Sommervorbo(o)ten

„Kriegen wir bei Dir ein Boot rein?“

„Kommt ziemlich auf’s Boot an, würde ich sagen.“

Das Wasserfahrzeug stellte sich als ziemlich komprimierbarer Gummiwulst von kaum mehr als 120 kg Gewicht heraus, für das am Ende nur zwei von drei Sitzen der Rückbank umgeklappt werden mussten. Zunächst sah es ein bisschen nass und schnodderig aus – laut Aussage der beiden brotfertigen Gesellen hatte es auch die letzten 20 Stunden auf der Spree verbracht – am Ende war es aber nur eines dieser vielen etwas sperrigen Gepäckstücke, die zwei drei Blätter im Kofferraum hinterlassen haben. Also wahrlich kein großes Problem. Ich hab am Ende sogar vergessen, den Zuschlag zu berechnen. Das hätte die 5,60€-Tour dann wenigstens noch etwas lohnend gemacht. Und immerhin wollten sie nicht einmal eine Kurzstrecke …

Aber was soll’s? Immerhin kann ich jetzt neben dem Surfbrett auf der Liste der transportierten Güter endlich auch das Boot abhaken. Demnächst kommt dann wahrscheinlich ein Floß. Oder wir machen mit Luftfahrzeugen weiter. Ich bin gespannt. 🙂

COOKIES!!!

Ui. Winker am schlesischen Tor. Direkt nachdem ich ein paar Leute am Watergate abgesetzt hatte. So darf es öfter laufen!

„Guten Abend. Wo soll es hingehen?“

„Good, gute Abend. We, wir gehen nit weit, it’s not far, gehen wir zu den Cookie?“

„Cookies?“

„Iste eine Besetzthaus.“

„Äh, zur Köpi?“

„Yes! Exactely!“

„Sorry, I thought you said ‚Cookie‘.“

„Haha, no. Well, Cookie was something else, wasn’t it? Disco?“

„Yes. A Club in the Friedrichstraße.“

„Uh, no thank you …“

Mir sind die Köpi-Kunden auch lieber als die Cookies-Gesellschaft. 🙂

(Abschreckendes Beispiel für eine Cookies-Tour? Hier entlang!)

Selbstbewusst

„Wo soll’s hingehen?“

„Bring uns mal zum Spindler & Klatt.“

„Die Party geht also erst los jetzt?“

„Ja klar: Wenn wir kommen!“

Selbstbewusst und schlagfertig. Gefällt mir. 🙂

Feierabenddeals

Wie gut so ein paar Stunden Schlaf extra einem manchmal bekommen können, davon kann ich Euch heute ein Liedchen singen. Ich lass die wörtliche Umsetzung aber besser bleiben, denn momentan ist mein Schlafrhythmus meines gestrigen „überraschenden“ Zahnarztbesuches wegen etwas aus den Fugen geraten und hat hier und da durchaus was mit Schmerzen zu tun, weswegen ich in jeden Singsang gelegentlich kleine verstörende Auas einstreuen würde.
Und in Anbetracht des letzten Satzes bin ich mir nicht sicher, ob mein Ibuprofen nicht irgendwelche psychoaktiven Bestandteile hat.

Aber das mit dem Müdesein und dem Wunsch nach Schlaf und Ruhe ereilt einen ja auch gelegentlich gegen Feierabend – vermutlich nicht nur als Taxifahrer. Aber bei uns liegt die Sache ja wieder mal ein bisschen anders, weil unser Feierabend in den Augen vieler Menschen offenbar verhandlungsoffener ist als der anderer Dienstleister. Das aber wiederum wollen wir ja manchmal auch nicht anders.

Nach meiner Schicht am vergangenen Wochenende war ich aber eigentlich bereits an dem Punkt, an dem ich keine Kompromisse mehr eingehen wollte. Ich hab die Fackel – was wirklich selten ist – bereits vor dem Abstellplatz ausgeschaltet und war ein klein wenig verärgert, als ich auf der Haltestellenanzeige einen „Außer Betrieb“-Hinweis zu lesen bekam. So lange die Bahnen morgens noch im 30-Minuten-Takt fahren, orientiere ich mich da nämlich gerne dran und teile mir die Zeit ein wenig ein. Wenn ich nur noch wenig Zeit habe, beeile ich mich mit dem Schichtabschluss, dem Einpacken, Aufräumen etc. – wenn mir noch zwanzig Minuten verbleiben, rauche ich auch gerne erst einmal neben dem Wagen eine und setze mich danach in aller Ruhe noch einmal ins Warme, bevor ich unnötig lange an der Haltestelle selbst, nur 50 Meter entfernt, rumgammle.

Und nun? Außer Betrieb.

Mit ungewissem Zeitplan ließ ich die 1925 auf den Parkplatz rollen, drehte die Musik leiser und fing an, mir die Schichtdaten zu notieren. Da stand er dann plötzlich und fragte, ob ich noch fahren würde. Puh, nee, also echt nicht. Ich hatte meine 10 Stunden fast runter, der Umsatz war ok soweit, so langsam sammelte sich der Schweiß im Hemd, ich war müde.

Aber wenn man dann so dran denkt, wie lange man sonst manchmal auf eine Tour wartet … ich werde da halt doch auch mal schwach.

„Nee, eigentlich nicht. Feierabend. Ich war lange genug draußen, sorry.“

„Bitte.“

„Wohin soll’s denn gehen?“

„Ich muss nach Karlshorst.“

Verfluchter Mist! 20 € gleich. Auf dem Silbertablett ohne Wartezeit serviert! Das ignoriert sich irgendwie schwer, wenn man zwar müde und fertig – aber doch ganz guter Laune!  – ist. Auf der anderen Seite: Das sind auch nochmal deutlich über eine halbe Stunde Zeitaufwand, dann wäre es … shit! Soo spät?

„Nee, tut mir leid. Das ist mir jetzt echt zu weit.“

„Dann vielleicht wenigstens zur Rhinstraße? Ich warte hier schon ewig und die Bahn kommt nicht.“

(mit anderen Worten: die Bahn kommt ziemlich bald – und schließlich ist das die, die ich auch zu nehmen gedachte)

„Also Landsberger-, Ecke Rhinstraße? Das wäre ok?“

„Ja, Hauptsache ich bin hier mal weg!“

„Na gut …“

Ein Novum, wenn ich der letzten fünf Jahre richtig entsinne. Um das Fahrtziel hab ich mit der Kundschaft meines Wissens nach noch nicht gefeilscht. 🙂 Bietet sich auch wenig Anlass zu, ich hab’s auch nur gemacht, weil ich mich rein technisch schon außer Dienst gesehen hab.

Das Ergebnis hingegen war für mich OK. Nur mal kurz die Landsberger rauf würde fast einen Zehner bringen und um die Zeit dank Verkehr allenfalls 10 Minuten – inklusive Rückweg – kosten. Also hab ich ihn doch noch eingesackt. War auch ein netter Kunde, zu jeder anderen Zeit hätte ich ihn auch ans andere Ende der Stadt oder des Landes gefahren. Für den Moment war der Kompromiss aber auf beiden Seiten so das gerade noch tragbare Maximum. Und was soll’s? Am Ende isses ja ok, so lange es passt.

Warschauer …

Das ist so in etwa das, was die Kollegen einander zurufen, wenn sie wegen einer Fahrt vom Ostbahnhof aus unglücklich sind. Und wenn man es nicht mit absolut deprimierten Tonfall tut, dann ist das ja sogar eine nette Möglichkeit, zwar dem Kollegen zu signalisieren „Naja, nicht so toll – bin gleich wieder da!“ ohne dass es die Kundschaft mitkriegt, bzw. versteht.

Ich mache das in der Regel nicht, ich hab nämlich nichts gegen kurze Fahrten. So gesehen hab ich mich auch gar nicht gewehrt, als die Mädels vor meinem Taxi ins Gackern verfallen sind und wild gestikulierten, dass sie gerne in die Warschauer Straße wollten, aber zu fünft wären, blabla, geile Party, eilig, S-Bahn doof, BITTÖÖÖÖ!

„Alles kein Problem, ehrlich! Ich hab 5 Sitzplätze. Der hintere ist zwar etwas eng, aber wir kriegen das alles ohne Probleme hin!“

„Des is ja auch noch Kurzstrecke, oder?“

*plopp*

Das ist das Geräusch, wenn die Hoffnung auf Trinkgeld zerplatzt. Und die Hoffnung auf gut gelaunte Kundschaft noch dazu. Die Kurzstrecke kann man nicht vom Stand aus fahren. Und während ich die Idee sonst ziemlich gut finde, sind die ständigen Anfragen danach das einzige, was ich nicht leiden kann. Dieser Spezialtarif ist für Ausnahmefahrten gemacht, aber kaum dass man ihn aus gutem Grund ablehnt, denkt die Kundschaft, man wolle sie über’s Ohr hauen, ihnen was verwehren, etc.

Aber gut, erst einmal Ruhe in den Haufen bringen!

„Nein.“

„Nein?“

„Schön, dass ihr zuhört. Also: Kurzstrecke vom Taxistand aus ist nicht. Da braucht ihr mich auch nicht zu überreden versuchen, das ist nicht erlaubt, Ende! Aber …“

Da haben sie dann wirklich gespannt zugehört. Sehr schön. 🙂

„… man kann mit der Kurzstrecke maximal 2,60 € sparen. Das sind für jede von euch vielleicht 50 Cent und mir hilft’s, halbwegs mein Geld zu verdienen, also seid bitte nicht böse deswegen. Die Fahrt zur Warschauer – je nachdem, wohin – wird zwischen 6,50 € und 8,00 € kosten. Und das ist immer noch billiger als ein Einzelfahrschein für jede von euch. Wie sieht’s aus?“

Ich weiß nicht, was an dem Vortrag so sympathisch oder überzeugend war. Sie sind jedenfalls außerordentlich gut gelaunt eingestiegen, nachdem ich kurz den fünften Sitz ausgeklappt hatte. Die Tour selbst war schnell erledigt und nicht der Rede wert. Am Ende stand die Uhr bei 7,10 €. In Anbetracht der Tatsache, dass sie mich ohnehin von der letzten Rücke aus rausgepickt hatten, störte mich das gar nicht.

„So, jeder jetzt zwei Euro!“

hörte ich eine verkünden, die zumindest in diesem Moment die Chefansagerin spielte. Das Sammeln ging schnell, nur die aus der letzten Reihe musste erst aussteigen zum Bezahlen. Während ihre Freundinnen bereits dabei waren, von dannen zu ziehen, sah sie mich mit einem Blick an, den nicht einmal alle Hunde so knuffig hinbekommen.

„Ich, ich … ich hab aber nur noch ein‘ Euro klein. Und des is‘ doch jetzt, weil und ach, Du warst doch so’n netter Taxifahrer, da will ich doch und …“

„Hey, ist doch ok, da hab ich doch immer noch Trinkgeld. Vielen Dank! Ehrlich.“

„Aber, ich … ach Menno! HEY, HAT MIR JEMAND NOCH’N EURO?“

Und so war das dann ein Zehner. Zur Warschauer. Nichts dramatisches, nichts, dass mir das Leben rettet oder eine schlechte Schicht ausgleicht. Aber ja, ein schöner Moment. Ein Moment, in dem dann – quasi – Knuddeln mit mir nur einen Euro gekostet hat – ähnlich günstiger Tarif wie z.B. die Kurzstrecke für Taxifahrten. Nur dass fürs Knuddeln glücklicherweise keine Tarifordnung existiert …

Berufliches

Ich bemühe mich ja, meine Arbeit nicht allzu sehr als Job zu betrachten. Klar: Ich brauch das Geld, das ich im Taxi verdiene. Darüber hinaus bin ich aber versucht, einfach möglichst immer guter Laune zu sein und die Sache nicht allzu ernst zu nehmen. Das fällt natürlich nicht immer leicht, aber es klappt doch ziemlich oft und ist dann auch im Sinne der Dienstleistung praktisch.

Heute Nacht ist es ganz gut gelaufen da draussen. Ich hab zwar wieder nur spät angefangen, aber ich muss sagen, dass 25% weniger Umsatz als an einem normalen Wochenende wahrscheinlich das produktivste war, was ich je hingekriegt hab, wenn ich zu Hause alleine war. Wenn ich alleine bin, wird nämlich offensichtlich meine Bindung an Ozie auch noch durch die Bindung an die Tastatur ersetzt und ich komm gar nicht mehr zu Potte, sprich: vom Rechner weg. Aber gut, ich hab mich also trotz größter Unlust überwunden – und siehe da: War eigentlich alles toll. Eine Menge schöne Touren, eine Menge Material zum Bloggen und mit der Zeit hab ich richtig gute Laune gekriegt.

Irgendwann kamen dann vier Jungs ziemlich verdattert an mein Auto, weil der Fahrer vor mir am Stand eingeschlafen war. Das schien sie nachhaltig zu beeindrucken, aber das Ende vom Lied war natürlich, dass sie gerne mit mir fahren wollten. Soll mich ja nicht stören. 🙂

Auf die Strecke brauchte der Kollege auch gar nicht neidisch zu sein, es ging nur kurz in die Revaler Straße. Nicht die einzige kurze Tour dorthin in dieser Nacht. Ansonsten war eigentlich alles belanglos. Den Weg dorthin finde ich im Schlaf und die Jungs waren zwar nicht ungesprächig, aber so die total lockere Atmosphäre kam auch nicht auf. Eine Fahrt wie hunderte andere. Am Ziel angekommen kam dann allerdings der Spruch des Tages und nur deswegen schreibe ich den Eintrag am frühen Morgen eigentlich. Meint mein Beifahrer nämlich:

„Hey, war echt ’ne nette Fahrt. Du solltest überlegen, das beruflich zu machen.“

Ich hab wenigstens halbwegs schnell geschaltet und geantwortet:

„Gute Idee. Ich werd‘ mal drüber nachdenken.“

Maria, was ’ne Strecke!

„Ey Du, sorry. Kannste uns sagen, wo’s Magdalena is?“

Das Magdalena, ehemals Maria oder ADS, direkt beim Joseph oder so. Eine Ahnung, was da hinterm Zaun wann genau wie hieß – aber wo’s ist, ist nicht so schwer zu erklären vom Ostbahnhof aus:

„Na, das ist – vereinfacht gesagt – direkt da drüben!“

„Und wie kommen wir da hin?“

„Am einfachsten hier bis zum Ende, dann links, noch über die Kreuzung und dann ist da links im Zaun …“

„Fährste uns auch?“

„Klar, kann ich machen. Kostet aber auch gleich vier Euro.“

„Alles prima. Hauptsache nicht verlaufen!“

„Auf der Strecke?“

„Man weiß ja nie.“

Also gut. Die Straße war frei, die einzige Ampel grün, die Fahrt dauerte rund 30 Sekunden.

„Und wo ist das jetzt genau?“

„Hier durch’n Zaun, dann ist nach ein paar Metern Weg der Eingang.“

„OK, cool Mann! Kurze Frage noch!“

„Jepp, was is‘?“

„Haste uns ’ne Nummer? Dann könn‘ wir dich anrufen und Du kannst uns später wieder zurück zum Bahnhof bringen!“

Also bei aller Liebe zu kurzen Touren …

„Jungs, hier fahren genug Taxen vorbei. Da müsst ihr euch notfalls einen Kollegen ranwinken!“