„Wo soll’s hingehen?“
„Bring uns mal zum Spindler & Klatt.“
„Die Party geht also erst los jetzt?“
„Ja klar: Wenn wir kommen!“
Selbstbewusst und schlagfertig. Gefällt mir. 🙂
„Wo soll’s hingehen?“
„Bring uns mal zum Spindler & Klatt.“
„Die Party geht also erst los jetzt?“
„Ja klar: Wenn wir kommen!“
Selbstbewusst und schlagfertig. Gefällt mir. 🙂
Ich weiß, Ihr seid nicht die ersten*, die diesem unsagbar bescheuerten Trend folgen – aber druckt gefälligst einen Hinweis auf eure Karten, von welchem eurer grandiosen Häuser sie sind! Ich hab echt Verständnis für Corporate Identity und vielleicht kriegt Ihr die Teile ja auch billiger, wenn Ihr sie gleich für alle Hotels bestellt. Aber das ist gespart am falschen Ende!
In Berlin habt Ihr drei innerstädtische Standorte und beim Ruf Berlins als Party-Hauptstadt war der französische Töffel in meinem Taxi sicher nicht der einzige, der sich nicht mehr erinnern konnte, wo sein Hotel jetzt genau liegt – also mal abgesehen von der hilfreichen Antwort „Berlin“.
Mir könnte es ja eigentlich egal sein, für mich als Taxifahrer ist das im Zweifelsfall mehr Umsatz, wenn ich eure Läden alle nacheinander abklappern muss. Das Schlimme ist nur, dass die Idee, für drei Hotels die gleichen Karten rauszugeben, so strunzdoof ist, dass niemand auf die Idee kommen würde, dass man zusätzlich zur Karte auch noch eine gesonderte Adresse mitzunehmen hat. Und das wirkt sich nicht gerade positiv auf die Meinung eurer Kunden aus.
Also falls Ihr euch fragt, wieso der verstrahlte Glatzenträger mit dem schielenden Blick in eurer Niederlassung am Hackeschen Markt beim Auschecken kein Trinkgeld gegeben hat:
Das hat jetzt der Taxifahrer, der eures Ideenreichtums wegen trotz ausreichender Ortskenntnis nach Hotels suchen muss …
*Die Kollegen von Meininger sind da nicht besser …
Ich hab’s grad nicht so mit der Arbeit. Die macht mich gerade fertig, ich krieg’s nicht gebacken. Also hab ich mich heute nach einem viel zu kurzen Besuch auf Berlins Straßen gleich wieder vom Acker machen wollen. Ich schielte im Vorbeifahren auf die Anzeige der Straßenbahnhaltestellen. Noch 4 Minuten bis zu meiner Bahn! Das ist das praktische daran, dass der Weg zum Abstellplatz parallel zu meiner Bahnlinie verläuft. Ich kann immer sehen, wie viel Zeit ich haben werde, wenn ich heimfahre.
Gut, ich kann bei den letzten paar Stopps ein bis zwei Minuten rausschlagen, aber ein wenig Eile wäre bei 4 Minuten schon angebracht. Der ganze Papierkram im Auto benötigt ja auch seine Zeit …
Nun aber: rote Ampel. So weit, so gut. Ampeln liegen natürlich auch auf dem Weg, aber die sind in der Rechnung schon mit drin.
Dann aber das Beste: Winker vor der Ampel. Drei … hmm, Jugendliche? Zumindest aber mal junge Erwachsene. Da sich meine Arbeitsunlust ganz bestimmt nicht gegen Kunden richtete, hab ich mich sogar gefreut. Na gut, also doch noch eine Tour! Finanziell mehr als notwendig – und zudem sind Winker immer ein Glücksfall. Touren, auf die man nicht warten muss, reißen das Ergebnis immer nach oben raus, da spielt es – außer vielleicht an Silvester – überhaupt keine Rolle, wie weit es letztlich geht.
Ich halte an der Ampel und damit direkt vor dem Winker. Der Rest der Truppe scheint sich gar nicht für das Taxi zu interessieren. Na gut, dann will wohl nur er heim.
Ich lasse einfach mal das Fenster runter und er beugt sich tatsächlich herab, anstatt gleich die Türe aufzumachen. Dann mal schauen …
„Sorry? Haste vielleicht Feuer?“
Ich bin ein lieber Mensch. Ich hab ihm also Feuer gegeben und es hat auch alles so gepasst, dass ich als es grün wurde durchstarten konnte. Aber mal im Ernst: Leute, das ist wirklich scheiße! Schön und gut, dass wir Taxifahrer tatsächlich fast immer reagieren, wenn man uns den Arm hinhält – aber wir machen das, um Geld zu verdienen! Wenn wir anhalten und ein ebenfalls freier Kollege an uns vorbeizieht, dann versaut uns das die Chance auf den nächsten Kunden. Diese Nettigkeit kann uns empfindlich Geld kosten. Und es ist reichlich unfair, dass ausgerechnet die netten Fahrer am Ende draufzahlen, oder?
In dem Fall war wie gesagt die Ampel rot und mir war es ohnehin recht egal, was aus diesem Abend noch wird. Ich hätte trotzdem in dem Moment gerne die Zeit gehabt, dem Kerl mitzuteilen, was ich nun hier geschrieben habe. Aber das hatte ich eben nicht. Bahn in 4 Minuten und so …
„Aber es ist schon auffällig, dass gerade so viele Türken so unfreundlich sind.“
„Finden Sie? Wirklich? Also wenn ich mir so manche alteingesessenen Berliner Taxifahrer anschaue …“
„Hmm … Sie haben Recht. Die sind ja auch sehr oft so grummelig.“
„Grummelig?“
„Ja. Und sagen nix. Ist auch nicht schön …“
„Sehen Sie: Es gibt überall solche und solche.“
„Sind Sie Berliner?“
„Nein, ich bin auch nur zugezogen.“
„Das merkt man. Sie sind ja keiner von denen, die so abweisend sind!“
Eigentlich hätte ich daraufhin ja sagen sollen, dass ich in Wirklichkeit Türke bin. Aber das hätten sie mir wohl nicht geglaubt. Und in Anbetracht der Tatsache, dass ich ja eigentlich auch noch ein Schwabe bin, gehen wir jetzt alle nochmal in uns und justieren unsere Vorurteile neu, ok? Danke.
Ich bemühe mich ja, meine Arbeit nicht allzu sehr als Job zu betrachten. Klar: Ich brauch das Geld, das ich im Taxi verdiene. Darüber hinaus bin ich aber versucht, einfach möglichst immer guter Laune zu sein und die Sache nicht allzu ernst zu nehmen. Das fällt natürlich nicht immer leicht, aber es klappt doch ziemlich oft und ist dann auch im Sinne der Dienstleistung praktisch.
Heute Nacht ist es ganz gut gelaufen da draussen. Ich hab zwar wieder nur spät angefangen, aber ich muss sagen, dass 25% weniger Umsatz als an einem normalen Wochenende wahrscheinlich das produktivste war, was ich je hingekriegt hab, wenn ich zu Hause alleine war. Wenn ich alleine bin, wird nämlich offensichtlich meine Bindung an Ozie auch noch durch die Bindung an die Tastatur ersetzt und ich komm gar nicht mehr zu Potte, sprich: vom Rechner weg. Aber gut, ich hab mich also trotz größter Unlust überwunden – und siehe da: War eigentlich alles toll. Eine Menge schöne Touren, eine Menge Material zum Bloggen und mit der Zeit hab ich richtig gute Laune gekriegt.
Irgendwann kamen dann vier Jungs ziemlich verdattert an mein Auto, weil der Fahrer vor mir am Stand eingeschlafen war. Das schien sie nachhaltig zu beeindrucken, aber das Ende vom Lied war natürlich, dass sie gerne mit mir fahren wollten. Soll mich ja nicht stören. 🙂
Auf die Strecke brauchte der Kollege auch gar nicht neidisch zu sein, es ging nur kurz in die Revaler Straße. Nicht die einzige kurze Tour dorthin in dieser Nacht. Ansonsten war eigentlich alles belanglos. Den Weg dorthin finde ich im Schlaf und die Jungs waren zwar nicht ungesprächig, aber so die total lockere Atmosphäre kam auch nicht auf. Eine Fahrt wie hunderte andere. Am Ziel angekommen kam dann allerdings der Spruch des Tages und nur deswegen schreibe ich den Eintrag am frühen Morgen eigentlich. Meint mein Beifahrer nämlich:
„Hey, war echt ’ne nette Fahrt. Du solltest überlegen, das beruflich zu machen.“
Ich hab wenigstens halbwegs schnell geschaltet und geantwortet:
„Gute Idee. Ich werd‘ mal drüber nachdenken.“
Der Tagesspiegel hatte gestern ein besonderes Schmankerl auf seiner Online-Präsenz zu bieten. Unter dem schönen Titel „Kutscher, was soll das werden?“ (Nebentitel „Desorientierte Taxifahrer in Berlin“) echauffiert sich eine offensichtlich gerne anonym bleiben wollende Journalistin* über eine Taxifahrerin, der das Fahrtziel nichts sagte und die daraufhin ein Navigationssystem zu Hilfe nahm. Die Route des Navis war dank Stau und Baustellen wohl alles andere als optimal. So weit, so ärgerlich natürlich.
Ein bisschen kurios würde ich das nennen, was dann folgt. Um es zusammenzufassen: Die Journalistin ärgert sich darüber, dass wir Taxifahrer immer weniger wüssten und dass wir das doch eigentlich gerade jetzt anders halten müssten, wo doch unser Beruf dank Car-Sharing usw. ohnehin immer mehr in die Ecke gedrängt würde.
Die Grundthese finde ich eigentlich ganz ok. Natürlich – das hab ich zum Anlass diverser „Taxitests“ ja auch immer wieder gesagt – steigt und fällt die Qualität einer Taxifahrt mit dem Fahrer. Ortskenntnis, Professionalität, Freundlichkeit, Hilfsbereitschaft – all das macht den Unterschied zwischen einer fantastischen und einer grottigen Taxifahrt aus. Weit mehr als das die Automarke z.B. vermag. Wieso man aber am Punkt der Nutzung eines Navigationssystems ansetzen muss, verschließt sich mir.
Ich bin auch froh um jede Tour, bei der ich das Navi nicht brauche, hier und da schalte ich es aber sogar dann mal ein. Das Drama fängt schon damit an, dass auch die werte Journalistin als Kundin im Taxi das Recht hat, den Weg zu bestimmen. Von diesem Recht Gebrauch gemacht hat sie offensichtlich nicht. Und tut sie das nicht, ist ihre Fahrerin schon gesetzlich an den kürzesten Weg gebunden. Gerade für solche Fälle sind Navis super! Man kennt die Adresse nicht wirklich, weiß nicht, ob man da von hinten oder vorne besser rankommt. Dafür gibt es die Teile. Pi mal Daumen nach Weißensee wäre die Fahrerin ziemlich sicher auch so gekommen. Natürlich wäre der Optimalfall gewesen, dass sie sich besser ausgekannt hätte und schnell noch eingeworfen hätte:
„Die Hauptstraße wäre zwar kürzer, aber wegen der Baustellen ist es hinten rum schneller. Kostet halt 80 Cent mehr.“
Ist toll, sowas – so wünsche ich mir meine Fahrten auch immer.
Aber genauso würde ich mir von Journalisten auch immer die Recherche wünschen, die ganz offensichtlich wie bei uns die Ortskenntnis eines der Hauptqualitätsmerkmale ist. Dadurch, dass ich im Taxigewerbe inzwischen einiges an Wissen gesammelt hab, schüttele ich immer wieder den Kopf und frage mich, wieso die Journalisten so ein einfaches Thema so grottenfalsch wiedergeben. Dabei sind die Fehler oft verzeihlich. Haben sie doch enormen Zeitdruck, werden schlecht bezahlt und haben einfach nicht die Möglichkeit, sich wegen eines Artikels übers Taxifahren in die Materie richtig tief einzuarbeiten.
Nun, das ist mit der Ortskenntnis aber nicht anders. Berlin hat eine Fläche von 891 km². Auf dieser Fläche liegen unzählige vermeintlich wichtige Punkte. Weit mehr, als sie ein Mensch erfassen, geschweige denn abspeichern könnte. Zumal sich vieles permanent ändert. Straßennamen vielleicht nicht so oft, bei Club- und Hotelnamen ist die Fluktuation aber beispielsweise legendär. Ich neige jetzt auch dazu, zu sagen:
„Naja, aber hallo: Weißensee, die Hauptstraßen … von Friedrichshain aus? Das sollte man aber doch wissen …“
Während das aber für die werte Journalistin vielleicht der Nabel der Welt ist, so könnte die besagte Taxifahrerin ihr hauptsächliches Arbeitsgebiet in Zehlendorf haben. Das wäre dann zwanzig Kilometer entfernt.
Ich war vor ein paar Stunden mal wieder in Spandau. Das ist – manche Berliner wird’s überraschen – noch Berlin. Den gesamten Bezirk sehe ich inzwischen allerhöchstens zweimal jährlich. Als Taxifahrer, bei dem das zum Pflichtfahrgebiet gehört …
Wenn wir jetzt noch vom „normalen“ Fahrer ausgehen, der diesen Job Vollzeit macht, sagen wir 55 Stunden die Woche – dann kommt der vielleicht in derselben Zeit viermal nach Spandau. (Oder, wenn er eher im Westen unterwegs ist nach Treptow-Köpenick)
Spandau hat aber 100 km², sicher 1000 Straßen und wahrscheinlich 300 bis 500 für eventuelle Kundschaft interessante Adressen.
Wann, so meine Frage an die Journalistin, sollen wir uns die Ortskunde dafür aneignen?
Ich denke, ich spreche für alle halbwegs an ihrem Job interessierte Kollegen, dass wir uns bemühen, unsere Arbeit gut zu machen. Aber ebenso wie man als Journalist heute wohl kaum noch umhinkommt, wenigstens ein Handy zu benutzen, eine eMail-Adresse zu haben oder mal in der Wikipedia was nachzusehen, haben auch wir nicht immer alles ohne Hilfsmittel im Blick. Und Taxifahren besteht ebensowenig daraus, einfach alle Straßen in Weißensee zu kennen, wie Journalismus nur daraus besteht, 26 Buchstaben halbwegs sinnvoll aneinanderzureihen.
Das Bundeskanzleramt – eines der Beispiele im Text – hab ich ehrlich gesagt noch nie anfahren müssen. Da weiß ich, wo es liegt. Immerhin. Bei der ein oder anderen Botschaft muss ich schon passen. Und sonderlich unwichtig würde ich diese Adressen nicht nennen. Aber hey, ich kenn die Preise von einigen Bordellen, ich kenne vielleicht einen guten Club für elektronische Musik in ihrer Nähe, weiß, dass in Marzahn diese oder jene Straße gesperrt ist, kann von mir zu Hause bis zum Sitz ihrer Zeitung alle Straßennamen und Richtungswechsel runterbeten, kann betrunkene Kerle zum Benehmen ermahnen, trauernde Frauen trösten. Ich kann den Fahrpreis im Vorfeld auf vielleicht einen Euro genau im Kopf ausrechnen, kenne alle 95 Stadtteile und tausende von Straßen. Das alles gerade mal fünf Jahre, nachdem ich nach Berlin gezogen bin und zum Vorzugspreis von lumpigen acht Euro pro Stunde, wenn’s mal ein halbwegs guter Tag ist.
Zu ihrer Adresse, sehr geehrte namenlose Journalistin, würde ich aber vermutlich das Navi anschalten. Denn wer weiß, was morgen in der Zeitung steht, wenn ich mich ausgerechnet in Weißensee vertun sollte und der Fahrpreis etwas zu hoch ausfällt …
*Ist nicht böse gemeint, aber ich hab den Namen zwischen all der Werbung und dem sonstigen Gedöns auf der Seite nicht gefunden.
Nachtrag: Inzwischen hat die Autorin einen Namen. Das war zum Zeitpunkt des Entstehens meines Artikels definitiv nicht der Fall.
Nachtrag 2: Bernd ist in seinem Taxiblog auch noch eine bissige Bemerkung zum Thema losgeworden.
PS: Danke an die vielen Hinweisgeber!
„Guten Abend, wo darf es denn hingehen?“
„Spandau.“
„OK, wohin genau?“
„Also zum Bahnhof. Nicht ganz. Aber so die Ecke.“
„Alles klar, kein Problem.“
„Ja, da, ich … äh, ich hab aber nur noch 15 €.“
„Das wird nicht reichen. Sollen wir unterwegs an einer Bank anhalten?“
„Hmm, ja, äh … nee. Wieviel mehr wird das denn sein?“
„Schon einiges. So auf 25 € kommen wir sicher. Für 15 € kommen wir höchstens bis Anfang Charlottenburg.“
„WAAAS? So eine Frechheit. Ich bin bisher immer mit 15 € nach Spandau gekommen!“
„Von hier aus?“
„Na das vielleicht nicht, aber SOOO schlimm war das noch nie! Also echt jetzt!“
„Tut mir leid, das ist nunmal der Tarif. Wir Taxifahrer müssen ja auch von irgendwas …“
„Da kann ich ja gleich laufen!“
„Naja, bei der Strecke …“
„Sie finden das wohl auch noch toll, oder?“
Daraufhin Abgang besagter Kundin. Und währenddessen ist der Kollege hinter mir vom Stand weggekommen …
Ich weiß doch, dass Taxifahren teuer ist. Himmel, ja! Da müssen Auto und ein eigener Fahrer bezahlt werden. Das ist nix, was mal eben für 45 Minuten Fahrt nur ein paar Cent kosten kann. So leid es mir tut. Aber darum so einen Aufstand zu machen? Ich weiß ja nicht …
PS: In den FAQ beantworte ich auch Fragen zum Taxitarif.