Himbeeren

Was zählt das Taxameter eigentlich genau? (Link zu den GNIT-FAQ)

Nicht nur Kinder (die bisweilen glauben, es zähle die Ampeln) irritiert das oft. Manchmal reicht auch eine handelsübliche Menge Alkohol (5 bis 15 Bier), um auf komischen Gedanken zu kommen. So hatte ich vergangenes Wochenende eine Truppe feierwütiger Jungs im Auto, die eine ganz nette Tour von Mitte bis fast nach Marzahn für mich auf Lager hatten. Es entspann sich folgender Dialog zwischen zwei der Protagonisten im Fond meiner guten alten 1925:

„Was’n das da für Zahlen?“
„Zahlen?“
„Da oben im Spiegel!“
„Dat sin Preise!“
„Preise?“
„Preise!“
„Für Himbeeren?“
„Ja genau, dat sin‘ Preise für Himbeeren…“

BVG-Streik

Dieses Mal ist mir Klaus im cab-log wieder einmal zuvorgekommen, er hat vorhin bereits über den BVG-Streik in Berlin berichtet und ich kann ihm nur Recht geben, was sein Fazit angeht:

Der Tag war ertragreich für uns, man musste nur mal ein paar alte Gewohnheiten abschütteln.

Denn natürlich wartete die Kundschaft verstärkt dort auf uns, wo keine Bahnen gefahren sind, nicht dort, wo sie vielleicht sonst wartet. Ich hätte zwar mit meiner Lieblingshalte am Ostbahnhof sicher auch nicht so falsch gelegen in den frühen Morgenstunden, tatsächlich aber habe ich mich ab 4 Uhr früh (teilweise durchaus ungeplant) hauptsächlich im Nordwesten Berlins rumgetrieben. An den Haltestellen selbst war die Ausbeute zwar eher gering, viele Leute hatten sich bereits genervt auf den Weg gemacht und ließen sich dann irgendwo am Straßenrand aufsammeln und zur Arbeit oder nach Hause bringen.

Die drei Stunden Streik, die mir in meiner Arbeitszeit vergönnt waren, war ich (abzüglich einiger Rückfahrten zu Straßenbahnstrecken) fast durchgehend besetzt, keine einzige Kippenpause habe ich gemacht, ich war immer auf Achse. Die Touren waren überdurchschnittlich lang und trotz viel Frust über nicht fahrende Bahnen kam auch oft zum Ausdruck, wie froh die Kundschaft war, dass wir wenigstens unterwegs sind. Die Kollegen, mit denen ich geredet habe, hatten am Freitag allesamt bombige Umsätze, es war für uns Taxifahrer zweifelsohne ein schöner Tag.

Und auch wenn ich nicht wirklich informiert bin über die Tarifverhandlungen, muss ich doch auch mal für die BVG selbst das Wort ergreifen: So ein Streik ist eine legitime tarifrechtliche Aktion und es wäre für wesentlich mehr Menschen stressig geworden, hätten sie unter der Woche gestreikt. Sehr lobenswert übrigens, dass im ganzen Stadtgebiet zweisprachig darüber informiert wurde. Ein paar Touristen haben in der Nacht von mir noch ein kurzes Briefing für den nächsten Tag bekommen, was man halt so als Service obendrauf packt als Taxifahrer… 😀

Ich selbst hab im Übrigen auch einen Teil meines Trinkgeldes opfern dürfen, um mit dem Taxi heimzukommen. Im Gegensatz zu unserem früheren Abstellplatz liegt der neue nicht mehr an einer S-Bahn-Station, so dass mir außer ewigen Fußmärschen auch nur die Option Taxi offenstand. Ich hatte mich auf einige Wartezeit eingestellt und sogar darauf verzichtet, Kollegen heranzuwinken, die mir frei entgegenkamen – an der Landsberger Allee ist das Wenden ja eine Sache für sich…
Aber eine Viertelstunde nach Schichtende hatte ich dann einen netten Kollegen, der ebenso wie ich zufrieden mit seiner (erst kürzlich begonnenen) Schicht war und mich nach bester Kutscher-Manier kompetent, schnell und bequem nach Hause gebracht hat, was bei meinen Trinkgeldgewohnheiten auch sicher nicht sein Schaden war 😉

Zufrieden

„Also ich könnte das ja nicht, immer nur Nachts…“

„Man gewöhnt sich dran.“

„Und was machen sie nachts, wenn sie nicht Taxi fahren?“

„Ganz ehrlich: Hauptsächlich schreiben.“

„Ein Buch oder wie?“

„Naja, eines ist weitgehend fertig. Ideen für 2 bis 3 weitere hab ich schon. Außerdem blogge ich regelmäßig…“

„Also ich könnte ja weder schreiben, noch Taxifahren.“

„Die Menschen sind verschieden.“

„Hauptsache, es macht ihnen Spaß.“

„Das trifft sowohl aufs Taxifahren als auch aufs Schreiben zu.“

„Dann sind sie ja ein rundum zufriedener Mensch…“

„So sieht es aus!“

„Naja, wie sie sagten: Die Menschen sind verschieden…“

Hm… 🙁

This is the end…

Am Ende der Schicht war nich noch bei weitem nicht angelangt. Es war genau genommen die erste Tour. Mich ereilte sie in Form eines Winkers, der überraschenderweise einen Koffer zückte und ihn unvermittelt einlud. Nicht, dass das irgendein Problem darstellen würde – Winker mit Koffern sind einfach selten. Am Bahnhof kommt das natürlich öfter mal vor, aber die meisten Leute, die von Zuhause mit Gepäck ein Taxi nehmen wollen, bestellen dann ja doch. Er nicht.

Aber so hatten wir auch gleich ein Gesprächsthema: Wozu einen Koffer?

Alles in allem war die Antwort unspektakulär. Er war semi-professioneller DJ und als Geschenk unterwegs zu einer Geburtstagsparty. Nur sein Bus war ihm gerade raus, deswegen jetzt ein Taxi. Aha. Wir haben uns ganz gut verstanden und uns die ganze Fahrt über unterhalten. Hauptsächlich über seinen Beruf. (Mal was anderes, von meinem erzähle ich ja ständig 🙂 )

Besonders aufregend war nichts, was er erzählt hat, aber am Ende kam die übliche lustige Anekdote:

„Wünsche erfüllen ist immer schwierig. Deswegen leg ich auch Platten und CD’s auf. Mit internetfähigem Equipment wird man gerne mal gezwungen, schnell was runterzuladen. Und manche Wünsche darf man einfach nicht erfüllen und es geht immer in die Hose.“

„Das kann ich mir vorstellen. Ist ja nicht alles partytauglich…“

„Ja, ganz klassisch kommt das ältere Semester irgendwann schon ziemlich breit an und wünscht sich ‚The End‘ von den Doors. Das kannste einfach nicht bringen…“

„Nee, das ist echt…“

„Ich mein, geiler Song. Aber nicht, wenn gerade alle anderen tanzen wollen!“

Ach, was hab ich mich an alte WG-Parties erinnert gefühlt! 😀

Allerdings bin ich zugegebenermaßen einer jener Spielverderber gewesen, der immer irgendwann Pink Floyd oder so rausgekramt hat. Älteres Semester, hm? Naja…

Und falls wer gerade Lust bekommen hat: Hier der Link zu Youtube 🙂

Unangeschnallt im Taxi

Anschnallen im Taxi ist Pflicht. Da führt kein Weg dran vorbei. Zumindest, wenn man Fahrgast ist. Ich selbst als Taxifahrer darf unangeschnallt fahren, so lange ich Personen befördere. Ironischerweise wird das mit der Sicherheit begründet: Ich könne so leichter vor Taxiräubern fliehen. Ohne Kundschaft hingegen gelten für mich dieselben Regeln wie für alle anderen Autofahrer, zumindest bezüglich der Gurtpflicht.

Vermutlich wegen der Ausnahmeerlaubnis für den Fahrer piept mein Auto nicht wie blöde, wenn jemand unangeschnallt mitfährt. In der letzten Sitzreihe sind wahrscheinlich ohnehin nie Sensoren angebracht worden. Das stellt einen manchmal vor Probleme. Natürlich achte ich darauf, dass sich die Leute anschnallen, mache ihnen die Gurte zugänglich, helfe auch gerne, wenn es gewünscht wird. Aber auf der anderen Seite kletter ich natürlich nicht vor, während und nach einer Tour über alle Fahrgäste rüber, um zu überprüfen, ob sie der auch schriftlich und zweisprachig vorhandenen Aufforderung nachkommen.

Allzu sorglosen Umgang à la

„Ich schnall mich jetzt einfach mal nicht an!“

dulde ich nicht, aber wahrscheinlich haben es schon einige Leute geschafft, bei mir unangeschnallt mitzufahren. Das ist für mich ehrlich gesagt ein erschreckender Gedanke, denn natürlich bedeutet das in einem vollbesetzten Wagen eine zusätzliche Lebensgefahr für alle, inklusive mir. Mir geht das ganze Geschacher um die Gurtpflicht ohnehin auf den Zeiger, denn sobald man sich mal an Sicherheitsgurte gewöhnt hat, belästigen sie einen kein Bisschen, der Sicherheitsgewinn hingegen ist so immens, dass man sich zumindest von mir einfach Trottel nennen lassen muss, wenn man ohne besondere Gründe darauf verzichtet.

Allerdings ist es leider auch ein erschreckendes Zeugnis für die deutsche Bevölkerung, dass man das als Pflicht einführen musste. Und für die Bürokratie, dass es es eine so absurde Regelung geworden ist – siehe meinen Artikel zu Kindersitzen im Taxi…

Im Grunde habe ich nichts gegen leichtsinnige Selbsttötungen, ich wäre als Unbeteiligter nur gerne außen vor.

Nun hatte ich am Wochenende allerdings zwei Leute an Bord, die sich nicht angeschnallt haben. Bewusst und mit meiner Erlaubnis. Legal war das zwar keinesfalls, allerdings hab ich sonst keine großen Möglichkeiten gesehen. Außer sie wegzuschicken. Das wiederum wollte ich nicht nur des miesen Geschäfts wegen nicht, sondern zudem, weil sie verdammt sympathisch waren.

Mich haben sie mitten aus der Schlange herausgepickt und ihre Wahl damit begründet, beim Kollegen nicht reinzupassen. Ich schielte kurz nach der E-Klasse und dann wieder nach den Fahrgästen. Zwei Männer, beide vielleicht 50 Jahre alt und von Ausmaßen, die mich vermuten ließen, sie äßen schmale Hansel wie mich oder die Wildecker Herzbuben zum Frühstück. Täglich. Beide waren locker zwei Meter lang und wenn ich meine eigene Masse mal als Rechengrundlage nehme, vermute ich Gewichte jenseits der 200 kg. Bei beiden. Dafür haben sie sich relativ elegant auf die beiden rechten Sitze des Zafiras fallen lassen, der auch umgehend ein paar Zentimeter Bodenfreiheit einbüßte.

Die beiden hatten auch keineswegs etwas dagegen, sich anzuschnallen, allerdings bestätigte sich die erste Vermutung meines neuen Beifahrers:

„Wahrscheinlich ist der Gurt aber eh zu kurz…“

Keiner der beiden hätte hinters Lenkrad des Wagens gepasst, obwohl selbst ich mit einigen Kilo Übergewicht noch locker 15 bis 20 cm Platz dahinter habe. Wegen der mangelnden Gurte leicht besorgt, allerdings beruhigt ob dem Gedanken, dass man auch mit diesem Gewicht wenigstens 50 werden kann, hab ich die beiden dann in ihr Hotel gebracht. Dabei sind die beiden durchgehend durch amüsante Unterhaltung und eine überragende Ortskenntnis aufgefallen. Auch wenn das Trinkgeld nur mäßig war, hätte ich im Nachhinein ungerne auf die Tour verzichtet. Und was für eine Alternative hatten sie schon bei ausfallenden S-Bahnen?

PS:
Auch wenn wahrscheinlich so ziemlich jeder Übergewichtige im Laufe der Jahre deutlich mehr abkann, als die meisten Leute sich erträumen könnten, würde ich doch darum bitten, dass die Kommentare hier nicht für blödes Dicken-Bashing genutzt werden. Denn die wenigen niveauvollen Witze über Übergewicht kennen wir schon alle, wir machen sie nämlich selbst… 😉

Schwarze Schafe

Ein bisschen klischeemäßig war die Tour vom Ostbahnhof zum BKA dann schon. Also bei Leuten in Polizeiuniform, die zum Bundeskriminalamt wollen, ist einfach kein Funken Kreativität mehr zu erkennen 😉

Ich hab den Textbaustein-Bastelkit in meinem Gehirn angeschmissen, was der Fahrt einen lockeren Start gab:

„BKA? Das kriegen wir hin. Wäre sonst ja auch eher nicht so gut, oder?“

„Wie meinen sie das?“

„Naja, wenn ich sie da nicht hinbringen könnte, würde ich wohl den falschen Beruf ausüben.“

„Haha! Kann sein…“

Das Schwierige an diesem Eröffnungszug ist, dass man recht schnell bei den schwarzen Schafen der Branche landet, die eine solche Fahrt dann eben nicht zur Zufriedenheit der Kunden durchziehen. Aber glücklicherweise war mein Fahrgast diesbezüglich doch eher unbeleckt:

„Also ich hab eigentlich immer nur gute Erfahrungen gemacht. Ich kann nichts gegen ihren Berufsstand sagen.“

Das konnte ich nun nicht unbedingt zurückgeben. Meiner sehr subjektiven Erfahrung nach arbeitet die Polizei irgendwie immer gegen mich. Im einfachsten Fall durch ein wenig Inkompetenz, in komplizierteren Zusammenhängen dann doch eher organisiert. Aber das war nicht Thema während der kurzen Fahrt. Ich hab diplomatisch den Kopf aus der Schlinge gezogen und gemeint:

„Das freut mich doch zu hören. Schließlich behält man die schwarzen Schafe doch wesentlich eher im Kopf. Und es ist ja keine Lüge, dass es die gibt.“

Und dann hat er einen einfachen Satz gesagt, der mich doch sehr erfreut hat:

„Da haben sie allerdings Recht! Die gibt es bei uns ja auch zur Genüge.“

Das hat mir gegenüber so direkt noch keiner aus dem Verein eingestanden.

Wochenende? Januar…

Also die heutige Schicht hat mich echt geschlaucht. Da ich das mit dem Schlaf in dieser Woche nicht so richtig raus habe, mussten mir heute Nacht gleich 3 Coffees den Weg ebnen, damit ich bis 6 Uhr wenigstens durchgehalten habe. So richtige Wochenendstimmung wollte dabei allerdings nicht aufkommen.

Zum einen war das Wetter fies. Während es eigentlich recht mild war, ging ein mieser Wind und außerdem war die Hälfte der Schicht mit jener Sorte Nieselregen angereichert, für die es keinen vernünftigen Scheibenwischer-Intervall gibt. Zu guter Letzt aber fehlten vor allem die Fahrgäste. Der Abend zog sich ewig mit mehreren einstündigen Wartezeiten und ich hatte wie alle meine Kollegen nicht einmal bis 3 Uhr auch nur einen Hunderter Umsatz eingefahren.

Es ist zwar immer so, dass am Wochenende das dicke Geld gegen Morgen kommt, aber ich hätte nicht einmal 150 € geschafft, wenn ich nicht plötzlich 5 Fahrten hintereinander gehabt hätte, darunter eine nach Hohen Neuendorf und eine mit unnötigem Umweg.

Aber was will ich erwarten: Es ist Januar!

Jedes Jahr nehme ich mir vor, in diesem Monat weniger zu arbeiten. Natürlich hab ich mich schon die letzten 2 Monate nicht gerade mit Ruhm bekleckert, was die Lohnarbeit anging, aber ich setze meine „Vorsätze“ dieses Mal dennoch um: Wochenende und Fashionweek! Mehr gibt es in den kommenden 2 Wochen nicht für mich! Aber ich hab auch nebenbei noch einiges zu tun, sodass da keine Erholungswoche bei rausspringt.