Der merkt das nicht …

Die gesperrte Oberbaumbrücke. Inzwischen hat mir diese Baustelle sicher gut 100 € extra an Umsatz gebracht. Dass ich fortan bei einigen längeren Touren einen Umweg machen müsste, war mir ja von Beginn an klar – was ich nicht erahnt hatte, war, dass tatsächlich gerade die ganz kurzen Touren ziemlich beliebt sind. Und die lohnen sich eben wirklich.

Und nun wieder: ein junges Pärchen in der Warschauer äußert den Wunsch, zum Watergate gebracht zu werden. Ich setze da immer gleich vorsichtshalber eine Beileidsmiene auf, denn eine für alle perfekte Lösung gibt es halt nicht. Entweder ich bringe sie nur zur Brücke und für mich ist es eine Tour mit grob geschätzten 4,40 € Umsatz – oder ich fahre bis vor die Tür, was den Kunden für die Ersparnis von 150 Metern Fußweg schnell mal 6 bis 7 € mehr kostet. Wer freut sich da wirklich?

Aber auch hier:

„Nee nee, bring uns mal bis vor’n Club! Das is‘ ja auch nicht so wild. Er hier merkt das eh nicht!“

Lustig, so eine Ansage im Vorfeld zu machen, ganz offensichtlich auch noch, weil der junge Mann wohl zu zahlen hatte. Der zeigte sich allerdings tatsächlich nur mäßig interessiert daran, was er zu zahlen hatte, er löcherte mich lieber gleich bezüglich des Geschäfts, weil er selbst Taxifahrer als Aushilfe in einem kleinen Landkreis war. Ich schlage also den ewigen Haken über die Elsenbrücke, wir unterhalten uns und alles ist prima. Am Ziel angekommen gibt es 20% Trinkgeld und ich meine zum Spaß noch, dass das jetzt ungefähr so viel Trinkgeld gewesen sei, wie normalerweise der Fahrpreis (eine Übertreibung, aber sonderlich ernst waren wir nicht miteinander), da ruft die Freundin wieder dazwischen:

„Ach was, das hat der doch gar nicht mitgekriegt, dasss das ein Umweg war!“

Ich bin mir sicher: wenn der Kerl wirklich häufiger Taxi fährt, dann ist ihm das aufgefallen. Dieses Denken in Karten wird man so schnell nicht wieder los …

Die vorletzte …

Silvester (oder Neujahr, um genau zu sein) war fürs Bloggen wie man sieht, doch recht brauchbar. Aber auch die schönste Schicht geht mal zu Ende. Als der Zeiger der Uhr morgens die sieben überquerte und sich so langsam am östlichen Horizont die Dämmerung bereit machte, den ersten Tag im neuen Jahr zu verkünden, war mir dann auch mal nach Heimfahrt. Natürlich hatte ich nichts gegen ein oder zwei Winker, bevorzugt natürlich in die richtige Richtung. Aber da ich schon auf der Landsberger stadtauswärts unterwegs war, war ich guter Dinge.

Ein Weihnachtsmann in etwas verschlissenen Klamotten hielt mich vor einer Gartenkolonie an. Genau genommen war es kein Weihnachtsmann, aber die Ähnlichkeit war nicht so ganz von der Hand zu weisen.

„Fährst mich zur Tanke?“

„Zu welcher?“

„Egal, muss noch einkaufen!“

Meiner Fahrtrichtung nach hab ich mich nicht für die in der Rhinstraße entschieden, sondern die direkt in der Landsberger, keine zwei Kilometer voraus. Da ich eh zufrieden war, hab ich ihn an die Kurzstrecke erinnert und dann ging es auch gleich los. Als wir ankamen, wollte ich mich für die Sache mit der Kurzstrecke schon in den Hintern beißen, denn natürlich wollte er auch wieder zurück. Also würde es sowieso nicht reichen, nur die Wartezeit war damit umsonst …

Ich bin zu gutmütig, echt. Da sieht man wieder mal, dass es Sinn gibt, wenn die Kunden selbst wissen, ob sie eine Kurzstrecke haben wollen. Aber wider Erwarten ging es dann so schnell, dass es schon in Ordnung war. In einer dünnen Plastiktüte zeichneten sich zwei Bierflaschen und eine Schachtel Zigaretten ab, was man halt so einkauft am ersten Morgen eines neuen Jahres. 😉

Wir fuhren zurück, die Uhr sprang auf Normaltarif um, zählte noch lustig bis etwa acht Euro weiter, dann standen wir an der letzten Ampel, wo ich wenden musste, um ihn auf der richtigen Seite rauszulassen und außerdem wieder in meine Richtung – Osten – zu kommen. Etwa fünf Kilometer trennten mich noch von meiner Haustüre, noch besser allerdings war, dass da Winker standen. Direkt da, wo ich ihn nach netten zwei Euro Trinkgeld entlassen habe …

Fahrt 1

Die Woche wird ein wenig im Zeichen der Silvesterschicht stehen, die hat schließlich wie zu erwarten einige erwähnenswerte Fahrten mit sich gebracht. Auf die erste durfte ich eine Weile warten. Seltsamerweise. Mich hat es gleich kurz nach 1 Uhr von Marzahn bis weit nach Lichtenberg reingetragen, ohne dass ein Winker am Straßenrand stand. An jedem anderen Tag hätte mich das Gegenteil überrascht, aber man ist ja verwöhnt von Silvester.

Als es dann zwischen zwei geparkten Autos winkte, war ich zunächst geschockt. Der recht frisch wirkende Winker rannte nämlich nicht freudig auf mein Auto zu, sondern wuselte in der Parklücke zu zwei anderen Personen, von denen eine am Boden saß. Na herzlich willkommen in 2013! Eine Kotzertour gleich zu Beginn? Wäre ja mal was neues. Nein, nicht!

Die am Boden sitzende Person stellte sich als leider nicht mehr sehr rüstige Seniorin heraus, dass sie überdies tatsächlich ordentlich einen im Tee hatte, wurde mir erst später erklärt. Nach den obligatorischen Wünschen fürs neue Jahr hab ich dann erfahren, was Ziel der ganzen Tour war: kurz die Schwiegermutter ins Bett bringen und dann die beiden Herren wieder zurück zur kleinen Feier zu Hause.
Das gestaltete sich auch problemlos, die beiden konnten mir sogar den Weg ansagen. Mich hat die Fahrt ehrlich gesagt rein umsatztechnisch ein wenig zurückgeworfen. Denn anstatt nun schnell viel Land zu gewinnen, stand ich in Folge der Aktion etliche Minuten vor dem Haus der Schwiegermutter herum, die mit knapp über 80 Jahren und ein paar Sekt intus auch noch 5 Stockwerke Höhenunterschied zu bewältigen hatte. Normalerweise passt mir sowas ja blendend, an Silvester ist der Wartezeittarif dann halt doch weniger als das, was ich auf der Straße verdiene.

Aber ich will nicht meckern. Die Schwiegermutter hat es gut ins Bett geschafft – was sich laut dem im Wagen verbliebenen Trauerkloßes im Grunde eh nicht so recht lohnte, weil er ihr nicht mehr allzu lange gibt. Dann aber war die Stimmung wieder gut und die beiden turtelnden Typen da abgesetzt, wo sie sich wieder wohlfühlten. Was will man auch machen?

Wieder zurück!

So, herzlich willkommen zum Ende der kurzen Winterpause! Es war zwar ziemlich hart, ganze drei Tage nicht zu bloggen, aber es war eine gute Idee. Zwischen Wohnungsentschmandung und Weihnachtskochen blieb nicht sonderlich viel Zeit. Und selbst wenn die Zeit dann mal gereicht hat, ein paar Minuten an den Rechner zu gehen, ein paar Minuten zu lesen, so war es für mich einfach wunderschön, seit langem einmal wieder nicht das Gefühl zu haben, ich müsse da noch schnell was bloggen. Und mal ganz ehrlich: das plötzliche Auftauchen von Familie ist wahrscheinlich der weltbeste aller Gründe, mal spontan nicht nur im Erst-, sondern auch im Zweitjob eine Pause einzulegen. 🙂

Ich möchte vorweg auch schon einmal danke sagen für die ganzen netten Weihnachtswünsche, Likes und die auch dieses Mal nicht ausgebliebenen Geschenke von euch. So ist Weihnachten immer noch einmal eine Spur schöner und es hat mich ebenso erfreut, dass der ein oder die andere meinen wirklich ernst gemeinten Links der letzten Tage gefolgt ist. Ich mache das ja nicht ohne Grund.

So, jetzt haben wir aber dieses ganze Christmas-Gedöns abgehakt und steigen mal wieder ein ins Blogleben. Das tue ich vorerst mit einer kleinen Kurzanekdote ohne besondere weihnachtliche Moral:

Die letzten Tage vor Weihnachten zogen gerade so ins Land und ich stand wieder einmal an meinem Lieblingsbahnhof. Wie immer nicht alleine, wie immer aber auch einer der wenigen, die sich für ein paar Euro fuffzig auch mal aus ihrem Auto rausbewegen. Der Kollege hinter mir war einer der Sorte, dem es zu viel war, nachzufragen in welches A&O-Hostel die Kundschaft wollte – wahrscheinlich weil er sich vor der Antwort fürchtete. Natürlich mussten sie in die Köpenicker Straße. Fün Euro glatt – ist auch nach 20 eigentlich erträglichen Minuten nicht gerade der Stich, den man sich erhofft.

Aber mal abgesehen davon, dass ich bei kurzen Touren ohnehin kein Nörgler bin, war der Beweggrund der beiden vorsprechenden Damen, für diese kurze Strecke ein Taxi zu nehmen, auch recht offensichtlich: eine von ihnen saß im Rollstuhl und man braucht keinen Hochschulabschluss um sich auszumalen, dass das die Wegstrecke zumindest gefühlt schnell verlängert. Und die Tour gestaltete sich auch allenfalls mittelaufwändig. Nach fünf Jahren Behindertenfahrdienst hab ich keine großen Sorgen mehr, die Abmessungen von Rollis einzuschätzen, die eingeschränkte junge Dame kam ohnehin selbständig ins Auto, es war wieder ein typisches Beispiel dafür, wie wenig Panik man sich eigentlich machen muss.
Wie gesagt: ich hab 5 Jahre damit verbracht, täglich zigfach Rollis festzugurten, Leute umherzutragen, umzusetzen und Hilfestellungen zu geben. Da verweichlicht man nach 4 Jahren Taxi durchaus ein bisschen, aber als ich den Faltrollstuhl mit einem recht geübt aussehenden Handgriff in den Kofferraum bugsiert hatte, stellte ich abermals fest, dass das eigentlich die Touren waren, auf die ich mich damals immer gefreut hatte, weil sie so stressfrei waren.

Ganz so easy war es leider nicht wirklich. Meine Beifahrerin erwies sich als so ironieresistent, dass sie nicht einmal bemerkte, dass ich gar keine ironischen Sprüche brachte. Ihre schlechte Laune wollte ich ihr gerne nachsehen, aber die zackige Ansage, dass ich gefälligst zum Nebeneingang fahren sollte (natürlich nachdem wir daran vorbeigefahren sind) fand ich dann doch, gelinde gesagt, unsportlich. Ich hab die Uhr dann trotz Wendevorgang gleich ausgemacht, ein paar aufmunternde Worte bezüglich des laut rufenden Bettes gemacht, um eine Minute später fünf Euro wortlos in die Hand gedrückt zu bekommen, nur noch gefolgt von der Aufforderung, ja das Kissen nicht im Kofferraum zu vergessen.

Nee, angenehm geht anders. Aber im Vergleich zu meinem Job damals hab ich inzwischen ja ein paar Touren mehr pro Tag, so dass ich eine etwas nervige Tour viel schneller vergessen kann. 😉

Bewerberprofil mangelhaft

Zwei junge Mädels, kurze Strecke. Kaum Zeit zu reden, dennoch zwischenrein folgender Dialog:

„Taxifahren ist doch sicher auch ein entspannter Job, oder?“

„Sagen wir es so: er kann es sein, mit der richtigen Einstellung.“

„Naja, immer rumfahren, Leute kennenlernen …“

„Klar, mir macht’s auch Spaß. Dafür ist halt das Geld nicht so üppig.“

„Ach, das‘ ja nich so wild. Ich zieh ja demnächst auch nach Berlin, da könnte ich mir das auch vorstellen. Das is‘ doch voll die gute Idee, ich fahr dann einfach auch Taxi!“

„Naja und immerhin werden Fahrer gesucht!“

„Des‘ ja cool! Ja voll ey, ich werd Taxifahrerin! Aber hey, da muss man sich doch sicher auch so ’n bisschen auskennen in der Stadt und so, oder?“

„Ähm ja. Ich würde sogar sagen: mehr als ein bisschen.“

„Oh. Na dann doch nicht.“

Manchmal sind die Anforderungen an manche Jobs aber auch echt furchtbar überraschend … 🙂

Karma?

„Reicht da vielleicht auch ’ne Kurzstrecke?“

Zack!

„Werden wir sehen, wird aber eng.“

Ich hab den Knopf gerade noch drücken können, eine Sekunde später wäre diese Chance vorbei gewesen. Aber gut, stört mich nicht. Am Ende hat das Taxameter rund 150 Meter vor dem Ziel gepiept. Es war eine blöde Stelle zum Anhalten und bevor ich überhaupt auf „Kasse“ drücken konnte, stand die Uhr bereits auf 4,30 €. Nachdem ich ausgeschaltet hatte, hab ich mal fünfe grade sein lassen und die beiden wirklich netten jungen Leute noch von der Hauptstraße bis vor die Tür gebracht. Ja, die 150 Meter hätten mir nochmal ca. 1,20 € bringen können, aber wayne?

In einem der dunkelsten Seitenarme der Landsberger Allee stehend kassiere ich also einen Fünfer und entlasse die zwei. Als die Tür dann nochmal aufgeht, denke ich zuerst daran, dass etwas im Taxi vergessen wurde. Nein. 🙂

„Bringste mich nach Blankenburg?“

Manchmal hilft Liebsein scheinbar wirklich enorm.

Kurz, aber nett.

Mal ganz ehrlich: es passiert ja in der Regel nichts groß spannendes im Taxi. Ich schreibe hier Blogeinträge über einen Euro mehr Trinkgeld oder einen blöden Spruch zu Fahrtbeginn. Es ist für euch Leser vielleicht nicht unbedingt ein Thrillride ohnesgleichen, aber wie jeder andere Beruf hat auch das Taxifahren leise und laute Momente.

Einen der besonders leisen hatte ich derletzt wieder.

Zwei mittelgroße Vorrentner – also Menschen knapp überhalb meines Alters – winkten mich in Friedrichshain heran und fragten, ob ich sie zum Ostkreuz bringen würde. Natürlich! Und auch immer wieder gerne. Aber der Weg war mit nicht einmal einem Kilometer doch recht knapp bemessen. Letztlich war es nur das Gepäck, das den Einsatz eines Taxis rechtfertigte. Ohne das wären sie am Ende sogar schneller gelaufen.

Aber die Zeit drängte. Nur noch wenige Minuten bis der Zug abfahren würde.

Es ist während der ganzen Fahrt nichts spektakuläres passiert und die 4,60 € auf der Uhr lassen allenfalls eine Einsortierung in die „worst 100“ der Fahrpreise möglich erscheinen. Aber ich hab sie einfach möglichst schnell zu ihrem Ziel gebracht, hab dabei am Ende noch den letzten irgendwie befahrbaren Meter ausgenutzt und ihnen viel Glück beim Erwischen des Zuges gewünscht. Alltag soweit.

Bekommen habe ich am Ende einen Zehner für die rund 3 Minuten Arbeit. Abgesehen davon, dass Wechselgeld zu viel Zeit kostet, gab es das auch, weil ich „doch mal so ein netter Taxifahrer“ sei. Wow!

Wie gesagt: es ist nicht oft spektakulär, aber es würde mir was fehlen ohne sowas!