Wer sich …

wundert, dass ich kaum zum Schreiben komme, kann sich gerne auf meinem privaten Blog die Geschichte zu meinem Handy anschauen.

mehr für Kunst interessiert, sollte beim Kollegen Yaddac mal die eindrucksvollen Fotos studieren.

für was besseres hält, als „das was hier herkommt„, soll sich verpissen hier. Der Rest liest am Besten hier und bei Kollege Aro.

angesichts der letzten Links scheiße fühlt, darf hoffen, dass es mehr Geschichten wie die des Taxifahrers Samuel Kimothos gibt (Danke an Ernst-Ludwig auf Facebook!)

Und wer zu faul zum Klicken guter Links ist, der muss sich gedulden, bis ich morgen die heute Abend hoffentlich wirklich bloggenswerte Schicht angehe. Und wer selbst zur Geschichte werden will: So wie es aussieht, bin ich ab jetzt wieder recht zuverlässig übers Handy erreichbar.

Lebenszeichen

Während mein Handy vorerst immer noch tot im Eck liegt und auf eine umfassende Notbehandlung wartet, kann ich von mir selbst keine besondere Leblosigkeit verkünden – wobei’s gestern haarscharf in Richtung leblos ging nach dem vorangegangenen Abend …

Nun ja, eine Woche Besuch ist in den kommenden Stunden Vergangenheit und ich bin guter Dinge, dann auch wieder Zeit und Lust gleichermaßen zu haben, mich im Internet herumzutreiben. Vermehrt rumtreiben werde ich mich auch wieder im Taxi, ich hab doch ganz schön was aufzuholen jetzt. Hoffentlich kriege ich das Handy bis morgen fit …

Als eher unspektakuläre Anekdote kann ich gerade nur noch den jungen Mann ausgraben, der sich neulich von mir nach Schöneweide hat bringen lassen – witzigerweise fast exakt zu der Adresse meines letzten kreativen Lesers. Der jedenfalls hat verkündet, dass er künftig am Ostbahnhof nach mir Ausschau halten würde, wenn er wieder mal heim müsste. Aus Gründen:

„Bis jetze ha’ick immer 22 bis 24 € gezahlt.“

Drei bis fünf Euro Differenz. Auf einer Strecke, bei der mir nicht mal eine Idee kommt, wie man da (nennenswerte) Umwege machen kann.

PS: Wer sich mit Smartphones und Android richtig gut auskennt und Zeit hat, kann mir gerne mal eine Mail schreiben*

*SMS wär’n bisschen blöd. 😉

15 €. Wow!

Ein paar Mädels kamen zu vorgerückter Abendstunde in mein Taxi gekrabbelt. Ich stand an vierter Position am Ostbahnhof, zu diesem Zeitpunkt war ich der letzte Wagen. Zuvor waren sie beim ersten, haben dann überlegt und sind schließlich zu mir gekommen, als jener mit einem anderen Kunden weggefahren ist. Wieder einmal hatte ich leider keine Ahnung, wer derjenige war. Eine Anzeige hätte ihm zweifellos gut getan zur Prioritätensetzung.

15 € wollte der Kollege haben bis zum Fahrtziel der jungen Damen. Zu viel, ganz eindeutig. Sie haben sich glücklicherweise nicht darauf eingelassen, sondern erst einmal überlegt. Ich selbst stand seit drei Minuten an der Halte, der Kollege war (wahrscheinlich) noch nicht da, als ich 15 Minuten vorher von dort weggefahren war. Eine ewige Wartezeit hatte er also ziemlich sicher auch nicht.

Machen wir doch mal eine Umfrage bis heute Nacht (23:59 Uhr):

Für welche Strecke wollte der Kollege 15 € haben?

  • Vom Ostbahnhof zum Berghain (4,40 €) (35%, 154 Votes)
  • Vom Ostbahnhof zum Alexanderplatz (7,20 €) (31%, 136 Votes)
  • Vom Ostbahnhof zum Spindler & Klatt (5,40 €) (20%, 89 Votes)
  • Vom Ostbahnhof zum Generator Hostel, Storkower Str. (9,20 €) (13%, 59 Votes)
  • Vom Ostbahnhof zum Sisyphos (12,40 €) (1%, 3 Votes)

Total Voters: 440

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(Der ein oder andere genannte Preis mag um ein paar Cent falsch sein. Ich hab mich an meiner zugegeben lückenhaften Erinnerung orientiert.)

Eingeschränkt verkehrsfähig

Eingeschränkt verkehrsfähig – eine Wortkombination, die einem so im normalen Haushalt selten begegnet, die aber bestimmt viele lustige Haupt- und Nebenbedeutungen erhält, wenn man mit ein bisschen Interesse in der juristischen Fachliteratur blättert. Mir fallen derartige Begriffe immer dann ein, wenn es eigentlich nicht wirklich passt.

Bei dem quirligen jungen Radfahrer etwa, der mich an der Kreuzung Adalbert-/Köpenicker Straße zum Halten aufforderte. An … pah! AUF der Kreuzung! Während ich für einen kurzen Fingerzeig in Richtung eines gesuchten Clubs durchaus Zeit gehabt hätte, weil ich in dem Moment alleine dastand, schien ihm die etwas exponierte Lage, in der ich die zwei Straßen gleichzeitig unbefahrbar machte, genau der richtige Platz zu sein, mit mir mal ein bisschen über die Option einer anstehenden Tour zu quasseln. Ich lasse mir ungern nachsagen, mit der StVO überpingelig zu sein, aber sowas verstehe ich nicht.

Entsprechend hab ich ihn auch stehengelassen und bin erst einmal weitergefahren, um mich hinter der Kreuzung an den Straßenrand stellen zu können – was in dem Fall von der Sache her zwar kaum viel legaler war, aber auf einen Schlag 95% der Dreistigkeit verfliegen ließ.

So besonders aufschlussreich war sein Angebot nicht. Er fragte mich, ob ich „such a bike“ – eines von diesen DB-Dingern einladen könnte und erklärte dann, dass es eigentlich um einen Kumpel geht, der „somewhere there where the music is“ auf uns warten würde. Da er mir die „few meters“ vorausfahren wollte, hab ich die Uhr erst einmal nicht angemacht. Hätte ich können, aber in so einem unsicheren Fall sind mir 1,50 € mehr nicht den potenziellen Stress einer Fehlfahrt wert. Ich begriff schnell, dass es zum Yaam gehen sollte, was nicht nur so gegenüber des Ostbahnhofs liegt, dass es beinahe sowieso auf dem Weg lag, sondern das Level der Verpeiltheit der Protagonisten auch gut erklärte.

Tatsächlich klappte dann alles. Der Kumpel stand ewartungsvoll da und wir machten uns umgehend ans Einladen seines Fahrrades, welches ebenfalls allenfalls eingeschränkt verkehrsfähig war. Der Held hatte irgendwas mit dem Code dieses Teils versemmelt und es blockierte jetzt die Weiterfahrt. Ich hab zwar keine Ahnung, wie die Dinger genau funktionieren, aber ich vermute, er hätte das Ding auch an die Station am Ostbahnhof stellen können. Er aber wollte zum Oranienplatz – was für mich zwar nicht gerade eine umwerfend ergiebige Tour sein würde, aber immer noch besser als auf eine solche erst einmal noch eine halbe Stunde zu warten. Von der Straße weg freut man sich ja über alles.

Das DB-Rad erwies sich zudem als völlig unzickig beim Einladen, so dass wir noch innerhalb der kostenfreien Warteminute des inzwischen angestellten Taxameters lospreschen konnten. Darüber, ob der Kerl nicht im Grunde noch weniger in der Lage war, am Straßenverkehr teilzunehmen als sein deaktiviertes Fahrrad, versuchte ich mir nicht allzu viele Gedanken zu machen. Vielleicht leistete ich einen nicht unwesentlichen Beitrag zur Verkehrssicherheit in Kreuzberg in diesen Stunden, wer weiß?

Die Fahrt war jedenfalls problemlos, und die am Ende auf der Uhr stehenden 6,60 € las ich mit etwas zu viel Schwung vor, bevor mir einfiel, dass mir des Fahrrades wegen noch ein weiterer Euro zustehen würde. Da grinste mich mein Passagier von der Seitenbank aber bereits an und reichte mir mit großzügiger Geste einen Zehner, den ich natürlich auf jeden Fall für meine Nettigkeit behalten müsste. Da hatte ich auch keinesfalls vor, Widerstand zu leisten. 😉

War also alles in allem eine ganz nette Fahrt. Wird mich wahrscheinlich trotzdem nicht davon abhalten, den nächsten Kerl wieder für allenfalls „eingeschränkt verkehrsfähig“ (oder so ähnlich) zu halten, wenn er mich mitten auf einer Kreuzung auf einen Plausch einlädt.

Was man alles wissen muss …

Als er auf mich zugewackelt ist, wirkte er irgendwie ganz lustig. Ein sehr seltsamer Körperbau. Insgesamt sehr schlank, fast schon schlaksig. Sein Bauch jedoch glich eher einer Kugel. Mit der abstehenden Einsteinfrisur wirkte er ein wenig wie ein Trinkvogel. Seine Kleidung ließ auf kultivierte Mittelschicht schließen, in meinen Gedanken war er umgehend Lehrer, Oberstudienrat oder dergleichen. Er hatte ein Grinsen auf dem Gesicht, zeigte sich sehr nett und zuvorkommend und nannte eine sehr wichtige Ausfallstraße im Südosten Berlins als Ziel.

Na, holla die Waldfee!

Es war nicht die erste Tour über 20 Euro an dem Abend, aber man ist ja dann doch immer irgendwie froh. Ich platzierte an dieser Stelle einen meiner absoluten Standardsprüche:

„Na das kriegen wir hin.“

„Das will ich auch hoffen!“

kam es eher konsterniert aus dem Fond der heute ziemlich klapprigen 1925. Diesen Gesprächsverlauf hatte ich nun geschätzte 200 mal im Taxi, so wird kein Gespräch abgewürgt …

„Ich weiß, alles andere wäre ja auch ein bisschen traurig …“

Werft mir das ruhig vor, aber manipulative Gesprächsführung lernt man im Taxi ziemlich schnell. In dem Fall nehme ich ihm gleichermaßen die Sorgen, bin witzig und biete überdies die Option, das Gespräch auf gute oder schlechte Erfahrungen im Taxi zu lenken. Etwas, das zu guter Letzt wenigstens GNIT immer wieder zu Gute kommt.

„Ach, wenn sie wüssten …“

OK, also schlechte Erfahrungen.

„Was ich hier in Berlin schon erlebt habe …“

Ich kann’s mir denken, jetzt komm auf den Punkt!

„…gerade mit den, ich sag jetzt mal, anatolischen Chauffeuren.“

Ui. So PC, dass er nicht einmal „Türken“ sagen will. „Ich hab ja nix gegen Ausländer, aber …“ versucht jetzt also nochmal höhere Bildungsschichten zu erreichen …

Ich hab’s mir leider immer noch nicht angewöhnen können, da so hart zu sein, wie ich eigentlich sein will. Und nein, nicht, weil ich mich um die paar Euro Umsatz schere. Es wäre mir eine Freude, solche Fahrgäste an einen türkischen oder meinetwegen bulgarischen Fahrer weiterzureichen. Nein, ich hoffe immer wieder auf ein bisschen Einsicht beim ein oder anderen. Und ich kann schließlich von ein paar vorbildlichen Kollegen berichten, deren einziges Manko offenbar ist, dass ihre Hautfarbe nicht ganz dem Geschmack von Leuten trifft, die gerne Betttücher auf dem Kopf tragen und nebenbei Kreuze verbrennen. Man sollte meinen, solch eine Randgruppenmeinung würde irgendwann mal verschwinden.

Mein Fahrgast wollte sich denn auch nicht lange an der Herkunft der Taxifahrer aufhalten und warf schnell ein, dass es bedauerlich sei, wie manche einfach nur noch mit Navi zum Ziel finden. Hmm … vielleicht war er doch Journalist.

Witzig anzumerken ist an dieser Stelle, dass ich (Ich kann zumindest für die letzten drei Generationen meine deutsche Abstammung problemlos nachweisen!) nur deswegen auf das Navi verzichtet habe, weil ich durch die von ihm benannte Straße drei Stunden zuvor das erste Mal seit vielleicht sechs Monaten mal wieder durchgefahren bin.

Er jedenfalls war froh, dass ich mich auskannte. Gott sei Dank! Im Handumdrehen zählte er einen Haufen Straßennamen auf, die zu vergessen in seinen Augen offenbar unverzeihlich war. Ich hab, ganz ehrlich, nicht eine einzige davon im Kopf gehabt. Und da genau liegt das Problem: So ziemlich jeder von uns Fahrern hat Gebiete, in denen er sich besser auskennt als Einheimische. Wo man das Hostel im Hinterhof, den Döner in der Unterführung und den Zahnarzt im zehnten Stock kennt. Weil man da oft ist, weil man zumindest einmal da war. Weil man dort eine besonders beeindruckende Fahrt hin hatte, oder weil zufällig die eigene Mutter dort ums Eck wohnt. Und manches weiß man auch, weil man es mal gelernt hat, auf die Ortskundeprüfung. Aber das ist wohl der kleinste Teil.

Wir müssen unseren Job machen, und wir müssen ihn gut machen. Davon bin ich überzeugt. Immer noch und ohne Einschränkungen. Aber unser Job ist es, Menschen in einer Stadt mit 891 Quadratkilometern Grundfläche, zigtausenden Straßen und hunderttausenden „Objekten“ von A nach B zu bringen. Daran sollten wir im besten Falle nicht ein einziges Mal scheitern. Aber ob wir alles im Kopf haben, von einer Navi-Karte, aus dem Internet, über den Funk von Kollegen zugeflüstert oder (für die ganz mutigen) geraten – das ist am Ende unser Ding.

Das soll nicht so angepisst klingen, wie es vielleicht gerade rüberkommt. Aber macht ihr Euch Gedanken darüber, ob ich – oder die Journalisten eurer Tageszeitung – eine Rechtschreibkontrolle oder vielleicht sogar eine Stimmerkennungssoftware einsetzen, um einen Artikel zu schreiben?

Ich würd mich ja gerne fortbilden, aber ich schreibe nebenher. Und die Kollegen, die nicht schreiben, arbeiten diese Zeit komplett durch. Ich finde es wirklich ehrens- und bewundernswert, wenn Taxifahrer über jede Ecke noch eine Geschichte parat haben. Aber das kostet nunmal enorm viel Zeit.  Soviel unbezahlte Zusatzarbeit ist als Standard vielleicht ein wenig viel verlangt …

Meinen Kunden hab ich mit der Diskussion verschont. Man muss nun wirklich nicht zu jedem Ansatz jedes Argument hervorkramen. Finanziell war die Fahrt am Ende tadellos: Guter Umsatz, gutes Trinkgeld, ich hätte auch einen Lobartikel schreiben können. Auf meiner eigenen Skala landete er allenfalls im unteren Mittelfeld. Er war für mich vielleicht eher sowas wie ein anatolischer Fahrgast mit Navi …

Leute, wie bekloppt kann man sein?

Aus dem unglaublichen Erfahrungsschatz meiner Fahrgäste kann ich heute folgendes zum Besten geben:

1.)
Heiraten: Kann man machen und es ist ein gutes Zeichen, wenn zwei Jahre später noch alles Bestens ist.

2.)
Wenn man zwei Jahre verheiratet ist, kann man – diverse andere Entscheidungen vorausgesetzt – auch gemeinsam einen Kredit für ein Haus aufnehmen.

3.)
Vier Wochen nach diesem Punkt zu offenbaren, man hätte seit ein paar Monaten jemand neuen ist so doof, dass man meine Aussagen zu Punkt 1 und 2 locker in die Tonne treten kann.

Und ich dachte mal, mir fällt schon für alles eine passende Antwort ein …

Die Jugend von heute …

Ach, wie viele wunderbar beschissene Texte fangen mit den Worten „Die Jugend von heute …“ an? Meist kommt danach viel Geschwurbel von vermeintlichen Werten, die die meisten derer, die o.g. Worte aussprechen, auch allenfalls als Worthülsen kennen: „Anstand“, „Moral“, diese Geschichten.

Meine Geschichte ist nun nicht das ganz große Glockengeläute, ich wollte eher was von gegenseitiger Hilfe erzählen. Angefangen hat alles prima. Ich war kurz an den Ostbahnhof rangefahren, war binnen anderthalb Minuten erster in der Reihe und kaum, dass mein Kollege Herbert aus seinem Auto gekraxelt war, um mich zu begrüßen, standen schon vier Jungs vor mir und wollten einsteigen.

„Fahr mal schön weit weg!“

rief mir Herbert noch hinterher. Ein zweifelsohne ziemlich optimistischer Wunsch zwischen vier Minderjährigen, die wahrscheinlich mangels Ausweis in einen Club nicht reingekommen waren.
Wo sie wirklich herkamen, weiß ich nicht. Hat sich zwischen ihrem englisch-deutschen Kauderwelsch selbst für meine geübten Ohren nicht raushören lassen, wahrscheinlich haben sie es also nicht erwähnt. Das Fahrtziel jedoch, so wurde mir umgehend erklärt, sei „kompliziert“.

War es natürlich nicht. Sie wollten einfach der Reihe nach aussteigen – und ihre Strecke beinhaltete nur einen minimalen Umweg. Dass es über Zehlendorf bis nach Kleinmachnow gehen sollte, war jedoch eine Überraschung. Ich hab die Tour zwar mit „45 Euro plusminus 5“ deutlich zu hoch angesetzt, aber sowas in der Art hatten sie eingeplant. Ich hätte wirklich nie gedacht, dass Herberts Wunsch tatsächlich so schnell umgesetzt werden würde …

Einen kurzen Schreckmoment gab es noch – denn nach einem Kilometer stellte einer der Jungs fest, dass er etwas vergessen hatte. Wir mussten also umkehren. Da das natürlich (mit dem Taxi!!!einself!) horrend teuer sein würde, überlegten sie, doch mit Bus und Bahn zu fahren. Mein Einwand, dass die Chose am Ende vielleicht drei Euro kostet, hat sie jedoch glücklicherweise beruhigt. Für die Tour hätte ich beim Warten auch die Uhr angehalten oder gleich einen Festpreis ausgehandelt (Das Ziel lag ja außerhalb des Pflichtfahrgebietes) – aber ich wollte mal nicht mit der Tür ins Haus fallen.

Es hat wirklich nur drei Euro mehr gekostet – und selbst mit diesem Bonus sollte die Fahrt am Ende mit 36,40 € deutlich unter dem bleiben, was ich angepeilt hatte. Dennoch natürlich super für mich – und den Jungs hätte ich eigentlich auch ein bisschen mehr Begeisterung gewünscht. Die gingen immerhin zwischenzeitlich von einem Fuffi aus.

Aber da kommen wir zum Thema: Das Bezahlen. Im Grunde natürlich getrennt – zumindest zwischen den drei Zehlendorfern und dem einen Kleinmachnesen. Ob das möglich wäre?

„Selbstverständlich. Wäre bloß nett, wenn ihr dann nicht beide mit einem Fuffi zahlt …“

Nix dagegen, die 30 € bis zum Ausstieg des letzten Zehlendorfers mit einem Schein entgegenzunehmen – aber dann gleich hinterher nochmal 40 € Wechselgeld rausrücken …
Es wäre natürlich gegangen. Eine Einigung unter den Jungs war mir allerdings wenigstens lieber als das und das wollte ich vorsorglich mal ansprechen.

Nun also ging das große Rumrechnen los. Ich bin da vielleicht einen etwas sorglosen Umgang mit Geld gewöhnt, aber für mich war die Sache recht klar:

Die Uhr stünde in Zehlendorf bei ca. 30, der letzte der Dreiergruppe gibt mir einen Fuffi. Ich gebe ihm zwei Zehner raus – und (da der Auswärtige offenbar nur noch ein paar Euro dabei hatte) der könne sich ja dann einen Schein, leihweise oder gegen sein letztes Cash, einstecken und den Rest der Fahrt locker begleichen.

Tja, denkste!

Wo kämen wir auch hin, wenn man am Ende einer plötzlich 10 € billigeren Taxifahrt – an deren Ende der Eine im Übrigen noch Geld gefunden hat, das seine Mutter ihm fürs Taxi mitgegeben hat! – tatsächlich noch einen Zehner übrig hätte, um ihn einem Kumpel zu borgen!?

Die Uhr stand beim Ausstieg des letzten Berliners bei 29,60 € – und wenn ich eine Spur fieser wäre als ich bin, würde ich Euch raten lassen, wie sie das alles gelöst haben. Aber es ist Samstag und erster Juni – da mache ich mal eine Ausnahme!

Das letzte Kleingeld wurde zusammengesucht, sodass der Zehlendorfer mir 50,60 € gab, dazu die Bitte, ihm 21 € wieder auszuhändigen. Den einen Euro gab er dann (leihweise!) an seinen auswärtigen Kumpel weiter, womit der mit geschätzten 8 € in der Tasche die von mir veranschlagten „6 Euro irgendwas“ zahlen könnte. Was der dann im Anschluss natürlich auch tat. Er hatte die aufgelaufenen 6,80 € auch tatsächlich noch passend. Ich konnte mein Glück kaum fassen! -.-

Zugegeben: Eine Tour, die mit 45 € angesetzt ist, dann auf 36,40 € endet, zwei zahlende Parteien beeinhaltet und nicht einmal 10 Cent Trinkgeld abwirft, ist so selten, dass es schon wieder komisch ist. Da werdet ihr von mir keine bösen Worte hören. Was einen aber dazu bringt, bei einer Fahrt, bei der bislang 29,60 € aufgelaufen sind und ein Kumpel noch weiter fährt, nicht einmal 30 hinzulegen (Egal, ob zu Gunsten des Taxifahrers oder des Kumpels), da setzt bei mir der Verstand aus.

Ich hab mit meinem Vater einen großen Mahner in der Familie, der diesen Satz „Beim Geld hört die Freundschaft auf!“ predigt. Mir ist das nicht unbekannt. Aber auch wenn ich mich gerne mal von einer finanziellen Misere in die nächste stürze: Die paar Euro, die ich irgendwelchen Leuten mal ausgelegt, geschenkt oder vorgestreckt und dann vergessen hab – DIE machen, so zahlreich sie sein mögen, dabei nichts aus! Denn glücklicherweise handhaben das die Leute um mich rum auch so …

Also abgesehen von manchen Kunden, wie man sieht. Um die Einstellung beneide ich „die Jugend von heute“ – um mal zum Ausgangspunkt zurückzukehren – nicht. Aber nicht, weil das mich irgendwie stört oder ich da irgendwelche Werte verletzt sehen würde. Das hat eher so ein bisschen was von Fremdscham, ganz ehrlich …