„Dann wären wir bei genau 7 €.“
„Machen Sie mal neun. Danke für die lustige Fahrt.“
„Ach, dafür sind wir ja da.“
„Naja, so lustig sind nicht alle Fahrer …“
Wahrscheinlich auch wieder wahr 🙂
„Dann wären wir bei genau 7 €.“
„Machen Sie mal neun. Danke für die lustige Fahrt.“
„Ach, dafür sind wir ja da.“
„Naja, so lustig sind nicht alle Fahrer …“
Wahrscheinlich auch wieder wahr 🙂
Gar nicht lange nach dem ersten Glücksfall bekam ich eine nur etwas längere Strecke. Vom Ostbahnhof in die Cuvrystraße. Normalerweise unter sieben Euro, dank der gesperrten Oberbaumbrücke leicht darüber. Aber nichts, was den Kohl fett machen würde, wie man so sagt. Der Kunde war nett, alles in allem eine unspektakuläre Sache. Smalltalk, zwei Ampeln, sieben Euro, einen noch als Trinkgeld, fertig.
Als ich ihn jedoch rausließ, stand auf der anderen Straßenseite ein älteres Pärchen, das mich aus vier Augen glücklich anstrahlte:
„Sind Sie jetzt etwa frei?“
„Ja, so sieht es aus.“
„Ach, das ist ja hervorragend! Würden Sie uns nach Kleinmachnow bringen?“
Eine Anschlussfahrt, dreimal so lang wie der Durchschnitt …
Ich bin so langsam an einem Punkt, wo es mich kaum noch ärgert, dass Kollegen kurze Touren ablehnen. Sollen se die ruhig alle zu mir schicken. In den meisten Fällen passiert mir in letzter Zeit irgendwas Gutes in dem Zusammenhang, also nur her damit!
„Wie weit is’n bis zum Kater?“
„Kater Holzig?“
„Ja.“
„Ungefähr ein Kilometer.“
„OK, danke. Ähm … sag mal: würdeste uns da auch hinfahren?“
„Logisch.“
[…]
„Ey Sven, gibt dem Mann auf jeden Fall ’n Zehner, wenn er uns schon für die kurze Strecke mitnimmt!“
Aber das war noch nicht alles an dem Abend …
Ach, dieser Ärger mit den Kunden, wie furchtbar! Da steht man als Taxifahrer eine halbe Stunde am Bahnhof rum und dann wird man total unhöflich gefragt:
„I’m sorry, excuse me: would you please tell us where the Berghain is?“
Nicht mal siezen können die, diese Englischländer!
Man bleibt hart, stellt klar, dass man nicht die Auskunft ist und schon folgt die nächste Frechheit: Da fragen die doch tatsächlich nach, ob man sie dann vielleicht dorthin fahren könnte! Im Ernst! Zum Berghain, dreimal ums Eck! Gott sei Dank wissen die Ausländer nix von der Beförderungspflicht, dieser albernen … ach, ich reg mich schon wieder zu sehr auf!
Naja, wenn man sie dann los ist, fährt man wenigstens für 7,50 € irgendeinen anderen Idioten nach Kreuzberg.
…
Sowas liest man natürlich nicht hier. Das ist ein fiktiver, nicht realer Blogeintrag, wie er glücklicherweise wohl nur selten geschrieben wird. Die meisten bloggenden Kollegen haben ja doch ein bisschen mehr Fingerspitzengefühl bei der Kundschaft. Die fragenden Touris gibt es natürlich wirklich, der Wortlaut stammt genau genommen von einer Zweiergruppe am vergangenen Donnerstag. Da war ich der erste Taxifahrer und hab die beiden natürlich nicht weggeschickt. Ich hab ihnen den Weg erklärt, sie wollten mitfahren – und am Ende ist eine recht erheiternde Geschichte geworden.
Natürlich war meine Begeisterung für 4,40 € auf der Uhr nicht übertrieben groß, die beiden Jungs aber waren lustig. Saulustig. Zunächst schmissen Sie sich fast unter den Sitz, weil der Rechtsverkehr ihnen unheimlich war. Dann reagierten sie mit gespielter Empörung, als ich fragte, ob sie etwa aus England oder Australien kämen:
„No way, man! We’re irish!“
Ups. Fettnäpfchen.
Aber da war die Fahrt dann auch schon zu Ende. Eines fehlte natürlich noch. Ein Wort, mutmaßlich Bestandteil der irischen Hymne. Ganz genau:
„Just gimme two back, because you had to listen to our fucking bullshit!“
Acht Euro bei Viervierzig auf der Uhr: Strike! Damit aber nicht genug: vor der Tür standen zwei – Überraschung! – Iren, die „to the nearest S-Bahn“ wollten. Ergo zum Ostbahnhof. Womit ich bei 8,80 € und über vier Euro Trinkgeld nach 5 spaßigen Minuten und weniger als zwei gefahrenen Kilometern stand. Nicht ohne echt irische Wertschätzung übrigens:
„Fucking great you’re here, man!“
Es lässt sich gut leben mit kurzen Touren, ehrlich liebe Kollegen …
Ich wollte gerade mit dem Landeanflug auf den Ostbahnhof beginnen. Setze ich also den Blinker auf der Andreasstraße und: zack! Da winkte er! Ich also schnell rüber – und was wollte er? Im Prinzip auch nur mal schnell rüber. Ins Watergate. Bei guter Ampelschaltung eine Sache von zweieinhalb Minuten, die Streckenfindung ähnlich kompliziert wie das Lokalisieren der Nase in Gérard Depardieus Gesicht.
Also hab ich ihn schnell eingesackt. Es ging wirklich schnell. Die Ampeln sprangen mehr oder minder vor uns auf Grün und wir hatten nicht einmal die Möglichkeit, uns zu unterhalten. Er hatte gerade Leute heimgebracht, die es schon etwas übertrieben hatten – und jetzt hatte er keinen Bock mehr auf Laufen. Das war es dann schon mit Infos.
Im Grunde hätte er auch eine Kurzstrecke verlangen können, aber wozu Sie ihm aufschwatzen? Es war ihm sichtlich egal, was es kostet. Das hat man nach unserem zügigen Ankommen umso mehr bemerkt. Er meinte gleich, dass er hoffe, die 6,00 € noch klein zu haben,
„ansonsten muss ich halt …“
und wedelte mit einem Fünfziger. Ich war ehrlich und hab gesagt, dass das schon geht, ich aber froh wäre, wenn er es kleiner hätte. War nicht mein erster Fuffi in der Nacht. 3,20 € hat er in klein zusammengekriegt, dann war Ebbe. Er nahm’s pragmatisch:
„Dann gib mir einfach nur auf 10 raus!“
Gesagt, getan, danke und tschüss! 🙂
Was mich wundert: ich hatte das jetzt über die Jahre schon ein paar Mal, dass Leute die Fahrten dann extra rund machen. Das stört mich natürlich kein Bisschen und ich will es niemandem ausreden. Kleiner Funfact aus meinem Portemonnaie aber: mir mangelt es nur höchst selten mal an Münzen! Die braucht man ständig. Wenn ich 44 € Wechselgeld abdrücken muss, dann stören mich die 40 – nicht die 4. Anstatt der Münzen sind es nämlich die Scheine, die in überschaubarer Zahl nur vorhanden sind …
„Ist der Bus gerade raus?“
„Bus?“
„Dachte nur. Von hier zum Bahnhof fährt ja auch ein Bus, da fahren die Leute selten mit dem Taxi.“
„Ach, keine Ahnung. Ich fahr nicht so oft mit Bus und sowas. Ich fahr lieber Taxi.“
„Hey, mich als Taxifahrer freut’s! Wollte nur mal nachfragen.“
„Ja, weisste: mein Geld reicht mir. Und was ich übrig hab, das geb ich dann halt an andere. So Taxi, Kellner und so. Immer teilen.“
Wow. Ein Mensch, der genug Geld hat. Ist mir lang nicht mehr begegnet. Ich mustere den Typen. Vielleicht 25 Jahre alt, von Stil her eher HipHop als Business. Also entweder Musik, Internet oder Drogen: anders konnte ich es mir nicht wirklich erklären.
(Ach kommt! Jeder hat so seine Vorurteile. Und nach Pornos sah er halt auch nicht aus. 😉 )
Und er war wirklich nett. Die Fahrt war genau genommen kürzer als eine Kurzstrecke, eine solche hatte er ohnehin nicht verlangt.
„Dann wären wir bei 6,40 €.“
„Ja, dann, hier, ne? Denke, 10 ist ok.“
Mein Danke hat er kaum mitbekommen. Er ist umgehend reingesprintet. Sah aus, als hätte er es eilig gehabt, sein Geld weiter unter die Leute zu bringen.
Der restliche Abend verlief desaströs. Insbesondere, wenn man bedachte, dass es Wochenende war. Nach der Tour mit dem komischen Krücken-Kauz kehrte ich um etwa 22 Uhr an den Ostbahnhof zurück. Mein schlaues Büchlein vermeldete in den nächsten Stunden folgende Fahrten:
22.15 Uhr – wieder für 6,60 € in den Friedrichshain, 7 € gekriegt.
23.20 Uhr – wieder für 6,60 €, dieses Mal nach Kreuzberg, wieder nur 40 Cent obenauf.
00.00 Uhr – ganze 6,80 € Richtung Mitte, dieses Mal wenigstens wieder auf 8 € aufgerundet.
00.35 Uhr – vom Ostbahnhof zum Berghain, kein Trinkgeld. Ein Klassiker.
Um 0.50 Uhr hatte ich immerhin eine Tour für mehr als 7 €, danach sogar Winker. Ironischerweise wieder für 6,60 € …
Wie eingangs erwähnt: desaströs.
Tatsächlich hatte ich bis 3.30 Uhr nur 80 € eingefahren, diese Schicht sollte meinen Stundenlohn leider nicht über die 4,38 € diesen Monat heben – im Gegenteil. 🙁
Um kurz vor vier hab ich dann zugunsten meiner Vorbestellung den Halteplatz nach einer Dreiviertelstunde anstehen ohne Kundschaft wieder verlassen. Wie hoch wäre wohl die Wahrscheinlichkeit gewesen, um 4.05 Uhr eine Tour zu kriegen, mit der ich meinen Rucksackträger um 4.15 Uhr am Boxi hätte einsammeln können?
Ich fuhr mit ausgeschalteter Fackel zum Treffpunkt an einer normalerweise belebten Ecke und registrierte mit Frustration, dass das Mädel auf der anderen Straßenseite eigentlich so aussah, als könne sie ein Taxi gebrauchen. Ist ja klar: wenn man einmal „besetzt“ ist …
Ich schob erst einmal den Beifahrersitz wieder auf Anschlag nach hinten, wischte etwas Dreck aus dem Auto, öffnete den Kofferraum. Da schallte um 4.02 Uhr dann doch die Stimme von gegenüber durch den Kiez:
„Sorry, biste frei?“
Das Mädel war nicht mehr alleine, es starrten mich vier erwartungsvolle Augenpaare an.
„Nee, eigentlich nicht. Wobei, wenn es eine kurze Fahrt ist … ich muss halt in 10 bis 15 Minuten wieder hier sein.“
„Weiß nicht. Mühsamstraße?“
„Wenn Ihr euch beeilt, dann reicht das locker!“
Hat erstklassig gereicht! Ich hab die vier eingesackt und eine weitere schnelle kurze Tour für knapp über ’nem Fünfer zuzüglich 80 Cent Trinkgeld gehabt. Dieses Mal immerhin ohne Warten.
(um 11 Uhr dann der letzte Teil)