Na, wie breit biste?

Eine eigentlich unverzichtbare Kernkompetenz des Autofahrens hat mir persönlich nie große Probleme gemacht: Das Einschätzen der Fahrzeugbreite. Ich weiß, Eigenlob stinkt, aber ich hab gerade in meiner Zeit im Behindertenfahrdienst oft mit großen Autos in engen Straßen rangieren müssen und mich dabei höchst selten verschätzt. Wenn ich glaube, durch eine Lücke zu passen, stellt sich das gemeinhin als richtig heraus.

Das lernt man im engen Stuttgart vielleicht leichter als in Berlin, aber ich hielt es immer für relativ wichtig. Und ich hab schnell gelernt, dass es da wie in allen Bereichen Talente und eher, nun ja, Wackelkandidaten gibt.

Im Taxi ist das für mich inzwischen eher ein indirektes Problem. Die meiste Zeit bin ich auf recht großen Straßen unterwegs – und wenn ich die Leute in ihre engen Wohngebiete nach Hause bringe, ist meist nicht so viel los, dass man sich ständig an anderen Fahrern vorbeiquetschen muss. Zudem ist mein Auto klein, wendig und übersichtlich. Schwierig wird es meist nur in einer Situation: Wenn ich die Fahrgäste aussteigen lasse.

Meist suche ich mir dazu eine Stelle, an der ich etwas weiter rechts halten kann. Allen Spielraum nutzen kann ich indes auch nicht, denn die Erfahrung hat mir gezeigt, dass viele nicht sonderlich viel darauf achten, was so vor ihrer Tür passiert, bevor sie sie öffnen. Würde ich immer recht dicht an parkende Autos ranfahren, hätten meine Fahrgäste sicher schon Schäden in Höhe mehrerer Jahresgehälter meiner Wenigkeit angerichtet. Also gilt es immer, einen Kompromiss zu finden: Der Fahrgast braucht Platz zum Aussteigen und auf der anderen Seite muss noch Platz zum Vorbeifahren sein. Klappt meist ganz prima.

Nun halt wieder mal nicht. Oder fast nicht. Einige Leute sind ja gerne hektisch, wenn wir Fahrgäste ausladen. Unverschämtheit, was diese Taxifahrer sich da erlauben! Ich empfehle bei dieser Einstellung ja immer, sich mal zu überlegen, man wäre selbst jener Kunde. Kaum einer hat seinen Geldbeutel schon in der Hand, wenn das Auto stoppt. Man muss dies und jenes suchen, am Ende vielleicht noch an den Kofferraum und außerdem steht überhaupt nicht zur Debatte, dass so ein sackteures Taxi 200 Meter vom Eingang entfernt hält, nur weil es hier vor der Tür ein bisschen eng ist.
Folglich stehen wir halt auch mal eine Minute im Weg. Aber ich kann versichern: Kein Taxifahrer hat ein Interesse daran, dass das länger dauert als notwendig!

Und nun stand ich in einer engen Straße in Friedrichshain. Beim Abstellen war die Straße frei, Platz gelassen habe ich trotzdem. Kurz darauf stand mir ein Mittelklasse-Wagen von Audi gegenüber, mit einem etwa 50-jährigen Fahrer, der sichtlich genervt war. Ich hab leise vor mich hingemurmelt, dass ich ja schon zusehe, dass ich wegkomme, aber die Kundin nestelte noch im Portemonnaie. Gerade als ich dachte, es gehe schneller, wenn ich schon mal das Gepäck auslade, hielt es der Audifahrer nicht mehr aus und versuchte, sich neben mir durchzuquetschen. Keine schlechte Idee, ich hätte es ja schon lange gemacht. Aber eben nur, wenn ich dann auch hätte durchfahren können. Hätte er ehrlich gesagt auch, aber auf halber Höhe traute er sich nicht mehr. Er steckte nun (zumindest gefühlt) fest und ich konnte nicht mehr aussteigen. Anstatt nun meine zwölfeinhalb Sekunden zum Rausspringen und Koffer aus dem Kofferraum wuchten, ihn ausklappen und die Türe wieder schließen zu brauchen, ging die Zeit nun schon dafür drauf, mich bei der Kundin zu entschuldigen, dass ich gerade nicht aussteigen könne und ich ihr gerne erkläre, wie der Kofferraum aufgehe. Ziemlich unsinnige Zeitverschwendung. Selbst für mich, der ich ja wenigstens für das alles bezahlt wurde.

Und neben mir im anderen Fahrzeug fuchtelte und fluchte es und ich konnte einfach nicht anders als zu grinsen. Er hätte fahren können. Notfalls hätte er sich trauen müssen, den Spiegel links einzuklappen. Er hätte auch warten können, dann wäre das alles schneller gegangen. In der Zeit hätte er wenden und einmal um den Block fahren können. Aber nein: Volles Rohr rein, bis nix mehr geht! Und dann ist der Taxifahrer schuld!

Ich mag solche Leute. Die machen mir immer wieder bewusst, wie einfach das Leben sein kann, wenn man seine Fähigkeiten realistisch einschätzt und überdies vor allem gelassen bleibt. 🙂

„Ween is vorbej, iis vorbej!“

Die folgende Geschichte hat mir ein Kollege erzählt. Eine gleichermaßen beängstigende und doch auch irgendwie lustige Geschichte. Wie das Zitat in der Überschrift manchen bestimmt schon hat vermuten lassen: besagter Kollege spricht deutsch nur mit starkem Akzent. Wenigstens dieses Zitat musste ich lassen, den Rest des Textes schreibe ich in meiner Sprache runter, aber aus seiner Sicht. Das kann ich besser und es spielt eigentlich auch keine Rolle. Aber das Zitat war gesprochen so toll. Wie der Kollege an sich übrigens auch. Ich freue mich immer, wenn ich ihn am Stand sehe, weil er öfter mal interessante Dinge erzählt. Außerdem haben wir uns kennengelernt, als ich damals an Silvester mit dem Auto (quasi) liegengeblieben bin und er mich heimeskortiert hat, ohne mein Geld für die Fahrt anzunehmen. An Silvester! Aber eigentlich bräuchte ich seine Gutmütigkeit hier nicht so schmalzig einführen, man kann sie recht gut erahnen, wenn man die Geschichte liest … 😉

Ich hatte neulich wieder Stress mit Fahrgästen. Unglaublich! Ich hatte ein Pärchen eingeladen. Er schon sehr betrunken, hat nicht einmal mehr sein Hemd richtig angehabt. Seine Frau schien noch ganz in Ordnung zu sein. Die Fahrt ging in [ein Dorf vor Berlin], viel über die grüne Wiese. Ich hab noch nachgefragt, ob ich wirklich den kürzesten Weg nehmen soll oder doch lieber über die Hauptstraßen.

Als wir ein paar Minuten im Auto saßen, merkte ich schon: o je, die Frau ist betrunkener als ich dachte! Und auf einmal beschimpft sie mich, dass ich falsch fahren würde. Ich hab ihr dann gezeigt, welchen Weg ich fahre und sie war fast dabei, wieder ruhig zu werden, als ihr Mann – vielleicht weil wir uns vorne „gestritten haben“ – auch anfing, auszuticken. Er rüttelte an meiner Kopfstütze und verlangte, dass ich anhalte und schlug nach mir.

Ich hielt an, renne zur hinteren Tür, um den Spinner rauszulassen, da tritt er mir erst einmal die Tür entgegen. Er ist nicht sonderlich stark gewesen und betrunken war er auch, aber ich wollte ja wirklich nur, dass er endlich aussteigt – und da erwischt mich dann auch noch ein Faustschlag von ihm. Ich will ihn zu Boden schmeißen, einfach damit ich wegfahren kann, aber er zieht an meiner Jacke und während er fällt, zieht er sie mir dabei über den Kopf und hält mich weiter fest, so dass ich auf ihn drauffalle.

Da liegen wir dann. Mein Fahrgast im Schnee und ich auf ihm drauf. Aber ich kann nicht weg, weil er weiterhin die Jacke festhält und ich mit meinen Händen quasi da drin gefesselt bin.

Dann springt mir plötzlich seine Frau auf den Rücken und will – genau wie ich eigentlich! – dass ich ihren Mann loslasse. Das war natürlich eine total beschissene Situation, aber ein bisschen lustig fand ich’s dann trotzdem, weil es so absurd war. Irgendwann hab ich meine Arme dann aus der Jacke ziehen können und die Frau abschütteln. Die beiden sind dann weg und ich hab die Polizei gerufen.

Da wir aber schon ein paar hundert Meter in Brandenburg waren, musste ich ganze 40 Minuten warten, bis zwei Streifenwagen aus irgendeinem Dorf weit weg Zeit hatten. Eigentlich wär’s mir egal gewesen, ich hab die vor allem geholt, damit nicht meine Fahrgäste auf die blöde Idee kommen, mich zuerst zu beschuldigen, sie angegriffen zu haben oder so. Du hast Recht, das Geld für die Fahrt will ich natürlich schon auch haben, aber eigentlich rege ich mich da gerade gar nicht mehr drüber auf. Ich kenne die ja. Ich hab ja ihre Adresse und ich hab sie gestern sogar auf der Straße vorbeilaufen sehen. Aber was soll ich machen? Bei uns sagt man: Wenn eine Schlägerei vorbei ist, ist sie vorbei! Rache oder sowas ist Scheiße, ich warte jetzt mal ab.

So hat sich das Ganze angeblich zugetragen. Ein bisschen ungenau geschildert ist es zum einen von mir, zum anderen weiß ich auch nicht, ob das alles so stimmt. Natürlich nicht. Also falls jemand das auch mitgekriegt hat: Das ist natürlich kein objektives und wörtlich zu lesendes Protokoll.

Und ebenso wie ich es gut finde, wie locker der Kollege das sieht, muss ich doch auch anmerken, dass es schon scheiße ist, dass einem solche Torfköpfe das Leben schwer machen, während man versucht, sie für vielleicht 6 € Einkommen sicher nach Hause zu bringen. Und natürlich hat mein geschätzter Kollege das auch nicht einfach so mal in der Mittagspause weggesteckt, sondern anschließend Feierabend gemacht und sich am folgenden Tag freigenommen, bevor er wieder arbeiten gegangen ist. Ob er das je ersetzt bekommt? Ich vermute mal eher nicht. 🙁

„Gegen die Vorschrift“

Manche Piepmätze des Nachtlebens tauchen ja auch immer im richtigen Moment auf. Ich hatte um 1:20 Uhr beschlossen, mich nicht ans Berghain zu stellen. Sicher, da kommt man weg. Aber um die Uhrzeit fast nur mit kurzen Touren zu den umliegenden Clubs. Die Leute, die nicht reingelassen wurden eben. Also bin ich zum Ostbahnhof, wo reger Publikumsverkehr war und 6 Autos vor mir. Dauert vielleicht etwas länger als die halbe Stunde am Berghain, aber dafür hatte ich wenigstens eine reelle Chance, mit einer längeren Fahrt wegzukommen. Nun ja.

Die Zeit verging und es sind tatsächlich einige Kollegen weggekommen. Sogar deutlich mehr als sechs, ein guter Teil aber eben hinter mir. Und nun stand ich schon eine geschlagene Stunde dort. Es war nasskalt, alles irgendwie bäh. Aber um eine zu rauchen, bin ich dann doch kurz ausgestiegen. Den Motor hab ich in diesem Moment laufen lassen. Die Kiste war langsam ausgekühlt, ein wenig Nachheizen konnte nicht schaden. Und im Gegensatz zur E-Klasse hat mein Auto keine Restwärmeschaltung. Mal davon abgesehen, dass selbst die Kollegen um mich rum ihre Kisten haben vor sich hintuckern lassen.

Kaum dass ich den ersten Zug meiner Zigarette nahm, steuerte ein einsamer Polizist auf mich zu. Er tat sich zunächst etwas schwer, fuhr mich dann aber barsch von der Seite an:

„Das ist im Übrigen gegen die Vorschrift, den Motor im Stand laufen zu lassen!“

Während ich ihn sicher nicht sehr begeistert angesehen hab, hab ich fieberhaft überlegt, welche Vorschrift er genau meint. Sicher, irgendwas gab’s da bestimmt, aber meine Fresse: Hier kotzten die Leute auf die Straße, pöbelten und randalierten und der muss mich blöd anlabern, weil ich als einziger in seiner Reichweite stehe und er zufällig bei meinem Auto die Abgase sehen kann, weil sie auf seiner Seite unter dem Auto rauskommen …

Und er wollte es scheinbar wirklich wissen:

„Ich meine, echt jetzt! Warum muss denn bitte Ihr Motor laufen, wenn Sie draußen stehen und eine rauchen!?“

Ich kenne das leider. Der wollte sich jetzt unbedingt aufspielen. Die Frage hätte man auch einfach freundlich stellen können, aber nein. Schlechten Tag gehabt, Mami hat wieder Leberwurst auf die Stulle geschmiert und da steht so’n Taxifahrer, der sicher vor Uniformen kuscht.

Ich hab mich ganz lässig und gelangweilt aufs Autodach gelehnt, mit einer hochgezogenen Augenbraue zu ihm runtergesehen und gefragt:

„Zum Heizen? Wird auf Dauer leider etwas kalt.“

Und dann ist Papa Schlumpf mit hochgezogener Nase, aber sichtbar verunsichert, weil ihm nix mehr eingefallen ist, davonmarschiert. Ich war in der Versuchung, ihn nochmal nach den Vorschriften zu fragen, aber ich konnte mich beherrschen.

Hey, seine Frage war ok. Es ist ja auch Blödsinn, Sprit für nix und wieder nix rauszuballern, da kann man sich gerne drüber unterhalten. Aber kein besoffener Jugendlicher ist mir in den letzten zwei Monaten so verächtlich und nervig dahergekommen wie diese Flitzpiepe, das muss dann ja wohl auch nicht sein!

Und ICH mach mir Sorgen, dass ich anderen mal auf die Nerven gehe, wenn ich frustriert bin …

Kannste Dir nicht ausdenken! (3)

Ob ich es „toll“ finden würde, Nazi genannt zu werden? Was für eine bescheuerte Frage!

Während ich mich noch freute, dass mein Beifahrer bei verbleibenden 14 Kilometern mit einstimmte, dass Nazis scheiße wären, bahnte sich das Unheil seinen Lauf. Denn auch wenn mein netter Kunde keine Nazi-Attitüde an den Tag legte, outete er sich zwischen den Zeilen sehr schnell als das, was gemeinhin „Reichi“ genannt wird. Was ihn, um auf die Eingangsfrage zurückzukommen, ermunterte, mir zu erklären, ich sei im Grunde offziell Nazi, egal, was ich davon hielte.

Für die uninformierten Leser: Reichis, also „Reichsideologen“ oder passender „Reichsdeppen“, sind meist rechts angehauchte Verschwörungstheoretiker, die aufgrund falscher Fakten, unvollständiger Zitate und gehöriger Dachschäden postulieren, dass es die Bundesrepublik Deutschland nicht gibt. In Wirklichkeit leben wir laut ihnen in einem nicht souveränen Staat, der nur eine Übergangslösung der Alliierten ist und rechtlich keinerlei Bestand hat. Unser Grundgesetz gilt nicht, weil es nicht Verfassung heißt, die Wiedervereinigung Deutschlands hat nie stattgefunden und die BRD ist nur eine GmbH. In Wirklichkeit existiert das deutsche Reich (Nicht jenes von Hitler zwar, aber Nazi bin ich trotzdem?) weiter und die Republik, in der wir glauben zu leben, ist eine Jahrtausendlüge biblischen Ausmaßes.
Das glauben diese Leute natürlich nicht ohne Grund, denn in dieser neuen Realität lässt es sich recht gut leben, indem man sich zum Reichskanzler ernennt, Fantasie-Führerscheine gegen Geld verscherbelt oder einfach keine Strafzettel mehr bezahlt, weil sie von einer vermeintlich illegalen Regierung unrechtmäßig ausgestellt wurden.

Ich verlinke zu dem Thema gerne die KRR-FAQ und kann mit Gewissheit sagen, dass das alles Humbug ist. Auch wenn es sich anfangs recht plausibel liest. Alle „Beweise“ sind entweder abstruse Konstruktionen mit unhaltbaren Ausgangsbedingungen, unvollständige Zitate oder gar pures Rätselraten anhand irgendwelcher Bilder und Zahlen. Aargks z.B. hat gerade auch „Reichsburgerwochen“ und polemisiert frisch über diesen Unsinn daher, kann man auch mal gucken …

Und bei mir saß nun ein zwar äußerst liebenswertes, aber leider sehr überzeugtes Exemplar dieser Reichis.

Natürlich hab ich dagegen gehalten. Durch Zufall hatte ich neulich erst wieder mehrere Sachen zu dem Thema gelesen. Dummerweise natürlich nur unter vielem anderen. Im Gegensatz zu meinem Fahrgast, der sich laut eigener Aussage seit Monaten mit kaum etwas anderem beschäftigt und der deswegen reihenweise Paragraphen herunterratterte, konnte ich ohne unterstützende Literatur aus dem Stehgreif nur wenig konkretes bieten. Zumal sich sein Interesse an einer anderen Meinung insoweit in Grenzen hielt, als dass er immer gebetsmühlenartig wiederholte, er wolle mich ja nicht überzeugen, er hätte es ja selbst nicht glauben wollen, aber es sei eben die Wahrheit. Ähm ja, puh …

Mindestens 20 Minuten hab ich mir den Scheiß trotz Gegenrede geben müssen. Ich solle halt mal dieses googeln und jenes lesen, dann würde ich schon …
ICH HAB DIESES UND JENES GEGOOGELT UND GELESEN! UND SIEHE DA: ES BLEIBT BULLSHIT!

Das hab ich ihm (in anderem Tonfall, aber klipp und klar und mehrfach) gesagt. Und was war das Ergebnis? Natürlich keines. Ich werde die Wahrheit schon noch irgendwann erkennen, schließlich sei ich ja ein cleveres Kerlchen.

Was vielleicht das Schlimmste an der Sache war: er hat mir echt keine Chance gelassen, ihn z.B. rauszuschmeißen oder sonstwas. Er war die ganze Zeit nett und um es ehrlich zu sagen einer der angenehmsten Diskussionspartner, die ich je hatte, rein was die Streitkultur angeht. Und im Gegensatz zu anderen Akteuren in der Reichi-Wahnwelt hat er sich zumindest mal glasklar vom Nationalsozialsismus distanziert. Aber auf Dauer ist es einfach nicht auszuhalten, wenn einem jemand permanent Unwahrheiten an den Kopf wirft. Und gut genug informiert, um das zu wissen, war ich leider. Das war so ein bisschen das Gefühl, dass einem jemand auf dem Heimweg vom Schwimmbad erklärt, Menschen könnten eigentlich nicht schwimmen, das hätte Einstein schon bewiesen. Und dann sitzte da und versuchst irgendwas zu sagen, aber Du hast weder alle Postulate Einsteins im Kopf (wer hat das schon?), noch hat ein Schwimmbad offen, um es einfach mal kurz zu beweisen. Eine verflucht unerträgliche Situation!

Und selbst, als wir bei ihm angekommen waren, wollte er nicht locker lassen. Der wollte mir ernsthaft meine Handynummer abringen, damit wir nochmal reden könnte, wenn ich DEN einen Beweis gecheckt hätte – was ich im Übrigen getan habe und dennoch nur nochmal auf obiges zentrales Ergebnis in Großbuchstaben hinweise.

Ein Gutes hatte die Sache tatsächlich noch. Da er wie gesagt ein eigentlich netter Kerl war, hat er mir trotz gegensätzlicher Ansichten 8,20 € Trinkgeld gegeben. Aber das war meinen Vermutungen nach das voraussichtlich am schwersten verdiente Geld 2014 …

Was zu erwarten war: Silvester

So, Weihnachten ist vorbei. Damit sind wir nun in diesen Tagen, die gemeinhin mit „zwischen den Jahren“ betitelt werden – was einerseits ein wenig unlogisch ist, mir andererseits  auch total gefällt. Egal, es wird an dieser Stelle wie jedes Jahr Zeit, auf Silvester hinzuweisen. Das ist wie schon letztes und vorletztes Jahr ein alter Hut, aber ich tu’s immer wieder, weil ich ja auch immer wieder neue Leser habe. Und weil es auch Spaß macht, sich gedanklich auf Silvester einzustimmen, das gebe ich gerne zu. 😉
Wer den Links in diesem Artikel folgt, wird feststellen, dass ich wirklich jedes Jahr quasi dasselbe schreibe. Zusammengefasst klingt das etwa so:

Habt ein wenig Nachsicht mit den Taxifahrern an Silvester, denn wir tun, was wir können! Da das Fahrgastaufkommen an diesem Tag zigfach über dem an jedem anderen Termin liegt, kommen wir nicht hinterher. Zumindest hier in Berlin. Es wird nicht möglich sein, sich ein Taxi zu bestellen und man wird bisweilen ewig suchen, bis man ein freies findet. An diesem speziellen Tag streiten sich mal die Kunden um Taxen und nicht umgekehrt. Was aber auch heißt: Wer sich besonders nervig verhält, hat die schlechtesten Karten, mitgenommen zu werden. Silvester ist der Tag, an dem die Kunden sich freuen dürfen, dass wir an einen Tarif gebunden sind, denn in dieser Schicht könnten Taxifahrer Mondpreise diktieren und wären dennoch ausgelastet. Wir verdienen zwar überdurchschnittlich gut, aber durch die hohe Anzahl betrunkener Leute, die Scherben und Böller auf den Straßen, die Konkurrenz zwischen den Fahrgästen und die aus allerlei Gründen hohe Emotionalität des Datums ist das zeitgleich die stressigste Schicht des Jahres.
Lasst eventuell vorhandenen Frust über 2013 nicht an jenen Fahrern aus, die auch während der größten Party hierzulande noch ihre Arbeit zu machen versuchen. An allem was an diesem Tag schief läuft – selbst im Taxigewerbe – sind eben genau diese Fahrer am allerwenigsten schuld! Und jede Diskussion, jede Streiterei verschlimmert es nur. Wir rocken die Kundschaft im Akkord nach Hause und je ungestörter wir das tun können, desto schneller geht es für alle.

Ich hab dieses Jahr noch keine endgültige Bestätigung, ob ich am 31. Dezember ein Taxi habe. Dieses Jahr fällt Silvester erstmals nicht in meine offizielle Arbeitszeit (da ich inzwischen Montag bis Mittwoch nicht fahre), da muss ich ein bisschen Glück haben, damit das klappt.

Wobei: Schlimmer als vor zwei Jahren kann es ja gar nicht laufen. Da wäre ja selbst gar nicht fahren besser …

Aber wie gesagt: Bleibt ruhig und überlegt Euch, wenn Ihr es eilig haben solltet, Alternativen. Ansonsten werden wir das gemeinsam wie jedes Jahr hinkriegen, dazu sollten wir aber alle einen kühlen Kopf bewahren. OK?

Es gibt so Tage …

Ich bin ja wirklich der letzte, der auf der Straße Streit sucht. Aber es gibt so Tage, da ist man von Vollpfosten und deren nahen Verwandten umgeben. Wie am vergangenen Samstag.

Angefangen hat alles mit einem Kollegen, der mir (in der Tat sehr freundlich) vorwarf, ich hätte mich am Ostbahnhof vorgedrängelt. Das Szenario genau zu beschreiben ist etwas umständlich, aber ich kann zumindest mal sagen, dass ich nicht wenig überrascht war, weil ich schon eine halbe Stunde dort anstand und mich zu diesem Zeitpunkt ganz hinten auf der letzten Rücke brav eingereiht hatte. Wie gesagt: Der Kollege war eigentlich echt nett – aber hey: er hat sich das aufgrund des Autotyps vor ihm und nicht rechtzeitigem Nachrücken mal eben zusammengereimt. Das ist schon erstaunlich wenig nachgedacht, um aufgrund dessen Alarm zu schlagen …

Nummer zwei war dann eine Winkerin. Sie hielt mich an einer roten Ampel an und fragte mich, ob ich einen Kindersitz hätte. Der Minimensch sah eigentlich eher ein wenig ZU klein für die Sitzerhöhungen aus, aber man kann ja mal gucken. Kaum, dass ich das tun wollte, hupte es ungestüm und ein weiterer Taxifahrer fuhr heran. Schon klar, da war die Tour wohl bestellt. Ich bin also hin zum Kollegen und hab ihm gleich ein „Sorry“ entgegengeschmissen, was er mit einem „Bist ja’n Scheiß-Kollege!“ erwiderte. Sehr nett. Was glaubt dieser Vollpfosten eigentlich, wie ich ihm die Fahrt hätte klauen sollen, die er über den Datenfunk der anderen Zentrale bekommen hatte?
Ich kann ja wohl schlecht an allen Winkern vorbeifahren, weil sie theoretisch auch bestellt haben könnten. 0.o

Nummer 3 war dann der theatralische Huper (dieses Mal kein Taxifahrer) auf einer komplett leeren Landsberger Allee (3 Spuren je Richtung), der es irgendwie unverschämt fand, dass ich meinen Kunden rechts am Straßenrand rausgelassen habe. Im Übrigen, ohne ihn fies auszubremsen und artig mit Blinken und so.
Manchmal frage ich mich bei solchen Leuten, wie sie als Fahrgast wohl reagieren würden, wenn ich als Fahrer sagen würde:

„Nein, tut mir leid. Ich muss leider mit ihnen um den Block zum nächsten ausgeschilderten Parkplatz fahren, da hundert Meter hinter uns ein anderes Fahrzeug sich nähert und ich nicht ausschließen kann, dass der Fahrer desselben ungerne die Spur wechseln würde, nur weil Sie hier aussteigen wollen. Kostet aber auch nur 80 Cent extra, keine Sorge.“

Wahrscheinlich wäre ich dann das vierte Mal in einer Nacht der Idiot. Aber gut, man kann es halt nie allen recht machen …

Wenn es weh tut …

Heute ist einer von den Tagen, die weh tun. Bezüglich der Nachtschicht, meine ich.

Trotz der ein oder anderen Kleinigkeit bin ich mir recht sicher, dass ich mit der Nachtschicht grundsätzlich gut klarkomme. Ein paar Neue hier wissen das vielleicht noch gar nicht (und ein paar Alteingesessene vermuten vielleicht, es hätte sich geändert), aber es ist ja so, dass ich meinen Rhythmus inzwischen seit über 4 Jahren komplett umgestellt habe. Wirklich komplett.
Wie bei wahrscheinlich einigen da draußen bestätigen auch bei mir ein paar Ausnahmen die Regel, aber an normalen Tagen gehe ich zwischen 6 und 9 Uhr ins Bett und stehe zwischen 14 und 17 Uhr auf. Und das auch jetzt noch, wo ich manchmal nur noch zwei Tage pro Woche im Taxi sitze. Ich hab’s mir wirklich angewöhnt und ich falle in den Rhythmus auch immer zurück, wenn ich mal für ein paar Tage im Urlaub bin und es eigentlich nicht brauchen kann. Wie gesund mein Schlaf dabei ist, will ich als Laie besser nicht bewerten, aber klar ist mir bekannt, dass die Chance groß ist, dass das gesundheitlich nicht so super ist. Ich nehme das halt mit, so lange es noch angenehm ist in meinem *hüstel* beinahe jugendlichen Alter.

Womit sich dieser Schlafrhythmus leider gar nicht verträgt, ist die immer mal wieder hier aufkreuzende Frau mit der Drehorgel. Ich hab sie sicher schon mal erwähnt. Die stellt ihren Leierkasten nämlich bevorzugt fast direkt unter meinem Fenster auf und dudelt ihre sich ständig wiederholenden Hits – jetzt natürlich Weihnachtslieder –während meiner Kernschlafzeiten herunter. Und mal abgesehen davon, dass bei geschlossenem Fenster schlafen wirklich was ist, was ich nicht mag: man hört sie auch dann noch.
Als von dieser Kunst an sich schon nicht viel haltender Mensch hab ich zudem mit jedem Mal mehr den Verdacht, dass dieses Gerät auch nie dazu konzipiert wurde, dass man ihm länger zuhört. Man soll wahrscheinlich viel mehr im Vorbeigehen gleich die Melodie erkennen und es nach Möglichkeit toll finden.

Problem 1: Weder ich noch die Frau gehen aneinander vorbei.
Problem 2: Es ist nicht toll.

Und so hatte ich letzte „Nacht“ nur ungefähr 2 Stunden (noch dazu sehr unruhigen) Schlaf. Und nachdem für den frühen Abend noch ein paar Einkäufe geplant waren, war ich pünktlich zum Arbeitsbeginn wieder müde. Was doof war. Am Autochen war alles gerichtet und den Donnerstag hatte ich schon zu Gunsten eines Kollegen geopfert, der gerne fahren wollte, während ich eher so pro forma ein paar wenige Touren gemacht hätte. Und jetzt war Freitagnacht, ein toller Tag zum relaxt und dennoch nicht unterbeschäftigt Taxifahren. Und mir fielen die Augen zu.

Ein bisschen was geht immer. Viel frische Luft, dazu ein, zwei oder drei Coffees. Ein Tief kann einen immer mal erwischen, da bin ich ja vorbereitet. Aber irgendwann geht das nicht mehr weiter. Koffein überdosieren ist eine verdammt blöde Idee. Ich bin jetzt zwar nicht sonderlich empfindlich (manche kriegen da ja umgehend Herzflattern), aber ich hab mal privat völlig übermüdet eine Fahrt mit insgesamt mehr als einem Gramm Koffein intus beendet, was mir vor allem die Klamotten versaut hat, weil  ich plötzlich (das einzige Mal in den letzten 10 oder 15 Jahren) übelstes Nasenbluten bekommen habe. Abgesehen davon, dass ich das im Taxi nicht brauchen kann: Wir werden uns sicher einig sein, dass man seinen Körper nicht auf Dauer überlisten kann und sollte. Schon gar nicht, wenn man bei der Arbeit gefälligst konzentriert zu sein hat.

Das letzte Stadium im Taxi ist das, das zum sofortigen Abbruch der Schicht aufruft: Wenn man Mülltonnen winken sieht. Nicht wortwörtlich im Sinne arg abschweifender Halluzinationen (Dann ist es ein bisschen mehr als nur eigentlich zu spät), sondern im Sinne ständigen Aufschreckens, weil man glaubt, da wäre gerade ein Mensch gestanden, obwohl es eben nur eine Mülltonne, ein Verkehrsschild oder ein Dromedar war. Also beispielsweise. Briefkästen sind auch so eine ganz eigene Kundengruppe, wenn man nur müde genug ist.

Das Geld heute Nacht wäre echt nötig gewesen. Aber ich schaff es einfach nicht wie manche Kollegen wegen 50 € brutto am Monatsende mal eben die körperliche Unversehrtheit aller vielleicht auch nur zufällig Beteiligten zu gefährden. Also bin ich um halb vier dann doch heim. Obwohl die gute Zeit erst anfing. Bzw. jetzt anfängt. Denn jetzt, da ich diese Zeilen schreibe, ist es halb fünf. Ich halte mich mit dem Schreiben dieses Eintrages wach. Wenn auch mehr schlecht als recht: das tue ich absichtlich. Damit ich nachher um 7 Uhr todmüde und hoffentlich selbst im Falle einer Drehorgel-Epidemie friedlich ins Bett falle.

Und im Laufe des heutigen Abends rolle ich das Feld dann frisch ausgeschlafen von hinten auf! 🙂


PS: Heute ist dann der kürzeste Tag des Jahres. Für den ich viel übrig hab, weil ich die Nacht an und für sich ja doch einfach für die bessere Zeit halte.