Die Anderen

Oh, da hatte ich mir aber zwei Fahrgäste angelacht! Ein Pärchen, sie vielleicht in meinem Alter, er ein wenig jünger. An und für sich waren sie auch wahnsinnig nett, es gab keinen Ärger oder dergleichen. Allein sie lachten gerne, sie lachten viel und sie bevorzugten etwas derberen Humor. Wenn es ums Lachen geht, bin ich ja tolerant wie eine Gummimatte. Ich hab trotz der Lautstärke gute Mine zum schallenden Spiel gemacht und ihnen erlaubt, mich in ihre nicht ganz jugendfreien Zoten miteinzubeziehen. Fehlt mir ja gerade noch, bei meiner Kundschaft auch noch die gute Laune zu unterbinden – schließlich ist gute Laune bis auf wenige Ausnahmen notwendige Bedingung für Trinkgeld! 🙂

Sonderlich viel haben sie am Ende nicht gegeben, dafür erteilten sie mir aber eine fragwürdige Weisheit:

„Weissu, wir sin‘ ja wirklich schlimme Kunden! Wissen wir! Aber die Anderen… die sin‘ noch schlimmer!“

Äh, nein!

😉

Macht aber nix…

Übergrößen unter sich

Bekommen hab ich die Tour nur dank eines netten Kollegen. Der kam am Ostbahnhof mit der aktuellen Situation gar nicht klar und hat mich gefragt, wer sich hier jetzt wo genau hinstellen solle. Ich hab ihn kurz eingeweiht, so dass er sich mit einem netten „Danke!“ hinter mir einreihte. Wie fast zu erwarten war, wollte die Kundin zunächst bei ihm einsteigen – das ist ja das blöde daran, wenn man Taxistände nicht auch ein bisschen auf den Kundenstrom hin ausrichtet. Der Kollege aber bat sie (wirklich sehr freundlich), doch zu mir zu gehen und nickte mir wohlwollend zu.

Kaum dass ich die ersten 300 Meter Fahrtweg hinter mir hatte, hatte sie bereits mehr erzählt, als dieser ganze Blogeintrag überhaupt fassen könnte. Ganz klassisch redete sie auf mich ein, was sie heute für ein Glück gehabt hätte, Einkaufen, Schnäppchen, Klamotten, blabla! Im Wesentlichen erfuhr ich von ihr, dass sie im Umland beim Ausverkauf eines Übergrößen-Ladens war und dort einige Hosen eingekauft hatte. Nur ausführlicher.

Natürlich sah sie in mir schon der Größe wegen einen Verbündeten, was ja zumindest in Ansätzen auch stimmte. Zwar teilte ich noch nie die von ihr entwickelte Vorliebe fürs Shoppen, aber zum Thema „Klamotten finden“ und die Probleme damit als Übergrößenträger kann ich nachvollziehen. So ergab sich aus ihrem anfänglichen haltlosen Geschnatter durchaus ein sehr nettes Gespräch – und zwar wenigstens eines mit einem (wenn auch vielleicht nicht alltäglichen) Thema. Kein Smalltalk übers Wetter oder so.

Was wirklich ungewöhnlich war, war die Offenheit mit der sie drauflospalaverte, wie sie auseinandergegangen ist nach der letzten Geburt und dass sie tatsächlich 25 kg zugenommen hätte, bla keks. Tatsächlich nicht gerade das Thema, bei dem ich – insbesondere von Frauen – große Offenheit gewöhnt bin. Anständig wie ich bin, habe ich verschwiegen, dass ich im gleichen Zeitraum fast 20 kg abgenommen habe und ihr hier und da bestätigend zugenickt. Das alles war dennoch natürlich furchtbar belanglos und es war einfach eine angenehme Fahrt. Müsste man gar nicht verbloggen. Aber es fiel von ihrer Seite aus ein Satz, der mich dazu gebracht hat, es doch zu tun. Sie schilderte mir ein Gespräch mit einem Verkäufer in dem Laden und dass sie ihren Unmut kundgetan hätte ob der Tatsache, dass das Geschäft nun schließt. Und zwar wie folgt:

„Und dann hab ich ihm gesagt: Wissen se, is ja echt nich schön, dass se hier weggehn. Wo das doch die einzige Firma is, in die mein Hintern noch reinpasst…“

Wenn sie das so gesagt hat, hätte ich ja gerne das Gesicht des Verkäufers gesehen 😀

Ach ja: Danke noch!

Leser-Touren sind für mich immer ein bisschen eine Herausforderung. Ich freue mich zwar immer, jemanden von euch kennenzulernen – andererseits ist es immer schwierig, weil ich keine Ahnung hab, was für ein Bild ich hier im Blog hinterlasse. Irgendwie nett und lustig, andererseits auch ein bisschen genervt von allen anderen und natürlich ein absolutes Ortskunde-Ass. Mindestens.

Nein, viele von euch schätzen mich sicher ganz gut ein, aber ein Bisschen mache ich mir immer einen Kopf. Im Falle von Christopher war das ganz offensichtlich umsonst, denn ausnahmsweise ging es bei der Fahrt nicht wirkliich um mich und meinen Blog, sondern vor allem um die Fahrt. Und was dieses Wochenende angeht, war es wirklich DIE Fahrt schlechthin.
Zum einen war der Umsatz und das Trinkgeld super, sehr angenehm war aber vor allem, dass die zwei Fahrgäste es nicht an der nötigen Ruhe mangeln ließen und ich am Ende wirklich sagen konnte, dass es spaßig und verdammt relaxt war von meiner Seite aus. Zumal die Fahrt mit ewiger Wartezeit, McDrive-Besuch und kleinem Umweg alle Register gezogen hat, just immer dann lukrativ zu werden, wenn es gerade am meisten Spaß gemacht hat 🙂

Leidtragender war dieses Mal Jo, der mich just erreichte, als ich unfern des Fahrtzieles der beiden im tiefsten Marzahn herumeierte und gerade zu diesem Zeitpunkt Kunden einsteigen wollten. Also Jo: Auch dir ein Danke! Fürs Gelassen-wegdrücken-lassen oder irgendwas in der Art.

Klappt halt leider nicht immer, ich kann nicht an 3 Orten gleichzeitig sein…

Auch noch!

Die drei Jungs von der Rückbank verließen das Taxi auf Geheiß von mir recht schnell. Nicht, dass irgendwas passiert war – ich wollte nur ihre Freundin aus der letzten Sitzreihe befreien, während sie noch rumdiskutierten, wer nun wie viel der knapp 7 € für die kurze Strecke zu berappen hätte.

Einer erbarmte sich schließlich, drückte mir einen Zehner in die Hand und meinte:

„Machste acht!“

Während ich einen Zweier zum Wechseln hervorkramte, stolperte einer der eher stark als leicht angetrunkenen Mitfahrer von hinten heran und gab folgendes von sich:

„Hassu hallo? Hassu wie is Taxi, hassu hallo? Bezahlen? Willsu? Ich hier! Ich hab auch fünf!“

Dazu wedelte er mit einem Fünfer um sich, woraufhin ihn sein Kumpel zur Seite schob und meinte, er hätte schon bezahlt. Ich hab mich kurz eingemischt und gemeint, dass ich den Fünfer gerne auch noch nehmen würde. Vielleicht klappt es ja irgendwann mal 😉

London Cab?

Der Hotelbedienstete hatte bereits den Verschlag geöffnet, da fiel ihr ein:

„Oh, eine Quittung bräuchte ich noch.“

„Kein Problem. Was haben wir heute? Den 5. oder schon den 6.?“

„Das ist egal, ich bin mein eigener Chef. Nur die richtige Stadt muss draufstehen. Nicht, dass sie mir da London reinschreiben…“

Verdammt. Erwischt! Wo ich das doch so gerne mache… 😉

Ehrlich gesagt: Alles frei ausfüllen kann ich gar nicht. So Details wie die Unternehmensadresse, die Konzessionsnummer etc. sind alle schon vorgedruckt, bzw. eingestanzt. Wenigstens in diesem Punkt sind die Quittungen gewissermaßen fälschungssicher. Obwohl ich mir auch nicht vorstellen kann, dass jemand auf die Idee käme…

Wobei manche Kollegen ja leider auf die absurdesten Ideen kommen.

Kleine unproblematische Kunden

„Kinder sind wie Tiger: Schön anzusehen, aber man sollte sie nicht in der Wohnung halten.“

Diesen Spruch hat meine Mutter mal gebracht und wahrscheinlich hat sie irgendwie Recht damit 😉 Ich komme als Nachtschichtfahrer ja beruflich nur relativ selten mit den lieben Kleinen in Kontakt, meist lohnt es sich allerdings danach, die Tour zu Papier zu bringen. Was all den untergroßen Fahrgästen gemein war, war dass sie eigentlich völlig stressfrei waren. Sicher, es gab kuriose Geschichten, die einem zu denken geben. Aber meist waren sie niedlich. Ob es nun Haie betraf, das Taxi selbst oder das Taxameter. Sogar mit der Polizei bin ich schon verwechselt worden… wenigstens für einen guten Spruch waren die Lütten also immer zu haben.

Als ich kürzlich seit langem mal wieder Kids im Wagen hatte, waren diese eigentlich ziemlich unspektakulär. Ein wenig unsicher schienen sie zu sein, aber auch das mit dem Fahrziel haben wir in Kürze erledigt bekommen:

„Wir müssten zur Tölchaustraße.“

„Da habt ihr mich erwischt. Kenne ich nicht. Aber ist das zufällig in Marzahn? Da würde ich nämlich eine Poelchaustraße kennen…“

„Marzahn ist richtig, dann isses wohl die.“

War sie auch.

Als ob die beiden regelmäßige Blogleser wären, haben sie mir rechtzeitig gesagt, dass sie kein Geld dabei haben, sondern die Fahrt von ihrem Bruder bezahlt werden würde, wenn sie da sind.  Also nicht mal ein Zwischenstopp bei einer Bank. Schade, konnte ich gar nicht Bodyguard spielen wie Klaus bei einer seiner Touren neulich. Ich hab ihnen erklärt, dass ich irgendein Pfand dafür benötigen würde und hatte kurz darauf ohne Widerworte ein strahlend himmelblaues Smartphone in der Hand. Na also.

Wenn es einen Grund gäbe, der mich überzeugen könnte, meinem Vampirdasein ein Ende zu bereiten und in der Tagschicht zu arbeiten, dann wären es sicher die Kinder 🙂

Andrea Berg schon wieder…

Ich habe ja so meine Probleme mit Andrea Berg. Ich mag ihre Musik nicht – und das kann ich mit gutem Gewissen behaupten, denn sie hat mich vor einer Weile gezwungen, mir ihr aktuelles Album etwa fünf Mal in Folge anzuhören.

Vielen Dank an dieser Stelle an Klaus vom cablog, der ihrem Manager das wohl dereinst mal von mir ausgerichtet hat, als der zufällig bei ihm ihm Taxi saß 😉

Deswegen musste ich auch etwas schmunzeln, als mir am Samstag am Ostbahnhof ein wehleidiges Pärchen eingestiegen ist, dem das Konzert in der O2-World viel zu laut war, und die es deswegen bereits über eine Stunde vor Schluss verlassen hatten. Die Tour war soweit prima und die beiden auch ganz nett. Allerdings hat sich mit der Zeit dann doch herauskristallisiert, dass die Frau auch ziemlich eigene Vorstellungen von angenehmer Lautstärke hatte und ich ihren Kindern hiermit empfehlen würde, nie wieder Konzertkarten zu verschenken. Ehrlich! Zitat:

„Dann gehen wir lieber ins Kino. Vielleicht in den neuen Stummfilm. Obwohl, nee: Da ist ja auch Musik!“

Denn, klar: Kino ist auch immer zu laut.

Ich hab die beiden bis fast nach Buch gefahren, nicht ohne dass mir selbst hierbei erzählt wurde:

„Wenn ich da noch länger dringeblieben wäre, dann könnten sie gleich bis zum Klinikum durchfahren.“

Äh ja, abgesehen davon war es aber ok. Auf dem Rückweg hatte ich in Blankenburg einen Winker, ich kann also den Nachtfahrern im Nordosten sagen: Kommt wieder in die Stadt, den einen dieses Jahr hatte ich, der nächste ist erst wieder Silvester fällig 😉

Da ich aber offenbar vollständig schmerzbefreit bin, bin ich gleich im Anschluss nochmal zur O2-World, wo sich das Konzert inzwischen dem regulären Ende zuneigte. Im Grunde sind Volksmusikbegeisterte ältere Ehepaare ja nicht die schlechtesten Kunden, die man Nachts erwischen kann. Man sollte zwar vorsorglich behaupten, böse Jugendliche hätten just gerade eben das Radio kaputt gemacht und man könne deswegen jetzt leider nicht… Aber damit hat man zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen und fortan viel Spaß mit ihnen…

Ich hatte mich jedenfalls kein Bisschen verschätzt, was die Ergiebigkeit der Touren von dort anging, denn während Kollege Carsten mit einem Betrunkenen Irren zum Ostbahnhof, keine 500 Meter weit, tingelte, stieg mir eine total nette ältere Frau mit ihrer behinderten erwachsenen Tochter zu. Im Gegensatz zu den beiden anderen waren diese im Übrigen total begeistert und mit sich und der Welt im Reinen. Die Tour ging bis weit in den Südwesten der Stadt und war damit nicht nur lukrativ, sondern allgemein sehr entspannt.

In solchen Momenten denke ich an meine Zeit beim Behindertenfahrdienst zurück, insbesondere daran, dass gerade die, denen das Leben am meisten Anstrengung abverlangt, mitunter die zufriedensten und angenehmsten Kunden sind.

Wenn ich es also überschlage: Eine wegen Schlafmangel nicht gefahrene Schicht auf der einen, 60 € Umsatz auf der anderen Seite… nein, quitt bin ich mit Andrea Berg noch nicht – aber wenn sie so weiter macht, klappt das vielleicht irgendwann mal 😀