Kollegenfahrt

Einen Kollegen im Auto zu haben, ist nicht gerade spektakulär. In Deutschland müsste es irgendwas um die 100.000 Taxifahrer geben, von Ex-Fahrern mal ganz abgesehen. Seltener ist es, Taxi- und Taxiblog-Kollegen in Personalunion durch die Gegend fahren zu können. Jetzt aber hat das mal wieder geklappt.

Der Fahrer der Bremer Seite „Taxiblog Bremen“ war übers Wochenende in Berlin und hat gefragt, ob wir uns zu diesem Anlasse treffen könnten. Das hat sogar geklappt – obwohl ich in den letzten Tagen einige Zeit krank und im Bett liegend zugebracht habe. Aber wie man sonst mit dem Wetter Glück hat, hatte ich es gesundheitlich: In den gesamten 24 Stunden davor und danach ging es mir nicht so gut und unser Treffen ist wirklich angenehm geworden. Die Runde durch (Überwiegend Ost-) Berlin wurde zwar relativ willkürlich, aber wir haben die Zeit auch vor allem genutzt, um uns eben unter Kollegen über unsere Arbeitsbedingungen und das Bloggen zu unterhalten.

Und abgesehen von der tollen Fahrt an einem für mich aussichtslosen Tag hab ich auch das Privileg anzukündigen, dass es beim Bremer Kollegen im Blog bald weitergehen wird. Und mehr Taxiblogs sind immer gut! \o/

Und auch wenn unsere Blogs sehr unterschiedlich sind: Ich kann nach unserem Treffen doch eines sagen: Wir zwei sind uns ziemlich ähnlich, was unsere Sicht auf den Job angeht. Also freut Euch auf seine nächsten Beiträge!

(Auf meine natürlich bitte auch, aber wem sage ich das … 😉 )

Taxischerze

Für alle, die wiedermal gelangweilt vom Polizeiruf sind:

Bei Facebook hat ein Kollege heute in eine Taxigruppe das folgende Video gepostet. Eine Zusammenstellung von „just for laughs“, alle mit Bezug zum Taxifahren. Unterhaltsame, aber trotzdem harmlose und familientaugliche Scherze. Ich gebe zu, ich kann über sowas lachen. 🙂

Arbeit! – und Youtube

Im Ernst: Ich freue mich nach meinem Wochenende darauf, wieder rauszufahren. Ich verstehe sehr gut, wieso Taxifahrer ein Job ist, bei dem man „hängenbleibt“. Und wenn wir schon bei schwer verständlichen Obsessionen sind, dann habe ich hier noch eine kleine Ergänzung:

Ich sehe mir gerne Chrash-Videos auf Youtube an. Das ist in gewisser Weise sicher einfach nur bescheuerter Voyeurismus. Das kann ich wohl kaum abstreiten, bzw. ich will es gar nicht. Nur weil was nicht toll ist, heißt es ja nicht, dass es nicht existiert.

Tatsächlich sind diese Videos aber auch aus professioneller Sicht interessant. Als Mensch, dessen Arbeit im Wesentlichen aus Fahren besteht, habe ich da durchaus inzwischen einige Verhaltensmuster entdeckt, deren Vermeidung – natürlich nur im Optimalfall, ich gebe es zu! – das Fahren sicherer machen könnten. Den zahlreichen Videos entnehmen konnte ich bislang zum Beispiel, dass das schnelle Vorbeifahren an stehenden Autokolonnen auf einer benachbarten Spur oft Unfälle mit Fußgängern verursacht. Oder dass das Abbiegen über mehr als eine Spur wegen begrenzter Einsicht oft Unfälle verursacht.

Ich will nicht behaupten, dass ich mir die Videos deswegen ansehe – das wäre eine Lüge. Aber ja, ich hab daraus tatsächlich einiges gelernt und hoffe, das in Zukunft nutzen zu können.

Jetzt also UberTAXI …

UberTAXI

Ein paar Tage haben wir auf die Reaktion von Uber auf die Bestätigung der Verbote in Hamburg und Berlin warten müssen … ich dachte für einen Moment, dieses Innovations-Dingsbums, dass sie bei Uber überall eingebaut haben, schläft am Wochenende. Tatsächlich haben sie sich aber sehr wohl was überlegt und das ist auf die verquerste Art neu, die ich mir vorstellen konnte:

Uber vermittelt jetzt auch Taxis.

Durchaus neu ist das, weil Uber, vorsichtig ausgedrückt, ja eigentlich immer den Eindruck erwecken wollte, besser als das Taxigewerbe zu sein. Da ist der Schritt dort mitzumischen schon originell. Und als Uber-Fan würde ich jetzt gucken wie ein Auto.

Insgesamt ist das nicht unlogisch. Ein Taxifahrer bringt Uber das gleiche Geld wie ein Hobbyfahrer, es sei denn, es herrscht gerade Surge-Pricing. Und die Konkurrenz der Fahrer untereinander ist dem Unternehmen auch egal, denn so lange nur alle für Uber fahren, stimmt die Kasse am Ende halt trotzdem. Tatsächlich gab es UberTaxi zuvor schon in einigen US-Städten.

Aber gut, wenn Taxifahrer wollen, können sie jetzt auch für Uber arbeiten. Da die überhöhte Vermittlungs-Provision (und ja, die wird kommen, egal was für Einführungsspecials sie jetzt bringen. Das machen sie immer!) für Uber das ganze unwirtschaftlich macht und es demnach keinen vernünftigen Grund dafür gibt, wird sich da sicher auf Dauer die Crème de la Crème des Gewerbes zusammenfinden, da bin ich sicher. Aber gut, dafür könnten die entsprechenden Fahrer vielleicht ihr Rückgrat verkaufen …

Natürlich wird es ein paar Kollegen geben, die verzweifelt genug nach Kohle suchen, um auch für Uber zu fahren, da mache ich mir nichts vor. Ich halte sie halt für bescheuert. Aber ein paar Taxifahrer braucht Uber durchaus – und wenn’s bloß ist, um ihre komische Vorstellung von der Größe Berlins zu korrigieren. 😉

Mal im Ernst: unsere Gewerbevertretungen, die Zentralen und die einzelnen Unternehmer täten gut daran, jetzt den Mund aufzumachen und sich gegen UberTaxi auszusprechen!

———-

Zu den Urteilen

Die Ankündigung, UberTaxi in Berlin und Hamburg anzubieten, ist natürlich nicht das einzige, was Uber verkündet. Sie wollen

„UberBlack in den nächsten Wochen an die Anforderungen der Berliner Gerichtsentscheidung anpassen“,

die Entscheidung in Berlin anfechten und darüber hinaus eventuell eine Verfassungsklage gegen die Hamburger Entscheidung formulieren, weil sie die Einschränkung des Rechts auf die freie Berufswahl monieren. Äh, nun ja.

Der Rest des Postings ist Blabla plus „außerdem ist die Rückkehrpflicht für Mietwagen umweltschädlich“.

———-

Was offen bleibt

Fangen wir gleich mit der Rückkehrpflicht an. Die ist der Grund, weswegen UberBlack – der an sich legale Limousinenservice – in Berlin gleich mitverboten wurde. Die Kontroverse um dieses Thema kann ich aus Mietwagensicht verstehen. Die Rückkehr zum Betriebssitz ist vielleicht überholt.

(Wobei ich zu bedenken gebe, dass man das Thema wirklich nicht nur aus Sicht der Mietwagenfahrer und -unternehmer sehen sollte. Die Frage muss gerade in Großstädten auch tatsächlich lauten: Wohin mit den Fahrzeugen, wenn sie nicht fahren? Parkplätze sind vielerorts Mangelware und gerade in den auftragsreichsten Gebieten sind schon die Stände für die Taxis oft viel zu klein. Wenn das Ergebnis ist, dass die Autos die ganze Zeit leer herumfahren, bleibt vom Umweltschutzgedanken nämlich auch nix mehr übrig.)

Die Frage ist aber: Uber  will UberBlack „anpassen“. Was heißt das? Mieten sie ein Parkhaus als „Betriebssitz“ an oder schreiben sie einfach nur in die AGB, dass die Fahrer sich verpflichten, nach einer Fahrt heimzufahren?

Dann UberTaxi: Bei allen anderen Unternehmen würde man keinen Gedanken daran verschwenden, bei Uber stellt sich aber trotzdem die Frage: Läuft das dann auch alles legal? Insbesondere frage ich mich noch, ob bei der Fahrpreisermittlung alles mit rechten Dingen zugehen wird oder ob Uber auch da wieder gewohnheitsgemäß alles ignoriert, was dem Unternehmen nicht in den Kram passt.

Zuletzt: Was passiert eigentlich mit UberPop? UberPop war der Stein des Anstoßes und Grund für die Verbote. Uber lässt völlig offen, ob sie das Angebot einstellen, weiterführen, ändern oder was auch immer. Dient der ganze UberTaxi-Coup bloß dazu, das hinter den Tisch fallen zu lassen?

Kurze Freude

Heute Nacht war nicht wirklich eine Arbeitsnacht. Sie hätte eine sein sollen, ja. Aber die letzten Tage waren auch ohne Taxi anstrengend und so hab ich das mit der Arbeit bei einem „Naja, vielleicht ja noch …“ werden lassen. Was, um ehrlich zu sein, hieß, dass mich keine zehn Pferde auf die Straße kriegen würden, ich mir aber die theoretische Option offen lasse. Cheffe wird’s nicht freuen, aber ich hab nicht so sonderlich oft eine Deadline für die Manuskriptabgabe. Und im letzten Moment ist natürlich trotzdem alles zu eng, auch wenn’s davor ja „gar kein Problem“ war. 😉

Aber gut. Zeitgleich hatte meine bessere Hälfte Prüfungen und am gestrigen Abend war bei uns beiden herrlich zeitgleich alle Luft raus. Was für ein Timing! Es lief dann auf völlig hirnentleerendes Fernsehschauen mit leckerem Essen hinaus und dabei hätte es eigentlich bleiben können. Aber dann saß ich plötzlich um 2 Uhr als einzig noch wache Person in der Wohnung rum und war plötzlich nicht mehr sonderlich müde. Also denn: Raus auf die Straße, rein ins Taxi!

Ziele hatte ich keine, ich wollte nach Möglichkeit ein paar Winker mitnehmen, mehr so zum Spaß. Das aber sollte so nicht klappen. Überall freie Taxis und kaum Leute auf der Straße. Der Nieselregen hat wohl den meisten die Laune zum Weggehen verdorben. Nach einer Stunde ohne Kundschaft war mir das dann zu blöd und ich bin wieder heim. Just da hab ich dann immerhin noch eine Kurzstrecke mitgenommen. Ist eigentlich nicht der Rede wert, aber wortwörtlich besser als nix …

Gelohnt hat sich der Ausflug finanziell nicht, dafür habe ich aber einen besonders schönen Satz an einer Ampel aufgeschnappt. Ein paar junge Leute, wohl auf dem Heimweg. Und einer meinte:

„Ich schwör’s Euch! Ich hab vorher voll den Zauber-Döner gegessen!“

Die Meldungen des Tages wären aber natürlich nicht komplett ohne den Hinweis darauf, dass die unlängst aufgehobenen Verbote von Uber in Berlin und Hamburg wieder gültig sind. Jetzt, da ich das schreibe, gibt es von Uber noch keine Stellungnahme, aber ich wette, dass es in dieser um Smartphones und Innovationen sowie Wahlmöglichkeiten gehen wird. Wie immer, egal was gerade passiert.

Uber „darf“ wieder fahren.

Gestern wurde in Frankfurt die neulich erlassene einstweilige Verfügung gegen Uber, keine Fahrten mit nicht zugelassenen Fahrern und/oder Autos durchzuführen, wieder gekippt. Wenngleich das überraschend war und die Begründung durchaus ihre, nun ja, Schwächen hat, ist das deswegen kein übergroßes Drama. Es ging nur darum, ob das Rechtsmittel der einstweiligen Verfügung in diesem Fall angemessen war oder nicht. Da Uber weiterhin alles verschweigt, was ihnen nicht so ganz in ihre Welt passt, schreibe ich das hier noch einmal ganz klar:

Noch nie und nirgends hat bis heute ein deutsches Gericht die Rechtmäßigkeit von UberPop auch nur ansatzweise bestätigt!

Im Gegenteil. Sowohl beim Verbotsrückzug in Hamburg als auch jetzt bei dem der bundesweiten einstweiligen Verfügung haben die Richter klargestellt, dass, diplomatisch ausgedrückt, erhebliche Zweifel an der Legalität dieses Geschäftsmodells bestehen.

Den Uber-Blogartikel gestern hätte man freilich auch vor einer Woche schon schreiben können. Da steht wie üblich drin, wie geil sie sind. Ob sie das trotz oder wegen eines Urteils sind, ist auf deren Planeten ohnehin nur ein Wortspiel.

Obwohl viele Medien das jetzt auch wieder schreiben, ist das nicht einmal ein „Etappensieg“ für Uber in der Sache an sich. Es spielt ihnen allerdings in die Hände, das muss man zugeben. Schließlich setzt Uber auf die eigene Beliebtheit in der Bevölkerung und braucht sie, um Druck zu machen. Schön finde ich die Entscheidung des Gerichts also trotzdem nicht.

Zumal wegen der Begründung. Laut dem oben verlinkten Heise-Artikel ist das Gericht der Uber-Darlegung gefolgt, Ihr Geschäftsmodell sei seit 2013 bekannt gewesen, was Taxi Deutschland die Möglichkeit gegeben hätte, frühzeitig ein Hauptverfahren einzuleiten anstelle des jetztigen Eilantrages der einstweiligen Verfügung. Ob das juristisch korrekt ist, kann ich als Laie nicht einschätzen, zumal ich auf die Schnelle keine Quellen gefunden habe, wann Uber die Vermittlung via UberPop in Deutschland angekündigt hat. Zufälligerweise war es jedoch im Jahr 2013, als Uber seinen Limousinenservice Black erstmalig in Berlin gestartet hat, der ja nach wie vor auch legal und vom Taxigewerbe weitgehend unangegriffen ist. Ich hab ja ein bisschen Sorge wegen etwaiger Pop-Black-Verschmandungen bei der Entscheidung. Aber sei’s drum. Taxi Deutschland haben in ihrer Presseerklärung jedenfalls halbwegs plausibel begründet, weswegen sie nicht schneller sein konnten als sie es waren.

Einen kleinen Funfact liefert der oben verlinkte Heise-Artikel noch. Uber hat sich offenbar des Staatsrechtlers und ehemaligen Verteidigungsministers Rupert Scholz bedient, der ihnen ein Gutachten schrieb, das die eigentlich doch schon lange widerlegte These, UberPop sei eine Mitfahrgelegenheit, bejahte. Der vorsitzende Richter soll entgegnet haben:

„Nicht jedes Gutachten, was von einem Hochschullehrer verfasst wurde, ist automatisch geeignet, die Rechtssprechung, wie es vielleicht gewünscht ist, zu beeinflussen.“

Und Fabien Nestmann, Uber-Sprecher für Deutschland, liest von seinem Blatt ab, dass die heutige Entscheidung zeigt, dass die Richter sich offenbar „aufgeschlossen“ für neue Ideen zeigen.

(Sorry, dass ich solche Kleinigkeiten manchmal breittrete, aber ich bin offenbar ein zu ehrlicher Mensch und einfach nur bei jeder neuen Wortmeldung von Uber entsetzt über deren Tatsachenverdrehungen und Desinformationen. Sich einen auf ihre Digitalität runterholen und dann aber darauf zu setzen, dass die Menschen zu dumm sind, einfache Internet-Recherchemöglichkeiten zu nutzen. Ekelhaft! Dass sie eine andere Meinung haben als ich, kann ich akzeptieren. Würde ich aber schreiben wie sie schreiben, würde ich sogar mich selbst widerlich finden.)

Als kleinen positiven Bonus gibt’s hier noch einen Zeit-Artikel, der klarstellt, dass es bei Uber und co. nicht um Taxis, sondern um Weltanschauungen geht.

Tarifverhandlungen gescheitert

Dank Uber war ich gewerbepolitisch in letzter Zeit leider andersweitig beschäftigt und habe das Thema Mindestlohn aufgeschoben. Nun also ein kurzer Zwischenstandsbericht:

Der deutsche Mietwagenverband BZP hat sich im Laufe des Jahres zum Tarifpartner auf Arbeitgeberseite aufwerten lassen und vertritt nun tarifpolitisch die Taxiunternehmen. Und zwar weil ein schon vor 2015 bestehender Tarifvertrag (in diesem Fall mit Ver.di) die einzige noch verbleibende Möglichkeit ist, die Einführung des Mindestlohns im Taxigewerbe zum Beginn nächsten Jahres zu verzögern.
Sprich: schließt man jetzt noch eilig einen Tarifvertrag mit Löhnen unter 8,50 € ab, besteht für die Arbeitgeber die Möglichkeit, diesen sonst ab dem kommenden ersten Januar verpflichtenden Betrag nach einer stufenweisen Annäherung erst ab Anfang 2017 zahlen zu müssen.
Da die Löhne im Taxigewerbe fast überall – zumindest aber durchschnittlich – weit unter 8,50 € (nämlich eher bei 6,50 €) liegen, wäre den Unternehmen daran natürlich viel gelegen.

Doch der Traum scheint erst einmal geplatzt zu sein.

———-

Ist das nun gut oder schlecht?

Das ist ganz klar eine Meinungsfrage. Die umgehende Einführung des Mindestlohns wird zweifelsohne Arbeitsplätze kosten. Das behaupten Vertreter aller Branchen, bei uns ist das aber eklatant sichtbar. Wenn der Gewinn eines Taxiunternehmens bei 5 bis 10% des Umsatzes liegt, dann kann der Lohn des Fahrers nicht um 20 oder 30% erhöht werden – dann wird dieser Fahrer seinen Job verlieren oder das Unternehmen pleite gehen, so ist das einfach. Die Frage ist demnach: ist es sinnvoller, alle Arbeitsplätze wie bisher zu erhalten – oder nach einem Abbau den restlichen Fahrern zumindest mal den Mindestlohn zu bezahlen? Und je nach Weltanschauung kann man da zu unterschiedlichen Ansichten kommen.

Meine ist klar:

Ich bin für den Mindestlohn und dementsprechend froh darüber, dass die Tarifverhandlungen geplatzt sind!

Und das nicht, weil ich Taxiunternehmer für böse halte und ihnen den Untergang wünsche. Im Gegenteil: ich bin mit sehr guten und sehr sozialen Chefs gesegnet, deren Unternehmen ich grundsätzlich bereit bin auch mit eigenen Mitteln mitzuverteidigen. Mir ist klar, dass sie mit dem Mindestlohn Probleme bekommen werden und in diesem einen Fall weiß ich, dass das nicht ihr Fehler ist. Ich werde wie die meisten Berliner Taxifahrer am Umsatz beteiligt und liege dank günstiger Arbeitszeiten jetzt schon über 8,50 € Lohn pro Stunde. Aber der Umsatz des einzelnen Fahrers (und in Berlin auch Unternehmens) lässt sich nicht beliebig steuern. Wenn in der Stadt mehr Taxis zugelassen werden (seit meinem Eintritt ins Gewerbe 2008 waren das irgendwas um 500 bis 1000 neue), dann sinkt entsprechend der Umsatz des einzelnen. Die meisten Aufträge werden hier von Zentralen vermittelt, die nicht mit den Unternehmen identisch sind – ergo kann man sich als Unternehmer auch durch z.B. bessere Qualität nicht deutlich mehr Kunden sichern. Was soll ein Unternehmen hier schon machen, außer sich mit mehr Fahrern mehr Anteil sichern?

Aber ungeachtet dessen: 6,50 € können kein vernünftiger Stundenlohn sein!

Das Jammern über den Verlust von Arbeitsplätzen unterschlägt immer, dass es dabei verdammt nochmal um Arbeitsplätze geht, die mit unter 8,50 € pro Stunde bezahlt werden. Da sind reihenweise Arbeitsplätze dabei, die jetzt schon dank Aufstockung staatlich mitalimentiert sind und andere, bei denen Leute ihre Familien um den Preis sie nicht mehr zu sehen ernähren. 6,50 € brutto bedeuten gerade mal 1300 € im Monat – bei mehr als 40 Wochenstunden! Natürlich hätte es eigentlich anderer Mittel bedurft, das Problem zu lösen. Der Senat hätte die Anzahl der Taxis begrenzen können. Man hätte durch Tarifsenkungen, Werbung oder Qualitätsverbesserungen mehr Kunden finden können oder auch einfach wenigstens aktiv die Schwarzarbeit bekämpfen, die immer noch zu viel Geld aus dem Gewerbe zieht.

Hätte, könnte. Fakt ist: das hat gerade hier in Berlin niemand geschafft. Und selbst in Anbetracht des bevorstehenden Mindestlohnes poltert der „Taxiverband Berlin Brandenburg“ als eine der Gewerbevertretungen schon wieder los, man bräuchte (ein Jahr nach der letzten Erhöhung) 23% Aufschlag auf den Taxitarif. Falls wer sein Milchmädchen vermisst: es arbeitet offenbar beim TVB.

Das Grundproblem ist hier wie überall eine grundsätzliche (Ausnahmen bestätigen die Regel …) Überversorgung mit Taxis. Wir müssen zwar um verfügbar zu sein Leerlaufzeiten haben, dennoch braucht es bei den meisten in Deutschland gültigen Tarifen kaum mehr als vielleicht 10 bis 13 besetzt gefahrene Kilometer pro Taxi und Stunde, um auch mit Mindestlohn wirtschaftlich zu sein. Und das ist wirklich kein utopischer Wert, selbst wenn wir weiterhin eine Versorgung garantieren wollen. Autos, die mit von der Beschäftigung abhängigen Fahrern zwei Drittel der Zeit stehen, sind Überfluss.

Nun wird es halt der Mindestlohn schaffen, das durchzurütteln. Das Dumme daran ist zweifelsohne, dass er unfair ist. Der Mindestlohn sorgt nicht automatisch für eine Bevorzugung der ehrlichen Unternehmen und spielt gleichermaßen auch jenen in die Hände, die schon jetzt wirtschaftliche Vorteile durch, nun ja, „kreative Buchführung“ haben.

———-

Bemerkenswert ist aber auch die Argumentation der beiden Tarifparteien:

Hier die Presseerklärung von Ver.di.

Hier die Presseerklärung des BZP.

Dass beide Parteien „Mimimi, die anderen sind schuld!“ rufen, ist die eine Sache. Der BZP allerdings wird wirklich albern. In Verhandlungen mit einer Gewerkschaft zu gehen um den Lohn zu senken ist das eine. Dabei allerdings überrascht zu sein, dass die das nicht tun, ohne andere Zugeständnisse zu kriegen – das ist nur noch lächerlich.

Der BZP behauptet z.B., dass eine Arbeitszeiterfassung via Taxameter technisch noch nicht möglich und problematisch beim Datenschutz wäre. Was für eine Zumutung! Arbeitgeber sollen wissen, wann ihre Arbeitnehmer arbeiten! Man stelle sich das mal in anderen Branchen vor … oh, wait! (Und by the way: natürlich protokolliert mein Taxameter meine Arbeitszeit …)

Und eine 40-Stunden-Woche ist nicht einführbar wegen Großveranstaltungen und dem Wetter!? Will irgendwer mal zum BZP gehen und denen sowas wie Überstunden, Freizeitausgleich etc. pp. erklären?

Nicht zu vergessen der weinerliche Hinweis darauf, dass es voll gemein wäre und Ver.di doch irgendwie hätte großzügiger sein müssen, weil die Branche ja keine Sonderregelung bekommen hätte. Ganz ehrlich, lieber BZP: WTF? Ihr habt noch nicht geschnallt, dass wegen Arbeitgebervertretern wie Euch sowas wie ein Mindestlohn erst nötig war und unser Gewerbe keine Ausnahmegenehmigung bekommen hat, weil gesamtgesellschaftlich nichts gegen 8,50 € Lohn für Taxifahrer spricht, sondern ausschließlich die teils hausgemachte Misere innerhalb des Gewerbes.

———-

Ich freue mich nicht darüber, dass Unternehmen pleite gehen und Fahrer entlassen werden. Schon gar nicht, wenn es Unternehmen betrifft, die es besser machen wollten, aber nicht konnten – oder Fahrer, die zufrieden waren mit dem Status Quo. Aber mal im Ernst: das Taxigewerbe ist wichtig und hat sich im Laufe der Jahrzehnte teils eigenverantwortlich, teils durch miserable Verkehrspolitik in eine Lage gefahren, die prinzipiell abartig ist. Obwohl uns Qualität abverlangt wird, verdienen wir Dienstleister so wenig, dass es uns spaltet in die, die mit Herzblut bei der Sache sind und dafür alles hinnehmen – und andererseits die, für die es „immerhin besser als nix“ ist und teilweise auch dementsprechend arbeiten. Eigentlich ist der Mindestlohn für nix davon eine angemessene Lösung, aber immerhin ein Schritt in die richtige Richtung – nämlich das Dilemma unserer Unterbeschäftigung zu beseitigen.
Ich möchte dafür nicht die Freiheiten geopfert sehen, die die Arbeit mit sich bringt; aber im Gegenzug sollten wir zufriedenen Fahrer, die gerne hätten, dass alles so bleibt wie bisher, uns auch mal fragen, ob es im Gegenzug ok ist, dass sich in unseren Reihen Leute kaputtschuften, nur um noch ein paar Euro mehr als HartzIV zu bekommen (Und das ist eine realistische Darstellung, wenn man z.B. von einer Familie ausgeht, bei der nur ein Elternteil arbeitet). Wer von uns arbeitet den WIRKLICH freiwillig 60 Stunden die Woche? Was könnten wir erst reissen, wenn wir besser verdienen würden und deswegen weniger arbeiten müssten?