Sympathie ist viel wert …

„Ich hab das jetzt ja auch nur gemacht, weil Du mir, sag ich jetz‘ mal so, sympathisch warst.“

Was gemacht? Mir die Schicht gerettet!

Der Freitag Abend soll ein schlechter Freitag gewesen sein. Nahezu alle Kollegen prahlten selbstmitleidig mit hammerschlechten Umsätzen. Ich stand etwas deplaziert und debil grinsend daneben. Der Grund war meine dritte Tour an dem Abend. Eine, über die ich mich gleich zu Beginn gefreut hatte. Eine junge Frau (tatsächlich ein paar Jahre älter als ich) hat mich im Boxhagener Kiez rangewunken und mit der Aussage, sie möchte keine 10 Minuten auf den Bus warten, zum Ostbahnhof geschickt. Gute Idee, denn da wollte ich sowieso hin.

Während der 7€-Tour kamen wir recht schnell ins Gespräch. Auf den Zug müsse sie noch eine Stunde warten, aber wenigstens gäbe es im Bahnhof Speis und Trank. Am Zielbahnhof würde dann allerdings auch nur wieder ein nasser Motorroller warten. Danach aber – endlich – ein gemütliches Heim mit 3 Katzen und somit der lang ersehnte Ruhepol nach mehr als 12 Stunden Arbeit!

In Fürstenwalde.

Ich hatte dann nur beiläufig erwähnt, dass ich vor kurzem auch in Fürstenwalde gewesen wäre, leider mit einer eher unzufriedenen Kundin, die dem Hunni sehr hinterhergeweint hätte. Der Sieg war meiner, das ahnte ich bereits als sie fragte:

„Echt, ’nen Hunni würde des kosten?“

Als wir am Ostbahnhof auf die Vorfahrt rollten, war der Gedanke so fest eingepflanzt (und nein, ich hab es nicht forciert!), dass ich einfach frech sagen konnte:

„Also ICH würde mich natürlich freuen, sie nach Fürstenwalde zu bringen!“

Die Antwort kam schnell:

„Dann machen wir das doch jetzt einfach!“

Zack, Bombe! Ungelogen 5 Meter vor dem ursprünglichen Ziel hab ich gewendet und bin gen Südosten davongeschossen.

Die selbe Hammertour noch einmal, nun jedoch mit einer frisch verliebten und redseeligen jungen Frau an Bord, mit der wieder sehr schnell die Arbeit nicht mehr wie Arbeit wirkte. Zwischenrein ein Halt an der Tanke für Bier und fortan ein langes Gespräch über Beziehungen und die Liebe nebst vor sich hinratternder Uhr. Herrlich!

Wie viel besser kann es einem als Taxifahrer ergehen, als wenn man nach einer Tour 105 € ausgehändigt bekommt mit der recht eindeutigen Aussage:

„Es war mir ein Fest!“

Genau. Gar nicht! 😀

11 Kommentare bis “Sympathie ist viel wert …”

  1. Senfgnu sagt:

    Kann ich aus Kundensicht nachvollziehen – es gibt nichts besseres als nach 16 Stunden Arbeit schnell nach Hause zu kommen. Da is das Geld auch sowas von egal 😉

  2. leserin sagt:

    wie viel hat die uhr denn während dem halt an der tanke verbraucht?

  3. Bernd K. sagt:

    Zitat: „Eine junge Frau (tatsächlich ein paar Jahre älter als ich)“ Boah ey, doch so alt?! 🙂

    Glückwunsch zu der Fahrt. Du hast jetzt scheinbar einen Lauf mit den längeren Fahrten, nachdem du unlängst mal etwas geklagt hattest, bisher noch fast keine bekommen zu haben. Diese Fahrt hab ich sogar hier verfolgt, dachte anfangs schon, es geht bis FFO oder noch weiter. Und die Rückfahrt über die Dörfer, um von Osten nach B. reinzukommen.

    Aber der Leidensdruck der Kundin, für eine schnelle bequeme Fahrt so viel Geld auszugeben muss ziemlich hoch gewesen sein. Für mich (als sparsamen ÖPNV-Nutzer) nur durch deren Verliebtheit zu erklären.

    @leserin: Wie ich unseren Sash zu kennen glaube, hat er an der Tanke sicher die Uhr ausgemacht.

  4. Sash sagt:

    @Senfgnu:
    Naja, ich denke mir nur immer: Das lohnt sich auch nur, wenn Du nicht für die Taxifahrt mehr bezahlst als Du durch Arbeit verdient hast …

    @leserin:
    Werden so um die 60 Cent gewesen sein. War aber egal, da wir ohnehin 100 € fix ausgemacht hatten. Die Uhr lief sogar auf der Rückfahrt noch ein wenig weiter – dann brauche ich bei der Abrechnung nichts mehr anfügen. Normalerweise lasse ich die Uhr bei solchen Fahrten ganz aus und vermerke sie nur auf meinem Schichtabschreiber, aber diese hatte ich ja im Verdacht, es bliebe im Pflichtfahrgebiet, angefangen.

    @Bernd K.:
    Ja, ein ziemlich guter Lauf, wie ich finde. 🙂
    Und schön, dass gelegentlich jemand auf die Karte sieht!
    Das mit dem Leidensdruck schien so gewesen zu sein – wobei sich das mir bei meinen ständig klammen Finanzen auch nicht immer erklärt.

  5. elder taxidriver sagt:

    Ich mach‘ mir bisschen Sorgen, ob die drei Katzen von Deinem Fahrgast ihren neuen Freund/in auch akzeptieren..

  6. opatios sagt:

    Es heisst, den Neid anderer muss man sich erarbeiten. Ich glaube, an diesem Abend hattest du ihn dir redlich verdient. 😉

  7. Sash sagt:

    @elder taxidriver:
    Definitiv eine berechtigte Sorge 😉

    @opatios:
    Da hab ich aber auch mit angegeben, das kannste mir glauben. Ich meine: Hallo! Aus einer 7€-Tour eine 100€-Tour zu machen – wegen „Sympathie“. Das geht in zehn Jahren wahrscheinlich als Gerücht durch die Szene 😉

  8. elder taxidriver sagt:

    Das tapfere Schneiderlein -Bearbeitung:

    In einer Herbstnacht fuhr ein 2,02-Meter-Taxifahrerlein durch den Boxhagener Kiez, war guter Dinge und suchte aus Leibeskräften nach Fahrgästen. Da kam eine Bauersfrau die Straße hinab und rief: ‚Ostbahnhof‘. Das klang dem 2,02-Meter-Taxifahrerlein lieblich in den Ohren, er steckte sein zartes Haupt zum Fenster heraus und rief: ‚Hier herein, liebe Frau, mit mir kann sie zum Ostbahnhof fahren‘..

    Eventuell ist jetzt die Zeit gekommen sich einen Gürtel ( auf texanische Art ) zu schneidern mit der Aufschrift in Großbuchstaben darauf gestickt: ‚Aus sieben mach‘ ich hundert‘ oder ein T-Shirt , auf dass es die ganze Welt erfahre?

  9. Sash sagt:

    @elder taxidriver:
    Wow! 😀
    Das nenne ich mal eine lebensnahe Neudichtung!

  10. Nils sagt:

    Glückwunsch! 🙂
    Da reizt es doch glatt ein wenig, diese „Taktik“ demnächst auch in vergleichbaren Fällen anzuwenden (auch wenn Du dann an jeweiligen Zielort kurz zuvor in Wahrheit gar nicht gewesen bist), oder? 😉

  11. Sash sagt:

    @Nils:
    Klar, könnte man machen. Aber ich bin ein furchtbar schlechter Lügner. Außerdem kenne ich kaum Preise zu anderen Orten. Bin ja im Umland nicht so bewandert …

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