gefühlt ist es in der letzten Woche sehr ruhig um Uber geworden. Dass gar nix passiert ist, lässt sich allerdings auch nicht sagen. Nach dem deutschlandweiten Verbot, Fahrgäste gegen die gesetzlichen Regelungen zu befördern, hat Uber ja weitergemacht und in einem ersten PR-Stunt die Preise (und damit – nur dass niemand das vergisst! – auch die Erlöse der Fahrer)  in Berlin um 30% gesenkt. Dann Stille.

Zumindest weitgehend im öffentlichen Raum. Den Fahrern hat Uber eine SMS geschickt, dass sie das Verbot nicht interessieren brauche, weil es sich nur gegen die Firma richte. Das war auf dreiste Art richtig und doch hinterhältig, denn nur weil dieses eine Urteil sich auf Uber als Unternehmen bezog, ist die Arbeit der UberPop-Fahrer kein Stück legaler geworden. Das lernt jetzt immerhin schon mal ein einzelner, dem das Befördern von Personen nun ebenfalls untersagt wurde. Laut Spiegel Online drohen auch ihm nun 250.000 € Strafe bei einem Verstoß.

Der Rest der Fahrer ist sich aber sicher, dass Uber sich schon um sie kümmert. Steht zwar nicht im Vertrag, aber hey, wer wird denn den Pressemitteilungen eines seriösen Unternehmens misstrauen, das in weniger als 100 Staaten Verfahren am Hals hat?

Seltsam muten im Gegenzug Gerüchte an, dass Obereinheizer Travis Kalanick formal nicht mehr Uber-Chef für Deutschland sein soll. Wenn diese Informationen richtig sein sollten, hat da wohl jemand ganz gewaltig Muffensausen bekommen …

Aber: kein Uber-Artikel ohne Neuwahl des Deppen vom Dienst – der dieses Mal wohl Sigmar Gabriel heißt und sich eine Anpassung der Regelungen an das neue Mobilitätsbedürfnis vorstellen könnte. OK, zugegeben, natürlich erst nach einer Überprüfung und „gegebenenfalls“. Interessant ist daran vor allem, dass sich das trotzdem liest, als sei das Wirtschaftsministerium informationsmäßig noch auf dem Stand von Anfang Juni, als alle Medien noch glaubten, das Problem an UberPop sei seine Apphaftigkeit. Aber gut, wenn jemand wie Sarrazin in der SPD bleiben kann, dann ist für die alterwürdige Arbeiterpartei selbstverständlich auch Neoliberalismus und Schwarzarbeit prinzipiell interessant; das ist nur konsequent, schätze ich.

Vergessen wir bei all dem nicht, wie gut Uber eigentlich ist: sie werden geliebt, auch wenn sie scheiße sind:

 


PS: Am Dienstag steht die mündliche Verhandlung zur einstweiligen Verfügung an, die UberPop bisher in Deutschland untersagt. Das wird entweder spannend oder lustig – ich freue mich darauf. 🙂

Trinkgeld-Abzüge

„… also hatten Sie einen entspannten Urlaub.“

fasste ich den Monolog des Mannes zusammen. Was dann kam, war eher unerwartet:

„Jetzt kiek Dir den an. Hat der mich einfach jesiezt! Wenn de das nochmal machst, jibt’s keen Trinkgeld, mein Lieba!“

An was für Regeln man sich als Dienstleister nicht alles halten muss …

Am Ende gab es trotz weiteren Fehlers noch Trinkgeld. Nicht viel, aber das war ja ganz offensichtlich meine Schuld. 😉

Naja. Sowas kann schon nerven, aber am Ende geht es zum einen Ohr rein, zum anderen wieder raus. Und der Kerl im Speziellen war sowieso mehr so die Marke künstlich-lustig und hat einen auf Verbrüderung machen wollen, anstatt ernsthaft zu nerven.

PS:

Der neulich angesprochene Fehler, dass man beim Kommentieren eine Timeout-Meldung bekommt, müsste inzwischen behoben sein. Falls es bei irgendwem immer noch Probleme gibt, würde ich mich über einen Hinweis freuen – bis dahin gehe ich aber einfach mal davon aus, dass die nächtliche Notoperation erfolgreich war.

Uberanstrengendes Wochenende

Ich hatte heute keine Zeit zu bloggen. Ehrlich nicht. Auch wenn ich bis heute Abend quasi Wochenende habe, hat z.B. das Recherchieren zum UberPop-Verbot mich so viele Stunden gekostet, dass ich das besser nicht nachrechnen sollte. Denn nach wie vor ist Bloggen nur bedingt lukrativ, so lange ich Euch nicht mit Werbung vollballere.

Zudem ist mir klar, dass manche Leute Uber als Thema nervt. Das verstehe ich, denn es ist ja vergleichsweise uninteressant für Außenstehende. Wobei ich auch anführen möchte, dass es schon leichtfertig ist, sich als „außenstehend“ zu begreifen, wo Uber versucht, das komplette Transport- und Logistikgewerbe zu stürmen, dabei Fragen in Sachen Schwarzarbeit, Mindestlohn und Arbeitnehmerrechte aufwirft und zudem mit der Ignoranz gegenüber gerichtlichen Verboten den Rechtsstaat an sich in Frage stellt. Wo das Thema also eigentlich ein Bisschen übers Taxigewerbe hinausgewachsen ist.

Aber gut. Wie gesagt: ich will Euch nicht mehr nerven, als ich es tun muss (das ist dennoch sicher nicht der letzte Uber-Artikel!), aber ich möchte auch wieder mehr von meiner Zeit vor dem Bildschirm haben – ohne auf Informationen zu verzichten.

Deswegen habe ich beschlossen, für UberPop eineInfo/FAQ-Seite einzurichten, die sich schnell verlinken lässt, wenn das Thema wieder hochkocht.

Leider ist sie noch nicht fertig, da mir vorher ein Text verloren ging, an dem ich anderthalb Stunden gesessen habe. Meine Laune ist entsprechend großartig. -.-

Ich vermute, in den letzten Tagen zu Uber alles gelesen zu haben. Zum Verbot, zum Kampf gegen Lyft, zur Shareconomy, zu Travis Kalanick. Das hat (insbesondere in Form von Links, die auf der Seite noch folgen sollen) noch keinen Einzug in die „FAQ“ gehalten. Soll aber kommen. Ebenso wie weiterer Inhalt.

Deswegen ist hier vorerst nur für Euch Dauer-, Stamm- und sonstige Leser die UberPop-FAQ!

Bessere Verlinkung (auch der Seite selbst) etc. pp. ist wie gesagt geplant. Aber noch ist sie ja nicht fertig. Genau deswegen aber würde ich mich über Links, Hinweise etc. freuen. Um sie einarbeiten zu können und eine Quelle für all die zu schaffen, die UberPop immer noch besser finden als es ist.

PS: Heute abend sitze ich dann wieder im Taxi und blogge über die Kundschaft. Ich schwör‘! 😀

Uber in Deutschland verboten

So wie es aussieht, hat das Landgericht Frankfurt Uber die Vermittlung von Fahrten über ihre App verboten.

(genau genommen die Fahrten mit ungeeigneten Fahrern/Fahrzeugen, wenn sie entgeltlich erfolgen – im Grunde also UberPOP)

Das Ganze bundesweit und bei Androhung von 250.000 € Strafe pro Fahrt. Und zwar dieses Mal für Uber, nicht für die ohnehin bedauernswerten Fahrer. Das ist – wie die bisherigen Verbote – auch noch keine endgültige Sache. Im oben verlinkten Pressebericht klingt es jedoch, als ob Uber nicht wie bisher schnell mal widersprechen und dann weitermachen kann, bis es ernst wird. Ich als juristischer Laie kann den Wahrheitsgehalt dieses Aspektes jedoch nicht einschätzen, sorry.

Aber auf die Gerichtsverfahren darf man sich wohl dennoch freuen, denn z.B. die Antwort der Behörde für Wirtschaft, Verkehr und Innovation in Hamburg (Link zum PDF), die Uber das erste Verbot eingebrockt hatte, ist in meinen Augen mörderlustig, wenn es um die Argumente von Uber geht – aber da hab ich vielleicht einen speziellen Nerd-Humor, wer weiß …

OK, trotzdem: einige werden hier gelandet und sauer sein. „UberPOP war so geil und so billig – immer muss man alles verbieten!“
Hab ich alles schon gehört. Das macht’s nicht richtiger, egal ob man’s fehlerfrei aus dem Uber-Blog kopiert hat oder sonstwoher der Meinung ist. Ja, ein App-Anbieter hat sich ein Verbot eingefangen, weil er illegale Dienstleistungen angeboten und null Kooperationsbereitschaft gezeigt hat. In vielen anderen Bereichen freut man sich dagegen über schnelles Handeln: Pferdefleisch in Lasagne war eigentlich auch ’ne geile neue Idee, um Dinge billiger zu machen – oder etwa nicht?

Und selbst wenn ihr Verbots-Kritiker seid, dann freut Euch über die Entscheidungshilfe des Gerichts! Es ist Euch nur zuvorgekommen. Uber war hier neu, geil und hip. Schön. Angeboten haben sie aber „nur“ Personenbeförderung. Eine Dienstleistung, die wie alle anderen mal zu vollster Zufriedenheit aller verläuft, manchmal nicht. Seit Uber glauben aber scheinbar alle, dass schlechte Taxifahrten auf „das System Taxi“ zurückzuführen wären.

Ach ja?

Da Uber derzeit praktischerweise bei Smartphonebesitzern ein großes Thema ist, hab ich heute Nacht mal kurz bei Twitter nachgesehen und z.B. in den USA, wo Uber schon eine Weile aktiv ist, neben vielen positiven Statements unter anderem folgende gefunden:

 

 

Stinkige Karren, Verspätungen, überhöhte Preise, keine Ortskunde, Unzuverlässigkeit, etc. pp. … ist das nicht das, was eigentlich nur Taxifahrern passiert?

Im Ernst, Leute: Uber hat den Problemen im Gewerbe strukturell nichts entgegenzusetzen. Für die regelt der Markt alles. In der Liste war ursprünglich sogar noch ein inzwischen gelöschter Tweet, in dem eine Frau fragte, wie viele Sterne man dem Fahrer bei der Bewertung abziehen sollte, wenn dieser einen am Ende zu begrapschen versucht. War sicher ironisch gemeint, hat aber das Problem gut auf den Punkt gebracht.

Es tut mir ja auch leid, dass Uber nur Blinki-blinki-Bullshit ist und nicht die Revolution, die sie uns versprochen haben. Sicher verändert sich Mobilität und sicher muss man dazu auch mal aus alten Strukturen raus. Deswegen ist halt trotzdem nicht automatisch alles besser, was sich als Alternative anpreist, dieser Umkehrschluss ist einfach immer schon falsch gewesen, sorry.

Nächstes Jahr kommt wahrscheinlich der Mindestlohn im Taxigewerbe, 2 Jahre später das Fiskaltaxameter. Damit werden hoffentlich sowohl der allermiesesten Bezahlung als auch der Schwarzarbeit ein paar Riegel vorgeschoben. Es geht nicht immer schnell, leider. Aber das, kombiniert mit mündigen Kunden – die vielleicht statt sich übers Uber-Verbot zu beschweren einmal das Ordnungsamt rufen, wenn ein Taxifahrer scheiße war und sich ihre Lieblingstaxifahrer in ihrer App markieren – könnte die „bösen Taxis“ auch wieder ins Rennen bringen. Und das billiger als UberPOP (wenn man mal das wöchentliche Surge-Pricing mit einbezieht), ohne illegale Ausbeutung und inklusive der Grundversorgung, die wir Taxifahrer nebenbei noch leisten. Und alle, die die schwarze S-Klasse mit Minibar wirklich brauchen, können das immer noch bei all den Limousinenanbietern kriegen, wenn sie ein paar Euro extra auf den Tisch legen.

Ich versuche ja zumindest irgendwie, das nicht nur als Taxifahrer zu sehen, aber ich hab echt keine Ahnung, was an positivem mit einem Verbot von Uber wirklich verloren geht …

PS: Die Datenlage zum Verbot war noch recht dünn, als ich den Artikel geschrieben (und immer wieder umgearbeitet) habe. Die grundsätzlichen Aussagen gelten jedoch ungeachtet der derzeitigen juristischen Geschehnisse.

Update (2. Sept., 17 Uhr):

Uber kündigt an, weiterzumachen. Einfach so. Schätze, die nächsten Tage werden spannend …

Jetzt neu: UberFAIR?

„We have to bring out the truth about how dark and dangerous and evil the taxi side is.“

– Travis Kalanick, Uber-CEO (Quelle)

Während die Quellen bezüglich des natürlich furchtbar bösen Taxikartells weiter ihrer Veröffentlichung harren, hat das Magazin „The Verge“ die Tage interessante Infos aus dem Uber-Reich geleakt:

Die beiden Fahrdienst-App-Anbieter Uber und Lyft liegen in den USA seit Beginn an im Clinch. Das weltweit die Gerichte strapazierende Angebot UberPOP startete ungefähr zeitgleich mit Lyfts Angebot und die Meinungen darüber, wer von wem abgeguckt haben könnte, gehen auseinander und das hat schon zu unschönen Debatten zwischen den jeweiligen Gründern geführt.

Vor gar nicht allzu langer Zeit beschuldigte Lyft Uber dann, tausendfach Lyft-Fahrten angeordert und gecancelt zu haben, was Uber natürlich umgehend bestritt und Lyft des selben Vergehens bezichtigte. Obwohl die Telefondatenabgleiche bei Lyft eine deutliche Sprache zu sprechen scheinen und zumindest ich mich persönlich frage, wie das bei Uber Sinn macht, wo sie doch eine Storno-Gebühr erheben. Teil der Debatte war auch, dass Uber-Mitarbeiter Lyft-Fahrten buchten, um die Fahrer abzuwerben.

Bis zum investigativen Artikel von „The Verge“ war das der Stand der Dinge: zwei konkurrierende Unternehmen mit offenbar etwas übereifrigen Mitarbeitern ringen miteinander. Was das (im übrigen keineswegs für Uber-Kritik bekannte) Magazin dann enthüllte, war jedoch etwas handfester:

Uber beschäftigt eine eigene Riege von Leuten, die sich – über eigens eingerichtete Online-Plattformen – organisiert dem Abwerben von Lyft-Fahrern widmet. Um im System von Lyft keine Spuren zu hinterlassen, können diese Mitarbeiter – einfach per Formular  – mal eben schnell angeben, wie viele Kreditkarten oder nicht zurückverfolgbare, weil nur zum einmaligen Gebrauch gedachte, Smartphones sie von Uber bräuchten. Irgendwo muss das viele Geld ja offensichtlich hin. Der Name der Operation: SLOG. Englisch sowohl für „schuften“, „ackern“, jedoch zeitgleich auch in der Form „to slog someone“ verwendet für „verprügeln“, „verdreschen“. Was nicht überraschend ist, wenn man bedenkt, dass alleine ein vielfaches „Besetzen“ von Fahrzeugen mit Nicht-Kunden durchaus schädigende Wirkung in dem Geschäft haben kann. Dass mindestens in einer „The Verve“ vorliegenden Mail der Hashtag #shavethestach („Rasiert den Schnurrbart“ – ein Werbeslogan von Uber, der auf die rosanen Schnurrbärte anspielt, die Lyft-Autos auf dem Kühlergrill haben) trägt, lässt es plausibel erscheinen, dass das Ziel nicht „nur“ das Ausspionieren von Lyft, sondern zumindest nebenbei auch die Schädigung des Konkurrenten war.

Wohl in Anbetracht der Enthüllungen von „The Verve“ veröffentlichte Uber umgehend eine wie immer rundgeschliffene Antwort, in der sie die Operation SLOG (laut Uber für „Supplying Long-term Operations Growth“ – ob das ein Backronym ist, ist vermutlich eine Glaubensfrage) einräumen und neben wunderbar wohlklingender Werbung für ihren Dienst an der Menschheit als einzigen Satz unterstreichen:

„We never use marketing tactics that prevent a driver from making their living“,

dass sie also niemals absichtlich Fahrten gecancelt haben. Wobei bemerkenswert ist, dass sie intentionally – absichtlich – eingefügt haben (natürlich fällt sowas wegen mangelnder Abstimmung im Rahmen so einer Operation auch mal versehentlich an) und die übrigen Aktionen, die je nach Ansprechpartner als „nur“ unmoralisch oder aber sogar illegal eingestuft werden, gar nicht erst anfechten. Und obwohl Lyft rechtlich ebenso viele Fragen offen lässt wie UberPOP/UberX, darf man fragen, inwiefern selbst für ein aggressives Unternehmen wie Uber überhaupt die Notwendigkeit besteht, Konkurrenten so zu behandeln, die man vermutlich auch einfach aufkaufen könnte.

Der von Kalanick gegenüber Fahrern, Nutzern und auch der Politik verwendete Narrativ ist der, dass zu ihren Ungunsten fairer Wettbewerb verhindert wird. Vielleicht wäre es in Anbetracht der Fakten Zeit, ihn auf sein hier einleitend verwendetes Zitat aufmerksam zu machen und ihn zu fragen, ob wir nicht mal auf beiden Seiten die Wahrheit über das „Gefährliche“, das „Dunkle“ und das „Böse“ suchen sollten.

Wie Wundercar die Shareconomy entdeckt

Im uber-gebeutelten Personenbeförderungsgewerbe hat sich einiges bewegt. Wenn man dem Wall Street Journal glauben will, dann hat sich in letzter Zeit – unbemerkt von mir – was getan. Nicht natürlich bei Uber, die verhalten sich nach wie vor wie ein ausbeuterischer Scheißhaufen; dafür aber bei Wundercar. Die sind zwar auf der selben Hype-Welle mitgeschwommen, lassen auch Privatleute Fahrgäste mitnehmen, aber ich hab sie mir aus Gründen nie so zur Brust genommen wie Uber. Ja, natürlich kratzen auch sie an §1 des PbefG und man tut gut daran, sie unter dem Aspekt kritisch zu begleiten.

Aber.

Was in der Uber-Pop-Debatte zwischen all dem aufgewühlten Dreck gerne immer wieder unterging, war, dass das Bohei um die Fahrtenvermittlung von Privat zu Privat nur unter dem Gesichtspunkt wirklich schwierig wird, wo die Fahrt „entgeltlich“ erfolgt. Und an der Definition, das muss man gestehen, kratzt Wundercar spätestens jetzt nur noch ein bisschen.

Das WSJ hat gestern berichtet, dass Wundercar seit dem Eingreifen der Hamburger Behörden die vorgeschlagene „Trinkgeld“-Summe für die Fahrten auf 20 Cent pro Kilometer gesenkt hat und nunmehr als „Betriebskosten“ ausweist. Gut, natürlich ist letzteres bewusst ein Zitat aus dem Gesetz, um der Regelung zu entkommen – aber wenn der Betrag stimmt, dann ist das nicht ernsthaft gelogen. Da für eine Fahrt immer Betriebskosten anfallen und diese mit ziemlicher Sicherheit diese 20 Cent übersteigen, halte ich diese Definition für soweit fair.

Vor Gericht wird sicher noch einmal kritisch beäugt, wer über das Fahrtziel bestimmt, aber wenn ihr mich persönlich und als Taxifahrer fragt, dann ist das so eine der Fragen, über die man diskutieren kann.

Denn ohne die Gewinnerzielungsabsicht des Fahrers durch höchstwahrscheinlich nicht kostendeckende Bezahlung ist die Chance nur minimal, dass dabei ein Gehirnträger eine gewerbsmäßige Personenbeförderung betreiben wird. 😉
Wundercar verbietet den Fahrern, Geld zu verlangen (dass sie das durchsetzen bleibt zu hoffen), somit wird vermutlich tatsächlich oft der vorgeschlagene Betrag – oder bei miesen Fahrten weniger – liegenbleiben.

Und während wir alle noch darüber streiten, warum Taxis gelegentlich teurer als UberPop sind, frage ich nun mal mit dem Modell von Wundercar im Gedächtnis zurück: wieso kostet eigentlich bei Uber etwas, das als total coole neue Shareconomy feilgeboten wird, mindestens fast so viel wie ein Taxi und manchmal sogar ein Vielfaches des Taxipreises?

Und mit dieser viel leiseren und deswegen auch unter meinem Radar gelaufenen Wundercar-Debatte ergeben sich so viele neue Geschichten, es ist mir ein inneres Blumengießen, ehrlich! Denn unter anderem auch dadurch kriegen wir in der Diskussion mal wieder ein bisschen Boden unter den Füßen. Auch wenn ich damit einigen Branchenvertretern ans Bein fahre, weise ich hier noch einmal darauf hin, dass ich noch kein einziges Mal gegen eine Mitfahrzentrale gewettert  habe oder das Car- oder Bikesharing, geschweige denn die Fahrradrikschas oder gar Bus und Bahn angegriffen hab, weil sie Konkurrenz sind. Sonst wäre ich schon vor UberPop am Fluchen gewesen.

(Ich hab ja nicht einmal bei der Einführung von UberBlack anno dazumal, als sie noch an den Erfolg glaubten, gemeckert – sondern zur Ruhe gemahnt.)

Ich will hier keine Werbung für Wundercar machen. Die sind auch neu, auch da gibt es offene Fragen und ebenso wie bei uns bei einer Tariferhöhung oder einer Änderung des PbefG wird man bei ihnen bei Neuerungen hingucken müssen, ob das so jetzt immer noch passt. Und deswegen ist es auch kein böser Affront, dass sich Gerichte mit der App befassen – seit Uber glaubt die Welt hierzulande ja scheinbar, dass sich Gerichte davor noch nie mit irgendwas befasst haben. Dabei ist das auch im Personenbeförderungsgewerbe und angrenzenden Branchen das normalste der Welt in einem Rechtsstaat und nicht das schlechteste Zeichen – auch wenn’s einem persönlich gerade mal nicht passt.

Aber gerade dadurch, dass es sich für Wundercar-Fahrer nicht lohnt, für den dicken Reibach 5 Stunden in der Stadt umherzugurken (was Uber von seinen Fahrern für gewisse Boni bisweilen verlangt und viel über deren Idee des „Teilens“ und den damit einhergehenden Umweltaspekten etc. zeigt), sieht die Sache bei Wundercar ganz entscheidend anders aus. Ehrlich! Ja, vielleicht wird ein Gericht noch eine Trinkgeld-Obergrenze festlegen oder festschreiben, dass die Strecke vom Fahrer vorher festgelegt werden muss. Wird man sehen. Und ggf. im Einzelfall diskutieren oder anfechten, das mag sein.

Aber dann kann ich mir Wundercar prima als Service auf unseren Straßen vorstellen. Denn:

Erklärung für Kunden:
Ich hab’s immer wieder gesagt, vielleicht glaubt es ja jetzt wer: es geht nicht um die Konkurrenz. Oder um starre alte Regeln, die das lässige Teilen verhindern. Es ging immer nur um sinnvolle Spielregeln und allenfalls nebenbei um den Schutz des öffentlichen Nahverkehrs. Regeln müssen sich auch mal ändern, und das haben sie immer schon getan. Deswegen pauschal jedem mit Geld wedelnden Arschloch entgegenzukommen, kann jedoch nicht das Ziel sein, so lange es gesellschaftliche Interessen gibt. Und den gesellschaftlichen Interessen widmet Uber weltweit nicht einen Finger breit Toleranz, sondern bekämpft sie ohne Rücksicht auf Verluste, stets ausschließlich den Anlegern und deren Geldbeuteln verpflichtet. So lange es allerdings nur um eine Erweiterung von Möglichkeiten geht – und im Gegensatz zu gewerblicher Personenbeförderung, nur eine Stufe ausbeuterischer; ist unkommerzielles Ride-Sharing eine Erweiterung im Sinne aller Teilnehmer – geht das in Ordnung. DAS sind die Veränderungen, über die man ergebnisoffen diskutieren kann und die uns am Ende eventuell weiterbringen.

Erklärung für Taxifahrer:
Ich weiß, ich „sollte“ Wundercar jetzt nicht gut finden, stimmt’s?
Zum einen aber tue ich das nur unter den oben genannten Bedingungen. An die Regeln halten gehört dazu. Für all die, die grundsätzlich jedes positive Erwähnen von Konkurrenz irgendwie schlimm finden: spart Euch eure Energie für Uber und ähnliche auf!
Wenn Wundercar das Ridesharing so einsetzt, wie sie es vorhaben, dann sollten wir ihnen Erfolg wünschen. Denn der Trend geht weg vom Privat-PKW und Angebote wie dieses fördern diese Entwicklung. Und allen Unkenrufen zum Trotz ist unser größter Konkurrent auch in 10 Jahren nicht ein übergeschnappter Kalanick sondern die vor jedem Haus stehende Kiste, in die alle bei Bedarf gefühlt umsonst einsteigen.

PS: In Teilen ist dieser recht positive Artikel auch der Tatsache geschuldet, dass ich es nicht mehr gewohnt bin, über Apps zu schreiben, deren CEOs mich nicht persönlich beleidigen und meine Arbeit zumindest unterschwellig als bescheuert bezeichnen. Ich wollte dem im Sinne der Diskussionskultur Rechnung tragen und klarstellen, dass ich Beleidigungen nicht zwingend als Mittel der Wahl sehe, sondern sie nur dort einsetze, wo die soziale Kompetenz meiner Gegenüber mich zu drastischer Ausdrucksweise zwingt um verstanden zu werden.

Der ADAC-Taxi-Test 2014

oder: alles bleibt wie es war

Als wäre es nicht schon unfair, dass zwei Stubenfliegen im Kampfmodus mich vom Schlafen abhalten, hat der ADAC auch mal wieder einen Taxi-Test in Deutschland in Angriff genommen und die Ergebnisse heute veröffentlicht.

Nicht nur bleibt der ADAC sich selbst treu und liefert eine unfassbar grotesk verschachtelte Testauswertung ab – auch die Ergebnisse sind gelinde gesagt erwartbar gewesen. „Über Wohl und Wehe“ entscheide der Fahrer und zwischen einigen spektakulären Verfehlungen ist insgesamt doch auch einiges eigentlich ganz gut. Am Ende sind wir besser als unser Ruf, aber auch der wird wieder fleißig beim Test mitbearbeitet, indem die lustigsten Verfehlungen besonders ausführlich erzählt werden.

Natürlich ist der Test nicht per se unsinnig. Nach wie vor werden dort wichtige Probleme des Gewerbes angesprochen. Und dass der ADAC sich dabei (ebenso wie andere) manchmal methodisch verrennt, macht das Kommentieren ja auch immer wieder aufs Neue lustig.

Ich will’s heute nicht übertreiben, aber neben sinnvollen Forderungen wie mehr Kontrollen werden auch dieses Mal wieder die lustigsten Schlussfolgerungen gezogen wie beispielsweise die Vereinheitlichung der Tarife. Da kann man sich beim ADAC drauf verlassen, das finden die total dufte. Gut, mit etwas Ahnung fragt man sich vielleicht, wie ein Cuxhavener die Taxi-Tarife von München bezahlen will oder wie ein Münchner Taxifahrer von den Tarifen in Cuxhaven leben soll. Aber beim ADAC denkt man halt wie jedes Mal ganz groß.

Daneben sind meine persönlichen Highlights aus allen Kategorien:

  1. Unangefochten auf Platz 1 steht wie immer der Punktabzug für den fehlenden Fahrerausweis in Berlin, der schon bei den letzten paar Tests nicht mehr vorgeschrieben war, den der ADAC aber offenbar sehr mag.
  2. Der Stuttgarter Fahrer, der als Sehenswürdigkeit ein Bordell empfahl. Großartig!
  3. Punktabzüge für nicht erfolgte Restaurantempfehlungen. Wer das nicht versteht, empfehle mir doch mal einen schönen Strand. Aber einen, der mir auch gefällt, bitte!
  4. Der Fahrer in Frankfurt, der während der Fahrt den Fernseher (!) nicht leiser stellen wollte, „weil dann das Bild weggeht“. Kannste Dir nicht ausdenken!

Entsprechend des nur schwer zu interpretierenden Fazits berichten die Medien über den Test auch ungefähr das, was sie gerade eh berichten wollten. Ob jetzt „Bei fast allen Taxifahrten läuft etwas schief“ (SpiegelOnline) oder „Taxifahrten in Deutschland meistens gut“ (FAZ.net).

Da auf negative Berichte schon wieder Uber-Gläubige hämisch Beweise für ihre Thesen sehen und da selbst der ADAC im Test nicht an Verweisen auf neue Anbieter spart: durchsucht mal die amerikanischen Medien und Fahrerforen. Das was hier in Taxis an mangelndem Service übriggeblieben ist (und weswegen wir nach mehr und nicht nach weniger Kontrollen ob der Einhaltung der Regulierungen schreien) – das ist ein Automatismus, der nach ein paar Monaten Hype überall eintritt. Vor allem im Dienstleistungs-, vor allem im Niedriglohnbereich. Wird halt ohne Regeln nur noch lustiger …


Naja, ich jedenfalls danke dem ADAC für die Aufrechterhaltung des Rituals und vergebe ein +.