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„We wanna go to the waterclub.“

„The Watergate?“

„Maybe.“

Na dann. Ist ja nicht so, dass Berlin nicht genügend Clubs am Wasser hätte …

Für Kenner

Am Ostbahnhof.

„Wir würden gerne nach Tempelhof.“

„Alles klar, wohin genau?“

„Erstmal Tempelhofer Damm, dann zeig ich das.“

„OK, kein Problem!“

„Aber ey, hier ähm, also über, über, durch Kreuzberg, ja? Die Kenner-Route!“

Mir wäre ehrlich nicht mal ansatzweise ein Weg eingefallen, der NICHT durch Kreuzberg geführt hätte. Aber ich war wohl Kenner genug, denn es gab gutes Trinkgeld. 🙂

Karma

Einen wunderbaren Sonntag allen GNIT-Lesern da draußen!

Meiner jedenfalls verspricht wunderbar zu werden: Ich hab mittelprächtig geschlafen, bin dennoch Stunden zu früh aus dem Bett gepurzelt und muss nachher arbeiten. Das ist vielleicht nicht der Optimalzustand, aber die gestrige Schicht war so schön, die wirkt noch ein bisschen nach. 🙂

Das es gut laufen würde, habe ich zwar von Anfang an gehofft, der Einstieg war dann jedoch eher so lala. Dass ich umgehend, also nach etwa drei Kilometern, eine Winkerin hatte, war schön. Ihr Wunsch hingegen schwierig:

„Ich müsste ungefähr zum Club der Visionäre und hab aber nur noch’n Fünfer …“

Das ist vom östlichen Ende der Boxhagener Straße schlicht nicht zu machen. Ich hab zwar glücklicherweise sofort daran gedacht, dass man über die Kynaststraße seit einiger Zeit wieder zur Elsenbrücke durchkommt, ohne eine blöde Schleife übers Ostkreuz machen zu müssen, gereicht hätte das aber allenfalls ansatzweise. Also hab ich erst einmal von mir aus eine Kurzstrecke vorgeschlagen. Muss ich nicht, kann man in so einer Situation ja aber mal machen. Geht ja auch um Dings, hier, ähm, zufriedene Kundschaft, genau!

Und – ach! – was war die zufrieden. Obwohl ich ihr gesagt hab, dass es trotzdem nicht ganz reichen wird.

„Das ist in Ordnung, ich kann ja ein Stückchen laufen. Ich bin ja schon so froh, dass sie gerade jetzt hier vorbeigekommen sind …“

Konnte sie auch sein. Als das Taxameter dann mit einem Piepsen das Ende der Kurzstrecke verkündet hat, hab ich die Uhr ausgemacht und das Auto noch ganz gemütlich bis zur nächsten Ecke ausrollen lassen. Am Ende hab ich sie rund 2,3 km von fast dreien gefahren. Zum ermäßigten 2-km-Preis. Alleine ihrer Ansage nach hätte ich sie nach 1,1 km zum Normalpreis von 5,00 € vor die Türe setzen können – und jetz standen nach dem großzügigsten Dehnen aller Regeln sogar nur 4,00 € auf dem Taxameter.

Auch wenn ich’s die Kundschaft nach wie vor nicht merken lasse: Ich war ziemlich sauer, dass sie sich unter den Umständen tatsächlich den einen Euro noch hat rausgeben lassen. Das ermutigt einen nicht gerade, solche Ausnahmen mal zu machen … 🙁

An verbalem Dank jedoch sollte es nicht mangeln:

„Total geil, ehrlich! Ey, ich wünsch Dir noch eine super entspannte Schicht, nur nette Fahrgäste, viel Glück und alles. Hast jetzt echt was gut auf deinem Karma-Konto!“

Während ich mir insgeheim „Na hoffentlich!“ dachte, schien das tatsächlich genau das Richtige gewesen zu sein.

(Nie vergessen: Am Ende bestimmt jede Tour, wo man am Ende landet …)

Der Freitag war schon „halbwegs ok“ gewesen, ich war eigentlich zufrieden. Jetzt hab ich gestern aber bei anderthalb Stunden weniger Arbeitszeit und der gleichen Fahrtsrtecke über 50 € mehr Umsatz und das Doppelte an Trinkgeld gemacht. Ich hab wirklich obskurste Touren bekommen, überdurchschnittlich lang und mit spendablen Fahrgästen obendrein. Ich hatte fast die ganze Schicht gute Laune, war fit, und und und.

Kein Wunder, dass Menschen dazu neigen, an so einen Quatsch wie Karma zu glauben.


PS: Für alle, die es noch nicht dank Facebook mitbekommen haben: GNIT hat die Marke von 2000 Artikeln irgendwann in der letzten Woche gerissen. Dies hier ist Nummer 2016. Feuerwerk!!! 😀

Falsch, falsch, falsch!

Lustige Gesellen hatte ich mir da ins Auto geladen: Ein Vierertrupp, vermutlich Belgier. Ihr Deutsch war gut, man hat halt einen sehr starken Akzent bemerkt. Der Altersschnitt dürfte irgendwas um die 45 betragen haben, der Promillepegel lag glücklicherweise darunter. Ausgelassene Stimmung unter erfahrenen Berlin-Besuchern, eine feine Sache.

Sie wollten zu einem der Hotels an der U-Bahn-Station Güntzelstraße. Hmm, ja, da war was. Schon eine Weile her, dass ich in der Ecke bewusst war, vor allem aber hab ich die U-Bahnen noch weniger im Gedächtnis wie die Straßen. Aber dann fiel mir wieder ein, dass das an der Bundesallee liegen müsste.

Der ein oder andere erwartet vielleicht Wunderdinge von uns, tatsächlich hat man auch mal Lücken im Stadtplan, erschreckend große – selbst wenn das Ziel wie hier nicht weit draußen liegt. Ein schlechtes Gewissen hab ich da nicht, mich quatschen am Ostbahnhof auch regelmäßig Kollegen an und fragen nach dem Berghain oder dem Fritz-Club. Man weiß noch etwa, wo das war, aber bei den letzten 500 Metern guckt man lieber nochmal …
Ich bin das Risiko eingegangen und hab mal grob in die Richtung gezielt. Hab kurz vor dem Ziel dann Güntzelstraße/Bundesallee als Ecke ins Navi eingegeben. Denn irgendwo konnte man da doch … es meldeten sich Erinnerungsfetzen aus der Ortskundeprüfung:

„Krrz … Prager Platz … krrrrz … Prinz…krrrz“

Winzige, an sich unbedeutende Abkürzung, aber wenn schon, dann richtig! Ich folgte meinem Navi, als ein Räuspern vom Beifahrersitz kam. Der weiße Schnauzbart unter den tiefen Augenringen meines Fahrgastes schmatzte irgendwas.

„Alles ok?“

„Ja, ist der falsche Weg, aber ok.“

Für derartige Gelassenheit bin ich eigentlich ja dankbar, aber ich war in dem Moment selbst verdammt unsicher. Ich hatte die zwei Minuten davor schon überlegt, ob die Güntzel- nicht doch bis zur Martin-Luther durchgeht und dort die Haltestelle ist …
Das ist natürlich Blödsinn und mit etwas mehr Ahnung vom U-Bahn-Netz hätte ich das auch gewusst. Aber ich fahr ungefähr zweimal im Jahr U-Bahn, und meist nur mit der U1. In dem Kiez dort hab ich vor Ewigkeiten das letzte Mal Leute abgesetz, vielleicht war es sogar mein Ausflug mit Jo damals (das Foto ist am Bayerischen Platz aufgenommen, Jo hat aber seinen Artikel leider nicht mehr online), bei dem ich letztmals dort im Viertel war. Also WTF?

Ich hab mich irgendwie überreden lassen, umzukehren. Was Unsinn war. Am Ende der Barbarossastraße stand ich auf der Martin-Luther und wusste, dass ich falsch bin. Falsch. Falsch, falsch, falsch!

Die Uhr hatte ich peinlichkeitshalber schon ausgemacht und ich hab mir meine gute Laune bewahrt. Obwohl ich mich geärgert habe. Furchtbar. Zum einen darüber, dass ich mir unsicher war. Sonst hole ich bei so viel Unsicherheit immer gleich noch mehr Infos ein. Zum anderen aber darüber, dass meine Fahrgäste es total witzig fanden, dass ich mich verfahren habe – ohne ihre Bitte, umzukehren, wäre ich auf dem kürzesten Weg an ihrem Ziel gelandet.

Im Nachhinein war es spitze: Die Kundschaft war ausgelassen, hab großzügiges Trinkgeld und es wird allenfalls irgendwo in Belgien oder so eine kleine Anekdote über einen verpeilten Taxifahrer geben. Viel besser als miese Laune, kein Trinkgeld und die herkömmlichen Arschlochlegenden. Wenn ich jetzt bloß noch wüsste, wie ich verhindern kann, mich so beeinflussen und dann vom Ergebnis runterziehen zu lassen …

Hier noch eine Karte vom letzten Wegabschnitt für die Nicht-Kollegen unter Euch:


Größere Kartenansicht

Biermeile rockt!

Ich hatte es ja schon vermutet: Das Wochenende wird dank Biermeile recht ordentlich werden. Tatsächlich hatte ich schon ein paar Touren von der Karl-Marx-Allee weg. Meistens sogar recht lange, überwiegend gute. Das Problem ist natürlich: Die Biermeile ist schon hoch gepokert, was die Auswahl der Fahrgäste angeht. Ein Fest, das ganz minimalistisch das Saufen zum Hauptevent macht, zieht halt nicht nur Leute an, die sich zu benehmen wissen. Gleich einer meiner ersten Fahrgäste war von der Sorte, die man mit gutem Grund bei jeder Party „vergisst“, einzuladen. Zwar nicht bis Oberkante Unterlippe voll, aber ein überheblicher Sack sondersgleichen. Er hat mir gönnerhaft vorgeschlagen, doch die Uhr auszulassen, um keine 10 Minuten später zu versuchen, mich als großverdienenden Geizhals hinzustellen. Hatte von allem eine Ahnung, wäre aber für’s RTL-Nachmittagsprogramm zu unterqualifiziert als Zuschauer. Ih, bäh!

Aber abgesehen von meinen Kopfschmerzen bei seinem dummen Geschwätz hab ich einfach keinen Grund gefunden, ihn vor die Türe zu setzen. Was soll’s, Arbeit muss wohl manchmal wehtun.

Das aber nur nebenbei. Er war halt die obligatorische Nullnummer bei so einem Event. Dafür hat die Tour ordentlich Geld gebracht. Und so lief es in den Abendstunden weiter. 7 Winkertouren von der Biermeile, eine dorthin. Erst für die neunte Fahrt hab ich mich mal an den Bahnhof gestellt. Da war dann am Fest schon Feierabend und auf die Leute, die dann noch da waren, wollte ich erstmal besser keinen Blick werfen. 😉

Das Konzept ging bis dahin gut auf. Der obligatorische Umsatzvergleich am Taxistand ließ mich wie einen Vollprofi aussehen – obwohl wir natürlich alle wissen, dass da viel Glück dazugehört. Irgendwann gegen 1 Uhr hab ich mich ein wenig mit einem Kollegen unterhalten, der meinte, er hätte gerade drei Touren, es ginge erst los.

„Wann haste denn angefangen?“

„20 Uhr.“

„Und was hast Du auf der Uhr?“

„Hmm, so 25 € …“

„Autsch! Ich hab erst um 20.15 angefangen …“

„Und?“

„122 € …“

Also bei allem Spaß, den ich daran habe, mal Glück zu haben: Das hat mir dann echt schon leid getan. 🙁

Abgesehen von einer sehr netten Lesertour lief der zweite Teil der Nacht allerdings sehr schleppend. Die 200 hab ich nicht mehr erreicht, aber das ist ok. Im Vergleich zu den Freitagen, die jetzt schon seit ein paar Monaten miserabel laufen, war das alles bestens. Schätze, ich werde heute Abend wieder ähnliches versuchen. Vielleicht dieses Mal ganz ohne geistigen Totalausfall. Das wär was!

Und wenn’s nicht klappt, hat heute wahrscheinlich wenigstens der Kollege Glück. Wie immer …

Liebe Jungs vom vergangenen Wochenende!

Hier ein paar kleine Hinweise, wie das Taxifahren noch angenehmer wird:

1. Kurzstrecke ist kein Problem …

aber dann stellt Euch auf die Straßenseite, von der aus es unter zwei Kilometer sind. Und nicht auf die Seite, wo man ewig nicht wenden könnend in die falsche Richtung fährt.

2. Musikwünsche sind ebenfalls kein Problem …

aber es ist nicht möglich, auf drei Minuten Fahrtweg Rock, Elektro, Schlager und Radio Paradiso unter einen Hut zu bekommen.

3. Rauchen ist nicht erlaubt …

und das ist es seit 2007 in allen Taxen. Eine Nachfrage nimmt niemand übel und ich weiß auch, dass manche Fahrer da ja sagen. Nach dem fünften Nein braucht man aber kein sechstes Mal fragen.

4. Den Taxifahrer uncool zu nennen …

verbietet Euch keiner. Aber in Kombination mit

5. „Mach nach Kurzstrecke einfach die Uhr aus.“

sorgt das halt recht zuverlässig dafür, dass man als Taxifahrer leider leider (aber sowas von leider!) keine Ausnahme machen und die letzten 210 Meter noch fahren kann. (Die unter Beachtung von 1. sowieso nie angefallen wären)

Einfach merken und nochmal eine Spur glücklicher werden, ok?

Liebe Grüße,

Sash

Vorfahrt achten. Oder hupen …

OK, zugegeben: Ich nutze meine Hupe nur sehr selten. So selten, dass mir ein Defekt durchaus mal entgehen kann. Da bin ich vielleicht der Falsche, um mich übers Hupen anderer Gedanken zu machen. Mache ich aber trotzdem, wenn es mir gilt.

Ich hab mich über den Typen schon zu Beginn gewundert, denn er schien, wie er da auf dem Bersarinplatz in meine Richtung zielte, nicht sonderlich gewillt zu bremsen. Im Normalfall bin ich ja immer derjenige, der übervorsichtig ist, aber in dem Moment hatte ich einfach einen guten Lauf, die Ampeln davor waren schon alle auf grün gestanden, ich wollte einfach nicht wegen jemand bremsen, der sich vorzudrängeln gedenkt.

Also bin ich mit gut gelaunten 35 km/h auf den Platz „geschossen“ (da ist gerade eine Baustelle) und stellte recht erstaunt fest, dass der andere, von links kommend, kein Stück bremste, sondern mich tatsächlich relativ knapp verfehlte, um anschließend zu einem mehrsekündigen und offenbar wenig befriedigenden Hupkonzert anzusetzen.

Im Nachhinein ist mir schon recht klar, weswegen er so gehandelt hat – schließlich befand er sich im Kreisverkehr und hat wohl erwartet, dass ich als in den Kreisel einfahrender stoppe. Unter diesem Gesichtspunkt war ich sicher eine sowas von dreiste Sau für ihn, der mutwillig den Verkehr gefährdet.

Die Tatsachen sehen indes ein wenig anders aus. Denn im Gegensatz zu normalen Kreisverkehren ist am Bersarinplatz die durchführende B 96a, hier Petersburger Straße, zumindest mal schon so lange Vorfahrtstraße, wie ich hier wohne. Kann man auch sehr schön bei Google Streetview sehen. Dort sieht man nicht nur zwei Taxis und ein von bekloppten Vollidioten verpixeltes Haus, sondern auch deutlich „mein“ Vorfahrtsschild und links am Rand, auch von hinten unschwer zu erkennen, das Vorfahrt-Achten-Zeichen meines Gegenübers in der vorletzten Nachtschicht.

Meinetwegen dürft Ihr alle den ganzen Tag hupen. Als Warnung sowieso, meinetwegen aber auch illegal, weil Ihr sauer seid. Aber bitte bitte nicht um zu unterstreichen, dass Ihr keine Verkehrszeichen lesen könnt!