Nix!

„Was kriegen sie denn dann von mir?“

„Wir wären bei 5,60 €.“

„5,60 €? Das ist ja nix!“

Zugegeben: Eine längere Tour hätte mir auch besser reingepasst, aber ganz so hart wie mein Kunde wollte ich das eigentlich auch nicht bewerten. Für mich hat sich das Nix dank 2,40 € Trinkgeld aber auch noch ein bisschen erhöht 😉

Übergrößen unter sich

Bekommen hab ich die Tour nur dank eines netten Kollegen. Der kam am Ostbahnhof mit der aktuellen Situation gar nicht klar und hat mich gefragt, wer sich hier jetzt wo genau hinstellen solle. Ich hab ihn kurz eingeweiht, so dass er sich mit einem netten „Danke!“ hinter mir einreihte. Wie fast zu erwarten war, wollte die Kundin zunächst bei ihm einsteigen – das ist ja das blöde daran, wenn man Taxistände nicht auch ein bisschen auf den Kundenstrom hin ausrichtet. Der Kollege aber bat sie (wirklich sehr freundlich), doch zu mir zu gehen und nickte mir wohlwollend zu.

Kaum dass ich die ersten 300 Meter Fahrtweg hinter mir hatte, hatte sie bereits mehr erzählt, als dieser ganze Blogeintrag überhaupt fassen könnte. Ganz klassisch redete sie auf mich ein, was sie heute für ein Glück gehabt hätte, Einkaufen, Schnäppchen, Klamotten, blabla! Im Wesentlichen erfuhr ich von ihr, dass sie im Umland beim Ausverkauf eines Übergrößen-Ladens war und dort einige Hosen eingekauft hatte. Nur ausführlicher.

Natürlich sah sie in mir schon der Größe wegen einen Verbündeten, was ja zumindest in Ansätzen auch stimmte. Zwar teilte ich noch nie die von ihr entwickelte Vorliebe fürs Shoppen, aber zum Thema „Klamotten finden“ und die Probleme damit als Übergrößenträger kann ich nachvollziehen. So ergab sich aus ihrem anfänglichen haltlosen Geschnatter durchaus ein sehr nettes Gespräch – und zwar wenigstens eines mit einem (wenn auch vielleicht nicht alltäglichen) Thema. Kein Smalltalk übers Wetter oder so.

Was wirklich ungewöhnlich war, war die Offenheit mit der sie drauflospalaverte, wie sie auseinandergegangen ist nach der letzten Geburt und dass sie tatsächlich 25 kg zugenommen hätte, bla keks. Tatsächlich nicht gerade das Thema, bei dem ich – insbesondere von Frauen – große Offenheit gewöhnt bin. Anständig wie ich bin, habe ich verschwiegen, dass ich im gleichen Zeitraum fast 20 kg abgenommen habe und ihr hier und da bestätigend zugenickt. Das alles war dennoch natürlich furchtbar belanglos und es war einfach eine angenehme Fahrt. Müsste man gar nicht verbloggen. Aber es fiel von ihrer Seite aus ein Satz, der mich dazu gebracht hat, es doch zu tun. Sie schilderte mir ein Gespräch mit einem Verkäufer in dem Laden und dass sie ihren Unmut kundgetan hätte ob der Tatsache, dass das Geschäft nun schließt. Und zwar wie folgt:

„Und dann hab ich ihm gesagt: Wissen se, is ja echt nich schön, dass se hier weggehn. Wo das doch die einzige Firma is, in die mein Hintern noch reinpasst…“

Wenn sie das so gesagt hat, hätte ich ja gerne das Gesicht des Verkäufers gesehen 😀

Ach ja: Danke noch!

Leser-Touren sind für mich immer ein bisschen eine Herausforderung. Ich freue mich zwar immer, jemanden von euch kennenzulernen – andererseits ist es immer schwierig, weil ich keine Ahnung hab, was für ein Bild ich hier im Blog hinterlasse. Irgendwie nett und lustig, andererseits auch ein bisschen genervt von allen anderen und natürlich ein absolutes Ortskunde-Ass. Mindestens.

Nein, viele von euch schätzen mich sicher ganz gut ein, aber ein Bisschen mache ich mir immer einen Kopf. Im Falle von Christopher war das ganz offensichtlich umsonst, denn ausnahmsweise ging es bei der Fahrt nicht wirkliich um mich und meinen Blog, sondern vor allem um die Fahrt. Und was dieses Wochenende angeht, war es wirklich DIE Fahrt schlechthin.
Zum einen war der Umsatz und das Trinkgeld super, sehr angenehm war aber vor allem, dass die zwei Fahrgäste es nicht an der nötigen Ruhe mangeln ließen und ich am Ende wirklich sagen konnte, dass es spaßig und verdammt relaxt war von meiner Seite aus. Zumal die Fahrt mit ewiger Wartezeit, McDrive-Besuch und kleinem Umweg alle Register gezogen hat, just immer dann lukrativ zu werden, wenn es gerade am meisten Spaß gemacht hat 🙂

Leidtragender war dieses Mal Jo, der mich just erreichte, als ich unfern des Fahrtzieles der beiden im tiefsten Marzahn herumeierte und gerade zu diesem Zeitpunkt Kunden einsteigen wollten. Also Jo: Auch dir ein Danke! Fürs Gelassen-wegdrücken-lassen oder irgendwas in der Art.

Klappt halt leider nicht immer, ich kann nicht an 3 Orten gleichzeitig sein…

„Gott sei Dank, ein Deutscher!“

Es ist unglaublich, wie oft man diesen beschissenen Satz in vielen verschiedenen Formen im Taxi hören muss!

Ja, hier in Berlin sind viele Taxifahrer nichtdeutscher Herkunft. Das ist ein Fakt.Ist mir auch schon aufgefallen. Und? Bin ich wirklich ein besserer Mensch, weil ich zufällig noch in den zu meiner Geburt üblichen Grenzen der BRD geboren wurde? Ach, hört doch auf!

Ich weiß Bescheid über den vielfältigen Ärger im Taxigewerbe. Natürlich passieren hier unschöne Dinge und natürlich sind auch „Ausländer“ daran beteiligt. Wie sollte es auch sonst sein in einer multikulturellen tourismusgeprägten Metropole wie Berlin? Aber immer noch wird auf den Straßen unbekümmert eine perverse Form von Rassismus und Xenophobie gehegt und gepflegt, dass mir auch als „gutem Deutschen“ das Kotzen kommt.

Ich bin kein Freund von Political Correctness, ehrlich nicht. Man darf Probleme beim Namen nennen und damit ist es gut. Aber letztlich läuft es doch so: Wenn Kollege Ali einen Umweg fährt, dann ist es natürlich die „südländische Mentalität“, ein persönliches und wahrscheinlich auch noch islamistisches Statement in Form von Abzockerei. Wenn genau dasselbe mit einem dieser deutschen Kollegen passiert, dann ist das entweder logisch, weil: „Berlin ist ja so groß…“, oder aber er war schlicht und ergreifend ein doofer Taxifahrer.

Das kotzt mich an!

Wie alle da draußen sind auch wir Taxifahrer ein buntes Völkchen unterschiedlicher Menschen. Da gibt es solche und solche. Manche „Kollegen“ würde ich selber gerne in den Wind schießen, anzeigen, kampfunfähig machen – je nachdem. Aber da sind – o Wunder! – auch viele Deutsche dabei, genauso wie es auch unter den Kollegen aus anderen Ländern einige gute Taxifahrer gibt. Es geht auch nicht darum, nicht sagen zu dürfen, woher der Fahrer kam, der einen abgezockt hat. Das kann man machen, meinetwegen. Aber deswegen ist ein Deutscher als Fahrer nicht per se besser als ein Iraner.

Geht mal zu den Prüfungsterminen der Taxiinnung und schaut euch an, wie viele Türken und Araber genau wie ich einen Scheiß-Aufwand betreiben, um den P-Schein zu bekommen, unterhaltet euch mit Kollege Mohammed, der vor einem Jahr den Sprung von HartzIV ins Taxi geschafft hat, mit seinen 5 Kindern seitdem finanziell kaum besser dransteht und trotz allem Meckern am Stand gelegentlich ein „Geld ist nicht alles“ fallen lässt!

Sind wir wirklich noch so primitiv, dass wir die Probleme im Taxigewerbe einfach mal pauschal als Sache der Hautfarbe abtun wollen?

Glaubt es oder nicht, liebe Kundschaft: Mit dem Spruch macht ihr euch bei mir nicht beliebt. Und hoffentlich auch sonst nirgends!

Auch noch!

Die drei Jungs von der Rückbank verließen das Taxi auf Geheiß von mir recht schnell. Nicht, dass irgendwas passiert war – ich wollte nur ihre Freundin aus der letzten Sitzreihe befreien, während sie noch rumdiskutierten, wer nun wie viel der knapp 7 € für die kurze Strecke zu berappen hätte.

Einer erbarmte sich schließlich, drückte mir einen Zehner in die Hand und meinte:

„Machste acht!“

Während ich einen Zweier zum Wechseln hervorkramte, stolperte einer der eher stark als leicht angetrunkenen Mitfahrer von hinten heran und gab folgendes von sich:

„Hassu hallo? Hassu wie is Taxi, hassu hallo? Bezahlen? Willsu? Ich hier! Ich hab auch fünf!“

Dazu wedelte er mit einem Fünfer um sich, woraufhin ihn sein Kumpel zur Seite schob und meinte, er hätte schon bezahlt. Ich hab mich kurz eingemischt und gemeint, dass ich den Fünfer gerne auch noch nehmen würde. Vielleicht klappt es ja irgendwann mal 😉

London Cab?

Der Hotelbedienstete hatte bereits den Verschlag geöffnet, da fiel ihr ein:

„Oh, eine Quittung bräuchte ich noch.“

„Kein Problem. Was haben wir heute? Den 5. oder schon den 6.?“

„Das ist egal, ich bin mein eigener Chef. Nur die richtige Stadt muss draufstehen. Nicht, dass sie mir da London reinschreiben…“

Verdammt. Erwischt! Wo ich das doch so gerne mache… 😉

Ehrlich gesagt: Alles frei ausfüllen kann ich gar nicht. So Details wie die Unternehmensadresse, die Konzessionsnummer etc. sind alle schon vorgedruckt, bzw. eingestanzt. Wenigstens in diesem Punkt sind die Quittungen gewissermaßen fälschungssicher. Obwohl ich mir auch nicht vorstellen kann, dass jemand auf die Idee käme…

Wobei manche Kollegen ja leider auf die absurdesten Ideen kommen.

Kleine unproblematische Kunden

„Kinder sind wie Tiger: Schön anzusehen, aber man sollte sie nicht in der Wohnung halten.“

Diesen Spruch hat meine Mutter mal gebracht und wahrscheinlich hat sie irgendwie Recht damit 😉 Ich komme als Nachtschichtfahrer ja beruflich nur relativ selten mit den lieben Kleinen in Kontakt, meist lohnt es sich allerdings danach, die Tour zu Papier zu bringen. Was all den untergroßen Fahrgästen gemein war, war dass sie eigentlich völlig stressfrei waren. Sicher, es gab kuriose Geschichten, die einem zu denken geben. Aber meist waren sie niedlich. Ob es nun Haie betraf, das Taxi selbst oder das Taxameter. Sogar mit der Polizei bin ich schon verwechselt worden… wenigstens für einen guten Spruch waren die Lütten also immer zu haben.

Als ich kürzlich seit langem mal wieder Kids im Wagen hatte, waren diese eigentlich ziemlich unspektakulär. Ein wenig unsicher schienen sie zu sein, aber auch das mit dem Fahrziel haben wir in Kürze erledigt bekommen:

„Wir müssten zur Tölchaustraße.“

„Da habt ihr mich erwischt. Kenne ich nicht. Aber ist das zufällig in Marzahn? Da würde ich nämlich eine Poelchaustraße kennen…“

„Marzahn ist richtig, dann isses wohl die.“

War sie auch.

Als ob die beiden regelmäßige Blogleser wären, haben sie mir rechtzeitig gesagt, dass sie kein Geld dabei haben, sondern die Fahrt von ihrem Bruder bezahlt werden würde, wenn sie da sind.  Also nicht mal ein Zwischenstopp bei einer Bank. Schade, konnte ich gar nicht Bodyguard spielen wie Klaus bei einer seiner Touren neulich. Ich hab ihnen erklärt, dass ich irgendein Pfand dafür benötigen würde und hatte kurz darauf ohne Widerworte ein strahlend himmelblaues Smartphone in der Hand. Na also.

Wenn es einen Grund gäbe, der mich überzeugen könnte, meinem Vampirdasein ein Ende zu bereiten und in der Tagschicht zu arbeiten, dann wären es sicher die Kinder 🙂