Feierabenddeals

Wie gut so ein paar Stunden Schlaf extra einem manchmal bekommen können, davon kann ich Euch heute ein Liedchen singen. Ich lass die wörtliche Umsetzung aber besser bleiben, denn momentan ist mein Schlafrhythmus meines gestrigen „überraschenden“ Zahnarztbesuches wegen etwas aus den Fugen geraten und hat hier und da durchaus was mit Schmerzen zu tun, weswegen ich in jeden Singsang gelegentlich kleine verstörende Auas einstreuen würde.
Und in Anbetracht des letzten Satzes bin ich mir nicht sicher, ob mein Ibuprofen nicht irgendwelche psychoaktiven Bestandteile hat.

Aber das mit dem Müdesein und dem Wunsch nach Schlaf und Ruhe ereilt einen ja auch gelegentlich gegen Feierabend – vermutlich nicht nur als Taxifahrer. Aber bei uns liegt die Sache ja wieder mal ein bisschen anders, weil unser Feierabend in den Augen vieler Menschen offenbar verhandlungsoffener ist als der anderer Dienstleister. Das aber wiederum wollen wir ja manchmal auch nicht anders.

Nach meiner Schicht am vergangenen Wochenende war ich aber eigentlich bereits an dem Punkt, an dem ich keine Kompromisse mehr eingehen wollte. Ich hab die Fackel – was wirklich selten ist – bereits vor dem Abstellplatz ausgeschaltet und war ein klein wenig verärgert, als ich auf der Haltestellenanzeige einen „Außer Betrieb“-Hinweis zu lesen bekam. So lange die Bahnen morgens noch im 30-Minuten-Takt fahren, orientiere ich mich da nämlich gerne dran und teile mir die Zeit ein wenig ein. Wenn ich nur noch wenig Zeit habe, beeile ich mich mit dem Schichtabschluss, dem Einpacken, Aufräumen etc. – wenn mir noch zwanzig Minuten verbleiben, rauche ich auch gerne erst einmal neben dem Wagen eine und setze mich danach in aller Ruhe noch einmal ins Warme, bevor ich unnötig lange an der Haltestelle selbst, nur 50 Meter entfernt, rumgammle.

Und nun? Außer Betrieb.

Mit ungewissem Zeitplan ließ ich die 1925 auf den Parkplatz rollen, drehte die Musik leiser und fing an, mir die Schichtdaten zu notieren. Da stand er dann plötzlich und fragte, ob ich noch fahren würde. Puh, nee, also echt nicht. Ich hatte meine 10 Stunden fast runter, der Umsatz war ok soweit, so langsam sammelte sich der Schweiß im Hemd, ich war müde.

Aber wenn man dann so dran denkt, wie lange man sonst manchmal auf eine Tour wartet … ich werde da halt doch auch mal schwach.

„Nee, eigentlich nicht. Feierabend. Ich war lange genug draußen, sorry.“

„Bitte.“

„Wohin soll’s denn gehen?“

„Ich muss nach Karlshorst.“

Verfluchter Mist! 20 € gleich. Auf dem Silbertablett ohne Wartezeit serviert! Das ignoriert sich irgendwie schwer, wenn man zwar müde und fertig – aber doch ganz guter Laune!  – ist. Auf der anderen Seite: Das sind auch nochmal deutlich über eine halbe Stunde Zeitaufwand, dann wäre es … shit! Soo spät?

„Nee, tut mir leid. Das ist mir jetzt echt zu weit.“

„Dann vielleicht wenigstens zur Rhinstraße? Ich warte hier schon ewig und die Bahn kommt nicht.“

(mit anderen Worten: die Bahn kommt ziemlich bald – und schließlich ist das die, die ich auch zu nehmen gedachte)

„Also Landsberger-, Ecke Rhinstraße? Das wäre ok?“

„Ja, Hauptsache ich bin hier mal weg!“

„Na gut …“

Ein Novum, wenn ich der letzten fünf Jahre richtig entsinne. Um das Fahrtziel hab ich mit der Kundschaft meines Wissens nach noch nicht gefeilscht. 🙂 Bietet sich auch wenig Anlass zu, ich hab’s auch nur gemacht, weil ich mich rein technisch schon außer Dienst gesehen hab.

Das Ergebnis hingegen war für mich OK. Nur mal kurz die Landsberger rauf würde fast einen Zehner bringen und um die Zeit dank Verkehr allenfalls 10 Minuten – inklusive Rückweg – kosten. Also hab ich ihn doch noch eingesackt. War auch ein netter Kunde, zu jeder anderen Zeit hätte ich ihn auch ans andere Ende der Stadt oder des Landes gefahren. Für den Moment war der Kompromiss aber auf beiden Seiten so das gerade noch tragbare Maximum. Und was soll’s? Am Ende isses ja ok, so lange es passt.

9 Kommentare bis “Feierabenddeals”

  1. Hannah sagt:

    Ihr habt euch aber nicht dann in der Tram wiedergetroffen, oder?

  2. Sash sagt:

    @Hannah:
    Nee, das war seine Umsteige-Haltestelle. Er ist von da an mit einer anderen Linie in den Süden gefahren. Sonst hätte die Aktion ja wirklich gar keinen Sinn gemacht. So konnte er eventuell eine frühere Bahn bekommen.

  3. Roichi sagt:

    Wie gehst du eigentlich mit der bescheuerten Baustellenführung Landsberger- ecke Oderbruchstr. um?
    Ich könnt jedesmal Fluchen.

  4. Sash sagt:

    @Roichi:
    Wieso? Was ist da anders als sonst. Ich fahr da in der Regel nur stadtauswärts (sowohl Oderbruch als auch Landsberger), aber das kann man ja noch.

  5. Roichi sagt:

    Naja, die Einengung von drei auf eine Spur mit Umlenkung um die Ecke und dann läuft auch noch der Schienenersatzverkehr darüber. Bzw. steht auch im Stau.
    Sehr prickelnd.

  6. Sash sagt:

    @Roichi:
    Nicht vergessen: Ich bin Nachtfahrer:
    1 Spur = 3 Spuren = frei. 🙂

  7. Tobias sagt:

    Wenn ich länger als 6 stunden schlafe bin ich völlig gerädert.^^

  8. Marco sagt:

    Hmm, wenn du aber tatsächlich davon ausgehst, dass die Bahn ziemlich bald kommt und die Bahn alle 30 Minuten fährt, dann kommen 10 Minuten Zeitaufwand aber doch für dich auf dasselbe raus wie 30 Minuten Zeitaufwand, nämlich genau eine Bahn später fahren. Oder hab ich hier einen Denkfehler?

  9. Sash sagt:

    @Tobias:
    Ja, das kommt immer drauf an, was bei einem so das Optimum ist. Bei mir sind es eher sieben Stunden – mehr ist selten gut.

    @Marco:
    Ja, aber „deutlich über eine halbe Stunde“ macht dann trotzdem einen Unterschied. Mal abgesehen davon, dass es ja schon noch was anderes ist, ob man jetzt fahrenderweise unterwegs ist oder wartet.

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