Überraschendes

Die 1925 stand recht einsam auf der zweiten Rücke, will heißen: andere Straßenseite. Ich stand bei Kollege Werner am Auto und diskutierte wie jeden Abend mit ihm die mittelprächtigen Umsätze. In solchen Situationen bin ich manchmal fahrlässig. Ich lasse das Auto offen, so lange ich es noch gut im Blick hab. Insgesamt ist der Taxistand am Ostbahnhof ja eine recht belebte Gegend, aber so lange ich binnen 5 Sekunden am Wagen bin, mache ich mir keine Sorgen, dass da was passiert. Zumal die Kollegen ja auch immer ein Auge offen haben.

Nun näherte sich eine etwas verpeilt wirkende Gestalt meinem Auto und ich konnte ausnahmsweise nicht sofort über die Straße rennen, weil ein Auto kam. Ich signalisierte meine Bereitschaft durch ein Rufen, doch der Kerl nahm mich gar nicht wahr. Als ich sah, wie er die Türe öffnete und einstieg, hatte ich kurz Panik, die aber umgehend verflog, als ich dann endlich ans Auto kam. Der Typ hatte sich einmal auf die Rückbank geschmissen und hatte die Augen zu. Soweit ja ganz gut, aber: WTF?

„Moin. Wo soll’s denn hingehen?“

fragte ich ihn, als ich mich auf den Fahrersitz schmiss.

„Nirns. Ischlafhiernur!“

„Ähm, nee. Also das wird nix!“

„Najutdannfahrnwerhalt …“

„Wohin?“

„Na, ersmaschöneweide.“

Na, aber hallo. Auch noch eine gute Tour. Hab ja nicht wirklich viel erwartet bei der Sache. Das im Übrigen auch mal als Hinweis an die Kritiker, die mein Verhalten bezüglich meines Frustfangs neulich für zu locker hielten.
Die nächsten 20 Sekunden verbrachten wir mit einer ziemlich gestammelten Unterhaltung, bis er sich aufrappelte und meinte:

„Ich kann so’n Scheiß nicht lange aufrecht halten, sorry. Bin’n Leser. Aber hey: Gute Reaktion!“

Erwischt! Voll erwischt! Ich hatte echt nicht den Hauch einer Ahnung. Aber natürlich war ich froh darum, dass die Fahrt sich nun deutlich einfacher gestaltete als mit einem Totalausfall, der im Taxi nur pennen will. 🙂

Ich war an dem Abend wirklich nicht in Höchstform, beinahe hätte Micha es sogar geschafft, mich beim Bezahlen um einen Fünfer zu bringen – was ich aber als Scherz werte, keine Sorge. War auf jeden Fall mal wieder ein sehr innovativer Versuch, hier im Blog erwähnt zu werden!

Ich bin froh, dass mich nicht alle so auf die Schippe nehmen, wenn sie mich treffen, aber ich kann über sowas durchaus lachen. Bei ’nem Fünfer Trinkgeld umso mehr. 😉

11 Kommentare bis “Überraschendes”

  1. Wahlberliner sagt:

    Haha, die ganz persönlichen „five minutes of fame“: Eine Erwähnung in einem Artikel auf GNIT! 😉

  2. Quacki sagt:

    Ganz dickes LOL!

  3. Knut sagt:

    Hihi, jetzt wird es bestimmt ein Sport, den Sash zu veralbern. 🙂

  4. Marco sagt:

    Kein schlechter Gag, muss ich sagen 😀

  5. breakpoint sagt:

    Oh, oh, die Latte wird ja immer höher gelegt!

    Da muss ich mir wohl was ganz besonderes ausdenken, sollte ich mal nach Berlin kommen.

  6. Michi sagt:

    LOOOOL, auf so eine Idee muss man erstmal kommen 😀

  7. Sash sagt:

    @Knut:
    Ach. Er war nicht der erste und er wird nicht der letzte gewesen sein. Und gelegentlich ist das auch ganz ok. 🙂

    @breakpoint:
    Müsste ich mir langsam Sorgen machen?

  8. breakpoint sagt:

    @Sash
    Von mir hat du zumindest nichts zu befürchten, da auf absehbare Zeit kein Berlin-Besuch vorgesehen ist.
    Aber wer weiß schon, welche Ideen deine Fans und Groupies haben … ;-D

  9. MichaelG sagt:

    Heh, gib’s zu, auf diese € 19,20-dann-machen-wir-15-Geschichte bist du doch nicht reingefallen. Im Nachhinein fand ich sie auch ziemlich lame, das bekommst du bestimmt so oft zu hören wie der Bestatterweblogger die Frage nach dem Probeliegen im Sarg. Aber war ne schöne Fahrt 🙂

  10. […] neulich von mir nach Schöneweide hat bringen lassen – witzigerweise fast exakt zu der Adresse meines letzten kreativen Lesers. Der jedenfalls hat verkündet, dass er künftig am Ostbahnhof nach mir Ausschau halten würde, […]

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