Na, schöner Mann …?

„… woll’n se noch mitkommen, n‘ paar heiße Kerle aufreissen? War nur Spaß!“

Das isses immer. 🙂

Die Truppe war eigentlich recht lustig, ein ziemlich bunter Haufen, der nur kurz mal zur Busche wollte. Das ist vom Ostbahnhof nur eine kurze Tour an der Eastside Gallery entlang, man kommt mit 5 Euro hin, wenn man nicht direkt vor der Tür halten muss. Dann wird’s nämlich dank Abbiegeverbot am Warschauer Platz deutlich länger – genau, wie wenn man ins Matrix will.

Ich hab mir schon lange überlegt, ob ich zur Überraschung aller einfach mal auf eine der Einladungen eingehen soll. Dumm ist nur, dass das alles kaum planbar ist. Monatelang wurde ich nicht um Begleitung gebeten, am letzten Freitag gleich dreimal. Und die Frage nach der Party in der Busche war die einzige, die nur scherzhaft gemeint zu sein schien.

Dummerweise bin ich da echt erschreckend unflexibel:

– Tanzen mag und kann ich nicht,

– trinken kann man nichts, wenn man danach noch mit dem Auto heim muss,

– mit Frauen was anfangen möchte ich ungern, so lange ich glücklich verheiratet bin und

– auf Männer steh‘ ich einfach nicht.

Und für’n bisschen Quatschen bei einer Cola schmeiß ich keine Wochenendschicht hin. 🙂

Am Freitag war wirklich nichts vernünftiges angesagt. Die englischen Touris im Suicide Circus rumflippen sehen – hmm. Bei den drei Mädels zu Hause (um 5 Uhr morgens) hätte ich wahrscheinlich sogar noch jemandem die Haare zum Kotzen halten dürfen, wo ich’s im Taxi gerade so verhindern konnte. Nee danke!

Vielleicht isses schon besser, dass ich mich da meist gleich rausnehme und einen auf spaßresistenten Dienstleister mache, der ja leider leider noch „ganz lange“ arbeiten „muss“.Und ganz falsch ist es ja nicht: Ich arbeite so wenig, da sollte wenigstens während der Zeit der Umsatz stimmen. Und außer tanzen, turteln, trinken könnten sich die Leute auch mal was neues einfallen lassen.

In den Abendstunden eine Essenseinladung – das wäre mal wieder was! Da mach ich auch mit. 😉


PS: Liebe Kollegen, wenn ihr eine tolle Geschichte zu einer Einladung zu erzählen habt: Im Taxihaus-Blog würde ich mich besonders darüber freuen!

Nicht das Geld allein …

macht eine gute Fahrt aus. Insbesondere, wenn man mal betrachtet, was man bei so einer normalen Fahrt verdient. Nee, also ich für meinen Teil muss da nebenbei schon noch ein nettes Gespräch führen, was neues kennenlernen, irgendwas halt, das sich nicht nach stupider Arbeit anfühlt. Ich glaube, das ist der Unterschied zu den dauernd grummeligen Kollegen. Würde ich immer nur Euro und Minuten sehen, dann wäre Taxifahren wirklich ein außergewöhnlich beschissener Job und ich würde hier den ganzen Tag nur Rumranten und mich bedauern.

Aber, seien wir mal alle froh, is‘ ja nicht so!

Ein bisschen albern bin ich ja manchmal beim kürzesten Weg. Ich fahre hier und da wirklich gerne mal die Schleichwege, die der ein oder andere Kollege ignoriert und stattdessen die Hauptstraßen nimmt. Das ist rein kohlemäßig zwar eher kontraproduktiv, verträgt sich dafür aber hervorragend mit der Taxiordnung und der Kundenlaune.

So auch bei der Frau, mit der ich umgehend ins Quasseln gekommen bin. Dies und das, tolle Taxi-Erlebnisse, bla keks. Und dann standen wir plötzlich vor ihrer Türe.

„Oh! Äh, ich mein, äh, wow!“

„Was ist?“

„Ja, äh, gut gefahren!“

„Danke?“

„Ey, ich wusste ja, dass das nicht so weit ist – aber dass es die kurze Strecke gibt …“

Und ganz ehrlich: Es lässt sich drüber streiten, ob das schon die kürzeste und/oder sinnvollste war.  Aber natürlich hab ich das Lob gerne angenommen. Ebenso wie die 2,20 € Trinkgeld. Das ist zwar – wie eingangs erwähnt – nicht alles, aber schlechter werden die Fahrten durch die Kohle dann halt auch auf keinen Fall. 🙂

Kurzstrecke, is klar!

Es freut mich ehrlich gesagt oft, wenn Kunden von sich aus auf die Idee kommen, Kurzstrecke zu fahren. Nicht wirklich, weil ich darauf stehe, weniger Geld zu verdienen, sondern weil dann zumindest nicht mitten während der Fahrt noch der Einfall kommt. Dann kann ich schließlich das Taxameter nicht mehr umstellen und das Geschrei ist mitunter groß.

Jetzt aber stieg mir an der Greifswalder Straße einer ein, etwa Höhe Christburger. Und wollte zum Friedrichstadtpalast …

Ich hätte die Entfernung jetzt nicht auf Anhieb genau einschätzen können, aber dass es deutlich mehr als zwei Kilometer waren – um das zu erkennen, braucht man wahrlich nicht den Stadtplan auswendig lernen.

„Das wird nicht reichen.“

„Na ja, probier’s mal.“

„Ehrlich, das ist deutlich länger!“

„Is‘ ok. Ich hab auch noch mehr Geld.“

Er hat dann offenbar sein Smartphone gepackt und meinte irgendwann:

„Boah Fuck Digger! Das sin‘ ja echt noch vier Kilometer!“

Sag ich doch. 🙂

Also war die Kurzstrecke irgendwann zu Ende, das Taxameter piepte zweimal binnen 300 Metern (einmal bei 4,00 und einmal bei 7,00 €) und am Ende war die Chose mit unter zehn Tacken erledigt. Gab am Ende sogar noch gutes Trinkgeld, will mich also keinesfalls beschweren …

Netto

Also zuerst mal muss ich was über die Umfrage gestern sagen:

Faszinierend, dass sich über 60% dazu entschieden haben, Deko zu sein. 😀
Ich sollte wohl beim Formulieren etwas weniger witzig sein …

Große Stories hab ich nicht mehr rumliegen, außerdem tut mir das Tippen gerade etwas weh, weil ich mir – hier dürfen alle Beteiligten lachen – den Fingernagel am rechten Zeigefinger eingerissen hab. Die Rahmenbedingungen könnten also besser sein für einen langen Blogeintrag. Aber was kurzes zwischendurch:

Das mit der Wegfindung ist in manchen Ecken ja etwas schwieriger. Vor allem, wenn man zwar sein Navi nutzen kann, aber nicht einmal eine Hausnummer vom Fahrgast kriegt. Der, den ich vor ein paar Tagen im Auto hatte, hat sich der Informationspreisgabe durch sofortiges Einschlafen entzogen. Die Ecke in Pankow kannte ich nur so mittel, einen Kilometer vor dem Ziel wollte ich mich dann nicht mehr auf den elektronischen Helfer verlassen und hab das schnarchende Etwas geweckt:

„Hier gleich links?“

„Nee, erst beim Netto.“

Mist, find mal einen Netto nachts. War aber auch egal. Er schlief wieder ein und mein Navi korrigierte die Route auf drei Kilometer Rest. Hmm, sollte ich umdrehen? War mir dann aber egal – wahrscheinlich war das der Weg am Netto vorbei, was soll’s!

Bis ich bei ihm in der Straße stand, kam kein Netto mehr. Also vermutete ich den Netto direkt an seinem Haus IN der Straße. Hmm, auch nicht. Hab ihn dann nochmal wachgerüttelt und nach der Nummer gefragt. Er hat gesehen, dass wir schon vorbei waren – mit Wenden lag der Umweg am Ende wirklich locker bei drei Kilometern. Hab ich in dem Fall nicht an die große Glocke gehängt. Zeitlos schön dann der Abschlussdialog:

„Dann wären wir bei 20,40 €.“

„Nur? Mach mal 25.“

„Oh, danke. Eine Frage hätte ich aber noch: Wo ist bitte hier ein Netto?“

„Netto? Hier? Meine Freundin wohnt bei ’nem Netto, aber das ist in Weissensee. Wieso?“

Ach, unwichtig … 🙂

Nach Hause …

Ist ja nun wirklich eines der gängigsten Klischees: Betrunkener Fahrgast kommt an und möchte „nach Hause“ gebracht werden. Ich hab darauf auch schon ganz vorbildlich mit „Zu ihnen oder zu mir?“ geantwortet, alles kleines Taxi-Einmaleins. Aber vorgestern hat einer das irgendwie völlig ad absurdum geführt, in dem er völlig nüchtern am Bahnhof in mein Auto stieg und sich folgender Dialog ergab:

„Guten Abend, wo darf’s hingehen?“

„Hallo. Ich hatte echt einen stressigen Tag und würde jetzt gerne nach Hause.“

So weit, so gut. Dann aber kehrte Stille ein und er sah mich durch seine Hornbrille an und grinste verschmitzt. Einfach so. Hatte schon gedacht, das wird so eine Ich-will-ins-Blog-Geschichte, mich dann aber doch geschäftsmäßig professionell verhalten und gemeint:

„Dann … müsste ich nur noch wissen, wo ihr Zuhause genau liegt.“

„Ach Mensch, natürlich! Treptow, Karl-Kunger-Straße!“

Ach Mensch, natürlich. Da hätte ich aber auch von selbst drauf kommen können … 🙂

Gut sein lohnt sich!

Es war alles ein bisschen durcheinander in diesem Moment:

Kollege Ulli quatschte mich eben noch von der Seite zu, ich war frustriert wegen des miesen Umsatzes, Ozie rief an und fragte, ob ich noch Zigaretten mitbringen könnte und das erste Taxi – direkt vor meinem – bekam offenbar gerade zwei Fahrgäste, so dass ich am Stand vorrücken musste. Aaaargh!

Ich weiß: Mit die größte Gabe für Taxifahrer ist das Multitasking!
Das ist es, zweifelsohne. Wenn man gerade versucht, sich links einzufädeln, nebenbei der Oma im Fond erklärt, dass Onkel Herbert ja nur vielleicht wegen seinem Krebs schlecht drauf ist und die Ampel 50 Meter weiter plötzlich auf Rot schaltet, während gerade jemand aus dem Gegenverkehr auf die Spur ausweicht, die man selbst eigentlich anvisiert hatte, nebenbei der Funk etwas von einer verlorenen Handtasche quakt und Heino aus dem Radio plärrt, weil Oma das so wollte, dann weiß man, dass das einfach nur die Wahrheit ist.

Es ist Zeit, hier mal klarzustellen: Ich kann das nur schlecht.

Sicher, Verkehr und quatschen geht klar. Aber da ich mich der ein oder anderen Aufgabe gerne mehr oder minder wenigstens zu 50% widme, muss ich manchmal passen. Vielleicht einer der Gründe, weswegen ich immer noch Nichtfunker bin: Ich hibbel immer gleich rum wie sonstnochwas, wenn irgendwo ein Auftrag droht, das kann ich eigentlich nicht brauchen, wenn ich gerade gemütlich durch Berlin cruise und mich auf Musik und Straße konzentriere (was Winker miteinschließt).

Aber nun stand ich da, wollte Ozie am Telefon schon fast ernsthaft in ein Gespräch verwickeln, dann waren sie plötzlich bei mir: die Fahrgäste, die eigentlich gerade beim ersten in der Reihe waren. Ich hab kurz „Hab Kundschaft!“ ins Telefon geblökt und aufgelegt (es hilft, mit Familie und co vorher zu klären, dass man sowas ggf. mal machen muss!) und war nun wieder ganz am Ostbahnhof. Puh!

„Würdest Du uns nach Schönefeld mitnehmen?“

„Äh, na klar doch!“

Wow! Und: mieser Umsatz adé! 30 € auf einen Schlag!

Im Auto kam es dann zu folgendem Dialog:

„Weißt Du, wir sind schon mal miteinander gefahren …“

„Echt? Ich muss zugeben, ich erinnere mich nicht wirklich.“

„Schon ok! Du hast so viele Kunden. Aber ich hab Dich ja wiedererkannt und hab dann hier – zu ihr – gesagt: Den kenn ich, der is’n Netter! Und da hab ich gedacht, wir fragen Dich doch mal, ob Du uns fährst …“

Wie oben erwähnt: Perfekt bin ich sicher nicht. Ich sollte mir noch einiges aneignen. Aber manchmal wird es dann doch einfach dadurch ausgeglichen, dass man „ein Netter“ ist. Und ich bin’s gerne. Vor allem in Richtung Schönefeld … 😉

Die Kunden sind Könige

OK, unlängst hab auch ich mich in der Gegend mal übelst verfranzt. Aber das lag ja nun auch mehr an meiner Unkenntnis bezüglich der Hausnummer. Ansonsten kenne ich mich in der Ecke ja doch gut bis sogar sehr gut aus …

Hat mir am Wochenende nicht viel geholfen, denn die Kunden wollten diesen unnötigen Umweg. Sie stiegen an der Warschauer Ecke Boxhagener zu und wollten zum Senefelderplatz. Alle drei Hipster vor dem Herrn und mit blendender Laune. Davor sollte es allerdings noch zur Sparkasse gehen. Da besteht in Berlin ja nunmal Auswahl, zwischen Friedrichshain und Prenzl’berg ohnehin. Die, die sie wählten, wäre mir nicht einmal in den Sinn gekommen: Danziger Ecke Greifswalder. Zumindest die am Bersarinplatz kannten sie auch, aber die wollten sie nicht. Na gut, warum nicht neben der Lieblingskneipe und dem Lieblingsclub auch eine Lieblingsbank haben?

Der Umweg hat mir knapp einsfuffzich mehr in die Kasse gespült, bei ihren weiteren Plänen hab ich die drei Glatzköpfe dann aber dezent zu ihren Gunsten manipuliert. Zwischenkasse vor der Bank und eine Weiterfahrt über die Danziger bis zur Schönhauser schien mir dann irgendwie doch ein bisschen zu viel des Guten. OK, ich hätte sie vielleicht gewähren lassen, hätte ich nicht sowohl schnell pinkeln müssen als auch langsam mal an Feierabend denken … 🙂

Hier noch einmal in grafisch:


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