10 Tipps zum Taxifahren an Silvester

Hier noch eine kurze Checkliste zum Taxifahren an Silvester. Die lange Version gibt es hier und in den Links dort.

  1. Vergiss das Bestellen! Jage auf der Straße!
  2. Du bist nicht alleine! Deal with it!
  3. Ausgeschaltete Taxi-Leuchten signalisieren: Er überfährt Dich anstatt anzuhalten!
  4. Dass Du kein Taxi bekommen hast, ist nicht die Schuld des Taxifahrers, der jetzt vor Dir steht!
  5. Kommst Du dem Fahrer blöd, kommt er Dir blöd. Viel Spaß beim Laufen!
  6. Der Taxifahrer ist allenfalls halb so besoffen wie Du. Berücksichtige das bei der Kommunikation!
  7. Wer kotzt, läuft. Zahlt aber trotzdem. Ins eigene T-Shirt (oder die Handtasche) kotzen bringt Bonus-Punkte!
  8. Böller auf Taxis zu werfen, bringt sie nicht dazu, Dich mitznehmen. Stichwort: Brot statt Böller.
  9. Heute ist der Tag, das Trinkgeld zu geben, das Du die letzten 12 Monate vergessen hast!
  10. Es ist Silvester, also bleib cool!
  11. Teile diesen Artikel! Sonst bleiben alle anderen ja doof.

Frohes Gelingen!

PS:
Wegen einiger Nachfragen: Wer es wirklich schafft, mich heute Nacht zu finden und mir Brot aufs Taxi zu werfen, den nehme ich mit, versprochen! 😉

Erpressung light

Sie waren wirklich nett, da kann man nix sagen. Aber beim Bezahlen …

„OK, dann wären das 8,80 €.“

Zähl, zähl, raschel, klimper.

„Also wir hätten hier einen Hunni. Oder halt nur 7,50 €.“

Und nun folgte aus der Reihe „Dinge, die ich selten sage“:

„Schon ok, der Hunni passt prima …“

Bei der vorletzten Tour geht das ja alles locker von der Hand. Aber bitte, Leute: Das kann auch schiefgehen! Und es ist laut Taxiordnung der Kunde, zu dessen Lasten man irgendwo hinfährt, um Wechselgeld zu bekommen …

Was ich nicht so mag

„Also hier in Köpenick is‘ ja super nice!“ Nicht so wie z.B. in Marzahn oder so. Ich hab nie verstanden, wie man da hinziehen kann … Ja gut, wenn man sich nix anderes leisten kann! Weiter draußen ist das ja auch vielleicht ok. Aber so direkt beim Eastgate beispielsweise …“

Ich will die Ecke der Hauptstadt hier nicht über Gebühr loben und ich bin vor 6 Jahren auch aus finanziellen Gründen hergezogen. Ist ja schön und gut. Aber wenigstens nach mehrfachem Hinweis darauf, dass ich dort eigentlich recht zufrieden bin, würde ich mich freuen, wenn ein Fahrgast das wenigstens als Geschmackssache abtun könnte. Ich mag die Gegend hier nämlich tatsächlich mehr als beispielsweise den hippen Bergmann-Kiez. Und ja: tatsächlich vom optischen Eindruck her.

Aber gut, vielleicht zahle ich ja auch nur die Hälfte an Miete, weil ich mir nebenher sowas anhören muss. 😉

Was zu erwarten war: Silvester

So, Weihnachten ist vorbei. Damit sind wir nun in diesen Tagen, die gemeinhin mit „zwischen den Jahren“ betitelt werden – was einerseits ein wenig unlogisch ist, mir andererseits  auch total gefällt. Egal, es wird an dieser Stelle wie jedes Jahr Zeit, auf Silvester hinzuweisen. Das ist wie schon letztes und vorletztes Jahr ein alter Hut, aber ich tu’s immer wieder, weil ich ja auch immer wieder neue Leser habe. Und weil es auch Spaß macht, sich gedanklich auf Silvester einzustimmen, das gebe ich gerne zu. 😉
Wer den Links in diesem Artikel folgt, wird feststellen, dass ich wirklich jedes Jahr quasi dasselbe schreibe. Zusammengefasst klingt das etwa so:

Habt ein wenig Nachsicht mit den Taxifahrern an Silvester, denn wir tun, was wir können! Da das Fahrgastaufkommen an diesem Tag zigfach über dem an jedem anderen Termin liegt, kommen wir nicht hinterher. Zumindest hier in Berlin. Es wird nicht möglich sein, sich ein Taxi zu bestellen und man wird bisweilen ewig suchen, bis man ein freies findet. An diesem speziellen Tag streiten sich mal die Kunden um Taxen und nicht umgekehrt. Was aber auch heißt: Wer sich besonders nervig verhält, hat die schlechtesten Karten, mitgenommen zu werden. Silvester ist der Tag, an dem die Kunden sich freuen dürfen, dass wir an einen Tarif gebunden sind, denn in dieser Schicht könnten Taxifahrer Mondpreise diktieren und wären dennoch ausgelastet. Wir verdienen zwar überdurchschnittlich gut, aber durch die hohe Anzahl betrunkener Leute, die Scherben und Böller auf den Straßen, die Konkurrenz zwischen den Fahrgästen und die aus allerlei Gründen hohe Emotionalität des Datums ist das zeitgleich die stressigste Schicht des Jahres.
Lasst eventuell vorhandenen Frust über 2013 nicht an jenen Fahrern aus, die auch während der größten Party hierzulande noch ihre Arbeit zu machen versuchen. An allem was an diesem Tag schief läuft – selbst im Taxigewerbe – sind eben genau diese Fahrer am allerwenigsten schuld! Und jede Diskussion, jede Streiterei verschlimmert es nur. Wir rocken die Kundschaft im Akkord nach Hause und je ungestörter wir das tun können, desto schneller geht es für alle.

Ich hab dieses Jahr noch keine endgültige Bestätigung, ob ich am 31. Dezember ein Taxi habe. Dieses Jahr fällt Silvester erstmals nicht in meine offizielle Arbeitszeit (da ich inzwischen Montag bis Mittwoch nicht fahre), da muss ich ein bisschen Glück haben, damit das klappt.

Wobei: Schlimmer als vor zwei Jahren kann es ja gar nicht laufen. Da wäre ja selbst gar nicht fahren besser …

Aber wie gesagt: Bleibt ruhig und überlegt Euch, wenn Ihr es eilig haben solltet, Alternativen. Ansonsten werden wir das gemeinsam wie jedes Jahr hinkriegen, dazu sollten wir aber alle einen kühlen Kopf bewahren. OK?

Gute Nacht, Walter!

Mit etwas Übertreibung hätte es man ja fast schon einen Unfall nennen können, wie mir der Typ gegen’s Auto gelaufen ist. Ich war vorsichtig am Wenden in einer engen Straße, als er sich gegen die Karosserie der 72 klatschen ließ, um meine Aufmerksamkeit zu erregen. Gewagtes Vorgehen! Aber im Grunde freute ich mich über eine weitere Tour. Der nur noch teilweise zurechnungsfähige junge Mann war in Begleitung seiner Frau und – ein bisschen überraschender – seiner Eltern.

Die angeheiterte Stimmung mündete in so manche kuriosen Dialog, z.B. als der Hauptdarsteller dieser Seifenoper  seinem Vater auf dessen Einwand hin, dass sie nun ja doch ein bisschen viel getrunken hätten, eloquent antwortete:

„Das isses doch aber, worum’s im Leben überhaupt geht. Scheiße bauen. So richtig Scheiße bauen, dass Du dann am nächsten Morgen aufwachst und sagst: Scheiße, hab ich eine Scheiße gebaut. Das isses!“

Nun ja, jeder braucht Ziele.

Ein wenig Zeit der ansonsten durchschnittlichen Tour ging für die Frage drauf, ob sie die letzte Runde im Restaurant überhaupt bezahlt hätten und wie provinziell Berlin gegenüber einiger internationaler Städte so sei. Der junge Mann, die Buddel Astra weiterhin in der Hand haltend, bekundete Interesse an New York und Los Angeles und verkündete, dass er sich dort zu wohnen sehr gut vorstellen könne. Es entspann sich eine etwas wirre Form eines Disputes darüber, ob Deutsche oder Amerikaner oberflächlicher seien. Daraufhin driftete die Debatte ab und unser Held führte „Breaking Bad“ ins Feld, um die Fernsehkultur der Amis zu loben. Was schwer fruchten konnte, da seine Eltern die Serie nicht kannten.

„Is‘ das so’n bisschen so wie Denver-Clan?“

Unterdrückte Lachtränen bei mir, Zwischenstopp, Ausstieg der Eltern.

Auf dem verbleibenden Kilometer zum letztendlichen Ziel meinte mein Fang dann, ich hätte ihn ja argumentativ ruhig ein bisschen mehr unterstützen können. Wie sehr denn noch? Ich hatte im Beisein seiner Eltern schon bestätigt, dass ich die Serie kennen würde und sie hervorragend finde. Obwohl ich es eigentlich dabei belassen habe, war ich fortan wohl sowas wie Bruder im Geiste. Während die Frau das Zahlen übernahm, prostete er mir angedeutet zu und meinte:

„Gute Nacht, im Namen Walter Whites!“

Kannste Dir nicht ausdenken, sowas. 🙂

Es gibt so Tage …

Ich bin ja wirklich der letzte, der auf der Straße Streit sucht. Aber es gibt so Tage, da ist man von Vollpfosten und deren nahen Verwandten umgeben. Wie am vergangenen Samstag.

Angefangen hat alles mit einem Kollegen, der mir (in der Tat sehr freundlich) vorwarf, ich hätte mich am Ostbahnhof vorgedrängelt. Das Szenario genau zu beschreiben ist etwas umständlich, aber ich kann zumindest mal sagen, dass ich nicht wenig überrascht war, weil ich schon eine halbe Stunde dort anstand und mich zu diesem Zeitpunkt ganz hinten auf der letzten Rücke brav eingereiht hatte. Wie gesagt: Der Kollege war eigentlich echt nett – aber hey: er hat sich das aufgrund des Autotyps vor ihm und nicht rechtzeitigem Nachrücken mal eben zusammengereimt. Das ist schon erstaunlich wenig nachgedacht, um aufgrund dessen Alarm zu schlagen …

Nummer zwei war dann eine Winkerin. Sie hielt mich an einer roten Ampel an und fragte mich, ob ich einen Kindersitz hätte. Der Minimensch sah eigentlich eher ein wenig ZU klein für die Sitzerhöhungen aus, aber man kann ja mal gucken. Kaum, dass ich das tun wollte, hupte es ungestüm und ein weiterer Taxifahrer fuhr heran. Schon klar, da war die Tour wohl bestellt. Ich bin also hin zum Kollegen und hab ihm gleich ein „Sorry“ entgegengeschmissen, was er mit einem „Bist ja’n Scheiß-Kollege!“ erwiderte. Sehr nett. Was glaubt dieser Vollpfosten eigentlich, wie ich ihm die Fahrt hätte klauen sollen, die er über den Datenfunk der anderen Zentrale bekommen hatte?
Ich kann ja wohl schlecht an allen Winkern vorbeifahren, weil sie theoretisch auch bestellt haben könnten. 0.o

Nummer 3 war dann der theatralische Huper (dieses Mal kein Taxifahrer) auf einer komplett leeren Landsberger Allee (3 Spuren je Richtung), der es irgendwie unverschämt fand, dass ich meinen Kunden rechts am Straßenrand rausgelassen habe. Im Übrigen, ohne ihn fies auszubremsen und artig mit Blinken und so.
Manchmal frage ich mich bei solchen Leuten, wie sie als Fahrgast wohl reagieren würden, wenn ich als Fahrer sagen würde:

„Nein, tut mir leid. Ich muss leider mit ihnen um den Block zum nächsten ausgeschilderten Parkplatz fahren, da hundert Meter hinter uns ein anderes Fahrzeug sich nähert und ich nicht ausschließen kann, dass der Fahrer desselben ungerne die Spur wechseln würde, nur weil Sie hier aussteigen wollen. Kostet aber auch nur 80 Cent extra, keine Sorge.“

Wahrscheinlich wäre ich dann das vierte Mal in einer Nacht der Idiot. Aber gut, man kann es halt nie allen recht machen …

Lohnende Großzügigkeit

Mein Kunde war eben noch schnell auf der Bank, Geld abheben. Ich hab die Zeit genutzt, ein paar Züge von einer Zigarette zu nehmen; die Fahrt sollte nämlich noch ziemlich lange dauern.

„Oh, äh sag mal: Dürfte ich auch ’nen Zug haben?“

fragte er mich, als er wieder am Auto war.

„Klar, rauch sie meinetwegen auf. Kein Problem.“

Halbe Zigarette weniger, 40 Cent mehr auf der Uhr. Ganz uneigennützig war’s dann auch nicht. 😉