Ganz ruhig …

Auch ich ärgere mich ja gelegentlich ein wenig über Fahrgäste, bzw. kommentiere ihr Verhalten etwas boshaft. Und ja, das ein oder andere Mal nerven Dinge. Warum ich dennoch nicht die ganze Zeit gestresst durch die Gegend fahre, wäre da eine adäquate Frage, sofern mein Gemütszustand eine Rolle spielen sollte. Und? Weil die meisten das nicht böse meinen. Weil viele Dinge auch einfach nur deswegen nerven, weil sie wiederholt auftreten.

Die klassischen Preisfeilschereien zum Beispiel: Es ist doch eigentlich relativ verständlich, dass jemand nach einem Preisnachlass fragt. Hatte ich heute Nacht erst wieder. Die Fahrt sollte ungefähr 8 € kosten, mir wurden bei 5,50 € auf der Uhr 7,50 € Festpreis angeboten. Nervig ist nur, dass es relativ viele sind und zudem natürlich auch noch einige dabei sind, die sich aus grenzdebilem Halbwissen eine Berechtigung für einen Nachlass herleiten.

Dass Leute bei einer Kurzstrecke Stopps einlegen wollen … das kann schon mal passieren. Wenn man z.B. eine Kurzstrecke startet, dann merkt, dass man was vergessen hat und seine Pläne ändert. Dumm für mich, da ich das Taxameter nicht umstellen kann, aber ok. Ist mir ebenfalls heute Nacht passiert. Nervig isses nur dann, wenn Leute – am Besten noch gegen besseres Wissen – behaupten, das wäre normal und so vorgesehen.

Anfragen, ob man im Taxi rauchen darf. So lange da draußen haufenweise Taxifahrer rumgurken, die die Kippe im Mundwinkel hängen haben, kann ich die Frage als Raucher gut nachvollziehen. Hatte ich heute Nacht auch erst wieder. Störend wird’s eigentlich erst dadurch, dass sich manche Leute nicht mal für 5 Minuten am Riemen reißen können oder versuchen, ihre Fluppen angezündet mit ins Auto schleppen, weil sie einen für blöd halten.

Touren, bei denen all das passiert … seien wir ehrlich, da braucht man wahrscheinlich wirklich die Eselsgeduld von mir. Denn ja: all das ist mir heute nacht erst passiert. Bei einer einzigen Tour. Statt auf die Finger klopfen gab’s ein paar Witze, fiese Sprüche und den Hinweis, dass sie nicht sonderlich originell sind. Das Fazit war genau wie bei Ärger eine weitgehend ordnungsgemäße Fahrt* in einem rauchfreien Auto, die mit schallend lachenden Fahrgästen** und immerhin rund 17% Trinkgeld endete.

Deswegen: In der Ruhe liegt die Kraft. 🙂

* Den Halt während der Kurzstrecke gab es, aber er blieb verdächtig nahe an einer Minute, so dass das Ergebnis passen sollte
** Zu sagen, man solle das mit der Kindersicherung links nicht persönlich nehmen, klappt immer! Fast alle müssen schmunzeln, ich schwör’s!

Rekordverdächtig

Aufschieben, auch Prokrastination (lateinisch procrastinatio ‚Vertagung‘, Zusammensetzung aus pro ‚für‘ und cras ‚morgen‘), Erledigungsblockade, Aufschiebeverhalten, Erregungsaufschiebung oder Handlungsaufschub ist das Verhalten, als notwendig aber auch als unangenehm empfundene Arbeiten immer wieder zu verschieben, anstatt sie zu erledigen.

– Wikipedia über Prokrastination

Ich denke, jeder schiebt mal Aufgaben vor sich her. Die einen öfter, die anderen seltener; die einen hier und da mal ein paar Tage, die anderen Monate. Und dann gibt es den Sash, der auch mal drei Jahre schafft.

Kein Witz!

Am 30. September  wird es drei Jahre her sein, dass mich zwei etwas sorglose Kerle nicht bezahlen wollten und konnten. Seitdem war ich im Besitz von 127 brasilianischen Reais. Das war mehr als genug Geld für die 20€-Tour und den Denkzettel hatten die beiden durchaus verdient. Ganz so leicht wie US-Dollars wird man Reais hier allerdings nicht los. Meine Banken nehmen sie allesamt nicht an, allenfalls an Wechselstuben konnte ich mein Glück versuchen. Das hab ich relativ schnell aufgegeben. Zu meinen Arbeitszeiten haben nur wenige Stellen überhaupt mal offen gehabt und privat laufe ich meist auch nicht tagsüber, noch seltener aber überhaupt in den Touristen-Ecken von Berlin herum. Ergo: Ich hab die Kohle zwar immer im Geldbeutel gehabt, aber immer im vielleicht entscheidenden Moment nicht daran gedacht oder was anderes zu tun gehabt.

Und nun, beim Aufbruch zu meinem Kurzurlaub, stand ich wegen eines S-Bahn-Ausfalls plötzlich am Alex vor der offenen Wechselstube und natte noch Zeit. Und siehe da:

Tada! Quelle: Sash

Tada! Quelle: Sash

Nun ja. Es ist bei weitem nicht so viel geworden, wie ich einst erwartet hatte, was ich auf der anderen Seite aber auch bereits erwartet hatte. Also so in etwa. Gute Konditionen sucht man bei so Buden vergeblich, darüber hinaus hat der Real in den letzten drei Jahren auch fast ein Drittel an Wert verloren gegenüber dem Euro – was man z.B. hier (wenn man die Grafik auf 3-Jahres-Ansicht stellt) ganz gut sehen kann. Ist ja nicht so, dass Prokrastination nicht auch ihren Preis hätte. 😉

Aber gut, es sind immer noch knappe 60% Trinkgeld auf die Tour gewesen, da will ich mal nicht jammern. Und dass ich mir zu viel Stress mit der Sache gemacht hätte, fällt jetzt auch schwer zu behaupten …

Party gerettet

Wenn es mal läuft, dann läuft es. Also manchmal, in seltenen Fällen. An dem Abend auf jeden Fall. Die Schicht startete mit Winkern von Friedrichshain nach Neukölln, auf dem Rückweg eine Kurzstrecke vom schlesischen Tor zur Lausitzer, dort sofort wieder Einsteiger zum Freischwimmer und kaum, dass ich dann wenden wollte, stand er plötzlich da:

Jeans, weißes T-Shirt, ein Jacket über die Schulter geworfen, Sneakers an den Füßen, eine hellrötliche und leicht verfranste Frisur über grünen Augen und einem Gesicht mit markantem Schmiss. Und ein Lächeln, das die Narbe übers ganze Antlitz zu verlängern wusste. Ein bisschen zögernd stieg er ein, ich war beim Wenden ziemlich ugünstig an ihn rangefahren. Dass er vorne einsteigen konnte, schien ihn zu irritieren. Wie so viele. Aber er taute schnell auf, ich bin ja jetzt auch nicht unbedingt ein Eisklotz im Auto.

Es ging mal wieder darum, eiligst eine Party zu retten. Dieses Mal nicht mit einem Netzteil für den DJ-Laptop, sondern gleich mit der vergessenen Musiksammlung. Die allerdings erklärte mir mein – im übrigen mal wieder englischer – Fahrgast jedoch recht schlüssig: Sein Kumpel, für den er und ich jetzt diese Boten-Tour erledigten, hatte gar nicht vor aufzulegen. Er war einfach nur DJ und privater Gast auf einer Jungesellenabschiedsparty. Aber ebenso wenig, wie man als Blogger durchs Leben gehen kann, ohne seinen Kollegen Computerfragen zu beantworten, kann man offenbar DJ sein, ohne auf Parties aufzulegen.

Und nun waren ich und der gutgelaunte Rotschopf dabei, in der Adalbertstraße kurz eine externe Festplatte oder einen USB-Stick zu holen. Müssen ja heute glücklicherweise nicht mehr ganze Plattenkisten sein. Während die Fahrt so prima lief, dass ich dem Typen nach 5 Minuten Weg nicht einmal ein Pfand abgenommen hab, bevor er ins Haus sprintete, war das mit dem Verkehr schon ein ganz anderes Kaliber. Der südliche Teil der Adalbertstraße ist immer noch (Wahrscheinlich auf Dauer oder so -.-) nur in Nordrichtung durchfahrbar, dank des Andrangs dort in den Abendstunden fährt natürlich trotzdem jeder Vollhorst erst einmal in die enge, zugeparkte und von Fußgängern durchwatschelte Straße rein, um zu gucken, ob auf den hundert Metern nicht vielleicht ein Parkplatz frei ist. Danach wird unter Zuhilfenahme der Hupe möglichst gemeingefährlich gewendet.

Und ich stand mitten drin und hab mich irgendwann einfach neben das Taxi gestellt und grinsend eine geraucht. Für die Unterhaltung zahlen andere teuren Kino-Eintritt. 🙂

Irgendwie hab ich es ohne Beule geschafft, das Auto am Ende auch wieder herauszumanövrieren und zu wenden, an Bord wieder den gut gelaunten Briten, der sich die letzten Minuten mit einer geradezu infantilen Begeisterung mit mir über meinen Beruf unterhalten wollte. Die für die ganze Action eigentlich recht mageren 12,80 € hat er am Ende großzügig auf 15 aufgerundet und sicher noch eine Menge Spaß gehabt in der Nacht. Wie ich ja auch. Nach vier Touren inklusive einer geretteten Party wollte ich eigentlich mal wirklich Pause am Bahnhof machen. Aber selbst dazu kam ich nicht. Eine Winkerin nach Baumschulenweg.

So muss Taxifahren dort aussehen, wo die Fahrer nicht über ihre Umsätze meckern. In Utopia oder so. 🙂

Sterniges

Es war nur eine kurze Fahrt, dennoch kann ich meine inoffiziell geführte Liste der Kundenschmeicheleien nun erweitern um die Aussage:

„Du bist ein Star!“

Oder nur Stern als solches, so ganz klargeworden ist mir das nicht aus dem englisch-deutsch-italienischen Kauderwelsch, das mein sichtlich angeschlagener Kunde so von sich gab. Und hey, für die Länderstatistik: 2 € Trinkgeld aus Italien! 🙂

„Special Berlin Music“

Das hatte mein Fahrgast angekündigt. Er saß mit seinem Kumpel bereits seit rund 5 Minuten auf der Rückbank, im Kofferraum stand ein Kasten Sternburg – und nun ging es plötzlich um Musik. Davor hatten wir es über mich, wie lange ich in Berlin bin, dass sie aus England zu Besuch sind und jetzt Party machen, das Übliche.

„I brought some special Berlin Music“

hat er verkündet.

„But it’s ok for Stuttgart too!“,

wandte er sich explizit an mich. Ich glaube, ähnlich wie sein Freund habe ich sparsam geguckt. Er konnte es bei mir wenigstens nicht sehen. Was sollte schon kommen? Der neueste Über-Remix irgendwelcher Berghain-DJ’s oder so? Berlin ist Elektro-Hauptstadt, aber damit kann man mich jetzt nicht hinterm Ofen vorlocken, das ist einfach nicht meine Lieblingsmusik.

Mein Fahrgast fummelte ein wenig an seinem Handy rum und dann dudelt da doch tatsächlich Rio Reisers Stimme in fürchterlicher Qualität durchs Taxi. „Rauch-Haus-Song“ von den Scherben, hat inzwischen 41 Jahre auf dem Buckel, ist aber natürlich auch jedem später geborenen irgendwie links sozialisierten Menschen irgendwann im Leben mal begegnet. Dass mir das Lied bekannt war, hat für Freude und erneutes Genestel am Telefon gesorgt. Der offenbar in Deutsch nicht sehr bewanderte zweite Fahrgast lachte indes, ich glaube, er hielt das für einen Witz.

Dass als nächstes die ersten Akkorde von „Schrei nach Liebe“ der Ärzte zu hören waren, überraschte mich nach DEM Einstieg auch nicht mehr sonderlich. Trotzdem coole Geschichte. Manche Fahrgäste hab ich zugegeben dann doch ein bisschen lieber als andere. 🙂