Weihnachten

Heute Abend werde ich arbeiten. Ordentlich. Eine gute Samstagsschicht soll’s werden – mal egal, was „gut“ in Umsätzen bei kaltem Wetter zwischen den Jahren unmittelbar nach Weihnachten genau bedeuten wird. Das wird auch klappen, aber jetzt muss ich erst einmal meinen Schlafrhythmus geradebiegen.

Ihr wisst, ich mag meine Nachtschichten. In die Tagschicht bringt mich nix so schnell. Aber das klappt halt nur, wenn nicht viel „herkömmliche“ Termine tagsüber anfallen. Und um Weihnachten herum kann man das vergessen, selbst wenn man die Familienkontakte nicht so eng hält. Bei mir war es nur ein Treffen dieses Jahr, zudem mit 250 km Entfernung an sich gut machbar. Nämlich gestern, am zweiten Weihnachtsfeiertag. Davor hatte ich „frei“ (was immer dieses Wort in der Weihnachtszeit bedeuten soll) und hatte meinen Rhythmus schon vorübergehend auf die Tagseite umgestellt. Was dann bedeutete, dass der 25. Dezember nachts um 2 Uhr etwa endete, als die Küche nach dem Kuchenbacken wieder halbwegs restauriert war.

Dann klingelte gestern um 6:30 Uhr der Wecker. Ich hatte es noch gut und wurde als Beifahrer bis hoch an die Ostsee kutschiert. Ist zur Abwechslung auch mal sehr angenehm gewesen. Dort oben dann wirklich nettestes Familien-Tralala. Inklusive Geschenken und weihnachtstypischen drei Mahlzeiten binnen acht Stunden. Aber ich hatte planungssicher Hunger mit an die Küste gebracht, man lernt ja aus der Vergangenheit. 😉

Eben weil ich heute wieder arbeiten will, bin ich dann am Abend schon wieder alleine mit dem Zug abgereist. Eher eine Notlösung, aber sonst hätte ich den gewonnenen Tag gegen die Gewohnheiten einer ganzen Familie anschlafen müssen, das wäre für keinen irgendwie hilfreich gewesen – und ich kann die eingefahrene Kohle der nächsten Tage gut brauchen, egal wie viel es am Ende wirklich sein wird.

Also ab zum Bahnhof. Dort dann ein Fahrkartenautomat, der mit der aussagekräftigen Fehlermeldung „Die Zahlung wurde abgebrochen“ einen minutenlangen Bestellvorgang unterbrochen hat und nebenbei rund 4% des Fahrtpreises mal eben als Trinkgeld einbehalten hat. WTF? Dann traf ich auf die ungefähr netteste Bahnmitarbeiterin seit der Erfindung der Eisenbahn. Während die Passagiere schon mit den Augen gerollt haben, hat sie einem Mann mit nur sehr rudimentären Deutschkenntnissen in allen Details fünfmal erklärt, wie er am geschicktesten eine Strecke von 500 km mit fünfmaligem Umsteigen zurücklegt und was davon sie organisieren kann oder nicht und wo er weitere Hilfe bekommt. Von der hab ich mein Ticket natürlich ohne jedes Problem bekommen.

Dann ein voller ICE. Zu voll für meinen Geschmack zumindest. Ich hatte nach 18 Stunden Wachsein keine Lust, mit Fremden zu kuscheln und ihnen gegenüber meine Knoblauchfahne zu rechtfertigen, die ich vom leckersten Karottensalat aller Zeiten stolz vor mir hertrug. Also eine Stunde Zwischenabteil. Und da ich schon wie ein Asi im Eck rumlungerte, hab ich gleich noch ein paar Minuten gepennt. Darauf kam’s dann auch nicht mehr an.

In Berlin dann allet nach Uhrwerk: Zweimal geschmeidiges Umsteigen, einmal mit 0,5 Sekunden Wartezeit, einmal genau auf eine Zigarettenlänge getimed. Denn statt heimzufahren hatte ich beschlossen, das Auto gleich für heute Abend abzuholen. Das war mit Cheffe als Option abgesprochen, aber dann doch nicht ganz so einfach. Denn nicht nur hatte es seit meiner Abfahrt geschneit, mein Auto komplett zugefroren und mich nach bald 20 Stunden auf den Beinen viel Kratzarbeit gekostet – nein, auch meinen Key hab ich nicht gefunden. Argh! Ich hatte ihn tatsächlich letzte Woche am Schlüssel hängenlassen, aber ein Kollege hatte den Schlüssel zu einem falschen Auto gehängt und … nun ja, ich bin also ein bisschen panisch und übermüdet durchs Winterwunderland geflitzt.

Nach 15 Kilometern Fahrtstrecke und einem kurzen Stopp an der Packstation bin ich dann hier eingetrudelt. Ich hätte sogar Winker haben können, hatte aber nicht einmal mein Portemonnaie dabei und bin somit wie geplant direkt nach Hause gefahren. 17 bis 20 Stunden vor der Schicht und brotfertig. Und jetzt habe ich die Aufgabe, es irgendwie zu schaffen, runde 8 Stunden möglichst erholsamen Schlaf auf so kurz wie möglich vor die Arbeit zu legen, um fit zu sein. Kurz eine Stunde Mittagsschlaf und dann bis in die Vormittagsstunden wach bleiben? Oder gleich bis morgens durchhalten und dann früher und für länger ins Bett? Und warum bin ich jetzt fit und schreibe ewig an diesem Blogeintrag rum?

Fragen über Fragen. Und außerdem die Vermutung, dass das heute selbst für mich als Nachtschichtler ein ziemlich verstrahlter Tag werden könnte.

Ausnahmsweise arbeite ich jetzt bis Montag, vielleicht sogar bis Dienstag durch. Und dann natürlich Silvester. Wie ich gesagt hab: ein paar Euro braucht’s noch. Insgesamt wird aber zumindest hier bei GNIT jetzt wieder ein bisschen mehr Kontinuität eintreten. Denn die hat – wen wundert’s? – ebenfalls ein wenig unter Weihnachten gelitten.

Ich hoffe, Ihr habt die Feiertage gut hinter Euch gebracht und noch ein wenig frei. Genießt das auf jeden Fall! Ich wünschte mir durchaus, die Option gerade auch zu haben.

Nicht so schöne Touren

Aus der Reihe „Sätze, die ich selten sage“:

„Es tut mir leid. Ich würde jetzt gerne irgendwas aufheiterndes sagen, aber mir fällt nix ein …“

Das war gelogen. Mir wäre jede Menge eingefallen. Nur eben nix, was die Fahrt erträglicher gemacht oder meiner Kundin geholfen hätte. Ihr Problem war eine leider alltägliche Geschichte: Sie war ausgegangen mit ihrem Freund, und der wollte am Ende lieber mit Kumpels weiterfeiern als heimgehen – obwohl das so abgemacht war.

Eigentlich nichts, was man in einer sonst funktionierenden Beziehung nicht irgendwie wieder hinbiegen könnte.

Oder für was man Ausnahmeregelungen hätte treffen können.

Oder überhaupt einmal ergebnisoffen drüber diskutieren.

Aber ich bin ja hoffnungsvoller Optimist bezüglich Beziehungen und wünsche jetzt wenigstens nachträglich guten Versöhnungssex. Und wenn sich sonst keine Gelegenheit zum Reden ergibt, können sie dabei gerne noch darüber diskutieren, wie viel Trinkgeld man im Taxi so gibt, nachdem man zwanzig Minuten die Laune runterzieht … 😉

2925! \o/

Wie gestern geschrieben: Es ist gerade ein wenig kompliziert. Für meine Chefs würde ich prima auf die 2925 passen, so ganz reibungslos lief das bisher aber nicht: Der Sitz wollte nicht passen und ein Navi hat die Kiste auch nicht.

Das mit dem Sitz ist übergangsweise gelöst. Er ist jetzt fast ganz unten und für mich ist das Auto damit gut zu fahren. Schwierig wird jetzt nur, dass sich der Sitz vorerst auch nicht wieder hochstellen lässt. Was dann vermutlich mit dem Unter-der-Woche-Tagfahrer zu Problemen führen wird … ich vermute stark, eine professionelle Reparatur wird da unumgänglich sein. 🙂

Nun aber hab ich das Auto erst einmal für dieses Wochenende. Und was soll ich sagen? Ich könnte mich schon dran gewöhnen …

Das mit dem Navi wird noch eine Weile ein Problem bleiben. Wie gesagt: Das Auto hat kein eingebautes und das Aushilfsding der Firma (ein Medion GoPal) ist wirklich traurig. Natürlich bietet es ausstattungsmäßig alles wichtige an, aber zum einen ist die Routenberechnung unfassbar lahm und zum anderen ist der Touchscreen ein direkter Import aus der Hölle. Ich habe lange kein Eingabegerät mehr benutzt, dessen Reaktion so sehr vom Zufall abhängig war. Mal reagiert er gar nicht, mal zeigt er an, dass der Knopf gedrückt wurde. Scheinbar kann ersteres aber durchaus bedeuten, dass er die Befehle im Hintergrund verarbeitet, teilweise kann zweiteres aber auch völlig ohne Reaktion bleiben. WTF?

Gut, dass ich es bisher nicht ernsthaft gebraucht habe. Ein eigenes Navi mit vernünftiger Bedienung wird also dringend notwendig.

Und ansonsten?

Ist die Kiste ein Traum! Natürlich hat sie Macken. 158.000 km sind immerhin auch schon runter. Aber das entspricht ungefähr der 1925, wie ich sie damals zu Beginn 2008 vorgefunden habe. Der Motor klingt zu Beginn leider etwas ungesund. Das hat sich aber im Schichtverlauf gelegt. Und ja, die Bremsen quietschen derzeit. Aber das sind Verschleißteile, da werde ich einen Austausch nahelegen, dann geht das wieder.
Ansonsten ist die Karre sauber und teilweise in neuwertigem Zustand. Sie schnurrt im Betrieb wie ein Kätzchen und macht Spaß. Den umklappbaren Beifahrersitz, den ich noch aus der 1925 kenne, hat sie zwar auch nicht, dafür ist es bereits das neuere Modell mit 4 Fensterhebern. Einen Turbolader und damit rund 50% mehr Leistung als die 72 hat sie ebenso wie eine Sitzheizung – was ja gerade in der kommenden Wintersaison hilfreich sein könnte. Selbst das Dachschild ist flach angelegt und somit vermutlich waschanlagentauglicher als die Aufbauten meiner beiden letzten Fahrzeuge. Alles in allem bringt mich das zu folgendem Fazit:

„Das mit dem Navi ist scheiße gerade. Wirklich! Aber dann muss ich mir halt ein eigenes besorgen. Es wäre jedenfalls blöd, dieses Auto wegen so etwas abzulehnen!“

Denn auch heute hab ich am Navi wieder nur für mich rumprobiert. Gebraucht habe ich es für keine einzige Fahrt …

Navigationsprobleme

Wie ich geschrieben hab: In Zukunft werde ich entweder öfter mal das Auto wechseln oder ein festes neues bekommen. Wenn es – was sein kann – die reparierte 2925 ist, dann hat sie kein Navi. Das ist nicht hyperdramatisch, denn erstens kenne ich mich aus und zweitens gibt es schon jetzt Abhilfe. Ich hab mit Sygic sicher eine der besten Navi-Apps auf dem Handy und in der Firma liegt ein mobiles Navi rum, das ich nutzen könnte. Ist nur beides wenig komfortabel. Das aus dem Büro ist erkennbar eine Notfalllösung und erweckt den Eindruck, für 30 € auf dem Flohmarkt gekauft worden zu sein – und die App ist toll, aber die Bildschirmtastatur meines Handys ist klein und die Zierlichkeit meiner Finger ist allenfalls relativ zu meiner Körpergröße ernsthaft attestierbar.

Kuschelige Kälte in Schildow, Quelle: Sash

Mein altes Helferlein. Quelle: Sash

Zwar kann ich mir nicht umgehend ein neues anschaffen, ich hab einfach keinen Cent übrig gerade, aber das wird trotzdem die nächste wichtige Anschaffung werden. Und da wollte ich – da ich ja bislang immer das eingebaute von Opel genutzt habe – mal nachfragen, ob Ihr da Tipps hättet. Aber ich als Spielverderber hab natürlich Ansprüche, also lest erst einmal, bevor Ihr euer eigenes Lieblingsnavi empfehlt …

Der Preis:

Ist erst einmal völlig egal. Ja, ich hab gerade keine Kohle, aber wenn ich sie habe, ist es mir egal, ob ich 100 oder 300 € ausgebe. Keine Frage, ich würde mich über ein Schnäppchen sehr freuen, aber das Ding soll mir bei der Arbeit helfen und mir dort ein deutliches Komfort-Plus bescheren. Da gibt es einzelne Features, die mir den Aufpreis wert wären.

Das Kartenmaterial:

Ist ebenso egal. Da meine Ortskenntnis im Wesentlichen gut ist, komme ich mit allem aus, was gerade so noch legal verkauft werden kann. Das Opel-Navi, mit dem ich bis vor einer Woche erfolgreich gearbeitet habe, hatte Karten von 2010 und ich hab dort NUR nach Straßennamen gesucht. POIs sind gut, einspeicherbare Adressen super – aber das brauche ich nicht, um glücklich zu werden. Aktuelle Verkehrsinfos sind nicht nötig, Blitzerwarnungen nicht … aber das kriegt man ja alles selbst beim billigsten Gerät mit den vorletzten Karten schon.

Die Bedienung:

Das ist es, worauf es ankommt! Große Tastatur wäre super. Eine Anzeige von Stadtteilen (statt oder zusätzlich zu Postleitzahlen) bei der Adresseingabe ist in Berlin ein Killerfeature, brauch ich! Schön wären viele Einstellmöglichkeiten. Ich fahre z.B. lieber mit genordeter Karte, das kann ich viel besser mit meinem Stadtplanwissen abgleichen, scheiß auf fancy 3D-Ansichten! Ganz essentiell ist die Möglichkeit, die kürzeste Route zu wählen, nicht nur die „ökonomischste“ oder schnellste – ich bin Nachtfahrer. Ich will den Ton ausschalten und den Zoom selber einstellen können.

Zu guter Letzt:

Meine Ortskenntnis lässt da nach, wo ich am weitesten weg muss. Zum Beispiel ins Umland. Wenn ein Navi schon 30 Sekunden braucht, um eine Route in zwei Kilometern Entfernung zu berechnen, ist das traurig. Mein altes Opel-Navi schaffte das in 2 Sekunden. Und vielleicht 7 für die ganz langen und komplizierten Routen. Das würde ich gerne als Standard beibehalten. Und Karten, die via Windows-Software nachgeladen werden können, bringen mir nix (ich nutze Ubuntu). Wenn ich Berlin nicht jedes Mal eingeben muss, wenn ich eine Adresse suche, wäre das super, denn 90% der Fahrten gehen nicht aus der Stadt raus.

Das ist eine komische Prioritätensetzung, schon klar. Aber andererseits war das mit dem Stand der Technik vor 5 Jahren in eingebauten Navis möglich. Das wird es so doch irgendwo bei den mobilen inzwischen auch (noch?) geben. Ich bin auf eure Tipps wirklich gespannt, denn bisher hab ich da so ziemlich null Ahnung, ich hatte ja immer mein Helferlein onboard. 🙂

Das wird nix mehr …

Ich hab’s schon ein paarmal angesprochen: Wenn Dinge schieflaufen, hab ich irgendwo so einen Punkt, ab dem es mich nicht mehr ärgert, ab dem ich ziemlich gut drüber lachen kann, auch wenn es eigentlich nicht mehr wirklich lustig ist. Als ich gestern die 2925 bestiegen hab, hab ich den Punkt schnell erreicht.

Zunächst muss man mal sagen, dass die Kiste einen guten Eindruck gemacht hat. Sie war schön sauber, hatte auf die Schnelle nur einen auffindbaren Kratzer im Blech. Gut, eine Radkappe fehlte, aber der Tacho zeigte 157.000 km an – was ja immerhin 244.000 weniger sind als bei meinem bisherigen Gefährt. Dass die 2925 kein Navi hat … sehr schade – aber mit Handy und Gewöhnung geht das schon. Die letzte navifreie Schicht lief eigentlich ja prima. Langfristig wär’s doof, aber jetzt fürs Wochenende … Also los und endlich die dringend benötigte Kohle einfahren?

Leider nicht. So langsam kenne ich die B-Zafiras ja echt auswendig. Mit all ihren Unterschieden, Macken und geheimen Stärken. Es wäre also nicht verwunderlich gewesen, wenn ich im Laufe der Zeit irgendwas gefunden hätte, was mich die 72 hätte vermissen lassen. In dem Fall ging’s schneller und war leider keine Kleinigkeit: Der Fahrersitz ließ sich nicht nach unten stellen. Und ich hab’s probiert. Ich kenne den Hebel aus nunmehr 5 oder 6 Zafiras, ich muss den schließlich fast immer bedienen. Gut, mein langjähriger Tagfahrer Harald und ich hatten absurderweise die gleiche Einstellung – aber bei jeder Übergangskiste ist das der zweite Griff nach dem Zurückschieben des Sitzes gewesen.

Ja, manchmal isses auch scheiße, zwei Meter zu messen …

Um das klarzustellen: Ich konnte schon im Auto sitzen. Aber mit den Knien am Armaturenbrett und den Augen oberhalb des oberen Scheibenendes. Das kann man mal bei einem Notfalltransport machen, aber an gutes oder gar bequemes Autofahren war nicht zu denken. Dem besagten Hebel muss ich auch meinen Respekt entgegenbringen, denn er ist immerhin nicht abgebrochen bei meinen Versuchen, ihn zu bedienen.

Bei meinen Chefs ging niemand ans Telefon, so einfach ein anderes Auto nehmen konnte ich also auch nicht. Man will ja nicht seinerseits einem Kollegen die Schicht versauen.

Und dann steht ganz hinten im Eck die 72. Mein Auto, dessen Schlüssel ich ja noch in der Tasche hatte. Das definitiv unverplant war.

… und bei dem inzwischen sowohl Fackel als auch Taxameter ausgebaut worden sind. -.-

Ein bisschen ärgerlich, dass solche Pechsträhnen ins Geld gehen. Ansonsten hab ich mich nicht lange mit schlechter Laune aufgehalten. Das hätte nun wirklich nichts mehr geändert.

Das Weihnachtsgeschäft

So langsam geht es los, das Weihnachtsgeschäft startet. In den nächsten Wochen haken alle Betriebe ihre Weihnachtsfeiern ab. Das ist für uns Nachtfahrer nicht das schlechteste Geschäft, denn Weihnachtsfeiern sind so Anlässe, zu denen auch Wenig-Ausgeher mal ein Taxi brauchen. Ob das die beste Kundschaft ist, darüber darf allerdings stark gestritten werden. Da trinken auch Leute, die sonst nix trinken – und es sitzen Leute mit Kollegen zusammen, mit denen sie sonst nicht zusammensitzen. Gemeinhin kann man Betriebsweihnachtsfeiern durchaus als heikles Unterfangen sehen, das oft schief geht.

Mein erster Fahrgast ging noch. Er hatte eine Tour in den hohen Norden mit mir, zumindest so halbwegs. Neu-Hohenschönhausen, gute 20 € für mich. Er war betrunken, aber ausgesprochen nett und höflich. Wermutstropfen war seine depressive Verstimmung – er hatte sich wohl selbst erfolglos auferlegt, nicht so viel zu trinken. Das sind Gespräche, denen man gerne aus dem Weg gehen würde. 🙁

Ansonsten mache ich mich erst heute Abend wieder auf den Weg – zumindest, so lange nichts dazwischenkommt. Ich hab gestern einen Anruf meines Chefs verpasst, wer weiß, nicht dass was mit der 72 ist …

Naja, ich hoffe mal, dass da nix ist und bei den Weihnachtsfeierfahrgästen hoffe ich auf … hmm, zum Beispiel solche Kandidaten. Oder das hier wäre auch was. Vielleicht auch so eine Tour … ich werde jedenfalls berichten, ist ja klar. 🙂

Vergurkt

Manchmal klappt’s einfach nicht. Jeder hat mal einen schlechten Tag auf Arbeit, ich natürlich auch. Meist merke ich das an geringen Umsätzen – aber selbst da hab ich als Nichtfunker schon mal eine Gefahrenquelle weniger. Fehlfahrten hab ich so gut wie nie. Aber keine Regeln ohne Ausnahmen. Am Freitagabend hab ich mich nach etwas Hin und Her via Twitter (und letzten Endes SMS) mit @luutoo am Flughafen Tegel treffen wollen. Das war ein krisensicherer Plan, das hat bisher immer funktioniert. Er wurde nur geringfügig dadurch beeinträchtigt, dass wir uns nicht darüber unterhalten haben, an welchem Terminal ich warten solle.

Natürlich ist das bescheuert, aber ich hab bisher alle meine Fahrgäste am Terminal A abgeholt und mit der Zeit einfach nicht mehr darüber nachgedacht. Dass mein äußerst netter Leser an Terminal C ankam und fortan wohl etwas irritiert durch den Flughafen irrte – wozu auch ich mit unzureichenden Angaben sicher beigetragen habe – war so nicht geplant.

Dabei waren wir beide ungefähr mit gleich viel Verspätung angekommen, es hätte also alles so gut passen können. Stattdessen war es dann ein klassisch wortkarger Kollege, der mir wohl zumindest mal entfernt ähnlich sah, der keine Anstalten gemacht hat, die Verwechslung aufzuklären und „meinen“ Fahrgast mitgenommen hatte, was ich etwas überrascht mitbekam, als es in einer SMS nunmehr nicht mehr um Terminals ging, sondern darum, dass – sollte ich nach der grandiosen Verpeilung noch Interesse an der Fahrt haben – nun nach Moabit kommen könnte.

Da war er wieder: Der Punkt, an dem ich aufgehört habe, mich darüber zu ärgern, was passiert war, sondern mit geradezu grenzdebilem Grinsen einfach nur gemeint hab, dass das ja nun nach all dem Hickhack auch kein Problem mehr sei. OK, natürlich war das am Ende eine Stunde mehr Zeit als geplant, die Tour war kürzer und auf der Uhr standen nochmal 10 Kilometer mehr. ABER WENN WIR MAL ANFANGEN, EINE TOUR ZU „PLANEN“, DANN ZIEHEN WIR DIE AUCH DURCH! 😀

Und ich hab’s nicht bereut, ehrlich. Der @luutoo ist ein furchtbar netter Zeitgenosse und der Umweg war definitiv besser als die Tour am Ende nicht zu fahren. Und das nicht wegen des Trinkgeldes oder weil es am Ende doch noch wenigstens eine 17€-Tour war, sondern weil’s Spaß gemacht hat. Obwohl oder weil es so schiefgegangen ist. Egal! Und wer von uns jetzt mehr oder weniger verpeilt hat? Egal! Am Ende hat’s auf abenteuerliche Weise dann halt doch gepasst.