Mindestlohn im Taxigewerbe

Da hat sich die Tage also die werte Frau Hasselfeldt aus der CSU zu Wort gemeldet und Taxifahrer mit dem seltsamen Argument, sie bekämen keine Stundenlöhne, auf eine Stufe mit Ehrenamtlichen gestellt. Um damit zu suggerieren, ein Mindestlohn im Taxigewerbe würde nicht funktionieren. Das ist natürlich Blödsinn. Zum einen arbeiten in vielen Orten Deutschlands Taxifahrer nach fixen Stundenlöhnen, zum anderen sind wir nicht die einzige Branche, die erfolgsbasierte Bezahlung kennt. Was Taxifahrer indes recht einzigartig macht, ist der Anteil der Beschäftigten, der im Niedriglohnbereich arbeitet (siehe z.B. hier). Da schlagen wir sogar die gerne ins Feld geführten Frisöre.
Dass unser Umsatz schwankt, ist ebenso inhaltsleere Ablenkung, denn das trifft selbstverständlich auch auf den Handel in all seinen Formen und so gut wie jede andere Dienstleistung zu. Dass sich bei der Bezahlung im Taxigewerbe unbedingt was ändern muss, ist seit Jahren klar, schließlich fahr ich im Januar gerne mal mit einem errechneten Stundenlohn von 4 € nach Hause. Unbegreiflich, dass ausgerechnet die Taxifahrer bei einem Mindestlohn ausgeklammert werden könnten!

Was bloß ist an der Vorstellung, wir könnten fair entlohnt werden, so absurd? Geht da tatsächlich gleich das Abendland unter?

Die folgenden Betrachtungen beziehen sich hauptsächlich auf die Berliner Verhältnisse, gelten teilweise aber auch anderswo.

1. ALLGEMEINES

1.1. Wenn der Mindestlohn keine Folgen hätte, würde er ja nix bringen.

Man muss natürlich der Tatsache ins Auge sehen, dass der in Berlin erwirtschaftete Umsatz sicher nicht reichen wird, wie bisher 10.000, dann aber besser bezahlte Taxifahrer zu beschäftigen. Völlig erfolglose Fahrer werden vermutlich ein Kündigungsschreiben kriegen, andere vielleicht die Auflage, zu unlukrativen Zeiten nicht mehr rauszufahren. Die Frage ist am Ende doch aber, ob es wirklich besser ist, ca. 10.000 Jobs mit überwiegend beschissenem Einkommen zu tolerieren, als 7.000 zu gesellschaftlich als akzeptabel eingeordneten Bedingungen zu schaffen. Auch nicht vergessen sollte man hier die Tatsache, dass der Mindestlohn flächendeckend sein soll. Das könnte uns einerseits mehr Kunden bringen, zum anderen vielleicht auch Fahrer in andere Branchen locken.
Ich möchte die Problematik von Entlassungen nicht leichtfertig beiseite wischen. Auch mein Job wäre damit in Gefahr und auch unabhängig davon mag ich meine Chefs sehr und für Unternehmer ist es noch viel schwerer abzusehen, ob sie zu denen gehören, die am Ende übrig bleiben. Die sozialen Folgen ließen sich im Übrigen schmälern, wenn bereits jetzt keine neuen Konzessionen vergeben würden und keine neuen Fahrer eingestellt. Wie hart der Umschwung die Branche treffen würde, hängt auch stark davon ab, was im Vorfeld geschieht.

1.2. Wir würden kein Schlaraffenland verlieren.

So sehr wir das bestehende Modell liebgewonnen oder uns schöngeredet haben: Es hat dazu geführt, dass sich die Taxifahrer gegenseitig im Kampf um die letzten paar Euro stundenlang die Räder platt stehen. Obwohl sicher auch Privilegien wegfallen werden (siehe 2.2), werden wir Freizeit gewinnen dadurch, dass künftig auch unseren Chefs wichtig wird, in welcher Zeit wir den Umsatz erwirtschaften. Belohnung von Fleiß in allen Ehren, aber wie sinnvoll ist es, dass heute noch der Taxifahrer als besser gilt, der 150 € in 12 Stunden einfährt, als der, der 120 € in 6 Stunden schafft?
Bislang ist die Zahl der Taxen in Berlin fast kontinuierlich gestiegen – mit besonderen Sprüngen nach Tariferhöhungen. Der ach so hoch geschätzte freie Markt hat im Taxigewerbe genau eines bewirkt: Dass etliche Unternehmer immer mehr Fahrer und Fahrzeuge auf die Straße gelassen haben, um ein größeres Stück vom Kuchen zu bekommen. Ungeachtet der negativen Entwicklungen für den einzelnen Fahrer.

1.3. Unfreiwillige Unsicherheit als Angestellter? Wieso eigentlich?

Durch die in Berlin übliche ausschließlich umsatzbasierte Bezahlung haben die Angestellten bislang einen großen Teil des Unternehmerrisikos mitgetragen. Ohne Grenze nach unten. Eine eigentliche Selbstverständlichkeit für Angestellte ist zumindest die Sicherheit eines gewissen Grundeinkommens. Eines bezifferbaren! Dass wir im Gegenzug auch an Gewinnen beteiligt werden, ist eine Sache, die man durchaus davon trennen muss, da das Risiko eines Verlustes (in unserem Fall Arbeitszeit, die wir „für umme“ raushauen) eigentlich ganz eindeutig Unternehmersache ist. Eine Rückkehr der Verantwortung selbiger für ihre Arbeitnehmer würde hoffentlich mehr als heute den vernünftigen Arbeitgebern zugute kommen.

1.4. Das klappt doch gar nicht, weil so viele Fahrer sowieso selbständig sind!

Das würde ich nicht zwingend sagen. Obwohl es die Sache natürlich verkompliziert. Natürlich kann man Selbständigen keinen Lohn vorschreiben. Auf der anderen Seite haben die Selbständigen auch kaum etwas von ihrem eigenen Unternehmen, wenn sie schlechter verdienen als Angestellte. Über kurz oder lang und ungeachtet einzelner Ausnahmen werden sich auch die Verdienste der Selbständigen auf einem Niveau einpendeln, das dem Einkommen angestellter Mindestlohnempfänger ähnelt. Während der ein oder andere anfangs sicher noch zu unlukrativen Zeiten rausfährt, wird langfristig kaum die Mehrheit freiwillig weniger Geld einfahren, als sie in einem Unternehmen als Angestellte garantiert bekommen würden.

1.5. Und in den Unternehmen? Jeder 8,50 € und fertig? Wozu dann Umsatz einfahren?

Glaube ich nicht. Die Unternehmer hätten nach Einführung eines Mindestlohnes ein gesteigertes Interesse daran, dass ihre Fahrer guten Umsatz machen. Viele denken da jetzt vorschnell an immensen innerbetrieblichen Druck. Dabei könnte der Anreiz derselbe bleiben. Der Mindestlohn muss nicht das Aus für umsatzbasierte Bezahlung bedeuten, er ist erst mal nur eine Untergrenze. Wenn sich alles eingespielt hat, ist durchaus Platz für Bonuszahlungen – die ja auch in anderen Branchen durchaus üblich sind. Nur werden sie sich dann wohl am Umsatz pro Stunde messen. Die befürchtete Horde fauler Taxifahrer wird sich vermutlich in Grenzen halten, da die Unternehmen (im Gegensatz zu heute!) ein Interesse haben werden, nur gute Fahrer zu behalten.

2. DIE PRAXIS

2.1. Die Ausgestaltung macht’s!

Entscheidend wird am Ende sein, wie genau die Regelungen zum Mindestlohn an sich sind und wie das Gewerbe sie allgemein umsetzen wird. Dazu die folgenden Anmerkungen.

2.1.1. LABO, Zoll, etc. Sprich: Schwarzarbeit.

Ein ganz entscheidender Punkt gleich zu Beginn der Einführung wird die Schwarzarbeit sein. Die vielen nicht legal arbeitenden Betriebe sind bislang zu einem Teil für die Misere der Branche verantwortlich und es ist die Frage, inwieweit sich da neue Schlupflöcher ergeben würden, bzw. ob z.B. die Aufmerksamkeit aufgrund von Verstößen gegen die Zahlung des Mindestlohns mal wieder das Taxigewerbe in den Fokus rücken würde und dann durch Kontrollen das ein oder andere schwarze Schaf auffliegt. Denn auch das könnte Teil der Reduktion der Arbeitsplätze sein. Viel zu erwarten ist da nach der Tiefschlafphase in den letzten Jahren zwar nicht, aber man sollte die Hoffnung nicht aufgeben. Interessant wäre aber zum Beispiel auch, ob das 2017 (wahrscheinlich gleichzeitig mit dem Mindestlohn) einzuführende Fiskaltaxameter auch die Arbeitszeiten loggt. Sollte das der Fall sein, wäre das vermutlich schon die halbe Miete.

2.1.2. Tricksen die Unternehmer?

Da zunächst ein Verdrängungswettbewerb zu erwarten ist, steht zu befürchten, dass die Unternehmer z.B. die Arbeitszeiten schönrechnen. Gerade das Taxifahren mit den vielen auftragsfreien Zeiten bietet ja z.B. lustige Optionen wie das Anrechnen von Standzeiten als Pause. Über die Rechtmäßigkeit brauchen wir nicht zu streiten, denn das ist nie und nimmer eine Pause. An einem Stand darf man nur stehen, wenn man sich bereithält, aber ich befürchte derartiges. Und da die Mühlen der Justiz langsam mahlen, könnten sich so unseriöse Arbeitgeber eventuell in der heißen Phase einen Zeitvorsprung verschaffen. Das ist zwar hochspekulativ, könnte aber auf den Ausgang gravierende Auswirkungen haben.
Will heißen: Natürlich ist es wichtig, dass darauf geachtet wird, dass nicht nur auf dem Papier alles schnieke aussieht.

2.1.3. Und die Taxitarife steigen dann um 250%, was?

Das sicher nicht. Eigentlich wäre eine Steigerung sogar ziemlicher Unsinn. Bei guter Auslastung sind im Taxi bei den bisherigen Tarifen auch in Berlin gut 12 bis vielleicht 16 € Stundenlohn möglich. Und durch eine Tariferhöhung alleine ist die Kluft zwischen dem jetztigen und dem für einen Mindestlohn von beispielsweise 8,50 € erforderlichen Umsatz sowieso nicht zu erreichen. Es müsste so viel draufgeschlagen werden, dass auf der anderen Seite eine Menge Kundschaft wegfällt. In der Tat wird aber immer gesagt, dass Mindestlöhne im Taxigewerbe nicht sinnvoll wären, da wir die Preise nicht selbst bestimmen könnten. Das ist allenfalls teilweise wahr. In den letzten Jahren ist der Berliner Senat vor allem dadurch aufgefallen, dass er Tarifforderungen des Taxigewerbes meist wohlwollend aufgenommen hat. Wenn sich daran nichts ändert, ist zu erwarten, dass nach dem Gesundschrumpfen der Branche über die Tarife recht schnell eine Möglichkeit besteht, kleinere Defizite zu beheben. Mehr nicht, aber mehr war auch bisher nicht drin.

2.2. Weniger Freiheit? Ja, puh …

Der Wegfall der ein oder anderen Freiheit für uns Fahrer ist das, was ich selbst mit am meisten fürchte. Meist werden da Dinge genannt, wie dass wir während der Arbeit ja dieses oder jenes noch privat machen könnten. Aber mal im Ernst: Das wird doch nur eine Umstellung sein! Ich wette, ich kann das nach Einführung eines Mindestlohnes (einen netten Chef vorausgesetzt natürlich) immer noch. Tatsächlich wird der Unterschied halt sein, dass ich diesen Einkauf künftig eben als Pause deklarieren müsste – was, wenn wir ehrlich sind, eigentlich nur eine Formalie ist. Schließlich habe ich mich bislang auch damit abgefunden, in dieser Zeit kein Geld zu verdienen.
Und was sonst? Es wird sie sicher geben, die Unternehmer, die den Fahrern bestimmte Halten befehlen o.ä. Aber mal im Ernst: Es gibt heute Unternehmen, die ihren Fahrern 12 Stunden Arbeitszeit vorschreiben. Für solche Leute arbeitet man gefälligst nicht mehr, anstatt sich über den Mindestlohn zu beschweren.

FAZIT:

Natürlich gibt es hier und da Unwägbarkeiten. Es werden Jobs verloren gehen und es ist leider nicht hundertprozentig sicher, dass am Ende auch wirklich die besten Arbeitgeber und die besten Angestellten von einem Mindestlohn im Berliner Taxigewerbe profitieren. Was aber sicher ist: Dass mehrere tausend Angestellte bessergestellt sind als zuvor. Und bessergestellt bedeutet, dass sie dann endlich Jobs haben werden, die bei der Bezahlung wenigstens die Mindest-Anforderung (nicht weniger sagt ein flächendeckender Mindestlohn aus!) an eine gerechte Entlohnung erfüllen. Ich verstehe die Sorgen und Ängste der Unternehmer, bin aber doch sicher, dass sich das sehr schnell einpendeln wird. Es ist weiterhin keine schöne Vorstellung, dass der ein oder andere Kollege seine Arbeit verlieren wird. Auf der anderen Seite wird Taxifahren dann vielleicht endlich wieder ein Job sein, bei dem auf der anderen Seite auch kein Fahrer mehr gezwungen ist, trotz Arbeit nebenher beim Amt als Aufstocker betteln zu gehen. Und es bleibt sogar die leise Hoffnung, dass das insgesamt die Qualität auch des Gewerbes – nicht nur der Arbeitsplätze – erhöht.

Eingedenk der oben genannten Aspekte bleibt die Frage an Frau Hasselfeldt und ihre Fangemeinde, weswegen also ausgerechnet wir Taxifahrer eine einsame Ausnahme bilden und weiterhin weniger verdienen sollten als das gesellschaftlich anerkannte Minimum. Was soll unseren Job denn jetzt noch so besonders machen, dass wir uns mit Ehrenamtlichen messen sollen, die freiwillig Aufgaben übernehmen, mit deren Entlohnung sie nicht leben oder gar eine Familie ernähren müssen?

50 Kommentare bis “Mindestlohn im Taxigewerbe”

  1. Thomas sagt:

    Was soll man dazu sagen, außer: Häste Recht, Jung (gut Kölsch für: Da stimme ich vollständig mit überein). Finde sogar, dass der Mindestlohn ausnahmslos gelten muss (also auch beispielsweise ehemalige Langzeitarbeitslose nicht mies bezahlt werden dürfen) – es ist ein Armutszeugnis, dass in unserem gutsituierten Land bis heute Menschen Ihren Arbeitslohn mit Sozialleistungen aufstocken müssen, um über die Runden zu kommen.

  2. sb sagt:

    Ich bin auch für einen flächendeckend Mindestlohn, begleitet von stark verstärkten Kontrollen zur Einhaltung (inkl. Scheinselbstständigkeit in betroffnen Branchen). Ohne Kontrollen leiden die guten Firmen, die sich an Regeln halten. Und die Strafen müssen für Arbeitgeber deutlich spürbar sein.

    Leerlaufzeiten sind ja auch in anderen Branchen ein Problem, aber ein Überangebot an miserabel bezahlten Jobs ist doch auch keine Lösung.

    Sicher wird es in der Anfangszeit Probleme geben, und jeder den es trifft (Arbeitslosigkeit) ist zu bedauern, aber ich denke nach einer Zeit einspielen.

    Und manchal denke ich, es wäre für alle Beteiligten besser, wenn gewisse Arbeitszeiten eingehalten werden, da ein übermüdeter Taxifahrer kein guter Taxifahrer ist und bei weitem nicht alle so vernünftig sind wie du.

  3. Stefan sagt:

    Sehr gute Zusammenfassung des Themas. Du hattest es ja auf Nachfrage schon damals im Taxi angerissen, aber zu mehr als zu Deinen Bedenken sind wir während der Fahrt nicht gekommen. Schön zu sehen, wie Du die Vor- und Nachteile hier übersichtlich darstellst. Vielen Dank dafür. 🙂

  4. Jungo sagt:

    @Sash:
    Wie ist denn das Verhältnis von Angestellten zu Selbständigen. Und wieso sollte letztere Gruppe die nicht für 4€/Stunde 12 oder 14 Stunden pro Tag rausfahren (und als Unternehmer frei in ihrer Arbeitszeit sein), wenn Sie damit mehr verdienen als Hartz4. Vor allem wenn sie die Zeit und gar keine andere Möglichkeit haben (z.B. einen anderen Job zu finden)…
    Und vielleicht auch, weil sie die 4€ Stundenlohn selbst verdienen statt als Sozialfall anderen auf der Tasche zu liegen…
    Die werden jetzt ja wohl kaum sagen: Ach: andere verdienen 8,50€ Stunde – da fahre ich nicht mehr für mich selbst, sondern werde Angestellter. Du gehst doch im Januar trotzdem arbeiten, auch wenn du weißt, dass der Stundensatz gering ausfällt.
    Bei dem Verdienst kannst du dich doch auch einfach mal beim Amt melden. Machst du aber nicht…

  5. Sash sagt:

    @Thomas:
    Da stimme ich zu. Was ich sonst als Pauschalschelte etwas billig finde, trifft bei Mindestlöhnen und Arbeitslosengeld leider schon zu: sie werden von Leuten diskutiert und ausgearbeitet, die absolut das Gefühl dafür verloren haben, was das Leben mit so wenig Geld wirklich bedeutet.

    @sb:
    Das mit den Arbeitszeiten ist auch so eine Sache. Da könnten wir alle von profitieren. Aber da funken die Selbständigen wirklich dazwischen.

    @Stefan:
    Danke. 🙂

    @Jungo:
    Es wird sicher Selbständige geben, die das machen werden. Das ist auch kein Problem und ich finde das ehrlich gesagt auch kein Bisschen schlimm. Die genaue Anzahl kann ich dir nicht sagen, aber ich glaube, es sind zu wenige, um genügend Druck zu machen, dass das Ganze scheitert. Wären das zwei Drittel, könnten sie natürlich abwarten, bis die Mehrwagenbetriebe pleite sind.
    Und mal abgesehen davon, dass es auch sonst Gründe gibt, nicht zum Amt zu gehen: Das kann ich nicht. Ich habe nämlich einen Nebenverdienst, der mich über ALG-Niveau hebt. Was ich allerdings wirklich mache im Januar ist weniger arbeiten, weil es sich nicht so lohnt.

  6. JJ Preston sagt:

    Für mich ist folgender der Satz des Tages:

    Die Frage ist am Ende doch aber, ob es wirklich besser ist, ca. 10.000 Jobs mit überwiegend beschissenem Einkommen zu tolerieren, als 7.000 zu gesellschaftlich als akzeptabel eingeordneten Bedingungen zu schaffen.

    Das ist exakt der Punkt, der den Liberalen und Konservativen nicht zu vermitteln ist (den SPDlern und Grünen aber auch nicht) – zumindest nicht im Taxigewerbe oder bei Leiharbeitern oder Friseuren oder allen anderen Branchen, die entweder die Handelnden selbst, die Mitarbeiter ihrer Büros oder die Personen hinter den befreundeten Lobbyisten persönlich betrifft. Wenn 10.000 Leute ein beschissenes Einkommen haben, dann ist das Angebot zu groß, dass alle davon leben können. Jeder normale Markt würde sich da selbst bereinigen – so war ja auch die einhellige Meinung bei Opel (Kunststück, in den Ministerien fährt ja keiner Opel, weniger als E-Klasse fährt da nur die Putzfrau). Aber in einigen Branchen ist das ja nicht gewollt – wo kämen wir denn hin, wenn ein Herrenschnitt für einen Ministerienangestellten 5 Euro teurer würde oder er 10 Minuten länger auf ein Taxi warten müsste…?

  7. Ununubium sagt:

    Die Frage ist doch ob der Arbeitgeber auf die gleiche Idee kommt die man schon aus anderen Berufsgruppen mit arbeitsbedingter Wartezeit kennt und die Arbeitszeit mit Hilfe von Bereitschaftsdienst/Arbeitsbereitschaft ausdehnt und damit die vergütungspflichtige Zeit kleinrechnet. Wir haben im Rettungsdienst jahrelang 24-Stunden-Dienste gemacht mit 14 Stunden Arbeitsbereitschaft und 10 Stunden Bereitschaftsdienst, was eine Vergütung von 16 Stunden/Dienst ergab; für tatsächliche 20 Stunden Vollarbeit(~20 Einsätze mit ca. 1 Stunde Dauer).
    Mittlerweile sind es 12-Stunden pro Dienst von denen 9,9(Stundenfaktor 0,825) bezahlt werden, wobei man fairerweise sagen muss, dass ich dann brutto immer noch 20€ mehr habe als wenn ich für volle 12 Stunden 8,50€ bekommen würde. Aber ich sehe hier durchaus ein Problem wie man, je nach Ausgestaltung der Regelung, den Mindestlohn faktisch unterlaufen kann indem man die gesetzlichen Regeln nutzt und den Vollarbeitsanteil kleinrechnet.

  8. Chris sagt:

    Also ich denke ja das Mindestlohn keinen Job gefährdet zumindest in der dienstleistungsbranche. Die Dienstleistung wird ja schließlich trotzdem gebraucht. Die Preise erhöhen sich ggf. Jedoch auch nicht unendlich.

  9. Carom sagt:

    JJ Preston hat es vorweggenommen, auch für mich ist der entscheidende Satz:
    „Die Frage ist am Ende doch aber, ob es wirklich besser ist, ca. 10.000 Jobs mit überwiegend beschissenem Einkommen zu tolerieren, als 7.000 zu gesellschaftlich als akzeptabel eingeordneten Bedingungen zu schaffen.“ Dem stimme ich uneingescränkt zu.

    Ich möchte zusätzlich darauf hinweisen, dass die Taxibranche nicht im luftleeren Raum schwebt – bei allgemeiner Einführung eines Mindestlohns wird sich potentiell die Zahl der Kunden erhöhen, das trägt eventuell sogar eine Tariferhöhung noch mit. Von daher kann es sein, dass zur kundengerechten und kostendeckenden Bedienung der dann gestiegenden Nachfrage nicht „nur“ 7.000 korrekt bezahlte Taxifahrer beschäftigt werden könnten, sondern eben 8.000 oder so.

    (Versteht mich jemand? Ich kommentiere mit Fieber, ich alter Hasardeur.)

  10. Roichi sagt:

    Tja. Frau Hasselfeldt und co. wollen keinen Mindestlohn und versuchen jetzt diesen wo es geht zu untergraben. Da müssen dann eben auch die dämlichsten „Argumente“ herhalten. Da kommt man mit gesundem Menschenverstand noch nichtmal drauf. Aber draum geht es nicht, sondern um Interessen der Sponsoren und Freunde. Und diese sind nunmal als Unternehmer davon betroffen dann ihren Angestellten auf einmal anständige Löhne zahlen zu müssen.
    Leider ist die Welt manchmal so einfach besonders bei der CSU.

  11. Wahlberliner sagt:

    Bei den Überlegungen hast Du bequemerweise völlig außer Acht gelassen, dass 8,50 „Mindestlohn“ immer noch keine gerechte Entlohnung darstellt, von der jemand gut leben könnte. Das wäre erst ab, sagen wir kompromissbereiterweise während der Übergangsphase, 10 Euro *Netto* der Fall. Aber eigentlich erst ab 13 oder so (auch netto). Die 8,50 sind jedoch brutto, und damit absolut mickerig…gerade mal so eben über ALG2-Niveau, und dieses noch weiter abzusenken wäre das falsche Signal. Das heißt, die Mindestlöhne müssen, wenn sie eingeführt werden, de facto schnell steigen, oder die Zufriedenheit bei den Niedriglohnsklaven, die dann mit Mindest(hunger)lohn abgespeist werden, wird nicht steigen sondern im Gegensatz eher fallen. Denn dann ist das politische Ziel „Mindestlohn“ zwar erreicht, wofür es sich vielleicht vorher für den ein oder anderen zu kämpfen lohnte, aber gebessert hat sich tatsächlich – nichts.

  12. Jan sagt:

    Wahlberliner hat Recht: „Das heißt, die Mindestlöhne müssen, wenn sie eingeführt werden, de facto schnell steigen, oder die Zufriedenheit bei den Niedriglohnsklaven, die dann mit Mindest(hunger)lohn abgespeist werden, wird nicht steigen sondern im Gegensatz eher fallen.“ Aber wohl nicht so wie er meint…

    Wenn die Menschen mit wenig Lohn mehr Geld bekommen, müssen auch solche mit höherem Lohn mehr bekommen, denn wenn jetzt jemand für 4,00 €/h Erdbeeren pflückt und jemand mit 9€/h sich im Sommer einmal pro Woche ein Schälchen leisten kann, dann wird das aus dem Schälchen pro Woche nix mehr, wenn der ungelernte Pflücker plötzlich 8,50€ bekommt, da die Erdbeeeren dann ja teurer werden. Also müßte auch die 9€ Kraft mehr bekommen, damit ihr Lebensstandart nicht sinkt. Dann werden weitere Diensleistungen und Waren teurer, so daß die 8,50€/h des Pflückers wieder genauso viel wert sind, wie vor der Erhöhung…

    Das nennt man dann wohl Inflation.

    Die Menschen, die Arbeiten verrichten, welche gering entlohnt werden müssen sich entweder damit abfinden, oder sich höher qualifizieren, und einen entsprechend höher vergüteten Job annehmen, um mehr Lebensstandart zu bekommen.

  13. mm. sagt:

    @Jan:
    1. Standard mit d am Ende. Und ganz so einfach ist es mit den Löhnen auch nicht, da
    2. die sonstigen Kosten wie Miete/Pacht, Rohstoffe etc. nicht im gleichen Verhältnis teurer werden
    3. die 9€-Kräfte sich ihre Entlohnung nicht aussuchen können sondern der Chef/Tarifverträge da sind
    4. auch nicht alle „anderen“ Entlohnungen höher werden
    5. wir in einer globalisierten Welt leben und daher viele Lohnkosten („überall sonst“) so bleiben wie sie sind

    Ja, durch Mindestlöhne werden manche Dinge etwas teurer, ja, durch die Mindestlöhne wird es wahrscheinlich (in Bereichen mit eher starken Gewerkschaften) auch weiter oben Lohnsteigerung geben, aber das mit „alles steigt linear und Mindestlöhne ändern gar nichts“ stimmt so nicht.
    Was genau sich ändert, wird man sehen. Falls es den Mindestlohn dann ’17 gibt.

  14. Wahlberliner sagt:

    @Jan: Ja, es kann sein, dass die bisher über dem Mindestlohn Bezahlten dann auch eine Lohnerhöhung einfordern, um den „Abstand“ zu wahren. Dass Waren teurer werden ist ja nicht gesagt, denn wie mm. schon sagte ist die Welt globalisiert, die Waren kommen ja von überall her. Da jedoch die diskutierten Mindestlöhne bereits immer noch unter dem Lebensstandard und somit sittenwidrig sind, wäre der nächste Vorschlag: Warum nicht die nächsten Lohnerhöhungen mit dem Shareholder-Value gegenrechnen, anstatt mit den Verkaufspreisen der Produkte, und die Profite gleich zu halten oder trotzdem weiter zu maximieren? Das geht nicht, weil dann die Investoren ihr Geld abziehen? Na, ein Unternehmen was nicht nach einer gewissen „Startup-Phase“ fortan ohne Investoren von Außen überleben kann, hat es vielleicht auch nicht verdient, zu überleben…
    Letztendlich geht es doch darum, den Prozess, dass die Reichen immer Reicher und die Armen immer Ärmer werden, zu stoppen. Die Schere muss wieder zusammen gehen, damit alle genug haben – es können ja immer noch welche mehr als andere haben, aber doch nicht so massiv auf deren Kosten und absolut „over the top“, dass es ihnen ermöglicht, die Armen wie Sklaven zu halten!

    Aber naja, die Psychopathen an den Schalthebeln der Macht sehen das natürlich wieder mal ganz anders…

  15. Roichi sagt:

    @ Wahlberliner

    Einen Aspekt möchte ich dann noch mit einwerfen.
    Zu „Denn dann ist das politische Ziel “Mindestlohn” zwar erreicht, wofür es sich vielleicht vorher für den ein oder anderen zu kämpfen lohnte, aber gebessert hat sich tatsächlich – nichts.“
    Die Leute müssen nicht mehr aufs Amt und betteln. Die daraus resultierenden gesellschaftlichen und psychologischen Auswirkungen darf man auch nicht unterschätzen. Nicht zu vergessen die Möglichkeiten der verbesserten Betreuung der dann noch dort Vorstelligen und die gewonnene Lebensqualität und -zeit der jetzt Nicht-mehr-Aufstocker.
    Wenn man das betrachtet ist es auch eine Maßnahme für das Gesundheitssystem und die Volkswirtschaft, außerhalb der dirket monetären Auswirkungen.

  16. SILen(e sagt:

    Tja, der bereits mehrmals zitierte Punkt mit den 7.000 akzeptabel verdienenden anstelle von 10.000 schlecht verdienenden Taxifahrern ist der der der Regierung so unangenehm ist.

    Das sind immerhin 3.000 zusätzliche Arbeitslose – dass vorher 10.000 Leute aufstocken mussten (und nun nicht mehr) kann man ja so gut unter den Tisch fallen lassen.

    Und was macht dann erst unsere Autoindustrie? Da fahren nun immerhin 3.000 Taxen weniger rum und müssen alle X Jahre ersetzt werden. Denkt denn niemand an die armen Fabrikarbeiter die den unterbezahlten Taxifahrern die Autos bauen??? 😛

    Das Motto der Regierung ist leider immer noch Vollbeschäftigung, selbst wenn das dann lächerlich bezahlte Jobs sind und der Fortschritt und die Globalisierung jeden Tag weitere Jobs überflüssig machen.

  17. Aro sagt:

    Interessante Betrachtung. Ich halte ja dieses Geschrei, dass dann die Unternehmer pleite gehen, eh für Panikmache.
    Trotzdem denke ich, dass es weniger Probleme mit der Finanzierung geben würde, wenn auch weniger Wagen unterwegs wären.

    Übrigens gibt es weit mehr als 10.000 Taxifahrer in Berlin. Wenn Du bei einer Zahl von 7.500 Taxis davon ausgehst, dass der größte Teil von zwei (Tag/Nacht) bis vier (wochentags/Wochenende) Personen gefahren wird, kommt man auf mindestens 20.000. Taxis mit nur einem Fahrer gibt es ja heute kaum noch.

  18. Steffen sagt:

    Mindestlohn hin und Mindestlohn her, fakt ist ersteinmal, dass diese komplette Situation von den Städten und Gemeinden Hausgemacht ist. Jeder kann hier schalten und walten wie er will.

    1. Werden Taxikonzessionen in einigen Städten unkontrolliert angro rausgehauen! Hier erfolgt keine Berechnung des Fahrtenaufkommens im Normalbetrieb (Feiertage etc mal rausgenommen) . Faustregel in Großstädten sollte ein Taxi auf 1.000 bis 1.500 Einwohner sein.

    2. Kann jeder Pups, der es denn will, unbegrenzt Mietwagen anmelden. Ob sich der ganze Pfeffer dann Chauffeurdienst oder wie auch immer nennt. Auch hier gehört ein Riegel vorgeschoben. Die Mietwagen gehören Prozentual auf die Taxen angerechnet. Mir schweben diesbezüglich ca 10 bis 15% vor. Nicht mehr.

    Und wenn das so umgesetzt werden würde, bräuchten wir uns nichtmehr über den Mindestlohn unterhalten. Jeder hätte dann sein Auskommen mit dem Einkommen.

    Aber hier ist die jeweilige Gier der Städte und Gemeinden größer als die Vernunft. Es wird, wie überall, nichts zuende gedacht. Und nun ratet mal wer die Leidtragenden sind.

    Und wenn der Mindestlohn kommt, gehen ganz paar Firmen Pleite. Die Anzahl der Fahrzeuge wird schrumpfen und zwar in etwa auf das Maß was ich oben angesprochen habe. Und wenn das eingetreten ist, werden die Taxifahrer zwangsläufig bessere Kassen einfahren und wieder benachteiligt weil sie ja den Mindestlohn verdienen. Und der Großteil der Chefs wird nen Teufel tun und den Lohn freiwillig erhöhen. Und damit wäre ich dann zB wieder nicht einverstanden. Und nun?

    Hier müssen nur von der Stadt oder Gemeinde vernünftige Regelungen geschaffen werden und schon ist der ganze Schruz vom Tisch.

    Denn jeder vernünftige Taxifahrer weiß was er verdienen kann. Ich rede hier nicht von den permanenten Tankstellenmeckerfritzenkaffeetrinker.

    Und Sash, ich weiß ja nicht ob Du tatsächlich so fährst wie Du oben angegeben hast, aber mit den Arbeitszeiten kann man auch mit dem Mindestlohn nicht überleben. Da bleibe mal lieber bei den Prozenten. Reicht zwar auch nicht zum Leben, aber hast mehr vom Umsatz. 😉

  19. Wahlberliner sagt:

    @Roichi: Kann man zwar so sehen, aber – naja. Zum einen fallen andere Vegrünstigungen weg, die einem Bezieher von Sozialleistungen das Leben vergünstigen (z.B. günstige ÖPNV-Monatskarte für weniger als die Hälfte, GEZ-Befreiung etc), zum anderen ist der Betrag bei 8,50 einfach nur so minimal über dem, was die Leute mit „Aufstockung“ hätten, dass ich es verstehen könnte, wenn die Leute sagen würden: „Wegen so wenig mehr gehe ich nicht 40h in der Woche arbeiten“ – und ich fände das sogar gut, denn dann könnte man mal anfangen, die viel grundlegenderen Problemen unseres Systems zu lösen!

  20. Micha sagt:

    „..zum anderen ist der Betrag bei 8,50 einfach nur so minimal über dem, was die Leute mit “Aufstockung” hätten, dass ich es verstehen könnte, wenn die Leute sagen würden: “Wegen so wenig mehr gehe ich nicht 40h in der Woche arbeiten”
    @Wahlberliner
    Nein, stimmt einfach nicht. In Berlin wären viele froh drum diesen Verdienst haben zu können. Und nicht weil es kurz überm Reallohn ist, sondern gut drüber. Bummsaus. Aber deine Intention ist natürlich löblich. Richtig ist, dass jene Zeitarbeitsfirmen den Leuten die Zeit zum Leben rauben.
    Was ich hier nicht verstehe, ist, dass das Maß an Taxifahreren mit dem Verdienst der ehrlichen Fahren abgerechnet wird. Hat ein freier Markt jemal dreistes Verhalten eingeschränkt? Ist die Gegenwart nicht bestest bestes Beispiel dafür, dass sich kein Schwanz um nichts kümmert, sobald die Kasse stimmt?
    Und Restriktionen: ändern die was? Mindestlohn ist ne Restriktion für weniger Fahrer? Ehrlich? Haben wir dann mehr Bullen und Ordnungsamt?
    WIr brauchen diesen Mindestlohn.

  21. Unterdosis sagt:

    „Ja aber in manchen Bereichen kann einfach nicht mehr gezahlt werden“
    Wenn ein unternehmerisches Geschäftsmodell nur tragfähig ist, solange die (Lohn-)Kosten durch die Gemeinschaft subventioniert werden, dann ist es NICHT tragfähig.

    „Ja aber ein Aufstocker kommt immer noch günstiger als ein komplett Arbeitsloser“
    Nein. So lange wir oben geschildertes Geschäftsmodell subventionieren, ermöglichen wir einen Preiskampf unter dem alle Marktteilnehmer leiden. Wir vernichten dadurch ordentlich bezahlte, sozialversicherungspflichtige Jobs bis in den betroffenen Marktbereichen nur noch Aufstocker arbeiten, die natürlich nichts in die Sozialkasse einzahlen. Dann haben wir plötzlich 1000 Aufstocker statt 50 komplett Arbeitslosen. Selbst für die Kunden ist es nicht billiger, weil der Haarschnitt dann eben auch über den Sozialversicherungsbeitrag mitbezahlt wird.

    „Ja aber vielleicht müssen gar nicht alle aufstocken“
    Stimmt – die Unternehmer etwa wahrscheinlich nicht, weil die seriösen irgendwann einpacken und die unseriösen einfach weiter an der Lohnschraube drehen damit sie weiterhin Gewinne einfahren.

    „Ja aber manche Unternehmer würden gerne mehr zahlen, können es aber wirklich nicht“
    Richtig. Weil ihr Geschäftsmodell nicht tragfähig ist – entweder weil die Preiskalkulation von Anfang an falsch war, oder weil wir mit der bisherigen Politik der Lohnsubventionierung anderen Unternehmern ermöglicht haben, tragfähige Geschäftsmodelle durch niedrigere Preise zu ruinieren.

  22. Sash sagt:

    @all:
    Hui, ’n bisschen viel für die wenige Zeit gerade. Danke jedenfalls für den Zuspruch! 🙂
    Ich geh nur noch auf ein paar einzelne Sachen ein jetzt …

    @Ununubium:
    Ein bisschen Spiel ist bei uns selbst dann noch, wenn Arbeitsbereitschaft ins Spiel kommt, ganz ehrlich …

    @Wahlberliner:
    Es ist ein Unterschied, ob sich nix gesellschaftlich ändert oder im Einzelfall. Der Mindestlohn ist sicher nicht die Rettung vor dem kapitalistischen System, aber für die Leute, die einfach nur 60 Stunden pro Woche rausfahren, um Geld für ihr Leben zu verdienen, macht es was aus, ob sie plötzlich 2 € mehr die Stunde kriegen.

    @Aro:
    Ich glaube tatsächlich, dass es nicht so viele Fahrer sind. OK, vielleicht ein bisschen mehr als 10.000. Aber die Selbständigen reissen viel raus im Durchschnitt. Und mehr als 2 Fahrer ist auch extrem selten, würde ich sagen.

    @Steffen:
    Dass die Probleme hausgemacht sind, will ich nicht bestreiten. Aber der Mindestlohn soll ja offenbar kommen und immerhin würde sich das damit für alle Städte und Gemeinden gleichzeitig regeln.
    Und auch auf die Gefahr hin, dass ich’s falsch einschätze, wie Du das mit meinen Arbeitszeiten meinst: Glaubst Du im Ernst, es geht hier um meinen Gehaltszettel? Ich arbeite so, weil ich eben genau NICHT vom Taxifahren leben muss. Ja, ich komm‘ im Schnitt sogar jetzt auf ca. 8,50 € die Stunde, manchmal sogar mehr. Das ändert aber nix für die Kollegen, die wegen Familie z.B. nur Mo-Fr tagsüber fahren können …

    @Unterdosis:
    *sign*
    Gerade die Tatsache, dass – urkapitalistisch der Gedanke übrigens – Unternehmen mit nicht tragfähigen Geschäftsmodellen einfach untergehen sollten … das vergessen viele.
    Aber hier ist trotzdem im Taxigewerbe manches anders, muss ich ehrlich einwerfen. Meine Chefs z.B. haben angefangen, als ihr Modell tatsächlich tragbar war. Und sie waren über all die Jahre auch fair und die Fahrer wurden am Unternehmensgewinn prozentual beteiligt. Und so lange es im Taxigewerbe gut lief, war das wirklich fair und auch der Lohn war zumindest halbwegs ok. Die Versäumnisse im Taxigewerbe liegen in erster Linie wirklich in der öffentlichen Hand, da es wirklich stark reguliert ist. In Berlin z.B. halt an den falschen Stellen: Tarif, Bereitschaftszeit, Gebühren am Flughafen – alles kontrolliert. Zahl der Taxen, Schwarzarbeit etc. – alles nicht überwacht. In dem Spiel sind tatsächlich nicht nur die Unternehmer die Schuldigen …

  23. Daniel sagt:

    @Sash: Ein Aspekt noch, den weder einer der Leser noch du (es sei denn ich habe es überlesen) angesprochen hat: Wie sieht es mit einem Nachtzuschlag aus?

    Du magst da vielleicht eine Ausnahme sein, aber ich würde mal behaupten der Großteil der Menschen arbeitet lieber tagsüber. Die Entscheidung doch nachts zu arbeiten, treffen einige die ich kenne vor allem wegen dem Geld. Wenn man nun sowohl tagsüber als auch nachts gleich viel (in dem Fall 8,50 Euro die Stunde) verdient, gibt es dann noch für genügend Fahrer die dennoch nachts arbeiten wollen?
    Könnte mir vorstellen dass der ein oder andere, wenn es bei der Bezahlung keinen Unterschied macht, sich dann doch lieber für die Arbeit tagsüber entscheidet.
    Denkst du es wird dann eine Art Nachtzuschlag geben?

  24. Sash sagt:

    @Daniel:
    Zum einen: Wieso sollte ein Mindestlohn einen Nachtzuschlag unmöglich machen? 0.o
    Zum anderen: Ich glaube nicht, dass die umsatzbasierte Bezahlung komplett wegfällt. Ihr Anteil wird sich verringern. Zudem bedeuten mehr Kunden mehr Trinkgeld. Ich denke nicht, dass es an Fahrern mangeln wird.

  25. […] nicht: viel arbeiten. Und das gilt irgendwie immer noch als Schlüsselqualifikation im Gewerbe. Da der Mindestlohn noch fern ist, ist das in aller Regel die erste und oft einzige Zahl, auf die die Unternehmen […]

  26. Amir sagt:

    Die Fragen die wir uns stellen sollten sind:

    Fährt ein Fahrer der 8,50€ die Stunde bekommt auch gerne mal mehr als 100 km weit? Und was hält ihm davon ab den ganzen Tag nichts zu tun? Was kann man tun um Taxifahrer zu motivieren längere Fahrten an zu nehmen. Wie soll ein Unternehmer den Fahrer 85€ am Tag bezahlen wenn der Fahrer nur 40€ Einnimmt?

  27. Sash sagt:

    @Amir:
    Ich weiß. Und das ist schwierig, weil das im Gewerbe neu sein wird. Vielleicht läuft es am Ende wieder auf Bouszahlungen für besondere Umsatzziele heraus, vielleicht auch auf mehr Überwachung und Abmahnung der besonders schlecht verdienenden Fahrer. Und um ehrlich zu sein: Nichts davon gefällt mir. Ich persönlich bin mir aber auch bewusst, dass mein Chef nicht einfach ein Abzocker ist und ich hab sowohl Kilometer- als auch Stundenschnitt im Blick, was kaum ein Kollege hat, dessen Chef das nicht verlangt.
    Natürlich kann ein Chef das nicht zahlen. Es wird Entlassungen geben. Und das ist alles andere als schön.
    Aber es sind eben nicht die einzigen Fragen, die wir uns stellen sollten. Denn was ist mit der Frage, wie wir eine angemessene Qualität hinbekommen sollen, wenn Fahrer Vollzeit arbeiten und sobald sie Familie haben trotzdem zum Amt müssen, um den Lohn aufzustocken? Wieso bitte wird heute ein Fahrer als besser angesehen, der in 13 Stunden 250 € einfährt, obwohl ein anderer in 8 Stunden 200 schafft?
    Als Fahrer könnte man nach all den Jahren ein bisschen fatalistisch auch sagen: Gut, so rum haben wir es probiert. War nur so mittel. Jetzt mal andersrum, mal schauen wie das wird.

  28. Burak Köyhanoglu sagt:

    was für ein gequirlter unsinn… haste das ganze mal durchgerechnet? du vergisst viel zu viele dinge zu erwähnen.. in berlin ist für taxifahrer ein mindestlohn von 8,50€ netto nicht möglich.

    was hast du für eine steuerklasse?? meinst du 20€/h umsatz reichen aus um einen angestellten mit 8,50 netto die stunde zu bezahlen? wer zahlt den sprit, die reperaturen, die autowäsche, die kv, das auto, dir administration, den steuerberater usw?

    im jetzigen moment sind in der fruhschicht 20€/h ein sehr guter wert der garantiert nicht taglich erreicht werden kann! in der realitat liegt es wohl zeischen 10 und 17€/h ( vorrausggesetzt du bist kein spasst vor dem herren und klaust keine fahrgäste am flughafen oder sonst wo.. sowas wie ehrgefuhl kennen die meisten kollegen nicht mehr)

    und die aussage das der markt sich selber regulieren wird ist auch totaler quatsch! in berlin gibt es keine limitierung führ konzessionen! die werden da auch niemals ein limit reinknallen können! wenn die anzahl auf 7000 reduziert werden sollte, würdest du deine konzession abgeben? nein! das würde keiner.. und in berlin stehen wir taxifahrer uns eh schon auf den füßen.. nene.. für einen mindestlohn bräuchteste mindestens 25-30€/h und das schaffst du nur wenn du deine qdamm-txl tour hast und dann wie ein ehrenloser hund (ja es sollte ja mal sowas wie einen ehrenkodex geben) in tegel die bis zu 700 wartenden kollegen ins knie fickst und deine nächste tour da klaust.. die dann wieder zum qdamm geht.. mit der fahrzeit bist du dann bei knapp einer stunde.. jetzt erklär doch bitte nochmal detailiert wie das ganze mit dem mindestlohn realisierbar ist! bin gespannt.
    Mit freundlichen Grüßen burak

  29. Sash sagt:

    @Burat Köyhanoglu:
    Ich höre diesen Quatsch mit dem „unmöglich“ die ganze Zeit. Unmöglich isses nicht, denn es wird einfach verordnet werden. Einzig wirtschaftlich wäre es zur Zeit nicht, das bestreitet ja auch keiner. Aber dafür wird sich kein Schwein interessieren, das wird Gesetz und genau deswegen wird der Markt sich regulieren. Ob’s uns passt oder nicht.
    Und was habt Ihr alle mit den Konzessionen? Wen interessiert denn eine Konzession, wenn sie nix wert ist, weil sich damit kein Geld verdienen lässt?
    Ich hab oben geschrieben, wie das funktioniert: Firmen gehen pleite, Fahrer verlieren ihre Jobs. Zack, Ende. Hätte man mit einer Konzessionsbegrenzung oder ähnlichem in den letzten Jahren besser hinkriegen können, aber mit dem Mindestlohn wird es jetzt eben so laufen. Und zwar bis die übrig gebliebenen Fahrer genug Umsatz einfahren, um den Mindestlohn bezahlbar zu machen. Ob das jetzt 22 € oder 30 € pro Stunde sind.
    Ihr rechnet alle mit den jetztigen Umsätzen. Dass das nicht reicht, weiß ich selbst. Ist es wirklich so schwer abzuschätzen, was passieren wird, wenn ein Fahrer 15 € Umsatz macht und der Chef ihm 8,50 zahlen muss? Zwei Möglichkeiten: 1. Der Chef feuert den Fahrer oder 2. er geht pleite. Und was ist das Ergebnis? Ein Fahrer oder ein Unternehmer weniger auf der Straße. Das passiert voraussichtlich ein paar tausend mal und dann hat der Rest die entsprechenden Umsätze.
    Und wie gesagt: Das ist nix, was ich jetzt irgendwie „wollen“ würde oder toll finde. Aber es wird passieren und es hilft einfach nix, jetzt nur zu jammern, dass das ja sowieso nicht klappt.

  30. […] den letzten Wochen seit ich mich zum Mindestlohn im Taxigewerbe geäußert habe, höre ich beinahe täglich – nicht nur hier in den Kommentaren, auch draußen auf der Straße […]

  31. taxe 9999 sagt:

    nur mal kurz ne sicherlich nicht komplett vollständige info zu den einnahmen und kosten eines taxi-mehrwagenunternehmens nach einführung eines mindestlohnes (bin seit 1980 selbständig, eine droschke, ausschliesslich selbstfahrend)

    angenommen man betreibt seinen betrieb (in berlin) ausschliesslich mit fahrern, jeden tag nur für eine schicht besetzt.

    einnahmen: 30 x 130€: 3900€

    kosten:

    mercedes. e-klasse. kleinstes modell, ca 30.000€. 3 jahre im betrieb_ kosten pro monat (inklusive kreditrückzahlung) /monat: 1000€
    haftpflichtversicherung, vollkasko /monat: 150€.
    kfz-steuer /monat: 30€
    spritkosten (ca 11% des umsatzes), bei angenommenem umsatz von 130€ pro tag /monat: ca 400€
    lohn für fahrer, 8 std x 8,50 x 30 /monat: 2040€

    kosten: ca 3620€
    =
    gewinn: ca 280€

    mit ziemlicher sicherheit werden die kosten für fahrzeuganschaffung und vollkasko mit ner kleinen selbstbeteiligung noch höher sein….

    summasummarum:
    würd sagen, ein betrieb nur mit fahrern und nur mit einer schicht pro tag lohnt sich nicht. doppelschichtig besetzt mag es anders aussehen.
    es werden normalerweise auch noch kosten für unfälle dazukommen, dann dürfte auch der gewinn von 280€ / monat sich verflüchtigen

    meiner meinung nach bedeutet der mindestlohn das aus für grossbuden, es sei denn sie pauken vor gericht die rechtmässigkeit von verpachtungen von kraftdroschken durch.

    taxe 9999

  32. Robert sagt:

    Sash hat ja sowas von recht: Der Mindestlohn kommt von Gesetz wegen, das steht jetzt wohl fest. Die Frage ob Unternehmer der Welt vorklagen 8,50€ gingen nicht ist entschieden—-Sie werden gehen.

    Es gibt weiterhin täglich hunderttausende von Taxifahrten in Deutschland die richtig viel Geld kosten.
    Gute und angagierte Fahrer werden diese Fahrten weiterhin durchführen.
    Unternehmer die gut wirtschaften und gutes Fahrpersonal haben werden sicher keine Probleme bekommen.
    Einzelunternehmer/Selbstfahrer werden auch Gewinner sein.

    Das Gewerbe wird sich neu aufstellen, es wird durchgerüttelt—längst überfällige Bereinigungen werden folgen:
    Unbrauchbare Fahrer und wertlose Konzessionen werden aus dem Markt ausscheiden. Diese Umwälzung wird erstmals
    nicht auf dem Rücken der anständigen und angagierten Taxifahrer ausgetragen. Ausnahmsweise müßen die Unternehmer bei ihren Entscheidungen mal Rücksicht darauf nehmen das sie ihren Fahrern die (wirklich bescheidenen) 8,50€ zahlen müßen. Das ist neu für sie, aber sie werden es lernen.

    Das Taxigewerbe in seiner Gesamtheit und damit auch unsere Fahrgäste werden die Gewinner sein. Die Verlierer hätte ich mir schon seit jahrzehnten weit von unseren Taxiständen weggewünscht

    In diesem Sinne—auf eine bessere Zukunft

    Robert

  33. Mark sagt:

    Ich komme aus einer anderen Stadt, die aber auch einen (kleineren) Überhang an Konzessionen hat.

    Der Kick beim Taxigeschäft ist und war immer die Umsatzbeteiligung für den Fahrer.
    die ja auch eine Art Gewinnbeteiligung darstellt. Der Markt hat dieses Vergütungssystem
    herauskristallisiert, es hat sich seit Jahrzehnten bewährt. Es gerät nur an seine
    Grenzen, wenn es zu viele Konzessionen gibt.

    Das Taxigeschäft wird durch den Mindestlohn zu Tode reguliert, das ist
    die Wahrheit. Ein Mindestlohn im Taxigewerbe ist der grösste Unsinn
    aller Zeiten und muss unbedingt vermieden werden.

  34. Sash sagt:

    @Mark:
    Ich mag die Umsatzbeteiligung auch sehr, aber der Mindestlohn spricht ja überhaupt nicht dagegen, sondern setzt nur eine untere Grenze.
    Ich weiß schon, am Anfang wird es kaum Zahlungen darüber hinaus geben, aber das wiederum liegt nur daran, dass im Taxigewerbe ein Großteil der Fahrer deutlich weniger verdient als sie es mit Mindestlohn würden. Und genau dagegen soll er eingeführt werden.

  35. Mark sagt:

    Ja Sash,

    das ist so – ich weiss nicht wo Du fährst. Man muss sich immer im klaren Sein das die 8,
    50 Mindestlohn erstmal verdient werden müssen. In Hannover und vielen anderen Regionen in D
    sind 10 EUR Umsatz pro Stunde leider die Regel.

    Die Vorstellung der Unternehmer dies durch Fahrpreiserhöhungen zu kompensieren halte ich für wahnsinnig.
    Ich stehe seit 25 Jahren dem Taxigeschäft sehr Nahe, neuerdings auch wieder als Fahrer.

    Jegliche Überlegungen eine umsatzorientierte Vergütung eines Fahrers aufzugeben ist einfach
    tödlicher Schwachsinn. .

  36. Robert sagt:

    zu Mark

    Mark, ich habe das im Verlauf des Threads schon mal geschrieben. Ich bin fest davon überzeugt das unmittelbar mit Einführung des Mindestlohnes die langen Taxischlangen und die zermürbenden Wartezeiten verschwinden.

    Die Unternehmer werden ihre Fahrer nicht mehr zu 12 Stundenschichten an die Taxihaltestände schicken, weil sie das nicht bezahlen können. Sie werden die Arbeitszeiten für die einzelnen Fahrer reduzieren und untaugliche Fahrer entfernen.

    Wenn sie das clever machen, und das ist ihre Aufgabe als Unternehmer, werden alle davon profitieren—-der Taximarkt selbst ist das Regularium. Frage Dich selbst:

    Alleine wenn alle Fahrer statt 60 nur 40 Stunden die Woche arbeiten—das wäre doch ein Segen fürs Gewerbe ?

    Wenn Taxiunternehmer nicht jeden völlig unfähigen/unfreundlichen Kundenschreck einstellen (diese Leute werden ihn in Zukunft Geld kosten) beschäftigt bzw einstellt—das wäre doch im Sinne der Mehrheit der Kollegen?

    Wenn Großunternehmer nicht mehr versuchen bei jeder Geschäftslage all ihre Autos ständig auf Straße zu bekommen—das wäre doch auch in Deinem Sinne, Deine Geldbörse würde jubeln?

    Würden diese Großunternehmer noch ständig neue Aushilfen einen Lohn von 8,50€ zahlen—würden sie nicht vorher, wie es Unternehmerpflicht ist überlegen ob der Markt das überhaupt hergibt?

    alleine diese drei Folgen wird der Mindestlohn sehr schnell haben—das ist doch Klasse!!!
    Der von Dir beschriebene Umsatz von 10€ die Stunde ist damit nicht mehr Berechnungsgrunglage—da werden die Unternehmer für Sorgen indem sie deutlich den aktiven Taxibestand dem Fahrgastaufkommen anpassen.
    Der Gesamtkuchen bleibt zunächst gleich—wird aber duch bessere, fair bezahlte und zufriedene Taxifahrer wesentlich besser bewirtschaftet. Höhere Kundenzufriedenheit kann durchaus zu mehr Umsatz führen.

    Der Umsatz pro Stunde wird sich bei einer Summe von ~15-30€/ Stunde einpendeln. Wird er höher werden mehr Taxifahrerstunden geleistet—wird er geringer werden die Stunden reduziert—das erledigt der Markt.

    Kosten dieser Umstellung und von Fehlentscheidungen trägt der Unternehmer—das ist auch gut so!
    Der Unternehmer kann weiterhin machen was er will–nur er muß die finanziellen Konsequenzen tragen.
    Er kann das Risiko seiner Entscheidungen nicht mehr auf seine Fahrer abwälzen.
    Wenn er das nicht will kann er seine Konzessionen zurückgeben. Da der Taximarkt ja weiterhin gegeben ist
    werden bestimmt Interessenten kommen

  37. Mark sagt:

    Das Problem ist doch die Anzahl der Konzessionen.

    Niemand gibt eine Konzession freiwillig ab.

    Wenn die Anzahl der Konzessionen unverändert bleibt,
    wird sich auch an den Umsätzen nichts ändern.

    Wenn Konzessionen aufgegeben werden, gibt es mehr
    Arbeitslose. Lieber schlecht bezahlte und aufstockende
    Fahrer als arbeitslose Fahrer.

    Im Taxigeschäft ist man doch nicht, um groß Geld zu
    verdienen. Das war noch nie so und wird sich
    auch nie ändern. Jeder der deswegen herumjammert
    hat etwas falsch gemacht: er hätte eine Ausbildung
    machen können und hätte sich 40 Stunden die
    Woche von seinem Chef herumschubsen, für
    mehr Geld.

    Taxigeschäft ist per se ein Niedriglohnsegment,
    dafür hat man keinen Streß und sieht seinen
    Chef nur 5 Min am Tag.

    Es ist ein Wahnsinn zu glauben das das per
    Gesetz verändert werden kann. Soviele Gesetze
    können gar nicht beschlossen werden.

    Fahrpreiserhöhungen jedenfalls werden das
    Geschäft endgültig ruinieren. Das steht mal fest.

  38. Sash sagt:

    @Mark:
    Ja, es wird mehr Arbeitslose geben. Und das ist natürlich für jeden einzelnen betroffenen Fahrer schlimm. Bezüglich der Frage, ob das besser ist als schlecht bezahlte Jobs – da sind wir wohl anderer Meinung. Schade.
    So wie’s aussieht, bist Du – wie ich im übrigen auch mehr oder weniger – zufrieden mit dem Job unter den jetztigen Bedingungen. Das ist an sich ja schön. Und wenn die Umstellung unsere Freiheiten einschränken oder einen von uns den Job kosten wird, ist das natürlich alles andere als witzig.
    Aber was ist mit den anderen Kollegen da draußen? Denen, die den Job auch gerne machen, auch gut machen. Aber eine Familie haben, nicht das Glück, das wir vielleicht hatten. Die mehr Geld brauchen und sich tatsächlich 60 oder 70 Stunden die Woche kaputtarbeiten, um sich gerade so ganz knapp über HatzIV-Niveau zu halten?

  39. Mark sagt:

    Ich habe hier mit Erstaunen gelesen, das in Berlin immer noch
    neue Konzessionen ausgegeben werden, es scheint hier keine
    Begrenzung zu geben wie in anderen Städten.

    10.000 Autos sind doch der Wahnsinn, selbst in der Hauptstadt.
    Das ist doch wohl der Kern des Problems, dieser riesige
    Überhang.

    So und da ist der Mindestlohn die Lösung ? Dann doch wohl
    nur weil in Berlin die Kommune und die Taxiverbände versagt haben.

    Bei mir zuhause jedenfalls sind es nur 150 Autos zuviel –
    das ist schlecht, aber nicht unerträglich.

    Ich bin in der Tat zufrieden, Sash, einigermassen zufrieden, wie
    es gerade läuft. Ich denke das der Mindestlohn in H zu
    grossen Verwerfungen führen wird.

    Danach werden wir hier folgendes haben: Unzufriedene, arbeitslose
    Ex-Fahrer, unzufriedene, pleitegegangene Ex-Unternehmer, und unzufriedende,
    wartende Kunden.

    Und ja, das macht mir alles grosse Sorgen.

  40. Mark sagt:

    Korrektur: 10.00 Fahrer. Wieviel Autos sind es denn ?

  41. Sash sagt:

    @Mark:
    Mein letzter Stand bei den Autos ist 7.600. Könnten aber auch 100 oder 200 mehr sein.
    Mir wäre eine Begrenzung der Konzessionen oder die eigentlich geplante Einführung des Hamburger Modells auch viel lieber gewesen. Dann bräuchten wir uns zugegeben um den Mindestlohn im Taxigewerbe keine Sorgen machen.
    Genau genommen wäre der Mindestlohn ja nur ein unnützer Passus im Arbeitsvertrag, wenn wir durchschnittlich sowieso einen vernünftigen Lohn hätten. Das aber würde auch nur bedeuten, dass die Jobs, die jetzt verloren gehen, gar nicht erst entstanden wären. Langfristig betrachtet schenkt sich’s eher nix.
    Allerdings – das hab ich aber selbst bislang immer ausgeklammert – wird bei unserer Diskussion ja auch immer übersehen, dass der Mindestlohn ja nicht nur fürs Taxi gilt.

  42. MissTaxi sagt:

    Ihr seid süß – am Ende des Monats hat man zwar auch nicht mehr Geld, weil man nun keine 12-Stunden-Schichten mehr fährt sondern nur noch sechs – aber wenigstens hat man einen vermeintlich annehmbaren Stundenlohn. Und außerdem kann man dann immerhin noch einen Zweitjob annehmen. 🙂 Der Mindestlohn ist wirklich toll!

    Ach so ja, ich vergaß – ein paar lukrative Schichten (Wochenendnacht) laufen natürlich 12 Stunden – aber haben da die Fahrer nicht bislang auch schon deutlich mehr als 8,50 € verdient? Kriegen die dann künftig weniger? Die werden sich bedanken.

    Ich weiß nicht, ob es in Berlin eine x-beliebige Anzahl an Taxen gibt. In meiner Heimatstadt ist die Zahl der Lizenzen limitiert. Zwar sind es immer noch zuviel (unter der Woche tagsüber) aber am Wochenende nachts und zu Messezeiten sind es dann doch zu wenig.

    Im Grunde hat es schon seinen Sinn, dass es 12-Stunden-Schichten gibt und Umsatzbeteiligung. Die Unternehmer waren ja nicht doof. Hätten an einer Fernfahrt vllt. auch gerne mehr verdient. Wer soll die künftig fahren? Für einen festen Stundenlohn schippere ich doch nicht xx Stunden durch D.

    Klar könnte man auch gut verdienen, wenn man von seiner Schicht nicht 2/3 der Zeit rumsteht, sondern fährt. Nur WANN Geschäft geht und wann nicht, ist eben nicht so klar, wie hier getan wird.

    Wenn bei uns von So bis Mi ab 24.00 keine Schichten mehr gezahlt werden, weil eh kein Geschäft geht, könnte gerade wieder eins zu machen sein.

  43. Sash sagt:

    @MissTaxi:
    Ich vermute auch, dass die Wochenendschichten zunächst weniger lohnend für Fahrer sein könnten. Allerdings ist die Frage nach eventuellen Bonusmodellen bei besserem Stundenverdienst dann wieder eine, die jedes Unternehmen für sich entscheiden kann. Während der Umstellung wird dafür vielleicht kein Platz sein, später eventuell schon wieder.
    Und auch hier nochmal: Berlin hat immer noch keine Konzessionsbegrenzung. Nur eine Tariferhöhung neulich und deshalb vermutlich bald nochmal 300 Taxen mehr. So läuft das seit Jahren. Hatte gestern übrigens eine der erwähnten Wochenend-Nachtschichten. 165 € Umsatz in 11 Stunden. 7 € brutto.

  44. MissTaxi sagt:

    Genau darin sehe ich die Probleme mit dem Mindestlohn im Taxigewerbe: Die Bedingungen sind einfach zuuuuu unterschiedlich. In Berlin könnte sich also über diesen die Anzahl der Taxen auf natürlichem Wege reduzieren. In anderen Städten wird das nicht der Fall sein können, weil die Konzessionen begrenzt und teils teuer erworben worden sind. Ggf. wird ein enormer Preisverfall einsetzen, wenn sich die Sache für die großen Unternehmen nicht mehr rechnet. Kann dem Fahrer natürlich wurscht sein, aber für die Kollegen, die sich erst unlängst teuer eine Konzession erworben haben, die in zwei Jahren vllt. nur noch die Hälfte wert ist, ist das schon bitter.

    Auch finde ich, dass in der Diskussion völlig übersehen wird, dass das Taxi Teil des ÖPNVs ist. Es soll zu Zeiten, in denen solcher nicht verfügbar ist, (oder für Personen, die einen solchen nicht benutzen können) sicher stellen, dass die Bürger einer Kommune von A nach B kommen und zwar zu Preisen, die man sich noch leisten kann.

    ÖPNV ist regelmäßig defizitär – gerade weil er auch fahren muss, wenn wenig bis keine Nachfrage herrscht. Im Taxigewerbe geschieht das auf dem Rücken der Fahrer, weil sonst ja keiner dieses (defizitäre) Gewerbe betreiben würde. Wie wäre es denn mit einer Aufstockung des Lohns durch die öffentliche Hand? DAS wäre eigentlich die logische Konsequenz.

    Habe jetzt Mittagspause. Von 4.00 Uhr früh bis 13.00 Uhr 60 Euro Umsatz gefahren. Geschäfte laufen gerade bescheiden. Wer soll mir davon 8,50 Stundenlohn bezahlen? Nachmittags geht noch weniger und in der Nacht erst….

    Ich habe auch keinen Bock, mich für nicht zu erbringenden Umsatz rechtfertigen zu müssen. Taxifahren war bislang ein Job der Freiheit. Die bezahlte man mit einem geringen Stundenlohn. Dafür musste man aber auch nur 1/3 der Arbeitszeit wirklich knechten und hing die übrigen Stunden lässig ab, lesend, Musik hörend, ratschend. Auch eine Tasse Kaffee war mal drin oder im Sommer ein Sprung in den See. Alles easy, alles okay, wenn Zuverlässigkeit, pfleglicher Umgang mit dem Auto, Kilometerschnitt und Umsatzschnitt im Groben passten.

    Wird alles vorbei sein, Freunde. Wenn man dann tatsächlich für 12 Stunden 102 € bekäme, ließe sich das verschmerzen. Aber so wird es nicht kommen. Es wird so sein, wie von Dir angerissen, Sash, dass der Unternehmer halt 6 Stunden in den Vertag schreibt und gleichzeitig für diese aber einen Mindestumsatz vorschreibt, weil sonst das Arbeitsverhältnis erlischt. Dann kann sich der Fahrer selbst einteilen, wann er in den 12 Stunden seine 6 Stunden arbeiten und den Mindestumsatz erzielen will. Ggf. muss er unbezahlte Überstunden leisten, das kann man schlecht verbieten, denn das ist ja nicht verpflichtend, nur Arbeitsplatz rettend. Ggf. gibt es für Umsatz über dem Mindestumsatz noch eine prozentuale Beteiligung, aber gewiss keine 45% mehr.

    Am Ende hat man nicht mehr in der Tasche – nur den Stress, wie man zu dem Umsatz kommt, der einem den Arbeitsplatz erhält. Und das Besondere am Taxifahren ist ein für allemal passé. Danke schön, Frau Nahles.

  45. Sash sagt:

    @MissTaxi:
    Das mit dem ÖPNV ist mal ein interessanter neuer Ansatz. Allerdings muss man zugeben, dass das Subventionsmodell nur bedingt übertragbar ist. Die Preise fürs Taxi sind ja offenbar mehr oder minder in Ordnung aus Sicht des Staates, da also gibt es seitens der Politik keinen Grund, Geld reinzustecken. Aber grundsätzlich überdenkenswert wäre das sicher.

    Was ich mich mangels entsprechender Kenntnisse tatsächlich immer frage: Wieso ist der Mindestlohn in Städten mit Konzessionsbegrenzung eigentlich noch der Rede wert? Das ist wirklich eine ehrliche Frage. Wie Du sagst: Wenn es hier ein paar Taxen weniger gäbe, wäre der Verdienst soweit ok. Ich als Wochenendfahrer kratze ohnehin bereits an der Grenze zu den 8,50 €. Werden in anderen Städten tatsächlich die Fahrer mehr von den Chefs ausgebeutet oder sind die Konzessionsgrenzen immer noch zu hoch. Oder geht das Geld der Chefs in die Abzahlung der Konzessionen? Das würde mich wirklich mal interessieren – gerade weil hier in Berlin so ziemlich jeder sicher ist, dass eine Begrenzung im Grunde ein Allheilmittel wäre, bei dem alle Seiten gewinnen würden.

    Was die Freiheiten angeht, muss ich leider zustimmen. Mir selbst wird der Mindestlohn vermutlich mehr schaden als nützen. Wie genau die Vorgaben der Chefs aussehen, bleibt aber abzuwarten und liegt wieder an den Unternehmen. Ich vermute auch, dass da eine Menge Druck kommt, aber ich hab auch die Hoffnung, dass das schnell vorüber geht, sobald die Umsätze steigen (was sie werden, wenn die Zahl der Taxen sinkt).

    Zusammengefasst kann ich nur sagen: Ich fürchte das Schlimmste, hoffe aber das Beste.
    Die, die vom Mindestlohn deutlich profitieren werden, sind andere Fahrer als ich. Ist für mich persönlich nicht schön, aber an die sollten wir auch denken.

  46. Mark sagt:

    Miss Taxi, Du hast es sehr eloquent auf den Punkt gebracht. Chapeau.

  47. jürgen sagt:

    – 31 im Dienstleistungsgewerbe, davon 21 Jahre Taxi als Fahrer, Unternehmer und Zentralist –
    Ich habe das Gefühl, dass an dieser Diskussion ausser Taxi 9999 kein Unternehmer teilnimmt. Das ist bedauerlich!
    Das Rechenexempel des Alleinfahrers haut ungefähr hin, vergessen wurden nur die Lohnnebenkosten des Unternehmers. Somit wäre auch der Gewinn fast hin.
    Zu meiner aktiven Zeit fuhr ich selbst eine Schicht, die andere ein Fahrer. Von diesem blieben 300-550 € oder DM (da hat sich ja eigentlich nix geändert) im Monat hängen. Gab es einen mittleren Unfall, waren durch Selbstbeteiligung und dem event. Steigen in der Versicherung 3 Monate Gewinn weg.

    Ich bin damals auch ohne abgeschlossene Berufsausbildung in das Gewerbe „geschliddert“ und kann der Stellenbeschreibung von Miss Taxi vollends beipflichten.
    Auch die nicht so rosigen Aussichten für das Fahrpersonal sehe ich ähnlich.
    Es gibt da noch die Möglichkeit die Leute auf Aushilfe/Festgehalt anzumelden und trotzdem „heimlich“ das Provisionsmodell weiter zu führen – zum Nachteil für die künftige Rente. Die Kontrollen lassen sich ja mit Bereitschaft, Pausen etc. noch gut umgehen.
    Was ich auch sehe, ist eine Anhebung der Kilometerpreise mit der Begründung der steigenden Personalkosten. Dies wird hier schon diskutiert. Folge wird sein, dass sich der ein oder andere Einzelunternehmer von seinem Personal trennen wird, weil, allein reicht ja dann auch.
    Auch habe ich gehört, dass sich Unternehmer, die sich erst in den letzten Jahren ein Unternehmen (2-4 Autos) gekauft haben, diese wieder verkaufen wollen, auch mit Hinblick auf den Mindestlohn.

    Ich muss sagen, dass ich leider trotz aller hier aufgeführten Argumente und Szenarien nicht weiß, wie das hier in meinem Umfeld, einer Stadt von 250.000 Einwohnern, mit einem 1/4 weniger Umsatz als Berlin und Mehrkilometern funktionieren soll.
    Peronal aussieben, jedes Auto mit JPS ausrüsten, auf Umsatz verzichten und/oder Personalkosten nicht zahlen können.
    Ich bin froh kein Unternehmer mehr zu sein und harre der Dinge!
    Grüße Jürgen

  48. Sash sagt:

    @jürgen:
    Ich wäre wie oft erwähnt gerade auch nicht glücklich, Unternehmer zu sein.
    Das für mich interessante an deiner Betrachtungsweise ist, dass Du wie die meisten anderen mit Fixbeträgen argumentierst. Dass beim Unternehmer beim Taxifahren nicht viel hängenbleibt, weiß ich. Das kann ich mir ganz gut ausrechnen als Fahrer, der nicht nur seinen eigenen Geldbeutel im Blick hat.
    Wie ich geschrieben habe: Schon bei den Berliner Umsätzen (ihr liegt da ein Viertel drunter, also bei 10 – 11 € die Stunde?) wird das Arbeitsplätze kosten. Teilweise – siehe der von Dir angesprochene Unternehmer, der Autos wieder abstößt – passiert das sicher jetzt schon. Was am Ende dazu führt, dass die Umsätze sich genau da einpendeln, wo der Mindestlohn bezahlbar ist. Ob das im Einzelfall dann bedeutet, dass ein Fahrer nur noch halbtags fährt oder dass von drei Fahrern einer ganz entlassen wird … das hängt von den Unternehmen und ihrer Planung ab.

    Ich hab’s hier und da schon öfter geschrieben: Es ist ganz und gar nicht toll, dass das jetzt so passieren muss. Da werden eine Menge Leute auf der Strecke bleiben, die einen guten Job machen. Aber wieso finden wir es so eine Selbstverständlichkeit, dass wir mit guten und gepflegten Autos, gutem Personal und nach Möglichkeit einem gut geführten Unternehmen laufend neue Autos auf die Straße schicken, obwohl da in einer 10-Stunden-Schicht nur 120 € zu holen sind? Da kommt doch für keine Seite genug raus, manch „normaler“ Arbeiter verdient doppelt so viel netto wie bei uns an Umsatz rausspringt.

    Vor Jahren hat der Taxiverband bei uns mal geschrieben, dass für uns alles in Butter wäre, wenn die Fahrer pro Stunde zwei Fahrten hätten. Eine Fahrt sind bei uns in Berlin etwa 12 €. Leider seien es nur 1,1.
    Wir hätten das in den letzten Jahren mit vernünftigen Reformen hinbekommen können. Eine sinnvolle Konzessionsbegrenzung, eine gute Tarifpolitik usw.
    Jetzt wird es halt der Mindestlohn sein. Der könnte uns völlig egal sein, wenn das Gewerbe nicht schon so an die Wand gefahren wäre.

    Wie gesagt: Ich möchte auch kein Unternehmer sein jetzt. Und ich sehe mich dieses und nächstes Jahr sehr traurige Gespräche mit meinen Chefs führen. Im (für mich) schlimmsten Fall über meine eigene Kündigung. Aber, und das Fass muss ich halt aus Fahrersicht auch mal aufmachen: Es ist doch schon auch ein bisschen dreist, sich jetzt als Unternehmer zu beschweren, wo man Jahre davon gelebt hat, dass ein Fahrer halt an schlechten Tagen nur 3 € die Stunde verdient hat. Daran war der einzelne Unternehmer zweifelsohne nicht schuldm aber gerade hier in Berlin z.B. haben sie alle jahrzehntelang diese Politik verfolgt: Mehr Fahrzeuge + mehr Fahrer = mehr Gewinn. Dass dabei der gleiche Kuchen nur unter immer mehr Mitspielern aufgeteilt wurde und die Fahrer das mit niedrigerem Stundenlohn bezahlt haben, hat niemanden interessiert. Unsere Arbeitszeit war ja nix wert – und auch die Fahrer haben sich da natürlich mitreissen lassen und sind immer mal ein Stündchen länger rausgefahren, weil sie ihre Kohle gebraucht haben.
    Jetzt mit dem Mindestlohn kostet die Arbeitszeit plötzlich was und die Regeln sind damit ab jetzt ähnlich wie in anderen Branchen. Leider von oben verordnet, leider mit ungewissem Ausgang für den einzelnen. Aber dass das in irgendeiner Form irgendwann mal hat kommen müssen, war so unabsehbar doch eigentlich auch nicht, oder?

  49. taxe 9999 sagt:

    @sash
    ‚Mehr Fahrzeuge + mehr Fahrer = mehr Gewinn‘ – genau, das ist sie, die berühmte berliner taxi-abwärtsspirale.
    DAS beispiel schlechthin für dusseligstes wirtschaften.
    die geschäfte laufen aufgrund unterschiedlichster gründe (sinkende löhne, wirtschaftskrise, etc) immer schlechter…was tun? sich der sinkenden kaufkraft anpassen und die tarife senken? nö, ach wat. tarife anheben, teuerer werden, das ist die lösung.
    was natürlich dazu führt, dass die umsätze pro fahrzeug noch mehr sinken. der kunde kann für seine strecke entweder nicht mehr bezahlen oder (wie es mir auch manche fahrgäste sagen) will einfach nicht mehr bezahlen (die denken wir sind nur gierig nach der zweiten million auf’m konto). was bleibt dem mehrwagenunternehmer dann nur übrig wenn er, sagen wir, 10.000€ netto pro monat verdienen will? genau, noch mehr autos-konzessionen-fahrer anschaffen.
    da gibt’s nur ein problem. auto, konzession – kein thema. aber woher die fahrer nehmen?
    da lässt man dann halt so seine verbindungen spielen (als mehrwagenbesitzer ist man ja mitglied in den diversen taxi-verbänden die, wegen ihrer abhängigkeit von eben diesen mehrwagenbesitzern (monatsbeitrag pro konzession), bei der poltik entsprechend druck machen) . z.b: der berliner senat wird dann die ausbildung zum taxifahrer finanzieren.
    2 fliegen mit einer klappe geschlagen – 1. keine kosten für eine mehrjährige ausbildung zum z.b kfz-mechaniker, sondern nur 3 monate bezahlt für den p-scheinkurs – und 2. die leute sind raus aus der arbeitslosenstatistik.
    die sache hat nur einen haken: nach ein paar monaten praxis auf der droschke stellt der neue kutscher fest, dass da ja garnix zu verdienen ist. 3-5€ kann man auch woanders, für viel weniger stress bekommen. z.b mit hartz IV.
    also schmeisst er nach einem halben jahr wieder hin.
    hatte vielleicht grad angefangen die dinge zu lernen die einem das leben in diesem job erleichtern, wenn nicht gar erst möglich machen (z.b: wie gehe ich mit menschen in diesem sensiblen, da sehr engen, bereich taxe zur beiderseitigen zufriedenheit am besten um).
    aber kein problem. dank des senats gibts ja inzwischen genug p-scheininhaber.
    nur werden die sich, wie die alten hasen mit sicherheit anfangs auch, in vielen situationen ungeschickt verhalten. was wiederum zu ärger und unzufriedenheit bei der kundschaft führt. woraufhin die sagen, ‚das tue ich mir nicht an – ich muss in berlin nicht das verkehrsmittel taxe benutzen – bei so gut ausgebautem öpnv‘). und so sinkt die nachfrage nach taxen wiedermal.
    aber egal, man weiss ja was zu tun ist als unternehmer. neuen benz gekauft und hin zum OrdC ne neue konzession beantragt
    und so weiter und so weiter.
    so sind wir inzwischen bei 7.700 taxen. mit steigender tendenz laut auskunft von OrdC.
    und ich weiss inzwischen nicht mehr wie ich zu zeiten (wie z.b jetzt zu ostern) bei flauestem flughafengeschäft meine miete, versicherung, steuer usw. bezahlen soll. von mehreren nötigen lackreparaturen am auto ganz zu schweigen.
    ich könnte k…..

    (mit ner menge wut im bauch getippt – deshalb hoffentlich halbwegs verständlich….)

    taxe 9999

  50. Taxi sagt:

    Nicht wirklich verständlich ….

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