Übertriebene Konkurrenz

Man könnte gerade meinen, es breche die Welt zusammen fürs Berliner Taxigewerbe. Das zumindest ist der oberflächliche Eindruck, der sich wirklich geradezu aufdrängt, wenn man sich News- und Maileingänge der letzten 24 Stunden bei mir anschaut. Da waren auch nette Meldungen von interessierten Lesern dabei, denen will ich da nichts unterstellen und mich durchaus bedanken für die Hinweise – in Anbetracht der Menge und der Uniformität der Meldungen gehe ich aber von einem ziemlich clever inszenierten Schachzug in Sachen virales Marketing aus und verzichte deswegen explizit auf eine Verlinkung.

Nun, was ist so schlimmes passiert? Nix. Ein Limousinen-Service aus den USA startet nun auch in Berlin. Er ist nicht der erste, vermutlich auch weder der beste, schnellste, noch sonstwas. Es ist ein Limousinenservice, der offenbar das Marketing im Web entdeckt hat. Warum ich jetzt darüber schreibe und mich das irgendwas angeht? Weil überall in den Meldungen die Rede davon ist, dass jetzt DIE große Taxi-Konkurrenz kommt, buhu, Schock, Schauder, Horror!

Ähm, geht’s noch?

Ich will den Laden nicht kleinreden, ganz sicher nicht. Und so ein Service hat wie bisher auch natürlich eine Daseinsberechtigung im vielfältigen Mobilitätsangebot einer Stadt wie Berlin. Sie sind wahrscheinlich erfolgreich, werden ihre Kunden finden und da sind sicher auch mal ein paar potenzielle Taxi-Fahrgäste dabei. Aber schließlich gibt es uns auch trotz BVG noch.

Ein Limousinenservice ist eine tolle Sache. Gerade für geschäftliche Anlässe. Wenn sich Leute treffen, bei denen es auf die Farbe des Autos ankommt, in dem sie vorfahren, da können wir mit hellelfenbein nicht unbedingt punkten (außer bei schwer vermittelbaren Fetischen vielleicht) und es gibt die Leute, die gerne mehr bezahlen dafür, dass der Fahrer sich als Pinguin verkleidet und für zwei Euro mehr die Stunde nur nickt, statt zu antworten. Und, bevor das zu einseitig klingt: es gibt natürlich auch Fahrer, denen so ein Verhältnis lieber ist und die sich ungern mit pöbelndem Proletariervolk abgeben.

Ich persönlich bin Taxifahrer, was auch heißt: Fahrer eines öffentlichen Verkehrsmittels. Dazu gehören gewisse Standards, andere wiederum nicht. Und bei den ganzen Feilschereien ums Geld, die ich jede Nacht mitbekomme, mache ich mir keine Sorge darum, an einen Dienstleister viel von meiner Kundschaft zu verlieren, wenn dieser fast das doppelte an Geld verlangt.

Ehrlich, die „Konkurrenz“ startet nicht nur mit 1,80 € mehr auf der Uhr, sondern hat als Minimum gleich 9,00 € gesetzt. Die Kilometerpreise sind zwar ganz ok, durch die Kopplung an die Geschwindigkeit aber fast noch komplizierter als unsere. Und bei den Festpreisen (die sie ja im Gegensatz zu uns machen dürfen) sind sie dann richtig geil und verlangen mehr als ihr eigener Tarif bringen würde – wahrscheinlich, um wieder beim Doppelten des Taxitarifs zu landen.

Das kann man machen und wie eingangs erwähnt, werden sie ihre Kundschaft haben. Ich glaube, diese Kundschaft fehlt mir am Ende nicht besonders und die Konkurrenz dürfte überschaubar bleiben.

Aber Respekt an die Kollegen im weitesten Sinne: eure Werbung funktioniert!

11 Kommentare bis “Übertriebene Konkurrenz”

  1. leserin sagt:

    „Und bei den ganzen Feilschereien ums Geld, die ich jede Nacht mitbekomme, mache ich mir keine Sorge darum, an einen Dienstleister viel von meiner Kundschaft zu verlieren, wenn dieser fast das doppelte an Geld verlangt.“

    das war mein allererste gedanke, wirklich. feilschen wie beim bäcker, hach ja, werd ich auch mal wieder lesen. 🙂
    und dann das geschiss erst um kurzstrecke oder nicht kurzstrecke…

    so doll werden pinguine gegen wikinger nicht anstinken :)) 😉

  2. Wahlberliner sagt:

    Naguut, dann der nächste Versuch: Willste vielleicht hier drüber bloggen: http://sz.de/1.1575965 ?
    „Taxifahrerin in Deggendorf wehrt sich, Grapscher stehen gelassen – Job verloren“
    via: http://blog.fefe.de

    🙂

    (Achja: Ich hätte gerne ein vorher angewähltes „Kommentare abonnieren“ Häkchen, damit ich das nicht immer selbst machen muss! Danke)

  3. Busfahrer sagt:

    In meiner letzten anstellung in hamburg fuhr ich nicht nur bus, sondern manchmal auch einen ViP-sprinter im voll-leder-austattung. Ich musste auch wie ein pinguin rumrennen und hatte reiche ausländische gäste . . . Und die waren zum teil schlimmer drauf als das einfache, betrunjene volk im taxi jetzt . . .

  4. Taxi 123 sagt:

    Limo-Service macht mir auch keine Angst. Ich mache mir dann eher Sorgen wegen: Gesetz zur Änderung personenbeförderungsrechtlicher Vorschriften (PBefRÄndG). Der Spaß wird mich wahrscheinlich nicht so treffen, wie Unternehmen im ländlichen Bereich, aber schön ist anders. Und da stimme ich dem BZP voll und ganz zu, daß hätte gestoppt werden müssen.

  5. Sash sagt:

    @leserin:
    <3 für die Gegenüberstellung von Pinguinen und Wikingern! 😀

    @Wahlberliner:
    Mal sehen, meine Zeit ist gerade irgendwie immer weg, wenn ich da bin 🙁

    @Busfahrer:
    DAS ist ja sowieso unter Dienstleistern ein offenes Geheimnis 😉

    @Taxi 123:
    Hab ich noch gar keine Infos, muss ich erst mal checken …

  6. Wahlberliner sagt:

    @Sash: Ich hab grad noch einen netten kleinen WordPress-Bug gefunden: Die Benachrichtigungsmail enthielt nur die erste Zeile, wahrscheinlich wegen dem „Herzchen“, was wohl als HTML interpretiert wird. Mal schauen, ob es das auch mit Escape-Character wird, wenn ich also
    \<3 schreibe? Ist dieser Text dann noch in der Abo-Mail? 😉

  7. Sash sagt:

    @Wahlberliner:
    Ja, er ist noch drin. Aber keine Ahnung, was da mit WP abgeht 🙂

  8. Wahlberliner sagt:

    Das scheint ein Schutzmechanismus vor Code-Injektion zu sein. Wenn ich wüsste, wie, könnte ich in diesem Kommentarfeld ja auch was reinschreiben, was es mir ermöglichte, Dein WordPress zu „übernehmen“, oder ähnliches. Siehe auch hier:
    http://xkcd.com/327/
    🙂

  9. Ana sagt:

    ich mach da gerne mit 🙂
    wenn man zeichen filtert ab denen man nichts darstellt, kann man auch zeichen ersetzen (< in diesem fall) und stellt trotzdem dar.
    widerlcihe umsetzung! boo, wordpress, boo! 😀

  10. Wahlberliner sagt:

    @Ana: Cool, Du hast damit den bestmöglichen Workaround gefunden! Gratulation! 🙂

  11. […] (Ich hab ja nicht einmal bei der Einführung von UberBlack anno dazumal, als sie noch an den Erfolg glaubten, gemeckert – sondern zur Ruhe gemahnt.) […]

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