Wenn es weh tut …

Heute ist einer von den Tagen, die weh tun. Bezüglich der Nachtschicht, meine ich.

Trotz der ein oder anderen Kleinigkeit bin ich mir recht sicher, dass ich mit der Nachtschicht grundsätzlich gut klarkomme. Ein paar Neue hier wissen das vielleicht noch gar nicht (und ein paar Alteingesessene vermuten vielleicht, es hätte sich geändert), aber es ist ja so, dass ich meinen Rhythmus inzwischen seit über 4 Jahren komplett umgestellt habe. Wirklich komplett.
Wie bei wahrscheinlich einigen da draußen bestätigen auch bei mir ein paar Ausnahmen die Regel, aber an normalen Tagen gehe ich zwischen 6 und 9 Uhr ins Bett und stehe zwischen 14 und 17 Uhr auf. Und das auch jetzt noch, wo ich manchmal nur noch zwei Tage pro Woche im Taxi sitze. Ich hab’s mir wirklich angewöhnt und ich falle in den Rhythmus auch immer zurück, wenn ich mal für ein paar Tage im Urlaub bin und es eigentlich nicht brauchen kann. Wie gesund mein Schlaf dabei ist, will ich als Laie besser nicht bewerten, aber klar ist mir bekannt, dass die Chance groß ist, dass das gesundheitlich nicht so super ist. Ich nehme das halt mit, so lange es noch angenehm ist in meinem *hüstel* beinahe jugendlichen Alter.

Womit sich dieser Schlafrhythmus leider gar nicht verträgt, ist die immer mal wieder hier aufkreuzende Frau mit der Drehorgel. Ich hab sie sicher schon mal erwähnt. Die stellt ihren Leierkasten nämlich bevorzugt fast direkt unter meinem Fenster auf und dudelt ihre sich ständig wiederholenden Hits – jetzt natürlich Weihnachtslieder –während meiner Kernschlafzeiten herunter. Und mal abgesehen davon, dass bei geschlossenem Fenster schlafen wirklich was ist, was ich nicht mag: man hört sie auch dann noch.
Als von dieser Kunst an sich schon nicht viel haltender Mensch hab ich zudem mit jedem Mal mehr den Verdacht, dass dieses Gerät auch nie dazu konzipiert wurde, dass man ihm länger zuhört. Man soll wahrscheinlich viel mehr im Vorbeigehen gleich die Melodie erkennen und es nach Möglichkeit toll finden.

Problem 1: Weder ich noch die Frau gehen aneinander vorbei.
Problem 2: Es ist nicht toll.

Und so hatte ich letzte „Nacht“ nur ungefähr 2 Stunden (noch dazu sehr unruhigen) Schlaf. Und nachdem für den frühen Abend noch ein paar Einkäufe geplant waren, war ich pünktlich zum Arbeitsbeginn wieder müde. Was doof war. Am Autochen war alles gerichtet und den Donnerstag hatte ich schon zu Gunsten eines Kollegen geopfert, der gerne fahren wollte, während ich eher so pro forma ein paar wenige Touren gemacht hätte. Und jetzt war Freitagnacht, ein toller Tag zum relaxt und dennoch nicht unterbeschäftigt Taxifahren. Und mir fielen die Augen zu.

Ein bisschen was geht immer. Viel frische Luft, dazu ein, zwei oder drei Coffees. Ein Tief kann einen immer mal erwischen, da bin ich ja vorbereitet. Aber irgendwann geht das nicht mehr weiter. Koffein überdosieren ist eine verdammt blöde Idee. Ich bin jetzt zwar nicht sonderlich empfindlich (manche kriegen da ja umgehend Herzflattern), aber ich hab mal privat völlig übermüdet eine Fahrt mit insgesamt mehr als einem Gramm Koffein intus beendet, was mir vor allem die Klamotten versaut hat, weil  ich plötzlich (das einzige Mal in den letzten 10 oder 15 Jahren) übelstes Nasenbluten bekommen habe. Abgesehen davon, dass ich das im Taxi nicht brauchen kann: Wir werden uns sicher einig sein, dass man seinen Körper nicht auf Dauer überlisten kann und sollte. Schon gar nicht, wenn man bei der Arbeit gefälligst konzentriert zu sein hat.

Das letzte Stadium im Taxi ist das, das zum sofortigen Abbruch der Schicht aufruft: Wenn man Mülltonnen winken sieht. Nicht wortwörtlich im Sinne arg abschweifender Halluzinationen (Dann ist es ein bisschen mehr als nur eigentlich zu spät), sondern im Sinne ständigen Aufschreckens, weil man glaubt, da wäre gerade ein Mensch gestanden, obwohl es eben nur eine Mülltonne, ein Verkehrsschild oder ein Dromedar war. Also beispielsweise. Briefkästen sind auch so eine ganz eigene Kundengruppe, wenn man nur müde genug ist.

Das Geld heute Nacht wäre echt nötig gewesen. Aber ich schaff es einfach nicht wie manche Kollegen wegen 50 € brutto am Monatsende mal eben die körperliche Unversehrtheit aller vielleicht auch nur zufällig Beteiligten zu gefährden. Also bin ich um halb vier dann doch heim. Obwohl die gute Zeit erst anfing. Bzw. jetzt anfängt. Denn jetzt, da ich diese Zeilen schreibe, ist es halb fünf. Ich halte mich mit dem Schreiben dieses Eintrages wach. Wenn auch mehr schlecht als recht: das tue ich absichtlich. Damit ich nachher um 7 Uhr todmüde und hoffentlich selbst im Falle einer Drehorgel-Epidemie friedlich ins Bett falle.

Und im Laufe des heutigen Abends rolle ich das Feld dann frisch ausgeschlafen von hinten auf! 🙂


PS: Heute ist dann der kürzeste Tag des Jahres. Für den ich viel übrig hab, weil ich die Nacht an und für sich ja doch einfach für die bessere Zeit halte.

 

13 Kommentare bis “Wenn es weh tut …”

  1. Tk sagt:

    Hab auch schon mal wegen Baustellen-Absperrband gewendet. Es hat aber auch sehr schön im Wind rumgeflattert.
    Man muss dann wirklich erkennen das es nicht mehr geht und Schicht beenden,um sich und andere zu schützen.

  2. Ingmar sagt:

    Heute Morgen, als ich das Auto abgestellt habe, hatte ich mich auch zu Tode erschreckt, weil sich in der Scheibe das Gesicht der Werbung von der Taxe neben mir gespiegelt hat 🙂

  3. monstermagicc sagt:

    Aus Mittleid und Verständnis 10€ per Paypal gespendet. Danke für’s nicht übermüdet fahren. Ist gefährlich. Ausserdem finde ich Drehorgeln sind doof (ausser vielleicht bei gaaaanz besonderen Anlässen, Runde Geburtstage mit lustigen Liedern gehen manchmal). Danke für all die schönen Artikel, fast jeden Tag seit Jahren! (Wenn man es so sieht habe ich im Grunde nicht gespendet, sondern endlich bezahlt… ) Frohe Festtage!

  4. TM sagt:

    @monstermagicc:
    Es hilft auch sehr, wenn man über Sash’s Affiliatelink geht, wenn man eh bei Amazon einkaufen geht. Der steht hier:
    http://gestern-nacht-im-taxi.de/wordpress/unterstutzen/
    Amazon schüttet erstaunlich hohe Provisionen aus (deutlich über 5% des Einkaufwerts).

    Alternativ: @Sash: Schon mal darüber nachgedacht: http://affiliatefox.net/de/ – damit können alle, die möchten und den Firefox Browser verwenden automatisch deinen Reflink für Amazon nutzen.

  5. Ano sagt:

    @TM: Darf ich fragen, woher deine Annahme mit den „deutlich über 5%“ kommt? Soweit ich weiß, ist die fixe Provision bei Amazon-Reflinks grundsätzlich bei exakt 2%. Sehr viel mehr fände ich ehrlich gesagt auch komisch. Aber trotzdem läppert sich so ein Reflink mit der Zeit natürlich.

  6. breakpoint sagt:

    Wäre Ohropax eine Option?
    Ich persönlich mag ja keine Fremdkörper in den Ohren, aber Drehorgelgedudel sollte blockiert werden.

  7. Sash sagt:

    @Tk:
    Absperrband … ja, das kann ich mir vorstellen. 🙂

    @Ingmar:
    Haha, Kopfkino! 😀

    @monstermagicc:
    Oh, wow, danke!
    Und Dir ebenfalls frohe Festtage! 🙂

    @TM:
    Danke für die Werbung dafür. 😉
    Was Du da schreibst, klingt einerseits natürlich verlockend. Andererseits weiß ich nicht, ob mir das nicht „zu automatisch“ ist. Aber ich wusste bis eben auch gar nicht, dass es sowas gibt. Entscheidung folgt später.

    @Ano:
    TM hat gewissermaßen schon Recht. Zu Beginn sind es zwar unter 5% (ich glaube, es waren 4), aber je mehr Produkte über den Link gekauft werden, desto höher die Vergütung. Die Marge dafür scheint bei Amazon recht hoch zu sein, denn der Maximalwert liegt bei 9 oder 10%, bei kurzzeitigen Aktionen sogar manchmal mehr – manche Produkte sind allerdings auch bei weniger „gedeckelt“. Bei mir sind es derzeit durchschnittlich fast 6%, was immerhin bedeutet, dass von 20 € Einkaufspreis mehr als ein Euro bei mir landet. Das läppert sich in manchen Monaten glücklicherweise recht schnell. 🙂

    @breakpoint:
    Ehrlich gesagt: Nein. Ich bin nicht gemacht dafür, mir irgendwas umzuhängen oder einzustöpseln. Sicher, vielleicht gewöhnt man sich dran, aber vorstellen kann ich es mir nicht.

  8. LGMA sagt:

    Danke für die ehrlichen Worte@Amazon deinerseits… gilt das eigentlich für alle Artikel die bei Amazon angeboten werden oder nur bei Artikeln, welchen VON Amazon versendet werden? Sprich Artikel von ShopXY != Geld für Sash ?

  9. Sash sagt:

    @LGMA:
    Warum sollte ich da auch nicht ehrlich sein? Ich freue mich über jedes dort gekaufte Produkt, weil es mir Geld bringt – da finde ich Transparenz angemessen. Mal abgesehen davon: Das kann ja jeder nachprüfen.
    Die Werbekostenerstattung gilt auch für Drittanbieter, wenn es über Amazon gekauft wird. Soweit ich das sagen kann, bleibt da zwar ein kleines Bisschen weniger hängen, aber ein wirklich kleines Bisschen. So ganz verstehe ich die Abrechnung da auch nicht. Fürs eine Produkt kriege ich 5,98%, beim nächsten 6,17% … und ein paar Kategorien haben ganz andere, noch höhere Quoten. Z.B. mp3’s geben fix 10%.
    Normalerweise existiert auch eine Obergrenze von 10 € pro Produkt, aber wie ich diesen Monat auf sehr (sehr sehr sehr) angenehme Art erfahren durfte, gilt das wohl z.B. nicht für Amazon-Gutscheine.
    Um es kurz zu machen: Das ist so ein Durcheinander, da steig nicht mal ich durch, obwohl es mich eigentlich mehr interessieren sollte. 😉

  10. Unbekannter Leser sagt:

    Amazon-Gutscheine: Dann wurde meine kleine Bestellung wohl korrekt verbucht. Schön, wenn ich so etwas zurückgeben konnte für anonyme Freude, die ich immer beim Lesen deines Blogs erfahre. 🙂

  11. Sash sagt:

    @Unbekannter Leser:
    Wenn Du das mit den 4 Gutscheinen warst: Definitiv! 😀

  12. Rob sagt:

    Hallo Sash,

    ich lese auch schon lange mit. Danke für die netten Anekdötchen.

    Wer kennt das nicht? Noch nicht mal am Wagen und schon todmüde. Was mir hilft, ist dann, kurz vor der Schicht etwas zu schlafen. Und wenn es nicht mehr geht, irgendwo rechts ran und ein „powernapp`“ halten. Ein paar Minuten wirken Wunder.

    Sch… ist es, wenn man dann ausgerechnet eine „weite“ Fahrt bekommt. Ist mir am 1. Weihnachtssamstag passiert. Eine 95€ – Fahrt und ich fühlte mich morgens um 5.45h eigentlich noch einigermaßen fit. Das änderte sich aber dann irgendwann beim monotonen Dahinrollen auf der leeren Autobahn. Der Fahrgast schlief neben mir und daher konnte ich jetzt nicht einfach die Fenster ´runtermachen. Gott, habe ich mich gequält. Mit viel Kneifen und Ohrenkneten und und und hats dann aber doch geklappt. Auf der Rückfahrt habe ich dann nach wenigen KM erst mal ´ne Viertelstunde genickert.

    Was ich aber an Deiner Stelle unbedingt mal machen würde: Sprech die dudelnde Lärmfontäne einfach an und erklär ihr, dass Du Nachtarbeiter bist und Deinen Schlaf brauchst. Nur weil sie schlechte Musik macht, muss sie ja kein schlechter Mensch sein. Du kannst neben Charme und Dackelblick aber auch noch ein kleines Präsentchen überreichen, z.B. eine kleine Tafel Schokolade oder je nach Typ ´nen kleinen Flachmann. Wenns nicht helfen sollte, empfehle ich ohropax soft aus der Internet-Apotheke. 😉

    Schlaf gut!

  13. Der Banker sagt:

    Für die Drehorgeltante gibt es auch gewisse gesetzliche Vorschriften.
    Ich weiß nicht, ob sich da kürzlich was geändert hat, aber ich meinte zu wissen, dass man nicht länger als zwei Stunden an einem Ort dudeln darf, dann las ich vor ein paar Wochen in der Tageszeitung, dass man nach einer halben Stunde schon den Platz wechseln sollte.
    Wenn das Gedudel so schlimm ist, finden sich doch sicher auch Mit-Leidtragende, die einen unterstützen könnten? Im Wachzustand ist sowas nämlich auch nicht angenehm.

    Naja… du bist ja auch nicht gerade klein. Im schlimmsten Fall versuch es mal damit, dich wie der böse Ober-Rausschmeißer aufzuplustern und ihr zu erklären, du stehst die ganze Nacht Wache vor irgend nem fies klingenden Szenelokal und willst daher JETZT schlafen…

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