Mindestlohn-„Nachbesserung“

Ach, sieh an! Wie überraschend!

In der Debatte um Ausnahmen beim voraussichtlich kommenden Mindestlohn meldet sich die CSU-Landesgruppenchefin Hasselfeldt zu Wort und merkt an, dass z.B. auch Taxifahrer ohne Stundenlöhne arbeiten würden …

Die Befürchtung, dass unser Gewerbe eines derjenigen sein wird, das eventuell einer Ausnahmeregelung zum Opfer fällt, hatte ich die ganze Zeit. Nun bin ich mal gespannt, wie es weitergehen wird.

Ich hab schon seit einem Monat vor, mal was über den Mindestlohn und die Auswirkungen dazu zu schreiben, leider ist das eine ziemlich umfangreiche Sache. Gibt es denn spezielle Fragen, die Euch interessieren würden zu dem Thema? Wenn ja, dann rein in die Kommentare! Ich würde mich darüber freuen, denn dann könnte ich einen eventuell langen Artikel danach gliedern oder in entsprechende Teile zerlegen.

30 Kommentare bis “Mindestlohn-„Nachbesserung“”

  1. Nick sagt:

    Mich würde primär interessieren, was deine Chefs darüber denken und ob sie bei Kalkulation mit Mindestlohn das Unternehmen so weiterführen könnten, wie es im Moment läuft.
    Besonders in einem Geschäft das stark vom Umsatz abhängig ist und sich nicht durch „planbare Fixeinnahmen“ trägt, dem aber dann weitere Fixausgaben gegenüberstehen ist ein Mindestlohn sicherlich nicht einfach.

  2. Taxi Tino sagt:

    Ja Sash, in unserer Branche wird es mit dem Mindestlohn wohl nicht funktionieren da wir die Preise für unsere Dienstleistung nicht selbst bestimmen, also an die Lohnkosten anpassen können. Wird also alles beim alten bleiben.

  3. ROWtaxler sagt:

    Also ich habe einen Stundenlohn bin mir nur nicht sicher ob ich vom Mindestlohn provitiere 😮

  4. Tobias sagt:

    Ich sehe den festen Mindestlohn eher negativ. Sicherlich ist es für die betroffenen Arbeitnehmer im ersten Moment eine tolle Sache, mehr Geld zu bekommen. Aber wenn wir von einem Mindestlohn von 7,50 Euro ausgehen, dann liegt der – soweit ich das in Erinnerung habe – beinahe immer über deinem momentanen Einkommen. Länger arbeiten hilft bei einem „Stundenlohn“ auch nicht mehr.
    Diese Mehrkosten müssen finanziert werden. Und selbst wenn dein Chef sein Unternehmen nur noch ehrenamtlich führen würde, bliebe nicht genug Geld übrig. Das führt dann zu höheren Tarifen. Und ich glaube, wir sind uns da einig, dass das sicherlich nicht zu mehr Fahrgästen führt. Letztendlich wird es dann Kündigungen geben und der Bestand an Taxen und Fahrern abnehmen.
    Das trifft auch die vielen Fahrer im sozialen Sektor, z.B. Essen auf Rädern und Behindertenfahrdienst. Die werden dann teurer und für viele nicht mehr bezahlbar. Die Fahrer haben in den meisten Fällen nicht einmal etwas davon, da sie meist nur GfB-Kräfte sind. Es bleibt bei 450 Euro im Monat und die Arbeitszeit verringert sich ein wenig. Gerade den Senioren, Nebenbeiverdienern und Gernefahrern bringt das also nichts.

  5. Daniel sagt:

    Sash hat doch schon oft genug geschrieben, daß das Problem nicht die zu niedrigen Tarife sind, sondern an zu wenig Kunden auf zu vielen Fahrern.

    Dann wird es halt künftig ein paar Taxen weniger geben, die vorhandenen sind besser ausgelastet, die Fahrer verdienen anständig, und ein paar andere müssen sich eben einen neuen Job suchen.

    Obwohl ich mit den Linken sonst wenig am Hut habe – aber die Forderung nach einem Mindestlohn unterstütze ich voll, und ich hoffe die Opposition läßt auch keine bzw. nur sehr wenig Ausnahmen zu.
    Dass man davon Taxifahrer ausnehmen sollte sehe ich nicht.

    Sash darf mir da natürlich als direkt Betroffener gern widersprechen bzw. mich drauf hinweisen wenn ich irgendwo nen Denkfehler mache 🙂

    Bin aber schon der Meinung dass niemand für weniger als 8,50 Euro arbeiten sollte – und gerade bei Taxis sollte das auch mti den bestehenden Tarifen machbar sein, wenn man einfach die Menge runterschraubt.

  6. Ana sagt:

    Grade beim Taxi ist das ja so, dass man durchaus mal n Stündchen während der Schicht Schlafen kann, um danach wieder Fahrtüchtig zu sein oder sich den Wagen mal zur IKEA-Einkaufstour zu schnappen. Solang die Chefs da eben mitmachen.
    Wenn nun ein Midnestlohn existiert, müssten diese ZEiten ja wohl bezahlt werden, aus Versicherungs- und anderen Gründen, nehm ich an.

  7. Sam sagt:

    In der Gastronomie wird es das selbe Problem geben. Die meisten kleinen Unternehmen zahlen ja keine geringen Löhne, um schneller die Million voll zu kriegen, sondern weil sich der Laden sonst einfach nicht mehr rechnet. In der Theorie kann man zwar in dem Fall die Preise erhöhen, tatsächlich wirkt sich das aber verständlicherweise negativ auf den Umsatz aus, da es den Leuten schnell subjektiv zu teuer wird. Leicht erhöhte Preise (wir reden von 10- 20 Cent pro betroffener Speise) auf Grund der erhöhten Einkaufspreise sind ja für die meisten schon Grund zur ständigen Beschwerde.
    Was mich aber am meisten dabei nervt: Der Mindestlohn wird Brutto festgesetzt. Das heißt, die Aushilfen unter 450 Euro verdienen pro Stunde gesetzlich mehr als Festangestellte. Versuch das mal jemandem sinnvoll zu erklären. Aber klar, nimmt man die Netto-Werte, senken sich die diskutierten 8,50€ schnell auf 6,50€ und damit will man natürlich nicht hausieren gehen…

  8. koma sagt:

    was mich am Mindestlohn eigentlich am meisten stört, ist die Tatsache, das damit (meiner Minung nach) Faulheit honoriert wird.

    Das klingt jetzt erstmal ziemlich radikal, aber wenn man es mal aus der Taxifahrersicht betrachtet (bzw aus der Sicht des Chefs), wirds ganz schnell offensichtlich: Arbeiter, die nach Umsatz bezahlt werden, wozu Taxifahrer fraglos gehören, profitieren auf zweierlei Weise vom Mindestlohn. Erstens, wenn man arbeitet und keinen Umsatz macht weil das Geschäft schlecht läuft und zweitens, wenn man zu faul ist, sich in der Arbeitszeit darum zu kümmern, das man Umsatz macht.
    Ersteres ist ein Problem, für das der Mindestlohn eine hervorragende Lösung wäre, wenn sich unsere Chefs das leisten könnten, was nicht der Fall ist.
    Das Zweite ist eine Sache, die im Grunde genommen selbst regulierend ist, denn irgendwann werden diejenigen Fahrer, die im Verhältnis!! zu anderen Fahrern in einer Firma zu wenig Umsatz pro Arbeitseinheit bringen nicht mehr in dieser Firma arbeiten.
    In beiden Fällen werden am Ende die „effektiven, fleißigen“ Fahrer übrig bleiben und die brauchen keinen Mindestlohn, denn die liegen da drüber.
    Aus eigener Erfahrung würde ich jetzt mal behaupten, das diejenigen Fahrer, die vom Mindestlohn profitieren (wollen), keine Firma mehr finden werden, in der sie das können.
    Mein Fazit lautet damit: Ich hoffe, das der Umsatzunabhängige Mindestlohn nicht kommen wird.

  9. Peter sagt:

    Taxi Tino schrieb: „in unserer Branche wird es mit dem Mindestlohn wohl nicht funktionieren da wir die Preise für unsere Dienstleistung nicht selbst bestimmen, also an die Lohnkosten anpassen können. Wird also alles beim alten bleiben.“

    Ich halte diese Argumentation für falsch, weil der Stundenlohn für die Taxifahrer nicht nur von den Preisen für eine Taxifahrt abhängt, sondern von der Zahl der Konkurrenten. Wenn die Tarife teurer werden, steigen mehr Leute in das Geschäft ein und dadurch bleibt der Stundenlohn pro Taxifahrer gleich. Ich möchte das hier zur Debatte stellen, da ich mich frage, ob ich da einen Denkfehler mache.

    Die Arbeit als Taxifahrer ist vor allem durch Warten auf Kundschaft geprägt. Wenn ein Taxifahrer die ganze Zeit zahlende Kunden herumfahren würde (50 Prozent der Zeit würden auch schon reichen…), wäre der Stundenlohn richtig gut. Offenbar gibt es aber genug Menschen, die bereit sind (oder vom Jobcenter gezwungen werden), auch für einen geringen Stundenlohn als Taxifahrer zu arbeiten. Dadurch steigt das Angebot an Taxifahrern, die gleichbleibende Zahl der Kunden verteilt sich auf mehr Fahrer und jeder Fahrer hat dadurch einen geringeren Stundenlohn.

    Was passiert, wenn dann die Taxitarife erhöht werden?

    Nehmen wir eine kleine Stadt an, in der die Kunden in einer Nacht für 1.000 Euro mit dem Taxi fahren. Nehmen wir an, dass von diesen Einnahmen die Hälfte für Leasing und Kraftstoff als Kosten wieder ausgegeben werden muss, also 500 Euro. Es bleiben noch 500 Euro Bruttoeinnahmen. Wenn in dieser Stadt die Taxifahrer bereit sind, für 5 Euro die Stunde zu fahren und wenn eine Schicht zehn Stunden dauert, dann werden in dieser Nacht also zehn Taxifahrer unterwegs sein.

    Was passiert, wenn der Taxitarif 10 Prozent teurer wird? Die gleichen Fahrten kosten jetzt 1.100 Euro. Die Ausgaben für Leasing und Kraftstoff bleiben bei 500 Euro. Somit steigen die Bruttoeinnahmen der Taxifahrer auf 600 Euro. Aber nach wie vor sind die Taxifahrer in dieser Stadt bereit, für 5 Euro die Stunde zu arbeiten – warum sollte sich das durch die Tariferhöhung auch ändern? Jetzt werden sich also zwölf Taxifahrer die Kundschaft aufteilen, so dass jeder Fahrer im Schnitt immer noch 5 Euro verdient.

    Als einzige Lösung für das Taxigeschäft sehe ich wirklich einen verbindlichen Mindestlohn. Nur der sorgt dafür, dass die Taxifahrer sich nicht mehr bei den Stundenlöhnen gegenseitig unterbieten können.

    Die höheren Stundenlöhne müssen rein rechnerisch gesehen Auswirkungen haben. Bleiben wir für das Rechenbeispiel dabei, dass der Stundenlohn bisher bei 5 Euro liegt und in Zukunft bei 8,50 Euro. Die Auswirkungen können sich auch gegenseitig ergänzen:

    – Der Taxitarif steigt erheblich, um die Stundenlohnsteigerung von 42 Prozent auszugleichen. Jeder Fahrer kann genau so lange wie bisher weiterfahren und verdient pro Monat entsprechend mehr.

    – Die Taxifahrer reduzieren ihre Arbeitszeit. Sie erhalten gleichen Monatslohn wie bisher, arbeiten dafür aber weniger

    – Wenn der Taxitarif stabil bleibt und die Fahrer ihre Arbeitszeit nicht reduzieren, dann bleiben nur Entlassungen von Taxifahrern, um die Zeiten unproduktiven, aber voll bezahlten Wartens auf Kundschaft zu reduzieren.

  10. Senfgnu sagt:

    Wie üblich wurde hier nicht nachgedacht. Schon alleine, das man jetzt erst auf die Idee kommt, was denn mit Azubis ist, ist doch das beste Beispiel. Oder dass jetzt erst auffällt, dass es auch andere Abrechnungsmodelle als Zeit gibt.

    Und am Ende haben wir dann wieder ein Gesetz mit drölftausend Ausnahmetatbestanden. Super.

  11. Daniel sagt:

    Der Mindestlohn gilt ja nur für die geleistete Arbeitszeit. Und ein Azubi ist zu 1/3 in der Schule. Übrig blieben damit ca. 900 Euro im Monat brutto, was man bei anständigen Ausbildungsberufen schon heute fast verdient. Von daher würd ich auch hier keinen Grund zur Ausnahme sehen, zumal die ja bei einigen Betrieben auch vollwertig mitarbeiten müssen.

  12. Beate sagt:

    Ich bin gegen ein Mindestlohn im Taxigewerbe. Nicht nur weil es die jetzigen Freiheiten, die man zu Zeit als Taxifahrer hat, zu nichte machen würde, sondern auch weil es einfach nicht umsetzbar ist.

    Das Taxigewerbe ist eines der am meisten reglementiertesten Gewerbe und wie schon erwähnt können die Tarife nicht einfach angepasst werden.

    Gegen wir mal von der jetzigen Situation in Berlin aus:
    Die durchschnittliche Geschwindigkeit im Berliner Stadtverkehr liegt bei etwa 24,5 km/h. Das bedeutet, dass man beim jetzigen Tarif etwa 37,50 € brutto einfahren kann, also 35,05 € netto. Davon werden 7,50 € Stundenlohn gezahlt, was etwa 21,4% entspricht. Soweit liegt das sogar noch unter dem, was zur Zeit üblicherweise gezahlt wird. Wenn also ein Taxi während der gesamten Schicht immer besetzt unterwegs ist, kein Problem.

    Um das zu erreichen muss nur die Anzahl der Taxis soweit reduziert werden, dass jedes Taxi immer besetzt ist. Das bedeutet aber für die Fahrgäste das es zu einen Glücksfall wird ein freies Taxi zu finden. Und je weiter sie von der City entfernt sind, desto unwahrscheinlicher ist es überhaupt noch ein Taxi zu bekommen. Denn kein Taxifahrer fährt länger als 5 Minuten leer durch die Gegend, schon gar nicht, wenn in der City an jeder Ecke Fahrgäste lauern. Auch wenn der Fahrgast während der Fahrt mal kurz was besorgen will, wird der Taxifahrer vermutlich nicht mehr warten, denn das bringt ja nur 25,- € brutto pro Stunde und an Fahrgästen mangelt es ja nicht mehr.

    Statt Mindestlohn würde ich die Anzahl der Zulassungen begrenzen und regelmäßige Betriebsprüfungen durchführen. So reduzieren sich die Taxen automatisch ohne das Angebot zu gefährden und die Löhne erhöhen sich. Zwar werden sie sich vermutlich nicht auf 7,50 erhöhen, aber das Trinkgeld darf man ja bei diesem Job auch nicht vergessen.

  13. Aro sagt:

    @ Ana
    Während der Schicht schlafen? Was hast Du denn für Vorstellungen? Klar, das gilt dann aber auch für alle anderen Berufe, oder? Feuerwehrleute pennen dann mal n Stündchen, die Verkäufer machen mittags alle ein Nickerchen. Allgemeine Siesta – ok, aber dann für alle!

    @ koma
    Was unterstellst Du denn? Ich kenne keinen Taxifahrer, der „zu faul“ ist.

    @ Beate
    Welche Freiheiten meinst Du? Und wieso würden die zunichte gemacht werden?
    Ich habe im Moment vor allem die Freiheit, blöd in der Gegend rumzustehen oder fahren und manchmal eine ganze Stunde lang keinen Cent zu verdienen.

    Ich finde es merkwürdig, dass bei Taxifahrern von einigen Leuten andere Maßstäbe angesetzt werden, als bei anderen Berufsgruppen. Wir müssen unsere Mieten genauso bezahlen wie ein Handwerker. Und einmal im Jahr ein paar neue Schuhe wären auch nicht schlecht. Würden die von ihren Chefs kein Geld verlangen, weil gerade kein Auftrag reinkommt? Wieso sollen wir auf unsere Bezahlung teilweise verzichten?
    Natürlich ist ein Mindestlohn von 8,50 Euro nötig, auch für uns. Taxifahren darf nicht weniger Geld einbringen als wenn man von Hartz4 lebt. Zeitweise ist es aber längst so weit.
    Wenn die Anzahl der Taxis reduziert würde, kann könnten wir Fahrer auch anständig bezahlt werden. Wobei der Mindestlohn ein MINDESTLOHN ist und gerne auch höher sein darf.

  14. koma sagt:

    @Aro
    ich unterstelle nicht, ich stelle fest, denn ich spreche aus Erfahrung, da ich selber Taxifahrer bin und somit in etwa vergleichen kann welche Umsätze man in bestimmten Schichten einfahren kann und welche Umsätze andere Kollegen einfahren.(Hauptsächlich aufgrund der Jammerei anderer Fahrer wie schlecht doch die letzte Schicht war)
    Der Hauptgrund liegt wohl in der Herangehensweise ans Taxifahren. Bei uns zum Beispiel gibt es eine Funkzentrale, die an ca 20 Standplätzen Aufträge vermittelt. Wenn ich jetzt der Meinung bin, ich fahre immer wieder zum Bahnhof zurück, obwohl hier im Daten-Funk Standzeiten von 70-80 min stehen und ich dabei an 2 leeren Plätzen vorbeifahre weil ich am Bahnhof im „Häusle“ einen Kaffeautomaten habe und eine nach der anderen qualmen kann um dann auf die große Fahrt zu hoffen(die aller Erfahrung nach eigentlich fast nie kommt), dann nenne ich das faul.
    Denn man kann sich sehr wohl im Taxi auch um Fahrten bemühen.
    Das alles ist natürlich in meinem Fall immer bei einer Quote von ca 1 Taxi auf 1000 Einwohner zu sehen, wie das bei Quoten von 1 zu 400 oder 1 zu 600, wie man sie in Frankfurt oder Berlin finden soll, aussieht kann ich (zum Glück) nicht beurteilen.

  15. Ria sagt:

    Ich verstehe nicht, warum Unternehmen existieren sollen, die davon leben dass sie Löhne zahlen, von denen ein Mensch mit durchschnittlicher Arbeitszeit seinen Lebensunterhalt nicht bestreiten kann. Geschweige denn ein Familieneinkommen. Wenn eine menschenwürdige Bezahlung über den Umsatz nicht eingespielt werden kann, stimmt etwas am System nicht. Dann sind die Tarife zu niedrig, undoder es gibt zu viele Konzessionen.

    Menschen, die so wenig verdienen, können sich in der Regel kein Taxi leisten. Je mehr Geringverdiener, desto weniger Taxifahrten. Oder so ähnlich.

  16. Aro sagt:

    @ koma
    Das kann ich schon verstehen. Aber faul würde ich das nicht nennen.

  17. koma sagt:

    @Aro
    meinetwegen, vielleicht war faul zu hart, aber wie soll man dann einfache Anwesenheit ohne jegliches Bemühen denn sonst nennen?

  18. Krüml sagt:

    @Daniel: 900€ als Azubi in einem „anständigen Ausbildungsberuf“? Davon bin ich im dritten Ausbildungsjahr als FiSi um einiges entfernt. In Berlin. Nicht einfach alles über einen Kamm scheren bitte ;o)

    Und ich finde den Mindestlohn gut und finde auch nicht, dass man die Taxifahrer davon ausschließen sollte. Gründe dafür sind schon genug genannt worden, finde ich. Allerdings wäre ich an Sashs Meinung dazu interessiert 🙂

  19. Daniel sagt:

    @Krüml: Nicht falsch verstehen, ich wollte damit keineswegs Ausbildungsberufe diskriminieren, hätte wohl besser „anständig bezahlte Ausbildungsberufe“ schreiben sollen. Ich selbst hab während meiner Ausbildung auch keine 900 Euro verdient, ist allerdings auch schon über 10 Jahre her.
    Ich wollte nur zum Ausdruck bringen, dass man keine Ausnahmen machen. Weder für Taxifahrer, noch für Rentner, Azubis oder sonstige Personengruppen (war ja schon alles im Gespräch). Sonst führt das nur dazu, dass die entsprechenden Jobs künftig halt nur noch von den „Ausnahmen“ gemacht werden, um den Mindestlohn zu umgehen.

    Am besten hat das Ria ausgedrückt – wenn ein Unternehmen nicht den Mindestlohn zahlen kann, sollte es mal sein Geschäftsmodell hinterfragen.

    Man darf auch nicht vergessen, dass viele der Leute die unter dem Mindestlohn verdienen mit Harz 4 aufstocken. Einerseits erniedrigend für die Leute die Arbeiten gehen, trotzdem noch als Bittsteller beim Amt vorstellig werden zu müssen, andererseits wird das ja durch die Allgemeinheit finanziert. Sprich, der Steuerzahler subventioniert Unternehmen die ein so schlechtes Geschäftsmodell haben, dass sie nicht anständig zahlen können oder wollen.

    Den Einwänden von Koma würde ich so begegnen: Es heißt ja „Mindestlohn“, der Unternehmer kann die Fahrer ja motivieren mehr einzufahren, indem er mehr zahlt, gerne auch umsatzabhängig. Wenn weniger Taxis unterwegs sind, sollte das ja auch eher machbar sein.
    Wenn ein auf längere Sicht gesehen deutlich weniger als die Kollegen einfährt, werden dem Taxiunternehmer schon geeignete Maßnahmen einfallen – ich bin mir sicher, dass ich bereits auch heute bei umsatzabhängiger Bezahlung so.

  20. Jungo sagt:

    Wieviele Taxifahrer sind denn Angestellte und wie viele sind „Selbständig“ ???
    Den Mindeslohn würden doch nur die Angestellten bekommen…

    Aber ganz ehrlich: Mindestlohn für Lehrberufe: OK – Ein Friseur, der 2-3 Jahre eine Lehre macht, darf ruhig 8,50€/Stunde brutto verdienen. Ich bin als Kunde auch bereit meinen Friseurbesuch entsprechend zu bezahlen (und das mache ich auch).
    Aber eine ungelernte Servicekraft, die z.B. nur die Teller von der Küche zum Tisch trägt oder im Supermarkt die Cornflakes einsortiert, warum soll die das gleiche verdienen? Sie macht nun mal einen Job, der niemandem 8,50€ + die Lohnnebenkosten für den AG wert ist. Und wer wird’s bezahlen? Alle, die arbeiten gehen – über die erhöhten Preise der Produkte und Dienstleistungen. So ist das nun mal im Sozialstaat.

  21. Beate sagt:

    @Aro
    Ich meine die Freiheit auch mal während der Schicht mit einem Fahrgast für 2 Stunden was trinken zu gehen. Die Freiheit, mit den Kollegen in der Wilmersdorfer am Imbiss zu essen und sich dabei zu verquatschen. Die Freiheit, wenn ein tolles Fußballspiel läuft, dieses zu hause anzuschauen. Mit einem Mindestlohn bleibt dir dann einfach nur an solchen Tagen eben nicht zu arbeiten, denn du wirst keinen Chef finden, der dir diese Freiheit bezahlt. Das heißt: Fahrgast einladen, zum Ziel hetzen und dann schnellstmöglich raus mit dem, schließlich zahlt dir der Chef auch keinen netten Plausch mit den Fahrgästen.

    Mit einem Mindestlohn würde sich das gesamte Taxigewerbe ändern. Die meisten Großbetriebe würden dicht machen und der Trend geht hin zum Einzelunternehmen. Das bedeutet, wenn du als Taxifahrer arbeiten willst, musst du eben den Unternehmerschein machen und ein Gewerbe anmelden, mit all den damit verbundenen Auflagen und Risiken. Und bei jeder Konzessionsverlängerung zitterst du um deine finanzielle Zukunft.

    Warum wird jemand Taxifahrer, wenn ihm die Bezahlung auf Provisionsbasis nicht passt? Die Taxifahrer die jammern sie könnten von dem Geld nicht leben haben zwei Möglichkeiten: sie fahren dort hin wo die Fahrgäste sind und fahren dann so gute Kassen ein, dass sie auf einen durchschnittlichen Stundenlohn von [hier den Traumverdienst einsetzen] kommen oder sie suchen sich einfach einen anderen Job.

    Als Taxifahrer hat man es, wie sonst in keinem anderen Job, selbst in der Hand wieviel man verdient.

  22. Malte sagt:

    @ Jungo:
    Warum die Unterscheidung zwischen Lehrberufen und „Aushilfen“? Wenn das Restaurant so schlecht läuft, dass es keine 8,50/Stunde für die Servicekraft zahlen kann, sollte es nicht existieren. Und wenn es genug Leuten keine 8,50/Stunde Wert ist die Cornflakes in einem Regal zu haben wird es vielleicht neue Geschäftsmodelle geben, wo du alle Produkte direkt von der Palette nehmen kannst im großen Supermarktlager.
    Ich finde es fairer, wenn diejenigen die etwas konsumieren dafür bezahlen, als wenn die Subventionierung über den Sozialstaat in Form von „Hartz4-Aufstockung“ kommt.

  23. impetrare sagt:

    @Malte

    „Wenn das Restaurant so schlecht läuft, dass es keine 8,50/Stunde für die Servicekraft zahlen kann, sollte es nicht existieren.“

    In der Gastro machen die Trinkgelder den Braten fett. Wenn du steuerfrei 150-200EUR am Abend mit nach Hause nimmst ist es dir relativ Wurscht ob du nun 7EUR oder 9EUR die Stunde oben drauf bekommst.
    Was zu der absurden Situation führt das die ganz kleinen und die besonders guten Häuser den niedrigsten Lohn für die Servicekräfte zahlen.

  24. Andreas sagt:

    Das Besondere beim Taxi ist, dass es da sehr viele selbst fahrende Kleinstunternehmer ganz ohne Angestellte gibt. So lange die bei einem Gewinn unter 1500€ noch 20 Schichten à 10h im Monat fahren, haben natürlich größere Unternehmen, die Mindestlohn zahlen müssen, ein Problem.

    Und wie Peter oben schon vorgerechnet hat: Wenn die Tarife erhöht werden, so dass diese Miniunternehmen höhere Gewinne machen, dann wird es mehr von ihnen geben. Wie ich die Sache einschätze, wird das sogar noch vom Arbeitsamt über irgendwelche „Existenzgründer-Initiativen“ angeheizt.

    Wenn also ein Mindestlohn kommt, dann müsste auch eine Art Mindestgewinn für Unternehmer ohne Angestellte kommen, oder es wird kaum noch größere Unternehmen geben. Ich habe keine Ahnung, wie man das durchsetzen kann…

  25. Daniel sagt:

    @Andreas: Ich dachte man könnte sich im Taxi Business nicht so einfach selbständig machen, weil kaum noch Konzessionen vergeben werden? Vielleicht kannst du ja du (oder jemand anders der sich hier aus kennt) noch ein paar Worte dazu schreiben.

    Aber mal unabhängig davon glaube ich das nicht. Warum sollten sich tausende von Leute selbständig für einen Verdienst unter dem Existenzminimum machen, wenn sie mit jeder Arbeit im Angestelltenverhältnis mehr verdienen?

    Ich halte die hier schon öfters geäußerte Theorie dass sich die Anzahl der Fahrer solang verringert bis die verbleibenden Profitabel fahren können für weitaus wahrscheinlicher.

  26. Malte sagt:

    @impetrare: Ist mir klar, ich find Gastro auch nicht das beste Beispiel. Aber da könnte man den höheren Lohn natürlich gleich einpreisen, wenn die Gäste eh bereit sind ihn zu zahlen und das über den Umweg Trinkgeld machen.
    Mir ging es darum, dass ich die Unterscheidung Aushilfen vs. Ausgebildete sinnlos finde, weil ich generell gegen in Vollzeit beeschäftigte Aufstocker bin.

  27. impetrare sagt:

    @malte
    „Ist mir klar, ich find Gastro auch nicht das beste Beispiel. Aber da könnte man den höheren Lohn natürlich gleich einpreisen, wenn die Gäste eh bereit sind ihn zu zahlen und das über den Umweg Trinkgeld machen.“

    Glaub mir, kannst du nicht. Mal ganz einfach, wenn du das Schnitzel für 8,60 anbietest zahlt der Gast seinen Zehner und freut sich. Bietest du es für 930 an zahlt er auch seinen Zehner und grummelt.
    Und die ganze Trinkgeldproblematik ist sowieso eine schwierige, rein rechtlich dürfte ich noch nicht mal das Trinkgeld zentral sammeln und dann an alle auszahlen. Gut, meine Vrew hat kapiert das es nicht nur die persönliche Ansprache ist sondern der Service at all. Da gehören auch Koch und Bartender dazu, der Weg dahin war lang und beschwerlich.

    „Mir ging es darum, dass ich die Unterscheidung Aushilfen vs. Ausgebildete sinnlos finde, weil ich generell gegen in Vollzeit beeschäftigte Aufstocker bin.“

    Also ich bin erstmal prinzipiell dafür das ausgebildete Personen mehr verdienen als welche ohne Qualifikation. Das Menschen die Vollzeit arbeiten nicht auch noch auf Transferleistungen angewiesen sein sollten ist richtig. MIT Einschränkungen. Du kannst eine Vierköpfige Familie mit einem Gehalt als Unqualifizierter nicht durchbringen, das geht schlicht nicht.
    Der Mindestlohn wird daran nichts ändern, und wenn dann nur kurzfristig denn er wird mittelfristig weginflationiert werden.

  28. Draalo sagt:

    @Peter: „Ich halte diese Argumentation für falsch, weil der Stundenlohn für die Taxifahrer nicht nur von den Preisen für eine Taxifahrt abhängt, sondern von der Zahl der Konkurrenten. Wenn die Tarife teurer werden, steigen mehr Leute in das Geschäft ein und dadurch bleibt der Stundenlohn pro Taxifahrer gleich. Ich möchte das hier zur Debatte stellen, da ich mich frage, ob ich da einen Denkfehler mache.“

    Jo, den machst Du. Es gibt nämlich nicht beliebig viele Taxis sondern nur eine begrenzte Anzahl von Konzzesionnen – also bei höheren Tarifen einfach mal 10 neue Taxis anschaffen und fahren lassen ist nicht…

  29. Sash sagt:

    @Draalo:
    Das stimmt wiederum in Berlin nicht. Die Anzahl der Konzessionen ist hier unbegrenzt und die Zahl der Taxen steigt tatsächlich kontinuierlich.
    (Im Übrigen hab ich für den heutigen Morgen, ca. 7:30 Uhr, einen großen Mindestlohn-Artikel vorbereitet.

  30. […] hat sich die Tage also die werte Frau Hasselfeldt aus der CSU zu Wort gemeldet und Taxifahrer mit dem seltsamen Argument, sie bekämen keine Stundenlöhne, auf eine Stufe mit […]

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