Die Lampe anhaben

Als Taxifahrer ist es natürlich – vorsichtig ausgedrückt – ein kleines Bisschen suboptimal, die Lampe in dem Sinne anzuhaben, dass man was getrunken hat. Für uns gelten verständlicherweise sogar 0,0 Promille. Die Lampe auf dem Dach anhaben ist zwar unschön, weil es heißt, dass wir frei sind und somit gerade kein Geld verdienen, aber das passiert zwangsläufig öfter mal. Immer brennen sollten hingegen die anderen Lampen am Auto, deren Sinn darin besteht, zu leuchten. Selbst da gibt es Ausnahmen, z.B. wenn wie in den letzten Wochen bei der 72 der Fall, die Öl-Warnlampe ständig an ist, ohne dass Öl fehlt. Aber, zu guter Letzt: Wenigstens die Scheinwerfer sollten ihren Dienst artig verrichten.

Das taten sie in letzter Zeit auch gut, da will ich nix sagen. Ich glaube, das letzte Mal tauschen war auf jeden Fall 2012, bei der 1925 damals noch. Aber irgendwann ist aller Tage Abend und man muss halt mal ran. Blöd nur, wenn das während der Nachtschicht passiert. Denn, so gerne ich mein Autochen lobe, jedes Mal, wenn es um die Scheinwerfer geht, könnte ich ausrasten. Da haben die Konstrukteure von Opel einfach so dermaßen einen an der Klatsche gehabt, das ist unfassbar.

Schlimm genug, dass man für die Rücklichter einiges an Übung braucht, weil man sie komplett ausbauen muss, um eine Glühbirne zu wechseln. Aber im Grunde ist das recht gut machbar. Mein Finger fummeln sich beim Wiederreindrehen der Schrauben zwar manchmal zu Tode, aber mit manchen Dingen lebt man irgendwie.
Die Frontscheinwerfer aber – hört mir auf! Die muss man zwar nicht ganz ausbauen, dafür muss man an einzelne Leuchten über den Radkasten ran. Erst eine Abdeckung lösen, dann eine Gummikappe abziehen, dann einen Bügel lösen und dann die Lampe rausziehen. Die Zahl der Arbeitsschritte ist zwar überschaubar, allerdings sollte man dazu zum einen einen trockenen Platz haben, um sich unters Auto zu legen un/oder ein beachtliches Talent im Blind-Fummeln haben. Und so war die Situation auch wenig erfreulich, als mir mein linkes Abblendlicht am Wochenende ausfiel.

Theoretisch wissend wie es geht, mich aber technisch nicht dazu in der Lage sehend (Wurstfinger, linke Hände, diese Geschichten), hab ich ungefähr 5 Kollegen mit dem selben Auto angequatscht. Das Spektrum der Antworten reichte von

„Ick hab dit schon mal jemacht, abba nie wieda! Bisse bis zur Schulter volljesifft und am Ende sitzt de Scheiße schief und Du blendest den Jejenvakehr!“

bis

„In die Werkstatt damit. Haste keene Chance. Schon jar nüscht nachts!“

Aber gut, Haustechniker angerufen. Der hat Übung damit. Oh, Handy aus. War wohl zu spät. Also Cheffe himself. Aha, ja, Werkstatt, verstehe, schon klar, danke.

Und dann stehste da und bist auf dem linken Auge blind. Also gut, Fernlicht wäre … nee, besser nicht! 😉

Klar, mitten in der Stadt bei gut beleuchteten Straßen kann man mal eine halbe Stunde mit kaputtem Licht rumfahren. Ich will da nicht pingelig sein. Aber ich hab als Taxifahrer das kleine Problem, dass ich keine Ahnung hab, in welche Gegenden es mich so verschlägt. War dann im Endeffekt eine eher kurze Schicht …  🙁

Natürlich: So ein Scheinwerfer fällt nicht jede Woche aus. Aber eine Glühlampe ist ein Verschleissteil. Wie kann man das bitte so bekloppt verbauen?

Sorgenkind 72

Vielleicht bin ich ein bisschen empfindlich beim Auto. Zumindest rede ich mir das bisweilen selbst ein. Sobald irgendwas quietscht oder klappert, nervt es mich. Aber ich hab ja leicht reden, wo doch die Reparaturen bis auf ganz extrem seltene Fälle nie in meiner Arbeitszeit liegen. Gestern Abend hab ich mich lange Zeit vor dem Schichtbeginn gedrückt. Da spielte zwar auch ein eher schwer im Magen liegendes Frühstück eine Rolle, aber ich hatte Sorge, dass mich das Auto so nervt wie am Freitag. Da ging es zwar meist noch, aber na ja …

Autos machen Geräusche und die wenigsten davon sind angenehm. Und ich hab inzwischen auch ein bisschen mehr Abstand davon gewonnen, dass alles perfekt sein muss. Aber kaum dass ich gestern vom Parkplatz gerollt bin, war es wieder da. Miepmiepmiep im Takt der Reifenumdrehungen. Macht einen kirre, wenn man das Fenster einen Spalt offen lässt. Beim Bremsen dann schlagartig Ruhe, bis das Quietschen einsetzt, das ankündigt, dass man sie auch mal überprüfen sollte. Nach rechts lenken klappt geräuschlos, links schabt irgendwas. Und was das Auto für Geräusche macht, wenn ich rückwärts mit voll eingeschlagenem Lenkrad einparke, ist zu obskur für meinen Wortschatz.

Ich begann eine Runde um den Wohnblock zu drehen. Grenzen ausloten. Wichtigste Erkenntnis, fast noch legal gewonnen: Ab Tempo 60 ist alles prima. Ein bisschen doof nur, dass ich zu 99% in der Innenstadt unterwegs bin. Ich wollte das Auto also entnervt wegstellen und meinem Chef Bescheid sagen. Meinem Tagfahrer war das Ganze bislang nicht aufgefallen, was aber verschiedenste Gründe haben könnte. Geschlossene Scheiben, Stadtverkehr am Tage, laute Musik, was weiß ich. Vielleicht auch Ignoranz, keine Ahnung.

Als ich den Testkreis zu drei Vierteln geschlossen hatte, rannte an einer Ampel doch tatsächlich wer auf mein Auto zu. Im Rahmen einer besonders großen Ironie dachte ich in dem Moment daran, wie scheiße sich das Auto wohl gerade beim Bremsen angehört haben musste, bis ich sah, dass der Kerl große Kopfhörer trug, über die er offenbar laut Musik hörte. Klassischer Fall von „Wenn sich zwei finden“. 😉

Er hatte eine Tour für rund einen Zehner für mich, alles soweit gut. Als er ausgestiegen war, dachte ich mir auch:

„Ach komm! Siehste, geht doch alles. Ist nicht so wild, mach mal nicht rum!“

Und dann hab ich gewendet …

Also doch Zettel für den Tagfahrer, SMS an den Chef und ein Tag ungeplanter Urlaub. Bisschen doof nur, dass es ausgerechnet an einem guten Wochenende sein musste. Schauen wir mal, wie lange wir die 72 noch haben.

Sooo knapp vorbei …

Die Schicht heute Nacht hat dem Gewerbe alle Ehre gemacht und war völlig durchgeknallt. Gar nicht mal wegen der Fahrgäste, nee nee! Das fing schon mit den Touren an. Während ich ja eigentlich auf 200 € Umsatz zielen wollte, lief es am Anfang zeitgleich gut und total bekloppt. Ich hatte fast in jeder Stunde gleich zwei Touren – was an und für sich mehr als ausreichend gewesen wäre – aber ausnahmslos sehr kurze. Nach den ersten vier (!) Fahrten stand mein Umsatz bei 21 € – und da war nur eine einzige Kurzstrecke dabei …
Ich hätte mich ja beinahe überzeugen lassen, dass an diesem Freitag-der-13te-Geseier irgendwas dran ist.

Aber gut, nichts währt ewig. Am Ende wurden die Fahrten länger und das Ergebnis sollte auch noch ganz passabel werden. Einen Moment nahezu unanständiger Hoffnung hatte ich, als ich am Berghain 6 Jungs im Auto verteilt hatte. Sie waren ein bisschen verärgert, nicht ins Berghain gekommen zu sein. Dabei war jetzt nicht soo viel schlimmes daran, dass der Club von einem meiner Kollegen empfohlen worden war. Wer nach einem „sehr guten Club“ fragt … aber klar ist es hart, abgewiesen zu werden. Vor allem, wenn man das aus der Heimat nicht kennt:

„Look at us, my friend! We are the best looking men in finland!“

Aber gut. Für eigentlich recht anspruchslose Touristen lässt sich im näheren Umkreis ja immer eine Alternative finden. Ich wähle da immer gerne den Tresor. Der hat (noch von der alten Location her) einen verdammt guten Ruf und ist in wenigen Minuten erreichbar. Auf der anderen Seite ist es auch nicht der allernächste, die Fahrt bringt immerhin einen Euro mehr als das Watergate oder der Kater Holzig. Beim Kater allerdings sind die Türsteher manchmal offenbar auch wählerisch, am Watergate ist die Schlange manchmal sehr lang. Beides hab ich vom Tresor noch nicht gehört, so dass ich denke, das geht schon in Ordnung.

Und während ich das so vorschlage, will einer der Jungs die anderen doch tatsächlich überreden, noch in ein Rotlicht-Etablissement zu wechseln. Hätte er das mal hingekriegt – ich hätte an der Tour mehr verdient als am ganzen Wochenende. Bei sechs Leuten!

Aber gut, hat nicht sollen sein. Also blieb es beim Tresor. 7,00 € + 3,00 € Zuschläge ohne Trinkgeld. Bis dahin die umsatzstärkste Fahrt an dem Abend. Immerhin, auch wenn’s ein bisschen schmerzt. 😉

Das einzige, was wirklich genervt hat, war das Auto. Die Bremsen, die Stabilisatoren, vielleicht auch noch irgendwas. Sollte bald mal gemacht werden. Heute Nacht hatte die Kiste für jede Lebenslage ein eigenes nicht ganz freiwilliges Geräusch parat. Meistens nicht schlimm – wenn man am Ostbahnhof durch die Schlange geht, hat immer irgendeiner gerade irgendwas am Auto – aber mich hat’s furchtbar gestresst. Vor allem, weil ich jetzt am Wochenende ja auch nicht wirklich auf Besserung hoffen kann. Ich mag es einfach nicht, wenn irgendwas nicht klingt, wie es soll. Dummerweise sind die meisten Kollegen da weit weniger empfindlich … 🙁

Die 72

Wir haben uns nach all dem Gerangel um das Ende der 1925 noch gar nicht über die 72 unterhalten …

Nun, um ehrlich zu sein: Ich hatte bisher keinen Grund dafür.  Die 72 (die Ordnungsnummer meines „neuen“ Taxis, für die unwissende Leserschaft), ist ähnlich wie die zwischenzeitlich eingesprungene 1078 kein großer Unterschied zu meinem alten Auto, der 1925. Deswegen hab ich beispielsweise auch die Seite „meine Kiste“ noch nicht aktualisiert.

Ich hab noch nicht einmal Bilder gemacht, weil der Unterschied niemandem auffallen würde …

Prinzipiell ist das Auto das selbe geblieben und mit allen kleinen Nebenkriegsschauplätzen fange ich gerade an, mich zu arrangieren.

Für mich der entscheidendste Part ist der von mir nicht genutzte Funk. Für das Datenfunkmodul hat die 72 eine Halterung genau dort, wo ich mein Handy anzubringen gedenke. Das ist aber ein mittelschweres Problem, denn meine Handyhalterung ist so vielseitig nutzbar, dass sie sich auch dort anbringen lässt. Was bin ich jetzt froh, damals keine maßgeschneiderte Lüftungshalterung gekauft zu haben!

Ansonsten sind es NOCH unbedeutendere Kleinigkeiten, die den Unterschied ausmachen. Z.B. ist die Ablagefläche in der Mittelkonsole anders unterteilt. Nichts, womit man nicht klarkommen könnte. Ein noch nicht genutztes Kleinod ist im Gegenzug eine mitten auf dem Armaturenbrett angebrachte Verteilerbuchse für den Zigarettenanzünder. Tatsächlich eine geile Sache für Navi, Handy und co. – aber da ich mir ja bereits einen echt geilen Supi-Dupi-Akku zugelegt habe – und das Auto ebenso wie die 1925 ein eingebautes Navi hat, ist das derzeit nicht wichtig.

Ansonsten sind Vorzüge und Schwächen vergleichbar. Alles soweit in Ordnung. Natürlich: Das Sitzleder gibt langsam nach, der Teppich im rechten Fußraum hinten ist mit Tape geflickt und der Motor neigt dazu, gelegentlich mit den Drehzahlen Rodeo zu spielen, wenn man an der Ampel hält. Das Auto hat jetzt 342.000 km runter, ich kann also jedem nur empfehlen, es nicht mehr sonderlich lieb zu gewinnen. Ich und mein Tagfahrer sind aus verschiedenen Gründen nicht das Dreamteam, dem die allerneuesten Autos zugeteilt werden.

In den letzten zwei Wochen hatte ich einige „Probleme“ mit den Bremsen. Was aber nur heißt: Sie waren runtergefahren und haben gequietscht. Nix schlimmes, sondern etwas, das im Laufe der Zeit immer mal wieder passiert. War nur doof so direkt nach dem Wechsel. Ich glaube, ich werde mit der Kiste schon noch ein bisschen Spaß haben. Jetzt kommt ja auch der Winter, da hat man das in der Regel ja sowieso – zumindest wenn man keinen Hecktriebler fährt. 😉

Nicht so viel Glück

hatte ich am vergangenen Wochenende. Klar, so schlimm wie dem Kollegen aus dem gestrigen Eintrag ist es mir nicht ergangen, aber dass mein Autochen gemeint hat, ausgerechnet am frühen Samstag Morgen so ziemlich jedes Verschleißteil nach einer Inspektion schreien zu lassen, war irgendwie schon schlechtestmögliches Timing.
Ich bin durch die hochbetagte 1925 im Laufe der Jahre ja durchaus tolerant geworden, was die Macken an Autos angeht, aber manche Dinge gehen nicht. Als ich am Samstag Abend nochmal testweise eine Runde um den Block gedreht habe – um zu sehen, ob es vielleicht nur vorübergehend war – hat meine bessere Hälfte es ganz gut auf den Punkt gebracht:

„Und lass mich raten, das Geräusch kommt nicht von der Straßenbahn, sondern vom Auto …“

So manches Teil muss eben alle paar zehntausend Kilometer gewechselt werden – und im Falle von Taxen natürlich dann, wenn die Werkstätten zu haben und die Zeit zum Geld verdienen gut ist. Und kein Ersatzwagen vorhanden ist, logisch. Darüber hinaus ist meine neue Kiste, die 72, ja auch weit davon entfernt, ein Jungspund zu sein. Ich hab während der besagten Freitagsschicht die 340.000 km voll gemacht, wahrscheinlich wird sie mich nicht arg viel länger als ein Jahr begleiten. Einen Artikel zum Auto wollte ich eigentlich auch irgendwann schreiben, aber die Ähnlichkeit zur 1925 ist so hoch, das wäre am Ende ein Text darüber geworden, an welcher Stelle das neue Auto im Vergleich zum alten noch keine Schrammen hat.
(Die kurze Variante: An keinem Karosserieteil anstelle von allen.)

Ansonsten will ich mich nicht beschweren. Die Freitagsschicht lief zumindest mal so gut wie erwartet, ich hab nur eine Stunde vor der eigentlichen Zeit abgebrochen wegen des Wagens. Und ein bisschen Spaß machen unerwartet freie Tage dann ja doch auch. Nur das mit dem Geld könnte halt besser sein. 🙁

Zwillingsauto

So, das mit der 1925 ist Geschichte. Sie steht derweil noch in der Stadt rum, was mit ihr genau passiert, weiß ich selbst nicht. Ob sie ausgeschlachtet oder doch verkauft wird … so ganz genau schienen meine Chefs das Anfang der Woche auch noch nicht zu wissen. Ich vermute aber nicht, dass ich sie nochmal sehen werde und zum Nachfragen, ob ich mir vielleicht ein oder zwei Teile sichern dürfte, bin ich nicht einmal gekommen bisher. Ich vermute also nicht, dass da noch etwas draus wird. Zumal ich meinen Schlüssel heute bereits weggegeben habe.

Das neue Fahrzeug für den Dauereinsatz ist derzeit noch belegt, übergangsweise fahre ich nun dieses Wochenende voraussichtlich mit der 1078. Und die wirkt, nun ja: nicht unvertraut:

"1925, bist Du es?" Quelle: Sash

„1925, bist Du es?“ Quelle: Sash

Auch das kommende Fahrzeug wird noch einmal ein B-Zafira werden, aber in Details unterscheiden sich Autos dann ja doch. Jetzt bei der 1078 hab ich aber noch keine Unterschiede ausmachen können. Außer, dass sie deutlich weniger Macken hat und – wie man auf dem Bild sehen kann – sogar die Stoßstange vorne gerade trägt. Fahrzeugtechnisch ist das Auto bis hin zu Taxameter und Funkgerät mit meiner alten Kiste identisch. Selbst der Kilometerstand ist ähnlich, allzu sehr lieb gewinnen sollte man dieses Taxi also auch nicht mehr:

Die 1925 hatte gerade mal 8.700 km mehr runter. Quelle: Sash

Die 1925 hatte gerade mal 8.700 km mehr runter. Quelle: Sash

Gefahren hat sich das Auto wirklich gut, auch wenn ich kleine Unterschiede festgestellt hab beim Beschleunigen oder bei der Kupplung natürlich. Ähnlicher Kilometerstand bedeutet natürlich auch ähnliche Probleme. Der Teppich der 1078 ist genau dort notdürftig geflickt, wo er es auch bei der 1925 war, auch an diesem Auto fangen die Türschweller an zu rosten etc. pp.
Endlos machen die kleinen Opels das halt auch nicht mit. Was mich eigentlich am meisten beschäftigt hat während der paar wenigen Touren letzte Nacht: Dass natürlich Radio und Navi komplett anders eingestellt waren. Ich tippe auf einen Tagfahrer mit Hang zu klassischer Musik. Wieso sonst sollte jemand die Höhen lauter als die Bässe und das Navi auf die schnellste anstelle der kürzesten Route einstellen? In meinem nächsten Leben werde ich Detektiv. 😉

Zwei oder drei schöne Schichten werde ich mit diesem Zwilling der 1925 sicher hinter mich bringen, dann mal schauen, was die etwas jüngere 72 zu bieten haben wird.

Eine neue 1925 gibt es im Übrigen bereits wieder. Ob sie schon fährt, weiß ich nicht. Den Gerüchten nach handelt es sich tatsächlich um den ganz neuen Zafira Tourer – ich hab sie aber noch nicht gesehen. Ich gebe zu, es hätte mich sehr gefreut, dieses Auto mal auszuprobieren. Aber dazu wollte ich auch noch ein paar Worte verlieren: Ich weiß, Ihr hättet alle gerne, dass ich einen Neuwagen bekomme und die 1925 sowieso am besten behalte. Wie gesagt: Der Gedanke sagt mir auch zu, aber das ist natürlich nicht das einzige, worauf meine Chefs Rücksicht nehmen müssen. Zum einen will das alles organisiert sein, zum anderen haben meine Chefs mich zweifelsohne gern – aber ich bin de facto nur noch eine Halbtagskraft. Es gibt andere Teams im Unternehmen, die deutlich mehr Kohle einfahren. Außerdem sind weder mein Tagfahrer noch ich diejenigen, die am lautesten und am ausdauerndsten jammern, wenn es um neue Autos geht. Ich fahre gerne noch eine Weile B-Zafira. Wenn dafür ein anderer Kollege vor lauter Glücksgefühlen in seinem Neuwagen zwei Hunderter mehr Umsatz im Monat einfährt, dann ist das schon ok, denn ich würde das nicht machen.

Ich arbeite nur halb so viel wie in meinem Arbeitsvertrag steht und habe trotzdem ein festes Auto mit Abstellplatz in der Nähe. Andere werden eben häufiger mal als Springer auf verschiedenen Wagen eingesetzt, wenn sie nur am Wochenende fahren. Glaubt also nicht, ich lasse mich bei dem Auto über den Tisch ziehen. Ich hab mit meinen Chefs nur andere Vereinbarungen als die Kollegen, die jetzt einen neuen Wagen haben. Und das ist für mich in Ordnung, denn ich hab das nicht anders gewollt.

Schließlich hätte GNIT von einem neuen Auto eher weniger, wenn ich dafür wieder Vollzeit ran müsste. 😉

Wochenende

Zunächst einmal herzlich willkommen am vermutlich heißesten Tag des Jahres 2013 in Berlin!

Obwohl es gerade einmal kurz nach sieben Uhr ist, schwitze ich bereits, und das wird sich voraussichtlich nicht mehr ändern heute. Ob ich überhaupt schlafen kann bei dem Wetter, bleibt abzuwarten. Des Wetters wegen alleine hab ich schon lange rumüberlegt, ob ich heute arbeiten soll, am Ende hat es doch meine kleine 1925 für mich entschieden. Die war die ganze Woche nicht völlig fehlerfrei unterwegs. Auch wenn es letztlich nur das Quietschen war, das blieb: Jetzt bleibt die Kiste stehen, bis ich sie am Montag wieder zu unserem Schrauber bringen werde!

Ich selbst bin manchmal ein wenig überkritisch, was Fahrzeuggeräusche angeht. Kein Wunder, schließlich weiß ich nach einer sechsstelligen Anzahl an Kilometern ja, wie die 1925 „normal“ klingt. Aber als sich heute morgen um kurz vor halb sechs meine letzte Kundin mit schmerzverzerrtem Gesicht die Ohren zuhielt, als ich neben ihr bremste, stand für mich fest, dass hier Schluss ist. Für die Schicht war es das ohnehin, aber das ist ein anderes Thema, zu dem ich gleich kommen werde. Heute ist also Ruhetag, was mir ehrlich gesagt auch gut passt. Immerhin bin ich diese Woche schon am Mittwoch das erste Mal ausgerückt, noch dazu mit extra frühem Aufstehen. Wenn man bedenkt, dass ich das nur noch als 50%-Job mache, sollte das ohnehin genug sein. Vom Wetter mal ganz zu schweigen.

Aber gut, die heutige Schicht.

Lief bombig. Nicht rekordverdächtig, aber ich war immer froh um eine Zigarettenpause, bzw. darüber, überhaupt mal das nassgeschwitzte Hemd vom ledernen Fahrersitz lösen zu können. Da ich derzeit wegen meines zeit.de-Interviews viele neue Leser habe, will ich auch kurz anmerken, was „gut“, bzw. „bombig“ hier in Berlin im Taxigewerbe heißt:

Ich hab in 8 Stunden ziemlich genau 200 € Umsatz gemacht. Ein Rekord wäre es gewesen, wenn ich weniger als fünfeinhalb Stunden dafür gebraucht hätte. Auf der anderen Seite hab ich am Freitagabend 8 Stunden für nicht einmal 110 € Umsatz runtergerissen. Und wer jetzt neidisch guckt, sollte sich vor Augen halten, dass Umsatz nicht gleich Verdienst ist. Mein Verdienst liegt am Ende bei rund 50% der oben genannten Zahlen – Trinkgeld schon eingerechnet.

Natürlich hätte es heute – wie immer – auch besser laufen können. Bestes Beispiel war mein eigentlich letzter geplanter Stopp am Ostbahnhof: Ich wurde gefragt, ob mein Auto ein Großraumtaxi sei, was ich bejahte. Dann aber musste ich verneinen bei der Frage, ob ich das bestellte wäre. Wie so oft fragte die potenzielle Kundschaft dann, ob ich sie nicht fahren könnte. Hätte ich machen können, wäre nur unfair dem wohl gerade auf dem Weg befindlichen Kollegen gegenüber. Also hab ich die Truppe vertröstet und in Aussicht gestellt, dass der Kollege sicher gleich kommt. Man ist ja kein Arschloch.
Aber ich hab auch gesagt, dass ich vorraussichtlich ja noch ein paar Minuten da bin, falls er wirklich nicht auftauchen sollte.
Dann kam das Fiese: Mein Gegenüber wollte von mir wissen, was es nach Dallgow-Döberitz kosten würde. Zwar nicht meine Richtung, aber eine verdammt lohnenswerte Umlandfahrt! Sicher um die 40 € …
Ein bisschen hoffen, dass der Kollege nicht kommt, wollte ich noch – da hatte ich dann aber schon andere Kundschaft. Ein sehr sehr liebenswerter Kerl, sicher 15 Jahre älter als ich, für sein Alter aber drei Hausnummern zu cool. Wir hatten ein glänzendes Gespräch, die Tour hat sehr viel Spaß gemacht – leider ging sie eben nur für 6,20 € zum Frankfurter Tor. Dort hab ich umgehend Kehrt gemacht und bin zum Bahnhof zurück. Aber die Jungs waren natürlich schon weg …

So kann es dann halt auch gehen am Ende einer guten Schicht. 🙁