Nicht das Geld allein …

macht eine gute Fahrt aus. Insbesondere, wenn man mal betrachtet, was man bei so einer normalen Fahrt verdient. Nee, also ich für meinen Teil muss da nebenbei schon noch ein nettes Gespräch führen, was neues kennenlernen, irgendwas halt, das sich nicht nach stupider Arbeit anfühlt. Ich glaube, das ist der Unterschied zu den dauernd grummeligen Kollegen. Würde ich immer nur Euro und Minuten sehen, dann wäre Taxifahren wirklich ein außergewöhnlich beschissener Job und ich würde hier den ganzen Tag nur Rumranten und mich bedauern.

Aber, seien wir mal alle froh, is‘ ja nicht so!

Ein bisschen albern bin ich ja manchmal beim kürzesten Weg. Ich fahre hier und da wirklich gerne mal die Schleichwege, die der ein oder andere Kollege ignoriert und stattdessen die Hauptstraßen nimmt. Das ist rein kohlemäßig zwar eher kontraproduktiv, verträgt sich dafür aber hervorragend mit der Taxiordnung und der Kundenlaune.

So auch bei der Frau, mit der ich umgehend ins Quasseln gekommen bin. Dies und das, tolle Taxi-Erlebnisse, bla keks. Und dann standen wir plötzlich vor ihrer Türe.

„Oh! Äh, ich mein, äh, wow!“

„Was ist?“

„Ja, äh, gut gefahren!“

„Danke?“

„Ey, ich wusste ja, dass das nicht so weit ist – aber dass es die kurze Strecke gibt …“

Und ganz ehrlich: Es lässt sich drüber streiten, ob das schon die kürzeste und/oder sinnvollste war.  Aber natürlich hab ich das Lob gerne angenommen. Ebenso wie die 2,20 € Trinkgeld. Das ist zwar – wie eingangs erwähnt – nicht alles, aber schlechter werden die Fahrten durch die Kohle dann halt auch auf keinen Fall. 🙂

10 Kommentare bis “Nicht das Geld allein …”

  1. Wahlberliner sagt:

    Und ganz vor allem hättest Du nicht so viele Leser, wenn Du hier nur grummelig rumranten würdest.

    Wobei ich den letzten Satz noch mal überdenken würde. Stell Dir mal vor, Du bekämst ein Trinkgeld in wahrhaft unanständiger Höhe. Ich meine so richtig, richtig unanständig. Nämlich so extrem unanständig, dass Du nicht nur dein ganzes Leben lang nie mehr zu arbeiten bräuchtest, sondern Dir ganz nebenbei aus der Portokasse auch die 10 größten Berliner Taxiunternehmen kaufen könntest, ohne dass es sonderlich auffiele. Glaub mir mal, wenn es so eine Fahrt geben sollte (was zugegebenermaßen hinreichend unwahrscheinlich ist), dann würdest Du Dich danach nicht unbedingt besser fühlen, als wenn Du statt dessen nur 2,20€ oder 22€ Trinkgeld bekommen hättest! 😉

  2. Dem kann ich dir nur beipflichten – Lieber 5 schlechte bezahlte Fahrten mit netten Fahrgästen, als 1 weite topbezahlte Fahrt mit unfreundlichen … aber ich glaube das geht allen so. Wäre doch traurig sich wirklich nur auf den Faktor Geld zu beschränken…

  3. MsTaxi sagt:

    @Wahlberliner

    Ok, sagen wir mal, dieses „Hier ist ne Million, behalten Sie den Rest“ gaebe es nach einer Fahrt von 3,50€. Warum sollte Neu-Unternehmer Sash sich da nicht mehr freuen? Dann haette er doch die Moeglichkeit, Taxi nur und ausschliesslich wegen des Funs zu fahren, so ganz ohne pekuniaere Ruecksichten 🙂

  4. Wahlberliner sagt:

    @MsTaxi: Und ob das bei ner Milliarde auch noch so aussähe?

  5. MsTaxi sagt:

    @Wahlberliner

    Schwer zu beantworten. Nicht nur, weil ich Sash nicht persönlich kenne, sondern vor allem, weil ich annehme, dass es den allermeisten Menschen so geht wie mir: Meine Vorstellungskraft versagt einfach bei solchen Summen!

    Ich weiß nur eines, irgendwann sind alle Bedürfnisse nach Luxus, neuen Autos, Wohnungen überall auf der Welt etc. befriedigt. Mehr als eine Luxusuhr kann Mensch nicht tragen, mehr als ein Auto zum selben Zeitpunkt nicht fahren und mehr als ein Schnitzel nicht essen, oder von mir aus auch ein Kilo Kaviar am Tag. Soll imho heißen, jemand, der in wenig lukrativen Lebensumständen auf sich positiv zentriert ist (und so einer scheint mir Sash zu sein), hebt auch in solchen Glücksfällen wohl auch nur vorübergehend ab. Und gegen ein vorübergehendes Abheben bei sowas kann man menschlich wenig einwenden, finde ich.

  6. Sash sagt:

    @Wahlberliner:
    Ich warte doch nur auf meine erste Billion:
    http://gestern-nacht-im-taxi.de/wordpress/2011/12/16/mohammeds-einladungsholzchen/
    Alles schon verplant 😉
    Nein, im Ernst: für mich als ständig klammen Taxifahrer ist Geld natürlich immer wieder auch Motivation und Erfolgserlebnis. Im Umkehrschluss darf Geld aber nie alles sein, denn dafür wird der Job zu schlecht bezahlt, da ist schlechte Laune vorprogrammiert.
    Was ich machen würde, wenn ich eine Milliarde hätte … MsTaxi hat schon Recht: da setzt das rationale Denken erst einmal aus. Aber bei den Summen ist es am Ende dann doch nur wieder eine Zahl auf dem Konto. Sicher, es ist schön, sich keine Sorgen machen zu müssen. Bloggen würde ich sicher weiterhin. Vielleicht sogar einen Milliardärsblog (mit super Gewinnspielen?) Keine Ahnung, ob ich dann wirklich im Taxi sitzen würde. Vielleicht würde ich auch eine neue Unternehmensform ausprobieren – das ist schon völlig absurd, darüber nachzudenken, weil Geld einem einfach Möglichkeiten schafft. Nicht mehr, aber eben auch nicht weniger.
    Nur eines kann ich sicher sagen: Schreiben würde ich weiterhin.

  7. DerAufwärmer sagt:

    Hat nix mit diesem Blogpost zu tun, aber ich möchte an dieser Stelle ein Lob für gezeigte Menschlichkeit loswerden („Faith in Humanity: Restored“ oder so). Heute eine StraBa zu früh an der Haltestelle angekommen, Schneetreiben, Eiseskälte, bestelltes Sammeltaxi fährt erst in 15 Minuten. Am Taxistand den Fahrer des einzigen Taxis gefragt, ob er das Sammeltaxi sei. Er war es nicht. Auf mein „Schade, sonst hätte ich mich ja schon aufwärmen können“, meinte er „Macht nix, steig ein“, ich durfte bei ihm im Warmen warten, und als „mein“ Sammeltaxi dann in Sichtweite an die Haltestelle fuhr, passierten folgende zwei Dinge:
    1) Ich bekam eine Gratis-Beförderung vom ersten Taxler vom Taxistand bis zur Sammeltaxi-Haltestelle (vielleicht 100m).
    2) Erster Taxler fluchte während der 100m Fahrt über die „Fahrkünste“ des anderen (er setzte rückwärts in eine Wendeschleife zurück, entgegen der Fahrtrichtung, anstatt einmal die Schleife zu fahren), und dass man so ja den ganzen Berufsstand in Verruf bringen wüde, der sei ja eine faule Sau usw.

    I LOLed 😀

  8. Wahlberliner sagt:

    @Sash, @MsTaxi: Ja, solche Gedankenspielereien sind lustig. Ich glaube, ich wäre in so einer Situation eher depressiv, denn ich wüsste einfach nicht, wofür ich das ganze Geld alles ausgeben sollte. Klar, kann man sich natürlich ein tolles Haus, ein tolles Auto etc. kaufen, aber irgendwann hat man eben einfach alles, was man braucht, und dann noch so viel Ballast in Form von Geld mit sich rumzuschleppen stelle ich mir persönlich eher anstrengend vor. Oder man schleudert es einfach so raus, verschenkt es, spendet es usw. bis ein erträglicher Betrag erreicht ist, der es trotzdem sicher stellt, dass man nie mehr arbeiten müsste und all die Sachen machen kann, die man machen will… Ich wollte eigentlich nur darauf hinaus, dass es für normale Menschen, die nicht darauf stehen, um jeden Preis möglichst viel Macht über Andere zu erlangen, selbst beim Geld ein „zu viel“ geben kann, obwohl man im normalen Alltags-Denken immer denkt „naja, also bis das ‚genug‘ erreicht ist, ist es noch ein weites Stück, und ob es jemals ein ‚zuviel‘ geben kann, ist fraglich“…
    Ich kenne es wie Sash, dass ich auch oft zu Geld einfach nicht nein sage, weil es angenehm ist, aber ich ertappe mich dabei auch immer wieder, wie Geld dadurch wichtiger wird, als es eigentlich zu sein hat. Das ist ein interessanter Prozess, der da im Verstand abläuft. Ein Ding, was immer mehr Macht an sich reißen will, anstatt an seinem Platz zu bleiben. Deshalb finde ich es gut, dass Du da die Perspektive nicht verlierst @Sash (wie es andere Kollegen zu tun scheinen).

  9. Sash sagt:

    @DerAufwärmer:
    Solche positiven Geschichten erfreuen mich stets. 🙂

    @Wahlberliner:
    Ich weiß ja, dass das mit dem Geld immer reizvoll ist. Und dass sich da die Ansichten verschieben können, das merkt man ja beispielsweise an Politikern, die einst angetreten waren, das Land und die Welt zu retten und nun kuriose Verträge mit kuriosen Firmen abschließen …
    Folglich kann man das wohl nie ganz ausschließen. Aber wenn ich das einfach so festlegen könnte, dann würde ich gerne weiter nach meinem bisherigen Motto diesbezüglich leben: Geld ist nur wichtig, wenn es gerade nicht da ist …

  10. Hallo Sash,

    dein Post hat ein Gegenpost bei mir verursacht.
    Ich wünschte es gäbe nur Taxi-Fahrer deiner Kategorie!

    Hier dein Kollege:
    http://dr-bahnfahrer.blogspot.de/2013/03/vom-taxi-fahrer-beschissen.html

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