Resolute Leser

Ich hatte ja schon viele lustige Touren, darunter auch viele lange. Als mich in Prenzl’berg ein Anruf ereilte, ob ich vielleicht gerade Zeit hätte, vom Bahnhof Friedrichstraße nach Falkensee zu fahren, freute ich mich dennoch ungemein. Dankbarer Gruß an entsprechenden Leser an dieser Stelle! 🙂

Was jedoch für mich auch neu war, war die erste Ansage:

„So, jetzt erstmal zum Hauptbahnhof. Da hol‘ ich mir’n Taxigutschein!“

Die Bahn hatte mal wieder Mist gebaut, soweit nichts neues. Dass das mit dem Gutschein so gut klappte, hat mich dennoch überrascht. Aber mein eigentlich recht gut gelaunter Kunde gab zu, diesbezüglich Profi zu sein. Und zwar mit allem, was dazugehört. Am Hauptbahnhof fragte er gleich noch:

„Soll ich besser gleich einen Teil zahlen – für den Fall, dass die mich festnehmen?“

Ich habe verzichtet. Und am Ende war es mit Wartezeit eine fast glatte 50€-Tour. Ich beschwere mich über gar nichts – aber ich selbst bin ja ohnehin nicht wirklich der Typ, der gerne irgendwo Stress macht. 🙂

Eine Frage der … na was eigentlich?

Ein Leser hat mir eine Frage gestellt, bei der die Antwort vielleicht nicht so eindeutig ist. Deswegen wollte ich sie hier einfach auch nochmal ansprechen:

Hi Sash,
ich lese schon lange bei dir im Blog mit und hätte nun auch mal eine „Taxi-Frage“, die du mir vielleicht beantworten kannst? 🙂

Und zwar war ich gestern in Düsseldorf beim Tourfinale der Toten Hosen. So 65.000-70.000 Leute müssen dort gewesen sein, und wie du dir vorstellen kannst, brach das Chaos aus, als auf einen Schlag alle Leute nach Hause wollten. Die U-Bahn fuhr zwar ununterbrochen, konnte aber die Massen an Menschen natürlich trotzdem nicht schnell genug abtransportieren. Kurz: Viele entschlossen sich, ein Taxi zu nehmen. Man muss dazu sagen, das Konzert fand im Stadion von Fortuna Düsseldorf statt, unmittelbar daneben die Messe Düsseldorf. Da gibt es eine eigene (lange) Zufahrt für Taxen, an deren Ende sich ein Stellplatz für Taxen befindet. Hier fuhren nun also gestern im Sekundentakt die besetzten Taxen weg, fast schon Silvester-Verhältnisse. Die meisten Leute haben sich dann entschieden, dass es an dieser Stelle zu lange dauert, ein Taxi zu bekommen, und sind daher die Zufahrt entlang „gewandert“, in der Hoffnung, unterwegs ein Taxi anhalten zu können oder eben einfach etwas abseits der Masse größere Chancen zu haben. Wobei wir auch hier noch von Hunderten Menschen sprechen, die die Taxi-Zufahrt entlang gepilgert sind.

Auf dieser Zufahrt fuhren also nun zum einen die Massen an besetzten Taxen, vom Stadion her kommend, ab. Gleichzeitig fuhren in der Gegenrichtung ständig „neue“, sprich leere Taxen zurück Richtung Stadion/Taxiplatz. Wir, und auch die meisten anderen Leute versuchten nun, auf der Zufahrt, also ein gutes Stück vom Taxiplatz entfernt, in eines dieser leeren Taxis einzusteigen, um dann Richtung Stadt zu fahren. Es weigerten sich aber fast ausnahmslos alle Fahrer, Leute aufzunehmen, also sprich, sie fuhren einfach mit Vollgas die Straße entlang, ohne auf Winker zu reagieren. Statt dessen fuhren sie den ganzen Weg bis zurück zum Stadion, um dort zu „laden“. Nur einige wenige Taxler erbarmten sich und nahmen bereits auf der Zufahrt Leute auf, um dann zu wenden und sich den anderen beladenen Taxen anzuschließen. Auch wir hatten nach dem x-ten Versuch Glück, einen netten Fahrer zu finden.

Meine Frage an dich jetzt: Kannst du mir dieses Verhalten erklären? Gibt es dafür vielleicht sogar eine gesetzliche Grundlage, dass in solchen Situationen nur am Taxiplatz Fahrgäste einsteigen dürfen? Oder hat das was mit dem Kodex unter Kollegen zu tun, dass die Taxen „der Reihe nach“ Fahrgäste aufnehmen sollen? Wobei bei diesem Ansturm wohl wirklich niemand zu kurz gekommen ist…

[…]

Meine erste Reaktion – und auch meine Mail-Antwort – war, kurz zusammengefasst:

„Vielleicht auch nichts von alledem: Für mich ist es auch die Frage: Will Ich die Leute bevorzugen, die sich in gewisser Weise vordrängeln?“

Das ist auch gar nicht so fies oder anklagend gemeint, wie es vielleicht klingen mag. Bei Großveranstaltungen ist das rasche Entfernen vom Ausgangspunkt ja nicht nur ein absichtliches Vordängeln, sondern auch ein notwendiger Schritt, um irgendwann mal überhaupt eine Art Ordnung zuzulassen. Außerdem ist es je nach Location auch eine Frage, inwiefern die entgegenlaufenden Fahrgäste sich jetzt z.B. noch „im Haltebereich“, bzw. „auf der Zufahrt“ befinden. Bei der O2-World z.B. nehme ich öfter mal Leute vorne an der Mühlenstraße mit, während ich bei der Einfahrt auf den Parkplatz niemals den Weg blockieren würde, bloß um jemanden 50 Meter vor dem Taxistand einzuladen.

Meine Antwort hat sich so gesehen eigentlich nur auf den direkten Zufahrtsweg beschränkt. Da halte ich das unplanmäßige Stoppen mitten auf der Straße – und da ergibt sich schnell ein Chaos, wenn erst ein, dann zwei, dann noch mehr Taxen „irgendwo“ angehalten werden – für zum einen unnötig kompliziert, zum anderen aber auch für wie oben erwähnt unfair. Da sind dann die die Dummen, die am Taxistand auf Taxen warten, während die schnellsten (und gerne dreistesten) belohnt werden.

Was mich im Nachhinein auch auf die andere Interpretation meines eigenen Verhaltens brachte, dass mir das vielleicht die subjektiv, und vielleicht durchschnittlich sogar objektiv, die eher unangenehmeren Fahrgäste sind.

Einen Kodex, dass bei so einem Ansturm der erste Kollege auch die erste Fahrt bekommen soll, erschließt sich mir nicht. Bei solchen Ereignissen, wo klar ist, dass jeder zumindest diese eine Tour kriegt, gerät das eh ein wenig aus den Fugen. Da ist Geschwindigkeit und halbwegs koordniertes Verhalten viel eher ein Kriterium.
Möglicherweise aber hat da doch die Stadt oder der Stadionbetreiber mitzureden, denn auch in der Taxiordnung Düsseldorf gibt es folgende Sätze unter §3:

(3) Im Interesse einer ordnungsgemäßen und bedarfsgerechten Verkehrsbedienung kann die Genehmigungsbehörde in Einzelfällen anordnen, daß Taxen an den für den öffentlichen Verkehr wichtigen Punkten zu bestimmten Zeiten bereitzustellen oder Fahrgäste nur im Bereich bestimmter Ladezonen aufzunehmen sind.

Und es würde mich nicht wundern, wenn dieses hier so ein Einzelfall war, in dem die Ladezone vorgeschrieben war. Am Ende bleibt: Sicher weiß ich es nicht, vielleicht kann ja ein Düsseldorfer Kollege zumindest bezüglich der Rechtslage helfen.

Ansonsten wären natürlich überhaupt die Gedanken von Kollegen interessant, warum sie in solchen Situationen welche Fahrgäste aufnehmen – oder eben nicht. Ich bin ja schließlich auch nur einer von vielen und kann nicht für alle sprechen …

Hunni Nummer 1

So langsam sind wir durch mit den Geschichten, die zur Entgegennahme von drei Hundertern am letzten Freitag geführt haben. Nur einer fehlt noch: der erste. Angefangen hat es wie die absolute Durchschnittstour an dem Abend. Da die S-Bahn zwischen Ostbahnhof und Ostkreuz ausgefallen war, sollte das genau mein Weg sein. Zu Hilfe kam mir ein Telefongespräch, das mein wenig auffälliger Fahrgast umgehend führte. Seine Frau oder Freundin erzählte ihm irgendwas von weiteren Schwierigkeiten ab Ostkreuz. Ich hab gehofft und gehofft, schließlich gab es auch einen Ersatzverkehr nach Erkner. Wenn er die Strecke jetzt mit dem Taxi fahren sollte … na, holla die Waldfee!

„Sagen Sie, was würde das denn kosten, wenn wir nach Erkner fahren?“

„So 40 bis 50 €. Nach Außerhalb ist Verhandlungssache, ich würde da aber gerne nach Uhr fahren.“

Und er nahm an. Yes!

Meine Freude war wirklich groß, das brauche ich Euch vermutlich nicht erklären. Mal eben 40 € sofort statt 9 €, ich hab schon wegen weniger Geld Blogeinträge geschrieben. 😉

Aber das sollte es nicht gewesen sein. Kaum zwei Minuten später folgte eine weitere Frage:

„Sagen Sie, kennen Sie Fürstenwalde?“

„Kennen? Naja. Ich war zweimal dort. Also ich weiß grob, wo’s ist.“

„Was würde es mich kosten, wenn wir dahin fahren?“

„Dann kommen wir in den dreistelligen Bereich. Hundert Euro fix.“

„Wenn Sie 80 machen, fahren wir hin.“

Das war alles andere als ein Superdeal. Wenn wir realistisch einfach mal den Schnitt betrachten, dann sind 80 € für 70 km (die Strecke über die Autobahn) eigentlich nicht drin. Das wäre allenfalls sinnvoll, wenn ich auf dem Rückweg gleich in Rahnsdorf Kundschaft gehabt hätte. Wovon nicht auszugehen war, da ich ebenfalls über die Autobahn zurückfahren wollte.

Aber ich hab angenommen. Ich hätte es wohl nicht getan, hätte er mich am Stand gleich gefragt. Aber nun saß er schon im Auto, ich wusste schon, dass es eine angenehme Fahrt werden würde. Außerdem hatte er klargestellt, dass es die Fahrt sonst gar nicht geben würde. Die beste Begründung für mein Einlenken hat er allerdings unbewusst ein paar Minuten später auf der Autobahn gegeben:

„Ich pendel seit 11 Jahren und das ist das erste Mal, dass ich Taxi fahre …“

Da hab ich keinen Dauerkunden mit Billigpreisen geködert, sondern aus einer einmaligen Fahrt nochmal ein Plus von 40 € rausgeholt. Das ist ok.

Für mich im Übrigen sowieso. Bei dem Thema laufen zwei Argumentationslinien durcheinander. Für mich als Fahrer hätten sich auch 60 € noch gelohnt. Denn die Fahrt hat mich keine zwei Stunden inkl. Rückfahrt gekostet. Und 30 € Stundenumsatz sind außerhalb Silvesters einfach hammergut, selbst an Tagen mit Bahnausfällen. Weniger lohnend war das vor allem für meine Chefs, weil die nun pro gefahrenem Kilometer einfach verdammt wenig Geld bekommen haben. Ein paar Rechenschritte überspringend sehe ich im Ergebnis für die Tour nur rund 25 ct/km für sie zur Verfügung, um das Auto zu unterhalten und (kleiner Scherz bei der Zahl) Gewinn fürs Unternehmen zu erwirtschaften, während es sonst eher 40 bis 45 ct sein dürften. Dauerhaft solche Fahrten und ich wäre arbeitslos. Aber, und das ist das Schöne daran: Als Ausnahme kann man das mal machen und sich über das Plus im eigenen Portemonnaie freuen. Deswegen bin ich froh, die Chefs zu haben, die ich habe. 🙂

Ach ja, um zur Fahrt zurückzukommen: Die wurde mir dann mit den „eisernen Reserven“ des Fahrgastes gezahlt, die er für Notfälle dabei hatte. Das Stadium, immer einen Hunni als Notfallgeld im Portemonnaie zu haben, möchte ich ja auch gerne mal erreichen. Was ich dann allerdings im Gegensatz zu meinem Fahrgast machen würde, ist Trinkgeld geben …

Kollegiales

Die mit weitem Abstand besten Taxikunden sind Taxifahrer. Daneben gilt:

Die mit weitem Abstand schlimmsten Taxikunden sind Taxifahrer.

Kommt halt immer drauf an. Ich merke an mir, wie sich die Einstellung zu einer Dienstleistung ändert. Ich fahre definitiv häufiger Taxi als vor meiner Zeit als Fahrer. Schon alleine, weil ich die Preise besser einschätzen kann und das Ganze nicht mehr so unheimlich und fremd ist. Ich gebe auch mehr Trinkgeld, weil ich ja weiß, wie sehr man sich darüber freut. Ich bin darüber hinaus ein wenig gelassener, weil ich weiß, an welchen Punkten der Job manchmal schwieriger als erwartet ist – da will man dann nicht noch der mäkelnde Kunde sein.

Aber: Ich bin auf der anderen Seite auch viel kritischer. Selbst, wenn ich das so gut wie nie wirklich ausspreche. Ich kann mich nur ungenau an die letzten drei Taxifahrten nach Hause erinnern, aber ich weiß verdammt nochmal, dass keiner der Fahrer den wirklich kürzesten Weg gefahren ist. Bei der Fahrt aus der City zu mir geht es da nur um eine Ecke, die macht auf der Uhr auch nur knapp 40 Cent aus, aber ich finde es erstaunlich, dass keiner auf die Idee kam, diese wohlbekannte Abkürzung zu nutzen. Einfach, weil ich es besser weiß. Und das ist irgendwie fast schon belastend. Denn an anderen Ecken kenne ich mich nicht so gut aus und hab das selbe wohl ebenso oft gemacht. Aber man denkt sich: „Falsch. Falsch! FALSCH!!!“

Entsprechend zwiespältig war meine Meinung demnach, als mein Tagfahrer mich gefragt hat, ob ich ihn nicht zum Flughafen fahren würde, wenn er in den Urlaub reist. Zumal er den Job ja noch länger macht und bei Bedarf sicher genug zu meckern hätte. Auf der anderen Seite kenne ich ihn ja – das ist immer gut – und als Gesprächsthema bot sich schon alleine die 1925 an, die von einem Tag auf den anderen plötzlich anfing, Zicken zu machen. So gesehen hab ich’s gern gemacht, ich hätte es auch ohne Bezahlung getan. Ist natürlich der erste Gedanke, wenn man einem Kollegen helfen kann.

(Kleiner Einschub: Das ist immer völlig kurios bei bekannten Kollegen. Als Fahrgast will man immer bezahlen, als Fahrer kein Geld dafür haben. Das artet oft in ziemlich sinnfreie Überredungsversuche in alle Richtungen aus. Aber so ist es halt: Als Kunde zahle ich selbstverständlich – und auch mit Trinkgeld – gerade, wenn ich das Glück hab, einen bekannten Kollegen zu erwischen. Als Fahrer bin ich mit Bekannten einfach nicht so wirklich geschäftlich unterwegs, sondern halb privat, also warum sollte ich Geld verlangen oder auch noch Trinkgeld annehmen? Beides verständlich, nur eben sehr kontraproduktiv.)

Und mein Tagfahrer hatte längst die Taxikosten in seine Reise eingepreist, also hab ich mich nicht gewehrt. Zumal er ja auch Samstag morgens fahren wollte, DIE Zeit schlechthin für guten Umsatz. Da sind 35 € mehr oder weniger schon so eine Sache.

Kurz gesagt: Ich hab es gemacht und es war eine überaus angenehme und problemlose Fahrt – und damit ein gutes Sahnehäubchen auf einer eigentlich schon ganz brauchbaren Schicht. Selbst wenn mein Tagfahrer und ich sicher nicht in allem übereinstimmen – er ist ein netter Kerl und ich kann nur einmal mehr darum bitten, nicht ihm das Leben schwer zu machen, nur weil er das gleiche Auto fährt wie ich.

Ich werde ihn auch auf dem Rückweg abholen – immerhin sind bestellte Touren in Schönefeld ja möglich – und ich freue mich drauf. Auch wenn Taxifahrer die schlimmsten Taxikunden sind. Schließlich sind Taxifahrer auch mit weitem Abstand die besten Kunden im Taxi, wie eingangs erwähnt …

JWD-Warten

Die letzte Woche lief umsatzmäßig irgendwie nicht so richtig. Das ganze Wochenende hab ich durchschnittlich gefühlt eine Stunde auf jede Fahrt gewartet. Realistisch wird’s immer noch eine halbe gewesen sein. Und dann kamen Touren zwischen 4,40 € und 11,20 € dabei raus – also zumindest mal nichts, was die Zeit wieder ausgleicht. So gesehen war ich dann außerordentlich erfreut, dass zwei Mädels eingestiegen sind und vom Ostbahnhof bis nach Tempelhof gebracht werden wollten. Immerhin mal so 15 bis 18 €!

Über die Fahrt gibt es auch gar nicht viel zu sagen, es war die durchschnittlichste Durchschnittstour mit unspektakulärem Smalltalk, mittelprächtigem Trinkgeld und langweiligen Verkehrsbedingungen. Nur solche Touren, dann wäre GNIT tot.

Aber das Leben ist ja bekanntlich eines der tollsten, so bekam ich auf dem Rückweg nach nur wenigen Metern Winker. Vier Jungs um die 25, und obwohl zweifelsfrei angetrunken sehr angenehme Kundschaft. Nicht nur erträglich, sondern sogar nett und im Gegensatz zu vielen Betrunkenen sogar ohne nervige Stammtisch-Niveau-Diskussionen.
Sie fragten mich, ob es ein Problem wäre, wenn wir an drei Adressen halten würden, zumal es – ach wie schlimm! – am Ende sogar bis nach Großbeeren rausgehen würde. Na, holla die Waldfee! Ich war schon verzückt, ohne zu wissen, dass das am Ende tatsächlich eine 30€-Tour werden würde. Schließlich kenne ich mich im Berliner Umland allenfalls ein bisschen besser aus als in London. Was wohl daran liegt, dass ich in London noch gar nicht und im Berliner Umland nur recht selten war.

Einen nach dem anderen hab ich die Jungs in den südlichen Stadtteilen rausgelassen, bis mein Beifahrer letztlich alleine bei mir saß und mir den Weg nach Großbeeren wies. Freiwillig. Ich hätte das Navi ja angeschmissen, aber er wollte mir die Strecke gerne zeigen. Seine gute Laune war leicht getrübt, denn er war rund eine Stunde später unterwegs als erwartet und er fürchtete, dass seine Freundin ihm das nicht so ohne weiteres durchgehen lassen würde …
Das aber war nicht das Einzige. Noch dazu hatte er kein Geld dabei, das würde ich erst bekommen, wenn er sich mit einem Kumpel trifft, der – warum auch immer – im Besitz seiner Bankkarte sei. Aha. Im Gegensatz zu vielen Kollegen finde ich sowas zwar mitunter erstaunlich und komisch, nicht aber schlimm.

Das Ganze verzögerte sich noch, weil der Kumpel uns wohl irgendwie entgegenfuhr, am Ende warteten wir vor der Bank im Ort. Der Heils- und Geldbringer sollte gleich kommen, also lehnte ich mich zurück. Die Uhr stand mittlerweile bei 29 € und ich sah dem Kommenden relaxt entgegen. Noch zwei bis drei Minuten Wartezeit – besser als alles, was zeitgleich in Berlin passierte, da war ich mir sicher. Und dann:

„Willste die Uhr nicht mal ausmachen?“

Trotz dieser über alle Maßen lukrativen Tour bin ich da ein bisschen allergisch. Ich werde nur nach Umsatz bezahlt und in der Zeit, in der ich nicht bezahlt werde, möchte ich machen können, was ich will. Inklusive lauter Musik, rumcruisen oder gepflegt einen Furz in die Sitzpolster drücken. Was ich natürlich nicht mache, wenn Kundschaft anwesend ist.

(Wobei einige insbesondere letzteres durchaus verdient hätten 😉 )

Auf der anderen Seite war er halt bislang auch wirklich nett, eine Minute warten ist eh umsonst und zwei weitere würden ohnehin nur knapp einen Euro bringen. Allerdings, so muss ich auch anmerken: Ein Preis knapp über 30 € wäre schon gut gewesen, schließlich fällt da eine psychologische Barriere beim Trinkgeld. Von 29 rundet es sich eben leicht auf 30 auf, bei 30,80 € dürfte der Durchschnitt wesentlich höher liegen. Aber hatte ich schon erwähnt, dass ich einen netten Fahrgast hatte?

„Und mach Dir mal keinen Kopp. Du kriegst sowieso 35 € von mir. Den Fünfer Trinkgeld kannste gleich haben – und mein Kumpel is‘ in zwei Minuten hier!“

Mir ging’s gut genug, um es auf einen Test ankommen zu lassen. Ich hab die Uhr bei 29,20 € gestoppt, auf die Uhr geschaut und den Fünfer einkassiert. Zwei Minuten später war der Kumpel da, nach einem kurzen Bankbesuch von unter einer Minute auch das Geld. Auch hier natürlich glatte 30 €.

Unter den Umständen kann man natürlich über alles reden. 🙂

Flughafentarif

„Was kostet es denn bis zum Flughafen Schönefeld?“

„Von hier fast punktgenau 30 €. Es sei denn, sie bevorzugen eine besondere Strecke.“

„Also mehr als 30 €.“

„Nicht unbedingt. Ich schaff’s für unter 28 €, aber ich würde ihnen den Weg für 30 € über die Autobahn nahelegen. Meist ist es zum Flughafen ja dann doch eher eilig, oder?“

„Sagen wir 20!“

„Tut mir leid, das ist nicht verhandelbar.“

„Aber Sie sagen doch selbst, dass es mal so und mal so kostet …“

„Ja, je nachdem, welche Strecke ich fahre. Aber eine so kurze gibt es wirklich nicht – das wüsste ich, glauben Sie mir bitte.“

„Aber nachher sind das 40 € und so viel hab ich nicht mehr dabei.“

„Ich habe doch gar nichts von 40 € gesagt. Ich sagte 30.“

„Ja, Sie können mir ja sonstwas erzählen.“

„Auf dem Gebiet kenne ich mich halt aus.“

„Glauben Sie, ich wüsste nicht, wie das hier läuft!?“

Ich hab’s ja vor Spannung kaum aushalten können, was jetzt kommt. -.-

„Sie nennen mir hier jetzt irgendwelche Fantasiebeträge und am Ende zahle ich dann mehr und kann gar nichts dagegen machen. Eigentlich müssten Sie mich zum Flughafentarif befördern, aber das behalten Sie ja schön für sich, weil ich nur ein dummer Tourist bin!“

Und was ich in dem Moment nicht alles für mich behalten habe, weil er ein „dummer Tourist“ war …
Ein Flughafentarif war da aber nicht dabei.

„Tut mir leid, wir haben keinen Flughafentarif. Die Fahrt kostet um die 30 €. Kleinere Schwankungen kommen schon mal vor, das lässt sich nicht vermeiden. Auf 40 € kommen wir aber sicher nicht.“

„Ich hab auch keine 40 €!“

So langsam ist mir der Typ ein bisschen auf den Zeiger gegangen. Ganz offensichtlich gab es bei der Sache überhaupt kein Problem, nur wollte er unbedingt eines haben. Hinter mir war ein Kollege aufmerksam auf die Situation geworden und fragte, was denn los sei.

„Ich möchte nach Schönefeld und dieser Fahrer hier möchte nicht nach dem Flughafentarif fahren! Was kostet die Fahrt nach Schönefeld denn bei Ihnen?“

„Zwo’ndreißich.“

„Ist das der Flughafentarif?“

„Wie sie wollen, Meister …“

„Na endlich mal einer, mit dem man reden kann hier!“

Und dann ist er wirklich bei dem Kollegen eingestiegen. Und der ist dann – das kann ich ihm echt nur wünschen – wahrscheinlich für 32 € übers Adlergestell „immer geradeaus“ auf dem längsten irgendwie noch halbwegs vertretbaren Weg nach Schönefeld gefahren. Mir hat es nicht einmal um die gute Fahrt leid getan, man muss sich auch für Geld nicht alles antun.

Und der Flughafentarif ist jetzt also 32 €, was besser ist als 28 bis 30 – insbesondere für Kunden, die keine 40 € mehr haben.

Es heißt nicht ohne Grund „Bekloppte, euer Bus fährt!“. Fürs Taxi ist der ein oder andere da draußen offenbar schon zu bekloppt.