“Aber es ist doch nur kurz.”
“Neulich hatten wir aber auch keinen!”
“Ich halt ihn doch fest!”
“Wenn sie kein Geld verdienen wollen! Immer diese Taxifahrer…”
Herzlich willkommen bei der heiteren Diskussion mit fürsorglichen Eltern, wenn man sich entschließt, ihr Kind nicht zu töten. Wie die Überschrift schon sagt: Es geht um Kindersitze im Taxi. Und das ist die vielleicht abenteuerlichste Geschichte überhaupt in diesem Beruf. Wie schlecht man als Zwergenhüter im Taxi von A nach B transportiert wird, kann man überall lesen. Ich möchte mal ein wenig Aufklärung liefern und gleichzeitig meine Perspektive erläutern. Fangen wir mit dem rechtlichen Teil an. Der ist in diesem Fall fast schon das erheiterndste am ganzen Artikel.
Die StVO schreibt in Paragraph 21 vor, dass Kinder im Auto je nach Größe besonders gesichert werden müssen. Eine ganz nette Übersicht über die Kindersitzklassen bietet hier die Wikipedia. Grob unterteilt werden die Klassen 0 bis 3, wobei Klasse 0 (bis 13kg) die umganssprachlichen Babyschalen darstellen, Klasse 1 (bis 18 kg) das, was man unter Kindersitz versteht. Ein Sitz der Klasse 2 (bis 25 kg) ist eigentlich nur noch eine Sitzerhöhung mit zusätzlicher Lehne. Die bei mir im Auto befindlichen Sitzerhöhungen ohne sonstiges Tralala fallen in Klasse 3 und damit darf grob geschätzt alles transportiert werden, was sich zwar wehren kann, aber noch nicht aufs Autodach spucken. Zugelassen sind diese Erhöhungen für bis zu 36 kg Lebendgewicht inkl. Knochen.
Sinn dieser Vorschrift ist relativ simpel: Autos sind nur unzureichend ausgerüstet für den Fall, dass es zu einem Unfall mit Kindern an Bord kommt. Es geht dabei nicht darum, irgendwen am Taxistand zu gängeln oder Kinder zu quälen, sondern im Falle eines Unfalls die Folgen für die lieben Kleinen so gering wie möglich zu halten.
Aber da Deutschland gleichzeitig Papst und Erfinder des Automobils ist, sind diese Regeln aufgeweicht, dass es nur so knallt. So kann man die lästige Pflicht tatsächlich umgehen, wenn man sich einen Oldtimer ohne Gurte zulegt. So lange das Kind bereits über 3 Jahre ist, kann man es auf den Rücksitzen mitnehmen. Ist ja irgendwie logisch… oder?
Aber gut. Insbesondere in Taxen – und da kommen wir zum Thema – gibt es Ausnahmen. So müssen Kinder bis 9 kg tatsächlich im Taxi nicht gesichert werden. Man könnte sie also gleich an der Federwage hängen lassen, die man zum Bestimmen des Gewichts am Besten mitführt. Außerdem müssen nur 2 Kinder überhaupt gesichert werden. Also eine fiktive Großfamilie mit 3 Kindern ab 22kg und einem Baby dürfte ich theoretisch mit meinen 2 Sitzerhöhungen der Klasse 3 Mitnehmen. Von den 3 untergroßen Vorerwachsenen müsste ich 2 auf die Erhöhungen packen, den dritten Knilch (möglichst der Nervige) wird dann einfach so hingesetzt. Ob ihm der Gurt die Luftzufuhr abschneidet oder ob er bei einem Unfall aus dem Fenster fliegt – egal. 4 Kinder sind eh ein bisschen viel.
Und das Baby – ja mei! Mama wird’s schon festhalten, wenn sie’s wirklich lieb hat…
So, und nun kommen wir zum Punkt: So einen Scheiß mach ich nicht mit! Mein Taxi ist ein ganz normales Auto und besteht überwiegend aus Metall und Kunststoff. Ich begebe mich bei jeder Fahrt in den öffentlichen Verkehrsraum, wo unterschiedlich begabte Mitmenschen ähnliche Gefährte zwischen 500 und 40.000 kg mit Geschwindigkeiten zwischen 5 und 100 km/h bewegen. Und das manchmal sogar entgegen meiner Fahrtrichtung. Ich bin ein routinierter Fahrer mit einer gewissen Vernunft und genau diese erlaubt es mir zu erkennen, dass das nicht auf alle zutrifft, sowie auch dass Kotze im Auto nicht halb so eklig ist wie ein zerplatztes Baby an der Windschutzscheibe.
Die Wahl der Erziehungsmethoden obliegt den Eltern, aber ich hab einfach keine Lust auf psychologische Traumata, falls doch mal was passiert. Mal ganz davon abgesehen, dass die “Ist ja nur kurz”-Vollpfosten am Ende die ersten sind, die mich verklagen, wenn ihr Nachwuchs auf dem Asphalt klebt.
Wir leben hier in Berlin und die Lösung für das Problem mit den Taxis ist ganz einfach. Man kann ein Taxi vorbestellen und dabei angeben, was für Kindersitze man braucht. Zum Beispiel hier oder hier. Sicher, es wird vielleicht ein wenig länger dauern und man macht das dementsprechend nicht erst auf den letzten Drücker – aber mal im Ernst, liebe Eltern: Kinder machen so unendlich viel Arbeit. Kommt es da auf die 15 Minuten Wartezeit oder den einen Telefonanruf an? Dafür, dass die Kids sicher transportiert werden?
Ich glaube nicht.
Und ich denke auch nicht, dass Taxifahrer schlechte Menschen sind, wenn sie auch im totalen Stress nicht vergessen, an die Sicherheit von euren Kindern zu denken.
Im Übrigen schreibe ich das nicht nur als graue Theorie herunter. Derletzt hatte ich eine Mutter im Auto, die nach einer Sitzerhöhung für ihren Kleinen gefragt hat. Als ich an den Kofferraum bin, um sie zu holen, war sie schon mit einem
“Ach egal, ich nehm ihn irgendwie so…”
zur Stelle. Zwei Kilometer weiter habe ich eine Radfahrerin übersehen. Kurz nicht hingeschaut und dann war sie wegen des Verlaufs des Radwegs und meiner Fahrtrichtung über eine Sekunde im toten Winkel hinter (vor) meiner A-Säule. Gesehen habe ich sie, als sie 3 Meter vor meiner Motorhaube war. Also: Vollbremsung! Hat prima geklappt, aber Mami und der Kleine hingen ganz schön überrascht in ihren Gurten. Keine schöne Vorstellug, dass der Kleine unter dem Gurt durchgerutscht wäre, wenn ich auf Mami gehört hätte…
Huhu
Siehste wenn ich aber als hysterische Mutter mal mit beiden Kinder ein Taxi brauche und extra anrufe und sage mit ZWEI Sitzerhöhungen. Dann wird mir trotzdem gern ein Taxi geschickt mit nur einer Erhöhung und hinten nur 2 funktionierendem Gurtem. Ich bin bald zur Sau geworden… Also schnell von der Freundin noch nen Sitz geliehen, Kinder hinten, Mama vor. Und beten das man heil ankommt. Blinken ist eh out, Rote Ampeln was solls, und den Weg kannte der auch nicht *argl*
Aber ja es gibt auch positive Beispiele. Als ich einmal nur mit dem Großen Kind unterwegs war und mir praktischer Weise ein Taxi vor die Füße fuhr *WINNKKKK* holte der Mann selbstverständlich gleich die Erhöhung ausm Kofferraum usw. Das hat mich sehr überrascht.
Leider gibt es hier überall max Sitzerhöhungen. Sitze der Größe 1 kannste knicken. *seufz* Und das mir, wo ich kein Kind ohne Sitz fahren lasse… und sei der Weg noch so kurz. Aber ich werd dafür ja immer belächelt *grmpf*
Grüßle Sumsi aus Leipzschh
Manchmal kann man sich ob der Idiotie der Eltern nur noch an den Kopf fassen.
Als ob auf einer Strecke von 500 Metern nicht auch ein Besoffener in das Auto brettern könnte.
Oder halt jemand (ob schuld oder nicht) vor das Auto hüpft und zu einer Vollbremsung zwingt.
Oder gibt es da ein Gesetz, das so etwas auf Strecken unter 3 Kilometern untersagt?
Es graut mir aber auch regelmäßig, wenn ich Eltern seh, die die Kleinen in ihren eigenen Wagen ungesichert auf Rückbank und Hutablage (ja, tatsächlich) herumkrabbeln lassen. Vielleicht geht denen der Gedanke durch den Kopf “Wenn’s kaputt ist, machen wir halt ein neues”, vielleicht denken sie auch gar nicht.
Schlimm nur, dass bei derart himmelschreiender Dummheit die Kinder die Leidtragenden sind.
“… Vielleicht geht denen der Gedanke durch den Kopf …”
Im Ernstfall geht denen dann eher das Kind durch den Kopf.
Kann sowas auch nicht wirklich verstehen …
“Ist doch nur kurz” erinnert mich immer an den Enduro-Fahrer, der meinte die 150 m auf Asphalt von der Technischen Abnahme in den Park Ferme ohne Helm fahren zu müssen. Unerwarteter Sturz und hinterher eine schöne Beerdigung. Aber waren ja nur ein paar Meter, was soll da schon passieren?
Ich bin für die Prügelstrafe – bei Eltern! Sowas ist doch echt unglaublich.
Was will man von Leuten erwarten, die, wenn es um sich selbst und das Anschnallen geht, wie folgt antworten: “Ja aber der xyz, der ist damals gestorben weil er angeschnallt war!” oder “Und letztens erst, da war ich angeschnallt und musste ne Vollbremsung hinlegen, da hatte ich doch glatt Verbrennungen von dem sch… Gurt!” (Anm.: Ich hätte Verbrennungen eher von Airbags vermutet…)
Find ich einfach lächerlich sowas, nur lassen sich solche Leute auch nicht mit Studien überzeugen, dass Gurte im Normalfall erheblich mehr Nutzen als Schaden sind… und wenn sie dann noch ihre Kinder gefährden, geht das eindeutig über die Freiheit raus, die ein einzelner hat. Solche Leute bekommen dann die Freiheit, ein anderes Taxi zu suchen
leicht Offtopic: Hier sehe ich immer mehr Leute, die ihren Schäferhund o.ä. auf dem Beifahrersitz sitzen lassen. Das sieht etwas komisch aus und irritiert andere Verkehrsteilnehmer. Brauchen Schäferhunde auch Kindersitze wenn sie unter 12 sind?
@alleliebenwilli:
.
Schäferhunde sollten hinten hinter einem Netz sitzen, sonst fliegen sie im Ernstfall auch durch die Frontscheibe. Anschnallen kann man die weniger
Leider kann man solchen Eltern in Gegenwart ihrer Kinder auch nicht so die Meinung sagen, wie sie es verdient hätten. Das heißt inklusive deutlicher Beschreibung wie ihr Kind sich in einen Haufen Matsch verwandelt wenn es auf dem Alphalt aufkommt.
Bei meiner früheren Aussendiensttätigkeit hatte ich immer die Diskussion mit den Kollegen über Anschnallen im PKW. Da kamen die tollsten Argumente warum man sich nicht anschnallen will.
Aber Eltern die soetwas iheren Kindern antun…am besten mit realen Filmaufnahmen von den folgen konfrontieren….
Tja, und bei uns ist es andersherum. Egal wie oft wir schon ein Taxi mit Babyschale und Kindersitz bestellt haben, es gab noch nie eines, dass diese dann auch tatsächlich mitführte. Auch wenn das Taxi schon am Vortag bestellt wurde!
Das höchste der Gefühle sind diese eingebauten Sitzerhöhungen. Ansonsten sollen wir die Kinder doch auf den Arm nehmen oder auf die Tasche (als Sitzerhöhung (!)) setzen.
Da wir aber auf dem Lande wohnen und kein Auto besitzen, sind wir ab und an auf ein Taxi angewiesen, um bspw. zum Bahnhof zu kommen. Scheißspiel…
Das beginnt doch schon bei den Erwachsenen. Wie oft hört oder liest man da bei Unfallberichten, dass Fahrer und/oder Beifahrer nicht angeschnallt waren.
Du sprichst da ein Thema an, was mich während meiner sechsmonatigen Beschäftigung in der Bussgeldstelle einer Kleinstadt mit am meisten gefuchst hat. Hatte die Polizei Schwerpunktkontrollen (Gurt/Handy) durchgeführt, gabs regelmässig auch Anzeigen in Sachen ungesicherte Kinder. Für mich bedeutet das, dass Eltern täglich die Unversehrtheit ihrer Kinder riskieren.
Ich finde du hast das Richtige dazu gesagt.
Nebenbei: Bußgeld für KfZ-Führer bzw. Verantworliche ab 30 € – 50 € plus mit bis zu einem Flensburger.
(siehe: http://www.bmvbs.de/SharedDocs/DE/Artikel/StB-LA/bussgeldkatalog.html?nn=58450#11)
alleliebenwilli: es gibt tatsächlich auch Vorschriften für den Transport von Hunden. Afaik müssen die in den Kofferraum, der mit einem Gitter vom Fahrgastraum getrennt ist oder auf der Rückbank mit einem speziellen Gurt angeleint werden. Komisch, weil der ADAC getestet hat dass der sicherste Platz für den Hund zusammengerollt im Fußraum (Beifahrer oder hinten) ist.
Wie das mit den Handtaschenexemplaren ist, die in der Tasche transportiert werden, weiß ich aber nicht.
Ich musste übrigens selbige Erfahrung machen, dass man selbst beim bestellten Kindersitz nicht das beekommt, was man bestellt hat oder braucht. Gut, dass ich nicht drauf angewiesen bin und am Ende dann doch das (eigene) Auto mit Kindersitzen nehmen konnte.
Übrigens ein sehr schöner Blick ins Auto: Baby liegt während der Fahrt auf Mamis Schoß und trinkt dort die Flasche.
Und so etwas nennt sich dann Eltern. Die schreien wohl als erstes, dass DER TAXIFAHRER SCHULD ISTTTT!!!! wenn etwas passiert. Sowas mag ich ja.
Ich bin ja eh für den Elternführerschein.
Ich verstehe auch nicht, warum man Hunde, egal wie groß so “lose” mitnimmt ohne Box oder Abgrenzung. Unverantwortlich.
Zum Thema Hunde: Hunde müssen tatsächlich entweder angeschnallt (soll hier heissen, am Gurtschloss angeleint) oder im Kofferraum transportiert werden. Das Trenngitter zwischen Kofferraum und Fahrgastraum ist dabei ebenfalls vorgeschrieben. Der angesprochene Test vom ADAC wurde auch von anderen Vereinen bereits gemacht. Der einzige Hersteller der darauf eingegangen ist, war Nissan die vor ein paar Jahren mal eine Studie vorgestellt haben mit ner Hundebox im Handschuhfach, die etwa bis zur Größe eines Beagles funktioniert hat. Was die Sicherheit angeht hat der Vierbeiner aber so oder so recht miese Karten, da er den Unfall nicht kommen sieht (geschweige denn dass er daraus irgendeinen instinktiven Schluss ziehen könnte) und noch dazu immer in einer Unfallungünstigen Position rumsitzt/rumliegt. Die Bestlösung für Vierbeiner im Auto existiert einfach noch nicht.
@Niisama
die Kinder sollten es grade hören.
Es kann Wunder wirken, wenn Kinder ihre Eltern fragen, warum sie denn als Matsch enden sollen
Ja, die Erfahrung habe ich auch gemacht. In Ermangelung eines Kindersitzes der Klasse 1 (babyschale war vorhanden, aber für eine Zugfahrt wollte ich sie nur ungern mitschleppen, ausserdem war sie schon etwas Klein), habe ich ein Taxi vorbestellt, weit im Vorraus mit der Bitte um einen Sitz Klasse 1. Am Tag vorher extra nochmal angerufen, erinnert, bitte unbedingt einen Klasse 1 Sitz mitbringen.
Und was war? Nichts hatte er dabei. Hat mich angeschaut wie ein Auto und meinte vom Kindersitz hätte man ihm nichts gesagt. Na danke. Also hatte ich die Wahl, die 8 km mit Gepäck+ Kind zu laufen oder Kind auf dem Schoß. Nie wieder fahre ich mit Kind im Taxi. Bzw. erst, wenn sie auf eine Sitzerhöhung passt.
@Sumsi:
Ich weiss ja, dass es andersrum auch schwierig sein kann. Wie das ständig passieren kann, dass falsch ausgestattete Taxen vorgeschickt werden, weiss ich nicht. Aber das ist schlicht scheiße!
Dass meist nur Sitzerhöhungen vorhanden sind, verstehe ich ganz gut. Schließlich hätte ich ansonsten nur einen Teil vom Kofferraum und könnte einen meiner Zusatzsitze gar nicht verwenden – da packt man sich wegen zweier Fahrten im Monat so eine Schale natürlich nicht ins Auto. Ich finde es im Übrigen super, wenn die Schalen aus Kinderwagen zum Transport umgebaut werden können!
@Flo:
Sicher ist es zum Teil auch noch eine Generationenfrage. In Zuunft wird es ja kaum noch Leute geben, die ohne Anschnallpflicht aufgewachsen sind.
@alleliebenwilli:
Also ich nehme Hunde nur im Beifahrerfußraum mit. Da bin ich jetzt allerdings rechtlich überfragt. Sollte aber meiner Meinung nach ein ausreichend sicherer Platz sein.
@dw:
Da sollte man meines Erachtens nach irgendwie gegen die Firmen dort vorgehen. Dass eventuell mal kein Auto mit Sitz verfügbar ist, kann natürlich passieren.
@all:
Danke für den vielen Zuspruch!
Es ist ein blödes Thema, weil klar ist, dass das ein (relativ) seltener Fall ist, auf den alle nur mäßig vorbereitet sind. Aber wer wenn nicht die Eltern sollte sich darüber Gedanken machen? Im Rahmen meiner Möglichkeiten tue ich alles, was machbar ist. Aber ich bin ja auch kein Kinder-Taxi. Während mir 3 mitgeschleifte Babyschalen sicher irgendwann mal eine tolle Tour bescheren, müsste ich auf der anderen Seite ständig Großgruppen und Reisende mit Gepäck stehen lassen. Mit 2 Sitzerhöhungen bin ich in meinem kleinen Opel schon ganz gut ausgestattet und froh drum. Aber natürlich reicht das manchmal nicht. Und wie man sieht, ist Vorsicht einfach besser als Nachsicht – auch wenn es mal Zeit kostet.
Ich finde es gut, dass Du grundsätzlich nur mitnimmst, was auch auf der Sitzschale oder halt ohne sitzen darf.
Ich finde es echt unverantwortlich von Eltern…ich würde mein Kind nie auch nur 2 Meter ohne passenden Sitz fahren lassen…absolutes NoGo…
Selbst beim Papa im LKW is der Sitz dabei
Und das ein Taxi nicht ständig eine Auswahl an sämtlichen Kindersitzen dabei hat, sollte eigentlich jedem klar sein…aber komischerweise erwarten alle genau das…am liebsten wahrscheinlich auch noch mit Sitzverkleinerer, falls das Kind etwas klein geraten ist oder wie?
Tja, und wenn Eltern so weit nicht denken können, müssen se halt laufen…
Ich muss sagen, dass ich bis mit dem Taxi fahren angefangen habe, gar nicht wusste, dass die Diskussion um die Kindersitze dermaßen gespalten ist.
Meine Meinung ist: Die Eltern sind für ihre Kinder verantwortlich und wenn sie zwei so unterschiedliche Dinge wie “Freiheit ausleben” und “unnötiges Risiko eingehen” durcheinander bringen, dann ist das bedauerlich wegen der Kinder aber letztlich nicht zu ändern. Bloß: Wenn die Kinder in meinem Taxi mitfahren, bin ich verantwortlich und dann wird auch ein Kindersitz verwendet.
@dw
@Ich
In unserer Firma ist es so, dass sich in jedem Auto (zumindest in jedem mit dem ich bisher gefahren bin) zwei Sitzerhöhungen befinden. Auf dem Firmengelände gibt es zusätzlich einen Kombinationssitz der Klassen 1-3, den alle Fahrer verwenden können. Bei den Babyschalen wird erwartet, dass sie von den Eltern gestellt werden. Ich hab schon mitbekommen, dass das auch anderswo so gehandhabt wird. Also, da besteht durchaus Verbesserungsbedarf. Aber was ihr erlebt habt, darf natürlich nicht passieren…
Kann man, wenn man wie z.B. dw oder Ich schrieb, mit ausreichend Vorlauf ein Taxi mit entspechendem Kindersitz vorbestellt hatte, dies einem von der Taxizentrale auch zugesichert wurde, und dann doch kein richtig ausgestattetes Taxi kommt:
1. das Taxi ablehnen – klar, kann man;
2. den Taxifahrer bzw. das Unternehmen/Taxizentrale auffordern, ein Taxi mit Sitz(en) wie vereinbart zu schicken – sicher – fordern kann man viel, ob es auch kommt?;
3. die Kosten für die neue Fahrkarte zum Normalpreis, die man kaufen musste wenn bei der Taxifahrt zum Bahnhof, der gebuchte Zug mit Sparpreis eben wegen des/der fehlende Sitze verpasst wurde, vom Taxiunternehmen einfordern (einklagen)?
Das Argument, als Eltern einen eigenen Sitz zu verwenden, ist ja höchstens bei einer Babyschale nachvollziehbar. Einen normalen Kindersitz nimmt man ja nicht mit auf eine Reise und auch im Wartezimmer beim Kinderarzt sieht das ein bisschen blöd aus. Und auch bei Babys wird man ja eigentlich keine Babyschale für eine Zugreise verwenden wollen, sondern einen richtigen Kinderwagen(einsatz). Und dieser bietet nun mal keine Sicherheit im Auto.
Könnten sich die einzelnen Taxibetriebe da nicht zusammentun und an 3…4 zentralen Stellen im Stadtgebiet (keine Ahnung wo in Berlin die Funkzentralen sitzen) jeweils ein paar Kindersitze in allen Größen deponieren, so dass es für die Fahrer kein Problem wäre, solche Sitze schnell zuzuladen und auch wieder loszuwerden.
Hier noch ein Link zu einem “Werbe”video des Verkehrsministeriums:
http://www.youtube.com/watch?v=DO596QcInEg&feature=BFa&list=PL2B6F0424E204AEC4&lf=results_video
Vielleicht wäre es sogar hilfreich, den (verständigen) Kinder richtig zu erklären, warum man sie jetzt nicht mitnimmt. Die Kinder fragen dann vielleicht vor der nächsten Fahrt ihre Eltern, warum sie keinen Kindersitz haben und bringen bestenfalls auch den Taxifahrer zum Nachdenken. Also so ähnlich wie wenn bei Geschwindigkeitskontrollen vor Schulen, die Kinder die Autofahrer fragen, warum sie zu schnell waren.
@Matthias:
Ich hab wirklich keine Ahnung, ob man da ggf. irgendwelche Ansprüche hat, wenn die Zentrale das verspricht. Ich denke, das wird sicher von den jeweiligen Umständen und dem Gericht abhängen.
Das Argument mit dem eigenen Sitz… ich sag es mal so: Es ist schwierig, da einen Mittelweg zwischen Kundenfreundlichkeit und Betriebsinteressen zu finden. Im Grunde müssen wir gar nix. Ich hab ja die Kinder nicht in die Welt gesetzt und mir überlegt, wie ich damit zurande komme. Ich möchte jetzt gar nicht so zynisch klingen, aber warum soll ich mir als Taxifahrer eigentlich mehr Gedanken darüber machen als die Eltern? Klar, wir hätten sie gerne als Kunden und deswegen kommen wir ihnen in der Praxis ja auch entgegen. Warum es aber absurd für Eltern sein sollte, einen Kindersitz umherzuschleifen, nicht aber absurd, das als Dienstleister zu tun, verstehe ich nicht.
Das mit dem zentralen Lagern ist keine schlechte Idee. Ich vermute schlicht, dass das wahrscheinlich an allen Beteiligten scheitern würde. Die Zentralen müssten Aufwand betreiben und sich den vergüten lassen. Viele Unternehmer würden das Angebot schon mal gar nicht annehmen. Für uns Fahrer bleibt bei 900 km² Stadtgebiet auch bei 10 oder 15 Sitzlagern immer ein Umweg und der kostet Zeit, bzw. Geld. Wird das nicht vergütet, hat keiner Bock drauf. Wird es das, nutzen es die Kunden letztlich wieder nicht, weil es teurer ist und noch dazu länger dauert.
Ich denke, letztlich ist Aufklärung und gegenseitiges Verständnis der Schlüssel zu allem. Schließlich hab ich gerne Kids im Auto, ein vertretbarer Aufwand ohne Sicherheitseinschränkungen sollte es aber eben sein.
Zumindest bei jenen Eltern, die ein Taxi vorbestellen und um einen Kindersitz bitten, dürfte die Bereitschaft für eben diesen Sitz z.B. 2 oder 3 Euro zu zahlen, recht hoch sein. Sie zeigen ja schon durch die Vorbestellung, dass ihnen ihre Kinder etwas wert sind. Bei Übergepäck oder 5 Personen wird ja sonst auch ein Aufpreis gefordert.
Andere Dinge wie z.B. Schneeketten mieten sich die Leute teilweise ja auch nur bei Bedarf und zahlen dafür. Warum sollte eine autofreie alleinerziehende Mutter für eine handvoll Autofahrten im Jahr eine Babyschale kaufen.
Mit guter Lobbyarbeit könnte man die Sitze den Herstellern vielleicht sogar zum halben Preis oder für Lau abschwatzen und dafür Werbung fahren oder einen Testbericht schreiben.
Damit die Taxis sich eben nicht eine ganze Schicht oder gar immer mit 3 verschiedenen Kindersitzen den Kofferraum vollmüllen, hatte ich meine Idee mit den Depots. Klar, wenn der Laden brummt wie zu Silvester, hat kein Fahrer Lust extra zu einem Depot zu kutschen. An normalen Tagen und bei einer Vorbestellung sollte es doch aber für ein einigermaßen planmäßig agierendes Unternehmen möglich sein, einen ihre Fahrer so zu dirigieren, dass er nicht 1 Stunde am Bahnhof rumsteht, sondern auf dem Rückweg einer der 3…4 vorhergehenden Touren ein Depot ansteuert.
Wenn die Polizei bei nicht richtig gesicherten Kindern richtig durchgreifen würde, hätten sich die Taxiunternehmen im Nu aufgerafft und würden was organisieren.
Wer als Erwachsener zu blöd/faul/vergesslich ist, den Gurt anzulegen, sollte (zumindest teilweise) für die dadurch entstandenen Krankenkosten in Regress genommen werden und ansonsten die 40 Euro zahlen, aber bei Kindern habe ich absolut kein Verständnis. Die sind schließlich auf Gedeih und Verderb auf die Fürsorge von uns Erwachsenen angewiesen.
Was die Vorbestellungen betrifft, da nutzt es auch nichts, wenn man einen Monat vorher anruft. Die Vorbestellung ist frühestens einige Stunden vorher für die Fahrer sichtbar und wenn kein entsprechender Wagen in der Nähe ist, wird eben ein anderer geschickt.
Im Übrigens denke ich auch, dass man von den Taxifahrern nicht erwarten kann, alle Größen, möglich mehrfach, dabei zu haben. Manches können wir eben nicht so einfach transportieren. In viele Autos passt auch kein Klapprollstuhl, aber dann geht es eben nicht. Das Multifunktionstaxi, das alles hat und noch mehr kann, gibt’s leider noch nicht.
@Matthias:
Ich finde deinen Optimismus gut, aber ich bin mir nicht so sicher. Aber das mag eine Glaubensfrage sein. Ich hab im Hinterkopf halt die Leute am Taxistand, die eine Fahrt ohne Kindersitze bevorzugen, um nicht noch einen Fahrer fragen zu müssen
Bei der Frage nach dem Sinn einer Babyschalen-Anschaffung muss ich leider dabei bleiben: Warum sollte ich mir als Taxifahrer eher eine Babyschale anschaffen als die Mutter des Kindes? Es ist für uns beide eine Ausnahmesituation.
Möglichkeiten, die Depot-Lösung umzusetzen, gibt es sicher. Aber da müsste eben wirklich einiges geändert werden. Wie Aro schon schrieb: Ist ja nicht so, dass wir Fahrer die Vorbestellungen schon so früh haben wie die Zentrale…
Aber an diesem Punkt ist es müßig zu diskutieren, weil sich hier die Gegebenheiten ganz enorm unterscheiden von Stadt zu Stadt und Landkreis zu Landkreis. Ich gehe natürlich immer von Berlin aus.
Ich hab gegen Kontrolle in unserem Gewerbe ja nicht unbedingt was einzuwenden, aber ich glaube eher, dass im Falle härterer Ahndung viele Eltern auf ein Taxi verzichten müssten. Es reagieren ja nicht alle gleich und bei dieser Problematik ist mehr vonnöten als nur der Wille einiger Unternehmer. Und ich bin ziemlich sicher, dass ein hoher Anteil der Alleinfahrer beispielsweise lieber die 3 Kinder pro Quartal stehen lassen würde, als einmal Geld für einen Sitz auszugeben oder monatlich was an irgendwelche Depotbetreiber zu zahlen. So eine sonderlich nennenswerte Zielgruppe sind Kinder und Familien in unserem Gewerbe einfach nicht überall.
Unser Problem ist vor allem eines (auch da wieder ein Verweis an Aros guten Kommentar über dem hier): Wir sollten möglichst für alle Eventualitäten gewappnet sein, haben aber weder großen finanziellen Spielraum, noch viel Platz. Surfbretter, Kinderwagen, Kinder, alte Leute, Betrunkene, Großfamilien mit Reisegepäck – alles erfordert unterschiedliche Ausstattung. Als Nachtfahrer wären mir in Klapptischen integrierte Kotztüten wichtiger als Kindersitze, manchem Tagfahrer vielleicht ein besser einteilbarer Kofferraum anstelle der 6 Sitze… aus der Sicht eines akut Betroffenen bieten Taxen meist immer irgend ein Extra zu wenig. Vielleicht ist das aber immer noch besser, als ein oder zwei Untergruppen 3 Extras zu bieten und dem Rest gar nix.
Das ist doch auch alles gar nicht der Punkt. Der Punkt ist, dass (so ich das richtig verstehe) Zentralen ein Taxi mit konkret verlangtem Kindersitz versprechen, dann aber eines ohne kommt.
Vielleicht sollte es öfter mal rechtsschutzversicherte Mütter geben, die ausnahmsweise für Beweismöglichkeiten gesorgt haben und Mathias Frage 3 schlicht ausprobieren.
@sternburg:
Doch ist es. Ich wollte ja nicht darauf raus, was hier und da irgendeine Zentrale vergeigt, sondern wie bekloppt die Regelungen sind und das Eltern reihenweise die Sicherheit ihrer Kinder egal ist.
(Was nicht heisst, dass ich dafür bin, das von dir angesprochene Problem anzugehen)
Lieber Sash, leider herrscht bei den meisten Menschen folgendes im Hirn: Leere, ein Gedanke “ICH will, ICH darf, steht MIR zu!” und dann wieder Leere.
Eltern sind leider keine Ausnahme. Sogar meine Mutter hält mich für doof weil ich mein Kind nichtmal für 20 Meter unangeschnallt im Auto mitnehme. Man muss nur mal mittags an einer Schule sehen. Kindersitz? Ja. Aber das Kind kommt mit dem Ranzen auf den Rücken darauf und wird nicht angeschnallt. *seufz*
Unser Hund hat eine Transportbox die auf dem Rücksitz festgeschnallt wird. (Wobei auch wir schon mit Hund, aber ohne Box unterwegs waren *schäm*)
Das es wohl mit dem Vorbestellen auch nicht so toll klappt ist allerdings bedauerlich, dafür kann aber der Taxifahrer auch nix, er bekommt nur den Frust der Eltern dann ab…
@ Sash
Optimist, naja ein bisschen schon.
Aber meist denke ich mir: “Meine Idee klingt so gut, die müsste doch allen einleuchten.” – Also doch ein unverbesserlicher Optimist.
Ich erwarte nicht, dass du dir eine Babyschale kaufst (obwohl, wer weiß, was alles nach dem 18. November kommt
) – aber dein Chef (oder wie in meinen optimistischen Vorstellungen alle Taxifirmen in Berlin) könnte doch so einen Sitz anschaffen (oder eben 10 Stück für ganz Berlin) und dann eben einen Aufschlag verlangen. Aber gut, ich weiß schon die Realität sieht anders aus.
Vielleicht entwickelt sich da aber auch etwas. In ein paar Jahren ist es vielleicht häufiger, dass Familien kein eigenes Auto besitzen sondern ein Taxi bestellen (Umweltschutz, Benzinpreise, Parkplatznot…)
Und vielleicht wird Kindern auch in wesentlich mehr Belangen als heutzutage mehr Raum und Gewicht eingeräumt. Dann wird vielleicht ein prozentualer Anteil an Kindertaxis vorgeschrieben.
Da fällt mir gerade ein: Manche Kommunen bezuschussen sogenannte Discotaxis. Also junge Leute bekommen, nachdem sie sich die Birne vollgeschüttet haben, ein Taxi (fast) gesponsort, damit sie nicht sich und andere in Gefahr bringen.
Nüchterne Eltern mit Kind werden aber im Regen stehen gelassen.
Naja, Kinder sind keine Wähler und Eltern, die sich bewusst gegen ein Auto entscheiden, wählen ohnehin nicht die “richtige” Partei. Unter anderem deswegen scheitert ja in Deutschland auch das europäische Schulobstprogramm.
So jetzt habe ich nochmal gezeigt, dass ich nicht nur ein Optimist, sondern gar ein unrealistischer Utopist bin.
Hier in den USA gibt’s dafuer ein ganz einfaches Modell, z.B. fuer Fahrten an den Bahnhof oder zum Flughafen. Fahrgast bringt seine Kindersitze zur Taxifahrt (meist ja von zuhause) einfach mit, Kinder sind bestens gesichert. Und dann nimmt der Taxifahrer die Sitze mit und lagert sie im Taxiunternehmen ein. Da wirds ja ein bisschen Platz geben. Entweder bestellt der Kunde dann die Rueckfahrt und voila, Fahrer kommt gleich mit passendem Sitz. Oder Fahrgast holt die Sitze spaeter wieder ab. Mal drueber nachdenken und zum innovativen Taxiunternehmen werden! Cheers.
Ah, mein Thema! Vor drei Wochen – Zugfahrt nach München.
Nachfrage am Taxistand Hbf nach 2 Kindersitzen (eine Sitzerhöhung und ein Kl.1 Sitz). Hat keiner dabei, maximal eine Sitzerhöhung, kein Problem. Anruf in der Zentrale: wir brauchen ein Taxi mit oben beschriebenen Sitzen. Auskunft: ja, kein Problem. Kann halt ein bissi dauern. Wir sollen zu einem anderen Ausgang gehen. Als wir dort ankommen steht eine lange Taxischlange ordentlich aufgereit und wir stellen uns mit unserem Buggy deutlich sichtbar auf und machen uns auf Wartezeit gefaßt. Wir müssen aber gar nicht warten. Das erste Taxi nimmt uns mit und der freundliche ältere einarmige Herr holt eine Sitzerhöhung aus dem Kofferraum und schnallt unseren 2jährigen drauf fest – der Gurt läuft direkt über den Hals und zerrt den kleinen Kopf nach oben. Weitere Auskunft: der größere (7 Jahre), braucht ja keinen Sitz mehr.
Die Krönung ganz zum Schluß – 1,20€ Aufschlag für die Bestellung des Taxis. *argh* (war übrigends eine 14,20€ Fahrt – ohne Zuschlag)
Tja, soviel zu Rabeneltern…
@MavoDaMi
“einarmig”…
@Aro ähm, ja?!
Ich kann mir kaum vorstellen, dass ein einarmiger Taxifahrer den Gesundheits-Check besteht.
@Aro: Der gute Mann hatte definitiv nur einen Arm. Ich war ehrlicher weise hin und her gerissen zwischen Verwunderung und Staunen, wie er das Auto mit seinem Handicap gesteuert hat. Laut seiner Ausage ist er Rentner und fährt nur noch bisschen nebenbei am Wochenende.
[...] Allerdings ist es leider auch ein erschreckendes Zeugnis für die deutsche Bevölkerung, dass man das als Pflicht einführen musste. Und für die Bürokratie, dass es es eine so absurde Regelung geworden ist – siehe meinen Artikel zu Kindersitzen im Taxi… [...]
Danke, Du hast mir gerade eindrucksvoll bewiesen, dass auch rundherum vernünftige Menschen Taxi fahren. Hatte ich vergessen. Allerdings frage ich mich manchmal sowieso, warum 95% aller Autofahrer mit dem Führen eines Kfz hoffnungslos überfordert scheinen.
“dass Kotze im Auto nicht halb so eklig ist wie ein zerplatztes Baby an der Windschutzscheibe.”
Den muss ich mir wirklich merken …