Diese unschönen Momente

Momentan klappt irgendwie alles nicht so. Die Umsätze sind januartypisch tief, das Wetter weiß nicht, wohin es will – und von schlimmeren Erlebnissen mit Menschen unterwegs kommt die Tage sogar auch noch was …

Und dann sitze ich gestern quietschvergnügt endlich mit Kundschaft im Wagen, die fröhlich drauflosplappert, während bei mir auf einen Schlag ein einziger Gedanke im Hirn vorherrscht:

„FUCK!“

Ich hab’s nicht laut gesagt, und die Kundschaft hat auch sonst nichts mitbekommen, den letzten von drei Kilometern haben wir einfach so noch weggerockt. Business as usual, Pokerface und einfach nur innerhalb der Jacke Schweißausbrüche bekommen inklusive. Aber es ging.

Das Problem war das Auto. Denn das hat auf einmal gar nicht mehr gewollt. Also beinahe gar nicht mehr. Ich hab’s beim Anfahren gemerkt – da kam nix mehr. Motorleistung halbiert, Turbo ausgefallen oder irgendwas in der Art. Zur Bestätigung blinkte die Abgaswarnleuchte wie ein Klingelton-Werbespot und zumindest mir war bewusst, dass das Rasseln des Motors und die durchaus angenehmen niederfrequenten Vibrationen des Fahrzeugs alles andere als normal und nicht etwaigen Bodenwellen geschuldet waren.

Noch weiß ich nicht, was es ist – aber zumindest eine von drei Schichten diese Woche hat mir der Bockmist jetzt versaut. Krönend kam hinzu, dass ich bisher keinen meiner Chefs erreicht habe, um abzuklären, ob für heute Abend ein Ersatzauto übrig ist. Und die nächsten Stunden werde ich erst einmal schlafen.

Insgesamt habe ich das (noch unbestimmte) Gefühl, dass die neuen Zafiras mit den Turboladern zwar ziemlich chillig zu fahren, dafür aber auch anfälliger beim Motor sind. Das mag überraschen, wenn man meine vielen Einträge über Pannen der 1925 oder der 72 gelesen hat – aber zum einen betraf das nie oder fast nie den Motor – zudem hab ich die Autos überwiegend erst gefahren, als sie den Kilometerstand der 2925 jetzt locker hinter sich hatten. Naja, man wird sehen.

Jedenfalls hatte ich heute Nacht dann statt einer gechillten Wochenendschicht ein kompliziertes Gespräch zum Thema „Wie zur Hölle kriegen wir das mit den Finanzen hin, wenn’s nicht mal im Taxi nach Plan läuft?“. Ungefähres Ergebnis: Fatalismus ist auch sowas ähnliches wie eine Lösung. Den Umständen entsprechend hab ich eigentlich ganz brauchbare Laune – aber es fällt gerade schwerer als normal, die irgendwie beizubehalten. Ein besserer Start ins Jahr hätte mich schon gefreut …

Ortskundefragen

Gleich vorweg: Ja, die Bornitzstraße könnte man kennen. Eine nicht kleine Straße in Lichtenberg. Aber leider auch eine völlig unbedeutende, so lange man nicht wegen Stau ausweichen oder direkt in jene Straße fahren muss. Der Alternativrouten sind gar viele …

„Oh, da haben Sie mich erwischt. Bei der Straße bin ich unsicher.“

„Na, Rathaus Lichtenberg! (mir bekannt) Loeperplatz! (mir bekannt)„

…

„Und, wo kommen Sie her, wenn Sie sich in Berlin nicht auskennen?“

DA hab sogar ich ein bisschen schlucken müssen. Es war sicher nicht besonders böse gemeint und zudem liegt die Straße in einem Gebiet, das ich halbwegs zu kennen glaube, ich hatte also genug Gründe, eher an mir als an der Kundschaft zu zweifeln. Aber bitte: Ich hätte auch aus Charlottenburg kommen können oder erst seit gestern Taxifahrer sein. Ich bilde mir wirklich nichts auf meine Ortskenntnis ein, aber: EINE Straße in Berlin nicht kennen bedeutet eben einfach mal überhaupt nix.

 

Felschgald

Alle Jahre wieder … so in etwa zumindest ist es mit „Falschgeld“ bei mir im Taxi. Ehrlich gesagt kontrolliere ich das entgegengenommene Geld so gut wie nie – die meisten Kollegen sind da penibler.

Mein Schnitt scheint aber auch ganz ok zu sein. Von Cheffe jedenfalls hab ich noch nix wegen „richtiger“ Blüten gehört – und mir wird eben alle ein bis zwei Jahre mal eine Münze untergeschoben, die weniger Wert hat als die, für die ich sie halte. Und ich weiß im Nachhinein nie, ob das nicht vielleicht auch nur ein Versehen war.

Dieses Mal war es diese Münze, die ich als 2€-Stück entgegengenommen habe:

Schkanndas nisch lesen! Quelle: Sash

Schkanndas nisch lesen! Quelle: Sash

Und ich weiß nicht einmal, was genau es für eine ist. Sei es drum, Shit happens.

„a little extra“

Ich bin immer nett zu meinen Fahrgästen und hab kein Problem mit ihren für mich mitunter unlohnenden Beförderungswünschen, das wisst ihr. Ich hab in der letzten Woche gleich zweimal nach einer Wartezeit von mehr als einer Stunde eine Tour vom Ostbahnhof zum Berghain gemacht und keiner der Kunden hat auch nur mitbekommen, dass er damit meinen Stundenlohn auf einskommairgendwas gesenkt hat für die Zeit.

Aber ich muss dann doch mal meckern: Wieso eigentlich wird man ständig belogen oder mit falschen Versprechungen geködert?

Mir ist schon klar, dass Leute ihr Geld auch für andere Dinge als fürs Taxi ausgeben müssen, aber wieso zahlen 50% der Leute, die „leider leider nur noch einen Zehner“ haben, ihre Fahrt mit einem Zwanziger? Und wieso kriegt man das schlechteste Trinkgeld von Leuten, die besonders viel versprechen?

Andere und miese Kollegen hin oder her: ICH fahre die Leute ja und ich stelle gar keine Ansprüche oder versuche den Eindruck zu erwecken, dass ich das tun würde. Ich freue mich über ein gutes Trinkgeld, natürlich, aber man braucht mich nicht überreden. Und wenn man schon der Meinung ist, es tun zu müssen: Warum hält man sich dann nicht an die eigenen Versprechen?

Kommen wir zum Grund dieses Eintrages. Ich wurde in Neukölln herangewunken. Nun stieg die begeisterte junge Dame aber nicht etwa einfach ein, sondern sagte mir:

„I’m sooo sorry! My friend is very drunk, but would you pleeaaaase take her? I’ll pay you a little extra!“

Und ihre Freundin wurde mir ins Auto gesetzt. Also sie wurde getragen. Völlig hinüber dank in der Bar großzügig verschenkter Jägermeister. Die restliche Fahrt über haben sich die Mitreisenden über ihr Gesicht amüsiert und sich überlegt, was sie machen würden, sollte die junge Frau sterben. Jaja, alles ironisch. Und kotzen würde sie selbstverständlich auch nicht. Da sind sich die Begleiter ja irgendwie immer sehr sicher.

Aber ja, wir hatten Minusgrade, unser Opfer saß zuvor an einer Hausmauer und außerdem ist es mein Job. Natürlich hab ich’s riskiert. Ich hätte ablehnen können, aber man ist ja kein Unmensch. An „a little extra“ hab ich dabei nicht mal gedacht.

Die Fahrt ging nach Friedrichshain und die Mitreisenden hatten die Dame wirklich gut im Griff. Sie hatte den Kopf in einer Tüte und im Schoß einer Freundin. So gesehen war durchaus für etwas Sicherheit gesorgt. Für mich war’s natürlich trotzdem ein ständiges Angespanntsein, man weiß ja nie, ob man nicht plötzlich reagieren muss. Betrunkene machen ja gerne auch mal dumme Dinge wie z.B. vorhandene Tüten wegschmeißen und dann erst losreihern.

Aber gut, die 12 Minuten Stress, die die Fahrt brachte, hab ich mit einem Lächeln weggerockt. Nebenbei bin ich schön sanft und gemütlich um die Kurven, alles ganz im Sinne der Kundschaft. Die Uhr stand am Ende bei besonders Extra-unfreundlichen 15,00 €, natürlich. Gereicht wurden mir dann von der „so lucky“-Lady 15,50 €. Mit dem Hinweis, ich wäre ihr rettender Engel gewesen. Und nicht nur das: Dass ihr Extra wirklich sehr little war (das durchschnittliche Trinkgeld bei so einer Tour liegt eher bei 1,50 bis 2,00 €) hat sie auch erkannt:

„Sorry it’s only 50 cent. But there is more in your car!“

Aha. Nochmal 50 Cent. Die ich mir aus dem Fußraum kratzen durfte. Ich hab fast ein bisschen Schadenfreude empfunden, als die angeschlagende Kandidatin neben meinem Taxi ihrem Begleiter auf den Pulli gekotzt hat … 😉

PS:

Ich weiß, dass das jetzt so klingt, als fände ich einen Euro zu wenig Trinkgeld. Das ist nicht so. Ich krieg haufenweise Trinkgeld in der Höhe, auch bei kürzeren oder längeren Fahrten. Und es ist besser als nichts und ich freue mich entsprechend über alles. Wären sie einfach nur eingestiegen und hätten so bezahlt, hätte ich allenfalls einen Artikel über das Auf-den-Pulli-Kotzen geschrieben. Ich mag wirklich dieses Lügen nicht, schon alleine weil es auch ein bisschen arrogant wirkt: Wir versprechen einfach so ’nem Taxifahrer mal irgendwas, ist ja am Ende egal …

Ich lass mir dadurch sicher nicht insgesamt die Laune verderben – aber Spaß machen solche Touren dann halt auch nicht wirklich.

Fremde Angelegenheiten

Dass Kunden aus einem Taxi aussteigen und anschließend zu einem Taxi laufen, kommt vor. Wenn dann allerdings der Taxifahrer hinterherfährt, kommt meist nix gutes dabei heraus. Und genau so geschah es, als zwei Damen mein Taxi enterten, nachdem sie zuvor bei einem Kollegen ausgestiegen waren – und jener gleich wendete und auch an mein Auto herantrat.

Ich möchte erst einmal ein wenig auf meine Situation eingehen. Ich stand unter der Woche zu ungewohnt später Stunde am Ostbahnhof an erster Position. Was ungünstig war. In gewisser Weise. Laufkundschaft war nämlich, salopp gesagt, alle – das einzige, was uns paar Fahrer noch hielt, war der um anderthalb Stunden verspätete ICE aus München, der in wenigen Minuten eintreffen sollte. Verspätete Züge sind für uns super, denn dann schmeißt die Bahn in der Regel mit Taxigutscheinen, gerne auch mal für Fernfahrten, um sich. Ungünstig war meine Pole Position deswegen, weil in der Regel zuerst die aus dem Bahnhof gestürmt kommen, die sich zuvor nicht um Gutscheine rangeln und entsprechend meist kürzere Touren haben, bei denen es keine Rolle spielt, wer sie bezahlt.

Nun stiegen die beiden jungen Frauen also ein und wollten … zum Berghain.

GNIT-Leser wissen inzwischen sicher, dass das eine ultrakurze Strecke von vielleicht 800 Metern ist. Dieses Mal hätte mir das perfekt gepasst: Schnell binnen zwei Minuten zum Berghain und zurück – und dann an Position 5 oder so anstellen, um eine der lukrativen Ferntouren abzugreifen …

Nun aber kam der Kollege an und forderte die beiden Damen auf, ihre Taxifahrt zu bezahlen. Oha! Zechpreller, ehrlich?

Die folgenden zwei Minuten waren ein einziger Disput rund um mein Auto, wobei es aber nicht um mich ging. Immerhin. Und erstaunlicherweise war das Problem der Anwesenden sogar nachvollziehbar – und dennoch nicht so einfach zu lösen.

Unstrittig war, dass der Kollege die beiden Damen zum Ostbahnhof gebracht hatte, damit sie an einem Geldautomaten Geld abheben können, um letzten Endes die Fahrt zum Berghain bezahlen zu können. Und bezahlt hatten sie nicht. Was eindeutig für den Kollegen spricht. Die Frauen erzählten mir, dass sie den Fahrer gebeten hätten, das Taxameter während des Stopps auszuschalten, was dieser wohl bejaht hatte. Als sie wiederkamen, standen allerdings 3 € mehr auf der Uhr, weswegen sie sich verarscht vorkamen und nicht mehr weiterfahren wollten, sondern lieber einen anderen Fahrer.

Nun wird’s schwierig …

Zunächst einmal gibt es absolut keinen Grund, das Taxameter für so einen Halt zu stoppen. In der Zeit ist man als Taxifahrer gebunden und schon der Begriff „Wartezeittarif“ zeigt ziemlich deutlich auf, dass wir auch Geld fürs Warten nehmen dürfen, wenn es anfällt. Diesbezüglich waren die beiden Damen also rechtlich in ziemlich schwieriger Lage. Andererseits muss man auch mal zu Protokoll geben, dass derartige Taxameterstopps trotzdem gang und gäbe sind. Auch ich hab das schon gemacht. Wenn’s danach noch weitergeht, macht man lieber mal 5 Minuten unbezahlte Pause und raucht eine, bevor die Kunden abspringen. Und wenn man das nicht machen will als Fahrer – was wie gesagt völlig ok ist – dann sollte man wenigstens nicht vorher zusagen, dass man es macht. Weiterer Pluspunkt für die Fahrgäste: Sie waren in der Tat sehr ruhig, während der Kollege Zeter und Mordio schrie. Der erste Satz der einen war tatsächlich:

„Please calm down, so we can talk to each other!“

Ja, nu saß ich da ernstlich zwischen den Stühlen. Dass die beiden die Fahrt zu zahlen hatten, war klar. Zumindest mal bis zum Anhalten, immerhin auch ein ganzer Zehner. Das hab ich auch erklärt. Nun gab es dummerweise aber auch noch Sprachprobleme: Die Fahrgäste sprachen kaum deutsch, der Taxifahrer kaum englisch.

Und überhaupt: Warum ich? Ich bin kein Kollegenschwein, ehrlich. Aber was hätte ich außer vermitteln tun können – was keine der beiden Parteien irgendwie wirklich honoriert hat …

Dementsprechend dankbar hab ich angenommen, was eine der Damen anbot:

„I’m sorry, we leave your cab. OK? I know, you’re waiting for other customers.“

Und – mit Zustimmung des Kollegen – beschlossen sie, die vor Ort ansässige Polizeiwache aufzusuchen. Was mit Sicherheit die bessere Wahl war als mein Taxi. Eine friedliche Einigung wird es vermutlich nicht geworden sein, aber wenigstens eine, die dann hoffentlich alle akzeptieren.

Anschließend hab ich tatsächlich eine Fahrt aus besagtem ICE bekommen. Keine mit Coupon, aber immerhin eine für 17 €. Man will ja nicht meckern, wenn andere sich schon wegen drei Euro in die Haare kriegen …

Mehr als nötig

Die heutige Nacht war sowas wie ein Brücken-Arbeitstag für mich. Wirklich Lust auf Arbeit hatte ich nicht, zumal ich sowieso ungewohnte 8 Tage am Stück arbeite diese Woche. Sicher, die Kohle kann ich brauchen – aber der letzte Tag macht weder einen guten Monat zum Überbringer noch einen schlechten Monat richtig gut. Der letzte Tag ist immer ein bisschen für’n Arsch. Aber dadurch, dass ich die Schicht heute unterwegs war, konnte ich fließend zum Silvesterauto wechseln. Sowohl meine eigentliche 2925 als auch die die letzten Tage gefahrene 2223 sind in der Nacht der Nächte mit anderen Fahrern besetzt. Also musste ich tauschen.

Die 871. Gut, hab ich nie gefahren, wird aber schon in Ordnung sein. Laut Schichtplan ist sie heute ab 7 Uhr verfügbar. Deswegen hatte ich die Nacht spät gestartet – ich wollte bis morgens fit sein, um das Auto an der Firma wechseln zu können. Spart mir zwei Bahnfahrten zu je ungefähr einer Stunde.

Dumm war halt, dass meine Arbeitslust ziemlich darnieder lag. Ich hab mich erst um 23 Uhr auf die Straße gequält und eigentlich ab 1:30 Uhr ständig ans Aufhören gedacht. Aber naja, hier noch eine Tour, da noch mit Kollegen quatschen …

Gegen 4 Uhr hab ich’s nicht mehr ausgehalten. Mir sind trotz ausreichender Koffeinzufuhr fast die Augen zugefallen. Also hab ich das bisherige Auto betankt und geputzt und war zudem eigentlich ganz zufrieden mit den knapp 100 €, die ich eingefahren hatte. Dass der mir unbekannte Kollege an einem Dienstag wirklich bis 7 Uhr arbeiten würde, glaubte ich ohnehin nicht. Lange würde ich nicht auf’s Auto warten, dachte ich mir, als ich auf den Hof rollte.

Es war sogar noch besser: Die 871 stand bereits auf dem Hof. Das Ärgerliche daran: Sie sah nicht gerade aus, als wäre in den letzten drei Tagen überhaupt jemand mit ihr gefahren. Und diesbezüglich ist die Beweislast erdrückend:

Wir hatten viel Schnee in den letzten 30 Minuten! Quelle: Sash

Wir hatten viel Schnee in den letzten 30 Minuten! Quelle: Sash

Ich hab’s sportlich genommen und mich gefreut, dass ich den Hunni Umsatz gemacht habe. Denn hätte ich abends gleich die Kisten getauscht, wäre ich viel früher heim. Insofern ist das jetzt schon ok. Schon gar keine Vorwürfe mache ich dem Kollegen, der seine eingetragene Schicht nicht gefahren ist – denn das hab ich selbst schon sicher fünfzig Mal gemacht. Damals hat das halt nur Harald und mich betroffen, weil wir uns das Auto zu zweit geteilt haben und niemand anders unsere Uralt-Kiste im Nordosten der Stadt haben wollte.

In solchen Fällen merkt man dann, dass nichts zu 100% perfekt ist und alles seine Vor- und Nachteile hat. In dem Fall, dass meine Chefs nicht viel von Arbeitspflicht halten und es zudem sehr locker sehen, wenn man nicht Bescheid sagt, dass man nicht fährt (obgleich sie’s natürlich gerne hätten, wenn wir es täten). Aber obwohl ich mich in dem Fall über eine rechtzeitige Info gefreut hätte, bin ich doch trotzdem froh, dass man bei uns nicht gleich einen Anschiss kriegt, nur weil man abends mal vergessen hat, Cheffe anzurufen.

Wie dem auch sei: Damit ist 2014 durch für mich und ich hab am Ende eine halbe Schicht mehr als geplant runtergerissen.

Jetzt jedenfalls werde ich in obigem Kistchen die Silvesterschicht rocken. Sie scheint vollkommen ok zu sein und fährt sich gut. Kleines Manko auch hier: ein Navi hat sie nicht. Und dieses Mal hab ich nicht einmal einen Ersatz – nur mein Handy für den Notfall. Aber wie sagt mein Chef so gerne:

„Du bist doch Taxifahrer, wozu brauchst Du’n Navi?“

Und obwohl ich das bei der riesigen Stadt und den tausenden Sonderzielen, die man niemals alle kennen kann, so nicht unterschreiben würde, stimmt’s andersrum dann halt doch wieder: Seit ich in der 2925 das nervige Aushilfsnavi drin habe, hab ich es für exakt eine einzige Fahrt benutzt. Ganz so schlecht scheint es um die Ortskunde meiner Wenigkeit dann ja doch nicht bestellt zu sein.

Aber das alles passiert erst 2015. Den heutigen Abend werde ich wie immer gemütlich mit Ozie zu Hause verbringen und mich erst mit Verstummen des Feuerwerks auf die Straße schmeißen. Ich wünsche Euch allen einen guten Rutsch und eine fette Feier! Und ärgert mir die Taxifahrer auf der Straße nicht zu sehr, ok?

Die letzte Nacht

(zumindest voraussichtlich)

Die letzte Nacht im Taxi war das gestern natürlich nicht – und noch nicht mal die letzte in diesem Jahr. Ich fahre heute abend nochmal raus und wenn alles gut geht auch morgen noch.

Nein, es war die letzte richtig abgefuckte unlohnende Nacht vor dem Mindestlohn. Zumindest voraussichtlich eben. Natürlich können auch die letzten beiden gehörig in die Hose gehen – aber sowas wie diese Nacht habe ich lange nicht mehr erlebt. In den letztlich nur fünfeinhalb Stunden, die ich auf der Straße war, hab ich so grotesk wenig Geld eingefahren, dass ich nächsten Monat in so einem Fall mehr von meinem Chef bekommen würde, als ich insgesamt eingefahren habe. Mit anderen Worten: So gruselig wird es sich nie wieder anfühlen.

Wobei das nur zur Hälfte wahr ist. Zum einen glaube ich nicht, dass es mir – zumindest unter Chefs wie meinen – jemals egal sein wird, dass ich das Geld nicht einfahre, das ich koste (und ich glaube, selbst meine Chefs machen das nicht ewig mit 😉 ). Zum anderen werde ich auch in Zukunft mal eine Schicht wie diese haben und sie am Ende de facto so bezahlt bekommen. Denn zusammengezählt wird am Ende des Monats und nicht am Ende der Schicht, also werde ich nach wie vor schlechte Schichten mit guten ausgleichen. Es ist ja nicht so, dass der Mindestlohn alles umschmeißt – auch wenn das im Taxigewerbe bisweilen so scheint.

Was ich jedenfalls beibehalten können werde, ist an solchen Tagen die Schicht abzubrechen. Was meinen Chefs bisher sicher nicht sonderlich gefällt (obwohl sie’s mich machen lassen), spart ihnen in Zukunft Geld – zumindest, wenn’s am Ende spitz auf knapp steht.

Ich bin so gespannt darauf, wie’s im Januar läuft und was man so aus dem Gewerbe mitkriegt. Da wird leider viel unschönes dabei sein, aber noch hab ich die Hoffnung nicht aufgegeben, dass es wie prognostiziert bergauf geht. Einzelne schlechte Nächte sagen da jedenfalls noch gar nichts.