Mindestlohn im Taxigewerbe

Da hat sich die Tage also die werte Frau Hasselfeldt aus der CSU zu Wort gemeldet und Taxifahrer mit dem seltsamen Argument, sie bekämen keine Stundenlöhne, auf eine Stufe mit Ehrenamtlichen gestellt. Um damit zu suggerieren, ein Mindestlohn im Taxigewerbe würde nicht funktionieren. Das ist natürlich Blödsinn. Zum einen arbeiten in vielen Orten Deutschlands Taxifahrer nach fixen Stundenlöhnen, zum anderen sind wir nicht die einzige Branche, die erfolgsbasierte Bezahlung kennt. Was Taxifahrer indes recht einzigartig macht, ist der Anteil der Beschäftigten, der im Niedriglohnbereich arbeitet (siehe z.B. hier). Da schlagen wir sogar die gerne ins Feld geführten Frisöre.
Dass unser Umsatz schwankt, ist ebenso inhaltsleere Ablenkung, denn das trifft selbstverständlich auch auf den Handel in all seinen Formen und so gut wie jede andere Dienstleistung zu. Dass sich bei der Bezahlung im Taxigewerbe unbedingt was ändern muss, ist seit Jahren klar, schließlich fahr ich im Januar gerne mal mit einem errechneten Stundenlohn von 4 € nach Hause. Unbegreiflich, dass ausgerechnet die Taxifahrer bei einem Mindestlohn ausgeklammert werden könnten!

Was bloß ist an der Vorstellung, wir könnten fair entlohnt werden, so absurd? Geht da tatsächlich gleich das Abendland unter?

Die folgenden Betrachtungen beziehen sich hauptsächlich auf die Berliner Verhältnisse, gelten teilweise aber auch anderswo.

1. ALLGEMEINES

1.1. Wenn der Mindestlohn keine Folgen hätte, würde er ja nix bringen.

Man muss natürlich der Tatsache ins Auge sehen, dass der in Berlin erwirtschaftete Umsatz sicher nicht reichen wird, wie bisher 10.000, dann aber besser bezahlte Taxifahrer zu beschäftigen. Völlig erfolglose Fahrer werden vermutlich ein Kündigungsschreiben kriegen, andere vielleicht die Auflage, zu unlukrativen Zeiten nicht mehr rauszufahren. Die Frage ist am Ende doch aber, ob es wirklich besser ist, ca. 10.000 Jobs mit überwiegend beschissenem Einkommen zu tolerieren, als 7.000 zu gesellschaftlich als akzeptabel eingeordneten Bedingungen zu schaffen. Auch nicht vergessen sollte man hier die Tatsache, dass der Mindestlohn flächendeckend sein soll. Das könnte uns einerseits mehr Kunden bringen, zum anderen vielleicht auch Fahrer in andere Branchen locken.
Ich möchte die Problematik von Entlassungen nicht leichtfertig beiseite wischen. Auch mein Job wäre damit in Gefahr und auch unabhängig davon mag ich meine Chefs sehr und für Unternehmer ist es noch viel schwerer abzusehen, ob sie zu denen gehören, die am Ende übrig bleiben. Die sozialen Folgen ließen sich im Übrigen schmälern, wenn bereits jetzt keine neuen Konzessionen vergeben würden und keine neuen Fahrer eingestellt. Wie hart der Umschwung die Branche treffen würde, hängt auch stark davon ab, was im Vorfeld geschieht.

1.2. Wir würden kein Schlaraffenland verlieren.

So sehr wir das bestehende Modell liebgewonnen oder uns schöngeredet haben: Es hat dazu geführt, dass sich die Taxifahrer gegenseitig im Kampf um die letzten paar Euro stundenlang die Räder platt stehen. Obwohl sicher auch Privilegien wegfallen werden (siehe 2.2), werden wir Freizeit gewinnen dadurch, dass künftig auch unseren Chefs wichtig wird, in welcher Zeit wir den Umsatz erwirtschaften. Belohnung von Fleiß in allen Ehren, aber wie sinnvoll ist es, dass heute noch der Taxifahrer als besser gilt, der 150 € in 12 Stunden einfährt, als der, der 120 € in 6 Stunden schafft?
Bislang ist die Zahl der Taxen in Berlin fast kontinuierlich gestiegen – mit besonderen Sprüngen nach Tariferhöhungen. Der ach so hoch geschätzte freie Markt hat im Taxigewerbe genau eines bewirkt: Dass etliche Unternehmer immer mehr Fahrer und Fahrzeuge auf die Straße gelassen haben, um ein größeres Stück vom Kuchen zu bekommen. Ungeachtet der negativen Entwicklungen für den einzelnen Fahrer.

1.3. Unfreiwillige Unsicherheit als Angestellter? Wieso eigentlich?

Durch die in Berlin übliche ausschließlich umsatzbasierte Bezahlung haben die Angestellten bislang einen großen Teil des Unternehmerrisikos mitgetragen. Ohne Grenze nach unten. Eine eigentliche Selbstverständlichkeit für Angestellte ist zumindest die Sicherheit eines gewissen Grundeinkommens. Eines bezifferbaren! Dass wir im Gegenzug auch an Gewinnen beteiligt werden, ist eine Sache, die man durchaus davon trennen muss, da das Risiko eines Verlustes (in unserem Fall Arbeitszeit, die wir „für umme“ raushauen) eigentlich ganz eindeutig Unternehmersache ist. Eine Rückkehr der Verantwortung selbiger für ihre Arbeitnehmer würde hoffentlich mehr als heute den vernünftigen Arbeitgebern zugute kommen.

1.4. Das klappt doch gar nicht, weil so viele Fahrer sowieso selbständig sind!

Das würde ich nicht zwingend sagen. Obwohl es die Sache natürlich verkompliziert. Natürlich kann man Selbständigen keinen Lohn vorschreiben. Auf der anderen Seite haben die Selbständigen auch kaum etwas von ihrem eigenen Unternehmen, wenn sie schlechter verdienen als Angestellte. Über kurz oder lang und ungeachtet einzelner Ausnahmen werden sich auch die Verdienste der Selbständigen auf einem Niveau einpendeln, das dem Einkommen angestellter Mindestlohnempfänger ähnelt. Während der ein oder andere anfangs sicher noch zu unlukrativen Zeiten rausfährt, wird langfristig kaum die Mehrheit freiwillig weniger Geld einfahren, als sie in einem Unternehmen als Angestellte garantiert bekommen würden.

1.5. Und in den Unternehmen? Jeder 8,50 € und fertig? Wozu dann Umsatz einfahren?

Glaube ich nicht. Die Unternehmer hätten nach Einführung eines Mindestlohnes ein gesteigertes Interesse daran, dass ihre Fahrer guten Umsatz machen. Viele denken da jetzt vorschnell an immensen innerbetrieblichen Druck. Dabei könnte der Anreiz derselbe bleiben. Der Mindestlohn muss nicht das Aus für umsatzbasierte Bezahlung bedeuten, er ist erst mal nur eine Untergrenze. Wenn sich alles eingespielt hat, ist durchaus Platz für Bonuszahlungen – die ja auch in anderen Branchen durchaus üblich sind. Nur werden sie sich dann wohl am Umsatz pro Stunde messen. Die befürchtete Horde fauler Taxifahrer wird sich vermutlich in Grenzen halten, da die Unternehmen (im Gegensatz zu heute!) ein Interesse haben werden, nur gute Fahrer zu behalten.

2. DIE PRAXIS

2.1. Die Ausgestaltung macht’s!

Entscheidend wird am Ende sein, wie genau die Regelungen zum Mindestlohn an sich sind und wie das Gewerbe sie allgemein umsetzen wird. Dazu die folgenden Anmerkungen.

2.1.1. LABO, Zoll, etc. Sprich: Schwarzarbeit.

Ein ganz entscheidender Punkt gleich zu Beginn der Einführung wird die Schwarzarbeit sein. Die vielen nicht legal arbeitenden Betriebe sind bislang zu einem Teil für die Misere der Branche verantwortlich und es ist die Frage, inwieweit sich da neue Schlupflöcher ergeben würden, bzw. ob z.B. die Aufmerksamkeit aufgrund von Verstößen gegen die Zahlung des Mindestlohns mal wieder das Taxigewerbe in den Fokus rücken würde und dann durch Kontrollen das ein oder andere schwarze Schaf auffliegt. Denn auch das könnte Teil der Reduktion der Arbeitsplätze sein. Viel zu erwarten ist da nach der Tiefschlafphase in den letzten Jahren zwar nicht, aber man sollte die Hoffnung nicht aufgeben. Interessant wäre aber zum Beispiel auch, ob das 2017 (wahrscheinlich gleichzeitig mit dem Mindestlohn) einzuführende Fiskaltaxameter auch die Arbeitszeiten loggt. Sollte das der Fall sein, wäre das vermutlich schon die halbe Miete.

2.1.2. Tricksen die Unternehmer?

Da zunächst ein Verdrängungswettbewerb zu erwarten ist, steht zu befürchten, dass die Unternehmer z.B. die Arbeitszeiten schönrechnen. Gerade das Taxifahren mit den vielen auftragsfreien Zeiten bietet ja z.B. lustige Optionen wie das Anrechnen von Standzeiten als Pause. Über die Rechtmäßigkeit brauchen wir nicht zu streiten, denn das ist nie und nimmer eine Pause. An einem Stand darf man nur stehen, wenn man sich bereithält, aber ich befürchte derartiges. Und da die Mühlen der Justiz langsam mahlen, könnten sich so unseriöse Arbeitgeber eventuell in der heißen Phase einen Zeitvorsprung verschaffen. Das ist zwar hochspekulativ, könnte aber auf den Ausgang gravierende Auswirkungen haben.
Will heißen: Natürlich ist es wichtig, dass darauf geachtet wird, dass nicht nur auf dem Papier alles schnieke aussieht.

2.1.3. Und die Taxitarife steigen dann um 250%, was?

Das sicher nicht. Eigentlich wäre eine Steigerung sogar ziemlicher Unsinn. Bei guter Auslastung sind im Taxi bei den bisherigen Tarifen auch in Berlin gut 12 bis vielleicht 16 € Stundenlohn möglich. Und durch eine Tariferhöhung alleine ist die Kluft zwischen dem jetztigen und dem für einen Mindestlohn von beispielsweise 8,50 € erforderlichen Umsatz sowieso nicht zu erreichen. Es müsste so viel draufgeschlagen werden, dass auf der anderen Seite eine Menge Kundschaft wegfällt. In der Tat wird aber immer gesagt, dass Mindestlöhne im Taxigewerbe nicht sinnvoll wären, da wir die Preise nicht selbst bestimmen könnten. Das ist allenfalls teilweise wahr. In den letzten Jahren ist der Berliner Senat vor allem dadurch aufgefallen, dass er Tarifforderungen des Taxigewerbes meist wohlwollend aufgenommen hat. Wenn sich daran nichts ändert, ist zu erwarten, dass nach dem Gesundschrumpfen der Branche über die Tarife recht schnell eine Möglichkeit besteht, kleinere Defizite zu beheben. Mehr nicht, aber mehr war auch bisher nicht drin.

2.2. Weniger Freiheit? Ja, puh …

Der Wegfall der ein oder anderen Freiheit für uns Fahrer ist das, was ich selbst mit am meisten fürchte. Meist werden da Dinge genannt, wie dass wir während der Arbeit ja dieses oder jenes noch privat machen könnten. Aber mal im Ernst: Das wird doch nur eine Umstellung sein! Ich wette, ich kann das nach Einführung eines Mindestlohnes (einen netten Chef vorausgesetzt natürlich) immer noch. Tatsächlich wird der Unterschied halt sein, dass ich diesen Einkauf künftig eben als Pause deklarieren müsste – was, wenn wir ehrlich sind, eigentlich nur eine Formalie ist. Schließlich habe ich mich bislang auch damit abgefunden, in dieser Zeit kein Geld zu verdienen.
Und was sonst? Es wird sie sicher geben, die Unternehmer, die den Fahrern bestimmte Halten befehlen o.ä. Aber mal im Ernst: Es gibt heute Unternehmen, die ihren Fahrern 12 Stunden Arbeitszeit vorschreiben. Für solche Leute arbeitet man gefälligst nicht mehr, anstatt sich über den Mindestlohn zu beschweren.

FAZIT:

Natürlich gibt es hier und da Unwägbarkeiten. Es werden Jobs verloren gehen und es ist leider nicht hundertprozentig sicher, dass am Ende auch wirklich die besten Arbeitgeber und die besten Angestellten von einem Mindestlohn im Berliner Taxigewerbe profitieren. Was aber sicher ist: Dass mehrere tausend Angestellte bessergestellt sind als zuvor. Und bessergestellt bedeutet, dass sie dann endlich Jobs haben werden, die bei der Bezahlung wenigstens die Mindest-Anforderung (nicht weniger sagt ein flächendeckender Mindestlohn aus!) an eine gerechte Entlohnung erfüllen. Ich verstehe die Sorgen und Ängste der Unternehmer, bin aber doch sicher, dass sich das sehr schnell einpendeln wird. Es ist weiterhin keine schöne Vorstellung, dass der ein oder andere Kollege seine Arbeit verlieren wird. Auf der anderen Seite wird Taxifahren dann vielleicht endlich wieder ein Job sein, bei dem auf der anderen Seite auch kein Fahrer mehr gezwungen ist, trotz Arbeit nebenher beim Amt als Aufstocker betteln zu gehen. Und es bleibt sogar die leise Hoffnung, dass das insgesamt die Qualität auch des Gewerbes – nicht nur der Arbeitsplätze – erhöht.

Eingedenk der oben genannten Aspekte bleibt die Frage an Frau Hasselfeldt und ihre Fangemeinde, weswegen also ausgerechnet wir Taxifahrer eine einsame Ausnahme bilden und weiterhin weniger verdienen sollten als das gesellschaftlich anerkannte Minimum. Was soll unseren Job denn jetzt noch so besonders machen, dass wir uns mit Ehrenamtlichen messen sollen, die freiwillig Aufgaben übernehmen, mit deren Entlohnung sie nicht leben oder gar eine Familie ernähren müssen?

Mindestlohn-„Nachbesserung“

Ach, sieh an! Wie überraschend!

In der Debatte um Ausnahmen beim voraussichtlich kommenden Mindestlohn meldet sich die CSU-Landesgruppenchefin Hasselfeldt zu Wort und merkt an, dass z.B. auch Taxifahrer ohne Stundenlöhne arbeiten würden …

Die Befürchtung, dass unser Gewerbe eines derjenigen sein wird, das eventuell einer Ausnahmeregelung zum Opfer fällt, hatte ich die ganze Zeit. Nun bin ich mal gespannt, wie es weitergehen wird.

Ich hab schon seit einem Monat vor, mal was über den Mindestlohn und die Auswirkungen dazu zu schreiben, leider ist das eine ziemlich umfangreiche Sache. Gibt es denn spezielle Fragen, die Euch interessieren würden zu dem Thema? Wenn ja, dann rein in die Kommentare! Ich würde mich darüber freuen, denn dann könnte ich einen eventuell langen Artikel danach gliedern oder in entsprechende Teile zerlegen.

10 Tipps zum Taxifahren an Silvester

Hier noch eine kurze Checkliste zum Taxifahren an Silvester. Die lange Version gibt es hier und in den Links dort.

  1. Vergiss das Bestellen! Jage auf der Straße!
  2. Du bist nicht alleine! Deal with it!
  3. Ausgeschaltete Taxi-Leuchten signalisieren: Er überfährt Dich anstatt anzuhalten!
  4. Dass Du kein Taxi bekommen hast, ist nicht die Schuld des Taxifahrers, der jetzt vor Dir steht!
  5. Kommst Du dem Fahrer blöd, kommt er Dir blöd. Viel Spaß beim Laufen!
  6. Der Taxifahrer ist allenfalls halb so besoffen wie Du. Berücksichtige das bei der Kommunikation!
  7. Wer kotzt, läuft. Zahlt aber trotzdem. Ins eigene T-Shirt (oder die Handtasche) kotzen bringt Bonus-Punkte!
  8. Böller auf Taxis zu werfen, bringt sie nicht dazu, Dich mitznehmen. Stichwort: Brot statt Böller.
  9. Heute ist der Tag, das Trinkgeld zu geben, das Du die letzten 12 Monate vergessen hast!
  10. Es ist Silvester, also bleib cool!
  11. Teile diesen Artikel! Sonst bleiben alle anderen ja doof.

Frohes Gelingen!

PS:
Wegen einiger Nachfragen: Wer es wirklich schafft, mich heute Nacht zu finden und mir Brot aufs Taxi zu werfen, den nehme ich mit, versprochen! 😉

Was 2013 liegen blieb …

2013 war wie die Jahre davor schon ein ausgesprochen schönes Jahr zum Bloggen. Ich hab trotz gelegentlicher Ausnahmen meinen Schnitt von ca. einem Eintrag pro Tag halten können und ein paar schöne Texte waren ja auch darunter. Und das alles trotz eBook und Büchern. Was insbesondere in den letzten Monaten aber ein wenig liegen geblieben ist, sind die Kommentare. Ich hab ein paar Antworten aufgeschoben und dann vergessen, andere aus Zeitmangel auch mal bewusst nicht beantwortet. In den meisten Fällen haben das dann langjährige Leser übernommen und sehr oft haben es die Kommentatoren sicher auch aus den Augen verloren. Schlecht gefahren sind wir da sicher nicht mit, aber ich kann jetzt keinesfalls mehr alles rekonstruieren.

Wenn nun aber doch wichtige Fragen offen geblieben sein sollten – oder jemand mich jetzt bei der Erinnerung unbedingt mal irgendwas fragen will – dann ist das der richtige Zeitpunkt. Fragen im Kommentarfeld unter diesem Text werde ich alle beantworten, und zwar noch vor Silvester. Das gilt natürlich nur für Fragen, die nicht erst an oder nach Silvester gestellt werden. Für die gilt dann Silvester ’14. 😉

Thematisch will ich keine Grenzen setzen, ihr könnt ruhig auch was zum Bloggen oder zu mir persönlich fragen. Dass das Scherzfragen-Massen-Spam nicht mit einbezieht, ist hoffentlich klar. Also: Immer raus damit: Was ist jetzt – Ende 2013 – noch offen?

Was ich nicht so mag

„Also hier in Köpenick is‘ ja super nice!“ Nicht so wie z.B. in Marzahn oder so. Ich hab nie verstanden, wie man da hinziehen kann … Ja gut, wenn man sich nix anderes leisten kann! Weiter draußen ist das ja auch vielleicht ok. Aber so direkt beim Eastgate beispielsweise …“

Ich will die Ecke der Hauptstadt hier nicht über Gebühr loben und ich bin vor 6 Jahren auch aus finanziellen Gründen hergezogen. Ist ja schön und gut. Aber wenigstens nach mehrfachem Hinweis darauf, dass ich dort eigentlich recht zufrieden bin, würde ich mich freuen, wenn ein Fahrgast das wenigstens als Geschmackssache abtun könnte. Ich mag die Gegend hier nämlich tatsächlich mehr als beispielsweise den hippen Bergmann-Kiez. Und ja: tatsächlich vom optischen Eindruck her.

Aber gut, vielleicht zahle ich ja auch nur die Hälfte an Miete, weil ich mir nebenher sowas anhören muss. 😉

Was zu erwarten war: Silvester

So, Weihnachten ist vorbei. Damit sind wir nun in diesen Tagen, die gemeinhin mit „zwischen den Jahren“ betitelt werden – was einerseits ein wenig unlogisch ist, mir andererseits  auch total gefällt. Egal, es wird an dieser Stelle wie jedes Jahr Zeit, auf Silvester hinzuweisen. Das ist wie schon letztes und vorletztes Jahr ein alter Hut, aber ich tu’s immer wieder, weil ich ja auch immer wieder neue Leser habe. Und weil es auch Spaß macht, sich gedanklich auf Silvester einzustimmen, das gebe ich gerne zu. 😉
Wer den Links in diesem Artikel folgt, wird feststellen, dass ich wirklich jedes Jahr quasi dasselbe schreibe. Zusammengefasst klingt das etwa so:

Habt ein wenig Nachsicht mit den Taxifahrern an Silvester, denn wir tun, was wir können! Da das Fahrgastaufkommen an diesem Tag zigfach über dem an jedem anderen Termin liegt, kommen wir nicht hinterher. Zumindest hier in Berlin. Es wird nicht möglich sein, sich ein Taxi zu bestellen und man wird bisweilen ewig suchen, bis man ein freies findet. An diesem speziellen Tag streiten sich mal die Kunden um Taxen und nicht umgekehrt. Was aber auch heißt: Wer sich besonders nervig verhält, hat die schlechtesten Karten, mitgenommen zu werden. Silvester ist der Tag, an dem die Kunden sich freuen dürfen, dass wir an einen Tarif gebunden sind, denn in dieser Schicht könnten Taxifahrer Mondpreise diktieren und wären dennoch ausgelastet. Wir verdienen zwar überdurchschnittlich gut, aber durch die hohe Anzahl betrunkener Leute, die Scherben und Böller auf den Straßen, die Konkurrenz zwischen den Fahrgästen und die aus allerlei Gründen hohe Emotionalität des Datums ist das zeitgleich die stressigste Schicht des Jahres.
Lasst eventuell vorhandenen Frust über 2013 nicht an jenen Fahrern aus, die auch während der größten Party hierzulande noch ihre Arbeit zu machen versuchen. An allem was an diesem Tag schief läuft – selbst im Taxigewerbe – sind eben genau diese Fahrer am allerwenigsten schuld! Und jede Diskussion, jede Streiterei verschlimmert es nur. Wir rocken die Kundschaft im Akkord nach Hause und je ungestörter wir das tun können, desto schneller geht es für alle.

Ich hab dieses Jahr noch keine endgültige Bestätigung, ob ich am 31. Dezember ein Taxi habe. Dieses Jahr fällt Silvester erstmals nicht in meine offizielle Arbeitszeit (da ich inzwischen Montag bis Mittwoch nicht fahre), da muss ich ein bisschen Glück haben, damit das klappt.

Wobei: Schlimmer als vor zwei Jahren kann es ja gar nicht laufen. Da wäre ja selbst gar nicht fahren besser …

Aber wie gesagt: Bleibt ruhig und überlegt Euch, wenn Ihr es eilig haben solltet, Alternativen. Ansonsten werden wir das gemeinsam wie jedes Jahr hinkriegen, dazu sollten wir aber alle einen kühlen Kopf bewahren. OK?

Sind Sie mein Taxi?

Da ich für heute nichts geschrieben habe, würde ich mal empfehlen, einen Kollegen zu besuchen, der aus dem „schönen Dresden“ seine Erlebnisse unter dem Titel „Sind Sie mein Taxi?“ niederschreibt. Ich hab noch nicht alles durchgelesen, aber beim Eintrag „Na wo isses denn nur?“ kann man auf jeden Fall mal ein wenig schmunzeln. 🙂

Euch viel Spaß beim Lesen und dem Kollegen beste Grüße sowie gute Kasse!