Eine Frage der … na was eigentlich?

Ein Leser hat mir eine Frage gestellt, bei der die Antwort vielleicht nicht so eindeutig ist. Deswegen wollte ich sie hier einfach auch nochmal ansprechen:

Hi Sash,
ich lese schon lange bei dir im Blog mit und hätte nun auch mal eine „Taxi-Frage“, die du mir vielleicht beantworten kannst? 🙂

Und zwar war ich gestern in Düsseldorf beim Tourfinale der Toten Hosen. So 65.000-70.000 Leute müssen dort gewesen sein, und wie du dir vorstellen kannst, brach das Chaos aus, als auf einen Schlag alle Leute nach Hause wollten. Die U-Bahn fuhr zwar ununterbrochen, konnte aber die Massen an Menschen natürlich trotzdem nicht schnell genug abtransportieren. Kurz: Viele entschlossen sich, ein Taxi zu nehmen. Man muss dazu sagen, das Konzert fand im Stadion von Fortuna Düsseldorf statt, unmittelbar daneben die Messe Düsseldorf. Da gibt es eine eigene (lange) Zufahrt für Taxen, an deren Ende sich ein Stellplatz für Taxen befindet. Hier fuhren nun also gestern im Sekundentakt die besetzten Taxen weg, fast schon Silvester-Verhältnisse. Die meisten Leute haben sich dann entschieden, dass es an dieser Stelle zu lange dauert, ein Taxi zu bekommen, und sind daher die Zufahrt entlang „gewandert“, in der Hoffnung, unterwegs ein Taxi anhalten zu können oder eben einfach etwas abseits der Masse größere Chancen zu haben. Wobei wir auch hier noch von Hunderten Menschen sprechen, die die Taxi-Zufahrt entlang gepilgert sind.

Auf dieser Zufahrt fuhren also nun zum einen die Massen an besetzten Taxen, vom Stadion her kommend, ab. Gleichzeitig fuhren in der Gegenrichtung ständig „neue“, sprich leere Taxen zurück Richtung Stadion/Taxiplatz. Wir, und auch die meisten anderen Leute versuchten nun, auf der Zufahrt, also ein gutes Stück vom Taxiplatz entfernt, in eines dieser leeren Taxis einzusteigen, um dann Richtung Stadt zu fahren. Es weigerten sich aber fast ausnahmslos alle Fahrer, Leute aufzunehmen, also sprich, sie fuhren einfach mit Vollgas die Straße entlang, ohne auf Winker zu reagieren. Statt dessen fuhren sie den ganzen Weg bis zurück zum Stadion, um dort zu „laden“. Nur einige wenige Taxler erbarmten sich und nahmen bereits auf der Zufahrt Leute auf, um dann zu wenden und sich den anderen beladenen Taxen anzuschließen. Auch wir hatten nach dem x-ten Versuch Glück, einen netten Fahrer zu finden.

Meine Frage an dich jetzt: Kannst du mir dieses Verhalten erklären? Gibt es dafür vielleicht sogar eine gesetzliche Grundlage, dass in solchen Situationen nur am Taxiplatz Fahrgäste einsteigen dürfen? Oder hat das was mit dem Kodex unter Kollegen zu tun, dass die Taxen „der Reihe nach“ Fahrgäste aufnehmen sollen? Wobei bei diesem Ansturm wohl wirklich niemand zu kurz gekommen ist…

[…]

Meine erste Reaktion – und auch meine Mail-Antwort – war, kurz zusammengefasst:

„Vielleicht auch nichts von alledem: Für mich ist es auch die Frage: Will Ich die Leute bevorzugen, die sich in gewisser Weise vordrängeln?“

Das ist auch gar nicht so fies oder anklagend gemeint, wie es vielleicht klingen mag. Bei Großveranstaltungen ist das rasche Entfernen vom Ausgangspunkt ja nicht nur ein absichtliches Vordängeln, sondern auch ein notwendiger Schritt, um irgendwann mal überhaupt eine Art Ordnung zuzulassen. Außerdem ist es je nach Location auch eine Frage, inwiefern die entgegenlaufenden Fahrgäste sich jetzt z.B. noch „im Haltebereich“, bzw. „auf der Zufahrt“ befinden. Bei der O2-World z.B. nehme ich öfter mal Leute vorne an der Mühlenstraße mit, während ich bei der Einfahrt auf den Parkplatz niemals den Weg blockieren würde, bloß um jemanden 50 Meter vor dem Taxistand einzuladen.

Meine Antwort hat sich so gesehen eigentlich nur auf den direkten Zufahrtsweg beschränkt. Da halte ich das unplanmäßige Stoppen mitten auf der Straße – und da ergibt sich schnell ein Chaos, wenn erst ein, dann zwei, dann noch mehr Taxen „irgendwo“ angehalten werden – für zum einen unnötig kompliziert, zum anderen aber auch für wie oben erwähnt unfair. Da sind dann die die Dummen, die am Taxistand auf Taxen warten, während die schnellsten (und gerne dreistesten) belohnt werden.

Was mich im Nachhinein auch auf die andere Interpretation meines eigenen Verhaltens brachte, dass mir das vielleicht die subjektiv, und vielleicht durchschnittlich sogar objektiv, die eher unangenehmeren Fahrgäste sind.

Einen Kodex, dass bei so einem Ansturm der erste Kollege auch die erste Fahrt bekommen soll, erschließt sich mir nicht. Bei solchen Ereignissen, wo klar ist, dass jeder zumindest diese eine Tour kriegt, gerät das eh ein wenig aus den Fugen. Da ist Geschwindigkeit und halbwegs koordniertes Verhalten viel eher ein Kriterium.
Möglicherweise aber hat da doch die Stadt oder der Stadionbetreiber mitzureden, denn auch in der Taxiordnung Düsseldorf gibt es folgende Sätze unter §3:

(3) Im Interesse einer ordnungsgemäßen und bedarfsgerechten Verkehrsbedienung kann die Genehmigungsbehörde in Einzelfällen anordnen, daß Taxen an den für den öffentlichen Verkehr wichtigen Punkten zu bestimmten Zeiten bereitzustellen oder Fahrgäste nur im Bereich bestimmter Ladezonen aufzunehmen sind.

Und es würde mich nicht wundern, wenn dieses hier so ein Einzelfall war, in dem die Ladezone vorgeschrieben war. Am Ende bleibt: Sicher weiß ich es nicht, vielleicht kann ja ein Düsseldorfer Kollege zumindest bezüglich der Rechtslage helfen.

Ansonsten wären natürlich überhaupt die Gedanken von Kollegen interessant, warum sie in solchen Situationen welche Fahrgäste aufnehmen – oder eben nicht. Ich bin ja schließlich auch nur einer von vielen und kann nicht für alle sprechen …

19 Kommentare bis “Eine Frage der … na was eigentlich?”

  1. Morgis sagt:

    So wie sich mir die Sachlage darstellt wäre ich sicher auch bis zum Stand gefahren. Denn wenn die Zu- und Abfahrt ein Weg ist müsste ich entweder eh wieder bis zum Stand fahren um dort zu drehen oder ich drehe an Ort und Stelle und blockiere damit die abfahrenden Taxen die vom Stand kommen. Das wäre aber unkollegial und führt nur zu noch mehr Chaos. Dann kann ich auch gleich zum Stand vorfahren und die dortigen Fahrgäste aufnehmen.

  2. hrhrurur sagt:

    Ich kenn die örtlichen Begebenheiten nicht und bin ja auch kein Taxifahrer, aber mein erster Gedanke war „damit es keinen Stau gibt“

  3. Jan sagt:

    Ich finde die Fragestellung an sich schon unmöglich.
    „Es weigerten sich aber fast ausnahmslos alle Fahrer, Leute aufzunehmen, also sprich, sie fuhren einfach mit Vollgas die Straße entlang, ohne auf Winker zu reagieren.“
    Das klingt ja nach ganz gemeinen Taxifahrern, die einfach so nicht anhalten.
    Ich kenne solche Situationen selber gut genug. Von Messen, von Konzerten etc. Und ich bin einer der „Dummen“, die sich dann zum Taxistand begeben, um nach Hause zu kommen. Und glaube mir, lieber Fragesteller, da will ich genau so dringend hin, wie Du. Während sich also – vermutlich – der Großteil der Leute korrekt, fair und gesellschaftsverträglich benimmt und einfach an einer bestimmten Stelle wartet, bis man selber halt dran ist ein freies Taxi zu nehmen, halten sich einige Menschen einfach immer für besonders clever und nehmen eben diesem Großteil der Anwesenden freie Taxis weg. Das ist in meinen Augen nicht clever sondern einfach unfreundlich und nicht besonders umsichtig oder sozial.
    Ich bin jedem Taxifahrer, der diese Leute am Straßenrand ignoriert und bis zur Ladezone durchfährt sehr, sehr dankbar. Ich will ja auch nach Hause und wie Sash schon sagte – wahrscheinlich sind die Leute, die brav warten auch nicht die schlechteren Fahrgäste als die, die sich selber scheinbar etwas wichtiger finden.
    Im Grunde ist dieses vermeintlich raffinierte Verhalten von Einzelnen immer etwas, das zu Lasten der Allgemeinheit geht. Das sind dann auch die Leute, die an einer vollen Abbiegerspur vorbei fahren und sich dann ganz vorne reindrängeln, die bei zwei offenen Kassen im McDonalds sich nicht an die eine, gemeinsame Schlange stellen, sondern frech an allen vorbei bis zur zweiten Kasse gehen und sich wahrscheinlich noch über die vermeintliche Dummheit der anderen freuen. Studien haben ergeben, dass es die schnellste Möglichkeit ist, eine große Menge Menschen in Supermärkten durch die Kassen zu bringen, wenn sich alle in einer langen Reihe anstellen und somit jeder genau dann dran ist, wenn der Kunde, der vor ihm gekommen ist, bedient wurde und kurz bevor der Kunde, der direkt nach ihm gekommen ist, als nächster dran sein wird. Diese Lösung ist also nicht nur die schnellste, sondern auch die fairste! Wenn man einfach mal sein eigenes Wohl hinter das Wohl der Gemeinschaft zurück stellt, kommt dabei oft die beste Lösung für alle heraus.

  4. hartmut sagt:

    @Jan dieses „eine gemeinsame Schlange für alle Kassen“ Ding ist eines der wenigen wo uns die USofA eindeutig überlegen sind …

    Zwei andere Dinge wären „Color Coded Curbs“ (‚Darf ich hier parken?‘ an Hand der Farbe der Bordsteinkante entscheidbar) und Name der Querstraße an Kreuzungen als großes Schild mitten über die Kreuzung gehängt statt unserer Mini-Beschilderung an den Ecken (wenn überhaupt) …

    Ansonsten ist das Land dort relativ verquer, und mehr als drei Dinge die dort besser funktionieren wollen mir zZ. auch beim besten Willen nicht einfallen 😮

  5. Jan sagt:

    @Hartmut: Ich bin dazu noch ein großer Fan der HOV Lanes auf den Highways (Extra Fahrspuren, die nur von Autos mit mehr als 2 oder 3 Personen und Motorrädern benutzt werden dürfen). Da fährt es sich so herrlich entspannt am Stau der Großstädte vorbei. 🙂

  6. sb sagt:

    Auch meine Erfahrung ist es, dass es mit einer Schlange und Ladezone (so sich alle daran halten) weniger chaotisch, schneller und übersichtlicher (daher auch weniger unfallanfällig) hergeht. Was manchmal nervt, ist die schlechte Ausschilderung bzw. nicht unbedingt einsichtige (da mit – grundlos? -weiten Fußwgen verbundene) Anordnung dieser Ladezonen.

  7. Jens sagt:

    Vielleicht gibt es in Düsseldorf ja unterschiedliche Tarife für Fahrten vom Stand aus und Fahrten mit Winkern.
    Ansonsten würde für mich auch Gedanke, dieses „Vordrängeln“ nicht zu unterstützen Sinn machen.

  8. Ingmar sagt:

    Ich sehe das ähnlich wie Jan… das ganze ist nicht nur unfair gegenüber anderen Kollegen, die sich einreihen und -wenn auch nur kurz- auf Fahrgäste warten, sondern auch gegenüber den anderen Fahrgästen, die für ein Taxi Schlange stehen müssen. Das ist dann ein bisschen wie mit dem Reißverschlussverfahren… würden sich einfach alle dran halten, würde es einigermaßen super funktionieren, auch wenn Dennis mit seinem tiefergelegten Golf 3 mal jemanden vorlassen müsste, anstatt mit seinem Verhalten noch einen wesentlich längeren Stau zu verursachen und im Gegenzug 1,5 Sekunden zu gewinnen. Da ich allerdings die Erfahrung gemacht habe, dass es bei vielen Kollegen mit dem Sozialen nicht so wahnsinnig weit her ist, habe ich allerdings eine andere Theorie, warum viele nicht angehalten haben und lieber in die Schlange gefahren sind.
    Häufig stellen sich gerade Leute, die nur mal kurz um die Ecke möchten an die Straße und winken einen Kollegen heraus, anstatt ihm (nett gemeint) den ersten Platz für eine 6,50€-Tour zu nehmen. Da nimmt man doch lieber eine 5-minütige Wartezeit in Kauf und fährt dafür eine 27,80€-Tour.

  9. koma sagt:

    „Was mich im Nachhinein auch auf die andere Interpretation meines eigenen Verhaltens brachte, dass mir das vielleicht die subjektiv, und vielleicht durchschnittlich sogar objektiv, die eher unangenehmeren Fahrgäste sind.“

    Das kann ich definitiv bestätigen, je hektischer und weiter in der Straße stehend die Leute winken, desto stressiger sind die Fahrgäste im allgemeinen, deswegen suche ich mir in größeren wartenden Gruppen eigentlich immer die „brav“ dastehenden, die einfach nur die Hand heben.

  10. Taxi 123 sagt:

    Aus der Beschreibung würde ich auch auf eine gemeinsame Straße schließen und davon ausgehen, daß jedes frühere Laden und dann Wenden das Chaos noch vergrößert. Bei uns gibt/gab es zudem noch die ungeschriebene Regel, daß in Sichtweite vom Halteplatz nicht eingeladen wird.

  11. Nick sagt:

    Dazu hab ich auch noch 2 Erlebnisse:

    Einmal TXL, Abends zurück von einer Geschäftsreise, der ganze Ring bei den Bussen und bei den Taxis voll.
    Alles bewegt sich nur noch in Meterschritten. Taxi(menschen)schlange riesengross.
    Also bin ich auch vor zum Saatwinkler Damm (die erste Querstrasse) und habe mir ein Taxi rangewunken.

    Einmal SXF, Umleitung wegen Gewitter über TXL. 2Uhr nachts, keine Taxis da (da keiner mit den umgeleiteten Maschinen gerechnet hat), Schlange auch wieder gross.
    Also bin ich auch wieder zur nächsten Querstrasse gegangen, aber die vereinzelten Taxis haben auch keine Winker zugelassen. Also Taxi bestellt, 4min später war es da.

    Das sind sicherlich noch etwas speziellere Fälle, aber ich muss ganz ehrlich sagen: den letzten beissen die Hunde.
    Solange es den Taxifluss nicht stört, oder ich mich nicht wirklich in der Schlange vordrängle, sehe ich das „einen Schritt weiter denken“ auch nicht als unsozial.
    Ich unterstelle jetzt mal, dass die meisten Leute, die weiter in der Schlange stehen, dort nicht weiter stehen bleiben um keinem das Taxi wegzunehmen, sondern weil sie zu faul sind weiter zu laufen, oder es einfach nicht besser wissen.
    Denn in anderen Lebensphasen erlebt man auch zum grösseren Teil, dass sich jeder selbst der Nächste ist.
    Wenn ich in Berlin nicht mal aus der Bahn steigen kann, ohne, dass die Einsteigenden mich fast wieder reindrücken, wage ich zu bezweifeln, dass diese Leute mir kein Taxi wegnehmen würden, wenn sie könnten.

    just my 2 cents

  12. Klaus sagt:

    Ich finde es auch gut, wenn die Taxen zur Halte vorfahren. Das mit dem Reisvershluss ist eine gute Analogie.

    @Nick:
    Die Erläuterung klingt nach „Die anderen sind auch Arschlöcher. Nur nicht so schlaue.“. Klar. Wer will sich selbst schon in einem schlechten Licht sehen.
    Die geschilderte „Problemlösung“ finde ich übrigens okay. Wenn man zur nächsten Querstrasse geht, ist man nicht mehr an der Zufahrt. Würde ich vielleicht auch so machen. Ist imho etwas Anderes als das im Beitrag geschilderte Vorgehen.

  13. mathematikos sagt:

    hello!
    zu den deutschen gepflogenheiten kann ich mich nicht fachkundig äußern.
    bei uns in der steiermärkischen provinz ist es so, daß wir bei großereignissen keine standplatzpflicht haben. wir dürfen daher stehen, wo wir es nicht expliziter polizeilicher weisen entgegen tun, auch dürfen wir nicht die sicherheit, flüssigkeit und leichtigkeit des übrigen verkehrs beeinträchtigen. der fahrgast darf laut betriebsordnung grundsätzlich jeden wagen aus der reihe wählen, desgleichen dürfen wir jederzeit winker (offiziell im tarifgebiet, aber das wird nicht so genau genommen) aufnehmen. ich denke mir schon, daß eine metropole wie etwa berlin da eigene regelungen braucht und auch hat.

  14. Nick sagt:

    @Klaus:
    Ich habe kein Problem damit, mich in einem schlechten Licht zu sehen.
    Das bedeutet im Umkehrschluss, dass alle, die an der Taxischlange warten, das nur tun, damit keiner unnötig benachteiligt wird.
    Wenn das wirklich so ist, bin ich froh, dass der Grossteil der Menschen doch nicht so rücksichtlos ist, wie die Erfahrungswerte aus dem täglichen Leben es glauben lassen.

  15. Aro sagt:

    Ich gehöre auch zu den gemeinen Taxifahrern, die sich bei Messen und Konzerten erst bis zum Halteplatz durchschlagen, um dort erst zu laden. Deshalb mache ich auf der Zufahrt dann auch die Fackel aus, damit ich auf dem Weg nicht „frei“ bin.

    Ich habe dafür gleich mehrere Gründe:
    1. In der Regel ist es dort schon recht chaotisch und wenn dann noch ständig welche stoppen, laden und wenden, dann kann es schnell zum Unfall kommen.
    2. Ich mag keine Vordrängler.
    3. Die am längsten gewartet haben, sind am dankbarsten 😀
    4. Die vorne winken, wollen vielleicht auch nur ’ne Kurzstrecke. Und die kriegen sie am regulären Taxistand nicht.

  16. Jan sagt:

    @Nick:
    Ich glaube ehrlich gesagt auch, dass Du Dein Verhalten da etwas glorifizierst bzw. das der anderen schlecht machst.
    „Ich unterstelle jetzt mal, dass die meisten Leute, die weiter in der Schlange stehen, dort nicht weiter stehen bleiben um keinem das Taxi wegzunehmen, sondern weil sie zu faul sind weiter zu laufen, oder es einfach nicht besser wissen.“
    Diese Unterstellung halte ich für Blödsinn. Das zeugt ja von einem sehr negativen Menschenbild.
    Ich z.B. bin sportlich durchaus fit und auch mit dem Umfeld im Normalfall vertraut genug, als dass ich schnell zu einem anderen Ort laufen könnte.
    Wenn Du unbedingt eine Vorzugsbehandlung haben möchtest, dann bestell Dir doch ein Taxi.
    Würden alle diese grandiose Weisheit „Den letzten beissen die Hunde“ als Lebensmotto haben, hätten wir sicherlich viel Spaß. Zumal dann ja auch alle mit Dir zur nächsten Querstraße laufen würden, wo dann das gleiche Problem enstünde, nur eben etwas weiter vorne.
    Ich werde Dich nicht bekehren können. Ich möchte mir nur das Recht heraus nehmen, Dir zu sagen, dass mir das Verhalten von Leuten wie Dir nicht gefällt. Eben weil sie der Meinung sind, besonders clever zu sein und dabei scheinbar keinerlei Unrechtsbewusstsein haben. Du sorgst damit für Dich für eine Verbesserung der Situation, nimmst aber in Kauf, dass die Situation der Gesamtheit sich dadurch verschlechtert.
    Das ist das gleiche Prinzip, das auch gerade zum Organspendeskandal geführt hat. Einige wenige waren der Meinung, cleverer zu sein als die Gesamtheit und sich einen Vorteil verschaffen zu können. Die Folgen sind bekannt.
    Es ist in meinen Augen nicht cool oder clever, Regeln zu umgehen – und sei es noch so geschickt. Regeln sind manchmal einfach nur unerlässlich, um ein System – welcher Art auch immer – optimal am Laufen zu halten.

  17. Dom sagt:

    Also ich als Düsseldorfer und regelmäßiger Stadionbesucher (natürlich auch am Samstag bei dem grandiosen Konzert der Hosen) kann eins dazu sagen. Dieses „Verhalten“ der Taxifahrer ist bei allen Veranstalltungen so. Und es ist absolut richtig. Die An- udn Abfahrt vom Stadion läuft über die selbe Straße (also am Ende gibt es einen Wenderhammer an der auch die Ladezone ist).

    Wenn vorher Leute einsteigen in die Taxis ist es für diese nahezu unmöglich auf der Straße zu wenden weil im Gegenverkehr die abfahrenden Taxis zweispurig fahren. Ansonst müssten die besetzten Taxis bis zum Wendehammer fahren und dann würden sie hinter den leeren Kollegen dumm rumstehen.

    Ich weiß nicht genau ob die Taxiordnung das regelt aber ich kann es mir sehr gut vorstellen. Ich werde aber versuchen das bei meiner nächsten Taxifahrt in Erfahrung zu bringen.

    Eine kleine Anmerkung noch:
    Am Samstag (und auch Freitag) waren ca 45.000 Besucher im Stadion. Mehr gibt die Esprit-Arena bei diesem Bühnenaufbau nicht her 😉

    Gruß Dom aus Düsseldorf

    Post Scriptum: Mir fällt grade ein das es ja auch noch einen zweiten Zufahrtsweg gibt vom Rhein her. Dort fahren fast nur bestellte Taxis für den VIP-Club drüber an. Achja mit dem Fahrrad am Rhein entlang ist eh der schönste Anfahrtsweg <3

  18. Nick sagt:

    @Jan:
    Auch wenn es schwierig ist jemandem zu antworten, der ein Laufen zur Querstrasse mit dem Organspendeskandal gleichsetzt (oder vergleicht) und mir in Folge dessen pauschal kein Unrechtsbewusstsein unterstellt, versuche ich es.
    Faulheit hat nichts mit mangelnden sportlichen Fähigkeiten zu tun und ein Taxi habe ich mir beim zweiten mal bestellt, wie du siehst.
    Deine Einstellung ist einerseits löblich, andererseits aber auch sehr naiv.
    Nach deinem Ermessen, dürftest du dann mit dem in der Schlange „erwarteten“ Taxi auch keine besonders weite Strecke fahren, da du damit verhinderst, dass der Taxifahrer schnell wieder neu laden kann und du somit den Menschen in der Schlange einen Nachteil in Form einer längeren Wartezeit bringst.
    Aber wie gesagt, würde man die Leute in der Schlange fragen, wieso sie nicht zur Querstrasse laufen, möchte ich fast meine linke Niere darauf verwetten, dass die Antwort nicht „weil ich sonst jemandem das Taxi wegnehme“ ist (zumindest nicht bei mehr als 20%).
    Besonders, da ich gerade den vergleich zwischen 2 Ländern habe, fällt mir auf wie abgekühlt der Grossteil in Deutschland in täglichen Lebenssituationen inzwischen geworden ist (oder zumindest in Berlin).

    Aber wie gesagt, ich kann gut damit Leben, wenn ich am Ende der Buhmann bin und alle anderen die rücksichtsvollsten und selbstlosesten Menschen der Welt.
    Ich werde aber das Gefühl nicht los, dass, wenn ich in einigen Situationen die Menschen so einschätzen würde, ich am Ende der wäre, der im Nachteil ist.
    Und solange keiner daran stirbt, das eine Taxi nicht bekommen zu haben, kann ich mich mit meinem offensichtlich nicht vorhandenen Unrechtsbewusstsein gut arrangieren.

  19. Sphen sagt:

    Ich als Taxizentralist kann ja mal aus meiner Sicht berichten, wie Großveranstaltungen (ok was halt ne Großveranstaltung in ner Stadt mit 25.000 Einwohnern ist) abläuft. Als Hinweis: es gibt bei uns keine Gemeinsame Taxi-Zentrale, jedes Unternehmen hat seine Eigene.
    Bei den Meisten Veranstaltungen gibt es einen Taxi-Stand.
    Ich nehme als Beispiel grundsätzlich keine Bestellungen auf Namen bei so Veranstaltungen an, da dies nie, aber wirklich nie, funktioniert, ich sende einfach freie Fahrer dort hin, und sage den Leuten, sie sollen sich gefälligst an den Stand stellen. Es ist ganz einfach so, das es viel schneller geht, wenn nur eine Stelle (also der Stand) anzufahren ist, man kann dort hin, Leute ins auto, und wieder weg. „Winker“ an der Straße zum Stand dauern länger, und sind meist auch noch die schlechteren Fahrten (und die Fahrgäste motzen deutlich öfter das das mit den Taxis ja garnicht Funktioniert usw.)
    Also es ist vom Zeitaufwand einfach doof, nicht am Stand zu laden (dauert wirklich länger). Wenn die potenziellen Fahrgäste sich einfach alle an den Stand stellen würden, könnten wir deutlich schneller wieder da sein.
    LG
    Sphen

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