Netz der Unwägbarkeiten

Also irgendwie war das Wochenende so ziemlich das mieseste, was einem passieren kann. Gut, dass die 1925 rumgezickt hat … das ist halt so. Kann im Endeffekt niemand was dafür und ich hoffe, dass es wenigstens nix endgültiges ist.
Und meine Chefs wären nicht meine Chefs, wenn sich da nicht in der Regel was machen ließe. Im Büro ist am Wochenende zwar keiner, aber im Grunde hat die telefonische Notfallrettung funktioniert. Es gab ein freies Auto und ich konnte es an der Firma abholen. Also waren sogar die Wege recht kurz. Da ich vorher aber die 1925 zum Schrauber bringen sollte, wurde mir von dort zur Firma sogar ein Taxi gestellt. Bezahlt. Lieb wie ich bin, hab ich die Fahrt an einen Kollegen von uns vergeben. So bleibt das Geld wenigstens in der Firma 😉

Nun gab es nur folgendes Problem: Das Auto war nicht an der Firma. Und – wie ich nach einer halben Stunde lustigen Wanderns festgestellt hatte – auch nicht irgendwo in der Nähe.

Und der Fahrer – der es aller Wahrscheinlichkeit nach mit nach Hause (oder in den Urlaub, was weiß ich) genommen hat, der war konsequenterweise nicht zu erreichen. Herrlich, sowas. Aber wenn ich bei dem Namen richtig liege, ist es ohnehin der Firmenassi und ich sollte nicht überrascht sein … 🙁

Damit war dann alles im Arsch – will heißen: die ganze Schicht. Für den Abend hätte ich zwar noch ein Auto kriegen können – allerdings nicht mal bis zum Ende meiner Schicht. Zuzüglich nerviger An- und Abfahrten, was halt so passiert.

Also hab ich das Angebot angenommen, abermals ein Taxi zu entern und nach Hause zu fahren. Ich hab mir wieder einen Kollegen geordert, abermals einen guten natürlich. Also bin ich heute statt 20-mal mit Kundschaft 2-mal als Kundschaft Taxi gefahren. Nicht so der Bringer.

So viel Pech hat man selten auf einmal – das war es jetzt hoffentlich für die nächsten Jahre. Ozie hat mich schon gefragt, ob ich derletzt irgendwelche Einhörner überfahren hätte oder weswegen mein Karma so offensichtlich mies sei.

Naja, Schwamm drüber!

Ich schulde euch noch ein Netz und das gibt es hier:

Wie ich immer sage: Wir brauchen eine andere Netzpolitik! Quelle: Sash

Wünsche …

Meine Kundschaft ist alles in allem ja recht vielseitig. Auch wenn vielleicht vermehrt die Partygänger hier im Blog landen, den ein oder anderen Fahrgast mit etwas gepflegteren Umgangsarten habe ich natürlich auch im Auto. Und ich bin da durchaus gewohnt, mitzuwechseln. Vom Du zum Sie, vom Machma zum Bitte, vom prolligen Kumpel zum seriösen Chauffeur – hab ich alles drauf.

Bevor man sich kennenlernt, ist man natürlich vorsichtig. Ich habe mir angewöhnt, zur Begrüßung mit ein paar Abweichungen hier und da etwa folgendes zu sagen:

„Schönen guten Abend, wo bitte soll es hingehen?“

Ist nett, aber nicht zu förmlich, lässt sogar das Du noch offen und greift dennoch niemanden zu sehr an. Nun bekam ich neulich erstmals folgende Antwort darauf zu hören:

„Ich wünsche, in den Prenzlauer Berg gefahren zu werden.“

Ich will ehrlich sein: Ich hab ihr den Wunsch erfüllt, aber die Unterhaltung blieb recht kurz. Ich vermag mich relativ gewählt auszudrücken, aber auf dem Niveau ist mir das auf Dauer zu anstrengend …

Krank, Urlaub und ähnliches.

Ich war ja die Woche krank und hab mich auch schon darüber geärgert. Natürlich nicht ohne Grund. Über diesen oder jenen Kanal kriege ich jedes Mal mindestens eine Anfrage, wie das denn überhaupt mit dem Krankengeld bei uns läuft. Schließlich arbeite ich ausschließlich umsatzbasiert – wie soll man da einen Betrag für einen krankheitsbedingten Ausfall festlegen?

Schon um es zukünftig verlinken zu können, will ich das nochmal erklären.

Das System ist auf der einen Seite fair, auf der anderen eben doch immer ein bisschen blöd. Natürlich wird zur Berechnungsgrundlage ein Durchschnittswert herangezogen. Ich muss zugeben, dass ich gerade nicht auswendig im Kopf habe, über welche Zeit – aber ich glaube, es waren 13 Wochen. Das heißt: Wenn mein durchschnittlicher Umsatz pro Schicht z.B. 100 € waren, dann kriege ich meine 45 € brutto für einen ausgefallenen Tag. Seien es Urlaubs- oder Kranktage – das kommt auf’s Gleiche raus. Fast zumindest.

Bei mir kommt erschwerend hinzu, dass ich nicht Vollzeit arbeite. Also rein rechtlich ja, so steht es auch im Arbeitsvertrag – in der Praxis aber arbeite ich weniger. Deutlich. In manchen Wochen nur die Hälfte. Mein Wochenverdienst wird also durch 6 geteilt – auch wenn ich nur drei Tage gearbeitet habe. Das senkt natürlich den Wert dieser Tage enorm.

Für den Urlaub ist das egal. Da mag mir der Tag nur halb so viel bringen wie eine richtige Schicht – dafür hab ich aber trotzdem 24 Tage Urlaub im Jahr – was ich bei einer 50%-Stelle natürlich nicht hätte. Ergo: Für jeden wegen Urlaub frei genommenen Tag muss ich eben 2 Urlaubstage nehmen. Unterm Strich kommt das selbe dabei raus.

Bin ich krank, wendet sich das Blatt zu meinen Ungunsten: Bin ich beispielsweise genau die drei Arbeitstage krankgeschrieben, die ich tatsächlich verpasst habe, kriege ich auch nur die bezahlt. Und das kann – insbesondere am Wochenende – ziemlich mies sein. Im schlimmsten Fall (niedriger Durchschnitt der letzten Wochen aber eine umsatzstarke Zeit, während der ich ausfalle und nur kurze Krankschreibung) läuft das dann darauf raus, dass ich 25 € für einen Tag kriege, an dem ich auf der Straße 100 € gemacht hätte.

Ausgeglichen wird das letztlich dadurch, dass die meisten Ärzte einen sowieso bis zum Ende der Woche krankschreiben, so dass ich im Gegenzug auch für die Tage Geld bekomme, an denen ich ohnehin frei gemacht hätte.

Allerdings – das ist in der Rechnung gar nicht mit drin – fehlt das Trinkgeld in allen diesen Fällen. Und das macht ziemlich genau 20% meines Verdienstes aus. Also hab ich rund 20% Einbußen im Normalfall, oft deutlich mehr, in seltenen Fällen ein bisschen weniger. Es ist zum Beispiel eher lohnend, im Januar unter der Woche Urlaub zu nehmen – nach zwei bis drei guten Herbst- und Wintermonaten bricht das Geschäft da fast immer ein und man kann sich so einen kleinen Vorteil sichern.

Naja, es geht jedenfalls fast immer ein bisschen ins Geld. Den Urlaub kann ich mir zwar strategisch gut legen, krank sein passiert aber immer zur Unzeit, da kann man sich sicher sein … 🙁

Aber gut, ich bin wieder fit und mache am Wochenende die Straßen unsicher!

Ständige Vorsicht …

erfordert die Teilnahme im Straßenverkehr ja schon laut StVO. Und das ist echt eine fiese Geschichte. Denn natürlich: Je mehr man im Auto sitzt, je öfter, länger, weiter man fährt, desto unachtsamer wird man. Und da muss man als Fahrer im Grunde ständig gegen anarbeiten.

Allerdings hab ich da als Taxifahrer großes Glück. Wir haben zwischen unseren Touren (viel zu) oft Pausen, Ruhezeiten, Ablenkung. Im Schnitt trete ich mindestens jede zweite Tour nach einer längeren Pause an – also zumindest lang genug für einmal Aussteigen, eine Zigarette oder gar einen Kaffee. Man startet 5 bis 10 Mal quasi völlig von null an und ist wieder konzentriert. Und da ich merke, wie selbst ich mich manchmal von der Routine ablenken lasse, hab ich auch verdammt großen Respekt vor den ganzen LKW-Fahrern da draußen, die teils stundenlang am Stück hinterm Steuer sitzen. Und wesentlich monotonere Fahrten haben als wir. Es wird oft über schlimme Unfälle berichtet, tatsächlich müssten es der schwierigen Verhältnisse wegen etliche mehr sein, wenn da nicht überwiegend kompetentes Personal unterwegs wäre.

Ich hatte bislang zum einen immer Glück, zum anderen – ebenso glücklich wahrscheinlich – schnelle und vernünftige Reaktionsmuster zur Hand. Trotz meiner paar hunderttausend Kilometer Fahrerfahrung (schätze, ich bin irgendwo zwischen 400 und 450k) hab ich keine Ahnung, woher das kommt. Ja, ich hab mit fast jedem länger genutzten Auto mal eine Vollbremsung testweise gemacht und nach einem eisigen Winter voller waghalsiger Experimente zu tiefer Nachtstunde kann man das Verhalten eines Autos ganz gut einschätzen. Dass ich das bisher immer genau richtig umgesetzt habe, ist indes einfach nur Glück gewesen.

So im Grunde auch neulich.

Ihr müsst wissen, dass ich mir als Taxifahrer eine seltsame Fahrweise angeeignet habe – nämlich eine, die nur sehr vorsichtiges Bremsen beinhaltet. Mal abgesehen davon, dass unser Auto immer mal wieder beim Bremsen Geräusche gemacht hat im Laufe der Jahre – so zackiges Bremsen kommt auch nicht gut. Es wirkt wesentlich ruhiger, eleganter und professioneller, wenn man das Fahrzeug ohne Ruck zum Stehen bekommt und keine Hektik walten lässt – so wie man wohl auch beim Schalten besser nicht hakelt.

In Kreuzberg wäre mir neulich allerdings fast genau das passiert, was einen ehemaligen Mitbewohner von mir schon mal in ziemliche finanzielle Schwierigkeiten gebracht hat:

Ich fuhr als zweiter zum Rechtsabbiegen an die Kreuzung heran und sah, dass der Fahrer vor mir freie Fahrt hatte. Er löste auch die Bremsen und fuhr los. Ich hab die Kiste ebenfalls anrollen lassen und mich fast umgehend nach links orientiert. Klar, ich wollte sehen, ob irgendwelche Radfahrer, Autos oder Fußgänger mich an der Weiterfahrt hindern würden. Das kann man im Prinzip unter vorbildliches vorausschauendes Fahren einsortieren, allerdings nur, wenn man – anders als ich eben – das unmittelbare Hindernis nicht ganz aus den Augen verliert: Den Wagen direkt vor der eigenen Motorhaube!

Der nämlich hat aus einem mir nicht ersichtlichen (und vielleicht ja tatsächlich unsinnigen) Grund plötzlich gebremst. Als ich den Blick wieder auf ihn gerichtet habe, waren ungefähr noch gefühlte minus 20 Zentimeter Platz. Auch nach Jahren schätze ich die von innen unsichtbare Schnauze unseres Autos immer noch länger ein als sie ist …
Bevor ich auf die Bremse trat, hörte ich jedenfalls schon das Krachen von gefaltetem Metall und gesplittertem Plastik.

Meine Fahrgäste hörten nichts und fanden sich etwa 0,4 Sekunden später mit sicher ziemlich lustigen Gesichtsausdrücken in den Sicherheitsgurten hängend, als ich mich schon wunderte, weswegen der Wagen vor uns nicht langsam mit blinkenden Lichtern und eingedellter Stoßstange auf die Kreuzung rollte.

Ich – und natürlich die neuen Bremsen der 1925 – hatten es glücklicherweise einmal mehr geschafft. Ich würde wetten, dass der Abstand am Ende so gering war, dass die Besatzung des vorderen Wagens den Ruck durch den Luftdruck zwischen unseren Autos gespürt hat. Wenn da 2 Zentimeter Rest waren, dann weil die Autos irgendwie schräg zueinander standen.

So war die Schicht dann doch nicht zu Ende, nur ein kleines „Sorry“ an die Fahrgäste hatte ich zu entrichten. Die nahmen es allerdings gelassen und so ging es dann weiter wie geplant. Ich hoffe nun zum einen natürlich, dass mein Glück mich nie verlässt. Zum anderen bin ich sicher auch mal wieder eine Weile vorsichtiger als sonst unterwegs. Aus Gründen, wie man so schön sagt …

Wort zum Sonntag

OK. Mal kurz ein Gedanke:

Ich hab gestern gelesen, dass die Deutschen durchschnittlich 103 € Bargeld im Portemonnaie mit sich rumtragen*. Wie weit man da wann in welche Richtung vom Durchschnitt entfernt ist, ist sicher  eine interessante Überlegung. Ebenso interessant ist sicher, dass das durchaus die Größenordnung von dem sein könnte, was sich im Geldbeutel eines Taxifahrers finden lässt. Im Gegensatz zu Otto-Normalbürger haben wir aber zwingend eine Alarmanlage im Auto und fast genauso zwingend Funk oder eine vergleichbar einfache Kommunikationsmöglichkeit. Dank unschöner Ereignisse in der Vergangenheit sind etliche Taxifahrer inzwischen bewaffnet und außerdem fast schon von Berufs wegen ziemlich auf der Hut vor fragwürdigen Gestalten. Und trotzdem werden wir öfter ausgeraubt?

Also wenn ich noch belastbare Zahlen für Taxifahrer finde, dann erhoffe ich mir wenigstens einen Ig-Nobelpreis für die dann folgende mathematische Beweisführung für die Blödheit von Taxiräubern. 🙂

*war ein Artikel bei welt.de, ich werde ihn hier nicht verlinken. Aus Gründen.

Mimimi!

Ich wollte auf diesem Wege und um diese Uhrzeit übrigens mal anprangern, dass ich krank bin. Eigentlich nichts wildes, bin matt und schlapp und hab heute locker 12 Stunden gepennt. Und während ich selbst beim Schreiben versuchen muss, meinen Kopf oben zu halten, ist die beste Zeit der Woche angebrochen. Eine Menge Umsatz, viel Trinkgeld, was man halt so von Samstagen kennt. Und ich spiel nicht mit … 🙁

Bin sicher pünktlich zu meinem „Wochenende“ wieder fit – dank umsatzbasierter Bezahlung finde ich das allerdings nicht so lustig wie die meisten anderen Arbeitnehmer da draussen …

Sympathie ist viel wert …

„Ich hab das jetzt ja auch nur gemacht, weil Du mir, sag ich jetz‘ mal so, sympathisch warst.“

Was gemacht? Mir die Schicht gerettet!

Der Freitag Abend soll ein schlechter Freitag gewesen sein. Nahezu alle Kollegen prahlten selbstmitleidig mit hammerschlechten Umsätzen. Ich stand etwas deplaziert und debil grinsend daneben. Der Grund war meine dritte Tour an dem Abend. Eine, über die ich mich gleich zu Beginn gefreut hatte. Eine junge Frau (tatsächlich ein paar Jahre älter als ich) hat mich im Boxhagener Kiez rangewunken und mit der Aussage, sie möchte keine 10 Minuten auf den Bus warten, zum Ostbahnhof geschickt. Gute Idee, denn da wollte ich sowieso hin.

Während der 7€-Tour kamen wir recht schnell ins Gespräch. Auf den Zug müsse sie noch eine Stunde warten, aber wenigstens gäbe es im Bahnhof Speis und Trank. Am Zielbahnhof würde dann allerdings auch nur wieder ein nasser Motorroller warten. Danach aber – endlich – ein gemütliches Heim mit 3 Katzen und somit der lang ersehnte Ruhepol nach mehr als 12 Stunden Arbeit!

In Fürstenwalde.

Ich hatte dann nur beiläufig erwähnt, dass ich vor kurzem auch in Fürstenwalde gewesen wäre, leider mit einer eher unzufriedenen Kundin, die dem Hunni sehr hinterhergeweint hätte. Der Sieg war meiner, das ahnte ich bereits als sie fragte:

„Echt, ’nen Hunni würde des kosten?“

Als wir am Ostbahnhof auf die Vorfahrt rollten, war der Gedanke so fest eingepflanzt (und nein, ich hab es nicht forciert!), dass ich einfach frech sagen konnte:

„Also ICH würde mich natürlich freuen, sie nach Fürstenwalde zu bringen!“

Die Antwort kam schnell:

„Dann machen wir das doch jetzt einfach!“

Zack, Bombe! Ungelogen 5 Meter vor dem ursprünglichen Ziel hab ich gewendet und bin gen Südosten davongeschossen.

Die selbe Hammertour noch einmal, nun jedoch mit einer frisch verliebten und redseeligen jungen Frau an Bord, mit der wieder sehr schnell die Arbeit nicht mehr wie Arbeit wirkte. Zwischenrein ein Halt an der Tanke für Bier und fortan ein langes Gespräch über Beziehungen und die Liebe nebst vor sich hinratternder Uhr. Herrlich!

Wie viel besser kann es einem als Taxifahrer ergehen, als wenn man nach einer Tour 105 € ausgehändigt bekommt mit der recht eindeutigen Aussage:

„Es war mir ein Fest!“

Genau. Gar nicht! 😀